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Kundenrezensionen

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Danke, Sabrina Janesch, jetzt bin ich beruhigt. Ich hatte schon Angst, dass von jungen Autorinnen nichts anderes mehr kommt als der Versuch, durch Provokation auf die Bestsellerlisten zu kommen und dass deren Sprache sich nur noch auf atemlos kurze Sätze beschränkt.
'Katzenberge' nimmt mir diese Angst. Weil es in einer wunderschönen Sprache geschrieben ist, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Weil es ein ruhiges, fließendes Buch ist. Weil ich die Charaktere sofort ins Herz geschlossen habe. Und weil es zur Abwechslung einmal nicht in der hippen Großstadtszene, sondern in einer archaischen Landschaft spielt.
Diese Landschaft hat es in sich. Dunkle, geheimnisvolle Wälder, Nebel auf den Feldern und eine erhaltene Tier- und Pflanzenwelt schaffen die passende Atmosphäre für mystische Geschichten. Dunkel und mystisch ist auch das Geheimnis der Familie, das die Protagonistin Nele Leibert aufdeckt, als sie sich auf die Suche nach den Wurzeln ihres verstorbenen Großvaters begibt.
Ihr Großvater Janeczko war unter den Bauern aus Galizien, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden, um die Höfe der ebenfalls vertriebenen Schlesier zu übernehmen. Dieser Aspekt des Themas Vertreibung wurde bisher in der öffentlichen Debatte ausgespart. Janesch füllt diese Lücke, ohne ideologisch zu werden, so dass sich das Thema harmonisch in den Roman einfügt.
Der Großvater war ein starrköpfiger Mensch, der Zeit seines Lebens gegen die von den Deutschen in Schlesien zurückgelassenen Dämonen kämpfte. Der Bann der Geschichte wirkt bis heute fort und betrifft auch seine Enkelin Nele. Sie merkt, dass sie in die Vergangenheit ihres Großvaters reisen muss, um sich davon lösen zu können.
Während Nele den Weg nach Osten antritt, wird gleichzeitig der Weg des Großvaters nach Westen beschrieben. Vergangenheit und Gegenwart werden miteinander verknüpft.
Das alles ist so vollendet geschrieben, dass mir die Worte fehlen. Ich kann mich nur dem auf dem Buchcover abgedruckten Ausspruch von Günter Grass anschließen: 'Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen.'
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am 21. Mai 2012
KLAPPENTEXT:
Eine junge Frau, halb Deutsche, halb Polin, fährt durch die im Nebel versunkene niederschlesische Landschaft: Nele Leipert ist auf dem Weg zum Grab ihres Großvaters. Ihre Gedanken schweifen in die Vergangenheit. Ihr geliebter Djadjo" war eigensinnig und der Nachtseite des Lebens ausgeliefert. Unablässig kämpfte er gegen Dämonen, die die Deutschen in Schlesien zurück ließen. Noch seine Enkeltochter steht im Bann der Geschichte. Nur eine Reise ins Gestern kann den Fluch bannen. Und so begibt sich Nele Leipert bis nach Galizien, an den Rand der Zeit. Dabei wird sie vom Erbe ihres Großvaters und einem schrecklichen Verdacht heimgesucht.

AUTORIN:
(Quelle: Aufbau)
Sabrina Janesch studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim sowie Polonistik in Krakau. Sie ist u.a. Gewinnerin des O-Ton Literaturwettbewerbes des NDR, Stipendiatin des Schriftstellerhauses Stuttgart und des LCB. Als erste Stadtschreiberin von Danzig erntete sie viel Medienaufmerksamkeit. Für Katzenberge" wurde sie mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste Romandebüt des Jahres, dem Nicola-Born-Förderpreis und dem Anna Seghers-Preis ausgezeichnet. 2011 war sie Stipendiatin im Ledig House/New York. Sie schreibt an ihrem zweiten Roman, der im Herbst im Aufbau Verlag erscheinen wird.

EIGENE MEINUNG:
Noch nie hatte ich so sehr das Gefühl, dass eine Geschichte meine eigene ist, wie bei Sabrina Janeschs Roman Katzenberge". Dabei habe ich außer, dass ich mit polnischen Hilfsarbeitern auf unserem Bauernhof aufgewachsen bin, an die ich aber nur vage Erinnerungen habe, da ich noch klein war, und einem viertägigen Aufenthalt zwischen Warschau und der russischen Grenze aufgrund der Hochzeit meines Cousins mit einer Polin, keinerlei Erfahrungen mit Polen. Auch die Tatsache, dass ich mich ein wenig mit der Protagonistin verbunden fühle, da auch ich einen Großvater mit viel Geschichte hatte, zu dem ich eine enge Bindung führte, ist nicht der springende Punkt warum ich so tief in den Roman hineingezogen wurde. Ich glaube es ist Sabrina Janeschs großartige Schreibe, die mich fasziniert, umschmeichelt und in die Geschichte hineingewoben hat, deren Bann ich mich nicht entziehen konnte und derentwegen ich das Buch, das zwar nicht so viele Seiten hat, aber dennoch so voll ist, kaum aus der Hand legen konnte. Wie ein magischer Sog hat es mich immer wieder zurück gezogen zu Djadjo" und den Dämonen seiner Vergangenheit, die so schwer auf seinen Schultern lasteten.
Auf der Beerdigung ihres Großvaters bemerkt Nele Leipert, dass ihr Djaddjo" zwar viel aus der Vergangenheit erzählt hat, dass sie sich nun aber danach sehnt, diese Geschichten besser zu verstehen und als ihre eigene, die ihrer Ahnen, anzuerkennen. Sie begibt sich auf die Suche nach den Orten, an denen Stanislaw Janeczko halt gemacht hat auf seiner Flucht aus seiner Heimat Galizien. Für Nele ist es auch ein klein wenig eine Suche nach sich selbst und eine Reise, um vielleicht in ein neues Leben zu starten und auch mit ihren eigenen Dämonen klar zu kommen.
Nele hatte immer ein enges Verhältnis zu ihrem Großvater. Er hat sie nicht dafür verurteilt, dass ihr Vater ein Deutscher ist und beiden teilen ihre Vorliebe für alte Traditionen und dem, was wir vielleicht Aberglauben nennen würden, was für Stanislaw und seine Frau Maria lange Zeit ein bestimmender Teil ihres Lebens war.
Der ganze Roman ist belegt mit der Sehnsucht des Großvaters nach seiner alten Heimat, die er in einem sinnlosen Krieg voller Größenwahn, in dem man Menschen für ihre Andersartigkeit hinrichtete und Länder neu sortierte, verloren hat. Wut, Hass, Angst und Trauer der Menschen, denen man alles genommen hat, die bevormundet wurden und deren Leben bestimmt war durch den täglichen Kampf ums Überleben, wurden zu meinen eigenen Gefühlen.

FAZIT:
Katzenberge" ist ein Roman voller Intensität. Berührend, bewegend und fesselnd wie ein Krimi. Ein Buch, das die Dämonen der Vergangenheit aufarbeitet und mit ihnen abrechnet, verpackt in eine Handlung, die Gegenwart und Vergangenheit verbindet und solch einen magischen Sog auf mich ausübte, das ich nur ungern aus der Geschichte hinaus zurück gekommen bin, obwohl sie manchmal schwer auf meine Schultern drückte.
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am 11. August 2010
Vertreibung, das ist nicht nur die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten, Vertreibung haben nach dem zweiten Weltkrieg auch die Bewohner des östlichen Polens erlitten. Viele wurden aus ihren nunmehr sowjetischen Heimatgebieten vertrieben und mussten nach Westen fliehen. Viele landeten in den ehemals deutschen Ostgebieten. Dort stießen sie auf menschenleere Gebiete und auf ausgestorbene Städte. Sie fingen, so wie die deutschen Ostvertriebenen, von vorne an.

Einer von ihnen ist Hauptfigur in Janeschs wunderbarem Roman, sein Name ist Janeczko. Als junger Mann, gerade verheiratet, muss er seine galizische Heimat verlassen und lässt sich, nach etlichen Wirren, auf einem schlesischen Hof nieder. Dessen deutscher Besitzer hat sich auf dem Dachboden erhängt, und auch sonst macht die neue Gegend es Janeczko nicht leicht.

Das Buch ist aber, zum Glück, kein Geschichtsbuch. Er bleibt konsequent bei seinen Protagonisten. Und gerade dieser Blickwinkel macht die Szenerie wirklich lebendig, zumal Janeczko, dieser eigenbrötlerische, mutige Mann, eine eigene verwunschene Welt aus Mythen und Sagen mit sich trägt: Abergläubisch nagelt er eine tote Eule an seine Tür, und immer wieder gerät er an ein sagenhaftes Biest, das seinen Hof umschleicht oder ihn aus der Ferne beobachtet. Ob diese sagenhaften Begegnungen Wirklichkeit sind oder Janeczkos Phantasie entspringen, bleibt offen. Mit solchen magischen Einsprengseln und einer kräftigen, präzisen Sprache gelingt es Janesch, Janeczkos Angst und Beklemmung angesichts des ihm so fremden Ortes geradezu schmerzhaft spürbar zu machen.

Sehr gut gelungen ist auch die Erzählstruktur des Romans: Janeczkos Geschichte wird rückwärts erzählt. Das Buch beginnt mit Janeczkos Beerdigung in der Gegenwart, schildert dann seine Ankunft und seine erste Zeit im fremden Schlesien, um dann weiter zurückzugehen, über Janeczkos Aufenthalt im düsteren Osten des heutigen Polens bis zu seiner Flucht über den Fluss Bug. Auf einer zweiten Erzählebene, die in der Gegenwart spielt und sich ebenfalls durch das Buch zieht, tritt, als Ich-Erzählerin, die zweite Protagonistin des Buches auf: Die Journalistin Nele Leibert, Enkelin Janeczkos, macht sich nach dessen Beerdigung auf die Suche nach Spuren ihres Großvaters - und also auf den Weg nach Osten. So decken sich die Stationen von Janeczkos Reise mit den Stationen Nele Leiberts. Janesch verflechtet kunstvoll die Vergangenheits- und die Gegenwartsebene und zeigt dadurch eindrucksvoll, wie sich die besuchten Orte und deren Bewohner in der Zwischenzeit verändert haben.

Ich habe "Katzenberge" nun schon ein zweites Mal gelesen und bin immer noch hingerissen. Nach "Axolotl Roadkill" und ähnlichen Werken ist dieses Debut eine Wohltat. Die abenteuerliche Geschichte dieses jungen starken Mannes schlägt die Befindlichkeitsmonologe gelangweilter Großstädter um Längen, und auch stilistisch spielt "Katzenberge" groß auf: Die bildhafte, aber niemals verschnörkelte Sprache schafft eine ungemein dichte Atmosphäre und lässt den eckigen, eigenwilligen Charakter Janeczkos sehr lebendig werden. Chapeau!
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am 8. Januar 2013
Ich muss dieses Buch einfach loben und empfehlen und überhaupt...

Es ist das schönste Buch in deutscher Sprache, dass ich seit langer Zeit gelesen habe. Und ür einen Debutroman ist es phänomenal.

Worum es geht: Die Protagopnistin reist zur Beerdigung ihres Großvaters nach Schlesien. Und dann weiter nach Ostpolen und ins jetzt ukrainische Galizien.
Gleichzeitig wird die Geschichte der Familie ihres Großvaters von seiner Vertreibung (und der der polnischen Bevölkerung durch die Ukrainer) im Zweiten Weltkrieg aus Galizien über Ostpolen und schließlich nach Schlesien erzählt - diese chronologisch quasi rückwärts.

Nicht nur dass das Thema in Deutschland ziemlich einmalig sein dürfte - es ist absolut packend geschrieben und in einer sehr schönen Sprache.
Einziges Manko: Es könnte ruhig noch länger sein.

Und ich muss Günther Grass zustimmen:
"Diesem Buch sind viele Leser zu wünschen."
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TOP 500 REZENSENTam 22. Juli 2011
Sabrina Janesch legt mit "Katzenberge" einen beachtenswerten Debütroman vor. Sie erzählt einerseits die Geschichte der Nele Leipert, die sich selbst als in Deutschland angekommen betrachtet, von den Deutschen und den Polen jedoch immer wieder der anderen Seite zugeordnet fühlt. Viele der beiderseitig gängigen Vorurteile werden angesprochen und mit den dazugehörigen Klischees ad absurdum geführt. Die Autorin erzählt aber gleichzeitig die Lebensgeschichte von Neles Großvater. Mit Neles Reise ins frühere Galizien lichten sich nach und nach die Schleier, die über dessen Vergangenheit lagen. Durch die gekonnten Beschreibungen fühlt man sich als Leser schnell in die harte Nachkriegszeit hineinversetzt. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, dass die verschiedenen Zeiten ineinander verlaufen, ebenso wie die Grenzen zwischen Realem und Mystischem. Diese etwas rätselhaften Elemente haben mich überhaupt nicht gestört, sie stehen für sich und sind nach der Lektüre des Buches selbsterklärend.
Der Roman ist wegen der angenehmen Sprache und der unterschwelligen Ironie sehr gut und flüssig zu lesen. Er besitzt eine ganz eigene Spannung, die es einem schwer machte, das Buch zur Seite zu legen. Die Charaktere sind lebensnah, wenn auch nicht alle bis zur letzten Konsequenz für mich greifbar waren.
Nicht anfreunden konnte ich mich mit den immer wieder im Buch vorkommenden polnischen Redewendungen und Floskeln. Auch ohne diese wären ihm weder Glaubwürdigkeit noch Authentizität verlorengegangen.
"Katzenberge" ist eine sehr schöne Reise in die Vergangenheit, in dieser Richtung wird die Geschichte erzählt. Schuld, Vertreibung, ein Familienfluch und die große Liebe einer Enkelin zu ihrem verstorbenen, geheimnisvollen Großvater sind die tragenden Pfeiler in diesem Roman, den ich mit viel Freude gelesen habe und gern anderen Lesern empfehle.
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am 24. April 2011
....da muss solch ein G ö r (und dieser Aufschrei ist jetzt bitte als Zeichen meiner höchsten Anerkennung aufzufassen) daher kommen, um alle Vertriebenenfunktionäre zu versteinbachen. Nicht nur, dass sie es traumwandlerisch versteht, in die Lebenswelten und -gefühle ihrer Figuren, wohlvermerkt vor allem derer, die 2 - 3 Generationen vor ihr gelebt haben, nachhaltig, ja geradezu bildlich einzudringen und das in einer Sprache, die aus allem heraus ganz selbstverständlich kommt, nein, sie macht auch die Geisterwelt über der schlesischen und galizischen Herz-Europa-Via-Regia-Mitte so glaubhaft lebendig, als wäre sie eine Wiedergeborene. Eine Botschaft, die Mut macht auf Begegnungen in der Gegenwart und Zukunft, weil Frau Janesch die Vergangenheit in konkreten, gelebten Menschenschicksalen plastisch herüberbringt für jeden, der bissl Verstand hat und dessen Hirn nicht total verknöchert ist. Ich wünsche ihr dringend Verlage in Polen und der Ukraine, die ihr Buch in den Landessprachen (bitte auch in "Schlonsjakisch", der Sprache der polnischen Schlesier) herausbringen und sollte ein verantwortlicher Politiker eine Kandidatin für einen Völkerverständigungsorden suchen, empfehle ich die Autorin an allererster Stelle. Nicht jedes Phänomen heißt Sabrina ! Kompliment und Verbeugung, Frau Janesch
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am 13. März 2011
Ich habe diesen Roman in einer halben Nacht durchgelesen - fuer mich untypisch, normalerweise ueberkommt mich irgendwann Muedigkeit, egal, wie gut ein Buch ist. Der Roman fesselt, auf jeder Ebene - als 'Story', als Road Movie, als Geister- und Bannungsgeschichte, als Familiengeschichte, als Entdeckungsreise. Er endet offen, stellt genauso viele Fragen, wie er beantwortet. Und alles in einem magischen, poetischen und gleichzeitig transparenten Stil, der den Leser alles genau spueren und sehen laesst. Ein bewegendes Buch ueber Flucht, das das Schicksal der vertriebenen Polen einfuehlsam schildert.
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am 5. März 2011
*Seite 17

Nele Leibert ist halb Deutsche, halb Polin und lebt in Berlin. Auch wenn sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Großvater hat, sieht sie ihn und den polnischen Teil ihrer Verwandtschaft selten. Ebensowenig kennt sie die alte Heimat im fernen Galizien. Auf der Beerdigung des geliebten Großvaters beschließt sie, sich auf eine Spurensuche in die Vergangenheit der Familie zu begeben.

Und so macht sich Nele auf den Weg nach Galizien, in das Dorf in dem ihr Großvater lebte, bevor er im Zweiten Weltkrieg fliehen musste, um nicht getötet zu werden. Schweren Herzens ließ er sich damals in Schlesien, nahe der Katzenberge, nieder. Und vergaß doch bis zu seinem Tode nie die geliebte Heimat.

Sabrina Janesch hat ein wunderbares Buch geschrieben. Mit einer einfachen und doch mitreißenden Sprache erzählt sie ein Stück deutsch-polnische, und nebenbei ein Stück eigener Familiengeschichte. Sie lässt den Zauber der alten Zeit wieder aufleben, würdigt die Leistung der Menschen damals wie heute und verzaubert mit ihren Schilderungen der Menschen, die noch nach jahrhunderteralten Traditionen leben.

Sabrina Janesch ist mit Sicherheit eine der aufstrebensten jungen deutschsprachigen Autorinnen, die auf mehr hoffen lassen. 'Katzenberge' ist auf jeden Fall eine Empfehlung.
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TOP 500 REZENSENTam 6. September 2010
Wer gibt eigentlich schon gerne zu, dass ein Buch schwierig zu rezensieren ist? Und wie soll man denn mit einer jungen Nachwuchsautorin verfahren, wo man das Schreibtalent ebenso wahrnimmt, wie die Durchschnittlichkeit, oder die Schwächen mit dem Anspruch, dem Allem noch irgendwie gerecht zu werden? Inwiefern wir uns von einem Zitat eines renommierten Günter Grass auf dem Front-Cover beeinflussen oder beeindrucken lassen, möchte ich jedem Leser selbst überlassen.."Diesem Buch sind.."

Sabrina Janesch begibt sich in ihrem Debut, auf Spurensuche ihrer Protagonistin und ihres verstorbenen Grossvaters, der aus Galizien stammt.."Dort hinter meinem Kieselstein-Bug, lag die Ebene des ukrainischen Galiziens, und, irgendwo in ihrer Mitte, unweit seiner Schlaufen, hinter seinen Wassern..Zastavne. Der Ort, wo Grossvater geboren worden war, wo alles begonnen hatte." Sie macht sich auf den langen Weg von Berlin, zunächst über Schlesien nach Wydrza.."Grossvater wäre der Erste gewesen, der mich eine Verrückte genannt hätte, dass ich nach Wydrza gefahren war und noch weit darüber hinaus fahren würde. Um in seiner Vergangenheit umherzuschnüffeln."

Sie schreibt in einer einfachen Sprache, in rätselhaften Schilderungen, mystisch, dämonenhaft.."was wenn Dämonen, wie Sprache oder Land, vererbbar sind?", unklar, keine Höhen, keine Tiefen, keine Emotionen, keine Sprache die einen irgendwie packen würde, alles plätschert einfach irgendwie dahin, abergläubisch, verwendet nervige polnische Ausdrücke, die sie auch nicht übersetzt, manchmal wirr, gespensterhaft, unheimlich, von Fluch umwoben, spannt den Leser auf die Folter.., und doch finden wir wieder feine Beobachtungen, oder Schilderungen, wo man spürt, dass diese junge Frau schreiben kann...

Das verschleiert dämonenhafte, scheint ihre Spezialität zu sein.."Über den Sümpfen lag Stille. Unweit einer Uferweide fiel Janeczko eine kleine Gestalt auf, die er für ein Kind hielt. Knietief stand sie im Sumpf, und als Janeczko näher kam, erkannte er eine ziegenartige Fratze und ihr lächerliches, zinnoberrotes Fräcklein, das im Winde flatterte. Zum Gruss hob das Wesen manierlich seinen Zylinder, durch dessen Löcher die Sonne schien. Eine weisse mottenzerfressene Perücke kam darunter zum Vorschein. Dann verbeugte es sich, lachte meckernd, zog die Füsse, die in pechschwarze Hufe mündeten, aus dem Sumpf heraus und verschwand so schnell, wie es erschienen war. Nur mehr ein paar Ringe waren auf der Wasseroberfläche zu sehen..Grossvater sagte,..dass in der Wildnis von Sandomierz mehr Teufel als Menschen gebe. Wasserteufel seien das gewesen, niedere Wesen, die kaum die Grösse eines neunjährigen Kindes erreichten."

Im Grunde lesen wir in zwei Ebenen, die Gegenwart, der Ich-Erzählerin und Journalistin Nele Leibert, die in den Osten fährt, von ihrer Reise, ihren Begegnungen erzählt, und dann schreibt sie uns im Grunde ihre Erinnerungen auf, der Erzählungen, Erinnerungen ihres Grossvaters, den sie Djadgos nennt, "Djadjos Erzählungen aus Wydrza, waren immer vage geblieben, unruhig, waren weder Erzählungen aus dem Jenseits noch aus dem Diesseits", wo wir in der Vergangenheit sind, wo wir von der Vertreibung der Deutschen in den Ostgebieten hören, wo der Grossvater aus Galizien stammend, in Schlesien Höfe vertriebener Deutscher übernimmt. Ahnend bekommen wir einen Geschmack wie sich das Deutsche und Polnische im Krieg gegenüber gestanden haben muss, die Protagnostin selbst ist halb deutsch, halb polnisch..Wir erfahren etwas davon, mit welchen Konsequenzen eine damaligen Vertreibung, begleitet war und wie diese Menschen damit umgegangen sind...

Ein Buch, das nach frischen Wald und Natur riecht..."Immerhin würde es bald Herbst sein..Wenn er im Dorf niemanden fände, bei dem er wohnen könnte, würde er im Wald bleiben und von Beeren, Nüssen und Wilderei leben. Als Kind hatte er sich manchmal zum Vergnügen tagelang im Wald versteckt, jetzt würde es ihm zugute kommen. Er musterte das Gewölbe der Rottannen über ihm. Um sich heraus eine Hütte zu bauen, bräuchte er ein Werkzeug, Überwintern würde er darin schwerlich können."

Eine Geschichte um Vertriebenheit, Spurensuche, dem Wiedererzählen eines Grossvaters der diese Zeit erlebt hat, und einer Enkelin die sich aufmacht, jene Erinnerungen wieder neu aufleben zu lassen, wo das Schicksal dieser Menschen unter den damaligen Umständen eine ganz eigene Atmosphäre und von mystischen Geschichten erzählt, wo sich Dämonen vertriebener Deutscher zu unsichtbaren Widersachern, wiederum vertriebener Galizier in den Weg stellen, ein Buch über Heimat und Heimatlosigkeit, der Suche aber auch dem Akzeptieren einer neuen Heimat...wo das Überleben in erzwungener Umgebung, von Fluch und Verrat nicht auszuweichen ist. Eine Lektüre wo man Anfängertum einer jungen Autorin und Talent gleichzeitig zu spüren vermag, lesenswert anders..
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TOP 500 REZENSENTam 21. Oktober 2010
Nele Leipert lebt in Berlin, doch ihre Wurzeln hat sie in Polen. Das merkt sie immer wieder. Als ihr geliebter Großvater stirbt, reist sie zur Beerdigung zurück in das kleine polnische Dorf in dem er lange Zeit lebte und in das er während der Vertreibung aus Galizien umgesiedelt worden war.
Nele, neugierig geworden durch die vielen kleinen Andeutungen auf die Vergangenheit des Opas, beschließt eine Reise in seinen Fußstapfen zu unternehmen.
Sehr geschickt gelingt der Autorin diese Reise mit der des Großvaters Djadjo zu verknüpfen. Ausgangspunkt ist das kleine schlesische Dörfchen, in dem gerade die Beerdigung stattgefunden hat. Vor hier aus wird Neles Weg nach Galizien beschrieben und von hier aus wird in Rückblicken der Weg Djajos von Galizien verfolgt. So gesehen, starten beide am selben Punkt.

Nele ist mit den Geistern der Vergangenheit aufgewachsen und immer wieder finden sich die düsteren Sagengestalten und der Aberglauben der Region in ihren Erlebnissen wieder. Sie glaubt nicht an die Dämonen, die den Hof der Großeltern bedrohten und die nur mit komplizierten Ritualen gebannt werden konnten - sie weiß einfach, dass es sie gibt und sie nimmt deren Existenz als ganz normal hin.
Das wird so selbstverständlich erzählt, so ohne Übertreibungen und Schnörkel, dass man als Leser schon fast selbst bereit ist, es zu glauben. Wunderbar sind die einzelnen Figuren gelungen. Der eigensinnige und starrköpfige Opa, dessen Ruf schon zu Lebzeiten legendär war und die trotzige Enkelin, die sich nicht von den Verwandten aufhalten lässt, und die Partner und Job in Deutschland hinter sich lässt, um den Fluch zu bannen, der auf ihrer Familie liegen soll.

Zum Schmunzeln regten mich die Vorurteile der Polen gegenüber den Deutschen oder den Galiziern an, denn diese Vorstellungen und Warnungen kommen einem merkwürdig bekannt vor... Der Schreibstil ist wohltuend schlicht - Die Charaktere haben so eine große Eigenwirkung, dass sie nicht unnötig ausgeschmückt werden müssen.

Die Erlebnisse während des Krieges, der Hunger, die Vertreibung, der Neuanfang in der Fremde, all das wird fast wertneutral und als Bestandteil der Vita des Großvaters erzählt. Gerade dadurch hatte das Buch auf mich eine sehr starke Wirkung.
Es ist eine andere Welt in die man als Leser eintauchen darf und ich war Sabrina Janesch dankbar für diese Reise in die Vergangenheit, die so wunderbar und ganz anders daherkam, als alles, was ich bisher kannte. Ich habe Menschen kennen gelernt, die so oder so ähnlich sicherlich existieren, da bin ich sicher - ich habe Landschaften gesehen, die irgendwie verwunschen auf mich wirkten und ich habe jede Minute auf dieser Reise/mit diesem Buch genossen.
Vielen Dank für diese wunderbare Unterhaltung!
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