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Was man Liebe nennt. Zuneigung, Freundschaft, Eros, Agape.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juli 2011
Ein Meisterwerk! Mr. Lewis hat einfach eine wundervolle Art, theoretische und schwer nachvollziehbare Inhalte einfach und sehr charmant zu erklären. Ich habe längst nicht alles verstanden, aber was ich verstanden habe, war sehr bereichernd für mich. Angefangen bei Sympathie gegenüber Dingen und Menschen, über Zuneigung, Freundschaft und sexueller Anziehung bis hin zur bedingungslosen Liebe zum Nächsten wird dem Leser eine immer stärkere Liebe vorgestellt, die schließlich in der Anbetung Gottes ihren Höhepunkt erreicht. Eine wundervolle Reise!
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. September 2010
Lewis erzählt uns hier sehr viel Richtiges über Zuneigung, Freundschaft, Eros und Agape, der höchsten Form der Liebe wie sie in der Bibel beschrieben wird. Man erkennt bei vielem, was er sagt sofort, dass es stimmen muss, weil man selber schon genau diese Gedanken- und Gefühlsgänge in vergleichbaren Situationen hatte. Nur, dazu hätte man nicht unbedingt das Buch lesen müssen.
Lewis gewährt uns Einblick in sein Seelenleben und erklärt uns dabei zugleich wie es in uns in den meisten Fällen aussieht. So weit so gut. Oder doch nicht, denn es gibt da wenig aufregendes zu berichten. Wenn also jemand erwartet etwas nicht-psychologisches, schönes, zauberhaftes über die Liebe zu erfahren, wird er wohl eher enttäuscht. Lewis ist hier kein Dichter. Er stellt an den Leser fast so hohe Anforderungen wie es eine wissenschaftliche Arbeit erfordert. Er seziert, was man Liebe nennt und dabei geht es ihm ähnlich wie einem Chirurgen, der tief schneidet und doch den Zugang zur Seele nicht freilegt. Beim Chirurgen liegt es daran, dass er es nur mit dem Leiblichen zu tun hat. Und bei Lewis? Er erweckt oft den gleichen Eindruck.
Wichtig ist in dem Werk, dass Lewis herausstellt, dass es keine wichtigere Liebesart gibt als die zwischen Mensch und Gott, weil einzig diese Bestand hat und die Basis für alles aufbauende, das auch stehen bleibt, ist. Andere Liebesarten müssen sich dem unterordnen, vernünftigerweise und lebensnotwendigerweise.
Lewis schweift oftmals ab ins Philosophische. Doch dabei entwickelt er seine stärksten Aussagen. "Der Mensch kommt Gott am nächsten, wenn er Gott in einem gewissen Sinn am wenigsten gleicht." Lewis liebt offensichtlich solche Widersprüche. Wie sie sich auflösen, erklärt er in überzeugender Weise. Man muss unterscheiden zwischen Gottesnähe und Gottesähnlichkeit. Zu erkennen, dass man wenig Ähnlichkeit mit Gott hat, weil er alles Gute hat, wessen man selber dringlichst bedarf, versetzt einen sofort in eine Nähe zu Gott, von der aus man von ihm erreichbar und ansprechbar ist. Und daher gilt auch: "Das Höchste steht nicht ohne das Niedrigste", denn "Eine Pflanze braucht unten die Wurzeln und oben den Sonnenschein, und Wurzeln sind nun mal schmutzig." Es ist praktisch unmöglich Christ zu sein, und sich nicht seiner absoluten Bedürftigkeit bewusst zu sein.
Wer solche Aussagen nicht mag, der sei vor diesem Buch gewarnt. Der Leser lässt sich auf eine gehörige Menge christlicher Glaubenssätze und Lebensansichten ein. Und auch wenn es in der Hauptsache um die Spielarten der Liebe geht, Lewis findet immer wieder zurück zu christlichem Gedankengut, vielmehr baut er alles um seinen christlichen Glauben herum auf und krönt es mit dem Agape Angebot Gottes.
Bei aller Liebe versäumt er es interessanterweise nicht, unredliche Hohlköpfe, die das Christentum dünkelhaft und überheblich angreifen, politisch völlig unkorrekt anzugehen und des "erhabenen Schwachsinns" zu überführen. Was nicht schwer ist, aber leicht zu versäumen. Wer das Christentum verteidigt, tut es ja nicht zwangsläufig gegen solche, die nur darauf aus sind es zu verleumden. Lewis Sprache ist aber meistens von großer Zurückhaltung geprägt, auch wenn es durchschaubar scheint, dass er das wohl eher aus Berechnung als aus Freundlichkeit heraus tut.
Lewis ist wohl auch nicht der Freund der Feministinnen. Für ihn ist die Ehe ein Abbild (Mysterium) des Verhältnisses von Gott zu den Menschen. Und daher ist die Unterordnung kein notwendiges Übel sondern ein Weg zum Segnen. Dass die Unterordnung der Frau durch lieblose Männer ins Maßlose gesteigert wird und dass das Heidentum schon seit jeher die Ausbeutung und Versklavung der Frau betreibt, müsse von der biblisch geforderten Unterordnung der Frau, die als unabdingbares Gegengewicht die ebenso geforderte Liebe des Mannes zur Frau herausstellt, unterschieden werden. "Auch die entschiedensten Feministinnen brauchen mein Geschlecht nicht um die Kronen zu beneiden, die ihm das heidnische oder das christliche Mysterium anbietet. Denn die eine ist aus Papier, die andere aus Dornen. Die wirkliche Gefahr liegt nicht darin, dass die Männer zu eifrig nach der letzteren greifen, sondern dass sie es zulassen oder fördern, wenn ihre Frauen sie sich anmaßen."
Lewis legt aber den Schwerpunkt eindeutig auf das Versagen des Mannes die Frau so zu lieben, dass ihr von vorneherein der Anreiz für ihr Aufbegehren genommen wird. Wenn es so leicht ist, ist es sehr schwer!
Lewis hat auch immer eine eigene Theologie. Er schlägt mit Vorliebe einen Bogen vom alltäglichen zur höheren Himmelsmathematik. "Es gibt nur einen Ort außer dem Himmel, wo wir vor allen Gefahren und Wirrungen der Liebe vollkommen sicher sind: die Hölle."
Insgesamt eine interessante Arbeit, die nicht immer leicht zu lesen ist. Mehr etwas für philosophisch interessierte.
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am 18. Februar 2013
Clive Staples Lewis (1898-1963) war ein renommierter Literaturwissenschaftler. Zunächst Atheist, bekehrte er sich mit 33 Jahren zum Christentum. Sein "Was man Liebe nennt" ist ein überaus anregendes und geistreiches Buch über die Frage: Was ist die vollkommene Liebe? Menschen wollen glücklich sein, sie wollen lieben - und sie wollen geliebt werden. Aus der Perspektive des christlichen Weltbildes behandelt Lewis systematisch das ganze Spektrum dessen, was das Wort "Liebe" bedeutet. In unvoreingenommener und einfühlsamer Weise charakterisiert er alle Formen der natürlichen Liebe: Vor-Lieben (Durst, Gaumenfreuden, Naturliebe, Vaterlandsliebe), Zuneigung (Sympathie), Freundschaft, Eros. (Das Kapitel Eros ist ein meisterhafter Essay über die Liebe der Geschlechter.) Aber er weckt auch Verständnis für die übernatürliche schenkende Liebe und die wertschätzende übernatürliche Liebe im Gebet (Nähe der Ähnlichkeit) - und ganz besonders für den unverzichtbaren Wert der bedürftigen Liebe (Nähe im Suchen).

Der Mensch lebt aus empfangender und schenkender Liebe.

Wir alle glauben zu wissen, was Liebe ist. Doch wer kann von sich behaupten, darüber systematisch nachgedacht zu haben. Auch Lewis musste sich eingestehen, dass er wichtige Aspekte der Liebe erst bei der Arbeit an seinem Buch verstanden hat: Das menschliche Bedürfnis, geliebt zu werden, gehört unabdingbar zum Menschsein dazu. "Wir kommen hilflos zur Welt. Kaum ist unser Bewußtsein erwacht, entdecken wir die Einsamkeit. Wir sind auf andere angewiesen, körperlich, seelisch, geistig. Wir brauchen sie, um lernen zu können, sogar um uns selbst kennenlernen zu können." (S. 8) Wir müssen lernen, dass es so überaus schwierig ist, bedürftige Liebe demütig anzunehmen, ohne insgeheim zu glauben, wir hätten das Geschenk der Liebe irgendwie verdient. "In einem solchen Fall ist Nehmen schwerer und vielleicht seliger als Geben." (s. 135) Und wir sollen das Geschenk der Liebe selbstlos weitergeben: "Schenkende Liebe göttlicher Art - die Liebe in Person, die in einem Menschen wirkt - ist einfach selbstlos und will einfach das, was für den geliebten Menschen am besten ist. ... Göttliche schenkende Liebe aber befähigt einen Menschen, die zu lieben, die natürlicherweise nicht liebenswert sind: Aussätzige, Kriminelle, Feinde oder Idoten, die Mürrischen, Überheblichen und die Spötter." Eine solche übernatürliche Liebe - Agape - hat rein gar nichts mit innigen, intimen Gefühlen zu tun. (S. 131)

Es gibt keinen dauerhaften irdischen Trost.

"Du hast uns zu Dir hin geschaffen", sagt der heilige Augustinus, "und unruhig ist unser Herz bis es ruhet in Dir." Dazu Lewis: "Es ist nicht schwer, diese Worte einen flüchtigen Augenblick lang zu glauben. An einem Totenbett klingen sie wie Hohn. So lernen wir durch Erfahrung, dass es nichts hilft, den Himmel um irdischen Trost anzugehen. Der Himmel kann himmlischen Trost spenden, keinen andern. Und auch die Erde hat keinen irdischen Trost zu bieten. Auf Dauer gibt es keinen irdischen Trost. Denn der Traum, daß wir unser Ziel, für das wir geschaffen sind, in einem Himmel aus rein menschlicher Liebe finden könnten, kann nicht wahr sein - oder unser ganzer Glaube ist falsch. Wir sind auf Gott hin geschaffen. Nur dank einer gewissen Ähnlichkeit mit ihm, nur als Manifestation seiner Schönheit, Freundlichkeit, Weisheit oder Güte haben irgendwelche geliebte Menschen auf Erden unsere Liebe geweckt. Wir haben sie nicht zu sehr geliebt, aber wir haben nicht so ganz verstanden, was wir liebten. ... Wenn wir einmal das Angesicht Gottes sehen, werden wir erkennen, dass wir ihn schon immer gekannt haben." (Seite 140f)

Der Weg zum Glauben

Schon Blaise Pascal wusste, dass sich im Herzen eines jeden Menschen ein von Gott geschaffenes Vakuum befindet, das durch nichts Erschaffenes erfüllt werden kann als allein durch Gott den Schöpfer, so wie er sich in Christus offenbart. Gott hat gewollt, dass die göttlichen Wahrheiten nicht durch den Verstand ins Herz, sondern durch das Herz in den Verstand eingehen.

Wenn wir also sagen, dass Gott die Liebe in Person ist, bedeutet dies, dass wir Gott nachahmen sollen, nicht aber, dass wir über Gott Bescheid wüssten. Lewis erinnert uns daran: "Der Geringste unter uns kann im Stande der Gnade die Liebe in einem gewissen Maße kennen, kann einen 'Vorgeschmack' von ihr haben; aber auch der heiligste und einsichtigste Mensch hat kein direktes Wissen über das höchste Wesen - nur Analogien." (S. 129) Den vielen, die heute Schwierigkeiten haben, an eine göttlichen Offenbarung zu glauben, die keine Kraft zur übernatürlichen Liebe haben und IHM keine übernatürliche wertschätzende Liebe entgegenbringen können, rät C. S. Lewis zur Geduld:
"Unsere Erfahrungen umreißen sozusagen die Form einer Lücke, wo unsere Liebe zu Gott sein sollte. Das genügt nicht. Aber er ist immerhin etwas. Wenn wir uns nicht in die Gegenwart Gottes versetzen können, ist es immerhin etwas, sich in die Abwesenheit Gottes zu versetzen, in wachsendem Maße wahrzunehmen, daß wir ihn nicht wahrnehmen, bis wir uns vorkommen wie jemand, der neben einem riesigen Wasserfall steht und kein Geräusch hört, wie ein Mann, der in den Spiegel blickt und kein Gesicht sieht, wie wenn wir im Traum mit der Hand nach einem sichtbaren Gegenstand greifen und nichts spüren. Wer weiß, dass er träumt, schläft nicht mehr ganz. Doch für Nachrichten aus der hellwachen Welt müssen Sie sich an zuständigere Leute wenden." (S. 143)

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Zusammenfassung:
C. S. Lewis` Buch "Was man Liebe nennt. Zuneigung, Freundschaft, Eros, Agape."

Der christliche Schriftsteller C. S. Lewis erliegt nicht der Gefahr, einseitig das Loblied auf die altruistisch schenkende Liebe anzustimmen. Vielmehr weist uns zunächst darauf hin, dass der Mensch ohne (1.) bedürftige Liebe gar nicht existieren kann. Dann arbeitet er die Widersprüchlichkeit aller Formen der (2.) natürlichen Liebe heraus, um sie schließlich in den großen Zusammenhang mit der vollkommenen (3.) übernatürlichen Liebe zu stellen. Die übernatürliche (christliche) Liebe nimmt als Güte das Gute aller Formen der natürlichen Liebe in sich auf, um sie alle in Anstand, Vernunft, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Treue zu transzendieren.

1. Bedürftige Liebe

Lewis gesteht, ihm sei erst bei der Arbeit an diesem Buch klar geworden, dass gerade die "bedürftige Liebe" eine ganz wesentliche Form der Liebe ist, zumal der Mensch in Demut gegenüber Gott fast nur bedürftige Liebe empfinden kann. ("Nähe im Suchen") Lewis: "Ich kann der bedürftigen Liebe den Namen 'Liebe' nicht mehr absprechen. ... Wir müssen uns hüten, bedürftige Liebe 'nur Selbstsucht' zu nennen. `Nur` ist immer ein gefährliches Wort. Ohne Zweifel kann man der bedürftigen Liebe, wie all unseren Trieben, selbstsüchtig freien Lauf lassen. Ein tyrannisierendes und gieriges Fordern von Zuneigung kann grauenhaft sein. Aber niemand bezichtigt normalerweise ein Kind des Egoismus, weil es bei der Mutter Trost sucht, oder nennt jemanden, der sich von seinen Kameraden `Gesellschaft` erhofft, egoistisch. Kinder und Erwachsene, die so handeln, sind jedenfalls meist nicht am egoistischsten. Wer bedürftige Liebe empfindet, mag Gründe haben ihr zu entsagen oder sie völlig zu unterdrücken; sie überhaupt nicht zu empfinden, ist im allgemeinen Merkmal des kalten Egoisten." (S. 9)

2. Die Formen der natürlichen Liebe

Patriotismus:
Wer die natürliche, instinktive Liebe betrachtet, wird ihren ambivalenten Einfluss auf die gesellschaftlichen Verhältnisse entdecken. Eindrücklich warnt Lewis vor kritikloser Verehrung der Natur: Ein unkritischer instinktiver Naturglaube an die 'dunklen Göttern des Blutes', führe zu skrupellosem Wettkampf, "weil Sex, Hunger und nackte Gewalt scham- und gnadenlos am Werke sind." (S. 26) Lewis beschreibt die positiven Seiten der Vaterlandsliebe - und er warnt vor dem falschen Pathos der vom Instinkt beherrschten patriotischen Gefühle: "Unsinn zieht das Böse nach sich. Wenn die Sache des Vaterlandes die Sache Gottes ist, müssen Kriege zu Vernichtungskriegen werden. Dingen die sehr irdisch sind, wird eine falsche Transzendenz verliehen. ... Wir haben den Namen Christi im Mund geführt und sehr oft im Namen Molochs gehandelt." (S. 35f)

Zuneigung (Sympathie):
Offensichtlich kann fast jeder - ganz unverdient - ein Gegenstand der Zuneigung werden: die Häßlichen, die Dummen, sogar die Nervenaufreibenden. (S. 39) Wenn jemand nach der Lektüre des Kapitels über die Zuneigung daran zweifele, daß das Fehlen von 'natürlicher Zuneigung' schlimme Verkommenheit bedeutet, dann meint Lewis sein Ziel verfehlt zu haben. "Ich zweifle keinen Augenblick daran, daß wir der Zuneigung neunzig Prozent allen festen dauerhaften Glücks in unserem natürlichen Leben zu verdanken haben." (S. 59) Allerdings: "Zuneigung kann nur Glück schaffen, wenn gesunder Menschenverstand, ein Geben und Nehmen und 'Anstand' da sind - sonst nicht. Mit anderen Worten, nur wenn zur Zuneigung etwas anderes, Größeres hinzukommt. Das Gefühl allein genügt nicht. Es braucht 'gesunden Menschenverstand', das heißt 'Vernunft'." (S. 60)

Freundschaft:
Die Freundschaft weise zwar eine 'Nähe der Ähnlichkeit' zum Leben im Reich Gottes auf. Wenn wir aber die Freundschaft als Symbol für das Reich Gottes betrachten würden, bestünde die Gefahr, die sachbezogenen (gelegentlich elitären) Interessen weniger Freunde als Symbol für 'Suche und Annäherung an Gott' zu betrachten. '"Dagegen können wir Gott gefahrlos als Vater und Bräutigam darstellen; denn nur ein Verrückter käme auf die Idee, er sei unser leiblicher Vorfahre oder seine Hochzeit mit der Kirche sei anderer als mystischer Art." (S. 92)

Erotische Liebe:
Wenn wir nun die erotische Liebe betrachten, so müssen wir erkennen, dass der vergötterte Eros in seinem Streben nach Absolutheit oft erschreckend gesetzwidrig und skrupellos ist. Seinem Anspruch auf Ewigkeit wird er dabei kaum einmal gerecht. Der Dialektiker Lewis fügt allerdings hinzu: "Ich bin überzeugt, daß die gesetz- und maßloseste Liebe dem Willen Gottes weniger entgegensteht, als die gewollte, selbstschützerische Lieblosigkeit. ... Wer seine Mitmenschen, die er sieht, mit Berechnung liebt, wird es wohl auch gegen Gott, den er nicht sieht, tun. Wir sollen uns Gott nähern, nicht indem wir dem Leiden, das zur Liebe gehört, ausweichen, sondern indem wir es annehmen und ihm darbringen; indem wir allen Selbstschutz fahrenlassen." (S. 125) Doch Lewis schränkt ein: "Wir sollen nämlich jede irdische Liebe mit Füßen treten, sobald sie uns hindert, IHM zu folgen." (S. 126) Und er erläutert: "Es hat Gott nicht gefallen, den Unterschied zwischen Sünde und Pflicht auf edle Gefühle zu gründen. Ob dieser (und jeder andere) Akt richtig ist oder nicht, hängt von ganz prosaischen und klar definierten Kriterien ab: ob ein Versprechen gehalten oder gebrochen wird, von Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, von Nächstenliebe oder Selbstsucht, von Gehorsam oder Ungehorsam." (S. 97)

3.) Die übernatürliche Liebe (Agape)

Lewis: "Die natürliche Liebe ist in sich selbst nicht genug. Etwas anderes muß dem bloßen Gefühl zu Hilfe kommen, wenn dieses Gefühl gut bleiben soll. Wir haben es zuerst ziemlich vage als `Anstand und Vernunft` bezeichnet; später hat es sich als Güte erwiesen und schließlich als das ganze Christenleben unter einem bestimmten Aspekt." (S. 120) Agape ist eine Gnadengabe Gottes. Sie ist übernatürlich schenkende Nächstenliebe, die uns drängt, uneigennützig allen Menschen nach Kräften jene materiellen und immateriellen Dinge zu geben, die sie wirklich brauchen. (Agape ist nicht die Zuneigung zu sympathischen oder bewunderswerten Menschen. Sie ist die Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen trotz derer wenig liebenswerter Eigenschaften.) Nächstenliebe, nach dem Beispiel vom barmherzigen Samariters - dem materiell und immateriell Beürftigen zum Nächsten werden -, ist nach der christlichen Lehre eine Analogie für das, was Gott ist. ('Nähe der Ähnlichkeit.') Lewis. "Wie Christus vollkommender Gott und vollkommener Mensch ist, so sollen die natürlichen Arten der Liebe vollkommene Agape und vollkommene natürliche Liebe sein. Gott wird Mensch `nicht durch die Verwandlung der Gottheit in Fleisch, sondern durch das Hinaufgenommensein des Menschseins in Gott'; so auch hier: Agape schrumpft nicht in bloß natürliche Liebe zusammen, sondern die natürliche Liebe wir zum wohlgestimmten, gehorsamen Instrument der Liebe in Person gemacht." (S. 136)

Doch Lewis warnt vor dieser abstoßenden Praxis von Agape: "Eine christliche Gruppe oder Familie, vielleicht etwas zu aufdringlich christlich, die jenen Grundsatz erfaßt hat, kann jetzt eine Show daraus machen, eine geschäftige, affektierte, peinliche, unerträgliche Show - in ihrem Benehmen und ihren Worten. .. Immer dieses Gerede von Vergebung; unnötig bitten sie darum, unerträglich bieten sie sich an. Wer hält es nicht lieber mit jenen gewöhnlichen Leuten, die ohne viel Aufhebens über ihren (und unseren) Koller hinweggehen, bei denen eine Mahlzeit, eine Nacht oder ein Scherz genügt, um alles in Ordnung zu bringen? Die wirkliche Arbeit soll so verborgen wie möglich geschehen - am besten auch vor uns selbst." (S. 137)

Anhang:
Nächstenliebe und Politik

"Die Tugend hat in öffentlichen Angelegenheiten kaum jemals anders als kurz und ungewiss Konjunktur gehabt. Die Werte, die wir schätzen - Barmherzigkeit, Mitleid, Gerechtigkeit, liebevolle Freundschaft -, sind weitgehend auf den privaten Bereich beschränkt geblieben." (Terry Eagleton, "Das Böse") Warum nur trauen die Menschen, sofern es um die große Politik geht, der christlichen, übernatürlichen Nächstenliebe so wenig zu? Warum sollte die Schlechtigkeit in öffentlichen Angelegenheit für die Menschheit langfristig nützlich sein?

Vertreter des "wissenschaftlichen" Materialismus verkünden die Lehre, dass sozialer Fortschritt naturgegeben sei. Die marxistische Theorie der permanenten Klassenkämpfe betrachtet Altruismus und Nächstenliebe als Störfaktoren. (Doch kann jemals solidarisches Zusammenleben aus permanenten dialektischen Kämpfen zwischen sozialen Widersprüchen hervorgehen?) Für Darwinisten ist Liebe ein Instinkt, ein evolutionär bewährter nützlicher biologischer Urtrieb. (S. 97) Die allen Menschen gemeinsame Ethik der uneigennützigen Nächstenliebe lehnen sie jedoch als "evolutionäre Fehlentwicklung" ab, weil sie nicht zu ihrer Theorie von der generativen Selektion passt. (siehe Richard Dawkins, "Der Gotteswahn") Und Anarcho-Libertarier setzen auf ein liberalisiertes Wirtschaftssystem, von dem sie erwarten, dass der individuelle Egoismus des Einzelnen in wirtschaftlichen Dingen dem künftigen Wohle der ganzen Gemeinschaft diene. Doch woher nehmen diese weltanschaulich reduktiven Idealisten eigentlich ihre Zuversicht, dass der Materie eine Tendenz zum immerwährenden sozialen Fortschritt innewohne? Sie fordern von uns den Verzicht auf metaphysische Tröstungen und versprechen stattdessen späten Nachfahren der Menschheit ein diesseitiges Paradies - eine Zukunftsvision, die offensichtlich im Widerspruch steht zum suggestiven physikalistischen Dogma, dass unser Schicksal ein Spielball des blinden Zufalls sei?

Ganz anders ist die Heilserwartung des frommen Christen: Demütig bittet er den Vater im Himmel, dass das Gottesreich kommen möge und dass er nach Gottes Willen die Kraft zu Feindesliebe und Versöhnung finde. Das Christentum lehrt, dass die Existenz der Menschheit ein Geschenk Gottes ist und dass die Solidargemeinschaft aus der Nachahmung schenkender göttlicher Liebe durch die vielen Einzelnen erwächst: 'Gott ist Liebe' - 'Gottes Urliebe ist schenkende Liebe. In Gott ist kein Hunger der gestillt werden muss, nur Fülle die schenken will.' (S. 129)

Allerdings ist das Christentum viel dialektischer als jener wohlmeinende Pazifismus, der ewigen Friedens als menschenmögliches irdisches Projekt betrachtet, denn es steht auch geschrieben: "Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung." (Lukas 12,51) Dazu Lewis: "Im gewöhnlichen Leben eines friedlichen, zivilisierten Landes gibt es kaum etwas so Teuflisches wie die Bosheit, mit der sich eine ganze ungläubige Familie auf das einzige Glied, das Christ geworden ist, stürzt; oder eine ungebildete Familie auf den einen, der ein Intellektueller zu werden droht." (S.52) Und man frage sich im Gedenken an die Kreuzesinschrift, mit der Jesus von seinen römischen Henkern als König der Juden verspottet wurde: Wann je war ein Herrscher der guter Hirte seines Volkes, der nicht für sich kämpfen und sterben ließ, sondern sich freiwillig für die Seinigen hingab - bis in den Tod? Christen sind sich also durchaus der für Menschen unlösbaren Problematik (Aporie) bewusst, in wieweit Politik mit der Bergpredigt vereinbar sei. (Reichskanzler v. Bismarck hat das bekanntlich verneint, ganz zu schweigen von Stalin, Mao, Pol Pot - und Adolf Hitler.)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. September 2010
Oft benutzt man dieses wort, vielleicht aber auch nur einmal im leben, egal wie, das Thema begleitet einem ein Leben lang und gerade heutzutage haben viele einen entkoppelten Bezug zu diesem Thema.

Dies trifft bekennende Christen in jeglicher variation sowie auch menschen die sich so nie bezeichnen würden.

Dieses riesige so bedeutende Wort in 4 Begrifflichkeiten zu gießen und es so bebildert zu beschreiben
ist etwas das seines gleichen sucht.
Ich kann das buchen jedem MENSCHEN ermpfehlen egal in welcher glücklichen oder unglücklichen Lebenslage er/sie sich gerade befindet, es ist wahrer Augenöffner.
Es ist eins der schönsten Bücher die man für sich selbst lesen kann um einen Anhaltspunkt zu finden
wie man dieses grosse wort in seinem eigenen gefühls und seelen leben definieren kann.

Für MICH war nach der letzten Seite kein Buch so zufriedenstellend wie dieses hier.
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18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. August 2005
Über einen Freund bin ich auf dieses Buch gestoßen und kann es jeden nur empfehlen der sich über die Formen der Liebe etwas erfahren möchte.
Er schafft es, dass dieses Buch nicht zu einem dieser vielen Ratgebern wird sondern auf leicht verständlicher Art die Liebe analysiert ohne welche Ratschläge zu erteilen.
Vor allem der Punkt über die Freundschaft zwischen Männern oder Frauen schenkt er viel Bedeutung und versucht diese aus dem Schmuddeleck der Homosexualität zu ziehen
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am 11. Oktober 2014
Der Vorteil bei C.S. Lewis ist, daß er komplizierte Sachverhalte sehr gut und einfach ausdrücken kann. Lewis war Atheist, ist dann zum Christentum konvertiert und war Anglikaner. Für jede Konfession lesenswert.
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7 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Mai 2003
C.S. Lewis ist an Scharfsinnigkeit und Direktheit kaum zu überbieten. Die Fragen die er stellt und seine Ansätze zur Beantwortung sind provokant und gehen dem Leser nahe - doch lässt er diesen nicht "im Regen stehen".
Eines jedoch war C.S. Lewis sicher nicht: Katholik. Auch wenn in katholischer Manier versucht wird, ihn zu "Marketingzwecken" zu vereinnahmen.
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1 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Mai 2003
C.S. Lewis ist an Scharfsinnigkeit und Direktheit kaum zu überbieten. Die Fragen die er stellt und seine Ansätze zur Beantwortung sind provokant und gehen dem Leser nahe - doch lässt er diesen nicht "im Regen stehen".
Eines jedoch war C.S. Lewis sicher nicht: Katholik. Auch wenn in katholischer Manier versucht wird, ihn zu "Marketingzwecken" zu vereinnahmen.
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