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Der schwarze Handschuh: Erzählungen
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TOP 500 REZENSENTam 4. Mai 2014
Das Buch "Der schwarze Handschuh" von Vladimir Odoevskij enthält dessen Erzählungen bzw. Novellen "Der schwarze Handschuh", "Das Gespenst", "Folgen eines satirischen Artikels", "Märchen vom toten Körper, unbekannt, wem gehörig", "Die Sylphide", "Prinzessin Mimi" und "Prinzessin Zizi". Neuübersetzt und mit Anmerkungen und Nachwort versehen hat das Buch Peter Urban. Gerade auch sein Nachwort ist sehr wertvoll für die Lektüre der Geschichten und die bessere Einordnung des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Schriftstellers. War er doch seiner Zeit bekannt mit Puskin, Tuegenev, Tolstoi und Dostoevskij, die alle seine Nähe gesucht haben. Die Übersetzung habe ich als sehr frisch empfunden. Die Geschichten ebenso. Peter Urban findet einen guten Grund dafür: Eigenschaften wie Ehrsucht, Eitelkeit, Geiz, Eigennutz, Bosheit und Niedertracht sind uns nicht fremd geworden. Odoevskijs Geschichten handeln von diesen menschlichen Wesenszügen und erzählen eindrucksvoll, wie Menschen durch sie in den Abgrund geführt werden. Mir haben besonders die Geschichte "Der schwarze Handschuh" und die Zwillingsnovellen über die beiden Prinzessinnen gefallen. Das spezifisch Russische in der Atmosphäre kommt hier besonders durch. Jedenfalls ist es sehr schön, dass Peter Urban diese Geschichten ausgegraben und zu neuem Leben erweckt hat. Es wäre schön, wenn weitere Geschichten des Autors ins Deutsche übersetzt würden.
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„Der schwarze Handschuh“ vereint eine Sammlung von sieben Kurzerzählungen Vladimir Odojewskis (1803-1869), zusammengestellt und erst- oder neu übersetzt vom kürzlich leider verstorbenen Peter Urban. Darin geht es meist um Menschen, die nicht in die Gesellschaft passen und an ihrem Außenseiter-Status, an gesellschaftlichen Konventionen oder gar an der Lust am Klatsch zerbrechen. Es sind Illustrationen des hohlen Lebens der russischen upper class, eines Lebens in einer Blase, die gleichwohl deren essentiellen Mittelpunkt darstellt. Und der Leser? Schaut fassungslos zu, wie die Figuren sich verrennen. „Kein noch so gelehrtes Werk“, heißt es dazu im Nachwort, „hat uns ein so eindrucksvoll-lebendiges Bild von der Atmosphäre jener ’besseren Gesellschaft’ der Zeit Puschkins vermittelt wie Fürst Odoevskij … Dieses Hohelied der Heuchelei und Verlogenheit macht geradezu sinnlich fassbar, woran Puschkin – und nicht nur er – allmählich erstickt ist.“ Wie Puschkin entstammte Odojewski einem alten Adelsgeschlecht und konnte aus dem Nähkästchen plaudern. Elegant, geradezu leicht und spielerisch transportiert seine Sprache eine feinsinnige Ironie, klagt an, ist zynisch und gesellschaftskritisch. Und doch wirkt das Gewicht der Sprache erst richtig, wenn man die Geschichten nach dem Lesen auf sich wirken lässt. Deutlich erkennbar ist die Vorliebe des Autors für Alchemie, das Mystische oder auch für E. T. A. Hoffmann. Odojewski zeigt ein Talent für genaue Beobachtungen, egal ob in der gehobenen Gesellschaft oder – wie im an Gogol erinnernden „Märchen vom toten Körper“ – unter einfachen Menschen. Gleichwohl gräbt Odojewski nicht tiefenpsychologisch wie Tolstoi oder Dostojewski, geschuldet der knappen Form seiner Erzählungen. Kritisch, pointiert, aber nie vordergründig witzig, bieten seine Geschichten uns Lesern bei aller Genauigkeit genügend Interpretationsspielraum. Odojewski klagt die „Strippenzieher“ an, jene, die seine Protagonisten beharrlich ins Unglück stürzen, macht aber gleichwohl deutlich, dass auch diese Antagonisten Opfer ihrer miefigen Erziehung sind: „Ihr so sehr vernünftigen Herren habt Ähnlichkeit mit dem Tischler, dem man befohlen hat, einen Kasten für kostbare physikalische Instrumente zu machen: er hatt schlecht Maß genommen, die Instrumente passen nicht ihn hinein, was nun? Der Kasten ist fertig und sehr schön poliert. Der Handwerker schliff die Instrumente ab, verbog sie hier, begradigte sie dort, - jetzt passten sie in den Kasten und lagen ruhig darinnen, er war hübsch anzusehn, nur eben das eine: die Instrumente waren verhunzt. – Ihr Herren! Nicht Instrumente für den Kasten, sondern den Kasten für die Instrumente!“ Und obwohl die Geschichten im 19. Jahrhundert spielen, sind sie doch in gewisser Weise zeitlos, auch wenn sich einige Vorzeichen geändert haben mögen (so hat die Presse heute die Rolle des Gesellschaftsklatsches übernommen, der Existenzen ruinieren kann).
Ein Wort zur Ausstattung: ordentliches Papier, ordentliche Heftung – die Aufmachung der Manesse-Bücher ist immer ein Genuss; außerdem ist der Band versehen mit Anmerkungen (Erklärung von Fremdwörtern und heute nicht mehr geläufigen Wörtern sowie Anspielungen auf andere Werke) und einem Nachwort des Übersetzers.
Vladimir Odojewski beeinflusste einst solche Größen wie Turgenjew, Tolstoi, Tschechow und Dostojewski. Umso trauriger, dass der Autor – zumindest in Deutschland – in Vergessenheit geraten ist. Dabei hat er es verdient, wieder auf eine Stufe mit den Großen der russischen Literatur gestellt zu werden. Das nun vorliegende literarische Kleinod kann dazu einen Beitrag leisten. Für die Fans der russischen Klassiker ist es empfehlenswert und möglicherweise eine Neu- oder Wiederentdeckung.

© Steffen Roye
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