Kundenrezensionen

26
3,9 von 5 Sternen
Dämmerschlaf: Roman
Format: Gebundene AusgabeÄndern
Preis:24,95 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ich habe mich sehr darauf gefreut, diesen neuen bzw. wiederentdeckten Roman der bereits 1937 verstorbenen Autorin zu lesen. Allerdings wurden meine zugegebenermaßen sehr hohen Erwartungen nicht gänzlich erfüllt.

Die Geschichte spielt in den goldenen zwanziger Jahren im betriebsamen und lärmenden New York und spiegelt in Form einer Gesellschaftssatire das Leben der sogenannten Upperclass, d.h. der oberen Gesellschaftsschicht wieder. Stellvertretend für all diese Mitglieder der High Society wird das Leben und Treiben der Familie Manford beleuchtet. Dies geschieht aus unterschiedlichen Perspektiven, wie z.B. aus der Sicht der Ehefrau Pauline, ihres Mannes Dexter oder auch durch die " Brille " von Tochter Nona. Ihr tägliches Dasein ist geprägt von einem lückenlos ausgefüllten Terminkalender mit mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten und Beschäftigungen. Besonders Pauline ist es daran gelegen, jede Minute " sinnvoll " auszufüllen. Freie Zeit gibt es nicht. Selbst eine " Ruhekur " gerät zur wohlgeplanten Aufgabe und es kann durchaus vorkommen, dass ein Maniküretermin wichtiger ist, als ein ungeplantes, aber dringend erforderliches Gespräch mit der Tochter. Änderungen im Terminplan sind eigentlich nicht vorgesehen und höchst unwillkommen. Jegliche Abweichung oder Störung im strukturierten Tagesablauf ist absolut unerwünscht. Auch für wohltätige Zwecke wird sich eingesetzt. Hierbei kann es durchaus geschehen, dass sich Sinn und Zweck der unterstützten Angelegenheiten widersprechen . Das ist vollkommen nebensächlich, hauptsache man ( Frau ) engagiert sich. Das wichtigste im Leben ( von Pauline ) ist das Bewahren , das Festigen und der Ausbau der gesellschaftlichen Position. Jedwede Erschütterung ist unter allen Umständen zu vermeiden. Das Gleichgewicht im großen Gefüge dieser glamourösen Welt darf nicht gestört werden , der äußere Anschein muss gewahrt werden. Doch nicht immer läuft alles nach Plan.

Mit spitzer Zunge bzw. Feder, sehr pointiert und sicherlich häufig extrem überzogen nimmt die Autorn die damalige Zeit unter die Lupe und schafft ein anschauliches und beeindruckendes Bild dieser lärmenden, rastlosen, aber auch oberflächlich lebenden Gesellschaft. Hierbei liegt ihr Hauptaugenmerk ihrer Betrachtungen auf dem sozialen Gefüge und nicht auf einer spannenden, actiongeladenen Handlung.

Zugang zu den einzelnen Charakteren habe ich nur schwer oder auch gar nicht gefunden. Vieles, wie z.B. Gefühle ist für mich einfach zu vage geblieben. Aber genau das passt ja wiederum gut zu dem Bild, welches Frau Wharton uns hier vor Augen führt.

Auch eine " echte ", spannende Handlung im eigentlichen Sinne findet hier nicht wirklich statt, alles plätschert irgendwie so vor sich hin. Und dies steht abermals sehr treffend sinnbildlich für dieses lediglich an der Oberfläche pulsierende Leben ohne tatsächlichen Tiefgang.

Der Schreibstil an sich ist ansprechend, bereichert durch schöne Formulierungen und lässt sich im Großen und Ganzen gut lesen. Allerdings gibt es auch einige recht lange, verschachtelte Sätze, die die volle Aufmerksamkeit des Lesers erfodern. Ebenso gibt es inhaltlich einige Längen, die den Lesefluss ein wenig erschweren und dazu geführt haben, dass ich das Buch doch das ein oder andere Mal erstmal zur Seite gelegt habe, um nicht selbst in den " Dämmerschlaf " zu fallen.

Ich finde es schwierig, diesen Roman zu bewerten. Trotz meiner Kritikpunkte hat mir das Buch mit seinem sozialkritischen Thema und teilweise bitterbösen Untertönen gut gefallen. Aber ich denke, man muss sich darauf einlassen können . Sicherlich ist es nicht für jeden geeignet. Aber wenn man sich auf diese Art Roman einstellen kann und möchte, erwartet einen in meinen Augen ein durchaus lesenswertes Buch . Ich vergebe daher gerne 4 Sterne.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. September 2013
Edith Wharton zeichnet in ihrem gleichnamigen Roman das Bild einer Gesellschaft im "Dämmerschlaf".
Im Fokus stehen dabei die Frauen der Familie Wyant / Manford. Nona und ihre Mutter Pauline stehen für zwei völlig unterschiedliche Frauentypen. Pauline ist das unerschütterliche Familienoberhaupt. Jede Minute ihres Tages ist völlig verplant. Viele der Termine dienen im Grunde jedoch nur dazu, das stressige gesellschaftliche Leben auszugleichen. Freie Minuten oder gar Stunden kann Pauline nicht genießen, auch diese müssen "sinnvoll" verplant werden um ihr ein gutes Gefühl zu geben. Das unter all dieser Hektik und der Oberflächlichkeit auch der Wunsch nach einem Sinn stehen kann lässt sich nur erahnen. Pauline ist immer auf der Suche nach dem neuesten Wunderheiler oder Messias und genießt deren "religiöse" Botschaften.
Nona ist noch Single und zwar eigentlich in ihren Cousin verliebt, versagt sich selbst aber eine Beziehung zu ihm, da er noch verheiratet ist. Nona scheint von dem "zu viel" und "zu schnell" des gesellschaftlichen Lebens genug zu haben und sucht nach einem tieferen Sinn. Sich selbst etwas zu verbieten und bestimmte Wünsche zu unterdrücken scheint ihr Weg zu sein sich von der lebefreudigen Gesellschaft zu distanzieren.
Als dritte Frau der Familie wird Lita präsentiert, die Schwiegertochter von Pauline, die weder der Hektik des gesellschaftlichen Lebens noch der Suche nach Sinn viel abgewinnen kann. Stets nur auf ihren eigenen Genuss fixiert, schnell gelangweilt und ziellos stellt sie eine einen totalen Kontrast zu Nona und Pauline dar.
Die widersprüchlichen Charaktere werden von Edith Wharton so detailliert und absurd dargestellt, dass es eine echte Freude ist. Nie wird offen gespottet oder gewitzelt und doch sind viele Passagen unheimlich komisch. Meine liebsten Passagen waren Paulines innere Monologe und Überlegungen und deren feine Beschreibungen "Und eisern machte sie sich ans entspannen."
Die Sprache ist im ganzen Buch sehr detailliert und fein, manchmal ein bisschen verschnörkelt aber immer passend zur Situation. Toll sind auch die vielen hilfreichen Fußnoten und Erklärungen.
Unterm Strich kann ich dem Roman nur fünf Sterne geben. Handlung, Charaktere, Übersetzung, Gestaltung und Titel... Alles passt zusammen und macht das Lesen zu einem großen Vergnügen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. September 2013
Inhalt
New York in den 20ern: Pauline Manfords Leben ist fast perfekt. Ihr Terminplan ist von morgens bis abends voll, sie wird von den Mitgliedern der High Society für ihre Partys bewundert und auch ihre zweite Ehe läuft glänzend. Doch dann wird die Ehefrau ihres Sohnes widerspenstig. Sie möchte sich selbst verwirklichen und ein Filmstar werden. Ein Familienmitglied auf einem Hollywood-Plakat ... das geht gar nicht! Und so bereitet Pauline eine Gegeninitiative vor, die die ganze Familie herausfordert.

Meine Meinung
Eigentlich bin ich kein übermäßiger Fan der 20er, aber dieses Buch hat mich geradezu angelacht. Die Gestaltung finde ich wunderschön und außerdem fand ich es interessant, einen Roman über die High Society der damaligen Zeit zu lesen ... geschrieben von einer Dame, die genau aus diesem Milieu kommt und damit bestens Bescheid weiß. Und trotz manch zäher Stelle hat es sich gelohnt.

Die Darstellung der Upper Class gelingt Edith Wharton unglaublich gut. Diese Oberflächlichkeit und Selbstsucht (die durch scheinbare Nächstenliebe verschleiert wird) steckt so tief in den Menschen, dass sie es selbst gar nicht mehr merken. Pauline engagiert sich für die Geburtenkontrolle und gleichzeitig für die uneingeschränkte Mutterschaft ... dass dies sich widerspricht, fällt ihr gar nicht auf bzw. stört sie nicht. Hauptsache, man ist präsent. Manche Ereignisse sind wirklich zum Schreien, allerdings war ich mir manchmal selbst nicht sicher, ob zum Schreien komisch oder frustrierend.

Kleine Probleme werden zum Drama, während wirklich Probleme mit dem Argument beiseite geschoben werden, dass man einfach nicht daran glauben solle, dann gibt es die Probleme auch nicht. Dieses Lebensprinzip führt dazu, dass eigentlich niemand wirklich mit jemand anderem redet, alles soll den Schein der Perfektion wahren. So erfährt man als Leser eher selten konkret von den Geheimnissen und Problemen, weil alles durch die Blume oder hinter vorgehaltener Hand vermittelt wird. Ich weiß bis jetzt nicht, was wirklich passiert ist und was ich mir nur so zusammengereimt habe, beruhend auf vagen Spekulationen der Protagonisten. Dieses Nicht-Wissen muss man mögen, sonst wird man an diesem Buch keine Freude haben. Ich persönlich fand diesen Stil sehr gelungen, weil er einfach sehr gut die Stimmung und das Gefühl der Zeit vermittelt.

Dennoch hatte ich auch meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Zwischenzeitlich hat mich die extreme Oberflächlichkeit der Personen und damit auch des Romans gestört. Es gibt eigentlich keine Problemstellung, nur Einbildung und Unvermögen. Mir ist klar, dass das das eigentliche Problem der 20er war, aber in diesem Moment war mir das einfach zu viel Lärm um Nichts.
Außerdem gab es einige Stellen, die sich für mein Empfinden ziemlich zogen, in denen wirklich gar nichts passiert bzw. vorherige Handlungen sich wiederholen.

Insgesamt fand ich das Buch aber gut. Das teilweise absurde Verhalten der Charaktere ließ mich immer wieder den Kopf schütteln und meiner Meinung ist der Roman gerade in unserer Zeit wieder hochaktuell. Man entdeckt hier durchaus einige Eigenschaften, sie für unsere Gesellschaft typisch sind: man will sozial erscheinen (ist es aber nur innerhalb der Wohlfühlzone), man liebt Statussymbole und das Bild, das die Öffentlichkeit von einem hat, geht über alles. Eigentlich schade, dass uns dabei der Stil der 20er verloren gegangen ist.

Fazit: Wer die 20er mag, wird dieses Buch lieben. Wer nicht, kann trotzdem einen Blick wagen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Die New Yorker High Society in den Goldenen Zwanzigern ist Schauplatz des Romans „Dämmerschlaf“ der amerikanischen Schriftstellerin Edith Wharton (1862-1937). Im Mittelpunkt der Handlung steht die wohlhabende Pauline Manford, die alles daransetzt, mit ihrer Familie zu den besseren Kreisen zu gehören.

Diese eherne Zielstrebung ist äußerst stressig und zeitaufwändig: mentales Verjüngungstraining, Maniküre, Gesichtsmassage, Besprechung mit der Köchin … Mrs. Manford Terminkalender ist randvoll. Dazu noch die gesellschaftlichen Verpflichtungen, denn sie engagiert sich gleichermaßen für die uneingeschränkte Mutterschaft wie für die Geburtenkontrolle.

Mrs. Manford hat ihren ersten Ehemann verlassen, weil er ihrem Ehrgeiz zurückblieb und mehr Alkohol konsumierte, als in ihren Kreisen schicklich ist. Ihrem zweiten Ehemann, einem Anwalt, hängen diese ewigen Partys und Empfänge aber auch zum Hals heraus. Deshalb hängt sich Pauline an einen inspirierenden Psychoguru, der sich jedoch als Scharlatan entpuppt. Und dann ist da noch die Schwiegertochter, die von einer Karriere in Hollywood träumt. Ihr Konterfei auf Plakaten? - so tief ist noch kein Familienmitglied gesunken.

Wie soll man da bei dieser Ruhelosigkeit und gesellschaftlichen Erwartung als High-Society-Gastgeberin ein normales Leben führen? Auf Partynächte und Schönheitschirurgie folgen die Ernüchterung und eine innere Leere. In Whartons Schilderung spürt man die Verachtung für eine Gesellschaft, die mit Alkohol und Drogen eine Betäubung vor dem Alltag suchen. Kritisch hinterfragt die Autorin das Lebensgefühl und die schöne Scheinwelt der oberen Zehntausend und hat damit ein Thema angerissen, dass in jeder Gesellschaft aktuell ist.

„Dämmerschlaf“ erschien 1927 und bereits vier Jahre später in deutscher Sprache, Nun liegt der satirische Gesellschaftsroman in einer neuen deutschen Übersetzung vor. Komplettiert wird er durch ein Nachwort, das dem Leser einige Informationen zu Edith Wharton und ihrem Werk vermittelt. Nach fast neunzig Jahren immer noch eine unterhaltsame Lektüre.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 26. August 2013
Wer sich bei diesem Buch einen spannenden Roman um eine wohlhabende Familie mit Intrigen und/oder womöglich sogar Verbrechen verspricht, wird aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich enttäuscht werden. Edith Wharton beschreibt einen relativ kurzen Zeitraum (1/2 Jahr?) im Leben einer der vermögensten Familien New Yorks, wobei die Handlung jedoch eher beiläufig bleibt. Etwaige Aufreger wie Betrug, obskure Sexveranstaltungen (?) und Affären bleiben eher Nebenschauplätze als dass sie tatsächlich in den Mittelpunkt des Geschehens rücken. Stattdessen sind es die mehr oder weniger alltäglichen Tages-, Handlungs- und Gedankenabläufe, die mit spitzer Feder ziemlich detailliert beschrieben werden sowie die Art und Weise, wie sich die Familie mit den verschiedenen Affären arrangiert: ignorieren oder mit Geld verhindern. Zwar ist klar, dass dies alles doch recht grell gezeichnet wird (Pauline ist beispielsweise gleichzeitig intensiv engagiert in den Kommitees für Geburtenkontrolle wie für uneingeschränkte Mutterschaft, ohne hierin einen Widerspruch zu sehen), doch irgendwie scheint die Realität nicht allzu weit entfernt...
Nichtsdestotrotz kurz zum Inhalt: Pauline Manford, das (weibliche) Oberhaupt einer reichen Familie New Yorks der Zwanziger, hat einen Terminplan wie eine Vorstandsvorsitzende eines weltumspannenden Unternehmens. Doch statt Vorstandssitzungen, Geschäftsessen und/oder Aktionärstreffen wechseln sich bei Pauline sportliche Ertüchtigungen, Schönheitspflege sowie kulturelle und gesellschaftliche Verabredungen zur Errettung der Welt ab - meist im 15-Minuten-Takt. Dennoch ist sie für ihre beiden Kinder Jim und Nona die geliebte und auch bewunderte Mutter, auch wenn diese überhaupt nicht nach ihr kommen. Jim aus erster Ehe genoß das Leben wie es kam bis er Lita heiratete, eine exzentrische Künstlerin (?), der er völlig verfiel, sodass er sogar einen Bürojob annahm, um dem Bild eines anständigen Ehemannes zu genügen (was jedoch eher im Sinne Paulines als Litas war). Nona indes ist mit ihren 19 Jahren auf der Suche nach dem Sinn: Wozu das ständige Herumjagen von einem Termin zum nächsten? Treffen mit Menschen die man nicht mag, nur weil sie einem einen Kardinal als Gast bescheren können? Macht all das glücklich? Offenbar nur ihre Mutter. Jims Ehefrau ist schon nach kurzer Zeit von allem und allen zu Tode gelangweilt und will die Scheidung; Paulines Ehemann steckt in einem Gefühlschaos, an dem Lita nicht ganz unschuldig ist; Paulines momentaner Guru droht offenbar ein Prozess, in dem ihr Ehemann ermittelt undundund.
Die Gesellschaft die Edith Wharton 1927 so detailliert beschrieben hat, stammt aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Doch es sind exakt die gleichen Phänomene, incl. des Verhaltens der Presse, die sich eins zu eins in unseren heutigen Zeiten wiederfinden. Krankheit und Tod werden verdrängt, was zählt ist das eigene Wohlbefinden und gute Aussehen: Wer krank ist oder sogar stirbt, ist selber schuld ;-) Esoterik, Okkultismus und oberflächliche Themen die die Schlagzeilen beherrschen; volle Terminkalender um der eigenen Sinnlosigkeit nicht zu begegnen - das bestimmte damals wie auch heute weite Teile der 'besseren' Gesellschaftsschichten. Obwohl Wharton dieses Buch bereits vor fast 90 Jahren schrieb, wirkt die Sprache noch immer frisch. Spöttisch und etwas affektiert - so, wie es diesem ganzen Roman entspricht. Mich hat dieses Buch fast durchweg amüsiert, wobei es durchaus seine Längen hat. Zum 10. Mal über die Lichtgestalt Lita zu lesen, die einer Vase, Lampe, Glas oder was auch immer ähnelt und von innen leuchtet, ist dann doch genug. Dennoch: Es hat sich gelohnt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 10. Mai 2015
Das Leben der Reichen und Schönen ist nicht einfach. Entweder ist der Terminkalender bis zum Bersten gefüllt mit wichtigen Angelegenheiten wie Gesichtsmassage, Maniküre, Modellsitzen, Komiteesitzungen, Partyplanungen und anderen unaufschiebbaren Belangen. Oder man leidet unter ausgeprägter Langeweile, die man sich mit vorerst mit Gymnastik vertreibt und schließlich Pläne schmiedet, in Hollywood Fuß zu fassen.

Während Pauline Manford ganz und gar damit beschäftigt ist, ihren Platz in der New Yorker High Society zu behaupten, möglichst überall dort mitzumischen, was gerade gefragt ist, und Familienprobleme zu lösen oder unter den Teppich zu kehren, kann ihr erster Ehemann, Arthur, mit ihrem Lebensstil nicht Schritt halten. Noch bevor es also "üblich" ist, lässt sie sich von Arthur scheiden; fühlt sich ihm aber immernoch verpflichtet und räumt ihm daher alle paar Wochen einen kurzen Zeitraum ihn ihrem nahtlos gefüllten Terminkalender ein.

Ihr zweiter Ehemann, Dexter, ist derweilen der Organisationswut seiner Frau müde und vergnügt sich lieber anderweitig. Pauline ist der Meinung, dass das Verfolgen neuer Trends und ihr reduzierter Hüftumfang ausreichen, um die Aufmerksamkeit ihres Ehemannes wiederzuerlangen.

Andererseits scheint Pauline sämtliche Fähigkeiten verloren, sich unabhängig von ihrem Terminkalender zu beschäftigen. Es ist für sie nahezu unmöglich, eine freie Stunde zu überbrücken. "Eine Stunde ist für alles zu lang."

Die nächste Generation scheint hingegen völlig verloren. Paulines Tochter aus der zweiten Ehe, Nona, gibt sich der Gymnastik und dem Jazz hin. Schwiegertochter Lita ist gelangweilt. Mit Nona tanzt sie die Nächte durch und plant darüber hinaus die Scheidung von Paulienes Sohn aus erster Ehe, Jim, sowie eine Karriere in Hollywood. Ein Skandal, den Pauline unbedingt verhindern muss. Hollywood ist der New Yorker High Society höchst suspekt. Ihre eigene Scheidung war notwendig. Aber ein Mädchen wie Lita muss sich schließlich glücklich schätzen, in derartige Kreise eingeheiratet zu haben. Die Trennung ihres Sohnes muss daher zwingend vermieden werden.

Diese Doppelmoral zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Allein Nona scheint die Verstrickungen der einzelnen Figuren zu durchschauen.

Edith Wharton vermittelt die Probleme der Protagonisten verständlich... auch wenn diese nicht zwingend nachvollziehbar sind. Und das Alles mit einem Augenzwinkern. Der Stil ist anspruchsvoll; definitiv kein Buch für den entspannten Erholungsurlaub. Aber ist man sich darüber bewusst, handelt es sich um eine durchaus unterhaltsame Lektüre.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
„All diese Ruhekuren, Massagen und rhythmischen Übungen, ersonnen, um Menschen zu kurieren, die kerngesund wären, wenn sie nur ein normales Leben führen würden!“

Pauline hat einen streng durchgetakteten Tag. Massagen, Meditieren, den gerade angesagten Guru aufsuchen, Maniküre, mentales Verjüngungstraining – und dazu noch die Treffen der diversen Organisationen, denen sie angehört. Da ist es doch verständlich, dass sie keine Zeit findet, ihre Tochter Nona zu sehen und mit ihr zu reden. Sie kann sie doch nicht unangemeldet in ihren Terminplan quetschen!

So ist es eben, das hektische moderne Leben, das kommt einem beim Lesen nur allzu bekannt vor. Allerdings ist hier nicht die Rede von unserer Gegenwart, sondern der Roman spielt im New York der Roaring Twenties.

Nona nimmt den Zeitmangel ihrer Mutter gelassen, sie ist es erstens gewohnt und hat zweitens eine abgeklärte Sichtweise auf ihre Familie und die Gesellschaft, in der sie lebt. Eine Gesellschaft, deren oberstes Ziel die Optimierung der eigenen Persönlichkeit ist. Und die Optimierung der Mitmenschen.

„All diese kostspieligen Projekte zur moralischen Zwangsernährung, die jedermann nötigen wollten, sauberer, stärker, gesünder und glücklicher zu sein, als die Natur dies ohne Hilfe zuwege brachte.“

Das nimmt auch schon einmal absurde Formen an. So ist Pauline gleichzeitig Vorsitzende der Muttertagsgesellschaft und Rednerin auf dem Geburtenregelungsbankett – und verwechselt die Reden…

Eine richtige Handlung hat dieses Buch eigentlich nicht. Trotzdem hat es mich gefesselt, denn ich habe die scharfe Zunge Edith Whartons und die herrlichen Formulierungen genossen.
Die Autorin mag ihre Protagonistinnen ganz offensichtlich nicht. Lediglich Nona bildet eine Ausnahme. Bei allen anderen Figuren merkt man, dass die Autorin deren Leben im „Dämmerschlaf“ nicht gutheißt. Die Menschen im Buch denken nur an sich und an ihre Bedürfnisse, haben kein Mitleid und verschließen ihre Augen vor allem, was mit Leiden und Schmerz zu tun hat. Und merken dabei gar nicht, wie armselig sie trotz ihres Reichtums sind.

Wie Edith Wharton der Gesellschaft, die der unseren so ähnlich ist, den Spiegel vorhält, ist höchst vergnüglich zu lesen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 26. Dezember 2014
Bei dem Buch handelt es sich um eine Neuübersetzung des Buches „Twilight Sleep“ von Edith Wharton. Die Autorin lebte von 1862 bis 1937 und war selbst Teil der New Yorker Uperclass. Eben jener Gesellschaftsschicht, die sie in diesem Buch (und einer Vielzahl weiterer) beschreibt. In diesem Buch gibt sie einen Einblick in das Leben der Familie Manford. Als Leser taucht man ein in den Alltag von Pauline, die einen so minutiös durchgetakteten Tagesplan hat, dass selbst ihre Tochter Nona für ein Gespräch mit ihrer Mutter einen Termin vereinbaren muss. Weitere Hauptfiguren sind Nonas geliebter Halbbruder Jim und dessen Frau Lita sowie die Väter von Nona und Jim. Das ist zum einen der Ex-Mann von Pauline, Arthur Wyant, den Pauline verlassen hat und zum anderen ihr aktueller Ehemann, der Scheidungsanwalt Dexter Manford. Der durchgetaktete Tagesplan von Pauline scheint gefüllt von mehr oder weniger belanglosen, aber für sie unglaublich wichtigen Terminen. Diese zwanghafte Geschäftigkeit, die man manchmal für ein besonderes Merkmal der heutigen (von Smartphone u.ä. geprägten) Zeit hält, gab es also auch schon im New York der 1920er Jahre. Und auch Lita, die von all dem nur unendlich gelangweilt scheint und andere Abwechslung sucht, scheint ein ganz und gar moderner Charakter.

Das Buch ist in einer klaren, aber sehr detailliert beschreibenden, Sprache verfasst. Die erste Hälfte des Buches konzentriert sich meines Erachtens recht stark darauf, ein Bild von den handelnden Personen zu zeichnen. Der Verlauf der Handlung erschien mir teilweise etwas zäh, aber die detaillierte Beschreibung en vieler Alltagsausschnitte (etwa Paulines Anti-Frustrations-Sitzungen, die mich unweigerlich an den aktuellen Yoga-Trend denken ließen) machen auch diesen Teil sehr lesenswert. Im zweiten Teil nahm die Handlung jedenfalls für mein Empfinden spürbar an Fahrt auf und ich folgte mit großem Interesse dem auf vielfache Weise verwobenen Schicksal der verschiedenen Personen. Dabei habe ich wegen der genauen Charakterisierung der Personen, der detaillierten Beschreibung der Situationen und der zahlreichen, sehr gelungenen, Dialoge immer wieder daran gedacht, dass dieses Buch wohl auch hervorragend in ein Theaterstück umzusetzen wäre. Ich hätte jedenfalls große Lust ein solches anzuschauen, gerade auch wegen der zahlreichen Parallelen die man zur „Jetzt-Zeit“ finden kann.

Und auch wenn ich Bücher nicht primär nach ihren äußeren Werten beurteile: die tolle Ausstattung (leinengebunden und mit Lesebändchen) sowie ein interessantes Nachwort und eine Erläuterung zum Titel der Neuübersetzung haben hier durchaus zum Lesegenuss beigetragen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 28. September 2014
Dieses Buch ist absolut erstklassig. Ich kannte schon Edith Whartons Bücher und es überraschte mich nicht, dass auch dieses zweifellos grandios ist. Es hat nichts an Aktualität verloren, genauso gut könnte es die derzeitige Gesellschaft beschreiben, mit dem Karriere- und Schönheitswahn einerseits, und Oberflächlichkeit andererseits. Es passiert im Buch nicht gerade viel und trotzdem bekommt der Leser ein glänzendes Psychogramm in Form eines Romans. Wharton war eine bemerkenswerte Beobachterin und konnte die Charaktere faszinierend in Wort fassen. Pauline ist DIE PERFEKTE Frau (köstlich: S.110), Dexter ein Arbeitstier, Arthur ein Hypochonder, Lita die Gemeinheit in Person usw. Köstlich ist auch der leicht bissige Humor der Autorin. Ein Beispiel gefällig? „Ihr Parfüm erinnerte ihn immer an ein besseres Desinfektionsmittel. … Sie wollte das Leben entbakterisieren“ (S.51). Davon gibt es im Buch jede Menge. Pauline hat keine wirklichen Sorgen oder Probleme im Leben und erfindet welche. Die Skandale werden schön unter den Teppich gekehrt, egal was mit den Opfern wird. Hauptsache die Öffentlichkeit erfährt nichts davon. Es findet keine echte Kommunikation zwischen den Protagonisten. Vor lauter Oberflächlichkeit missversteht jeder jeden. Einzig und allein Nona schein eine etwas vernünftigere Person zu sein, leidet aber darunter. „Sie denkt zu viel“, meinen die anderen. Sprachlich ist das Buch meisterhaft, natürlich auch dank der hervorragenden Übersetzung. Im Nachwort bekommen wir auch zusätzliche Informationen über Edith Wharton, was ich ganz toll finde. Der Umschlag passt perfekt zum Buch. Hut ab! Was mich allerdings etwas irritiert hat, sind einige Anmerkungen. So weit ich es verstanden habe, richtet der Manesse Verlag diese Bücherreihe an den etwas anspruchsvolleren Leser. Darunter verstehe ich vor allem einen belesenen, wissenden Leser. Deswegen verstehe ich nicht, warum auch Begriffe, die für mich selbstverständlich und klar sind, in den Anmerkungen zusätzlich erklärt werden. Das ist aber meinerseits jetzt Meckern auf dem höchsten Niveau. Von mir volle Punktzahl.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 30. März 2014
Inhalt
Geschildert wird das Leben einer reichen amerikanischen Familie. Hauptpersonen sind eine Frau, ihre beiden Kinder aus der ersten und zweiten Ehe, ihr Mann, ihr Exmann und die Schwiegertochter.
Gesellschaftliches Leben und „Soziales Engagement“ sind extrem wichtig in dieser Familie, die Mutter hat einen Terminkalender prall gefüllt mit wohltätigen Veranstaltungen, deren Ziele oft im Widerspruch zueinander stehen.

Einen weiteren Stressfaktor stellt die arme Verwandtschaft aus Italien dar, die hinter ihrem Geld her sind. Zur Erholung werden Männer angestellt, die als Schamane oder Wunderheiler ihrem Leben einen Ruhepol und einen Sinn geben sollen. Langfristig hilft keine dieser Methoden.

Die Schwiegertochter kann dem Familienleben nicht viel abgewinnen, sie hat Langeweile. In einer Zeit in der Scheidungen normaler werden, träumt sie von einem neuen, aufregenderen Leben in Hollywood. Obwohl eng mit ihrer Schwägerin befreundet, ist die Tochter nicht für diese Pläne, Sie ist eine stille Rebellin, hat Prinzipien und genaue Vorstellungen davon, wie sie moralisch richtig handeln möchte. Eine Formel für ein glückliches Leben findet allerdings auch sie nicht.

Einschätzung
Obwohl dieser Roman in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts spielt, sind viele Beobachtungen erstaunlich aktuell und haben Bezugspunkte zum Leben in der westlichen Industriegesellschaft von heute. Alle Nachteile des Kapitalismus werden am Leben einer wohlhabenden Familie aufgezeigt. Werte und Personen werden als austauschbar gezeigt, vieles ist nur eine Frage des Geldes.

Interessant war die Rolle der Frauen in der Gesellschaft zu bedenken und wie sich diese Rolle seit dem letzten Jahrhundert doch sehr gewandelt hat. Einen Beruf hat keine der Frauen, der einzig möglich Karriereweg um aus dem Familienleben auszubrechen blieb es, anzustreben ein Star in Hollywood zu sein.

Fazit
Ein erfülltes Leben hat keine der Personen, deshalb blieb ich am Ende des Romans nur mit einem Gefühl für die Leere und Sinnlosigkeit zurück. Insgesamt ein interessantes Buch und ich bin froh es gelesen zu haben, allerdings werde ich in nächster Zeit keine ähnlichen Bücher in die Hand nehmen, weil ich erst mal etwas Aufmunterndes lesen möchte
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Traumtänzer: Roman
Traumtänzer: Roman von Edith Wharton (Taschenbuch - 10. Dezember 2012)
EUR 11,99

Ein altes Haus am Hudson River: Roman
Ein altes Haus am Hudson River: Roman von Edith Wharton (Taschenbuch - 9. September 2013)
EUR 12,99

Das Riff: Roman
Das Riff: Roman von Edith Wharton (Gebundene Ausgabe - 1. März 1997)
EUR 22,90