Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:
 (1)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Schöpferische ist eine allgemeine menschliche Fähigkeit!, 2. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Jenseits von 'Musikalisch' und 'Unmusikalisch'. Die Befreiung der schöpferischen Kräfte dargestellt am Beispiele der Musik (Broschiert)
„Heinrich Jacoby zu lesen bedeutet, eine der interessantesten Personen der neueren Musikpädagogik zu entdecken“. So urteilen im Vorwort von 1984 zwei Musikprofessoren. Sophie Ludwig, die Herausgeberin der Vorträge und Aufsätze Jacobys aus den Jahren 1921 bis 1925, berichtete mir allerdings, dass einer der Experten später beklagt hat, Fachleute würden Jacoby „Wissenschaftlichkeit“ absprechen. So meinte man die für die etablierte „Musikwissenschaft“ unbequemen Erkenntnisse des originellen Forschers übergehen zu können.
Wen eigene Beobachtungen und Vergleiche über die Qualität menschlichen Verhaltens erfreuen und faszinieren, dem öffnet sich bei der Jacoby-Lektüre eine Schatzkammer. Er wird ermutigt, selbsttätig Erfahrungsgelegenheiten zu suchen und „auszuprobieren“, und eigenständig sich für das schöpferische Potential in jedem Menschen zu interessieren. „Befreie Dich von Bevormundungen, versuche Dein Leben ‚aus erster Hand‘ zu leben“, würde Jacoby einem Sinnsucher zurufen, dem unsere Spaßgesellschaft zuwider ist. “Die Rolle, die Wort, Ton, Linie, Farbe, Körper, Rhythmus in der Erziehung zu spielen vermögen, kann n i c h t die von Künsten im landläufigen Sinne sein. Es geht bei all dem um elementare, allgemein menschliche Ausdrucksgebiete, auf denen grundsätzlich jeder zu ähnlichen unmittelbaren und selbstverständlichen Äußerungen gelangen könnte wie etwa beim Gebrauch der Muttersprache, bei der wir doch auch zuerst an das Ausdrucks- und Verständigungsmittel denken und nicht an Dichtung oder dramatische Rezitation" (S. 12).
Was hilft weiter? „Empfangend sich verhalten und reagierbereit lauschen!“ Nicht den „Stoff“, das Äußere, erfassen und begreifen wollen. „Die Forderung, nicht auf den ‚Stoff‘ zu achten, sondern den Ablauf in sich zu empfinden, sich über die betreffende Empfindung Rechenschaft zu geben, sie von anderen Arten der Empfindung zu unterscheiden, bedeutet wohlgemerkt nicht, daß damit nach subjektiven Meinungen, nach ‚Gefühlen‘, nach Urteilen über schön und häßlich, angenehm und unangenehm, Wert und Unwert der konstatierten Empfindung gefragt wird. Ganz im Gegenteil! Es kommt allein darauf an (und das ist in der Praxis viel leichter zu erreichen, als man glaubt!), sich zunächst nur – wie ein registrierender Apparat – Zustände und Zustandsänderungen bewußt werden zu lassen, ohne danach zu fragen, welche subjektiven Wirkungen man dabei empfindet und welche Meinungen man darüber hat. Dieses Verhalten ist die erste und wichtigste Voraussetzung, unter der allein es gelingt, gesetzmäßige Vorgänge in Klangzusammenhängen jederzeit und sicher zu erkennen“ (S. 67).
Wir sind als Eltern und Erzieher gefordert bei Kindern die „Vorstellungs“fähigkeit zu fördern! Darum gilt es vor allem, dafür zu sorgen, „daß die Grundlage für die Entwicklung der „Vorstellungs“fähigkeit, das Gewinnen von Erfahrungen – sei es im Gehen, Sprechen, Tasten, Summen usw. – nicht schon im frühen Kindesalter gestört wird“ (S. 77). Die Abkehr von „Stoffbetrachtung“ und die Hinwendung zu „gesetzmäßig funktionellen Beziehungen und Abläufen“ ist für Jacoby Grundlage für alle Möglichkeiten der Äußerungen, nicht nur in der Musik. So gewinnt die Auseinandersetzung mit der Umwelt insgesamt an Qualität! Für mich ist es erstaunlich, in welchem Maße sich bei Jacoby schon Lösungsansätze finden, die Jahrzehnte später in diversen Strategien und Modellen für ein angstfreieres, kreatives, friedlicheres Zusammenleben begegnen (s. beispielsweise: Mashall B. Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation; Reinhard Tausch, Lebensschritte; Verena Kast, Imagination als Raum der Freiheit).
Aber Vorsicht beim Anwenden von „Methoden“! Davor warnt Jacoby. Durch irgendwelche „Reformmethoden“ gewinnen wir keinen leichteren Zugang zum Schöpferischen im Menschen. Den Weg, den Jacoby aufzeigt, darf nicht als „Methode“ missverstanden werden, „als eine Sammlung von Übungen und Vokabeln, die man erlernen und benutzen kann“.
Zusammenfassend heißt es im Bericht von 1925: „Das eigentliche Problem der Befreiung des Schöpferischen und der Sicherung des Schöpferischen im Kinde ist und bleibt ein Problem der Erwachsenen – ein Problem des Milieus, ein Problem der Zielsetzung – und erscheint erst in zweiter Linie als ein Problem des Wegs. Zunächst heißt es: Aufräumen mit Gedankenlosigkeiten und Vorurteilen bei uns, - alles daran setzen, daß wir Erwachsene wieder freiere, sichere Menschen werden. Jeder Erwachsene – und nicht nur jeder Lehrende – ist Erzieher ... denn er ist ein Teil des entscheidendsten aller Erziehungsfaktoren – des Milieus -!“ (S. 85).
Jacoby verweist aufgrund konkreter Beobachtungen und Erfahrungen auf allgemeine menschliche Fähigkeiten. Jeder kann an der Überwindung seiner Störungen arbeiten! Ein sehr anregendes Buch!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen