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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Stark gekürzte Ausgabe gegenüber dem Original von 1968, 6. April 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. (Gebundene Ausgabe)
Sebastian Haffners brilliante Analyse: "Der Teufelspakt": 50 Jahre deutsch-russische Beziehungen" ist zuerst im Rowohlt-Verlag 1968 erschienen. Das Buch ist deshalb so interessant, weil es die Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Kaiserreich und Lenin erstmals detailliert aufgezeichnet hat. Dieses Thema ist mittlerweile wieder aktuell geworden. Gerd Koenen hat in seinem preisgekrönten Werk: "Der Rußland-Komplex" im Jahre 2005 Haffners Erkenntnisse wiederholt und erst im vergangenen Jahr hat der "Spiegel" ein Heft mit dem Titel: "Die gekaufte Revolution: Wie Kaiser Wilhelm II. Lenins Oktoberrevolution mitfinanzierte" geschrieben. Das Kapitel findet sich heute - verfasst von Klaus Wiegrefe auch im Spiegel-Spezial-Heft Geschichte: "Experiment Kommuinismus" (eine hervorragende Zusammenfassung der Geschichte des kommunistischen Rußlands zwischen 1917 und 1991) unter Kapitel 1: "Die Deutschen und die Revolution." Wiegrefe stützt sich hier auf die gleichen Quellen - und natürlich noch neuere - auf die sich schon Sebastian Haffner stützen konnte. Und hier zeigt sich die Brillianz Haffners: letztlich erfährt man aus Wiegrefes Artikel nicht wesentlich "Neues", wenn man Haffners Analyse von 1968 schon gelesen hat - und dies spricht für Haffner.

Der Manesse-Verlag hat sich allerdings entschieden, Haffners ursprüngliches Werk massiv zu kürzen. Die Manesse-Ausgabe enthält ungekürzt lediglich die Kapitel 1 bis 6 (Deutschland und die russische REvolution, Brest-Litowsk, Der Strick und der Gehängte, Rußland und die deutsche Revolution, Rapallo, Die Reichswehr und die Rote Armee). Das Kapitel 7: "Hitler und Stalin" findet sich im Manesse-Verlag stark gekürzt, in der Original-Ausgabe ist das Kapitel in 2 Teile
geteilt: "Hitler und Stalin", "Pakt und Krieg". Die Motive Stalins zu den Massen"säuberungen" und -vernichtungen nach 1934, die Haffner in Zusammenhang mit dem geplanten "Schwenk" der Stalinschen Außenpolitik gegen den Westen und zugunsten Hitlers interpretiert, findet sich in der Manesse-Ausgabe ebenso wenig wieder wie die Beschreibung der Affaire Tuchatschewski, der 1937 von Stalin - aufgrund ihm zugespielter Falsch-Informationen durch Heydrich - mitsamt der Spitze der Roten Armee ermordet wurde. Auch das erschütternde Kapitel 9: "Die Deutschen in Rußland", in welchem der Vernichtungskrieg der Deutschen gegen die russische Bevölkerung, aber auch die Funktion der russischen Wlassow-Bewegung, einem - im nachhinein gescheiterten - Versuch russischer Generäle, ein Bündnis zwischen Deutschland und russischen antistalinistischen und antikommunistischen Offizieren zustande zu bringen - fehlt in der Ausgabe des Manesse-Verlages. Dies bleibt mir unverständlich und daher gebe ich einen Punkt Abzug.

Sehr gut verstehen kann ich allerdings, dass der Manesse-Verlag darauf verzichtet hat, die nach 1945 spielenden Kapitel: "Die Russen in Deutschland, Adenauer, Ulbricht und Moskau, Die Berlin-Frage und die Folgen" abzudrucken. Sie sind nicht mehr von der klaren brillianten Analyse der ersten Kapitel geprägt und enthalten viele Elemente, die aus der damaligen Situation (1968) heraus interessant, heute aber eher unwichtig geworden sind, da sie sich mit der Deutschen Einheit erledigt haben und unzutreffende Spekulationen, etwa in Bezug auf die Motive Stalins in Bezug auf seine berühmte Note von 1952.

So ist es ein Verdienst des Manesse-Verlages, durch die Kürzungen eine heute noch mustergültige Analyse der deutsch-russischen Beziehungen zwischen 1914 und 1945 vorgelegt zu haben, eine Analyse, die erst durch Gerd Koenens obiges Buch aktualisiert und übertroffen wurde.

Und da Haffner sehr anregend schreibt - er hat die Fähigkeit, das Wichtige vom unwichtigen zu trennen, das Wesentliche herauszuarbeiten und spannend wie ein Roman darzustellen (nicht umsonst sagt er, die Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen in dieser Zeit sei "spannender wie ein Roman") lohnt sich die Lektüre dieses Buches von 1968 - auch in der gekürzten Fassung des Manesse-Verlages von 1988 - immer noch. Es schildert grundlegend die wesentlichen Stationen der so wechselvollen Beziehungen Rußlands und Deutschlands zwischen 1914 und 1945, die mit dem "Teufelspakt" zwischen dem Kaiserreich und Lenin 1917 begann und mit dem "Teufelspakt" von 1939, dem Hitler-Stalin-Pakt, einen Höhepunkt fand, der dann zum blutigen Finale, dem Krieg zwischen Deutschland und Rußland 1941 bis 1945 führte, der unzweifelhaft ein Angriffskrieg Hitlers gewesen ist. Dies hat Haffner, dessen Buch zunächst beim Erscheinen von der damaligen sowjetischen Führung zutiefst abgelehnt worden war (weil eben die geheime Zusammenarbeit zwischen Lenin und dem Kaiserreich erstmals enthüllt worden war) glänzend herausgearbeitet.

Wer also über die deutsch-sowjetischen Beziehungen zwischen 1914 und 1945 genau informiert werden möchte, der kommt an Haffners Buch - wie auch an dem von Gerd Koenen aus dem Jahre 2005 - nicht vorbei. Dass Haffners Buch heute noch so aktuell erscheint wie 1968, zeigt die Fähigkeit dieses Autors, durch brilliante Analyse wegweisend zu wirken. Und dies hat er - auch mit diesem Buch - getan.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie aus Politik Geschichte wird, 23. Juli 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. (Gebundene Ausgabe)
Immer wieder staune ich, wie Sebastian Haffner es schafft, komplexe Zusammenhänge so einfach und natürlich darzustellen. Die gemeinsame Geschichte der Deutschen und Russen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist ganz bestimmt verzwickt, verworren, widersprüchlich. Bei Haffner liest sie sich wie ein Roman. Ganz einfach unglaublich!
Es geht darum, wie Deutschland die Große Revolution in Russland initialgezündet hat, indem es Lenin aus der Schweiz eingeschleust hat. Wie kam man bloß auf diese Idee und woher hatte man die (berechtigte) Hoffnung auf deren Erfolg?
Es folgt die Geschichte (vor allem die Vorgeschichte dazu ist interessant!) des für die Russen jammervollen Friedens von Brest-Litowsk; dieser ist aber nicht die einzige schwere Demütigung, die das große Russland einstecken musste.
Haffner erklärt, warum die Deutsche Revolution von 1918/19 wider Erwarten scheiterte, obwohl sie mehr Chancen zu haben schien als die Russische.

Deutschland und Russland waren bestimmt keine guten Freunde, eher das Gegenteil, doch sie waren auf seltsame Weise aufeinander angewiesen. Und das immer wieder. Der Vertrag von Rapallo zeigt das (besonders durch Haffner) ganz deutlich: Hier verbanden sich zwei Kriegsverlierer, zwei Geächtete, um sich gegen den siegreichen Westen zu stärken. Vermutlich beeinflusst der "Rapallo-Komplex" die Politik bis in die heutige Zeit. Rapallo war vielleicht nicht der Beginn, aber doch eine wesentliche Erleichterung dafür, dass Deutschland sein schwere Militärmaschinerie und seine Flieger in Russland ausprobieren und trainieren konnte, was ihm ja durch den Vertrag von Versailles verboten war.
Haffner erklärt auch das seltsame Faktum, dass die Kommunisten von 1928 bis 1933 die Sozialdemokraten wesentlich vehementer bekämpften als die aufstrebenden Nationalsozialisten.
Das letzte Kapitel behandelt das Verhältnis der beiden Großmächte unter Hitler und Stalin. Diese Beziehung wird einmal aus deutscher, dann aus russischer Sicht dargestellt - es ist schon sehr interessant, wie (Macht-)Politik betrieben wird und welche die Motivationen des Handelns sind.
So wird Geschichte gemacht und durch Sebastian Haffner wird sie wunderbar dargestellt.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen klare Gedanken - flüssig portiert, 7. Januar 2010
Von 
Urs Wilke (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. (Gebundene Ausgabe)
Typisch Haffner, flüssig zu lesende Gedanken zur deutschen Geschichte.
Wer den Kalten Krieg und den II. WK verstehen will, kommt um ein Verständnis des I. WK`es und das spezielle deutsch-russische Verhältnis nicht herum.
Auch konservativen West-Berlinern wird ein neue Sichtweise vermittelt, die zum Nachdenken über die Rolle der Sozialdemokratie, der Reichswehr und z.B. über Ernst Reuter (Volkskommisar der Wolgadeutschen) anregt.
Was hat hier mein Schulsystem versagt, x-Mal Judenverfolgung und 3.Reich, aber die Hintergründe im einstelligen Stundenbereich abgehandelt.
Wie soll man jemals aus der Geschichte lernen, ohne die Ursachen vermittelt zu bekommen.
Unbedingt lesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grad in der Kürze: Großer Haffner, 28. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. (Gebundene Ausgabe)
Den vielen lobenden Worten zur Darstellungskunst Haffners sei hier nichts weiter hinzugefügt. Nur ein Wort zu dem Hinweis, der Manesse-Verlag habe Haffner stark gekürzt:
Gewiss, ich habe jetzt diese gekürzte Fassung gelesen und ich kann den Verlag nur loben. Auch damit ist ein wunderbar lesbares Gesamtwerk entstanden. Es kann sogar sein, dass in dieser Fassung die Fähigkeit Haffners selbst komplexe Zusammenhänge prägnant und sozusagen auf den Punkt genau zu formulieren, noch stärker deutlich geworden ist. Jedenfalls, wie hier im kleinen Buchformat auf 150 Seiten der "Teufelspakt" zwischen dem einstigen deutschen Kaiserreich und den Kommunisten unter Lenin und Trotzki beschrieben wurde, das ist für mich höchste Form der Geschichts-Schreibung: Aufregend und anregend zugleich. Und dazu in kompakter Form. Zur Nachahmung empfohlen...Gerade in dieser Kürze: ein großer Haffner!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über das Bündnis Deutschlands mit der bolschewistischen Revolution....., 5. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Teufelspakt fing alles an, nur so könne die verdrängte Geschichte deutsch-russischer Verstrickung aufgerollt werden.
Als Hitler 1941 Russland angriff begann er sein eigenes grosses Reich zu zerstören.
Hintergründe und Fragmente sind wichtig um Geschichte als Grosses Ganzes verstehen zu können aber sie fehlen in den Geschichtsbüchern. Der Autor schildert sie anaschulich aber sehr sachlich.

Derart interessant geschilderte Geschichte liest sich im Fluge und lesen sollten das Buch alle, die aus der Vergangenheit lernen wollen, für die Geschichte nicht vergessen zurückbleibt. Mich hat diese Lektüre angeregt mehr von diesem Autor zu lesen was sich eindeutig lohnt, da er befähigt ist seine grosse Sachkenntnis
gut verständlich weiterzuvermitteln. Zur Lektüre unbedingt von mir empfohlen.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte sehr spannend und verständlich vermittelt, 15. März 2001
Von Ein Kunde
Sebastian Haffner versteht es, die komplizierten Verstrickungen der deutsch-russischen Verhältnisse zwischen den Weltkriegen spannend und verständlich zu vermitteln, ohne den Leser mit zuvielen Einzelheiten zu überschütten. Außerdem verhindern eingeschobene "nette" informative Annekdoten ein Abgleiten in trockene Geschichtsbeschreibung a la "dann passierte das, aus diesen Gründen, was Folgendes nach sich zog". Ich persönlich kann dieses Buch jedem empfehlen, der ein Interesse an Geschichte hat, ohne jede Einzelheit wissen zu müssen.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte, die fesselt, 14. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. (Gebundene Ausgabe)
In diesem Buch beschreibt Haffner die Beziehungen Deutschlands und Rußlands in seinem ihm typischen, spannenden Erzählstil, der einen einfach fesselt. Sebastian Haffner versteht es, dem Leser die geschichtlichen Beziehungen der beiden Länder näherzubringen und versteht es meisterhaft, geschichtliches und politisches interessant zu erklären. Ganz besonders fasziniert hat mich die Darstellung der militärischen "Zusammenarbeit" der beiden Länder nach dem ersten Weltkrieg, die insbesondere im zweiten Weltkrieg seine Spuren hinterließ. Obwohl das Buch nicht besonders dick ist, enthällt es eine Fülle von Informationen. Insgesamt kann man es nur wärmstens ans Herz legen.
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13 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unerwartete Erkenntnisse eines seriösen Historikers, 16. Juni 2003
Von 
silbertanne4 "silbertanne" (Offenbach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. (Gebundene Ausgabe)
Spannend und einfach lesbar geschrieben. Z.B.
- Deutschland hatte im 1. Weltkrieg das zaristische Russland als Gegner und an den Westfronten meistens eingekesselte glücklose Defensive. Um Russland als Gegner/Ostfront wegzubekommen umwarb das Kaiserliche ! Deutschland lange Zeit den Revolutionär Lenin, der Russland von innen zersetzen sollte in seinem Züricher Exil. Persönlich. Erst 1917 kam es zwischen den ungleichen Bolschwiken & den adeligen deutschen Generälen zum Pakt von Brest-Litowsk. Unfangreiche finanzielle Leistungen flossen in die bolschewist. Kasse, von Berlin kam das Geld.
- Als Russland innerhalb des Bürgerkrieges fast ganz am Boden lag, eroberten Deutsche Divisionen große Teile Russlands, verbündeten sich zeitweise mit den Menschewiki. Da die westlichen Entente-Mächte auf Seiten der Weißen waren, verbündeten sich die Deutschen schnell wieder mit den Bolschewiken. Für die von allen Seiten (Entente, Weiße, revolutionäre Gegener, zaristische Armeen ...) eingekesseleten Bolschewiken gab es 1917 kaum noch einen Schimmer von Hoffnung. Vor allem Deutschland glaubt nie an einen Sieg der Revolution. Trotzki und Lenin setzten auf die Deutschen als letzte Hoffnung. Diese unterstützten ihren Kampf und bekamen und bekamen in einem neuen Vertrag große Teile Russlands und angrenzender Gebiete zugesichert. Deutschland hatte im Osten somit einen phänomenalen Landgewinn, eine Art Sieg (mit Friedensvertrag von Lenin unterzeichnet) bekommen. Die Truppen im Osten mit diesem großen Erfolg wunderten sich, wieso haben wir den Krieg verloren?. Durch immense Fehler der Heeresleitung im Westen(vor allem der U-Boot Krieg), deren Selbstüberschätzung wie Fehlinformation der Bevölkerung kam es zur Katatrophe. Wie wäre die Geschichte in Russland weitergegangen, wenn ...
- In jenen Wochen die deutsche Heeresleitung im Westen nicht das Handtuch hätte werfen müssen und den ersten Weltkrieg verlor und damit beendete. Die deutschen Truppen mussten wieder aus Russland abziehen, einige wie Ernst Reuter blieben in Russland und unterstützten mit Lenins und Trotzkis Protektion die russische Revolution. Es war im tiefen deutschen Unterbewußtsein: Man hatte recht billig einen großen Teil Russlands erobert. Warum alles umsonst? Der Brest-Litowsker Vertrag wurde nach der Kapitulation natürlich Makulatur, die Westmächte verloren nach Kriegsende ihr Interesse an Russlands Revolution und zogen ebenfalls ab. Lenin gewann.
- Die Weimarer Regierung, besonders die Militärs aus alten Zeiten bewunderten zähneknirschend den Militärischen Sieg der Bolschewiki. Sie hatten es jetzt mit einer neuen Regierung zu tun, wollten diese respektieren. Man umgarnte Russland als neuen militärischen Freund nicht zuletzt, um den Staaten des westl. Versailler Vertrages eins auszuwischen. In Rapallo kamen sich 1921 die beiden -momentan international verfemten Staaten - wieder nahe und unterzeichneten einen gegenseitigen Nichtangriffspakt und Hilfepakt. Haffner schreibt, dass die Rote Armee jahrelang in ihrem Land den Aufbau der deutschen Wehrmacht vor 33 unterstützt hatte im Gegenzug von deutschen Offizieren Know-How bekamen. Das fiel in den Weiten Russlands den westlichen Geheimdiensten nicht auf, es war ja ein Verstoß gegen den Versailler Vertrag. Im Ganzen waren Russland und Deutschland als geächtete Nationen bis 33 gut verbrüdert gewesen. Russland ahnte nicht, daß die heimlich erstarkten Militärkräfte des nunmehr gutbefreundeten Deutschlands sich eines Tages (unter Hitler) gegen sie selbst wenden könnten.
- Wer hätte das vermutet? Haffner schreibt, daß 1920 bis 1933 die militärische Rechte in deutschland russlandfreundlich war, Russlandpolitik machte. Sozialdemokraten wie Kommunistischten in Weimar mit dem Osten wenig am Hut hatten und sich zu den Weststaaten orientierten.
- Mit Hitler wurde dieses Bündnis dann toter Buchstabe. Er hatte seit Jugend die Kolonialisierung ganz Russlands als Ziel. Um an sein Ziel zu gelangen, bat er anfangs freundlich das im Weg stehende Polen um Hilfe - in Aussicht auf einen fetten russischen Happen. Polen wollte nicht und bekam dafür die Kriegserklärung und den plötzlichen Zorn Hitlers zu spüren. Hitler wollte anschließend den Westen nicht als Kriegsgegner und hatte deshalb den seltsamen Nichtangriffspakt mit Stalin gemacht, dem er nun einen Teil der polnischen Gans anbot. Somit war Hitler einerseits an der russischen Grenze in erobertem deutsch-poln. Raum auf Tuchfühlung, andererseits glaubte er England und Frankreich nicht als Kriegsgegener zu bekommen, da Russland und Deutschland zusammen zu mächtig erscheinen. Den Pakt mit Stalin konnte man ja zu gegebener Stunde brechen und einmarschieren. Das diese - eigentlich logische - Gedankenstruktur am Ende nicht aufging ist bekannt ....
- Ich vermisse die Nachkriegsgeschichte der DDR, da das Buch 1940 endet.
- Deutschland und Russland haben im 20 Jahrhundert ein seltsames Verhältnis gehabt, dass von Ablehnung, Verachtung bis zu Respekt und Verbrüderung in kurzen Abständen wechselte. Haffner macht auf fast Vergessenes, kaum Bemerktes aufmerksam.
- Anm.: Heute ist man eventuell schon wieder von deutscher Seite (trotz Gorbatschow und Ende des kalten Krieges) auf Russland böse, weil es nicht mehr so ein Bösewicht-System hat und somit als Feindbild und Sündenbock-Staat zur Projektion wegfällt. Moment! Diese Funktion hat nun die russische Bevölkerung. z.T. rechtens weil sich ein Teil im Ausland neureich-nicht gut benimmt. Man vergißt wieder einmal die Mehrheit der russischen Bevölkerung, die sich wohl gut benimmt und Deutschland durchaus mag. Ich glaube, das Historiker ferner Länder im Jahre 2400 nur evtl. mit Hilfe von Psychologen die seltsamen intensiven wie schicksalhafen Beziehungen der beiden Staaten ein wenig verstehen könnten. Da die beiden Länder mehr gemeinsam haben, als sie selbst vermuten, hoffe ich auf eine gute Freundschaft der Beiden in der Zukunft.
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Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg.
Der Teufelspakt. Die deutsch-russischen Beziehungen vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg. von Sebastian Haffner (Gebundene Ausgabe - 20. August 2002)
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