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Da hat Friederike nun endlich allen Mut zusammengekratzt, um an ihrem 21. Geburtstag ihrer Tante, bei der sie aufgewachsen ist, zu gestehen, dass sie das Musikstudium abbrechen will ' vergeblich. Denn sie kommt gar nicht erst zu Wort. Ihre Tante hat nämlich ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk für sie: Ein Bündel Briefe ihrer Mutter, von der Friederike bisher glaubte, dass sie während eines Bombenangriffs ums Leben gekommen ist.
Nach diesem Einstieg wird die Geschichte zweier grundverschiedener Schwestern in der NS-Zeit, der Sängerin Orlanda und der Krankenschwester Anna, langsam aufgerollt. Eine dieser Schwestern ist Friederikes Mutter, und ihre Briefe an ihr noch ungeborenes Kind sind in die Erzählung eingestreut. Friederikes Mutter sitzt im Gefängnis und wartet auf ihre Hinrichtung, die bis zur Geburt aufgeschoben wurde. Sie weiß also, dass sie kein gemeinsames Leben mit ihrem Kind haben wird, und das macht diese Briefe so herzzerreißend, dass mir die Tränen kamen.
Wie in einem Puzzle fügt sich die Geschichte nach und nach zusammen. So wie auch die Auswirkungen des NS-Staates nach und nach in das Leben der Schwestern und ihrer Freunde einsickern, ihre Lebenspläne zerstören und zunehmend ihren Alltag bestimmen. Judenverfolgung, Krieg, Bombenangriffe, all das macht die Lebenswirklichkeit der Schwestern aus, aber auch der Widerstand dagegen.
Dabei wird ihnen auch ein zentraler Teil ihres Lebens genommen: Die Musik, die sie so lieben, von der sie auch gelebt haben, die in den Augen der Nazis aber 'entartet' ist. Die Musik, die dieses Buch wie einen roten Faden durchzieht und die ich gern als Soundtrack beim Lesen gehört hätte.
Dieses sprachlich schöne Buch entwickelt einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Ich hatte das Gefühl, in die damalige Zeit versetzt zu sein, so plastisch ist der Alltag beschrieben. Beide der Schwestern, die so grundverschieden sind, sind mir ans Herz gewachsen, jede auf ihre Art.
Ein besonderer Reiz des Buches ist, dass bis kurz vor Schluss nicht eindeutig klar wird, welche der beiden Schwestern Friederikes Mutter ist. So bleibt die ganze Zeit über eine Spannung aufrechterhalten.
Ich wünsche diesem Buch viele Leser!
11 Kommentar30 von 32 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 14. Januar 2013
Die Schriftstellerin Gina Mayer lebt und arbeitet in Düsseldorf und so hat sie eigentlich alle ihre Bücher in Düsseldorf oder Umgebung spielen lassen. Auch ihren Roman "Das Lied meiner Schwester", den ich persönlich als ihr bestes Buch empfinde, obwohl es sich lohnt alle zu lesen, spielt in Düsseldorf.Die Zeit, die sie für ihre Geschichte gewählt hat, gehört natürlich schon zu den interessantesten der Zeitgeschichte, nämlich die Zeit zwischen 1929 und 1944.

In diesem Buch beschäftigt sie sich mit der Musik und Kunstszene und lässt den Leser wissen, wie stark diese Kunstrichtungen von der Nazidiktatur beeinflusst wurden. Alle wichtigen Personen diese Buches haben sich über die Musik kennen,- und teilweise auch lieben gelernt. Verzweifeln teilweise aber auch an dieser Situation und manche bringt es auch dazu sich zu wehren.

Aufgebaut ist dieser Roman durch Erzählungen und Briefe, die diese schreckliche Zeit wieder auferstehen lässt.

Frederike, die bei der Schwester ihrer Mutter und dessen Mann aufgewachsen ist, erhält von ihrer Tante zu ihrem 21. Geburtstag ein Bündel Briefe , die ihre Mutter ihr aus dem Gefängnis geschrieben hat. So erfährt sie durch Erzählungen ihrer Tante und die Briefen viel über das Schicksal ihrer Mutter, die versucht hat sich gegen das Naziregime aufzulehnen. Sie erlebt ihre Mutter in den Erzählungen ihrer Tante als lebenslustige Person, die als Chormädchen immer auf den großen Durchbruch wartete.Musik lag ihr im Blut, genauso wie ihrer Schwester,die die vernünftige der beiden ist und als OP Schwester arbeitet und sich zeitlebens für ihre Schwester verantwortlich fühlt.Wankelmütig und unerschrocken wie Orlanda ist, kann sie sich weder zwischen zwei Männern entscheiden, die ihr Leben begleiten, sondern verschreibt sich auch der Jazzmusik, die unter dem Naziregime als entartete Kunst verboten wurde.
Dieses Buch ist der Musik gewidmet und so findet man unter den agierenden Personen denn auch viele Künstler, seien es Sänger, Geiger,Jazzmusiker oder auch Organisten, die eins verbindet in dieser Schreckenszeit, die Musik und ihre Leidenschaft zu dieser Kunst.

Gina Mayer hat es wieder fantastisch verstanden die Atmosphäre der damaligen Zeit für den Leser einzufangen. Die Angst vor Entdeckung, die Repressalien und auch Strafen unter denen die Leute, die nicht regimetreu waren ,zu leiden hatten, aber auch welchen Verlust Deutschland an fantastischen jüdischen Künstlern zu beklagen hatte. Das Buch zeigt nicht nur Gina Mayers Liebe zu ihrem Wohn und Arbeitsort, sondern auch ihre präzise Recherche, die diesem Buch zugrunde liegt.Ich glaube diese Bausteine lassen die Bücher dieser Autorin nicht nur überzeugend wirken, sondern sie werden auch immer wieder zu einem fantastischen Leseerlebnis, das es einem schwer macht das Buch aus der Hand zu legen.
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am 11. Oktober 2010
"Dafür strahlten die Sterne und der Mond über ihnen, denn am Himmel hatten die Nazis die Verdunklungspflicht nicht durchsetzen können."
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Es ist der 5. Juni 1964 - Friederikes 21. Geburtstag. Sie hat endlich den Mut gefasst, Onkel und Tante davon in Kenntnis zu setzen, dass sie ihr Musikstudium aufgeben und das Konservatorium verlassen wird. Doch da kommt ihr die Tante mit einer Überraschung zuvor: ein Bündel Briefe von ihrer verstorbenen Mutter.

"Friederikes Hände zitterten ebenfalls, als sie das hellblaue Seidenband löste und den ersten Brief aus dem Umschlag zog. Sie begann zu lesen."

Es beginnt eine Reise in die Vergangenheit, in das Düsseldorf der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Geschichte erzählt von den beiden grundverschiedenen Schwestern Anna und Orlanda Mandel, Orlandas Freunden Clemens und Leopold und weiteren Weggefährten. Sie erzählt von der losgelösten Zeit des Swings und den darauf folgenden Einschränkungen und Bestimmungen durch die Nazis bis hin zum Wahnsinn des II. Weltkriegs.

Fazit:
Ein sehr schönes Buch - damit meine ich nicht nur das Cover.
Es gelingt der Autorin durch eine authentische Wortwahl das misstrauische und hektische Lebensgefühl dieser Zeit zu vermitteln. Die Protagonisten kämpfen alle mit ihren eigenen Schwierigkeiten und hadern mit ihren Ansprüchen an sich selbst und das Umfeld.
Trotzdem eine Vielzahl von Personen in das Geschehen einbezogen werden, gelingt es leicht, den Überblick zu behalten. Auch die Themen, die angesprochen werden sind gut umgesetzt. So ist zum Beispiel auch die Kirche im Dritten Reich ein Bestandteil der Geschichte, aber nicht zu tiefgründig. Daher ist es für jemanden ohne große Bindung zur Kirche sehr informativ aber nicht langweilig.
Auch bleibt ziemlich lange unklar, welche Schwester denn die Briefe verfasst hat.
Alles in allem: sehr lesenswert!
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TOP 1000 REZENSENTam 7. Oktober 2012
Das ungleiche Geschwister Anna und Orlanda verliert in sehr jungen Jahren die Mutter, der hoch musikalische Vater verfällt dem Schwermut. Anna, die ältere der beiden Schwestern, wird auf diese Art und Weise rasch in die Rolle der Mutter gedrängt und kann dieses Verhalten ein Leben lang nicht mehr ablegen. Sie kümmert sich so gut sie kann um den Haushalt und ihre kleine Schwester Orlanda, eine unbekümmertes Mädchen, das ihren Emotionen stets nachgibt und deren Handlungen nur allzu oft unbesonnen und aus einer Laune heraus erfolgen. Die vernünftige Anna wird Krankenschwester und arbeitet in einem Krankenhaus, Orlanda, der hoch begabte Freigeist", wendet sich den Künsten zu und wird Teil des Ensembles einer Operette. Nach einiger Zeit macht sie die Bekanntschaft mit einer neuen Gruppe und wendet sich dem Jazz zu, dem sie mit Leib und Seele verfällt. Die Tatsache, dass ihre Mutter nach der Geburt von Orlanda den Verstand verlor und bis zu ihrem Tod rund um die Uhr überwacht werden musste, lässt sowohl Anna, als auch Orlanda, jeglichen Wunsch nach einem Kind vehement von sich weisen. Orlanda ist wie ein schöner, bunter Schmetterling, der von Blüte zu Blüte flattert, das Leben leicht nimmt und sich nicht einengen oder festlegen möchte. So wie ihr ganzes Leben ist auch die Geschichte ihrer Liebe - sie schwankt in ihrer Leidenschaft stets zwischen den befreundeten Sängern Leopold und Clemens und diese verhängnisvolle amour fou" führt letztendlich zu einem tragischen Ende. Anna hingegen lernt durch ihr Orgelspiel einen Organisten namens Johannes kennen und lieben, nach der Heirat schafft sie es durch die Fürsprache des Chirurgen Dr. Müller, trotz ihrer Verehelichung weiterhin ihren Job im Krankenhaus zu behalten. Der Ausbruch des Krieges verändert das Leben der Geschwister auf dramatische Weise - und ihre Ideale und Vorstellungen werden in Grund und Boden zerstört.

Gina Mayer hat mit ihren vielschichtigen und lebendigen Protagonisten einen wundervollen Grundstein für einen Bestseller gelegt. Die Hauptfiguren Anna und Orlanda werden mit ihren so völlig verschiedenen Charaktereigenschaften exzellent dargestellt. Ihre Hoffnungen, Träume, ihre gesamte Lebenseinstellung - aber auch die Gewissenskonflikte bei wichtigen Entscheidungen - werden dem Leser in Verlauf des Buches nahe gebracht. Man kann einfach nicht anders, als völlig gebannt immer weiter zu lesen. Das Interesse an der Handlung wird von Grund auf geweckt und der Spannungsbogen ist hoch. Der flüssige Schreibstil der Autorin trägt zudem viel dazu bei, den Leser von Beginn an zu fesseln. Die immer wieder eingeschobenen" Briefe einer inhaftierten, zum Tode verurteilten Mutter an ihr ungeborenes Kind, lassen den Leser bis zum Schluss nicht los. Die Identität dieser Frau bleibt bis zuletzt ein Geheimnis. Das brisante Hauptthema im Hintergrund, die Anfangszeiten des Naziregimes und die Vorfälle, die letztendlich zum Ausbruch des Krieges führten, werden sehr anschaulich dargestellt. Man schafft es hierbei nicht, unbeteiligt zu bleiben und wird kapitelweise vom Grauen dieser Schreckensherrschaft überwältigt. Nicht selten musste ich das Buch zur Seite legen, zu realistisch wird der historische Hintergrund in die Handlung eingebunden. Realistisch, wie auch das ganze Buch, ist das Ende dieser Geschichte. Meines Erachtens ist Das Lied meiner Schwester" ein Buch, das in Schulen zur Pflichtlektüre gemacht werden sollte.

Es handelt sich hierbei um eine Taschenbuchausgabe des Aufbau-Verlages", dessen Covergestaltung mir persönlich nicht gefallen hat. Die Optik verrät nichts über den Inhalt, die Gestaltung des Buchdeckels spricht mich nicht an und hätte mich auch niemals zu einem Kauf bewogen. Gekauft habe ich dieses Buch ausschließlich aufgrund der Tatsache, dass die Autorin Gina Mayer" heißt, dessen Buch Das Maikäfermädchen" meine Leidenschaft für ihre schriftstellerischen Werke geweckt hat. Da ich jedoch ausschließlich am Inhalt des Romans interessiert war und dieser all meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen hat, gibt es für die optische Aufmachung auch keinen Punkteabzug in meiner Bewertung.

Fazit: Für Das Lied meiner Schwester" von Gina Mayer vergebe ich auf jeden Fall fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Für meine Person definitiv ein Buch, das lange nachwirkt und das man unbedingt gelesen haben sollte.
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am 20. August 2013
Zwei vom Charakter her äußerst unterschiedliche Schwestern, beide sehr musikalisch, versuchen Ihr Leben in der nationalsozialistischen Diktatur zu meistern. Ihre Wege sind dabei extrem unterschiedlich. Schließlich beteiligen sich beide an Widerstandsgruppen, doch eine der Schwestern ist unvorsichtig und wird festgenommen.....

Trotz des guten Ansatzes hat mich die Geschichte nicht richtig in Ihren Bann gezogen. Die Autorin bemüht sich sehr um historische Authentizität, was ihr teilweise auch recht gut gelingt. Sie verdeutlicht wie schwer es damals war, das richtige zu tun. Was es bedeutete, sich oppositionell zu verhalten, welchen Gefahren man sich aussetze. Dass aber auch viele den Weg wählten sich zu verbiegen oder einfach in die innere Immigration gingen, wollten sie etwas erreichen, ihre Talente zur Geltung bringen und sich beruflich entwickeln.

Doch genau an diesem hervorragenden Ansatz wird der Roman sehr schwach. Es ist leicht aus der Sicherheit unserer heutigen Demokratie mit allen beruflichen Freiheiten und Möglichkeiten sowie mit dem Wissen über die folgenden Ereignisse zu urteilen und zu verurteilen (siehe v.a. Clemens). Die Autorin bringt aber diese innere Zerrissenheit nicht wirklich auf dem Punkt. Aus ihrer moralischen Sicht von heute entscheidet sie was zu tun gewesen wäre und verurteilt alle, die es nicht getan haben. Wohl kaum einer von uns kann nachvollziehen, was das Leben damals bedeutete und sagen, wie er sich entschieden hätte.

Die handelnden Personen sind quasi in zwei Gruppen eingeteilt: Diejenigen, die aus Überzeugung oder Dummheit mitmachten, um die anderen noch edler dastehen zu lassen und diejenigen (nahezu alle Protagonisten), die eigentlich dagegen sind und schon ahnen, was auf sie zukommt, wie verhängnisvoll das alles sein wird. Nach dem Motto: "Unsere Helden haben alles gewusst und sich deshalb im Widerstand eingesetzt." Diese Darstellung rührt aus den heutigen Erkenntnissen und dem Wunsch, selbst so gehandelt zu haben, hätte man damals gelebt. So wie es hier dargestellt ist, ist das aber zu einseitig, viel zu oberflächlich und vielfach unkorrekt dargestellt.

Ebenfalls nur mittelmäßig finde ich die Entwicklung der Charaktere. Dass zwei Schwestern sehr unterschiedlich sind, v.a. vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen im Elternhaus ist nicht unglaubwürdig. Aber dass die eine sich in einer ihr zunächst fremden Welt (Orlanda) trotz Ihrer Herkunft aus sehr kleinbürgerlichem Umfeld so verhält, als hätte sie sich schon immer in "besserer Gesellschaft" aufgehalten, hat mich nicht überzeugt. Auch ihr Wandel von einer oberflächlichen Person, die nachher so tiefsinnige Briefe an die ungeborene Tochter schreibt, schien mir nicht realistisch, genauso wie ihr Sinneswandel, sich plötzlich gegen das Regime zu stellen. Warum sie zwischen Clemens und Leopold hin und her schwankt wie eine Fahne im Wind konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen. Anna hingegen fand ich überzeugender dargestellt.

Die Beschreibung des Kulturbetriebs und der Musik fand ich, soweit ich das beurteilen kann, gut.

Insgesamt ein Roman, der mich trotz sehr guter Geschichte in der Ausarbeitung und in der Auseinandersetzung mit der Problematik nicht überzeugt hat. Vieles blieb zu oberflächlich, stereotyp, oft klischeehaft und den Umgang der Menschen mit den politischen Verhältnissen finde ich wie oben beschrieben sehr schwach.
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am 6. Mai 2015
Gina Mayer erzählt in diesem Roman die Geschichte zweier Schwestern, die unterschiedlicher kaum sei können: Anna, die Perfekte, fast zwanghaft Korrekte und Orlanda, die Lebenslustige, die immer einen Weg findet, sich durchs Leben zu schlagen.

Die Handlung spielt auf mehreren Zeitebenen. Dies verleiht der Geschichte Tiefe. Die Rahmenhandlung spielt am 5. Juni 1964, zwei Tage nach Friederikes 21. Geburtstag. Friederikes Eltern sind tot, sie hat sie nie kennengelernt. Friederike wuchs daher bei ihrer Tante und ihrem Onkel auf. Die Tante hat ein ganz besonderes Geschenk für Friederike: die Briefe ihrer Mutter. Friederike erfährt jetzt vom Schicksal ihrer Eltern...

Damit beginnt die Romanhandlung. Die Haupthandlung spielt in den Jahren 1929 bis 1943. Man erlebt, wie die Nazis an die Macht kommen, wie der 2. Weltkrieg ausbricht, wie sich in Deutschland alles verändert.

Zwischen die einzelnen Kapitel sind Briefe eingestreut, die Friederikes Mutter im Gefängnis an ihre ungeborene Tochter schreibt. Es sind die Briefe, die Friederike 21 Jahre später erhalten wird. Aus den Briefen wird klar, dass Friederikes Mutter zum Tode verurteilt wurde, dass der Geburtstag ihrer Tochter ihr eigener Todestag sein wird. Nicht klar ist, welche der beiden Schwestern - Anna oder Orlanda - im Gefängnis sitzt. Daher bleibt es spannend, obgleich man weiß, dass Friederikes Mutter sterben wird. Raffiniert verbindet Gina Mayer diese beiden Handlungsebenen. Während die Romanhandlung durch die Jahre hinweg schnell voranschreitet, vollzieht sich die in den Briefen geschilderte Handlung langsam, innerhalb von knapp 9 Monaten. Am Ende vereinigen sich dieses beiden Handlungsebenen.

Daneben gibt es noch eine weitere Handlungsebene. In kurzen Sätzen wird geschildert, wie sich das Schicksal der einen oder anderen Person vollenden wird, wie Düsseldorf im Krieg zerstört werden wird...

In einer wunderbaren Sprache lässt Gina Mayer die Handlung und die Personen lebendig werden. Oft hatte ich das Gefühl, die Szene direkt vor mir zu sehen. Dazu verfügt Gina Mayer über eine exzellente Geschichtskenntnis. Alles ist hervorragend recherchiert und wirkt dadurch authentisch. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass Gina Mayer reale Personen der Zeitgeschichte, wie zB Wilhelm Furtwängler, auftreten lässt.

Alle Figuren sind wunderbar gezeichnet, haben gute und schlechte Eigenschaften. Viele der Figuren sind mir richtig ans Herz gewachsen. Die Handlung ist logisch nachvollziehbar, aber nicht vorhersehbar. Oft geschah etwas, mit dem ich nie gerechnet hätte. Dadurch blieb das Buch bis zu letzten Seite spannend. Ich habe es regelrecht verschlungen, konnte es am Ende kaum noch aus der Hand legen.
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VINE-PRODUKTTESTERam 20. Oktober 2013
Die in Düsseldorf lebende Schriftstellerin Gina Mayer entführt den Leser mit diesem Roman in die Zeit des Dritten Reiches. Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden Schwestern Anna und Orlanda. Anna, die ältere von beiden, arbeitet als Krankenschwester in einem Krankenhaus, während Orlanda als Sängerin eine Anstellung an der Düsseldorfer Oper hat. Nachdem sie diese verloren hat, entdeckt sie die Swingmusik für sich und wird Sängerin der Melody Girls. Sie wird hin und her gerissen von der Liebe zu dem Jazz-Geiger Leopold und dessen Freund Clemens, der ebenfalls an der Oper arbeiten. Als im Krankenhaus ein neuer Chefarzt erscheint, steigt Anna zur OP-Schwester auf. Seit der Machtübernahme der Nazis wird das Leben in Deutschland immer schwerer. Auch Orlanda wird mit einem Berufsverbot belegt, weil Swingmusik zur entarteten Musik gehört und die Melody Girls nicht mehr auftreten dürfen. Aber auch im Krankenhaus sind Ärzte und Krankenschwestern unterschiedlicher Meinung zu den Geschehnissen in Deutschland. Anna kann und will nicht allem zustimmen, was die Nazis anstellen. Als die Situation im Verlauf der Jahre immer schwieriger wird, schließt sich die religiöse Anna einer Gruppe an, die im Untergrund Widerstand leistet. Erst viel später erzählt sie ihrer jüngeren Schwester Orlanda davon. Die ist sofort hellauf begeistert und möchte so schnell wie möglich ebenfalls am Widerstand teilnehmen.

Sehr vielschichtig und mit vielen Details aus dem damaligen Düsseldorf, aber auch aus der Zeit des Dritten Reiches, wird von Gina Mayer einen anrührende Geschichte zweier Schwestern im Widerstand gezeichnet. Schwerpunkt liegt dabei ganz klar auf der Entwicklung der Figuren. Während einzelne Nebenfiguren noch einem klassischen Schwarzweißbild entsprechen, so ist dies bei den Hauptfiguren nicht mehr erkennbar. Sie bestehen aus unendlich vielen Grautönen. Auf diese Weise versucht die Schriftstellerin dem Leser nahezubringen, dass die Zeit des Dritten Reiches nicht einfach schwarz-weiß gesehen werden darf. Obwohl die Schwestern bei weitem nicht immer einer Meinung sind, gehen sie doch einen gemeinsamen Weg auf ein gemeinsames Ziel zu. Bei den Freunden und anderen ist dies nicht mehr der Fall. Während der Jazzmusiker Leopold an seinem Berufsverbot beinahe zu Grunde geht, schafft es der Opernsänger Clemens bis in die höchsten Kreise und wird sogar von Göbbels hofiert. Eine gemeinsame Freundin Fritzi, die schon in ihrer Jugend ihren jüdischen Nachnamen abgelegt hat, weil sie nichts mit der jüdischen Religion zu tun hat, zeigt, dass auch Juden nicht in einen gemeinsamen Topf zu werfen sind. Annas Chefarzt ist ein Mensch, der durchaus Verständnis für das menschliche Miteinander aufbringt, der den Nazis aber keinen Widerstand entgegenbringt und eher, seinen Wohlstand und seine Karriere im Sinn, bei öffentlichen Anlässen den Nazis nach dem Mund redet. Diese Vielschichtigkeit von Figuren und Charaktereigenschaften wird von der Autorin in eine spannende Handlung gepackt und mit sehr vielen Bildern und Detailtreue in die Köpfe der Leser gepflanzt. Während der Leser lange Zeit im Glauben gelassen wird, dass die Fronten innerhalb dieser Figurenkonstellation ziemlich klar sind, gibt es zum Ende hin immer mehr Überraschungen. Die Hinundhergerissenheit zwischen den beiden Männern Leopold und Clemens zieht sich durch den gesamten Roman und immer wieder muss sich der Leser fragen, wie sich Orlanda am Ende entscheiden wird. Wird sie sich überhaupt entscheiden müssen, oder macht die Liebe ihr eigenes Spiel mit ihr?

Ein hinreißender Roman, der in Düsseldorf spielt und viel Liebe zur Musik durchschauen lässt. Ein Roman, der die Gefühle anspricht, und den Menschen von heute, die meistens die Zeit des Dritten Reiches nicht am eigenen Leib erfahren haben, emotional nahe bringt. Ein solcher Roman hat einfach die volle Punktzahl verdient.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2013
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Friederike bekommt zur Volljährigkeit von ihren Zieheltern ein Bündel Briefe geschenkt. Briefe der Mutter an ihr ungeborenes Kind. Briefe der Mutter, die sie im Gefängnis schrieb. Dann Rückblick.

Erzählt wird die Geschichte von Anna und Orlanda, von Clemens und von Leopold. Es ist die Zeit des Swing, des Jazz. Orlanda, Clemens und Leopold leben für die Musik. Sie arbeiten an Oper und Operette. Clemens erhält durch eine List einen begehrten Job. Für ihn gehen muss ein alkoholabhängiger Kollege ' ein Jude. Der Krieg steht kurz vor dem Ausbruch. Orlanda verliert ihren Job und entdeckt die Liebe zum Jazz, doch diese Musik wird von den Nazis als entartet eingestuft und verboten. Orlanda arbeitet fortan in einem Gemischtwarenladen.

Da ist Anna, ihre Schwester, erst als Krankenschwester und dann als OP-Schwester tätig. Anna, die gerne Orgel spielt. Anna, die sich gegen die Nazis auflehnen wird und im Widerstand aktiv wird, bis sie einsehen muss, dass es zu gefährlich wird.

Zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Anna, die Pflichtbewusste, die schließlich einen Organisten heiratet, aber keine Kinder will. Orlanda, die hin- und hergerissen ist zwischen Clemens und Leopold. Die schließlich Leopold heiratet, aber auch Clemens liebt, der unter der Nazi-Herrschaft eine steile Karriere macht.

Der Krieg bricht aus und auch die beiden Männer müssen schließlich an der Ostfront kämpfen. Der Iwan oder ich, das ist hier die Devise. Beide kommen zurück, doch beide verarbeiten die Erlebnisse unterschiedlich. Während Clemens von den Nazis angehalten wird wieder zu singen und so seine Karriere weiter vorantreiben kann, zerbricht Leopold am Krieg, aber nicht nur daran.

Orlanda, die inzwisschen auch im Widerstand organisiert ist, wird erwischt. Sie kommt ins Zuchthaus, wo sie erfährt, dass sie schwanger ist, doch schwanger von wem? Und wer hat sie verraten? Im Zuchthaus fängt sie an, die Briefe an ihr ungeborenes Kind zu schreiben.

Ein Roman wie ein Film. Ein Roman voll mit Musik. Beim Lesen habe ich jede Szene vor mir gesehen. Gina Mayer schreibt intensiv, emotional, sehr bildhaft. Ich konnte mich in die einzelnen Personen hinein versetzen. Man hat die Charaktere förmlich spüren können. Zum Beispiel die Zerrissenheit Clemens', der nicht weiter unter den Nazis singen wollte, aber dann musste und schließlich nachgab, weil er gezwungen wurde. Und dann die Musik, bevor der ganze braune Terror losging. Ich habe die Menschen in den verrauchten Tanzlokalen tanzen sehen, habe die Musik gehört.
Ein phantastischer Roman, der mich nicht mehr los gelassen hat. Ein Roman voller Emotionen. Ein Roman, der es verdient hätte, verfilmt zu werden!
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am 3. September 2010
Anna und Orlanda sind Schwestern, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Anna ist bodenständig, ordentlich und tugendhaft, während die jüngere Orlanda flatterhaft das Leben genießt, statt es wirklich ernst zu nehmen. Beide eint die Liebe zur Musik, doch während Anna ihrem Vater zu Liebe Orgel spielen lernte, singt Orlanda erst in der Operette, bevor sie später ihre Liebe zum Jazz entdeckt. Gemeinsam erleben die Schwestern das Entstehen und Erstarken des Nationalsozialismus, der auch ihr eigenes Leben immer stärker einschränkt. Nicht nur, weil Jazz und Swing schon bald als entartete Musik verboten werden. Viele ihrer Musikerfreunde sind Juden, so erleben Anna und Orlanda die Folgen der Naziherrschaft direkt mit. Beide beschließen, dass etwas dagegen unternommen werden muss. Jede von ihnen auf ihre eigene Art und Weise.

Die Handlung der Geschichte wird immer wieder von Briefen einer Mutter an ihr noch ungeborenes Kind unterbrochen. Schnell erklärt sich, wer die Mutter ist, nach und nach erfährt man auch, warum sie im Gefängnis sitzt und nur diese Briefe als Möglichkeit hat, sich ihrem Kind mitzuteilen. Die Briefe, und auch die Durchsetzung der Handlung mit kurzen Ausblicken in die Zukunft der gerade handelnden Personen, die selten rosig ist, haben mir am Stil des Romans besonders gut gefallen. Sie machen das Buch zu etwas Besonderem.

'Das Lied meiner Schwester' hat mich sehr beeindruckt und auch betroffen gemacht. Ohne es wirklich zu wissen, kann ich mir gut vorstellen, dass der Alltag in der damaligen Zeit so aussah. Da die beiden Hauptcharaktere Frauen sind erscheint der Krieg mit seinen Schrecken zwar auch, aber nur in Form von Briefen oder Besuchen ihrer Männer von der Front. Die Haupthandlung beschäftigt sich mit den Problemen der Frauen zu dieser Zeit und den Gefahren des Widerstandes.

Ein wirklich großartiges Buch, ich überlege schon, wen ich damit alles zu Weihnachten bescheren kann. Denn es verdient viele Leser. Zum einen wegen seiner Handlung in einer Zeit, die wir nicht vollständig vergessen sollten, zum anderen wegen seines wirklich sehr schönen Stils, der die Seiten viel zu schnell vergehen ließ.
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am 16. Januar 2014
Friederike möchte an ihrem 21. Geburtstag ihre Entscheidung das Musikstudium abzubrechen bekannt geben. Sie ist mit ihrer Tante und ihrem Onkel zum Tee verabredet. Bei den beiden ist sie aufgewachsen. Bevor sie aber etwas sagen kann, bekommt sie von ihrer Tante ein Bündel Briefe. Diese Briefe sind von ihrer Mutter. Wie Friederike jetzt erfährt, starb sie nicht bei einem Bombenangriff. Sie war im Wiederstand und wurde verraten. Da sie schwanger war, wurde das Todesurteil bis zur Geburt ausgesetzt. In dieser Zeit schrieb sie die Briefe an ihr ungeborenes Kind.
Zwischen den Briefen erfährt man die Geschichte von Anna und Orlanda. Beide waren sehr musikalisch. Die praktische Anna hat sich für eine Ausbildung zur Krankenschwester entschieden, während Orlanda am Musikkonservatorium unterrichtet wurde. Sie gingen sehr unterschiedliche Wege, bis sie die Naziherrschaft wieder zusammen geführt hat. Erst ganz zum Schluss erfährt man, welche der Schwestern die Mutter ist und wer sie verraten hat.
Es geht aber auch um viele andere Personen. Jede von ihnen hat eine andere Einstellung zu Hitler. Und jede von ihnen ging anders mit der Situation um. Manche sind auch daran zerbrochen.
Ich finde dieses Buch wirklich gut geschrieben. Es gibt nicht nur gut und nur böse. Es gibt auch den Nazi, der seine schützende Hand über jemanden hält. Genauso gibt es den Widerstandskämpfer der unschuldige Opfer in Kauf nimmt. Keiner weis, wie er sich in dieser Situation verhalten hätte. Darum finde ich es auch gut, dass hier der erhobene Zeigefinger fehlt.
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