Kundenrezensionen


4 Rezensionen


3 Sterne
0

2 Sterne
0

1 Sterne
0

 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verblüffend aktuell, 10. August 2014
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten (Gebundene Ausgabe)
Das Land steht kurz vor dem Bankrott, eine korrupte Regierung betrügt das Volk und tut alles, um die Besitztümer einer kleinen, elitären Oberschicht zu schützen, es droht das völlige Auseinanderbrechen des Staatenbundes, ja möglicherweise ein Krieg. Wovon ich rede? Von Großbritannien kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die Parallelen zum heutigen Europa sind so deutlich, dass dieses fast 100 Jahre alte Buch eine erschreckende Aktualität bekommt und der heutige Leser kann die dräuende Endzeitstimmung durchaus nachvollziehen. Chesterton bringt 1922 nur das zu Papier, was die Leute damals umtreibt und was wir heute auch ahnen: Die Wahrheit ist so furchtbar, dass sie niemand wissen darf.

Niemand außer Horne Fisher, der Mann, der zu viel weiß. Spross einer überaus einflussreichen Adelsfamilie, geboren mit dem sprichwörtlichen Goldenen Löffel im Mund und aufgewachsen in den Kreisen, die die Welt regieren.
Der blitzgescheite und universell gebildete Fisher ist ein brillanter Detektiv, der mit dem Journalisten Howard March einige aufsehenerregende Fälle löst. Theoretisch aufsehenerregend, denn diese Morde und andere Verbrechen werden nie in die Kenntnis der Öffentlichkeit gelangen. Mal spricht die Staatsraison dagegen, mal die Unantastbarkeit der Täter, mal das britische Prozessrecht. Horne Fisher mag ein detektivisches Mastermind sein, aber ihm sind die Hände gebunden - und wenn nicht, dann bindet er sie sich selbst.

In "Der Mann, der zu viel wusste" tritt ist ein völlig untypischer Chesterton ins Rampenlicht. Ein desillusionierter Pessimist, ein Verschwörungstheoretiker und ahnungsvoller Visionär. Stilistisch wie immer brillant, ist er nie vorher und nie mehr danach so abgeklärt und säkular. Seine christliche Haltung, die vor allem in den ungleich berühmteren Father-Brown Geschichten zutage tritt, die ist hier einer zutiefst rationalen, weltlichen Sicht gewichen. Der humoristische Unterton fehlt weitgehend, wenn man einmal von einigen eleganten Smalltalk-Wortgefechten absieht. Horne Fisher leidet an seiner Unfähigkeit, der Gerechtigkeit genüge zu tun, nicht äußerlich, sondern innerlich. Äußerlich hat er sich eine Schutzwand aus Unnahbarkeit und Gleichgültigkeit zugelegt, ganz anders als die philanthrope Herzensgüte eines Father Brown. Horne Fisher ist ein Protagonist mit vielen Brüchen in seiner Persönlichkeit. Ein sozial eingestellter Großbürger, eine handlungsunfähige Graue Eminenz, ein Alleswisser ohne Ambitionen zur Macht. Und an diesen inneren Konflikten geht er letztlich zugrunde.

Die Erzählstruktur ist die eines Episodenromans, der allerdings nur mühsam seine Entstehung aus einzelnen Kurzgeschichten verbergen kann, die zwischen 1919 und 1922 erschienen. Die Rahmenhandlung ist die Bekanntschaft von Fisher und March, die sich über einen Zeitraum von etwa 5-10 Jahren erstreckt, während dem die beiden Freunde sich immer wieder begegnen. Mord und mysteriöse Kriminalfälle pflastern ihren Weg und Fisher gelingt es immer wieder durch genaue Beobachtung und sein enzyklopädisches Wissen, die Täter zu überführen. Die Geschichten sind komplex und oft bieten die Erläuterungen im Kommentarteil wichtige Informationen für das heutige Verständnis des Lesers. Man mus sich immer wieder die Situation in Großbritannien der Zeit um 1920 vor Augen führen: Palästina wurde gerade besetzt, der irische Bürgerkrieg tobt und in der britschen Regierung wurde kürzlich ein Korruptionsskandal publik. Großgrundbesitzer leben noch wie die Feudalherren, soziale Unruhen allenhalben und die Presse entwickelt sich zur Vierten Gewalt. In dieser Zeit spielen Chestertons Episoden und wenn ihnen auch die spielerische Leichtigkeit eines Father Brown fehlt, so sind sie stilistisch ebenso brillant und dokumentieren ein Stück vergessene Zeitgeschichte, das verblüffend aktuell wirkt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schweigen ist Gold, 19. Juni 2011
Von 
CharO (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten (Gebundene Ausgabe)
- Es gibt Dinge, die sind so außergewöhnlich, dass sie sich der Erinnerung verweigern. Wenn sie völlig außerhalb des Tagesgeschehens liegen und scheinbar keine Ursachen und keine Folgen haben, rufen nachfolgende Ereignisse sie nicht ins Gedächtnis zurück, sie bleiben im Unterbewusstsein, wo viel später ein Zufall sie wachrüttelt. Sie flattern auseinander wie ein vergessener Traum, (...) -

Harold March ist ein aufstrebender Journalist, der besonders für seine Sozialkritik bekannt ist. Der englische Finanzminister, der gerade seinen so genannten sozialistischen Haushaltsplan vorgestellt hatte, ist bereit March ein Interview zu geben und lädt ihn auf den Landsitz Torwood Park ein. Als March durch ein wunderschönes Waldstück wandert und seinen Gedanken nachhängt, trifft er an einem Bach auf Horne Fisher. Er ist ein junger, nachdenklicher Mann, der anscheinend zu jedem Thema einen Beitrag leisten kann und über jegliche Beziehungen in der politischen Welt Bescheid weiß. Zufällig ist er auch unterwegs nach Torwood, da der Finanzminister sein Vetter ist. Doch kaum haben sich March und Fisher bekannt gemacht, beobachten sie wie ein Auto einen Abhang hinabstürzt und finden einen toten Mann, die allerdings schon vor dem Sturz das Zeitliche gesegnet hatte. Der Reporter ist schockiert, Fisher hingegen wirkt gelassen und beginnt mit seinen Beobachtungen, die letztendlich dazu führen, dass der Täter erkannt wird. Allerdings wird der Täter von Fisher und March nicht der Polizei übergeben. Fisher sieht das große Ganze und zeigt dem jungen Journalisten auf was passieren würde, wenn der eigentliche Täter vor ein Gericht gebracht werden würde.
In der Zukunft kreuzen sich die Wege der beiden Protagonisten immer wieder. Bei jedem Treffen geht es um Politik, Leichen und es wird über den eigentlichen Täter geschwiegen.

Chesterton teilte die Geschichte in acht Kapitel ein, die nach und nach in amerikanischen und englischen Zeitungen erschienen. Betrachtet man alle Teile, so können Kapitel eins bis sieben unabhängig voneinander gelesen werden. Liest man jedoch alle Teile, bildet Nummer acht einen notwendigen Abschluss, der die gesamte Geschichte abrundet und auslaufen lässt. Eine Fortsetzung ist dadurch so gut wie unmöglich.
Wer die Father-Brown-Erzählungen kennt, sollte sich jedoch darauf einstellen, dass "Der Mann, der zu viel wusste" völlig konträr dazu steht. Die Geschichte steckt scheinbar voller Wut auf das politische System Englands und auf das Verhalten einzelner politisch handelnder Personen.
Andererseits sind die kleinen kriminalistischen Rätsel und die entsprechenden Lösungen so irrsinnig, dass sie schon wieder Spaß machen. Die Herausforderung besteht aber nicht darin als Leser die Lösung zu finden. Das geht gar nicht, da sie meist so undenkbar ist, dass man auch nach einer langen Bedenkzeit noch an dem Knochen nagt. Nein, viel interessanter ist die Auflösung, welche Horne Fisher zu bieten hat. Sie ist immer schlüssig und fantasievoll und wird nur dadurch abgemildert, dass der eigentliche Täter nie zur Rechenschaft gezogen wird.
Aber auch über die gesamte Geschichte gesehen ist die Figur Horne Fisher sehr interessant. Diese Persönlichkeit ist so sonderbar und undurchsichtig, dass man es schon fast aufgibt ihn zu verstehen. Erst zum Ende hin, und besonders im achten Kapitel, wird Licht ins Dunkel gebracht und der Leser kann aus den vielen einzelnen Fäden ein Netz spinnen.

Fazit: Ein sehr sonderbares und skurriles Buch, das jedoch spannende Kriminalgeschichten bereithält.

Hinweis: Für das bessere Verständnis der Geschichten sollte unbedingt das Nachwort von Elmar Schenkel gelesen werden!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gefährliches Wissen, 15. Juli 2011
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten (Gebundene Ausgabe)
Es ist gut, viel zu wissen. Meistens. Wissen ist Macht. Meistens. Aber Wissen kann auch gefährlich sein, wie Horne Fisher, der Mann, der zu viel wusste, am eigenen Leib erfährt. Denn er kann mit seinem Wissen nichts anfangen, im Gegenteil, er muss es verbergen. Sein Insiderwissen der englischen Politik kann für den Staat gefährlich werden.
Nur, wenn es um Kriminalfälle geht, kann er glänzen. Dort kann er sein Wissen ausspielen und zusammen mit dem Reporter Harold March die rätselhaftesten Ereignisse aufklären, sehr zum Vorteil der Karriere.
Die in diesem Band versammelten Kriminalgeschichten sind zwar jeweils in sich geschlossen, lassen sich aber auch insgesamt als Roman lesen. Der letzten Geschichte kommt dabei eine Schlüsselstellung zu. Erst durch sie wird der Hintergrund aller Geschichten deutlich.
Diese Geschichten sind nicht so nett wie die über Pater Brown, sondern sehr viel düsterer und zynischer. Kein Wunder, geht es doch um Politik und deren Akteure. Da geht es eben nicht nett zu.
Ich liebe diese klassischen englischen Kriminalgeschichten, ob nun von Agatha Christie, Conan Doyle, Dorothy Sayers oder eben Chesterton. Bei Chesterton hat mich allerdings gestört, dass Frauen bei ihm überhaupt nicht vorkommen. Davon abgesehen, haben dieses Geschichten alles, was ein klassisches Whodunnit braucht.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen starke Geschichten - tolle Edition, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten (Gebundene Ausgabe)
Die starken Geschichten mit leicht bitterem Beigeschmack sind ein Genuss zu lesen. Auch in der vorliegenden Übersetzung. Das erklärende Nachwort hat was. Prima.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten
Der Mann, der zu viel wusste: Kriminalgeschichten von Gilbert Keith Chesterton (Gebundene Ausgabe - 13. Juni 2011)
EUR 19,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen