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Kundenrezensionen

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am 19. Dezember 2005
Ich habe schon viele Mittelalter-Romae gelesen, gute und weniger gute. Dieses Buch fegt sie allesamt beiseite. Mit ungeheurer Sprachgewalt, einem selten klaren Blick auf die Schrecken und Freuden dieser Zeit, mit einfühlsamer Präzision bei der Darstellung der damaligen Menschen und mit einer großen Liebe zur dargestellten Landschaft entfaltet von Niebelschütz ein kenntnis- und facettenreiches Panorama der mittelalterlichen Provence, deren Geschichte er auf die Lebenszeit des anfänglichen Schäfers und nachmaligen Fürsten Barral komprimiert. Dieser Mann wandelt sich zum Titanen, dessen Leben trotz furchtbarer Schläge am Ende fast pharaonische Züge annimmt.
Ein Warnhinweis sei angebracht:
Die Sprache sowie die Bildwelt dieses Buches sind nicht jedermanns Sache. Wer sich vor allem an lingusitschem Fastfood zu erfreuen pflegt (wie es zB in den deutschen Übersetzungen von Dan Brown durchaus kunstfertig serviert wird), der sollte die Finger von Niebelschützens Büchern lassen: Hier wird tief in den deutschen Sprachschatz gegriffen, werden alte, wenig geläufige Stilformen kulitiviert und es wird an drastischen Bildern nicht gespart. Politische oder moralische Scheuklappen waren dem Autor ganz offensichtlich verhaßt.
Die Kinder der Finsternis ist kein gemütlicher Schmöker. Wer den Zugang zu diesem Buch gefunden hat, der taucht ein in eine heiß-kalte Welt voller Leidenschaften und Gegenlätze, eine fremdartig-vertraute Vergangenheit, in der die Maßstäbe unseres Denkens gezimmert wurden.
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am 15. Dezember 2007
Es ist schwer, dem Buch ohne Superlative gerecht zu werden. "Literarisches Fallbeil", allerdings.

>>> Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen. Die Mur war hinabgemalmt mit ihm und seinem Karren und seinen Maultieren und seiner Geliebten, unter ihm fort, über ihn hin, als schmettere das Erdreich ihn in den Schlund der Hölle, kurz vor Anbruch der Nacht.

Fünf Stunden donnerten die Gießbäche, Felsen und Schuttlawinen; die Bergflanke bebte. Fünf Stunden kauerte die Geliebte neben dem Gehaßten, unverletzt, naß bis zur Haut, frierend, obwohl es warm war. Fünf Stunden schrien und keilten hufoben die Mulis und rüttelten durch das verknäulte Geschirr den Wagenkasten, der ohne Räder hintüber auf dem Steinmeer saß, bedeckt von grauenvoller Dunkelheit.

In der sechsten hob sich die Regenbank, der Mond jagte hinter finsteren Schleiern und bestrahlte im Winkel den weich lehnenden Leichnam, dessen Blicke erglitzerten, loschen, glitzerten. Sein höhnisch zudringliches Schillern steigerte die Angst der Verlassenen. Aus Angst, er sei nur betäubt gewesen, wagte sie nicht, ihm die Lider zu schließen; aus Angst vor den Muren wagte sie keine Flucht. Zwanzig Klafter tiefer gischtete der Wildfluß, Ziel aller Wächten und Tobel. Wohin flüchten? zu wem? Niemandem konnte sie begegnen, der nicht Böses vorhatte, niemand in der Mauretanischen Mark öffnete nachts ein Haus, die Nächte waren von Raubkatzen durchschlichen. Nicht einmal wehren konnnte sie sich: Dom Firmians Schwertgurt, beim Fallen hinausgeschleudert, ruhte unter Klötzen begraben am Grunde der Schlüfte. Auch beten konnte sie nicht mehr, hatte der Bischof doch alles Fromme in ihr zunichte gemacht. <<<

Bald tritt die Hauptfigur auf, der Teufel. Oder doch ein junger, nackter Schäfer auf seinen Stelzen? Es kommt zum Beischlaf, und damit zu allem anderen.

Es gibt Autoren, die würden für so eine Exposition ihre Mutter verkaufen. "Fünf Stunden kauerte die Geliebte neben dem Gehaßten," wow.

Mir fällt Schlafes Bruder ein. Was dort bloß wie ein fetter Kratzer auf der Linse ist und vollkommen scheitert, nämlich die sprachliche Darstellung einer anderen Zeit, gelingt hier vollkommen. Kantig, dicht, schauderhaft schön, begabt mit Rhythmus und einer Bilderwelt von epischem Ausmaß. Kino im Kopf mit einem Meisterregisseur.
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am 12. September 2001
Ein unbekannter Großer der deutschen Literatur. Empfehlenswert auch "Der blaue Kammerherr" vom gleichen Autor. Wenn auch die Sprache möglicherweise gewöhnungsbedürftig ist, bereitet sie m.E. dennoch nicht so viel Mühe wie das Spätwerk Thomas Manns. "Saft und Kraft", hier durchaus nicht spöttisch gemeint, ungeheurer Kenntnisreichtum und eine Erzählkraft, wie sie deutschen Autoren keinesfalls häufig eignet, zeichnen dieses Buch aus. Ich hoffe, dass der Literaturunterricht an deutschen Schulen das Werk mittlerweile entdeckt hat.
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am 25. Juli 2010
'Die Kinder der Finsternis' habe ich mit 16 entdeckt und es hat mir in der Jugendzeit wohl die wichtigste Ahnung vermittelt darüber, was lebendige Sprache sein kann. Vermutlich hat es mich von Anfang an immunisiert gegen vieles, was so als zeitgenössische Literatur gilt.

Noch immer frage ich mich, wieso noch niemand einen Film aus diesem Buch gmacht hat, - aber es wäre vermutlich gar nicht möglich, denn der Sinn des Buches ist untrennbar verbunden mit DIESER SPRACHE. Eigentlich müßte man es laut lesen! (Aber nicht einer dieser arbeitslosen Jungschauspieler, Stichwort: Hörbücher!)
Es ist sehr, sehr tröstlich für mich, wenn ich hier all die treffenden Rezensionen lese. Es gibt noch Hoffnung für die deutsche Sprache.
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am 24. Juli 1999
Liest man einen Roman, der im Mittelalter spielt, kann man davon ausgehen, dort auf hervorragend recherchierte Darstellungen über das Leben in der damaligen Zeit zu treffen, und doch stellt sich dieses Leben bei genauerem Hinsehen oft als bloße Übertragung der heutigen Verhältnisse heraus. Anders ist es mit dem Roman "Die Kinder der Finsternis". Es handelt sich hierbei nicht um einen Bestseller von der Stange irgend eines Fließbandautors, sondern um das Lebenswerk eines wahrhaftigen Dichters. Wolf von Niebelschütz nannte sein Werk "Ein Märchen aus dem 12. Jahrhundert" und meint damit die plausibelste mir bekannte Darstellung über die Vorgänge, das Leben und - und das unterscheidet diesen Roman von anderen - die Menschen des Mittelalters. Er läßt das Spannungsfeld, in dem die Helden leben, plastisch auferstehen: Gottesfurcht und Aberglaube, Todesangst und Lebensfreude, schwärzester Nacht und den satten, hellen Farben der Provence. Wer dieses Buch zur Hand nimmt, taucht tief ein in das Mittelalter, in eine Zeit, in der unsere Welt noch eine andere war. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 6. Dezember 2004
Wenn es einen "Mittelalterroman" gibt, dann ist es dieser. Danach kommt "Der Name der Rose" und dann ist erstmal Schluß.

Die Geschichte: Ein Schäfer kämpft sich durch die intrigante Welt der Herren und die Schöße schöner Frauen. Am Ende schafft er den unglaublichen Aufstieg vom Hirten zum Fürsten. Ein Ritter-, Räuber- und Liebesroman mit viel Blut und Lust und Leid.

Bei Niebelschütz geht es nicht einfach darum, eine Geschichte möglichst spannend zu erzählen. Die Sprache ist Teil des Romans und dadurch wird das Buch zur Zeitmaschine. Ein Sprachwunderwerk. Ein literarisches Fallbeil.
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am 18. November 2013
Schachtelsätze sind nur ein Teil der Stilmittel, die Niebelschütz benutzt hat. Es gibt auch durchaus Passagen, in denen er die hohe Kunst des Weglassens gepflegt und die Würze in der Kürze gesucht und gefunden hat. Da werden auch schon mal von einem Satz zum nächsten ein paar Jahre übersprungen, ohne dass man das Gefühl hat, es fehle etwas. Konzentriert lesen sollte man es schon, aber das betrachte ich durchaus als Qualitätsmerkmal.
Es ist die pure Lust an sprachlicher Vielfalt, die mir dieses Buch so wertvoll macht, dass ich es immer wieder empfehle als eins der Dinge, die man in diesem Leben noch erlebt haben sollte.
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am 28. Februar 2012
Wenn man sich einmal auf eine Zeitreise begeben möchte, Historisches sozusagen aus erster Hand erleben möchte, dann ist dieses Buch das geeignete Vehikel. Die Beschreibungen sind derart lebendig und vielschichtig, dass ein Leser der heutigen Zeit diese fast nicht aufbringen kann. Natürlich ist die Sprache "alt", aber gerade die Sprache hilft beim Eintauchen in die Vergangenheit.

Fazit: Wer geschichtsbewandert ist und Zeit und Geduld hat, für den eröffnet sich hier ein Schatzkästlein!!
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am 22. Dezember 2003
Wolf von Niebelschütz schrieb das Buch nach dem Krieg, also in einer Zeit, in der alles Düstere, Gewalttätige und Wahrhaftige nicht gerade boomte. So eigen der Autor und die Entstehungsgeschichte des Buches, so einzigartig auch der Roman. Es erzählt nicht nur die spannende und halbfiktive Geschichte vom Aufstieg des provenzalischen Hirten Barral. Es beschränkt sich nicht nur auf sehr gut recherchierte Schilderungen mittelalterlichen Lebens. Es deckt vor allem die komplexen Machtspiele politischer und kirchlicher Amtsträger auf, die auch heute noch aktuell sind. Ein rundum herausragendes Werk.
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am 8. Oktober 2014
Habe das Buch in guter Qualität erhalten.

Der Roman ist ein Ausflug in die Welt des Mittelalters, dem Kampf zwischen weltlicher und kirchlicher Macht. Die Sprache schafft eine mittelalterliche Atmosphäre und verleiht dem Buch eine besondere Stimmung, auch wenn sie manchmal scher zu verstehen ist. Ein außergewöhnliches und lesenswertes Buch.
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