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4.0 von 5 Sternen Literarische Liebeserklärung an die Mathematik als Kunst-Religion
Wer Ogawas Art zu erzählen mag, der wird auch hier voll auf seine Kosten kommen, das Buch ist vor allem in stilistischer Hinsicht ein für Ogawa sehr typischer Roman, zeigt inhaltlich aber völlig neue Qualitäten, die man von Ogawa in dieser Form so auf Deutsch gar nicht kennt. Das fängt bereits mit dem Thema an. Mathematik? Naturwissenschaft? Ist...
Veröffentlicht am 28. Februar 2012 von Tomasu_Sensei

versus
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mathematik für Laien
„Gott existiert, weil die Mathematik konsistent ist; der Teufel existiert, weil wir es nicht beweisen können.“

Eine namenlose Haushälterin schildert aus der Ich-Perspektive den Alltag eines alternden Mathematikprofessors, dessen Gedächtnis seit einem Unfall nicht mehr als 80 Minuten währt. Notizen, die an der Kleidung befestigt...
Vor 23 Monaten von urwort veröffentlicht


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41 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Literarische Liebeserklärung an die Mathematik als Kunst-Religion, 28. Februar 2012
Wer Ogawas Art zu erzählen mag, der wird auch hier voll auf seine Kosten kommen, das Buch ist vor allem in stilistischer Hinsicht ein für Ogawa sehr typischer Roman, zeigt inhaltlich aber völlig neue Qualitäten, die man von Ogawa in dieser Form so auf Deutsch gar nicht kennt. Das fängt bereits mit dem Thema an. Mathematik? Naturwissenschaft? Ist das denn interessant? - Nun, für Japaner offenbar schon, denn zweieinhalb Millionen Mal(!) verkaufte sich dort der Roman, bevor er in 16 Sprachen übersetzt wurde.

Das deutsche Publikum tut sich erfahrungsgemäß schwer mit dem crossover von Wissenschaft und Kunst - der grandiose historische Roman über das unfassbar abenteuerliche Leben des (Berliner) Erfinders des Computers, Konrad Zuse, dessen Erlebnisse im Bombenhagel des 2. Weltkriegs den Adrenalinspiegel der Leser unfreiwillig in die Höhe treiben, schaffte es in Deutschland nicht in die Bestseller-Listen, obwohl mancher fiktive Geheimagent im Vergleich zu dieser realen Lebensgeschichte wie ein blasser Langweiler dasteht.

Also Mathematik. Worum geht es? Ein brillanter Mathematikprofessor, ein stilles Genie, das immer wieder die internationale Fachwelt zu überraschen vermag, überlebt einen schweren Verkehrsunfall, hat allerdings Zeit seines restlichen Lebens mit einem höchst ungewöhnlichen Folgeschaden zu leben: Sein Kurzzeitgedächtnis umfasst nur noch achtzig Minuten, danach erinnert er sich an nichts mehr und alles beginnt für ihn von vorn, ähnlich wie die Endlosschleife einer alten Videokassette, die immer wieder neu bespielt wird.

Um in seinem Alltag wenigstens grob zurecht zu kommen, heftet er sich kleine Notiz-Zettel an alle möglichen Stellen seiner Kleidung, die ihn alle achtzig Minuten an die 'basics' seines Lebens erinnern sollen. Diese und ein Arsenal weiterer skurriler Verhaltensweisen lassen die Figur den Lesern äußerst plastisch und lebendig vor Augen treten - und sicherlich in ihr Herz schließen. Der Professor lebt in der Obhut seiner Schwägerin und verschleisst wegen seiner schwer zu ertragenden Eigenheiten eine Haushälterin nach der anderen. Erst mit Haushälterin Nummer 9 und ihrem liebenswerten Sohn wird alles anders. Ob die beiden wollen oder nicht, sie sind aufgrund der unfreiwilligen Eigenarten des Professor gezwungen, in dessen Welt einzutauchen. Puuh... ein Mathe-Genie... wie soll man das bloss aushalten? Was dann passiert, ist aber vollkommen überraschend.

Mathe ist bei Ogawa nämlich ganz anders, als wir das aus der Schule kennen. Der Professor ist ein 'echtes' Genie, das nicht nur gut rechnen kann, sondern der mit seiner Art der Mathematik stets auf der Suche nach der 'Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit' ist. Ein romantischer Topos? Bei Ogawa ein wenig, durchaus. Denn die Mathematik entpuppt sich bei Ogawas Professor als ein Mittel, im scheinbar schnöden, unspektakulären Lebensalltag neue Bedeutungen zu entdecken, unerkannte Beziehungen zwischen den Menschen, zwischen den Menschen und den Dingen, aber auch zwischen den Menschen, den Dingen und der Natur zu erkennen, oft sogar einen winzig kleinen Einblick in die ewigen Gesetze des Universums und die einer höhren Macht zu erhaschen. Gemeinsam mit Haushälterin Nummer 9 gehen die Leser so auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise, bei der auch die ästhetische Seite der Mathematik immer wieder kräftig aufscheint. Die Haushälterin kommt so aus dem Staunen nicht mehr heraus, fängt, im Rahmen ihrer laienhaften Möglichkeiten, sogar selber an, sich für die Wunder der Mathematik zu begeistern.

Wie schafft der Roman das? - Gibt es in dem Roman etwa Zahlen, Formeln, mathematische Grafiken? Haltet euch fest: Ja, die gibt es. Tatsächlich. In einem Roman. Und der Roman 'funktioniert' - man wäre hier geneigt zu schreiben 'dennoch' -, aber genau das stimmt in diesem Fall nicht. Und das macht den Roman angesichts des schwierigen Themas so bemerkenswert. Der Roman funktioniert nicht trotz, sondern gerade mit(!) der Mathematik. Ein bemerkenswerter Aha-Effekt.

Auch wenn mir persönlich als jemanden, für den die Schul-Mathematik ein nicht enden wollendes Horrorspektakel darstellte, in manchen Passagen die Darstellung etwas zu ausführlich erschien, schafft es der Roman dennoch mit viel Liebe und Hingabe an die Sache, selbst solch hoffnungslosen Fällen wie mir die 'Wunder der Mathematik' deutlich zu machen, insbesondere auch, zu welchen oft faszinierenden Erkenntnissen man kommen kann, wenn man versucht, die Welt mit den Augen der Mathematik zu sehen. Die so wahrnehmbare 'Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit' mit ihren ewigen Gesetzen geben den Romanfiguren immer wieder einen starken inneren Halt, insbesondere, wenn ihre Psyche in unerbittlich-grausame Abgründe blicken muss. Hier wird die Mathematik gerade mit Hilfe ihrer ästhetischen und philosophischen Seiten zu einer Art Religion ohne Religiosität, einer Art intellektueller Kunst-Religion, die ihre Anhänger die Welt neu und reicher erfahren lässt. Und wer möchte, kann als Leser davon einfach etwas mit in sein Leben hinein nehmen.

Umgekehrt bringen Haushälterin und Sohn aber auch die bis dahin verschüttete menschliche und emotionale Seite des Professors wieder zurück in seine schwierige, überschaubar kleine Alltagswelt. Eine tragische, vergangene Liebe, seine mehr als vorbildliche väterliche Sorge um den Sohn der Haushälterin, ungewohnte menschliche Nähe, eine bedingungslose Leidenschaft für Baseball und vieles anderes, Herzerwärmendes und Trauriges, allesamt besondere Momente aus der ganzen Bandbreite eines eigenwilligen Lebens.

Der Roman fragt aber auch sehr geschickt nach dem, was bleibt - am Ende eines Lebens, was eine Person in ihrem Kern ausmacht, wie wichtig das Erinnern für die Identität eines Menschen ist, was die innere und äußere Würde eines Menschen ausmacht, worauf es rückblickend in einem Leben ankommt...

Trotz aller Lebendigkeit der Figuren entwickelt dieser Roman Ogawas vielleicht nicht die verblüffende, manchmal metaphysische Sogwirkung, die viele ihrer anderen Arbeiten so besonders macht. Dafür bietet der Roman viel anregenden Stoff zum Nachdenken, wobei sie es schafft, dem ihr zentralen Thema Spiritualität eine für ihr Werk neue und wichtige Facette abzugewinnen, wodurch ihr Werk nun als wesentlich ganzheitlicher ausgerichtet erscheint. Ein Roman, der sicherlich viele Augen öffnet und dessen Kunst-Religion hoffnungsfroh stimmt.

Der Verlag Liebeskind hat sich um die Etablierung der Autorin in Deutschland bislang sehr verdient gemacht, auch findet sich - so weit ich dies beurteilen kann - in der Übersetzung nur selten einmal ein (wenn dann marginaler) Fehler. Was aber heftig zu bedauern bleibt: Die deutsche Leserschaft erreichen die Bücher Ogawas nur mit einer gehörigen Verspätung - im vorliegenden Fall erschien der Roman in Japan fast zehn Jahre früher. Wenn die größte deutsche Buchhandelskette anfängt, in ihren Buchhandlungen nun auch diverse Geschenkartikel und bald wohl mehrheitlich 'non-books' anzubieten, nachdem bereits vielerorts die Gastronomie dort eingezogen war, macht dies überdeutlich, dass den Verlagen in Deutschland ein eiskalter Wind stramm ins Gesicht weht.

Deshalb sollten die verbliebenen Leser sicherlich Verständnis dafür zeigen, dass ein Verlag erst einmal abwartet, ob sich ein Titel international in Gestalt hoher Verkaufszahlen bewährt, bevor er das Risiko eingeht, das Buch auch auf dem demografisch schrumpfenden deutschen Markt zu veröffentlichen. So jedoch sind die deutschen Leser, die nicht über profunde Japanisch-Kenntnisse verfügen, von der aktuellen literarischen Entwicklung in Japan restlos abgeschnitten, haben keine Chance zu erfahren, in welche Richtung sich ihre Lieblingsautorin aktuell entwickelt.

Das ist sehr schade. Denn die Sprache der Kunst wie auch der Mathematik lebt vom internationalen Austausch, vom zeitgenössischen Dialog derjenigen Menschen, die in diesen gedachten Welten leben.
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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auch Mathematik kann literarisch sein!, 22. Februar 2012
Alle 80 Minuten verliert der ehemalige Mathematikprofessor seine Erinnerungen. Auch wenn sein Kurzzeitgedächtnis nach einem Autounfall beschädigt wurde, sein Kopf funktioniert ansonsten einwandfrei und so lehrt er seine neue Haushälterin eifrig die Schönheit der Zahlen.

Die Haushälterin und zugleich Erzählerin, die wie alle Figuren im Roman namenlos bleibt, ist schon die zehnte Haushaltshilfe beim Professor. Sie ist aber zugleich diejenige, die es am längsten mit ihm aushält, denn sie beginnt den schrulligen alten Mann, der sich hinter seiner Welt der Zahlen versteckt und seine Kleidung überall mit kleinen Erinnerungszettelchen versieht, in ihr Herz zu schließen.

Zwischendurch ist das Verhältnis der beiden harmonisch und durch die Erzählerin, die den Professor immer besser kennenlernt, entsteht der Eindruck, die Bindung zwischen den beiden würde sich vertiefen. Doch immer wieder erlebt sie verletzende Rückschläge, muss nach 80 Minuten ganz von vorne beginnen.

Ogawa spielt mit diesem Buch nicht nur ein interessantes Gedankenspiel durch, das die zwischenmenschlichen Beziehungen infrage stellt, sondern sie widmet sich dieses Mal thematisch einem Fach, das von Schriftstellern nicht oft angegangen wird: Der Mathematik. Erklärungen zu besonderen Zahlen und Rechnungen werden immer wieder in den Roman eingeflochten. Mit der Zeit steigert sich der Schwierigkeitsgrad, die Gedankengänge sind aber mit Oberstufenmathematik einfach nachzuvollziehen.

Mathematik wird hier ästhetisiert, zu einer rätselhaften Sache, wird genauso geheimnisvoll wie die Finger, Ohren und vielen kleinen, eigentlich unbedeutenden Gegenstände, die Ogawa in ihren Romanen oft mit so viel Liebe zum Detail beschreibt. Und eines hat die Mathematik mit diesen Gegenständen auch gemeinsam:

'Die Ordnung der Zahlen ist deshalb so schön, weil sie im alltäglichen Leben keinen Nutzen hat.' (162)

Besonders ist dieses Buch also nicht nur wegen seiner ruhigen Erzählweise und den fein geschilderten zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern es spricht dieses Mal zusätzlich einen ganz neuen Leserkreis an. Wer selber einen Mathematiker oder Physiker kennt, der so engagiert ist wie der Professor, wird sicher viele Parallelen zwischen den beiden feststellen und oft schmunzeln müssen. Und wer selber eine Vorliebe für diese beiden Fächer hat, für den ist das Buch ein absoluter Geheimtipp.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine einfühlsamer Roman aus Japan, 29. März 2012
Von 
Raumzeitreisender (Muensterland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Die Eulersche Formel verbindet verschiedene Bereiche der Mathematik auf elegante Art und Weise miteinander. In ihrer Einfachheit und Schönheit ist sie ein Symbol für die innere Harmonie komplexer mathematischer Strukturen. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dieser Formel?

Der Roman handelt von einer Haushälterin, die bei einem Professor für Mathematik beschäftigt ist. Sie ist alleinerziehende Mutter eines zehnjährigen Jungen. Der Professor, Experte für Zahlentheorie, hatte 1975 einen schweren Unfall und leidet seitdem an Amnesie. Alle achtzig Minuten verliert er seine jeweils neuen Erinnerungen. Daher trägt er Zettel an seiner Jacke mit wichtigen Informationen zur Orientierung.

Yoko Ogawa gelingt es von Beginn an, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, die den Leser in seinen Bann zieht. Der Verzicht auf Namen führt nicht dazu, dass die Geschichte unpersönlich wirkt. Die Charaktere sind markant; das gilt für den vergesslichen, aber gescheiten Professor genauso, wie für die einfühlsame und geduldige Haushälterin und ihren sensiblen Sohn.

Autorin Ogawa verarbeitet die Themen Genialität und extreme Vergesslichkeit in der Person des Professors. Mathematische Rätsel werden eingestreut. So wird der Sohn der Haushälterin, dem der Professor bei den Hausaufgaben hilft, u.a. mit einer Summationsaufgabe konfrontiert, für dessen Lösung der junge Gauß eine Formel gefunden hat.

Die mathematisch-physikalischen Beschreibungen sind nicht immer korrekt. So wird z.B. kinetische Energie nicht in Stundenkilometern gemessen. Dies dürfte aber für ein literarisches Werk nebensächlich sein. M.E. hätte aber die Verbindung der Eulerschen Formel, die mehrfach erwähnt wird, mit der (Beziehungs-)geschichte deutlicher verzahnt werden können. Immerhin wurde das Buch danach benannt. Am Ende des Romans geht es um existenzielle Fragen. Was bleibt übrig von einem genialen Menschen, wenn er von extremer Amnesie betroffen ist?

Dies war für mich der erste Roman einer japanischen Autorin. Die Verbindung von Mathematik und Literatur hat mich angezogen. Prägend für den Roman ist neben den mathematischen Spielereien das Beziehungsgeflecht zwischen dem Professor, der Haushälterin und ihrem Sohn. Das ständige neue Kennenlernen wirkt sympathisch; das ständige Vergessen tritt angesichts der bestehenden Harmonie in den Hintergrund.
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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mathematik für Laien, 8. August 2013
„Gott existiert, weil die Mathematik konsistent ist; der Teufel existiert, weil wir es nicht beweisen können.“

Eine namenlose Haushälterin schildert aus der Ich-Perspektive den Alltag eines alternden Mathematikprofessors, dessen Gedächtnis seit einem Unfall nicht mehr als 80 Minuten währt. Notizen, die an der Kleidung befestigt sind, erinnern ihn an wichtigste Informationen, mit denen er durch den Tag schreitet, ohne je die Wohnung zu verlassen. Zahlen sind seine einzigen Freunde und vermitteln ihm einen Rhythmus, die ihm die Welt nicht mehr geben kann. Viele Haushälterinnen scheiterten am Charakter des Professors, doch mit der Ich-Erzählerin sollte sich dies ändern.
Das tägliche Ritual stellten Fragen nach Geburtsdaten oder Größenangaben dar, mit denen sie sich sein Vertrauen erneut erarbeiten musste. Für Kinder hegt der Mathematiker eine große Sympathie und schließt den Sohn der Haushälterin sofort ins Herz, den er für die Welt der Zahlen begeistern kann.

Der Plot rührt wahrlich zu Herzen. Ein alter Kauz, der sich nur für Zahlen begeistern kann und dem jede Kommunikation überflüssig erscheint. Sofern ein Kind jedoch in der Nähe ist, blüht er auf. Vor die Haustür zu gehen, bedeutet eine große Tortur – er findet sich nicht wieder, wenn die Uhr nicht pünktlich den Heimweg vorschlug.
Es prasseln viele mathematische Gleichungen auf den Leser ein, stets ausformuliert und erklärt. Doch bei all den schönen Ideen, bleibt die Lektüre banal. Sätze reichen sich die Hände, in denen eigentlich nichts gesagt wurde. Unnütze Tätigkeiten, die für die Handlung uninteressant sind, werden mit Bravour ausgeschmückt. Das Buch erreicht keine Tiefe, obwohl es schöne Ansätze liefert. Es tauchen Geistesblitze auf, die sich die Autorin vermutlich zurechtlegte und im rechten Augenblick einflechten wollte. Doch diese weiten flachen Ebenen zwischen diesen Geistesblitzen sind leider zu vielzählig. Obwohl der Charakter des Professors im Mittelpunkt steht, kann der Leser dessen Gefühle nur erahnen. Wirklich alles wird beschrieben – bis hin zum Kochrezept. Die Ich-Erzählerin ist stets bemüht keine Fehler zu begehen, doch ihre Gedankengänge arten stets zu kläglichen Versuchen aus, allem etwas Positives abzugewinnen.
Ich rate, beim nächsten Versuch eine andere Erzählperspektive zu wählen, denn der Versuch die Mathematik auf diesem Wege begreiflich und greifbar zu machen scheint logisch, jedoch ist das Projekt nicht gut umgesetzt.

„Meine Freude hält sich in Grenzen. Mir wurde ein Einblick in Gottes Notizbuch gewährt, aus dem ich einige Zeilen abschreiben konnte, weiter nichts.“

Der Mathematiker ist ein bescheidener Charakter, der regelmäßig bei Preisausschreiben renommierter Zeitschriften teilnimmt. Stets auf Neue gewinnt er, doch die Schecks bleiben ungeöffnet, Preise werden von ihm nicht wahrgenommen - weil es fern seiner Realität liegt, es nicht zählt. Sobald ihm ein neuer Preis zugetragen wird, kann er nur staunen, aber sich nicht freuen – wie soll er sich bei so kurzer Erinnerungsspanne darauf besinnen, dass er irgendwann einmal ein Rätsel gelöst hat, dessen Lösung er nicht mehr weiß? Großes Mitleid empfindet der Leser mit diesem Charakter, sprachliche Bilder helfen dabei, Mathematiker freuen sich über die Huldigung ihrer Zunft. Doch dennoch bleibt mir in Anbetracht der mangelnden Ausdrucksqualität das große Lob auf diesen Roman unverständlich.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Liebenswerte Beschreibungen - aber man muss Mathematik mögen!, 24. Juli 2014
Das Buch beschreibt das Verhältnis zwischen einem Professor und der Ich-Erzählerin, die als Haushälterin bei einem Professor angestellt ist.

Der Professor wird als wahnsinnig liebenswerter Mann beschrieben. Er erlitt bei einem Unfall einen Hirnschaden und kann sich seitdem nur noch an das Leben vor dem Unfall und an die letzten 80 Minuten in seinem jetzigen Leben erinnern. Dieses Leben versucht er mit kleinen Zettelchen zu steuern, auf denen alles steht, was ggf. länger als 80 Minuten aus seinem Blickfeld verschwindet.

Die Ich-Erzählerin scheint die perfekte Haushälterin für den Professor zu sein. Sie erträgt seine Gedächtnisprobleme mit einer stoischen Ruhe, die ihren Vorgängerinnen offenbar fehlte. Da der Professor Kinder liebt, kommt bald ihr 10-jähriger Sohn mit ins Haus. Ein Kind halte ich kaum für so beherrscht und vernünftig, die nicht unbedingt einfache Krankheit des Professors zu ertragen, aber die zauberhafte Beschreibung des Verhältnisses vom Professor zum Sohn lässt diese Unzulänglichkeit bald vergessen.

Die Beschreibung der Schwägerin des Professors ist in meinen Augen nicht rund. Bereits Beginn mochte ich sie nicht, sie wird eher unsympathisch beschrieben. Als sie dann noch die Ich-Erzählerin herauswirft, weil sich diese während einer Krankheit um den Professor kümmert, verliert sie alle restlichen Sympathiepunkte. Später lenkt sie ein, und gegen Ende des Buches kümmert sie sich aufopfernd um ihren Schwager. Es wird erwähnt, dass der Professor und seine Schwägerin ein ganz besonderes Verhältnis haben. Ob dies daraus resultiert, dass sie den Unfall zusammen erlebt haben (die Schwägerin geht seitdem am Stock) oder noch darüber hinaus, erfährt der Leser nicht.

Während des gesamten Buches werden die Haushälterin und ihr Sohn mit kleinen aber feinen Dosierungen in ein paar Geheimnisse der Mathematik eingeweiht. Die Ich-Erzählerin macht hier in meinen Augen eine recht steile Lernkurve in der Mathematik durch. Zu Beginn bekommt der Leser das Gefühl, es gäbe kaum mathematischen Grundlagen, später im Buch liest sie sich selbständig durch die Beschreibung der Eulerschen Formel. Aber niemand erwartet, dass diese Geschichte tatsächlich so passiert sein muss.

Das Leben des Professors ist voller Zahlen. So wird die Ich-Erzählerin beispielsweise immer wieder gefragt, welche Schuhgröße sie habe oder wann sie geboren sei. Auf Seite 25 antwortet sie: »Am 20. Februar.« Daraus macht der Professor (»im zweiten Monat, und zwar am 20.«) die Zahl 220. Diese Zahl in Verbindung mit der 284 wird nun einige Seiten lang behandelt. Auf Seite 146 ist die Ich-Erzählerin plötzlich am 22. Februar geboren, verweist aber trotzdem auf die damit verbundene Zahl 220. Sehr schade, da hat jemand überhaupt nicht aufgepasst.

Irgendwo im Buch gibt die Ich-Erzählerin einer Frau auf der Straße ohne ersichtlichen Grund Geld. Mir fehlt der Zusammenhang, was diese Szene mit der Geschichte zu tun hat - oder habe ich etwas übersehen?

Es gibt einige Unzulänglichkeiten, »Das Geheimnis der Eulerschen Formel« ist aber trotzdem ein Buch, was sie gut lesen lässt. Wenn man Mathematik mag, erfährt man evtl. etwas Neues - oder kann seine Erinnerungen aus der Schulzeit auffrischen. Wenn man Mathematik nicht mag, wird man die Magie, die von Zahlen ausgeht, wahrscheinlich nicht verstehen und sollte eher ein anderes Buch lesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine zauberhafte kleine Geschichte, 3. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis der Eulerschen Formel: Roman (Taschenbuch)
Eine Haushälterin erhält einen neuen Auftrag ihrer Agentur und soll nun bei einem alten Mathematikprofessor arbeiten. Neun Haushälterinnen hatte der Professor bereits. Das Problem: das Kurzzeitgedächtnis des Professors funktioniert seit einem Unfall nicht mehr richtig. Er weiß noch alles bis zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1975, Darüber hinaus kann er sich immer nur an die vergangenen 80 Minuten erinnern. Sein Leben sind die Zahlen und Formeln und über diese entwickelt sich eine Beziehung zwischen der Haushälterin, ihrem Sohn und dem Professor.

Dieses Buch ist allerdings keine Liebesgeschichte. Hier geht es allgemein um zwischenmenschliche Beziehungen. Durch seine Gedächtnisprobleme fühlt sich der Professor sehr unsicher im Umgang mit Menschen. Zahlen und Formeln vermitteln ihm dagegen Sicherheit und so philosophiert er mit der Haushälterin über Primzahlen und komplizierteres. Die Sprache des Buches ist sehr poetisch und auch so mancher Leser wird sich hier für Mathematik begeistern lassen und die Lösungen verstehen und nachvollziehen lernen. Darum geht es jedoch nicht vordergründig. Wem das also zu kompliziert ist, der kann diese Stellen auch überfliegen, ohne dass ihm entscheidende Teile der Handlung fehlen.
Dieses Buch ist aber auch keine Geschichte über Amnesie, Demenz, Alzheimer oder Hirnschäden. Die erinnerbaren 80 Minuten sind eher ein künstlerisches Element der Autorin, denn ein anerkanntes Krankheitsbild. Sie machen aus dem Professor jemanden, der in der Vergangenheit lebt und auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Er schreibt sich Zettel mit den wichtigsten Dingen und lernt jeden Morgen wieder seine neue Haushälterin kennen. Es regt an darüber nachzudenken, wie viel unseres Lebens auf Erinnerungen angewiesen ist und wie schrecklich ein solcher Verlust der Gedächtnisfähigkeit sein muss. Der Professor ist dabei die tragische Figur, denn er ist seinem Mitmenschen ausgeliefert. Die Haushälterin versucht gleichzeitig, sein Leben so angenehm wie möglich zu machen und bereitet ihm ein ums andere Mal erinnerungswürdige Momente, auch wenn sie weiß, dass sie bereits 80 Minuten später für immer aus seinem Gedächtnis gelöscht sind.

Die Charaktere sind absolut überzeugend und liebenswürdig. Die Geschichte folgt eher leisen Tönen, ist unaufdringlich, poetisch, zurückhaltend und strahlt gleichzeitig eine ergreifende Magie aus. Die Farbgestaltung des Covers passt sehr gut dazu. Das Setting Japan steht eher im Hintergrund, da die Geschichte ursprünglich nicht für eine westliche Leserschaft geschrieben ist. So spürt man das Land oft nur durch die Höflichkeit der Menschen und die Besessenheit mit Baseball. Die Charaktere handeln nach ihrem Herzen und ihrer Intuition (und das deckt sich oft nicht mit dem, wie sich professionelles Pflegepersonal verhalten würde).

Da mich die diversen Kritikpunkte, die gegen das Buch angebracht werden (Klappentext lässt Liebesgeschichte/Geschichte über Demenz erwarten, die 80-Minuten-Sache ist nicht glaubwürdig, etc.), nicht gestört haben, sondern mich das Buch im Gegenteil verzaubert hat, kann ich nur volle 5 Sterne vergeben und der Autorin einen Platz auf meiner Merkliste für ihre weiteren Bücher einräumen. Die Geschichte ist nichts Weltbewegendes, beschert aber ein paar magische Lesestunden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine poetische Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft und die Liebe zur Mathematik, 9. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Geheimnis der Eulerschen Formel: Roman (Taschenbuch)
===Die Einleitung:===
„Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ habe ich im Rahmen einer Wanderbuchrunde gelesen.
Der Titel des Buches hatte mich neugierig auf das Buch gemacht.
Es war spannend das Buch zu lesen, da ich zu Beginn garnicht wusste, was mich erwarten würde.
===Die Autorin:===
Yoko Ogawa gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen ihrer Generation.
Für ihr umfangreiches Werk wurde sie mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Tanizaki Jun’ichirō – Preis.
Für ihren Roman „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“, der in sechzehn Sprachen übersetzt wurde, erhielt sie den begehrten Yomiuri-Preis.
Bei Liebeskind erschienen u.a. die Romane „Hotel Iris“, „Das Museum der Stille“ und „Das Ende des Bengalischen Tigers“.
Yoko Ogawa lebt mit ihrer Familie in der Präfektur Hyogo.
Die Übersetzerin Sabine Mangold lebt in Berlin.
Aus dem Japanischen übersetzte sie u.a. Werke von Haruki Murakami, Akira Yoshimura und Hitomi Kanehara.
===Fakten zum Buch:===
Der japanische Originaltitel des Buches lautet Hakase no Aishita Sushiki.
Sabine Mangold hat das Buch ins Deutsche übersetzt.
Das gebundene Buch erschien im Februar 2012 beim Liebeskind -Verlag.
Das Buch umfasst 256 Seiten und ist im Buchhandel für 18,90 Euro zu haben.
Das Buch gibt es noch als Taschenbuch und für den Kindle.
===Die Gestaltung des Buches:===
Das Cover des Buches ist ungewöhnlich.
Auf hellbraunem Hintergrund sieht man auf der Oberseite des Buches eine Art Kleeblatt, welches in die Luft empor zu steigen scheint.
Rechts davon steht der Name des Verlages.
Darunter steht in roten Buchstaben der Name der Autorin.
Der Titel des Buches wurde in weißen Buchstaben gehalten.
Auf der rechten Seite des Covers sieht man ein filigranes Blatt eines Baumes, bei dem man sogar die feinen Äderchen und Linien erkennt, die es durchsetzen.
Der Umschlag wirkt auf mich wie ein altes Blatt Briefpapier, auf dem zwei Blätter gepresst wurden.
Wie das Buch selbst hat auch das Cover eine eigentümliche Wirkung auf mich.
Es erinnert mich daran, dass man in der Schönheit der Natur die Gesetze der Mathematik wiederfindet.
===Der Verlag über das Buch:===
„Überraschend, anmutig und tief bewegend.“ Paul Auster
Eine Frau wird als Haushälterin für einen verschrobenen Professor eingestellt, der jeden Tag aufs Neue vergisst, wer er ist.
In ihrer zarten, eindringlichen Sprache erzählt Yoko Ogawa eine berührende Geschichte über Freundschaft und Verlust – und über die Schönheit der Mathematik.
„Hinreißend! Ein Roman, der lange nachklingt.“ Los Angeles Times
„Ein Buch voller Poesie und Eleganz“ L`Express
„Dieses Buch verbreitet einen seltsamen Zauber.“
The Washington Post
===Die Geschichte und meine Meinung dazu:===
„Das Geheimnis der Eulerschen-Formel“ spielt in Japan und erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft.
Im März 1992 wendet sich eine alleinerziehende Haushälterin auf der Suche nach Arbeit an eine Haushaltsservice-Agentur, bei der sie schon viele Jahre tätig ist.
Sie wird an einen 64 Jahre alten Mann vermittelt, der im Buch nur „der Professor“ genannt wird.
Der ehemalige Hochschulprofessor hatte inzwischen schon acht Haushälterinnen und alle waren nach kurzer Zeit gekündigt worden.
Die Neunte war gespannt darauf, was sie bei der Arbeit erwarten würde.
Das Vorstellungsgespräch bei der Schwägerin des Professors verlief ziemlich kühl.
Diese suchte für den Bruder ihres verstorbenen Mannes eine Haushaltshilfe.
Die Karriere des Professors hatte ein abruptes Ende gefunden, nachdem er nach einem Unfall sein Kurzzeitgedächtnis verlor. Er hatte kein eigenes Einkommen, hatte seinen Lehrstuhl an der Universität verloren und war nie verheiratet.
Daher war er auf die Unterstützung seiner Schwägerin angewiesen.
Die Schwägerin legte genau fest, wann die Haushaltshilfe zur Arbeit kommen sollte und was ihre Aufgaben waren, trat aber selbst nie in Erscheinung.
Die neue Angestellte sollte nur im Gartenhaus agieren, in welchem der alternde Professor wohnte und sich vom Hauptgebäude, in welchem die Witwe lebte fernhalten.
Die Frau hatte schon schlimmere Arbeitsbedingungen gehabt und arrangierte sich mit den Wünschen ihrer Arbeitgeberin.
Nun sollte sie also den Professor kennen lernen, der nach einer Kopfverletzung an Gedächtnisverlust litt.
Sein Kurzzeitgedächtnis dauerte genau achtzig Minuten an.
Eine Stunde und zwanzig Minuten, nicht mehr und nicht weniger.
Er vergaß, was er am Abend zuvor gegessen hatte und lernte die Haushälterin jeden Tag aufs Neue kennen.
Sein Wissen um die faszinierende Welt der Mathematik war ihm aber nicht verloren gegangen.
Als er die neue Haushälterin statt nach ihrem Namen oder ihrer Vita zu befragen nach ihrer Schuhgröße und ihrer Telefonnummer fragte, war die Frau zunächst erstaunt.
Doch je mehr Zeit sie mit ihrem neuen Klienten verbrachte, desto mehr bereiteten diese Fragen ihr Freude und sie fühlte sich seltsam wertgeschätzt.
Tag für Tag bereitete sie dem Professor das Essen zu und kümmerte sich um seine verwahrloste Wohnung.
Der Professor war sehr wortkarg und brütete meist über irgendeinem mathematischen Problem, bei dem er nicht gestört werden wollte.
Dies änderte sich, als die Haushälterin beiläufig erwähnte, dass sie einen 10-jährigen Sohn hatte.
Als der Professor erfuhr, dass ihr Sohn alleine zu Hause sitzt und auf seine Mutter wartet, war er außer sich und befahl, dass der Junge von nun an nach der Schule zum Haus des Professors kommen solle.
Er nannte ihn Root, weil sein flacher Schädel ihn an das Dach eines mathematischen Wurzelzeichens erinnerte.
Bald schon hatten die Beiden eine ganz besondere Beziehung zueinander, voller Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung.
Der Professor führt seine Haushälterin und deren Sohn in die Welt der Mathematik ein.
Jede Ziffer hatte für ihn eine Bedeutung.
Der Professor ist der Überzeugung, dass die Entstehung der Welt sich in mathematischen Formeln ausdrücken lässt.
Er erzählt ihnen von transzendenten Zahlen, Quadratwurzeln, Primzahlen, anmutige Lösungen, vollkommene Zahlen, befreundete Zahlen und der allergrößten Zahl.
Es bereitet ihm Vergnügen, wenn Mutter und Sohn rätseln.
Die Haushälterin fängt an zu recherchieren und sich für die Mathematik zu begeistern.
So langsam beginnt sie die Liebe des Professors zur Mathematik zu teilen und eine ungewöhnliche Freundschaft beginnt zu wachsen, bis die Schwägerin des Professors dem ganzen plötzlich ein Ende setzt.
Hat die Freundschaft des Professors zu Root und dessen Mutter eine Zukunft?
Was hat es mit der Eulerschen Formel auf sich, die der Professor während eines Streits notiert und wie ein Statement vor sich auf den Tisch legt?

===Mein Fazit:===
Den besonderen Zauber, der diesem Buch innewohnt, kann man nur schwer in Worte fassen.
Man muss das Buch lesen und es selbst erfahren, um zu verstehen.
Oberflächlich betrachtet ist das Buch eine Geschichte, die von einer namenlosen Ich-Erzählerin berichtet wird.
Die Geschichte könnte sich so oder so ähnlich in Japan abgespielt haben.
Das Besondere an „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ ist unter Anderem die Atmosphäre, die darin vorherrscht.
Besonders sind auch die Charaktere des Buches, die seine Magie ausmachen.
Der namenlose Professor, der sich mit brüchiger Stimme langsam fortbewegt und in seinem verwahrlosten Gartenhaus über mathematischen Gleichungen brütet.
Er gibt Zahlen menschliche Eigenschaften, beschreibt z.B. eine scheue Zahl so, als wäre sie ein schüchterner Mensch.
Seine Art und Weise wie er die Mathematik anhand vieler Worte und Gleichungen erklärt ist angenehm.
Ich kann mir gut vorstellen, dass er als Professor hochgeschätzt wurde.
Ich selbst habe wenig Zugang zur Welt der Mathematik finden können, denke aber, dass dies anders gewesen wäre, wenn ich einen Lehrer wie den Professor gehabt hätte.
Der schrullige, etwas ungepflegte alte Mann, dem Zahlen als Schutz und Mittel zur Kommunikation dienen, war mir auf Anhieb sympathisch.
Er war aufrichtig und bescheiden und gerade seinen unzähligen Macken waren es, die ihn für mich besonders interessant machten.
Er erinnerte mich ein wenig an Walter aus „Fringe“ und seine Begeisterung für die Mathematik erinnerte mich an „Numbers – Die Logik des Verbrechens“.
Ich fand es faszinierend, wie er sich mit Hilfe von an seinem Anzug geheftete Notizzettel Dinge merkte, wie z.B. dass er eine neue Haushälterin mit einem 10-jährigen Sohn hatte oder was es mit seinem Kurzzeitgedächtnis auf sich hat.
Die Art, wie er sich um Root sorgte und sich um ihn kümmerte rührte mich sehr.
Seine neunte Haushälterin war etwas enttäuscht darüber, dass er sich nicht an die gemeinsam verbrachte Zeit erinnerte.
Die alleinerziehende Frau hatte eine bittere Lebensgeschichte und verlor trotzdem nie den Lebensmut.
Sie versuchte unablässig dem Professor Gutes zu tun und ihm eine Freude zu machen.
Manchmal handelte sie dabei etwas unbedacht, was schließlich zu jenem verhängnisvollen Ereignis führte, welches die Schwägerin des Professors gegen sie aufbrachte.
Es war faszinierend zu lesen, wie sich der Haushälterin nach und nach die Welt der Mathematik erschloss.
Ich selbst müsste die Gleichungen im Buch jedoch in Ruhe lesen, um sie zu verstehen.
Dafür hatte ich leider nicht genug Zeit und die vielen Unterbrechungen während des Lesens taten ihr Übriges dazu.
Root hatte ich von Anfang an lieb gewonnen.
Sein Vertrauen dem Professor gegenüber rührte mich.
Ich fand es schön, wie er ihn in Schutz nahm und sich Strategien ausdachte, um ihn nicht vor den Kopf zu stoßen.
Ihre gemeinsame Liebe zu Baseball und der Mannschaft der Hanshin Tigers verband die beiden noch stärker miteinander.
Gemeinsam haben sie sich Brücken gebaut.
Der Professor eröffnete Root die Welt der Mathematik und Root zeigte ihm seinerseits, dass Baseball nicht nur im Radio existiert.
Die Witwe war mir am Anfang ein Rätsel, doch nach und nach begann ich zu verstehen.
Auch wenn ich den mathematischen Gleichungen nicht immer folgen konnte, bin ich froh darüber dieses Buch gelesen zu haben.
Ihm wohnt ein ganz besonderer Zauber inne.
Auf magische Art und Weise wurden hier eine ungewöhnliche Freundschaft und die faszinierende Welt der Mathematik zu einem Ganzen verwoben, welches sich zu lesen lohnt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Berührend, 6. Februar 2014
Das Buch "Das Geheimnis der Eulerischen Formel" von Yoko Ogawa
hat mich tief bewegt zurückgelassen.

Es handelt von Toleranz und Freundschaft.
Über Altersgrenzen und über kognitive Unterschiede hinweg.
Es zeigt auch, was möglich wäre, würde den Eigenarten anderer
mit Respekt und dem Willen zum Verständnis begegnet werden.

Die Handlung ist kurz erzählt.
Das Gedächtnis des Mathematik-Professors währt, nach einem Unfall,
nur 80 Minuten. Zwischen der neuen Haushälterin und dem Professor
entwickelt sich zunehmend ein Vertrauensverhälnis, auch wenn sich
die Frau jeden Morgen neu vorstellen muss.
Durch den Professor wird sie mit der, für sie bis dahin eher unbekannten,
Welt der Zahlen und Formeln bekannt gemacht und beginnt sich über
Zahlenzusammenhänge Gedanken zu machen.
Insbesondere zum Sohn der Haushälterin entwickelt der Professor
eine besondere Fürsorge.

Der Roman handelt hauptsächlich von diesen drei Hauptfiguern und
beschreibt anhand ineinandergreifenden Episoden, wie sich die
Beziehungen der Hauptpersonen zueinander entwickeln.

Wer Spaß an Zahlen hat, wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen.
Auch "Baseball" bildet ein das Buch begleitendes Motiv.
Tiefere Kenntnis von Mathematik und/oder Baseball ist aber keinesfalls nötig,
um die handelnden Personen ins Herz zu schließen.

""Was zählt, ist die Intuition. Wie ein Eisvogel, der jäh
in den Fluss hinabtaucht, wenn nur kurz eine Rücken-
flosse aufblitzt. So muss man auch die Zahlen erfassen.""
(Zitat des Professors, Seite 28 - Taschenbuchausgabe)

""Jede Aufgabe hat ihren Rhythmus, so wie ein Musik-
stück. Wenn du diesen Rhythmus findest, erkennst
da das Problem als Ganzes und siehst, wo die Tücken
liegen.""
(Zitat des Professors, Seite 54 - Taschenbuchausgabe)

Das Buch hat mich, wegen des Endes, etwas traurig zurückgelassen,
aber auch mit der (nicht explizit geschriebenen) Aufforderung, den Mitmenschen
mit mehr Toleranz und Verständnis zu begegnen.

Es war das erste, aber mit Sicherheit nicht das letzte Buch, das ich von
Yoko Ogawa gelesen habe.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schön, sensibel, eingängig, 4. September 2013
Eine namenlose Haushälterin wird zu ihrer neuen Arbeitsstelle geschickt: Sie soll sich um einen Professor kümmern, der seit einem Autounfall vor siebzehn Jahren an einer ganz besonderen Art des Gedächtnisverlusts leidet: Sämtliche neuen Informationen werden nach genau 80 Minuten aus seinem Kurzzeitgedächtnis gelöscht. Die Konstante in seinem Leben bildet die Mathematik. Zahlen sind seine Leidenschaft, und durch sie kommen sich er, die Haushälterin und deren 10-jähriger Sohn sich näher, sodass schnell eine bemerkenswerte Freundschaft entsteht, die jeden Tag aufs Neue behutsam aufgebaut werden muss.

Zum Inhalt des Buches möchte ich nicht viel mehr Worte verlieren; es finden sich so viele kleine, liebenswerte Episoden, deren Nacherzählung nur die Spannung und den Zauber nehmen würden. Yoko Ogawa hat ein Buch geschrieben, dass sich durch sein sensibles Erzählen und eine wunderschöne Charakterzeichnung auszeichnet. Man kann gar nicht anders, als mit den Protagonisten mitzufühlen -- sei es mit der tragischen Figur des Professors, die im Verlauf des Romans immer mehr Tiefe erhält, der fürsorglichen Haushälterin oder mit deren Sohn, der übrigens als einzige Person des Romans einen Namen trägt. Ein berührendes Buch über Freundschaft, die Grenzen sprengt, aber auch über Mathematik -- ja, man kann beim Lesen tatsächlich noch etwas lernen! Besonders hervorzuheben ist übrigens auch die Sprache des Romans. Ich stelle hier mal die unqualifizierte Vermutung an, dass die Übersetzerin eine ganz wunderbare Arbeit geleistet hat. In diesem Zusammenhang möchte ich auf diesen sehr informativen Beitrag verweisen, der bei Twitter die Runde gemacht hat und sich mit der Frage der Zahlen im japanischen Original und der Qualität der Übersetzung auseinandersetzt: [...]. Das Lesen lohnt sich!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend. Daraus hätte man mehr machen können, 9. August 2013
„Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ ist ein Buch von der japanischen Schriftstellerin Yoko Ogawa. Erschienen ist das Buch in der aktuellen Auflage 2013 im Aufbau Taschenbuch Verlag. Knappe 256 Seiten, die mich nicht fesseln konnten.

Inhalt
„Eine Frau wird die Haushälterin eines Mathematikprofessors, der jeden Tag aufs Neue vergisst, wer er ist. Eine bezaubernde Geschichte über Freundschaft und Verlust und über die Poesie der Zahlen. Seit einem geheimnisvollen Unfall währt das Kurzzeitgedächtnis eines Professors nicht länger als achtzig Minuten. Eine neue Haushälterin gewinnt sein Vertrauen, auch ihren zehnjährigen Sohn schließt er ins Herz. Über die faszinierende Welt der Mathematik kommen sie einander näher, und mit jeder neuen Gleichung, mit jedem neuen Zahlenrätsel entstehen zwischen ihnen Bande, die stärker sind als der Verlust der Erinnerung bis die Schwägerin des Professors dem ein Ende setzt.“

Meinung
Der Titel ist für mich eine denkbar schlechte Übersetzung des Originaltitels (in etwa: Die Lieblingsformel des Professors). Bei einem Geheimnis erwartet man etwas Spannendes. Doch das sucht man in diesem Buch vergeblich. Die Eulersche Formel wird auch nur eher kurz angerissen und behält ihre dahinplätschernde Bedeutung im letzten Teil des Buches. Lediglich eine Frage wirft sich auf als die Formel im Buch vorkommt, doch ausgerechnet diese Frage findet einfach keine Antwort. Das Cover ist zwar schön gestaltet, weist aber keinerlei Verbindung zum Inhalt auf. Nach der Werbung für das Buch und dem Klappentext bin ich doch ziemlich enttäuscht vom letztendlichen Inhalt des Buches und der Umsetzung des Themas. Da hätte ich mir ganz andere Dinge erwartet, zumindest etwas Spannung ab dem Teil in dem die Schwägerin die Haushälterin rausgeschmissen hat. Aber es war mir alles viel zu sanft und reibungslos. "Nett" um es mit einem Wort auszudrücken. Ich musste mich bereits nach dem ersten Kapitel dazu zwingen überhaupt weiterzulesen und das hat sich bis zum Ende auch nicht geändert. Die Geschichte plätscherte so vor sich hin wie ein kleines Bächlein, zwar schön anzusehen, aber verhältnismäßig unspannend. Das hat sich durch das ganze Buch hindurchgezogen und teilweise fehlte mir da regelrecht der rote Faden beziehungsweise das Ziel, der tiefere Sinn. Womöglich hat sich dieser auch hinter eine Matheformel oder einem japanischen Baseballspieler vor mir versteckt. Die Charaktere sind meiner Meinung nach sehr flach gehalten worden und blieben bis zum Schluss ohne Namen und ohne Beziehung zu ihnen. Eine Ausnahme davon war der Sohn der Haushälterin, der nach seiner Kopfform einen Spitznamen vom Professor bekommen hat. Die Handlungen und Gedanken der Haushälterin waren mir völlig unschlüssig und nicht nachvollziehbar. Für mich war sie eher das Kind und ihr 10 Jahre alter Sohn der Erwachsene. Meinem Verständnis nach gab es auch einige Logikfehler was die Krankheit des Professors anging, manchmal war sein Gedächtnis nach 80 Minuten gelöscht und manchmal hielt es auch scheinbar den ganzen Tag und den Abend. Aber auch wenn mir das Buch überhaupt nicht zugesagt hat, kann ich es dennoch nicht ganz verreißen. Die Beziehungen zwischen den Personen waren schön und die Matheformeln teilweise liebevoll eingearbeitet.

Fazit:
Die Meinungen zu diesem Buch gehen weit auseinander. Meiner Meinung nach birgt dieses Buch einfach nichts Lesenswertes. Für Zwischendurch vielleicht mal ganz nett, aber nichts für Menschen, die es gerne etwas spannend haben.
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Das Geheimnis der Eulerschen Formel: Roman
Das Geheimnis der Eulerschen Formel: Roman von Yoko Ogawa (Taschenbuch - 20. Juni 2013)
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