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5.0 von 5 Sternen "So schwankt ein jeder, suchend die Wahrheit " (Boethius)
"Daß, um ein moralisch guter Mensch zu werden, es nicht genug sei, den Keim des Guten, der in unserer Gattung liegt, sich bloß ungehindert entwickeln zu lassen, sondern auch eine in uns befindliche entgegenwirkende Ursache des Bösen zu bekämpfen sei, das haben unter allen alten Moralisten vornehmlich die Stoiker durch ihr Losungswort T u g e n d,...
Veröffentlicht am 16. Februar 2008 von kpoac

versus
1 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was haben der Papst und Barack Obama gemeinsam?
Barack Obama elektrisiert zur Zeit die Massen. Sein gerade auf Deutsch erschienenes Buch "Hoffnung wagen" (Originaltitel: "The Audacity of Hope") ist ein Bestseller und in jeder seiner Reden predigt der Senator aus Illinois sein Evangelium aus Hoffnung und Wandel. Konsequenterweise hat ihn der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe zum Messias" und somit zum legitimen...
Veröffentlicht am 15. Februar 2008 von Michael Dienstbier


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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "So schwankt ein jeder, suchend die Wahrheit " (Boethius), 16. Februar 2008
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Spe salvi - Gerettet durch die Hoffnung (Broschiert)
"Daß, um ein moralisch guter Mensch zu werden, es nicht genug sei, den Keim des Guten, der in unserer Gattung liegt, sich bloß ungehindert entwickeln zu lassen, sondern auch eine in uns befindliche entgegenwirkende Ursache des Bösen zu bekämpfen sei, das haben unter allen alten Moralisten vornehmlich die Stoiker durch ihr Losungswort T u g e n d, welches sowohl im griechischen wie im lateinischen Muth und Tapferkeit bezeichnet [...] zu erkennen gegeben" sagte Kant zu Beginn des zweiten Stücks über die "Religion innerhalb der Grenzen des bloßen Vernunft". Und Kant führt ebenso an, das der Wechsel aus dem Kirchenglauben zum Religionsglauben eine Annäherung an das Reich Gottes sei, das noch abgekürzt durch Revolutionen schneller erreichbar sei, damit zur Naherwartung durch den Vernunftglauben werde. Drei Jahre später im Jahre 1795 spürt Kant im "Ende aller Dinge" nach, das neben dem natürlichen ein verkehrtes Ende aller Dinge eintreten könne, insofern moralische Rücksicht als nicht geboten erscheint.

"Auf Hoffnung hin sind wir gerettet", schreibt Paulus in seinem Brief an die Römer (8, 24) und mit diesem Hintergrund veröffentlicht Papst Benedikt XVI seine zweite Enzyklika mit der Paulus Botschaft: SPE SALVI. Glaube Hoffnung, Liebe, diese drei werden vortrefflich in 1KOR 13 performativ entwickelt. Liebe als Caritas, Agape und Eros ist in der ersten Enzyklika behandelt, Hoffnung und in der Gleichsetzung zu Glauben auch der Glaube hier in dieser zweiten.

Ratzinger gibt sich ganz weltoffen, wissenschaftlich und fordert vom Leser ein gewisses Verständnis psycho-historischer Zusammenhänge. Gerade in der aktuellen Diskussion um Dawkins und Co, die mittlerweile in den Kinderzimmern angekommen ist mit Schmidt-Salomon und seiner Aussage "Wer Gott [nicht] kennt, dem fehlt etwas" findet man bei Ratzinger Antworten und Überlegungen aus dem Kontext der Geistesgeschichte. Streicht man alle Aussagen bei allen, die rein der persönlichen Zielsetzung folgen, ist Ratzinger der einzige, der ohne Polemik auskommt. Hier wird deutlich, dass Überzeugung aus dem Willen zur Vernunft und aus dem Gedanken der Freiheit ein Maß an Brillanz gewinnen kann, dem nicht jeder fähig ist zu folgen. Wer Gott nicht kennt, kann zwar vielerlei Hoffnungen haben, bleibt aber im letzen ohne Hoffnung, die das ganze Leben trägt (vgl. Eph 2,12) Jedoch in der Theodizeefrage und den Ausführungen des Atheismus des 19. und 20. Jahrhunderts macht Ratzinger deutlich, das der Anspruch, der Mensch müsse nun das tun, was Gott versäumt habe, von Innen heraus unwahr sei, denn wenn eine Welt sich aus sich selbst heraus Gerechtigkeit schaffen muss, ist sie ohne Hoffnung, die in ihrer Stärke und Wirkung nur außerhalb der Welt liegen kann. Mit Horkheimer nennt er einen Zeugen, der selbst bestreitet, Ersatz für Gott finden zu können, obwohl er das Bild des gütigen Gottes ebenso verneint.

Mit Derrida, der in der Komplexität seines Denkens Unvereinbares versuchte in sich zu vereinen, ist sich der Mensch letztendlich sicher, dass er nicht von der Dekonstruktion alleine lebt, sondern das im Augenblick der Zerstörung des einen Weltbildes ein nächstes wird sich etablieren müssen. Und so verweist Ratzinger auf die aufkommende Wissenschaft als Ersatzreligion, beginnend mit Francis Bacon, durch den eine neue Zeit "zu einer gesetzmäßigen Auslegung der Natur" führte und endlich der "Sieg der Kunst über die Natur" gefeiert werden konnte. Wissenschaft ermöglicht in neuer Sichtweise eben die mit dem Sündenfall verlorene Herrschaft über die Kreatur erneut. Die bisher aus dem Glauben immanent gefühlte Erlösung wird nun von der Wissenschaft und deren Praxis erwartet. Vernunft und Freiheit beherrschten als System das Denken und in ihrer Konsequenz überwanden sie alle Abhängigkeiten, so dass das Reich des Menschen, das Neue Altantis, seit Platons Timaios bekannt, seine Geburt feiern konnte. Und dieses Reich des Menschen wurde von der Naturwissenschaft erschaffen im Wissen um Vernunft und Freiheit und erobert durch die Politik der Herrschaft des Proletariats, in dem es glaubend machen konnte, dass allen Gleiches und gleich Gutes widerfährt.

Wie Dostojewski in den Brüdern Karamasov brillant bestätigt, bleibt der Mensch immer Mensch und in seiner ihm immanenten Freiheit ist die Freiheit des Bösen. Heilserwartungen in dieser seiner Welt sind spürbar nah und das Prinzip Hoffnung auf eine außerhalb ihm stehende Welt im Materialismus nicht möglich. Was dürfen wir hoffen? diese Frage stellte sich erneut und Ratzinger versteht es, seine Kritik am reinen Historismus wie auch am Christentum gleichermaßen hervorzubringen. Wenn Adornos Fortschrittsglaube der einzige sei, wäre dem Christentum eine Botschaft abhanden gekommen. Denn Fortschritt benötigt die parallele Entwicklung der moralischen Bildung des Menschen, den Mut nach Kant und damit eine Tugend, die das Wachstum des inneren Menschen ermöglicht. Ratzinger schließt daraus: Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos. Dass ein Reich Gottes ohne Gott existieren kann, also als Reich des Menschen allein, zeigt sich als haltlos, denn dieses endet unausweichlich in das Kantsche "verkehrte Ende aller Dinge".

"Es gibt Augenblicke, in den wir plötzlich spüren: Ja, das ist das wahre Leben, so müsste es sein". Ratzinger führt so zu einer anderen Sichtweise von Ewigkeit, die nicht mehr zeitliche Bedeutung hat, sondern in der Ewigkeit des Augenblicks verhaftet bleibt. Dieser faustische Pakt ist, wie bei Goethe nachzulesen, der Moment des Todes. Faustens "Verweile doch" stoppt die Zeit und macht sie zum Augenblick, seine Seele verliert er an Mephisto, sein Leben ist damit beendet. Im Augenblick des Todes scheint hier die Ewigkeit zu liegen. "Die Zeit, die bleibt", wie Agamben diese messianische Zeit nannte. Auch wenn man hier Romain Rollands ozeanisches Gefühl wieder aufzuspüren meint, erzeugt diese Sichtweise weitere Fragen.

Christliche Hoffnung in Verbindung zur Freiheit zeigt Ratzinger dort nahezu emphatisch:

"Der moralische Schatz der Menschheit ist nicht da, wie Geräte da sind, die man benutzt, sondern ist als Anruf an die Freiheit und als Möglichkeit für sie da. Das aber bedeutet:
a) Der rechte Zustand der menschlichen Dinge, das Gutsein der Welt, kann nie einfach durch Strukturen allein gewährleistet werden, wie gut sie auch sein mögen. Solche Strukturen sind nicht nur wichtig, sondern notwendig, aber sie können und dürfen die Freiheit des Menschen nicht außer Kraft setzen. Auch die besten Strukturen funktionieren nur, wenn in einer Gemeinschaft Überzeugungen lebendig sind, die die Menschen zu einer freien Zustimmung zur gemeinschaftlichen Ordnung motivieren können. Freiheit braucht Überzeugung; Überzeugung ist nicht von selbst da, sondern muß immer wieder neu gemeinschaftlich errungen werden.
b) Weil der Mensch immer frei bleibt und weil seine Freiheit immer auch brüchig ist, wird es nie das endgültig eingerichtete Reich des Guten in dieser Welt geben. Wer die definitiv für immer bleibende bessere Welt verheißt, macht eine falsche Verheißung; er sieht an der menschlichen Freiheit vorbei. Die Freiheit muss immer neu für das Gute gewonnen werden. Die freie Zustimmung zum Guten ist nie einfach von selber da. Gäbe es Strukturen, die unwiderruflich eine bestimmte - gute - Weltverfassung herstellen, so wäre die Freiheit des Menschen negiert, und darum wären dies letztlich auch keine guten Strukturen".

Ratzinger schließt mit der Praxis des Gebetes als Übungsort der Hoffnung.. Tun, Leiden und Gerechtigkeit sind die weitern. Boethius nannte im fünften Buch seiner con-solatio über den "Trost der Philosophie" Gebet und Hoffnung als einzigen Verkehr zwischen Gott und Mensch Und den Zweifel und das Wissen verbindend sagt er weiter:
Er hält das Ganze, verlor nur die Teile, / So schwankt ein jeder, suchend die Wahrheit, /
Keinem gehört sie ganz, weiß nicht alles, / Und ist nicht völlig getrennt vom Wissen.

Conclusio: Eine Enzyklika, die den Zeitgeist trifft, die den Zeigefinger geschickt verbirgt und an Vernunft und Denken appelliert. Brillant in den Zusammenhängen fordert er den Leser, doch Ratzinger überfordert nie durch eine unverständliche Sprache. Damit ein Gewinn in jeder kritischen Diskussion um den Wert und die Zukunft des Zeitgeistes, des Glaubens und der Hoffnung.
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1 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Was haben der Papst und Barack Obama gemeinsam?, 15. Februar 2008
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Spe salvi - Gerettet durch die Hoffnung (Broschiert)
Barack Obama elektrisiert zur Zeit die Massen. Sein gerade auf Deutsch erschienenes Buch "Hoffnung wagen" (Originaltitel: "The Audacity of Hope") ist ein Bestseller und in jeder seiner Reden predigt der Senator aus Illinois sein Evangelium aus Hoffnung und Wandel. Konsequenterweise hat ihn der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe zum Messias" und somit zum legitimen Nachfolger Jesu erklärt. Was die Amis können, kann ich doch schon lange, dachte sich da unser Papst aus Bayern und gab der zweiten Enzyklika seiner Amtszeit den Titel "Spe salvi", Hoffnung auf Rettung. Doch wer in den Seiten eine Erklärung dafür sucht, warum Hunderttausende von Menschen auf den Straßen Fähnchen schwingen und entrückt "Benedetto" jubeln, wird enttäuscht. Hier werden altbekannte christlich-katholische Dogmen aufgezählt, die man halt glaubt, wenn sie einem anerzogen wurden, oder halt nicht.

Das Kernanliegen der Enzyklika liegt, natürlich, in einer Rechtfertigung des christlichen Glaubens, welcher allein den Menschen Hoffnung geben könne und somit das Leben erst lebenswert mache: "Wir brauchen die kleinen oder großen Hoffnungen, die uns Tag um Tag auf dem Weg halten. Aber sie reichen nicht aus ohne die große Hoffnung, die alles andere überschreiten muss. Diese große Hoffnung kann nur Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir alles nicht vermögen" (71). An anderer Stelle formuliert Ratzinger prägnant: "Glaube ist Substanz der Hoffnung" (36). Verwirrend ist allerdings die Behauptung, dass das Phänomens des Glaubens an sich bereits ein Gottesbeweis sei: "[D]er Glaube ist die Substanz der Dinge, die man erhofft; Beweis für nicht Sichtbares" (28). Ratzinger behauptet also, dass die Existenz Gottes doch bereits durch den Glauben an ihn bewiesen sei. Dies müsste dann aber doch für jede Art von Glauben gelten, ob man nun an Gott, Wotan, Odin oder das fliegende Spaghettimonster glaubt.

Der Glaube ist für den Autor so wichtig, da doch einfach nicht sein kann, was nicht sein darf, nämlich das der Mensch kein gewolltes Produkt Gottes, sondern lediglich eines auf Evolution beruhenden Prozesses ist: "[N]icht die Gesetzt der Materie und der Evolution sind die letzte Instanz, sondern Verstand, Wille, Liebe - eine Person. Und wenn wir diese Person kennen, sie uns kennt, dann ist wirklich die unerbittliche Macht der materiellen Ordnung nicht mehr das Letzte, dann sind wir nicht Sklaven des Alls und seiner Gesetze, dann sind wir frei [...]. Das Leben ist nicht bloßes Produkt der Gesetze und des Zufalls der Materie" (24). Immer und immer wieder wird von religiöser Seite behauptet, dass wir, die Menschen, doch nicht einfach nur das Ergebnis eines zufälligen Prozesses sein können. Und immer und immer wieder muss man sagen: Das sagt doch auch keiner, und Darwin am allerwenigsten. Der Prozess der natürlichen Selektion ist genau das Gegenteil von Zufall. Ferner kann so erklärt werden, warum das, welches so erscheint, als sei es erschaffen worden, das Produkt eines ziellosen auf natürlicher Selektion beruhenden evolutionären Prozesses ist. Wobei ziellos aber eben nicht mit zufällig zu verwechseln ist. Dieses Prinzip ist wunderbar in den Büchern "The Selfish Gene" sowie "The Blind Watchmaker" von Richard Dawkins dargestellt.

Wirklich bedenklich wird es, wenn Ratzinger sich mit dem Theodizeeproblem, also der Frage, warum es trotz eines allmächtigen und guten Gottes so viel Leid auf der Welt gibt, widmet: "Zur menschlichen Existenz gehört das Leiden ebenso wie das Tun. Es folgt zum einen aus unserer Endlichkeit, zum anderen aus der Masse an Schuld, die sich in der Geschichte angehäuft hat und auch in der Gegenwart unaufhaltsam wächst" (80). Für mich ist das blanker Zynismus. Das Leid einzelner Menschen durch eine angehäuft Masse an kollektiver Schuld zu erklären, ist schlicht und einfach nicht zu akzeptieren. Schuld ist niemals kollektiv, immer nur individuell. Den offensichtlichen Widerspruch zwischen einem allmächtig-gütigen Gott und Tatsachen wie Auschwitz oder Darfur so kitten zu wollen, verschlägt jedem halbwegs humanistisch denkenden Menschen geradezu den Atem.

Fazit: Alle gläubigen Menschen, ob Katholiken oder Protestanten, sollten dieses Buch lesen, um zu sehen, wie das Oberhaupt der katholischen Kirche denkt und argumentiert. Das ist teilweise nämlich harter Tobak. Mir persönlich liegt der Messias aus Illinois auf jeden Fall mehr am Herzen.
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Spe salvi - Gerettet durch die Hoffnung
Spe salvi - Gerettet durch die Hoffnung von Benedikt XVI (Broschiert - Januar 2008)
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