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am 28. Juni 2016
Wieder ein klasse Buch von R. Jacobsen! Sehr spannend und gut beschrieben wie Menschen unter furchtbaren Kriegsbedingungen überleben! Alles versinkt im Chaos! Nur der Einfältige bleibt menschlich!!
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TOP 1000 REZENSENTam 19. April 2016
Finnland im Winter 1939: Die Sowjets überfallen mit einer riesigen Armee Finnland. Auf finnischer Seite kämpfen gerade mal 2000 Männer.
Der Holzfäller Timo Vatanen ist der Einzige von circa 4000 Einwohnern in Suomussalmi, der nicht flieht und in aller Seelenruhe auf die heranrückenden Truppen wartet. Bald wird sein Wissen für die Russen unentbehrlich. Denn er weiß, wie man im eisigen finnischen Winter bei minus 40 Grad überlebt.

*Ein Menschenleben ist nicht viel wert, aber man klammert sich doch gern daran, wenn man es nun schon hat.* (Timo Vatanen)

Der in Norwegen lebende Schriftsteller Roy Jacobsen, hat einen bemerkenswerten Erzählstil. Schon in "Die Unsichtbaren" hat mir seine Ausdrucksfähigkeit sehr gut gefallen. Diesem Roman liegen wahre Ereignisse von 1939 zugrunde. Es geht um Überleben, Kampf und die kleinen Freuden des Alltags in dieser schweren Zeit. Denn viele Zivilisten wurden unweigerlich in diesen Krieg hineingezogen, ohne ihn zu unterstützen oder auch zu verstehen.

Jacobsen erzählt vom Finnen Timo Vatanen, einem einfachen, ungebildeten Holzfäller, der vor den näher kommenden russischen Truppen aus Überzeugung und Sturheit seinen Wohnort nicht verlassen will und dort zum Lebensretter einiger Männer im eisigen finnischen Winter wird. Zwischen Trümmern und Asche bleibt Timo zurück und zieht sich ins Haus von Krämer Antti zurück, besorgt sich nützliche Dinge, die er im Dorf findet, bunkert Feuerholz und alle Lebensmittel, die er finden kann. Damit wirkt sein Rückzugsort fast wie eine Oase inmitten der Gewalt. Dort nimmt er Menschen gleich jeder Nationalität oder Religion auf, versorgt Wunden oder Erfrierungen, kocht und wärmt und rettet so arme Seelen vor dem Tod. Auch die Russen können den stoischen Timo nicht zum Abzug bewegen. Aber auch sie profitieren von seinen Fähigkeiten und seinem Feuerholz.

Interessant finde ich, wie die Grenzen zwischen den Militärmächten verschwimmen. Wie Menschen kämpfen, die Fronten wechseln und wie das Schicksal ihnen mitspielt. Wer ist Freund, wer Feind?
Bei Timo ist das egal, seine Fürsorge ist spürbar. Nach dem Lesen des Romans noch lange Zeit.

Diese Erzählung zeigt rührende Menschlichkeit, die nicht aus pazifistischer Überzeugung heraus wächst, sondern aus Timos tiefer Anteilnahme für seine Mitmenschen. Timo steht als wunderbarer Sonderling und Held und Retter der Geschichte da.
Dieses Buch rührt an, wärmt mit angewandter Menschlichkeit und zeigt, wie unsinnig Kriege sind.
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am 16. Januar 2015
Roy Jacobsens im Jahre 2010 erschienener Roman "Das Dorf der Wunder" handelt vom Holzfäller Timo Vatanen und dessen Schicksal im Winter 1939/40 in seinem finnischen Heimatort Suomussalmi. Die kleine Stadt wird zu Beginn der Erzählung evakuiert, weil die russische Armee über die finnische Grenze ins Land eingedrungen ist und sich auf dem Weg zum Ort befindet. Alle verlassen ihre Heimat, nur Timo bleibt, weil er sich nicht vorstellen kann, an einen anderen Ort zu ziehen. Aus der Ich-Perspektive werden die Erlebnisse dieses etwas einfältigen, in keiner Weise aber dummen oder blödsinnigen Mannes, als den er sich selbst vorstellt, geschildert. Möglicherweise hat Jacobsen hier versucht, einen finnischen Schwejk zu entwerfen. Sollte dies der Fall sein, fehlt ihm leider die Konsequenz und daher auch Authentizität.
Timo wird unter der Besatzung der Russen zusammen mit einer Gruppe anderer Männer zur Versorgung der Truppe mit Holz abbestellt. Inmitten des Chaos des Krieges schafft er es, die ungleichen Charaktere durch seinen unvoreingenommenen und pragmatischen Geist zu einer Gemeinschaft zu schmieden. Sie verlassen sich auf das Können und Wissen Timos über seine finnische Heimat und den speziellen Winter. Mit seiner Hilfe gelingt ihnen das Überleben und schließlich die Flucht aus dem Kriegsgebiet. Im letzten Viertel der Erzählung übernimmt ein personaler Erzähler und schildert Timos Lebensweg nach Ende des Krieges: zurück in seinem alten Leben, ist der einstige Lebensretter plötzlich wieder der Dorftrottel. Statt ihm zu danken oder sich bei ihm nach den Geschehnissen zu erkundigen, behandeln ihn die Einwohner Suomussalmis mit Argwohn und wie einen Fremden. In kurzer Abfolge werden zwanzig Jahre Leben abgearbeitet, was im starken Kontrast zur vorherigen, mitunter sehr detaillierten und ruhigen Erzählweise steht. Bis zum Wechsel der Erzählperspektive ist "Das Dorf der Wunder" ein kurzweiliges, angenehmes Buch, was nicht etwa auf belehrende Weise die Schrecken des Krieges darstellt, sondern versucht, eine Brücke zwischen verschiedenen Menschen zu bauen, die ohne ihr Zutun zu Feinden wurden. Leider verliert das Buch durch den holprigen und unpersönlichen Schlussabschnitt. Daher gibt es von mir drei Punkte. Der Text kann definitiv mehr, hätte aber zu einem früheren Zeitpunkt abgeschlossen sein müssen.
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am 21. Juni 2012
mich brachte vor allem das interesse für nordeuropa dazu, dieses buch zu lesen. der anfang war auch recht vielversprechend, aber ab einem bestimmten punkt drängte sich der eindruck auf, dass das warten auf einen besonderen einfall, auf irgendetwas ungewöhnliches, etwas lesenswertes, den text prägendes, wohl vergebens sein würde. stattdessen bewegt sich dieser immer stärker in richtung konventioneller kitschiger durchschnittsware.
spätestens, als der aufopferungsvolle, in seinem gutmenschentum unendlich überzeichnete finnische protagonist timo von seinen schutzbefohlenen russischen holzfällern, denen er durch den winter hilft (denn russen wissen ja nicht, was winter ist) gefragt wird, warum er all das für sie tue, und daraufhin nicht antworten kann, sondern stattdessen in ohnmacht fällt, oder als sich timo und ein russe die hand geben, sich dabei in die augen blicken und timo in diesem moment versteht, "dass dieser mann von jetzt an bereit sein würde, für mich zu sterben", oder doch allerspätestens, als es timo gelingt, einem kurzsichtigen russen eine brille zu beschaffen, woraufhin sich jener diese unter tränen auf die nase setzt, reißt jedem der geduldsfaden, der hollywoodschmalz nicht mag. das ist berechnend, kitschig, langweilig. gefühlsbeschiss.

zudem ist die handlung zirkulär, alles geschieht mehrfach, nichts läuft auf etwas hinaus, selbst formulierungen wiederholen sich (nicht zufällig wird selbst das schon eine wiederholung anzeigende "abermals" sicher ein halbes duzend mal verwendet).
mehrfach beraten die holzfäller, ob sie eine flucht wagen, zweimal wagen sie sie, kehren zum dorf (im titel ist es ja noch ein dorf, im text dann eine stadt) zurück, machen sich wieder auf (und immer können sie dabei spontan alles auftreiben, was sie brauchen). und beim zweiten aufbruch ist weder die erzählung noch irgendeiner der hauptpersonen weiter als beim ersten, nichts hat sich getan. und mittendrin immer timo, der mit offizieren verhandelt, in seinem dorf bleiben zu dürfen, in dem er geboren sei und in dem er sterben wolle. das trieft nicht nur vor pathos, das ist auch viel zu einfach erzählt, timo bewegt sich im krieg wie ein freier mann, überzeugt die besatzer stets ohne probleme oder trickst sie aus. und selbst wenn er im lazarett liegt, kann er nachts in den eigentlich so kalten winter hinausgehen und mal eben (wieder mal, in macgyver-manier) ein haus renovieren.

pathos hätte man angesichts der grundidee des textes von dem störrischen, in seiner heimat bleiben und dort eine märchenhafte parallelwelt der menschlichkeit in den schrecken des krieges erschaffen wollenden protagonisten erwarten müssen. logische mängel, eine oberflächliche und zirkuläre erzählweise aber nicht unbedingt.
negativ aufgefallen ist zudem noch die seltsame verwendung von reflexivpronomen, etwa folgener art: "er hatte den ganzen tag schon gespürt, dass etwas sich zusammenbraute" (236).
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am 8. Mai 2012
Der finnische Holzfäller Timo Vatanen ist der einzige in seinem Dorf, der im Krieg 1939 nicht vor den Russen flieht. Er rettet Teile des Dorfes, Freunde vor dem Kältetod und bleibt sich selbst immer treu.
Am Ende die Erkenntnis: niemand sollte sich selbst zu wichtig nehmen.

Zitat gefällig:
"Ein Menschenleben ist nicht viel wert, aber man klammert sich doch gern daran, wenn man es nun schon mal hat."
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am 24. Februar 2012
Winterkrieg, es ist 1939 und die Sowjetunion überfällt Finnland. Nahe der russischen Grenze wird von den finnischen Truppen ein Dorf evakuiert, nur Timo, der Holzfäller, weigert sich, sein Dorf zu verlassen. Er ist davon überzeugt, in seinem Dorf genau so gut überleben oder sterben zu können, wie auch an einem anderen Ort.
Nach der Evakuierung hat Timo das Dorf und die Stille nur kurze Zeit für sich denn schnell kommen russische Soldaten, die zunächst den Großteil der Häuser niederbrennen, sich dann jedoch besinnen und erkennen, daß Timo, der sich selbst als schlicht beschreibt, wichtig ist für das Überleben der Soldaten. Unter Lebensgefahr wird er mit anderen Zwangsarbeitern in die umliegenden Wälder geschickt, um Holz zu schlagen. Zwar gelingt ihm mit den anderen Holzarbeitern die Flucht und schließlich nach dem Rückzug der russischen Truppen auch die Rückkehr in sein Dorf, jedoch ist er immer unter Verdacht: bei den russischen Truppen, weil er zurückgeblieben ist im Dorf, bei den finnischen, weil er die russische Zwangsarbeit überlebt hat.
Außenseiter bleibt er immer und verdächtig allemal. Nur unter den Holzfällern weiß er sich zu behaupten, erringt eine führende Position bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich alle wegen der herrschenden Umstände trennen müssen, für einige einfach aus der Notwendigkeit zum Überleben.
Lange findet Timo keine Ruhe, versteht selbst die Geschehnisse jener Monate im Winterkrieg 1939 nicht mehr. Als er Jahre später über diese Geschehnisse einen Bericht liest, ist er beinahe erschüttert, zweifelt an seinen Erinnerungen, die so ganz anders sind als die Berichterstattung. Nie ist es sein Krieg gewesen, immer nur ein Krieg anderer, der ihn nicht hatte betreffen sollen. Er hat ihn nie gewollt, nie benötigt, schließlich kannte er kein Machtgefühl und auch zu der Zeit, in der er ein Anführer" war, hat es nie mit Macht zu tun gehabt sonder mit seinem Selbstverständnis der Fürsorge für andere, egal welcher Herkunft. Ein Held ... der Menschlichkeit!

Der norwegische Autor erzählt die Geschichte des Finnen Timo aus der Ich-Perspektive. So kann der Leser das klare Denken des einfachen Holzfällers genau mitverfolgen, aus der Betrachter-Perspektive würde der Mann mit seinen Einstellungen zum Leben merkwürdig wirken. Das macht das lesen dieses schönen Romans entspannt und die Handlung logisch. Gleichzeitig gibt es noch etwas Geschichts-Unterricht, denn dieser Kriegsschauplatz ist größtenteils vergessen, allerdings wird auf die Hintergrundpolitik verzichtet.
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am 15. November 2011
Ein Örtchen in Finnland im Winter 1939 ist die Kulisse für diesen Roman über den Überfall der Sowjetunion auf Finnland. Die Kleinstadt wird von den finnischen Truppen geräumt und abgebrannt, damit die sowjetische Armee dort keine logistische Unterstützung erhalten kann. Nur dem "Dorftrottel" und Holzfäller Timo wird gestattet im Ort zu bleiben. Alle rechnen mit seinem baldigen Tod. Doch der "Trottel" ist gar keiner. Er ist eigensinnig. Er will in seiner Heimat überleben und er will eine Hand voll Russen, die mit ihm Holz für die Armee geschlagen haben, helfen zu überleben.

"Das Dorf der Wunder" ist ein leises und vielleicht gerade deshalb ein umso spannenderes Buch über einfache Menschen in schwierigen Situationen. Mit viel Feingefühl erzählt Jacobsen von der Macht der Zerstörung und dem verzweifelten Versuch einer kleinen Gruppe von Menschen dieser körperlichen und seelischen Zerstörung zu entgehen.

Osburg Verlag 2010
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Die Russen kommen - dies war weis Wunder kein Freudenschrei, egal ob in Finnland oder in Deutschland - doch im Roman DAS DORF DER WUNDER von Roy Jacobsen wird ganz schnell klar das der finnische Winter selbst Russen schwer zusetzen kann und das Hilfe und sollte sie sogar vom vermeintlichen Feind kommen, bei näherer Betrachtung aufzeigt das es gerade das Einfache ist was zählt. Das es die Menschlichkeit ist die über Grenzen und Kriege hinweg das Herz zu erreichen vermag und das wir im Grunde genommen alle Gleich sind.

Man wundert sich bei dem Roman DAS DORF DER WUNDER von Roy Jacobsen, man wundert sich über Timo und seine Einstellung zum Krieg, zur Angst und zu der ihn erwartenden Zerstörung. Weiß er es nicht, begreift er es nicht oder versteht er einfach nicht?

Timo ist anscheinend eine ganz einfache Seele, ohne viel Angst, ohne Gedanken an die Zukunft und ohne klare Vorstellungen, welche über seinen kleinen Horizont hinausgehen. Die Folge ist das er als einziges Dorfmitglied da bleibt, als die Russen das Dorf besetzten und ihn deshalb auch fast erschießen wollen, bis auch sie bemerken das er nicht das ist für was sie ihn halten, einen Spitzel und Verräter.

Timo tut also mit anderen Holzfällern das was er am besten kann, Holz fällen und für Wärme sorgen, doch Angst und Gewalt bleiben in diesen Zeiten sein Begleiter und der Begleiter seiner Holzfällerkumpels.

Die Russen versuchen immer wieder herauszufinden, ob er nicht doch in Kontakt mit der Finnischen Armee steht und dies auch mittels Gewalt. Timo bleibt stur, anders kann man es nicht bezeichnen und er bleibt trotz all der Angst und Gewalt bei der russischen Truppe. Zudem zeigt er ihnen wie man überlebt bei Minus vierzig Grad Celsius.

Langsam setzt sich deshalb die Erkenntnis durch das er zwar eigenartig ist aber keine Bedrohung darstellt. Vielmehr wächst die Gruppe zusammen und dies ist einzig und allein Timos Verdienst.

Was den Leser bei Timos Äußerungen faszinieren wird, sind die klare Sprache und die direkten Bezüge. Dies irritiert mächtig, da man sich selbst - in der gleichen Situation - ganz anders verhalten würde.

DAS DORF DER WUNDER von Roy Jacobsen ist also in der Tat ein Ort der Wunder, denn Timo überlebt und das Dorf kommt am Ende wieder in Finnische Hand - doch Timo grübelt noch lange über die aberwitzige Situation nach, in die er so unvermittelt gestürzt wurde.

Empfehlenswert!
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TOP 500 REZENSENTam 26. Mai 2010
Der in Norwegen lebende und meisstgelesene Schriftsteller Roy Jacobsen, hat einen bemerkenswerten Roman über einen einfachen finnischen Holzfäller in der Kriegszeit um 1939 handelt geschrieben, als Russland mit Finnland im Krieg steht. "..Hammerschläge und Kreissägen lärmten in den zerschossenen Wäldern, Pferde und Lastwagen und Traktoren mit den liebsten Besitztümern, spielende Kinder in schwarzem Schneematsch, Soldaten ohne Waffen und Zivile mit vorsichtigem Lächeln in verschlossenen Gesichtern eilten durch die beduinenhafte Lager von schmutzigen Armeezelten mit schiefen, rauchspeienden Ofenrohren..." Eine anrührende Geschichte voll von Menschlichkeit, vor dem Hintergrund des Krieges, wo Menschen ihre Häuser verlassen, Menschen ihr Leben verlieren, sich verschiedene Schicksale weitverzweigt auf eine nachdenklich stimmende Erzählung sich entwickeln. 2009 wurde das Buch zum International IMPAC Dublin Literary Award nominiert.

Wir tauchen ein in den Kriegsalltag, der finnischen Kleinstadt Suomussalmi im Jahre 1939. Häuser verbrennen, die Anwohner zünden ihre eigene Häuser an, um dem Russen nichts zu überlassen. Die Menschen sind auf der Flucht. Nur Timo Vatanen, ein eigenwilliger einfacher Holzfäller entscheidet sich zu bleiben, entgegen sämtlichen Bitten und Ratschlägen, der dortigen Menschen die ihn kennen. Der Ich-Erzähler behält die Ruhe, selbst als er in Kontakt mit russischem Militär kommt. "...was ich den Russen über Landschaft und Höfe und Eisverhältnisse erzählt hatte, ich hatte versucht, sie in die Irre zu führen, aber dafür gab es keine Zeugen, und meine Lügen hatten auch nichts erreicht- meine stärkste Karte waren die Holzfäller, meine heiligen und einzigen Zeugen, aber sie waren Russen, Feinde, denen ich jetzt helfen sollte, gänzlich zu verschwinden, und danach würde ich nicht einmal mehr Gott für mich bürgen können.."

Er übernimmt einen Teil der Kriegsgefangenen um für das Militär Holz zu fällen. Seine Tätigkeit und der Nutzen den die Russen davon haben, rettet Timo das Leben. Er beginnt sich mit den Kriegsgefangenen zu befreunden, sogar zu den Russen scheinen sich Grenzen und Barrieren aufzulösen, wo stattdessen ein Stück Menschlichkeit Einzug hält. "..wir waren eins geworden, und deshalb dachte ich, nicht einmal daran, dass er Russe war und ich Finne, dass wir nicht in Frieden lebten, sondern im Krieg, obwohl ich so hätte denken sollen.."

Als die Russen aus dem Ort verdrängt werden, bekommt Timo zu den finnischen Truppen Kontakt, sodass er beide Seiten kennenlernt. Ehemalige Kriegsgegner verändern sich z.T. zu Gefangenen, und ehemalige Feinde, Konkurrenten, oder nicht Wohlgesinnte mutieren im Laufe der Geschichte zu Kameraden. In Roy Jacobsen's Geschichte beginnen die Grenzen von Feind zu Freund zu verwischen und ineinander überzugehen.

Als Leser solidarisieren wir uns längst mit dem Protagonisten Timo, der zu sich selbst steht, sich selbst treu ist, der dafür einsteht dort zu bleiben, wo er aufgewachsen ist. Seine Beharrlichkeit aber auch Cleverness ist es, die ihm sein Leben rettet. Er bemüht sich aber auch gegenüber der Militärs andere Menschenleben zu retten und sorgt sich um die gefangenen Kameraden. Er ist ein Sonderling, etwas aussergewöhnlich, einfach extra gestrickt, der eigentliche Held der Geschichte. Er führt im Grunde seine ganz eigene Art des stillen Widerstands und der Selbstbehauptung. Seine stille behauptende Haltung, sein Wille zum Überleben, strömt Überlebenswillen, Überzeugtheit aus, und erzeugt inmitten von klirrender Kälte, einer ländlichen Umgebung, wo Fischen, Heutrocknen, Beerenpflücken, Jagt, Holzfällen, aber auch die Jagt oder auch die Beschaffung für Holz um zu Überwintern, eine Menschlichkeit zu verströmen vermag, die etwas Besonderes bei diesem norwegischen Autor ist.

Eine bemerkenswerte Erzählung, über Einzelschicksale, über das dortige harte Landleben, über einen Sonderling über den man staunt, schmunzelt und sich innerlich still zu freuen beginnt. Jacobsen ist damit ein überaus menschlicher Wurf vor dem ernsten Hintergrund der Krieges gelungen, der etwas Besonderes, etwas Kostbares in sich birgt, dass man es am Liebsten gleich weiterempfehlen möchte, weil einem das glückliche Herz sagt, dass das was dieser Mensch hier geschrieben hat, es wert ist zu lesen. Eine berührende, anrührende Geschichte, wo man froh ist, dass man sie kennt, dass man sie gelesen hat und ihr viele viele Leser wünscht. Ein Autor, der einem das Gefühl gibt, nach der Lektüre innerlich reicher zu sein, ich glaube wenn ein Buch das zu erreichen vermag, hat es längst seinen Sinn erfüllt...dieses Buch tut es.

Empfehlung.
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*Suomussalmi wurde bereits am 7. Dezember angesteckt, nachdem die viertausend Einwohner evakuiert worden waren, nur ich nicht, ich war hier geboren, hatte mein ganzes Leben hier verbracht und konnte mir nicht vorstellen, an irgendeinem anderen Ort zu leben - und als dann plötzlich ein Wesen in weißer Uniform vor mir stand und von einem Blatt ablas, dass ich wegsollte, bohrte ich die Hacken in den Schnee und ließ mich nicht bewegen, so ist es wohl überall in der Welt, es gibt immer einen, mindestens einen, der nicht dasselbe tut wie alle anderen, er braucht nicht einmal zu wissen, warum nicht, und hier in Suomussalmi war ich das also.*
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Finnland im Winter 1939: Die russische Invasion steht unmittelbar bevor. Die Einwohner der Ortschaft Suomussalmi brennen ihre Häuser nieder, bevor sie ihre Heimat verlassen, damit der Feind sie nicht besetzen kann.
Doch in Schutt und Asche des Dorfes bleibt einer zurück. Timo Vatanen, ein einfacher, ein wenig stoischer Holzfäller, weigert sich aus Suomussalmi fortzugehen. Selbst grausige Geschichten über die Brutalität der russischen Soldaten können ihn nicht umstimmen, es gelingt ihm sogar noch, ein paar Häuser vor den Russen und den Flammen zu schützen.
Er verschanzt sich im Haus des Krämers Antti, beschafft Unterkunft und Lebensmittel für die Zwangsarbeiter, die mit den Russen gekommen sind und leistet so auf seine Weise Widerstand. Sein kleines Reich in den verschneiten Wäldern wird nach und nach zum Zufluchtsort für bedrohte Mitmenschen in dieser schweren Zeit.
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Roy Jacobsen's Roman beruht auf den wahren Ereignissen des Jahres 1939, als sich 2000 Finnen gegen die Übermacht einer 50.000 Soldaten starken russischen Armee zur Wehr setzen mussten.
Jacobsen erzählt vom Leben und Überleben im Krieg und von ganz gewöhnlichen Menschen, die in ihn hineingezogen werden, obwohl sie ihn weder gewollt haben noch überhaupt im geringsten verstehen. Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der wider Willen zum Helden wird, weil seine Beharrlichkeit und Sturheit es ihm unmöglich machen, irgendwo anders zu leben als dort, wo er von Geburt an gewesen ist.
Eine wunderschöne Erzählung über wärmende Mitmenschlichkeit in der klirrenden Kälte Finnlands.
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*Ein Menschenleben ist nicht viel wert, aber man klammert sich doch gern daran, wenn man es nun schon hat.* (Timo Vatanen)
[Reinhard Busse]
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