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5.0 von 5 Sternen Von Mensch zu Mensch wird über Bande kommuniziert.
"Man muss sich fragen, ob der menschliche Geist das beherrschen kann, was er geschaffen hat."
(Paul Valery)

In Anlehnung an das Kommunistische Manifest von Karl Marx kann der Leser vermuten: Es geht ein Gespenst um in Deutschland. Anders als zu Marx Zeiten sprechen wir hier von einem Wechsel der Herrschaft zwischen Mensch und Technik, Mensch und Maschine...
Vor 21 Monaten von kpoac veröffentlicht

versus
8 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dieses Buch wird in ihrem Leben nichts ändern - unkritische Technikhudelei
Das man so etwas hinnehmen muss: Ein Philosoph, der die Abschaffung der Natur postuliert und nichts dabei findet. Der meint, Kinder würden die Natur gar nicht vermissen, weil sie sie nie kennen gelernt haben. Ein Philosoph, der meint, man könne und solle doch gar nicht versuchen, Widerstand zu leisten. Die Technik überrolle uns eben - so what?
Da...
Vor 21 Monaten von M. Weissinger veröffentlicht


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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Mensch zu Mensch wird über Bande kommuniziert., 5. Oktober 2012
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Gestell. (Broschiert)
"Man muss sich fragen, ob der menschliche Geist das beherrschen kann, was er geschaffen hat."
(Paul Valery)

In Anlehnung an das Kommunistische Manifest von Karl Marx kann der Leser vermuten: Es geht ein Gespenst um in Deutschland. Anders als zu Marx Zeiten sprechen wir hier von einem Wechsel der Herrschaft zwischen Mensch und Technik, Mensch und Maschine. "Welcome to the maschine" sangen Pink Floyd ahnungsvoll, McLuhan erspürte den Menschen als Sexualorgan der Maschine und Heidegger formulierte diese Vision im Terminus "Gestell". Heidegger inspirierte Norbert Bolz sich im neuen Jahrtausend der Technik, der Maschine, dem Gestell erneut zuzuwenden. Der Prozess der Technisierung als eine Erfolgsgeschichte des Verstandes ohne Vernunft wird hier offenbart. Ein Verfahren der Nutzung ohne Verstehen; ein Wissen, das etwas geht; ein Unwissen über die Tiefen des technischen Geistes fordern den Leser. Verführung durch die Oberfläche; Erleichterung durch eine Benutzerfreundlichkeit, die Berührung fordert; Ansporn durch Technik und ihre Nutzung sich zu sozialisieren: dieses sind die Animatoren einer neuen Gesellschaft, in der sich Herr und Knecht die Hand geben, um die Positionen zu wechseln. Unverständnis in der Tiefe schürt den Glauben an die technische Vollendung. Galt bisher ein Gott dem Menschen zum Maßstab, ist es nun der Homunkulus, die Selbstschöpfung aus einer technischen Welt, der er bereitwillig folgt mit fast religiösem Eifer.

Norbert Bolz (1953 - ) verführt und führt eloquent mit seinen literarisch, wissenschaftlichen Gehilfen durch ein Terrain der gesellschaftlichen Veränderung und Neuausrichtung. Die Entzauberung der Welt zwischen Husserl, Luhmann, Weber führt in eine vollendete Technisierung mit dem höchsten Vertrauen in das Unerkennbare. Technik wird bei Bolz zur Metaphysik, sie wirkt schreibend auf den Menschen wie in Kafkas Strafkolonie. Der Mensch unterwirft sich dem Fortschritt, sich abschaffend als Herr unterwirft er sich von ihm Geschaffenem als Funktionär der Technik, als Angestellter des Gestells.

Sein Verkehr mit der Technik ersetzt den Verkehr mit Menschen. Von Mensch zu Mensch wird über Bande gespielt. Das Systemvertrauen wächst zugunsten des Gestells als neue Sinnstruktur der Welt. Der Mensch erkennt seinen Mangel, ersetzt ihn durch eine Erweiterung, in der die Technik sein Wesen wird, weil er biologisch ausgereift scheint. Bolz spricht von der Anti-Darwin Welt. In der Technik und deren Fortschritt verfängt sich der Kampf um jenes Survival of the fittest. Der Mensch hat sich dieser Kampfzone erfolgreich entzogen. Seit Nietzsche kämpft er nicht mehr ums Überleben, nun ist es die Macht. Und diese Macht transformiert er auf ein Gestell, auf ein Gehäuse, in dem er freiwillig als Haustier einzieht. Der Mensch fällt hinter seiner Perfektion der Geräte zurück, das Gerät verlangt eine neue Anpassung, das prometheische Gefälle (Günther Anders) beginnt. In der Perfektion der Technik spiegelt das Mängelwesen Mensch sich, in diesem Bild entsteht die prometheische Scham, bloß geboren und nicht gemacht zu sein. Die zunehmenden Schönheitsoperationen sind deutliches Zeichen zur nachholenden Selbstgestaltung wie es die Gentechnik ebenso in Zukunft sein wird.

Wer spürt, in welcher Welt er lebt, wird auch die Lust verspüren, Bolz zu lesen. Er wird merken, wie starke Bindungen in Freundschaft oder Beziehung sich eines virtuellen Informationsaustausches entledigen, weil man das Bekannte zu schätzen weiß. Der Leser wird ebenso bemerken, wie dringend die Hinwendung zu Sozialen Medien gefordert wird, in denen der Mensch am stärksten an der Informationsflut bereit ist teilzunehmen, wenn die Bindungen schwach sind. Verbindlichkeiten, die nicht binden, liegen hier bereit. Das Scoring von FB Freunden suggeriert eine Wichtigkeit, die allerdings in ihrer Schwäche stets vor dem Tode steht. Aus den Basislagern von Freundschaften, Familien und Beziehung mag die Expedition in virtuelle Welten gelingen, wenn der Gedanke an Heimat bleibt. Wer diesen verliert, irrt von Like zu Dis-Like durch die technischen Black Boxen und spürt die leise Berührung an der Benutzeroberfläche als Teilhabe an einer Welt, die ihm die Technik als emotionalen Mehrwert einrichtet, letztendlich als moderne Glaubensweise.

Aber, und hier hat Bolz zudem Recht, diese Welt der Technisierung ist das neue Soziale. Gesellschaft und Gemeinschaft müssen neu geortet werden. Der Mensch dieser Zeit hat die Wahl, er wird nicht in (Wahl-)Verwandtschaften hineingeboren. Es gilt die freie Wahl und eine beliebige Aktivierung. Nach der Entfremdung in der Modernen durch zunehmende Urbanisierung entstehen in elektronischen sozialen Netzwerken neue Nachbarschaften. Neues Linking entsteht, wer kennt wen und wer weiß was sind Fragen, die Zugehörigkeiten neu verorten. Das Netzwerk wird zu Botschaft, die Vernetzung selbst definiert die Links im gesellschaftlichen Wandel. Schenken, teilen, sorgen sind die Eigenschaften derjenigen, die die Effektivität der Gemeinschaft vermehren wollen. Zu dieser Eigenschaft gesellt sich etwas, was schon immer galt, wenn etwas gut von der Hand ging: FREUDE. Generation X, Y, Z sind auf dem Vormarsch und seit Aristoteles' Spruch, mit der Jugend könne man nichts anfangen, hat jede Generation Gleiches gesagt und im Selben ihr Unrecht eingestehen müssen.

Bolz verweist auf die Epiphanie der Noosphäre des Teilhard und erkennt in ihr gespiegelt das Abbild Internet und Cloud. Das Wort wird nicht Fleisch, es wird Technik, es ist der Logos, der die Medien und die Menschen führt vom Marktplatz des Sokrates, von den Kirchen Jesu in die virtuellen Hallen (Blogs, Twitter und Co.) des Internets und wer den Schmerz spürt mit dem Wissen älterer Generationen, dem sei gesagt, es ist der Geburtsschmerz des Neuen. Der öffentliche Raum der Hannah Arendt wird geschlossen durch die Teilhabe an einer Welt, ohne vor Ort sein zu müssen. Öffentlichkeit und Transparenz werden zu Aufforderungen der Selbstentblößung in einer Transparenzgesellschaft. Internet und Cloud erscheinen somit als Utopie, die ja bekanntlich ein Nicht-Ort ist. Und so steht jeder wie Kafkas Robinson auf seiner eignen Insel, hebt die Fahne der Aufmerksamkeit, um im virtuellen Leben entdeckt zu werden.

Wie immer liegt in der Mitte die Wahrheit. Wir sind dabei, wir können es selbst bestimmen.

Neben Bolz empfiehlt sich Teilhard, Capurro, Stiegler, Liessmann und Han als Literatur.
Lesenswert.
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8 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dieses Buch wird in ihrem Leben nichts ändern - unkritische Technikhudelei, 19. Oktober 2012
Von 
M. Weissinger (Essen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Gestell. (Broschiert)
Das man so etwas hinnehmen muss: Ein Philosoph, der die Abschaffung der Natur postuliert und nichts dabei findet. Der meint, Kinder würden die Natur gar nicht vermissen, weil sie sie nie kennen gelernt haben. Ein Philosoph, der meint, man könne und solle doch gar nicht versuchen, Widerstand zu leisten. Die Technik überrolle uns eben - so what?
Da meinte Platon noch, man könne die Welt nur durch die Idee des Guten erkennen. Davon verabschiedet sich Bolz: Verstehen reicht schon, bewerten nicht nötig und überflüssig. Immer schön die Bedienungsanleitung lesen, dann braucht man fast keine Philosophie mehr. Ob AKWs krank machen - egal, Hauptsache man weiß, wie sie funktionieren!
Und Technik begrenzen und einhegen - bringt laut Bolz nur neue Probleme, weil unser Land dann den "Anschluss verliert" im internationalen Wettbewerb. So sieht das kritische Bewusstsein des 21.Jahrhunderts aus, Valium für das Volk. Wenn der Norbert Bolz mal nicht in der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mitmacht. Passen würde es ja. Gehorche Volk - der Bolz hat gesprochen. Gut, es gibt eine philosophische Tradition, die die schne Tradition pflegte, den Herrschenden nach dem Munde zu reden. Auf die beruft sich der Großmufti dann auch: Nazi-Heidegger lässt grüßen. Das Nichts nichtet wieder. Also braucht man davon auch nichts lesen. Dieses Buch schon gar nicht. Lest lieber Camus: Der Mensch in der Revolte.
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Das Gestell.
Das Gestell. von Norbert Bolz (Broschiert - 12. September 2012)
EUR 16,90
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