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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In den Fängen der Gesundheitsindustrie...
Charlotte Links wohl persönlichstes Buch ist ein Buch, das unter die Haut geht. Sie beschreibt darin den langsamen Abschied von ihrer geliebten Schwester, die qualvoll an den Folgen einer Krebserkrankung stirbt. Schon beim Lesen kommt es einem vor, wie ein nicht enden wollender Albtraum, in dem Charlottes Schwester und die ganze Familie gefangen waren...
Vor 4 Tagen von Eskalina veröffentlicht

versus
5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gefühlschaos
Ich habe viele Bücher von der Charlotte Link gerne gelesen, gerade wegen der psychologischen Tiefe. Dieses Buch hat mich in ein Gefühlschaos gebracht. Es ist menschlicherseits sehr vieles zu verstehen und nachzuvollziehen, was die Autorin beschreibt. Auch der Umgang mit den Gefühlen und den Menschen allgemein, sowie im engeren Umfeld. Ebenso die ganze...
Vor 6 Tagen von Manuela veröffentlicht


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In den Fängen der Gesundheitsindustrie..., 10. September 2014
Von 
Eskalina (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Charlotte Links wohl persönlichstes Buch ist ein Buch, das unter die Haut geht. Sie beschreibt darin den langsamen Abschied von ihrer geliebten Schwester, die qualvoll an den Folgen einer Krebserkrankung stirbt. Schon beim Lesen kommt es einem vor, wie ein nicht enden wollender Albtraum, in dem Charlottes Schwester und die ganze Familie gefangen waren.

Eigentlich hatte Franziska, die sie liebevoll Tschesie nennt, gedacht, ihre Morbus-Hogdkin-Erkrankung sei besiegt, doch mit den Spätfolgen rechnet niemand. Und obwohl diese Folgeerkrankungen bei ehemaligen Hodgin Patienten seit Jahren bekannt sind, wird sie nie darauf aufmerksam gemacht, bis es zu spät ist. Ich war beim Lesen dieses Buches erschrocken, wie schnell manche Ärzte mit ihren Aussagen waren (und auch heute noch sind), die Diagnose „unheilbar“ auszusprechen und mit welcher Gewissheit sie ihren Opfern, pardon, Patienten den nahenden Tod verkünden. Charlotte Link schildert emotional und sehr berührend das Wechselbad der Gefühle der gesamten Familie von Franziska und ihre verzweifelten Versuche, jemanden zu finden, der Franziska retten kann.

Ihre Erlebnisse mit fähigen Ärzten, leider aber auch mit Dilettanten, die ohne nähere Kenntnis der gesamten Erkrankung falsche Diagnosen von sich geben und sogar einem Scharlatan, der sich an der Hoffnung der schwer erkrankten Patienten ohne Skrupel bereichert, machen zeitweise fassungslos. Obwohl ich selbst in einer großen Klinik arbeite und weiß, wie abhängig die Patienten von der Qualität ihrer behandelnden Ärzte sind und die schlimmen Arbeitsbedingungen von Pflegekräften kenne, fehlt mir jegliches Verständnis dafür, wie Franziska behandelt wurde. Wahrscheinlich sind es rechtliche Gründe aus denen Charlotte Link die Namen derjenigen, die für das Leid der Familie mitverantwortlich sind, nicht nennen darf. Das ist sehr bedauerlich, denn die Klinik, in der die Franziska neben fehlender Pflege auch noch mit sehr unfreundlichem Personal zu kämpfen hatte und der Arzt, der geldgierig todkranke Patienten ausnimmt, sind ja weiterhin existent und eine Warnung vor ihnen würde anderen Familien ähnliches Leid ersparen.

Charlotte Link hat mit ihren Schilderungen nicht nur das Schicksal ihrer Familie öffentlich gemacht, sondern auch unser krankes Gesundheitssystem und die Hilflosigkeit derer, die sich darin verfangen, sehr gut dargestellt. Auch wenn sich das Buch sicher nicht mal so nebenbei lesen lässt, ist es ein Buch, dem ich eine große Leserschaft wünsche. Die Buchhandlung in unserer Klinik hat es schon sehr gut verkauft und ich wünsche mir und hoffe, dass es die richtigen Leser findet. Wenn jeder, der das Buch gelesen hat, sich und sein Verhalten im Klinikbetrieb hinterfragt, so trägt es vielleicht ein wenig dazu bei, dieses System wieder ein bisschen menschlicher zu machen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durchgekämpft, aber es war wichtig bis zum Ende zu lesen..., 12. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch aus Interesse gelesen und es ist erschreckend sachlich und wahr! Dieses Buch ist eine Zumutung im positiven Sinne: schonungslos und offen, trostlos, hart und grausam! Es ist schwer zu ertragen und doch weiß ich, genau so ist es. Die Gefühle sind so echt beschrieben, dass man ständig mitleidet, mitkämpft. Als Leserin war ich so nahe dabei, dass ich manches Mal nahe dran war, das Buch wegzulegen und zwar ganz weit weg - es überfordert manches Mal. Ein zentrales Thema ist auch das Verhalten mancher Ärzte, die eine Diagnose vollkommen gefühllos dem Patienten entgegen schmettern, jede Hoffnung im Keim erstickend, brutal und menschen verachtend. Ja, es gibt auch andere auch die finden in diesem Buch Platz, aber halt auch diese Monsterärzte. Charlotte Link gibt den Tipp NICHT demütig zu ertragen, dass das Pflegepersonal und die Ärzte den Patienten und die Angehörigen quälen und demütigen - NEIN! WEHRT EUCH! Die Angst dann noch schlechter behandelt zu werden, sei unbegründet. Meist wird es besser! Fazit: das Bewusstsein, wie gut es einem doch geht, es rückt in den Vordergrund. Es relativiert den Alltag, die Problemchen... Lesenswertes und wichtiges Buch, aber nur bei guter Gemütslage zu ertragen. Hat man es aber gelesen, dann beginnt das Nachdenken und das ist wohl gut so, treffen kann es jeden!
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wenn das alles hier hinter uns liegt, musst du darüber schreiben." (S. 5), 5. September 2014
Von 
Isabelle Klein "vintage books" (Würzburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Sechs Jahre Hoffnung, Leid, Rückschläge, Ungewissheit. Sechs Jahre Leben mit dem Tod, ihn zu bekämpfen, mit der Bedrohung zu leben, sich der Ungewissheit zu stellen, ohne daran kaputtzugehen. Das Leben Charlotte Links, uns bekannt seit vielen Jahren mit zahlreichen Bestsellern, wird sich 2006 dramatisch wandeln, als sie mit der erneuten Krebserkrankung ihrer Schwester Franziska, die untrennbar mit ihrem Leben verbunden ist, konfrontiert wird. Wir begleiten die beiden Schwestern in diesem Vermächtnis, das ein eindringliches und berührendes Porträt der 2012 Verstorbenen ist, durch eine lange Leidenszeit. In Rückblenden werden die Anfänge thematisiert, der Morbus Hodgkin, der knapp 20 Jahre später zur tödlichen Falle werden wird.

Schreiben als Beschäftigungstherapie, zum Gedenken an die außergewöhnliche Schwester und als Bewältigungsstrategie, um mit dem grenzenlosen Leid und den unerträglichen Anspannungen der langen und wechselvollen Leidensgeschichte, die aber zugleich auch von Mut und unbeirrten Kampfwillen geprägt ist, fertig zu werden. Vielleicht auch zum Teil als Abtragen der Überlebensschuld, denn selbst kerngesund zu sein, während das Leben des anderen durch viele Jahre hindurch immer wieder von Krankheit bedroht ist, hinterlässt sicherlich einen Schatten.

Das Buch ist mehr als eine Leidensgeschichte. Es ist die Geschichte vom Kampf gegen den Krebs und aller weiteren daraus resultierenden Erkrankungen.
Für mich jedenfalls in dreifacher Hinsicht. Es ist die Lebens- und Leidensgeschichte, aber auch das Porträt einer außergewöhnlich starken Frau. Eine Frau, die den Kampf aufnimmt und gegen eine aussichtslose Krankheit immerhin sechs Jahre ankämpfen wird. Das als die Ärzte ihr nicht mal 1-2 Jahre zugestehen.
Zugleich ist es ein Plädoyer für eine mit-menschliche Medizin, die den Menschen, der mit der Diagnose leben muss, als solchen wahrnimmt, achtet und wertschätzt. Die feinfühlig mit dem Gegenüber umgehen soll. Und eine, die ihrer Diagnosen sorgfältig abwägt und überprüft, bevor man dem Patienten mit vorschnellen Fehldiagnosen traumatisiert. All dies ist - mitunter - bei Franziska nicht beachtet worden. Doch die Mediziner werden nicht allgemein verdammt - immer wieder betont Link, dass es ohne einige Vertreter der Zunft nicht möglich gewesen wäre so lange zu kämpfen. sie können, wenn ihnen die Mitmenschlichkeit nicht abhanden gekommen ist, eine große und unschätzbare wertvolle Stütze sein.
Drittens ist es die feinfühlige Studie der engen Verbundenheit zweier Schwestern, die viel mehr als nur Schwestern waren. Ein fast schon symbiotische Beziehung, nur 16 Monate trennen die beiden. Eine lebenslange Verbundenheit und Einheit wird es der gesunden Schwester im Verlauf der unabwägbaren Krankheit, die immer wieder erbarmungslos zuschlägt und unvorhersehbare Wendungen nimmt, gerade wenn man denkt ein Herd ist bekämpft, fast unmöglich machen ihr Leben in normalen Bahnen weiterzuführen. Über Panikattacken, Angstzustände und allergische Reaktionen gewährt uns Link einen höchst sensiblen und sehr intimen Einblick in ihr Seelenleben und ihren Umgang mit dem Erlebten.

Wenn der Alltag plötzlich nebensächlich wird, Beziehungen, Kinder, alltägliche Sorgen und Nöten einem viel dringlicheren Übel weichen. Wenn das Überleben fragwürdig wird, wenn der nächste Atemzug nicht mehr selbstverständlich sein wird. Der Alltag aus den Angeln gehoben wird ...
Doch Franziska, kämpft und gibt nicht auch, doch irgendwann ist der Punkt erreicht, wo man nicht mehr kann und zu viele Schicksalsschläge einen zu der Erkenntnis führen: "Ich soll nicht leben. Es ist anders geplant" (S. 219). Doch zu diesem Zeitpunkt ist so viel zusammengekommen, dass diese Erkenntnis richtig scheint.

"Sechs Jahre" ist ein in Buch, das mich durch ein Wechselbad der Gefühle getrieben hat. Gestern beim Stöbern in der Buchhandlung zufällig entdeckt, neugierig geworden und innerhalb eines Tages ausgelesen. Zunächst war ich etwas skeptisch, v.a. nach dem etwas plakativen Vorwort (so empfand ich es zumindest.) Doch letztlich ein wunderbar sensibles Buch und feinfühlige Studie einer ungewöhnlichen Frau und der Seelenverwandtschaft zweier Schwestern. Neben der eingängigen Schilderung der Unabwägbarkeiten und des grenzenloses Schmerzes und Leides, eine großartige Charakterzeichnung einer viel zu früh verstorbenen Frau, die ungeheuer lebenslustig, individualistisch und geradlinig war. Die sich bis zuletzt unermüdlich für den Tierschutz engagierte und einen kleinen Zoo in ihrer Heimat am Ammersee unterhielt.
"Franziska, die so viel Güte und Liebe und Mitgefühl in sich trägt. Die unter der Welt und ihrem Elend leidet, dabei doch so verliebt ist in das Leben und so strahlend lachen kann. Die alles, was sie tut, so viel intensiver tut als ich." (S.137).
Und so wechselten sich sowohl Schmerz, als auch Hoffnung während der Lektüre ab und ich gestehe, dass mich nicht nur das Leid und der unermüdliche Kampf "Tschesies" an der ein oder anderen Stelle zu Tränen gerührt haben, sondern u.a. auch die Leidensgeschichte Biancas, die exemplarisch für die Unabwägbarkeit des Lebens und dessen plötzliches Ende, steht.

Fazit: Ein bewegendes Buch, das Charlotte Link viel Kraft gekostet, aber auch Mut gespendet haben muss, in einer Zeit, in der der Verlust der geliebten Schwester, wohl ein unermesslich großes, schwarzes Loch in ihr Leben gebrannt hat. Ein Buch als Verarbeitung des erlebten Schreckens und eine Liebeserklärung an die Verstorbene.
Bewegend und einfühlsam lässt sie uns an Leben, Freude und Leid ihrer viel zu früh verstorbenen Schwester teilnehmen und macht uns dabei deutlich - das Leben, in seinen ganz elementaren Dingen schätzen zu wissen. Denn nichts ist wichtiger als gesund zu sein, eine elementare Sache, die wir tagtäglich viel zu wenig würdigen!
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anteilnahme am Leben der krebserkrankten Schwester..., 6. September 2014
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Egal wie man die Literatur einer Charlotte Link quotieren mag, das vorliegende Buch hat mit ihren Romanen so gut wie gar nichts zu tun. Vielleicht es ihr persönlichstes Buch, das Charlotte Link je geschrieben hat. Mit dem Aufschreiben, der Geschichte anhand der Erkrankung ihrer Schwester Franziska, erfährt der Leser nicht nur eine Krankengeschichte mit ihrem Verlauf, sondern als Leser dieses Buches erfahren wir, was es bedeutet und wie es die Menschen verändert, die daran Anteil nehmen, bei einem nahestehenden Menschen, den wir lieben, was das eigentlich für die Angehörigen bedeutet. Es ist eben nicht nur der Leidensverlauf, mit all seinen erschreckenden Momenten in Laufe einer solchen Zeit- hier sind es sechs Jahre - wie der Titel verrät, sondern auch, wie diese Menschen hier die Schwester im Leben steht, mit welcher Haltung, mit welchem Lebensmut, ja auch die Unbestechlichkeit die ihre Schwester vorlebte und natürlich die tiefe Verbundenheit die hier von einer Liebe getragen wird, die im Grunde weit über den Tod hinaus geht. Charlotte Link tut dies mit einer Ehrlichkeit und Offenheit, ja einer gefühlten Authentizität, die mich beim Lesen immer wieder im Herzen zutiefst berührte, es kann einen zu Tränen anrühren, eben weil es so emotional geschrieben ist, wie es einszueins erfahren und erlebt wurde. Und natürlich liest sich so eine Geschichte von einer Schriftstellerin zusätzlich anders, als von einer Betroffenen, weil hier jemand gelernt hat, mit Sprache und schriftlichem Ausdruck umzugehen. Es kann einem unter die Haut gehen, was die Autorin im Grunde alles im Verlauf der fortschreitenden Geschichte wahrnimmt und mit welch treffenden Ausdruck sie im schriftlichen findet. Auch wenn es manchmal schwer wird beim Lesen, weil man eben auch als Leser Anteil nimmt, an Franziskas Leben und ihrer Familie, so möchte ich doch keine einzige Zeile vermissen, die dieses für mich wunderbare Buch zu bieten hat. Die Konfrontation mit der Diagnose "Krebs" zwingt alle, bis an ihre Grenzen, sei es auf Seiten, des Verständnisses, wo es aufhört noch verstehen zu können bis hin zu emotionalen Limite, wo Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und die völlige Aussichtslosigkeit im Grunde, Menschen, Betroffene und Angehörige in die Einwilligung zwingen...

Mit 41 Jahren wird Franziska ihre Schwester, mit der Erkrankung konfrontiert, es beginnt im Frühjahr 2006. Im Februar 2012 wird sie nachts in einer Klinik sterben. Bereits mit 23 Jahren erkrankt Franziska an "Morbus Hodgkin" einer speziellen Variante von Lymphdrüsenkrebs. Durch die damalige Behandlung glaubt sie, ihre Erkrankung überwunden zu haben. Ja selbst eine Prognose, keine Kinder zu bekommen hat sie überwunden. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern am Ammersee. Als sie sich nach Beschwerden mit 41 Jahren erneut untersuchen lässt, hat sie nicht die leiseste Ahnung, dass sie metastasierenden Krebs in sich trägt, und das bei einem Stadium, was bereits als "unheilbar" bezeichnet wird. Es bedeutet gleichzeitig den Eintritt in den Medizinapparat, der nicht nur Franziska sondern die ganze Familie aufs äusserste fordern wird. Das Spektrum ist riesig, von widersprüchlichen Aussagen von Ärzten, bis dahin das hier ein Umgang mit Patienten herrscht, der einen entsetzen lässt. Es finden sich "Metastasen" auf ihrer Lunge, ein Wort, dass irgendwann alle hassen werden. Franziska wird das ganze Programm durchlaufen. Chemotherapie, Bestrahlung, Operation. Die "Erfolge" sind dürftig und wenn sie da sind, kann man ihnen nie richtig trauen. Dann wird irgendwann von "Darmkrebs" gesprochen, ja von einem "Darmtumor" der bereits bösartige Zellen an die umliegenden Organe verstreut hat bis hinauf zur Lunge. Es ist auch der Beginn einer nervenaufreibenden Apokalypse, die von ständigen negativen Entwicklungen getragen ist. Ein Kreislauf, auf Hoffnung, Kampf und Verzweiflung. Immer wieder und immer wieder. Einmal hatte ich den Eindruck, die Autorin tritt dieses Element übertrieben aus, als ob es schon aufgeblasen werden würde. Je mehr die Familie merkt, welchem mächtigen Apparat genannt "Medizin" Franziska ausgesetzt ist, desto mehr ergreifen alle eine Art Polizistenrolle, um ihre Franziska zu schützen oder ihr eben die beste Behandlung zu garantieren. Allzu deutlich, wird hier auch die Fehlbarkeit von Ärzten, aber auch die Abgestumpftheit von Pflegepersonal verdeutlicht und geschildert, dass einem Angst und Bange werden könnte. Es ist eben auch nicht nur die Härte der Erkrankung sondern auch der Ton, mit dem die Familie und die betroffene Franziska umzugehen haben...Gerade das Selbstvertrauen und so manch gehegte Hoffnung für eine mögliche Heilung, wird hier immer wieder zerstört...Somit gibt dieses Buch auch einen Einblick in den ärztlichen Umgang, wie heute z.T. mit Krebspatienten umgegangen wird, das ist Horr*r! Die gesamte Familie mobilisiert ihre Kräfte, nimmt weite Wege auf sich, um Franziska nicht alleine zu lassen und um ihr möglichst einen "bewachten Beistand" in ihrer Situation zu gewähren...

Daneben gibt es Rückblenden, Kindheitserfahrungen, Berichte aus dem "gesunden Leben" vor der Erkrankung, von Lebensmomenten, wo das Leben noch unbeschwert war. Auch die Autorin wird an ihre Grenzen kommen, und z.B. Kontakt zu einem Pfarrer aufnimmt, um die eigene damit einhergehende Krise bewältigen zu können. Immer wieder schreibt Charlotte Link auch von sich selbst, schreibt von ihrer eigenen Verzweiflung, mit der sie sich konfrontiert sieht. Auch die Chemotherapie wird Franziska an die Grenze bringen, bis sie sie irgendwann einfach nicht mehr will. "Ich werde nie wieder eine Chemotherapie machen."77 Von der psychischen Belastung aus gesehen, könnte man sagen, dass es wie in Wellen erlebt wird. Es ist dieses ständige Hoffen und Scheitern, in dem sich im Grunde alle sehen. Irgendwann wird Franziska zu ihrer Schwester sagen:" Du hast es gut, dass du leben darfst." Die beiden sind ehrlich miteinander. Diese Erkrankung ist auch eine verzweifelte Suche nach Wissen, nach helfenden Ärzten, und neuen Methoden. Ein Quacksalber (Dr.B.!) der vor allem es aufs Geld abgesehen hat, gibt dem Ganzen noch die Krone aufs Haupt. Menschen die krank sind, bezahlen alles, wenn sie hoffen können, dass ihre Gesundheit gefördert wird. Eine Unmenge an Ärzten tritt auf, Wechsel von Kliniken, Wechsel von Klinik und Zuhause, immer wieder dieses hin und her, das ein normales Leben immer schwieriger macht. Der Feind im eigenen Körper wird immer unheimlicher. C.L. kommt es vor, als wäre sie in einem Krieg. Eine Zeit bricht an, die von Angst, von Bedrückung und der Gegenwart einer zunehmenden Todesbedrohung immer stärker dominiert wird. Gefühle der Entfremdung schreibt Charlotte Link, würde sie in all dem wahrnehmen. Fortan bewegt sich alles nur noch im Modus zwischen Remission und Rezidiven. (Nachlassen von Krankheitssymptomen und Rückfällen) Die Autorin wird sich mit "Überlebensschuld" auseinandersetzen, flieht manchmal kurzfristig nach Südfrankreich als z.B. Franziska operiert wird, irgendwie beginnt das Ganze zunehmend zu einem herzzerreissenden Unternehmen zu werden. Gleichzeit hat es immer wieder diese berührenden Momente, wo man einfach das Buch nur noch aus der Hand legen möchte, weil man davon so ergriffen ist. Auch Vertrauen ist ein Thema, wem will man sich in solchen Behandlungen überhaupt noch anvertrauen, angesichts dessen, dass keine wirklichen Heilerfolge verzeichnet werden können. Auch die geschäftliche Seite, die mit Erkrankungen gemacht wird, wird hier seinen Platz finden. Ein Krankheits-Geschwister-Drama! Franziska wird massiv abnehmen, wird mit Darmverschlüssen zu tun haben bis dahin dass sie mit einer Lungenfibrose zu kämpfen hat, ja gegen Ende sogar künstlich beatmet wird.

Eine bedrückende,aufwühlende, erschütternde und gleichzeitig sehr berührende Lektüre, die einem tief gehen kann. Obwohl man von der Schriftstellerin hier nicht allzu viel mitbekommt, nimmt die Produktivität trotz der ganzen Krisenverarbeitung ständig zu, erstaunlich! Dieses Buch ist eine Anteilnahme an einem Menschenleben, und es ist auch ein Denkmal für ihre Schwester, eine Krisen- und Trauerbewältigung, die nicht nur ihre Schwester berührt hat, sondern auch als Leser wird man von ihrer Schwester berührt. Ein Buch das die schrecklichen Gesichter, der Krebserkrankung aufzeigt und weit darüber hinaus seine Auswirkungen zeichnet. Es ist auch ein Buch, über einen der grössten Schmerzerfahrungen, die wir in unserer heutigen Zeit machen können. Dieses Buch vermittelt nicht nur einmal mehr die Kostbarkeit des Lebens, sondern zeigt uns Menschen auch unsere Sterblichkeit auf, die wir doch allzu oft verdrängen und nicht wahrhaben wollen. Tod ist nach wie vor ein Tabu. Nicht zuletzt ist es ein Buch über den Schmerz, einen kostbaren Menschen zu verlieren und über das Loslassen. Als Franziska stirbt und Charlotte Link ihr flüstert "Lass einfach los und geh. Ich komme dann später nach", ist man über soviel mutiger Offenheit nur noch berührt...Nicht zuletzt war es auch der Wunsch von Franziska, dass die Autorin über diese Erkrankung und sie schreiben wird...
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr geehrte Frau Link,, 12. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich konnte dieses so sehr persönliche Buch nicht aus der Hand legen. Vor Ihrer gesamten Familie und natürlich Ihrer Schwester empfinde ich große Hochachtung.
Möge das einer der unqualifizierten oder auch nur gedankenlosen, im schlimmsten Fall, geldgierigen Mediziner lesen und vielleicht umdenken.

Gabi Staff
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielen Dank für dieses Buch Frau Link, 12. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Habe dieses Buch am Stück gelesen. Konnte es nicht aus der Hand legen. Wunderschön und sehr emotional. Eins der besten Bücher das ich je gelesen habe. Vielen Dank das ich es lesen dürfte Frau Link.
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5.0 von 5 Sternen Charlotte Links neues Buch, 12. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Mal was ganz anderes von Charlotte Link, trotz allem sehr interessant und doch so traurig, nachdenklich . Ein lesewürdiges Buch, das mal auch zum zweiten und dritten Mal ind dieHAnd nimmt.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gefühlschaos, 8. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Ich habe viele Bücher von der Charlotte Link gerne gelesen, gerade wegen der psychologischen Tiefe. Dieses Buch hat mich in ein Gefühlschaos gebracht. Es ist menschlicherseits sehr vieles zu verstehen und nachzuvollziehen, was die Autorin beschreibt. Auch der Umgang mit den Gefühlen und den Menschen allgemein, sowie im engeren Umfeld. Ebenso die ganze Palette der Beschreibungen, wie es in vielen Krankenhäusern zugeht (was stimmt) und der dazugehörigen eigenen Gefühlspalette.Trotz allem hat mich auch vieles schockiert. Z.B. wie wenig die Autorin meines Erachtens in dieser langen Zeit sich selbst reflektiert hat, warum sie welche Aussagen macht oder gemacht hat. Ihre Schwester als den wichtigsten Menschen in ihrem Leben zu beschreiben. Wo steht ihre Tochter, Ihr Mann? Muß man nicht seinen eigenen Egoismus überprüfen, warum man jemand nicht "gehen" lassen will oder kann? Ist es nicht in aller Tiefe der Trauer trotzdem notwendig, mit einem Menschen, der noch dazu den Wunsch verspürt und ihn mehrfach äussert, über den Tod zu sprechen? Entspricht es Weltoffenheit, Esoterik (wenn sie richtig verstanden wird und man sich damit auch mal auseinandersetzt), Töpferkurse, auch Aussagen von Psychologen, usw., zu verneinen oder herabzusetzen (ist bei mir so angekommen) ohne wenigstens mal kurz darüber nachzudenken? Es fehlt mir gänzlich der Palliativgedanke (wird allgemein oft falsch interpretiert oder gesehen) und damit die Möglichkeit Schmerzen zu lindern, evtl. seelische Nöte zu erkennen, zu behandeln und somit vielleicht die Lebensqualität zu erhalten oder zu steigern. Ist es nicht allzu menschlich, sich auch mit Selbstmordgedanken zu tragen, aus Angst vor dem Tod, dem Leidensweg, alles, einfach alles (die Kinder z.B.)verlassen zu müssen? Wenn Menschen sich mit dem Tod auseinandersetzen und dies gemeinsam besprechen, kann vielleicht auch geklärt werden, ob ein Krankenhausaufenthalt am Ende, mit diesen ganzen "Quälereinen", ohne Aussicht auf Lebensverlängerung, Qualität usw. sinnvoll ist oder man das Ende würdevoller, in der Hand eines Palliativmediziners, eben auch zu Hause, gestaltet. Es ist sehr schön, dass die Familie in der Lage war, so oft, auch für die Kinder und Tiere dazusein. Leider ist dies so nicht in vielen Familien möglich. Ich könnte noch so viele Gedanken und Eindrücke schreiben. Doch ich verbleibe in diesem Sinne, das Leben jeden Moment versuchen zu achten und bevor man einen Menschen verurteilt, wenigstens kurz zu versuchen mit dessen Augen zu sehen.
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8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschütternd, 31. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hat mich zutiefst erschüttert! Es ist nicht die Erkrankung der Patientin, nein erschüttert hat mich der Umgang mit der Patientin.
Besonders deutlich wird dies bereits ganz am Anfang, auf den Seiten 19 und 20, da versucht die völlig abgemagerte Franziska, die selbst mit Sauerstoff kaum noch genügend Luft bekommt, mit ihrer Schwester über das Sterben zu sprechen: "Ich werde es diesmal nicht schaffen", aber das Gespräch wird sofort im Keim erstickt mit gespielter Zuversicht, und auch ein erneuter Versuch "Pass auf, wenn das alles hier nicht gut ausgeht, dann möchte ich, dass du..." wird gleich wieder unterbrochen mit den Worten "Darüber spreche ich nicht mit dir, das geht gut aus."
Sechs Jahre lang musste diese kranke Frau die Starke sein, die Familie kümmerte sich darum, dass sie in "den besten" Kliniken Deutschlands von "den besten" Ärzten therapiert wurde, und der auserwählte Hausarzt war natürlich nicht in der Nähe der Patientin angesiedelt, sondern im 500 km entfernten Frankfurt - was für ein Irrsinn!
Nur einmal wehrt sich Franziska lautstark, sie lehnt eine nochmalige Chemotherapie ausdrücklich ab. Ansonsten wehrt sie sich im Stillen, indem sie die Nahrungsaufnahme einstellt.
Gegen die verständlichen Ängste der Patientin gibt es Tavor, und wenn man Angst hat, die Frau könnte sich vielleicht aus dem Fenster stürzen, dann spricht man sie keineswegs darauf an, sondern kontrolliert heimlich, ob sich das Fenster öffnen läßt.

Das Buch ist sehr gut geschrieben, keine Frage, und auf dem Cover findet sich natürlich das perfekte Foto einer gesunden Franziska, aber es findet sich kein einziges Bild der erkrankten, abgemagerten Franziska, ich habe mich gefragt, ob sich die Patientin das so gewünscht hätte?
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hommage an die Schwester - und an das Leben, 2. September 2014
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester (Gebundene Ausgabe)
Wenn man die attraktive, fröhliche Frau auf dem Cover sieht, und dann die ersten Seiten im Buch liest, wenn Charlotte Link einen der letzten Tage beschreibt, den sie zusammen mit Ihrer Schwester Franziska erlebte, ist man irgendwie fassungslos und kann nicht glauben, was der Krebs aus einem Menschen machen kann. Auch wenn man es als "Nicht-Krebskranker" wohl nie ganz nachfühlen kann, so kann man es doch zu zumindest ahnen, wie schlimm es sein muss, nicht mehr ohne Qualen essen oder atmen zu können.

Man ist irgendwie nur noch traurig und wütend gleichzeitig. Und dies vor allem auch deshalb, weil man dann im Buch einen sympathischen, und hilfsbereiten Menschen kennenlernt, einen Menschen, der etwa einen kranken Hund aus dem Urlaub mit nach Hause bringt und ihn gesundpflegt - und der trotzdem schon mit 46 Jahren von dieser Welt gehen musste. "Was habe ich nur getan, dass ich so sterben muss" fragt die todkranke Franziska an einer Stelle. Eine Frage, die wohl keiner beantworten kann.

Aber es geht im Buch nicht nur um das Leben und Sterben der Schwester, sondern auch darum, wie Charlotte Link als Angehörige dies erlebt, mit ihr zusammen gegen die Krankheit kämpft und mit ihr leidet. Sie nennt es im Buch "Überlebensschuld". Und damit meint sie, dass man selbst gesund ist, das Leben genießen kann, während das Schicksal gleichzeitig den Menschen, der einem am nächsten steht "durch die Hölle jagt" wie es an einer Stelle heißt. Das Buch ist also auch eine Art von Trauerbewältigung für die Autorin selbst. Und eine Danksagung an ihre Schwester. Denn am Schluss des Buches schreibt sie einen bewegenden, fiktiven Brief an die verstorbene Schwester, in dem sie sich für die gemeinsame Zeit mit ihr bedankt.

FAZIT: Charlotte Link gelingt es sehr gut, die Gefühle aller Beteiligten zu beschreiben, man merkt, warum sie eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen ist. Und auch wenn der Krebstod ihrer Schwester so ungerecht und sinnlos erscheinen mag, so bleibt wenigstens der Trost, dass nun ein sehr lesenswertes und bewegtes Buch entstanden ist, das uns "Weiterlebende" daran erinnert, wie schnell alles anders sein kann und uns mahnt, unser Leben und jeden einzelnen Tag davon als Geschenk zu betrachten.
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Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester
Sechs Jahre: Der Abschied von meiner Schwester von Charlotte Link (Gebundene Ausgabe - 1. September 2014)
EUR 19,99
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