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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lerche, uneingeschränkt empfehlenswert!, 3. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Lerche (Gebundene Ausgabe)
Endlich einmal Buch, das wirklich uneingeschränkt empfehlenswert ist. Jeder Satz sitzt. Ein Buch, das es lohnt langsam gelesen zu werden. Dann hat man länger etwas davon.
Ein älteres Ehepaar lebt zusammen mit der offenbar wenig attraktiven Tochter zurückgezogen in einem kleinen ungarischen Ort. Man lebt so vor sich hin und wartet, dass das Leben so allmählich zuende geht. Aber, als die Tochter für eine Woche aufs Land fährt, da brechen die Eltern plötzlich aus ihrem alten Leben aus. Sie kommen praktisch aus der Erstarrung heraus. Sie gehen essen, der Vater beginnt wieder mit dem Tarockspiel. Schließlich gehen die Eltern sogar in die Oper.
Das ist wirklich meisterhaft erzählt. Seltsam nur, dass der Autor bei uns nicht so bekannt ist.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Kleinod für bibliophile Leser!, 15. Januar 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Lerche (Gebundene Ausgabe)
Deszö Kosztolányi Lerche Manesse Bibliothek
ISBN 3717521446

In diesem kleinen Büchlein des 1936 bereits verstorbenen Autors Kosztolányi erwacht eine längst versunkene Welt in Ungarn z.Zt. der k.u.k ' Monarchie für uns zu neuem Leben.

Fernab von den großen Städten mit ihrer Pracht erleben wir eine kleine Provinzstadt, in dem das Ehepaar Vajkay ihrem Alltag nachgeht.
In einer unspektakulären Handlung wird ihr Haus, die Inneneinrichtung, ihre Wohnung und ihr Leben mit ihrer ältlichen Tochter Lerche beschrieben.
Schon lange waren sie auf das Gut eines Vetters nur unweit ihres Städtchens eingeladen. Sie wollten die Einladung nie annehmen. Nun fährt statt ihrer die Tochter Lerche für eine Woche aufs Land.

Der Aufbruch der Tochter ist in allen Details aufgezeichnet.
Der Tisch im Wohnzimmer, auf dem sich die Sonnenstrahlen abzeichnen, die Couch, auf der noch Bänder zum Verschnüren liegen, der prall gefüllte Koffer und ein Korb mit allerhand Habseligkeiten stehen zur Abfahrt bereit.
Mit großem Aufwand begleiten die beiden alten Leutchen ihre Tochter zum Zug, der schon dampfend auf dem Gleis wartet.
Sie haben Tränen in den Augen beim Abschied und sind zum ersten Male seit langer Zeit alleine.
Zunächst etwas ratlos nehmen sie ihr Leben mit alten Bekannten in dem kleinen Städtchen wieder auf.

In feiner Manier und detailgenau werden die Gefühle der Alten zu Protokoll genommen. Man liest mit Entzücken über die Ruhe, die über der Stadt liegt. Das eintönige Leben läuft immer nach dem gleichen Maß ab. Zwischen den Zeilen spürt man die Ambivalenz gegenüber einer Tochter, die recht hässlich ist, und deren ältliche Gewohnheiten zum täglichen Allerlei gehören, und die man sogleich nach ihrer Abreise vermisst. Ein wenig aber darf man auch spüren, dass der Vater zwischen Zuneigung und stark verleugneter Abneigung schwankt. In einem Augenblick der Schwäche, er hatte ein wenig zu viel getrunken, rutscht ihm seine Abneigung, ja fast Hass, auch verbal heraus,--zum Entsetzen von Mutter!

In einer höchst einduckvollen und den damaligen Geflogenheiten gemäßen Sprache wird die Geschichte fort gesponnen.
Da steht ein Gasthausbesuch an, wo sich die Honoratioren treffen, und eine Theateraufführung steht ins Haus.

Die altmodische und differenzierte Sprachweise löst unweigerlich Bewunderung aus. Die k.u.k Monarchie ersteht mit ihrem Glanz und ihren konventionellen und höflichen Formen, ja so liebenswürdig und zuvorkommend charmanten Tönen des Umgangs miteinander. Man ist hingerissen von der filigranen Ausstattung der Beschreibungen. An jedem Wort und jedem Satz hat man seine Freude. Wie fast toten Gegenständen Leben eingehaucht wird, und ein langweiliges Provinzleben vor unseren Augen belebt wird; wie das Leben so ganz abseits vom Glanz der großen Welt auch im Kleinen seine Lebhaftigkeit und Reize enthüllt, das zeigt Meisterschaft.

Viele berühmte Dichter und Denker wurden Mitte des 19. Jahrhunderts geboren. Zu ihnen gehörten Musil, Broch, Th. Mann, Kafka, Einstein u.a. Aus Ungarn stammten Dichter, die uns heute fremd sind. So manches Kleinod mag darunter noch zu finden sein. Kosztolányi wird in einem Nachwort von Péter Esterházy als einer der besten Dichter jener ungarischen Zeit um die Jahrhundertwende benannt.

Das kleine, wunderschön aufgemachte Büchlein ist eine Kostbarkeit für Menschen mit bibliophilen Neigungen! Ich möchte es sehr empfehlen!
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5.0 von 5 Sternen Die Eltern brechen aus, 22. Dezember 2012
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Lerche ist 35 und wohnt noch bei den Eltern. Sie ist recht hässlich und jeder ist sich sicher, dass sie als alte Jungfer enden wird. Zusammen mit ihren Eltern hat sie sich eine kleine, abgeschlossene Welt gebaut. Man lebt zusammen und ist zufrieden und hat kaum Kontakt nach außen. Doch dann soll Lerche für eine Woche aufs Land, die Verwandten besuchen. Alles verfällt in Panik. Wie soll man eine Woche ohne einander leben? Als Lerche erst einmal weg ist, brechen die Eltern langsam aus dem Trott aus. Sie gehen ins Theater, jeden Mittag essen, die Mutter kauft sich eine Krokodillederhandtasche, der Vater trifft sich mit alten Freunden zum Kartenspielen, trinkt und raucht wieder. All das hätte man unter Lerche nie gewagt. Genau, "unter Lerche". Denn nach und nach merkt der Leser, dass die junge Frau gar nicht zu bemitleiden ist, sondern fast eine Herrscherin darstellt, dass sie für ihr Schicksal wahrscheinlich selbst verantwortlich ist. Lustig ist es zu beobachten, wie die Eltern langsam "unters Rad" geraten. Natürlich geschieht nichts Ernsthaftes. Lerche ist schnell wieder da und alles geht zurück in die alten Bahnen. Vielleicht doch nicht alles. Beide Parteien haben einen Erkenntnisschritt gemacht, der sie vielleicht weiterbringen wird. An der Stelle wird der Leser leider allein gelassen. Wirklich schön zu lesen diese Geschichte. Sie stammt aus Ungarn, wurde in den 20er Jahren geschrieben und ist von hinten bis vorne köstlich.
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4.0 von 5 Sternen Eine ungewöhnliche Familienstruktur, 29. Januar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In diesem Roman wird eine psychologisch ungewöhnliche Familienstruktur beschrieben, die zum Vorschein kommt, als die unverheiratete ältliche Tochter eine Woche zu Verwandten aufs Land fährt.
Die Familie gehört dem ungarischen Kleinadel an und lebt in sehr bescheidenen Verhältnissen. Die Pension des Vaters, der als Archivar gearbeitet hat, erlaubt keine Hausangestellten und kein Leben auf großem Fuß. Geblieben ist ihnen der Stolz auf die adlige Herkunft, die der Vater als Ahnenforscher gern in Erinnerung trägt. Nie ist es der Familie gelungen, die zu häßliche (?) Tochter unter die Haube zu bringen. Ihre geringe Resonanz in der Gesellschaft hat die Tochter schrittweise dazu angeregt, die Familie von der Außenwelt fernzuhalten. Statt dessen hilft sie tatkräftig, die täglichen Pflichten der Haushaltsführung zu bewältigen. Erst durch die einwöchige Abwesenheit der Tochter wird deutlich, dass die Eltern nur ihr zuliebe ein Leben in Abgeschiedenheit und Sparsamkeit führten. Ohne es einzugestehen lassen sie sich von der despotischen Tochter kommandieren, in der Hoffnung durch Solidarität das Leid der alternden Jungfrau zu mildern. Die Gefühle der Eltern zeichnen sich durch eine interessante Hassliebe aus. Am Ende bleibt die unglückliche Resignation der Tochter.
Beim Lesen ist es durchaus reizvoll, die psychologischen Bindungen der beschriebenen Personen aufzudecken. Das Buch hat mir jedoch trotzdem nur mäßig gefallen. Vielleicht konnte ich mich mit den Protagonisten nicht identifizieren.
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Lerche
Lerche von Dezsö Kosztolányi (Gebundene Ausgabe - 17. September 2007)
EUR 17,90
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