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am 21. Mai 2011
Wer an Falladas "kleinem Mann" Gefallen gefunden hat, wird mit diesem Roman voll auf seine Kosten kommen. Schon von "Jeder stirbt für sich allein" war ich begeistert, dieses Werk (das leider nur als Taschenbuch wieder aufgelegt worden ist) ist zumindest als gleichwertig anzusehen. Der Roman spielt in einer turbulenten Zeit. Zeitlich ist er zwischen 1909 und den beginnenden Dreißiger Jahren angesiedelt. Er zeichnet ein eindrucksvolles und überaus authentisches Stimmungsbild der Hauptstadt Berlin ab 1910. Die Hauptfigur, der 16-jährigen Karl Siebrecht, macht sich nach dem Tod seiner Eltern dorthin auf, um die Stadt zu erobern, wie er sich vorgenommen hat. Karl hat Teil am wirtschaftlichen Aufschwung - er hat sich der Berliner Gepäckbeförderung zwischen den Bahnhöfen verschrieben - er geht in der wirtschaftlichen Depression nach dem Ersten Weltkrieg unter, er faßt wieder Fuß, strauchelt erneut, steht wieder auf - und verliert seinen großen Traum vom eigenen Unternehmen nie aus den Augen. Dabei kreuzen nicht nur zwielichte Gestalten und Geschäftspartner seinen Weg, er trifft auf Freunde, die es gut mit ihm meinen, und auf Rieke, Hertha und Ilse, Frauen, die ihn mit ihrer Liebe begleiten und tragen. Der Untertitel "Die Frauen und der Träumer" erscheint etwas verunglückt, weil er der Gewichtung des Romans nicht ganz entspricht, obwohl er uns den Protagonisten durchaus auch im Auf und Ab seiner Beziehungen und Ehen zeigt. Ein wenig erinnert Karl Siebrecht an Döblins Franz Biberkopf: auch er verlangt vom Leben mehr "als das Butterbrot". In dem Maße, wie sie charakterlich dennoch völlig unterschiedlich angelegt sind, erreicht der eine sein Ziel, der andere scheitert.

Ob Karl Siebrecht tatsächlich "eine der schönsten Figuren" ist, die Fallada erfunden hat, wie "Die Zeit" meint, sei dahingestellt, jedenfalls zählt "Ein Mann will nach oben" zu den besten Geschichten, die er uns erzählt hat. Absolut lesenswert!
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TOP 1000 REZENSENTam 22. August 2011
Das Buch erzählt die Geschichte des Karl Siebrecht. Im Alter von vierzehn Jahren kommt er 1909 nach dem Tod des Vaters als Vollwaise nach Berlin und will "die Stadt erobern". Das ist das durchgängige Motiv des Romans: Karl will "die Stadt erobern" und verfolgt geschäftliche Pläne mit Nachdruck, lässt aber menschliche Beziehungen darüber oft verkümmern (wenngleich er in Einzelfällen wieder viel Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft zeigt). Schnell lernt er Rieke kennen, ein etwa gleichaltriges Berliner Gör, das für die Familie bestehend aus dem trunksüchtigen Vater und der jüngeren Schwester sorgen muss. Dritter im Bunde ist der ehemalige Bremer Matrose Kalli Flau, der in Berlin nach Arbeit sucht. Gemeinsam betätigen sie sich im Geschäft des Transports von Gepäckstücken zwischen Berliner Bahnhöfen (damals wohl eine größere Sache) und haben einigen Erfolg. Dann aber geschieht der 1.Weltkrieg (der im Buch keinen großen Raum hat). Nach dessen Ende sie versuchen an die alten Geschäfte anzuknüpfen, müssen aber mit der Weltwirtschaftskrise kämpfen. Karl und Rieke kommen sich näher; Karls Schwierigkeiten, sich Frauen zu öffen, sind aber ein stetiges Problem und auch andere Frauen treten auf den Plan. Er nimmt schließlich einen dritten Anlauf, Berlin mit seinem Gepäckbeförderungsunternehmen zu erobern, wobei auch die durchgehenden Figuren eines wohlhabenden Rittmeisters und eines Autohändlers eine Rolle spielen.

Das Buch beginnt grandios. Die Art und Weise, wie Fallada die Figuren einführt, und wie sie in ihrem unbedingten Willen nach oben zu kommen (Karl) und ihrer Berliner Schnoddrigkeit (Rieke) als noch fast Kinder mit den Unbillen der Zeit kämpfend dargestellt werden, ist hochpräzse und unglaublich lebendig. Die Dialoge zwischen den Hauptfiguren und mit dem ganzen Ensemble des Berlins des frühen Jahrhunderts (einfache Arbeiter, skrupellose Händler, gutherzige Wohltäter u.v.m.) erscheinen unglaublich lebensnah und illustrieren die - je nach Situation - Kälte und Härte, aber auch Warmherzigkeit der Zeit. Trotz des zuweilen nicht ganz leicht zugänglichen Einsatzes von geschriebener Dialektsprache ist das ganz groß gemacht und atemlos, gut unterhalten und dabei emotional und gedanklich tief berührt verfolgt man das Auf und Ab der Geschäfte des Karl Siebrechts und seiner Freunde.

Die Qualität hält so ca. die ersten 400 von 700 Seiten. Im zweiten Teil (mit den Ereignissen nach dem 1. WK) verliert es ein bisschen an Präzision und interner Stringenz. Die Intention ist klar: 1.Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise und auch das zunehmende Alter der Protagonisten (die immer weniger mit der absoluten Zuversicht der Jugend in die Welt schauen) führt zu einer dunkleren und zerfahreneren Sichtweise der Welt. Fallada gelingt es aber nicht mehr mit der gleichen Grandiosität wie im ersten Teil, das darzustellen (was freilich nur durch den direkten Vergleich so deutlich wird). Dafür werden eben die inneren Kämpfe, die Hoffnungslosigkeit und die Leere, die die Figuren z.T. befällt, überdeutlich (v.a. der Verlauf der Rieke, die sich von der schnoddrigen, selbstbewussten Göre über die sensible junge Frau, zur irgendwie 'angekommenen', aber desillusionierten Frau entwickelt, ist zwar kein Haupterzählstrang, aber sehr beeindruckend erzählt).

Im ganzen würden dem Roman ca. 100 Seiten weniger und das ein oder andere Detail der Geschäfte Karls weniger gut tun, aber das ist ein kleiner Wermutstropfen in einem im ganzen großartigen Buch, das historisch und sozial bereichernd ist, menschlich berührend, und in einer Sprache verfasst, die Kultur und Klasse hat, aber trotzdem sehr gut zu lesen ist. Im ganzen eine absolute Lesempfehlung.
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am 29. August 2001
Auch mich hat dieser Roman in Bann geschlagen. Besonders gut gefallen hat mir, dass der Leser einerseits einen wunderbaren Einblick in das Berlin zu Beginn der 20. Jahrhunderts bekommt, andererseits sehr direkt und spannend die Entwicklung eines "Helden" beschrieben wird, der durchaus in unterschiedlichen Facetten aufscheint. Karl Siebrecht ist kein strahlender und gleichzeitig hochmoralischer Aufsteiger, sondern halt ein Mensch mit Schwächen und Ängsten, und das macht die Geschichte sehr farbig. Ein lohnendes Buch!
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Hans Fallada, eigentlich Rudolf Ditzen, erlebte die Veröffentlichung des vorliegenden Romans nicht mehr. Er starb 1947, der Roman wurde aber erst 1953 veröffentlicht. Fallada wurde in Leipzig geboren, kam jedoch als Junge bereits nach Berlin. Die bekanntesten Werke Falladas sind "Kleiner Mann - was nun?", "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst", "Der Trinker" (verfilmt mit Harald Juhnke) und "Der eiserne Gustav" (verfilmt mit Heinz Rühmann). Immer geht es um den kleinen Mann, der nach einem besseren Leben strebt und dem die Widrigkeiten desselben in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts beständig einen Strich durch die Rechnung machen. Wie das eigene Leben Fallada immer wieder aufs Äußerste gefordert hat, bis er schließlich wegen Alkoholismus und Morphinismus in einem Lazarett an Herzversagen starb.

Mit "Ein Mann will nach oben" verfasste Fallada einen ganz außergewöhnlichen Entwicklungsroman über den Waisenjungen Karl Siebrecht, der nach dem Tod seines Vaters, einem Maurermeister aus der Provinz, im November 1909 nach Berlin zieht, um die Großstadt zu erobern. Im Zug lernt er Rieke kennen, eine Vierzehnjährige, die sich mit den Worten: "Na, du langer Laban! Siehste nich, det ick mir mit die Reisekörbe eenen Bruch heben tue?! Kiek nich und faß lieber an!" mit ihm bekannt macht. Bei Rieke und ihrem Vater kommt Karl unter und fasst als Gepäckträger und später als junger Unternehmer Fuß. Unterstützt durch seine spätere Frau und einen Freund, Kalli. Sein eigener Traum ist ihm jedoch stets wichtiger als Frau und Freund und so fängt er alleine von vorne an, lernt andere Frauen kennen, die er mehr liebt als die eigene Ehefrau und von denen eine, Hertha Eich, nicht nur seine zweite Gattin wird, sondern auch Tochter eines Geldgebers ist, der gemeinsam mit anderen Karl den Aufbau eines Unternehmens ermöglicht.

Das Werk ist ein famoser Roman über Träume und Enttäuschungen, über unerfüllte Liebe, über Hochs und Tiefs in der Zeit vor dem ersten und zwischen den beiden Weltkriegen. Und über die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der schweren Depression und Inflation. Psychologisch außergewöhnliche Charakterstudien geben dem Buch eine Tiefe, wie man sie bei Dostojewski oder Thomas Mann findet. Ein Roman, den ich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert gelesen habe und in dem jedes der weit über 100 Kapitel eine eigene Strahlkraft hat. Man leidet mit Karl Siebrecht und den Menschen um ihn herum, die er für ein besseres Leben mannigfaltig enttäuscht und doch auch immer wieder fasziniert. Es muss eine Frau kommen, die ihn auf Distanz hält, die ihm seine Freiheit lässt und die ihrerseits eine emotionale Ferne in Anspruch nimmt, um ihn wiederum zu binden, nicht ohne Rückschläge und Tiefen.

Unzählige Male wechselt die Stimmung von optimistisch zu depressiv, häufig sind die Abstürze schwerwiegender als die Erfolge beim Aufstieg. Ohne zu viel verraten zu wollen, gönnt der Autor Fallada seinen Lesern und seinen Protagonisten einen versöhnlichen, geradezu zauberhaften Schluss. Könnte ich sechs Sterne vergeben, ich täte es in diesem Fall. Unbedingt lesenswert!
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am 12. Dezember 1999
Das Buch selbst besticht durch seine Sprache, die stark dialektisch geprägt ist und dadurch sehr bodenständig wirkt. Dieses ist zwar anfangs etwas anstrengend (jedenfalls für alle Nicht-Berliner!), jedoch entwickelt das Buch hierduch seinen ganz eigenen Charme. Die Erzählung selbst ist äußerst spannend und mitreißend erzählt, wobei dem Leser ein tiefer Einblick in das damalige großstädtische Leben gewährt wird. Erzählt wird die Lebensgeschichte eines Waisenjungen, der sich mit 16 auf den Weg nach Berlin macht, um dort erfolgreich zu sein. Hier erlebt er sehr heitere Momente aber auch schlechte Zeiten. Seine Disziplin und Ausdauer helfen ihm aber immer weiter. Darüber hinaus wird sein Lebensweg aber immer wieder durch Frauen bestimmt, denen er letztlich auch immer wieder seinen Erfolg verdankt. Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen (es war mein erster Fallada-Roman) und hat mich zum Lesen weiterer Werke des gleichen Autors animiert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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TOP 500 REZENSENTam 19. November 2012
Hans Fallada, eigentlich Rudolf Ditzen, erlebte die Veröffentlichung des vorliegenden Romans nicht mehr. Er starb 1947, der Roman wurde aber erst 1953 veröffentlicht. Fallada wurde in Leipzig geboren, kam jedoch als Junge bereits nach Berlin. Die bekanntesten Werke Falladas sind "Kleiner Mann - was nun?", "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst", "Der Trinker" (verfilmt mit Harald Juhnke) und "Der eiserne Gustav" (verfilmt mit Heinz Rühmann). Immer geht es um den kleinen Mann, der nach einem besseren Leben strebt und dem die Widrigkeiten desselben in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts beständig einen Strich durch die Rechnung machen. Wie das eigene Leben Fallada immer wieder aufs Äußerste gefordert hat, bis er schließlich wegen Alkoholismus und Morphinismus in einem Lazarett an Herzversagen starb.

Mit "Ein Mann will nach oben" verfasste Fallada einen ganz außergewöhnlichen Entwicklungsroman über den Waisenjungen Karl Siebrecht, der nach dem Tod seines Vaters, einem Maurermeister aus der Provinz, im November 1909 nach Berlin zieht, um die Großstadt zu erobern. Im Zug lernt er Rieke kennen, eine Vierzehnjährige, die sich mit den Worten: "Na, du langer Laban! Siehste nich, det ick mir mit die Reisekörbe eenen Bruch heben tue?! Kiek nich und faß lieber an!" mit ihm bekannt macht. Bei Rieke und ihrem Vater kommt Karl unter und fasst als Gepäckträger und später als junger Unternehmer Fuß. Unterstützt durch seine spätere Frau und einen Freund, Kalli. Sein eigener Traum ist ihm jedoch stets wichtiger als Frau und Freund und so fängt er alleine von vorne an, lernt andere Frauen kennen, die er mehr liebt als die eigene Ehefrau und von denen eine, Hertha Eich, nicht nur seine zweite Gattin wird, sondern auch Tochter eines Geldgebers ist, der gemeinsam mit anderen Karl den Aufbau eines Unternehmens ermöglicht.

Das Werk ist ein famoser Roman über Träume und Enttäuschungen, über unerfüllte Liebe, über Hochs und Tiefs in der Zeit vor dem ersten und zwischen den beiden Weltkriegen. Und über die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und der schweren Depression und Inflation. Psychologisch außergewöhnliche Charakterstudien geben dem Buch eine Tiefe, wie man sie bei Dostojewski oder Thomas Mann findet. Ein Roman, den ich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert gelesen habe und in dem jedes der weit über 100 Kapitel eine eigene Strahlkraft hat. Man leidet mit Karl Siebrecht und den Menschen um ihn herum, die er für ein besseres Leben mannigfaltig enttäuscht und doch auch immer wieder fasziniert. Es muss eine Frau kommen, die ihn auf Distanz hält, die ihm seine Freiheit lässt und die ihrerseits eine emotionale Ferne in Anspruch nimmt, um ihn wiederum zu binden, nicht ohne Rückschläge und Tiefen.

Unzählige Male wechselt die Stimmung von optimistisch zu depressiv, häufig sind die Abstürze schwerwiegender als die Erfolge beim Aufstieg. Ohne zu viel verraten zu wollen, gönnt der Autor Fallada seinen Lesern und seinen Protagonisten einen versöhnlichen, geradezu zauberhaften Schluss. Könnte ich sechs Sterne vergeben, ich täte es in diesem Fall. Unbedingt lesenswert!
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am 24. April 2009
Ich habe das Buch von einer Kollegin erhalten, die mir das Buch auf Grund des herrlichen Charmes der Akteure nahegelegt hat. Ich hatte vorher noch kein Buch von Hans Fallada gelesen und war daher nicht unbedingt begeistert, nahm das Angebot jedoch gerne an und begann die ersten Seiten zu lesen. Es verblüffte mich selbst, wie mich die Geschichte immer mehr fesselte. Der Einstieg war etwas schwierig, die deutsche Sprache hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert, aber an ein Aufhören war nicht mehr zu denken. Zu neugierig war ich auf den weiteren Verlauf des Buches und konnte mir nichts anderes vorstellen, als das Buch bis zum letzten Wort zu lesen. Hauptpunkt war hierbei für ich die Möglichkeit, in das Leben einzutauchen, was kurz vor dem ersten Weltkrieg in Berlin und andernorts geführt worden ist, für die heutige Gesellschaft kaum denkbar. Das Leben, was damals schon als luxuriös galt, wenn sich der Akteur später in die arme Heimat begibt, ein drastischer Unterschied zwischen zwei Spielorten des damaligen Lebensniveaus, das heute wohl komplett als schlecht gelten würde. Das Buch sprüht voll Nostalgie und Gefühlen von Heimat und Liebe, Sehnsucht nach der großen weiten Welt und dem beruflichen Aufstieg. Ich habe bereits weitere Bücher von Hans Fallada gelesen und bin meiner Kollegin heute noch dankbar für den Hinweis.
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am 21. September 2011
Der Roman spielt in der Zeit von 1909 bis Anfang der 30iger Jahre, allerdings nicht durchgehend; die Zeit 1910 bis 1914 sowie die Kriegsjahre sind nur ganz sporadisch angesprochen.

Inhaltlich geht es um die Lebensgeschichte des Karl Siebrecht bis etwa zu seinem 45. Lebensjahr, der als 16jähriger Waisenjunge vom Lande nach Berlin kommt und dort seinen Traum, als selbständiger Unternehmer Karriere zu machen, verwirklichen will.

Fallada gelingt es, das berliner Milieu und die privaten und geschäftlichen Erlebnisse des Karl Siebknecht ansprechend und teilweise spannend zu beschreiben. Allerdings kommt gerade zu Anfang des Buches viel berliner Dialekt hinein und frei von Kitsch ist das Buch leider durchgehend nicht. Für altertümlich wirkende Liebesszenen und peinliche Plattitüden wie z.B.: "Es gibt keine Sicherheit im Leben, mein armes Kind, auch in der Liebe nicht" ist sich Fallada nicht zu schade. Manchmal hatte ich den Eindruck, Fallada wäre in der heutigen Zeit ein hervorragender Drehbuchautor für Soaps des Unterschichten-Fernsehen geworden. Anderseits gelingt es Fallada aber so anspruchsvoll und tief Charaktere zu schildern, wie man es in der deutschsprachigen Literatur selten findet.

Diese Widersprüchlichkeit entspricht dem Leben Falladas ist aber wahrscheinlich vor allem der Haupt-Zielgruppe seiner LeserInnen geschuldet, die vorwiegend unterhalten werden wollte (der Roman erschien zunächst 4 Monate als Fortsetzungsroman in der Berliner Illustrirte Zeitung). Fallada litt ständig unter Geldnot und musste konsumierbare Literatur produzieren.

Die Hauptfigur seines Romans hat, neben der finanziellen Not, viele persönliche Züge Falladas. Fallada kam aus einer gutbürgerlichen Familie, ging aber vorzeitig vom Gymnasium ab und hat - wie Karl Siebknecht - eine Frau aus der sogenannten Unterschicht geheiratet, die ihm intellektuell weit unterlegen war. Wie bei seiner Romanfigur ging Fallada sehr bald nur noch seine eigenen Wege und er wurde immer schweigsamer; in seiner Ehe wurde es immer stiller. Schon zu Beginn seiner Ehe hatte Fallada Verhältnisse mit anderen Frauen. Als Einzelkämpfer verfolgte er seine eigenen Vorstellungen und Ziele eines Schriftstellerlebens, immer wieder von Schuldgefühlen und schweren Depressionen geplagt. Fallada hat um seinen schriftstellerischen Erfolg hart gekämpft, sich aber leider immer wieder mit Drogen, wie viel Nikotin, Alkohol, Morphium und Kokain betäubt. Ich fand es interessant, wie Fallada in seiner Romanfigur Karl Siebknecht kritisch seine Eheprobleme und sein Einzelgängertum reflektiert. Wie Fallada ist auch Karl Siebrecht ein äußerst kämpferischer Typ. Dieser kommt zwar - was Fallada ausdrücklich betont (!) - völlig ohne Drogen aus, lebt andererseits aber - wie Fallada - in einer Ehe, die ein Irrtum ist; beide brauchen eine Frau, die neben "Liebe" viel Verständnis für Karriereträume und den notwendigen Einsatz dafür mitbringt. Der Untertitel des Buches deutet an, welche Rolle die Frauen in dem Roman spielen.

Sowohl Fallada, wie auch die Romanfigur Karl Siebknecht sind echte workaholics. Sie haben zumindest phasenweise beruflichen Erfolg, bleiben aber dennoch fast immer mit Geldproblemen belastet. Je länger Siebknecht in Berlin ist, desto mehr stellt er fest, dass seine ursprüngliche "Anständigkeit" hier fehl am Platze ist ("lügen muss man beim Geschäft"), und man sich die "berliner" Geschäftsmethoden aneignen muss, wenn man überleben will. Die Rolle des Geldes wird in dem Roman stark hervorgehoben; im wirklichen Leben Falladas war dies nicht anders; denn Fallada hatte, bevor sein schriftstellerischer Erfolg eintrat, mehrere Unterschlagungen begangen und musste dafür auch eine Haftstrafe absitzen.

Siebknecht erreicht letztlich sein Ziel. Der Roman endet allerdings mit dem Satz seiner zweiten Ehefrau: "Ich finde dein Traum hat dich und andere ziemlich viel gekostet". Auch das passt haargenau zu Falladas Leben.

Vom Stil her ist Fallada gut zu lesen. Sein Roman stammt aus dem Jahren 1941/42 und im Vergleich zu seinem ersten Welterfog "Kleiner Mann - was nun?" ist sein Stil ausgefeilter und reifer, sein Romanaufbau komplexer. Dien Einteilung in 124 Abschnitte, jeweils mit Überschriften versehen, erleichtert die Lesbarkeit und Orientierung. Die neue Taschenbuch-Ausgabe des Aufbau Verlages hat 750 Seiten und es dauert schon ein bisschen bis man sich eingelesen hat (ich fand den Anfang nicht so prickelnd und der schon angesprochene berliner Dialekt macht das auch nicht einfacher), dann kann einen das Buch aber fesseln und man muss aufpassen, dass man abends rechtzeitig das Licht auskriegt. Vorausgesetzt ist allerdings, dass man sich ein klein wenig für die damalige Zeit interessiert, als es z.B. noch richtig arme und auch bescheidene Leute gab, ein einziger Kuss noch gleichbedeutend mit einer Verlobung war und als in den turbulenten 20iger Jahren Berlin zu einer "Schieber- und Nuttenstadt" verkam.

Mir gefiel der Roman um einiges besser als "Kleiner Mann - was nun?", zumal ich die autobiografischen Bezüge sehr interessant fand. Das Buch regt an, sich weiter mit Hans Fallada und seinen Werken zu beschäftigen.
Insgesamt: 4 Sterne.
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Nach "Jeder stirbt für sich allein" ist dies mein zweites Buch von Hans Fallada und ich bin erfreut bis begeistert von dem was ich hier lesen durfte. Die Geschichte eines Burschen der mit seinen 16 Lenzen als Waise vom Land mit nichts als einem Sparbuch über 200 Mark und viel Enthusiasmus aber auch einer riesengrossen Portion Naivität in die Grossstadt nach Berlin zieht und keinen geringeren Lebenstraum hat als die Stadt zu erobern. Das Karl Siebrecht, so heisst der heranwachsende Jüngling, diesen Traum mit Millionen andern hegt wird ihm erst richtig bewusst als er in Berlin eintrifft. Zu seinem Glück begegnet er Rieke Busch die mit ihrem frechen Mundwerk oder vielmehr Berliner Schnauze sich seiner annimmt und es entwickelt sich eine Freundschaft die über viele Jahre anhalten wird. Unermüdlich strebt Karl den Erfolg an und arbeitet hart um seine gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei lernt er tagtäglich ein Stück von den Kniffen kennen die es braucht um in der Grossstadt zu überleben und vorwärts zu kommen. Eine Freundschaft mit Kalli Flau kommt hinzu und Rieke, Karl und Kalli werden ein Dreigespann welches sich über die Erfolge und teils heftigen Fehlschläge trägt und zeigt was Freundschaft in Zeiten schwerer Not wert ist.

Das Karl es mit seinem Ehrgeiz und Eifer regelmässig übertreibt und seine beiden treuesten Freunde Rieke und Kalli immer wieder vor den Kopf stösst ist die Schattenseite seiner Strebsamkeit. Die Gutmütigkeit und die Gabe zu verzeihen der beiden stellt die immer wieder arg auf die Probe gestellte Freundschaft auf ein solides Fundament. Dem Glück der ein oder anderen Begegnung von Karl Siebrecht mit wichtigen Personen oder deren Umfeld hilft der Autor tüchtig nach. Dies ist ein berechtigter Kritikpunkt der nicht zu negieren ist. Andererseits gilt es zu sagen, dass Menschen die ihre Zukunft entschlossen in die Hände nehmen und beharrlich ihrem Ziel entgegen gehen hie und da eine Portion Glück verdient haben.

Hans Fallada hat in der Zeit und dem Ort gelebt von der/dem er schreibt. In diesem Buch sind es die Jahre vor und nach dem 1. Weltkrieg in Berlin. Es ist kein angelesenes oder recherchiertes Wissen sondern echtes durch Lebenserfahrung erworbenes Wissen und dies unterscheidet ihn von der grossen Mehrheit der Verfasser Historischer Romane. Die Wahrnehmung eines jeden Lesers ist anders aber für mich ist diese Geschichte authentisch und die Figuren sind derart waschecht gezeichnet, dass sie das Zeug haben um ein Original ihrer Zeit und der Stadt Berlin zu sein. Besonders der Berliner Dialekt samt der Schlagfertigkeit von Rieke Busch hat es mir angetan und die junge Dame hat schnell meine Sympathien gewonnen und ich hätte Karl ab und und zu eine Ohrfeige für sein gedankenloses Tun verpassen können.

Das Buch ist zu einer Zeit geschrieben worden in denen die Verlage und das Lektorat nicht darauf gepocht haben Geschichten mit den gut verkaufbaren 350 bis 450 Seiten zu verfassen. Hans Fallada hatte somit die Freiheit Szenen genau so lange zu schreiben bis er sie für ausreichend auserzählt hielt. Keine portionierten Szenen mit dem Massband abgemessen, keine konditionierten literarischen Vorgaben sondern echtes Erzählen alter Schule ganz auf den Bedarf des Verfassers ausgerichtet. In diesem Fall sind es 750 Seiten geworden … aus heutiger Sicht sind wohl ein paar Längen zu erkennen und ein paar Szenen die es nicht unbedingt gebraucht hätte aber der Lesespass und die einfache Lesbarkeit lassen dies eindeutig in den Hintergrund treten. Tolle Geschichten rund um die Berliner Bahnhöfe und eine dicke Leseempfehlung von mir!
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am 15. März 2009
Eine packende, episch erzählte Geschichte, die 1910 im Berlin der kleinen Leute mit drei Jugendlichen ohne große Chancen beginnt und erzählt, was aus dem ehrgeizigen Waisenjungen Karl Siebrecht, der forschen Rieke Busch, die mehr Herz hat, als ihre freche Schnauze erahnen lässt, und den gutmütigen Kumpeltyp Kalli Flau während Kaiserreich, Weltkrieg und Weimarer Zeit wird.
Einen Stern Abzug gibt`s eigentlich nur, weil mir andere Falladas (Der eiserne Gustav, Wolf unter Wölfen, Jeder stirbt für sich allein) noch besser gefallen. Aber wer die Fallada-Romane mag, der wird auch diesen wieder verschlingen, und wer noch keinen kennt, der kann auch mit diesem anfangen, und feststellen, ob ihn Falladas Geschichten genauso in Bann schlagen wie mich.
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