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80 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt Probelesen
Vorweg: "42" hat mir gefallen.
Und: Ich kann jeden verstehen, der von diesem Buch enttäuscht ist.
Ganz einfach, weil 42 ziemlich speziell ist. Die Idee der Story hätte von Andreas Eschbach sein können - die Umsetzung jedoch so gar nicht. Thomas Lehr ist ein Meister der Sprache und nimmt sich die Freiheit, sehr eigenwillig verschachtelt zu...
Veröffentlicht am 6. November 2005 von Keiner

versus
47 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grandios-prätentiös
Eine zwiespältige Angelegenheit, dieses Buch. Das Setting ist gut, und auch die Gedanken, die sich der Autor bzw. seine Figuren zu der Situation machen, der sie ausgesetzt sind, sowie die daraus folgenden Handlungen sind durchaus fein erdacht und beschrieben.

Leider ist das ganze verpackt in eine unglaublich prätentiöse Sprache, die auf dem...
Veröffentlicht am 26. Juni 2007 von A. Fromme


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47 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Grandios-prätentiös, 26. Juni 2007
Von 
A. Fromme "afromme" (Hövelhof) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Taschenbuch)
Eine zwiespältige Angelegenheit, dieses Buch. Das Setting ist gut, und auch die Gedanken, die sich der Autor bzw. seine Figuren zu der Situation machen, der sie ausgesetzt sind, sowie die daraus folgenden Handlungen sind durchaus fein erdacht und beschrieben.

Leider ist das ganze verpackt in eine unglaublich prätentiöse Sprache, die auf dem Buchdeckel euphemistisch als "poetische Sprache, die ihresgleichen sucht" umschrieben wird. Einige der Wendungen, Allegorien, Metaphern usw. funktionieren und man freut sich still darüber, was der Autor da hingezaubert hat. Das Problem ist: die meisten funktionieren leider nicht und überladen so den betroffenen Text derart, dass er trotz der ja eigentlich interessanten Handlung darunter völlig zusammenbricht.

Für mich leider ein Musterbeispiel für den Einsatz von derartigen Stilmitteln als Selbstzweck. Ärgerlich ist aber nicht nur, dass das Buch solche Sperenzien eigentlich nicht nötig hätte, sondern auch, dass die Integrität des Ich-Erzählers darunter leidet. Der ist eigentlich Journalist, seit fünf Jahren mit der Null-Zeit-Situation konfrontiert und nach eigener Aussage der meisten Effekte der Nullzeit (in der Luft hängende Vögel z.B.) inzwischen überdrüssig. Was ihn aber nicht davon abhält, diese in ausschweifenden poetischen Bildern, verzwirbelten Allegorien und Metaphern zu beschreiben, die ich selbst jemandem, der die Effekte frisch und zum ersten Mal erlebt und beobachtet, kaum ernsthaft abnehmen könnte.

Insofern - wer diess Buch lesen will, sollte Ausdauer und Immunität oder Begeisterung gegenüber ausufernder und verkntoteter Bildsprache mitbringen.
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80 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unbedingt Probelesen, 6. November 2005
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vorweg: "42" hat mir gefallen.
Und: Ich kann jeden verstehen, der von diesem Buch enttäuscht ist.
Ganz einfach, weil 42 ziemlich speziell ist. Die Idee der Story hätte von Andreas Eschbach sein können - die Umsetzung jedoch so gar nicht. Thomas Lehr ist ein Meister der Sprache und nimmt sich die Freiheit, sehr eigenwillig verschachtelt zu erzählen, und zwar sowohl was die Aufteilung der Geschichte angeht, als auch auf den Satzbau bezogen. Nicht selten füllt ein einzelner Satz eine drittel Seite. Das ist, zugegeben, anstrengend und macht es manchmal schwer, dem Geschehen zu folgen. Ich habe mich dann nach dem Motto "Man muss nicht alles verstehen, um das wichtigste zu verstehen" (Marian Gold) ganz elegant durch den Plot gearbeitet. Und es hat irgendwie auch seinen besonderen Reiz, zumal der Autor seinen Stil konsequent durchhält. Das muss man ganz einfach mögen, ansonsten wird man das Buch schnell zur Seite legen. Für diese Mühe wird man sehr reichlich mit einer fast poetischen Schreibe belohnt, die man sonst vielleicht von einem frühen Philippe Dijan ("Erogene Zone"/"Betty Blue") gewohnt ist – und die einem in ihrer Brillianz teils wirklich die Sprache verschlagen.
Als herben Kontrast dazu werden einem doch einige sehr deftige Szenen geboten. Und obwohl nirgendwo geschrieben steht, dass der Protagonist zwangsläufig liebenswerter Character sein muss, fragt man sich doch, ob weniger nicht vielleicht sehr viel mehr gewesen wären. Ich persönlich hätte kein Problem damit gehabt, wenn die Schilderungen der sexuellen Missbräuche etwas homöopathischer gesät wären.
Fazit: Wer sich an exzellenter Sprache und einem eigenwilligen Erzählstil voller Ecken und Kanten erfreuen und in Bezug auf derbere Inhalte einen Stiefel vertragen kann, wird absolut gefallen an diesem Buch finden.
Wer hingegen gern eine stringent erzählte, spannende Story sucht, die einfach nur gut unterhält, wird dieses Buch vermutlich nicht mögen und greift vielleicht lieber zu dem absolut lesenswerten "Jesus Video" von Eschbach, wenn er es nicht schon kennt.
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28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Lesetechnische Schwerarbeit, 29. März 2006
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Gebundene Ausgabe)
Thomas Lehrs viel beachteter Roman, der für den Deutschen Buchpreis nominiert war, ist ganz unbestritten ein sehr kluges, sehr gut durchdachtes und sprachlich sehr gelungenes Buch mit unverbrauchten Bildern und einem singulären Erzählstil.
Am Anfang ist der Zeitstillstand: Um 12:47 und 42 Sekunden - daher der Titel - an einem schönen Sommertag bleibt die Zeit stehen. Einfach so, ohne Vorwarnung. Alles und jede/r hält in der jeweiligen Bewegung inne, wie auf einem Foto. Von diesem Zeitfluch ausgenommen ist eine Gruppe von 70 BesucherInnen und Besuchern des Kernforschungszentrums CERN in der Nähe von Genf. Thomas Lehr präsentiert uns ein Sozialexperiment: Wie verhalten sich Menschen, die wider Willen in einer unheimlichen Gemeinsamkeit in ewiger Mittagshitze festgehalten werden (..."wir, die souveränen U-Boote der Stunde Null"...), ohne zu wissen, ob es jemals einen Morgen geben wird? Das klingt spannend und ist es auch. Die ersten 50 Seiten habe ich verschlungen, auch wenn der Erzählduktus ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist. Philosophische Diskussionen über die Ursache der Katastrophe (eine höhere Gewalt?) wechseln sich ab mit der Befriedigung so grundlegender menschlicher Bedürfnisse wie Sex. Praktisch, dass tausende Frauen - und, anatomisch bedingt, weitaus weniger Männer - zur willigen Verfügung stehen. Unrechtsbewusstsein hat Sendepause in der Welt der „Chronifizierten" oder „Zombies", wie sich nennen. Anfangs passieren nachvollziehbare Dinge wie Selbstmorde: „Stell dir vor, das Weltall macht die Tür zu und du stehst draußen." Mit der Zeit werden die zwischenmenschlichen Zusammenhänge deutlich komplizierter (Morde) und die Ereignisse weniger greifbar. Fest steht: In der gesamten Welt - nachweislich zumindest in jenem Teil, der zu Fuß erreichbar ist - ist die Zeit stehen geblieben: „Die Gegenwart, das einmal flüchtigste, unfassbare Element, ist immer für uns da, kolossal und unerbittlich, mit steinernem Gesicht." Alles ist Stillstand - kein Motor und somit kein Fortbewegungsmittel funktioniert mehr, weshalb sich der Icherzähler auch zu Fuß zu seiner Frau aufmacht, um schließlich festzustellen, dass sie nicht mit einer Freundin an der Ostsee, sondern mit ihrem Liebhaber in Italien war. Kurz und bündig zusammengefasst liest und erzählt sich der Inhalt des Buches also sehr gut. Das Problem ist, dass dieses Buch auch für routinierte Leserinnen und Leser eine echte Herausforderung ist. Oder, ganz ehrlich: Ein hartes Stück Arbeit, bei der ich schließlich den Eindruck hatte, das mir gesteckte Ziel trotz großer Bemühungen nicht erreicht zu haben. Wie der österreichische Literaturkritiker Sebastian Fasthuber (Der Standard, Falter) in einer mündlichen Würdigung des Buches in Wien sinngemäß sagte: Bei der Lektüre dieses Buches fühlt man sich über weite Strecken ziemlich klein und ziemlich dumm. Man muss zurückblättern und ganze Passagen nochmals lesen, um den Faden nicht zu verlieren. Andererseits ist dieser Roman eine Entdeckung für Leute, die nichts mehr verabscheuen als Bücher, die sich selbst erklären. In meinen Augen hat Thomas Lehr allerdings übers Ziel hinaus geschossen. Jemandem, dem es grandios gelungen ist, ein Sozialexperiment auf hohem sprachlichen Niveau absolut lesenswert zu machen, ist José Saramago in „Die Stadt der Blinden" (an diesen Roman hat mich „42" anfangs auch erinnert). Es drängt sich mir der Verdacht auf, dass sich dieser Roman in die lange Reihe jener Bücher einfügen wird, die zwar aufgrund ihrer unbestritten intellektuellen Note gerne gekauft, jedoch selten zu Ende gelesen werden. Ich habe „42" sehr wohl vollständig gelesen und einige interessante philosophische Betrachtungen über das Wesen der Zeit für mich mitgenommen. Summa summarum gebe ich aber gerne zu, dass dieses Buch meine literaturanalytisch-intellektuellen Fähigkeit maßlos überstrapaziert hat. Ein Buch für intellektuelle Überflieger?
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einmalig einmalig., 22. November 2011
Von 
Frank Stone "Frank2000" (Bonn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Taschenbuch)
Ich hoffe, man verzeiht mir, dass ich die Garry Larson zugesprochene Widmung für Lehr entliehen habe.

Dieses Buch kann man nicht Lala finden. Sowohl die Idee, wie auch die Sprache erlauben keine indifferente Haltung. Man liebt das Buch - oder man hasst es.
Aber ich finde, dass gerade Lehrs Sprache dieses Buch so einmalig macht, denn wie hätte man sonst das absolute Grauen beschreiben können?

Zunächst würde man vermuten, die Handelnden in diesem Buch sind im Paradies gelandet: sie allein bewegen sich noch und die Welt braucht nur genommen zu werden.
Aber in Wahrheit ist diese Freiheit die Hölle. Und dabei steht noch nicht mal das Problem im Vordergrund, dass alle Ressourcen im wahrsten Sinne "Verbrauchsmaterial" sind. Denn in einer Welt, in der sich nichts verändert, kann man zwar alles nehmen. Aber nur einmal. Wie Heuschrecken müssen die Handelnden sich also vom Beginn ihres Alptraums in der Welt immer weiter vom Anfang wegbewegen.

Aber das schlimmste ist die Ziellosigkeit. Eine Welt ohne Veränderung ist eine Welt ohne Ziel. Eine Welt ohne Bewegung ist eine tote Welt. Wie sehr wird man sich nach Lachen sehnen, nach dem Gemurmel in seinem Lieblingscafé. Aber ohne Veränderung gibt es auch keine Geräusche. Eine lautlose Welt. Wie sehr wird man sich danach sehnen, die Vögel fliegen zu sehen oder den Schatten der Wolken über den Boden wandern zu sehen.

Eine solche Welt muss die Menschen in den Wahnsinn treiben - auf die ein oder andere Art. Der Stillstand der Welt: er wird dazu führen, dass die Gedanken, die Gefühle überhitzen, dass die Menschen unruhig, fahrig, nervös werden. Ohne Zeit hat man keinen geregelten Tagesablauf. Ohne Zeit ist alles gleichzeitig richtig und doch falsch. Soll man schlafen? Bei hellem Tageslicht? Sind schon acht Stunden vergangen? Soll man etwas unternehmen? Was denn - wenn die Welt nicht mitmacht. Ohne Zeit verschwimmt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem kaum unterscheidbaren Brei...

Und genau hier setzt Lehrs Sprache an. Seine Bandwurmsätze, seine Schachtelsätze: sie haben oft kaum einen Anfang oder Ende, wie auch die Existenz der Handelnden ohne Zeit kein Anfang und kein Ende mehr hat. Die schrecklichen Sätze von Lehr, sie lassen einen nachfühlen, wie leer wie gleichförmig wie trostlos wie sinnlos ein Leben ohne Zeit ist.

Ich habe das Buch gelesen - und kann es nicht mehr vergessen. Während andere Bücher im Alltag verdrängt werden von neuen Eindrücken, bleibt Lehrs Werk gegenwärtig.
Oft ertappe ich mich dabei, wie ich plötzlich ein bedrückendes Gefühl habe: was wäre, wenn meine Frau, meine Kinder und überhaupt jeder Mensch, den ich kenne zum Standbild verdorren würde? Was wäre, wenn mein eigener Atem das einzige wäre, was ich noch höre - wie ein Gefangener in der Isolationsfolter nur noch seinen eigenen Atem hört?

Und dann freue ich mich, dass ich meine Frau im Haus rumoren höre, meine Kinder in den Spielzimmern. Das ich das Ticken der Uhr höre... was für ein wunderbares Geräusch...
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Leer-Buch statt Lehr-Buch von Thomas Lehr, 24. April 2010
Ein Physik-Krimi, gar ein Kernphysik-Krimi soll das sein? Man könnte es mit Ach und Krach noch als Phantasie durchgehen lassen, als "was wäre, wenn", als Fiction gänzlich ohne Science. Aber von einem Physik-Krimi erwartet man doch, dass er etwas mit Physik zu tun hat, und nicht, dass die Grundvoraussetzung des Ganzen aller Physik widerspricht.

Unterschiedlich schnell ablaufende Zeiten entstehen, wenn sich zwei Bezugssysteme relativ zueinander mit hoher Geschwindigkeit bewegen, oder wenn das eine System einer hohen Gravitation ausgesetzt ist. Beides ist im Buch nicht der Fall: die einen wandern gemütlich durch Deutschland, die Schweiz und Italien, die anderen stehen starr am Wegesrand, und für beide gilt nichts als die gewohnte Erdgravitation.

Wenn nun auf dieser physikalisch völlig abwegigen Voraussetzung wenigstens eine spannende, schlüssige Geschichte aufgebaut wäre. Aber nein: das Buch zieht sich wie Kaugummi, und die immer wiederkehrenden unangenehm-schlüpfrigen Stellen machen es auch nicht besser, im Gegenteil. Die widerliche Doppelmoral des Ganzen wird deutlich, wenn der Ich-Erzähler einerseits frei von der Leber weg berichtet, wie er seine Frau nach Strich und Faden betrügt, andererseits aber sich berechtigt fühlt, den Liebhaber seiner Frau aus dem Fenster in den fast sicheren Tod zu stoßen.

Der Autor widerspricht auch bei Bedarf den selbst geschaffenen Voraussetzungen. Als die Französin versucht, den Japaner zu erschießen, ertönt ein "ohrenbetäubender Knall". Wie dieses? Heißt es nicht zuvor immer, dass sich Schall nur innerhalb der "Chronosphären" fortpflanzt?

An einer anderen Stelle erklärt einer der "Chronifizierten", dass der Louvre künftig auf einen Monet und einen Picasso wird verzichten müssen. Nun, das dürfte dem Louvre nicht schwer fallen. Bekanntlich ist der Louvre ein Museum für alte Kunst, und weder Monet noch Picasso sind dort zu finden. Eine Kleinigkeit, sicher, aber vermeidbar und symptomatisch für das Ganze.

Was immer sich der Autor Thomas Lehr dabei gedacht hat: ein Lehr-Buch ist es nicht geworden, vielmehr ein Leer-Buch.
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43 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reine Kunst, 31. August 2005
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine relativ amorphe Besuchergruppe verläßt den DELPHI-Versuchskomplex des CERN-Forschungszentrums bei Genf - Journalisten, Wissenschaftler, Interessierte. Als sie auf den Vorplatz des Gebäudes treten, müssen sie feststellen, daß sich die Welt um sie herum in einer Stasis befindet. Alles bis auf die 70 Menschen ist um exakt 12:47:42 Uhr in seiner Bewegung erstarrt; Flugzeuge und Vögel hängen in der Luft, Menschen verharren in Bewegungen, das Gras richtet sich, vom Wind gebeugt, nicht mehr auf. Die Zeit steht still. Nur diese „Chronofizierten", offenbar umgeben von Blasen, die sich bei dichtem Beeinandersein auch ausweiten lassen, sind dem Phänomen „Zeit" weiterhin ausgesetzt. Was sie berühren, wird für einen Sekundenbruchteil von der Zeit infiziert - Menschen seufzen kurz, Monitore erlöschen, weil kein Strom mehr fließt, alles einmalig, danach nicht mehr. Wasser reagiert noch, in unmittelbarer Umgebung. Die Chronofizierten können atmen.
Der Berliner Journalist Adrian erzählt von den fünf Jahren, die sich die CERN-Besucher in diesem seltsamen, beängstigenden, natürlich auch interessanten, hauptsächlich aber enervierenden Zustand befinden. Die Gruppe trennt sich, man marschiert durch Europa, sucht Plätze auf, die man kennt, oder solche, die man auf ihren - immer erwartungsgemäßen - Zustand überprüfen möchte, legt tausende von Kilometern zurück, treibt Späße, genießt, ändert, mordet auch. Man wohnt in teuren Hotels, ißt die - noch warmen - Speisen, die vor den immerwährend mittagessenden „Fuzzis" stehen, jenen vielen anderen Menschen, die sich außerhalb der Zeit befinden. „Zombies" nennen sich die CERN-Besucher schließlich selbst. Man vergeht sich, an den hübschen Frauen, die man in Hotelzimmern vorfindet, oder an anderen, auf andere Art, je nach Gusto. Schließlich bricht auch Gewalt aus, der Vielfalt der Ängste entspringend, der ergebnislosen Suche nach einer Lösung, wenigstens einer Erklärung.
Die Idee dieses Buches ist faszinierend, seine Wissenschafts- und Sozialkritik sind es, noch faszinierender jedoch ist die Umsetzung, vor allem sprachlich. Obwohl sie zunächst auf sperrige Art intellektuell erscheint, vereinnahmt Lehrs drängende, facettenreiche, zuweilen halbseitige Sätze bauende Sprache sehr schnell. Dieses Buch ist reine Kunst, im Sinne des Wortes - hochintelligent, durchtrieben, wissensreich, spannend, explosiv. Jeder Versuch, ihm in einer Rezension gerecht zu werden, muß scheitern angesichts der enormen Fähigkeiten, die hier brillant zu einem Roman der Extraklasse fokussiert wurden. „42" ist für den Deutschen Bücherpreis 2005 nominiert, und ich suche noch nach einem Wettbüro, in dem ich all mein Hab und Gut auf dieses Werk setzen kann.
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19 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hätte es lieber nicht gelesen, 2. September 2007
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Story an sich zieht wohl jeden Science-Fiction Fan an - die Zeit bleibt stehen für alle und alles, nur für eine kleine Gruppe nicht. Ich wollte mich jedenfalls nicht durch die negativen Bewertungen davon abbringen lassen, diese Story zu lesen.

Die Sprache, in der das Buch geschrieben ist, das sind nicht etwa Schachtelsätze, es ist schlicht der innere Monolog des Ich-Erzählers. Man liest die Gedanken des Erzählers, die entsprechen logischerweise nicht der üblichen Sprache. Verkompliziert wird das durch die Tatsache, dass der Erzähler von verschiedenen Zeitebenen spricht (sich erinnert). Es gibt keinerlei Hilfestellungen, wovon er gerade erzählt, alles muss aus dem Inhalt geschlossen werden (der nicht immer sonderlich zugänglich ist) und kann auch noch springen.

Aus diesem Gedankenstrom die Inhalte der Geschichte zusammenzusetzen kann ganz reizvoll sein. Mir ist es allerdings oft so gegangen, dass ich beim weiterlesen nicht wusste, ob ich eine Seite schon gelesen hatte oder nicht, schliesslich gemerkt habe, dass ich da schon mal war, und dann trotzdem in diesem Abschnitt neues entdeckt habe.

Nach etwa der Hälfte habe ich auch überlegt, aufzugeben, habe dann, um die Auflösung zu erfahren, das Buch nach ein paar Wochen Pause doch noch zu Ende gelesen.

Das Ende ist enttäuschend. Nicht nur das, es macht mich sogar wütend. Da hat der Autor solche Mühe in seinem unüblichen Erzählstil gesteckt, die Physik der stillstehenden Welt beschrieben, aber über die Auflösung hat er anscheinend nur 5 Sekunden nachgedacht. Und ich quäle mich wochenlang durch dieses Buch um schliesslich mit einer 08/15-Auflösung konfrontiert zu werden. Wenn das Buch sonst noch als OK durchgehen würde, das Ende macht es für mich zum schlechten Buch.
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22 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packende, fesselnde Sprachkunst, 24. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Schon lange - eigentlich seit ich nicht mehr zur Schule gehe (und das sind bald zwanzig Jahre) - habe ich mir vorgenommen, endlich mal wieder richtige Literatur zu lesen. Oft genug bin ich daran gescheitert, dass der Geist nach langen Arbeitstagen eher Entspannung sucht, als weitere Anstrengung.

Thomas Lehr schafft es, durch seine ungewohnte, soghafte Sprache, den Leser buchstäblich zu packen und zu fesseln. Er gönnt keine Atempause, schreibt ganze Kapitel, ohne ein einziges Mal abzusetzen. Gewöhnungsbedürftig, herausfordernd, genial.

Kein Buch, das sich dazu eignet, eine oder zwei Seiten am Tag zu Lesen. Ein Buch, das fordert. Eines, das man aufsaugt, das einen einsaugt.

Ich kann nur empfehlen, sich auf mehr einzulassen als die ersten paar Seiten.

Zugegeben: Lehrs Protagonisten entwickeln sich drastisch. Der Leser fragt sich aber ob das so unrealistisch ist...
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Creative Writing fuer Fortgeschrittene, 11. Januar 2006
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: 42: Roman (Gebundene Ausgabe)
Also mit Dan Browns Megabestseller „Angels and Demons“ (dt. Titel „Illuminati“) hat der Roman „42“ von Thomas Lehr nun wirklich so gut wie überhaupt nichts zu tun. Dies könnte der Leser zuerst annehmen, da „42“, ähnlich wie „Illuminati“ in den Anlagen des Kernforschungszentrums CERN seinen Ausgang nimmt. Doch damit erschöpfen sich auch bereits die Gemeinsamkeiten.
Zum Inhalt: Eine Gruppe von 70 Menschen besichtigt das unterirdisch gelegene CERN Institut. Als sie wieder an die Oberfläche zurückkehren, steht die Welt still und die Beteiligten müssen sich damit abfinden ihr Dasein in einer globalen Fotografie zu fristen.
Aus der Sicht des Journalisten Adrian Haffner beschreibt Thomas Lehr wie die Bewohner dieser schönen neuen Welt, auch die „Chronofizierten“ genannt, ihren Alltag verbringen. Einerseits besteht dieser in philosophischen Gedankenspielen über die Relativität der Zeit und vieles mehr, andererseits in der Wahrnehmung von Möglichkeiten, die diese Ausnahmesituation mit sich bringt und welche anschaulich und drastisch im Kapitel „Missbrauch“ beschrieben werden.
Nach fünf Jahren relativer Zeit ereignet sich der RUCK, das heißt, dass für ganze drei Sekunden die Welt aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und ihren normalen Gang nimmt. Dies Ereignis animiert einige der „zeitlich Gestrandeten“ zu einem spektakulären Experiment, um aus ihrem Gefängnis auszubrechen.
Soweit zur Geschichte. Doch der eigentliche Star des Romans ist die Sprache. Lehr schafft wahre Satzmonstren mit einer Vielzahl von Partizipialkonstruktionen und Wortneuschöpfungen, so dass man manchmal den Eindruck gewinnen kann, dass sich ein Teilnehmer eines creative writing Kurses mal so richtig ausgetobt hat. Es sind durchaus viele linguistische Volltreffer dabei, bei denen der Leser beglückt das Buch sinken lässt und darüber staunt, wozu die deutsche Sprache noch fähig ist. Doch einige Male schießt Lehr übers Ziel hinaus und man sich den Gedanken nicht verkneifen, dass der Autor manch gewagtes Sprachexperiment doch besser Thomas Mann und dessen Genie überlassen hätte. Hier ein Beispiel eines typischen Lehrschen Satzes: „Wäre die Sehnsucht nach Karin nicht gewesen und auch nicht der Schmerz und das Schuldgefühl, die sich mit Anna verknüpfen, hätte ich mir vorstellen können, ein Etwas mit ihr anzufangen, ein chronokryptisches Techtelmechtel, den Null-Sekunden-Quickie, den es ja gar nicht gegeben haben würde, wenn es wieder etwas gab, so reizvoll war der Zusammenklang ihrer drallen untersetzten Figur mit ihrer expansiven Intelligenz, als hätte Letztere Erstere aus purem Übermut protzig aufgebläht und als gäbe es nichts intellektuell Anspruchsvolleres als den Disput mit ihren gewiss großen, skeptischen, hellrosafarbenen Brustwarzen“ (116f.).
Fazit: „42“ ist ein Roman, der, die anderen Rezensionen zeigen es, das Publikum spaltet. Wer eine chronologische in einfacher Sprache erzählte Geschichte erwartet, wird den Roman wohl nach einigen Seiten verärgert ins Regal verbannen. Freunde einer intellektuellen Rahmenhandlung, welche in einer experimentellen und anspruchsvollen Sprache erzählt wird, werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Auch wenn das nicht unbedingt heißen muss, dass man sich dem überschwänglichen Lobgesang der Feullitonisten anschließt.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Inhaltsleeres pseudosprachliches Blendwerk, 18. Februar 2010
man soll ja mit superlativen immer vorsichtig umgehen, aber eins kann ich mit sicherheit sagen: wenn es vielleicht auch nicht DAS schlechteste buch ist, das ich je tapfer bis zur letzten seite durchlitten habe, so doch auf jeden fall eines DER schlechtesten. dass ich es nicht schon viel viel eher aus der hand gelegt habe, lag einzig und allein daran, dass es ein geschenk war und eben der zeit wissen "physikkrimi" sein sollte. was sich die redaktion dabei gedacht hat - man weiß es nicht. physik und krimi lässt das buch jedenfalls beide völlig vermissen. science fiction humbug angereichert mit einigen zusammenhangslosen begriffen oder vom autor unverstandenen bildern aus der physik und zwei völlig deplazierten entropie-formeln, die dem ganzen wohl für das ungeübte auge einen mathematisch fundierten look verschaffen sollten, trifft es wohl eher.

das wäre ja noch erträglich gewesen, wenn das buch ansonsten irgendetwas lesenswertes gehabt hätte. die wirre aneinanderreihung von satz- und gedankenfetzen macht mir leider den eindruck, dass hier jemand mit aller macht versucht hat, sich vergeblich als sprachgenie darzustellen. sprachlich ist das buch absolut ungenießbar. hinzu kommt, dass die handlung absolut keinen spannungsbogen aufweist und damit das einzige, was den leser bei der stange hält, sein eigenes durchhaltevermögen ist. davon braucht man ein gerüttelt maß - andernfalls schafft man es unmöglich bis zum ende. ebenfalls extrem unangenehm sind die ständigen anzüglichen und schmierigen anspielungen, ohne die das buch andererseits seiner einzigen - wenn auch geschmacklosen - würze beraubt wäre. den ellenlangen küchenphilosophischen ergüssen über die "zeit" fehlt leider auch jegliche kontur, was sie belanglos werden lässt.

der vorschlag des buches für den deutschen buchpreis und das hohelied vieler kritiker auf diesen schund lässt durchblicken, dass sich eben offensichtlich eine menge literatur"experten" von inhaltsleerem pseudosprachlichen blendwerk viel zu sehr beeindrucken lassen - und wohl leider auch die zeit wissen redaktion.
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42: Roman
42: Roman von Thomas Lehr (Taschenbuch - 18. April 2007)
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