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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was kostet die Welt: Leben eines Charmeurs, 21. Dezember 2013
Von 
Felix-ine - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Memoiren des Barry Lyndon: Roman (Gebundene Ausgabe)
Da ist er wieder..., dieser provozierende Satz des Barry Lyndons und der Klassiker aller Zeiten:
" Seit den Tagen Adams gab es auf dieser Welt kaum einen Unfug, dessen Anlass nicht eine Frau gewesen wäre."
Gesprochen von einem Mann, der ein glanzvolles Leben hinter sich hat und nun als altender, verbitteter und grantiger Mann zurückbleibt.

Gisbert Haefs Neuübersetzung des Romans von William Makepeace Thackeray aus dem Jahre 1844 wurde damals unter dem Pseudonym G.S. Fitz-Boodle in "Frazer's Magazin" veröffentlicht.
Der Autor lässt Lyndon seine Memoiren erzählen und zeigt einen attraktiven charmanten jungen Mann im Alter von 30 Jahren, dem alle Frauenherzen zu Füßen liegen.

Aus niedrigem und verarmten Adel kommend versteht es Barry mit einer Unverfrorenheit und Charme, Verführung und Raffinesse in die herrschenden Gesellschaftsschichten zu gelangen und sie an der Nase herumzuführen. Er heiratet aus purer Berechnung die Comtesse of Lyndon, die vorläufig erst mal Ruhe in sein Leben bringt. Doch diese Ehe ist sein Ruin.

Die Jahre vergehen und zurück bleibt ein Mann, dessen körperliche und seelische Verfassung den Tiefpunkt erreicht hat. Selbstmitleid, kombiniert mit dem Erscheinungsbild eines verblendeten Machos sitzen tief in seiner Seele. Ein verbitteter Lebemann bedauert sich in seinem jetzigen Zustand und lässt das triste Leben neben seiner Ehefrau nicht aus. "An allem sind die Weiber schuld." Er belügt sich selbst und sieht sich als Helden, der in seiner mititärischen Laufbahn im Siebenjährigen Krieg angeblich in wüsten Gefechten zig Gegner getötet haben will.

Der Leser taucht in ein Leben der eben geschilderten Person ein, die auch in der heutigen Zeit durchaus noch aufzufinden wäre.
"Barry Lyndon" wurde 1975 verfilmt und erhielt 4 Oscars.
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein fesselndes Stück Literatur, 6. November 2013
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Memoiren des Barry Lyndon: Roman (Gebundene Ausgabe)
Im 19. Jahrhundert kämpften zwei Schriftsteller um den Thron der englischsprachigen Literatur: Charles Dickens und William Makepeace Thackeray. Es war eine teilweise erbitterte Feindschaft, die öffentlich ausgetragen wurde. Wirklich versöhnt haben sie sich nie.
Brillante Erzähler sind beide, wenn auch bei Thackeray der süßliche Zuckerguss eines Charles Dickens fehlt, und genau das macht ihn aus heutiger Sicht so interessant. Thackerays Figuren sind kantig und bleiben immer vielschichtig. Gut und Böse wohnen in einer Brust und sind nicht so klar getrennt wie bei Dickens, der aus heutiger Sicht manchmal ein wenig moralinsauer erscheint.

Das wohl beste Beispiel für Thackeray differenzierten Realismus ist zweifellos "Barry Lyndon", die Geschichte eines gewissenlosen Hochstaplers und Emporkömmlings. Der Protagonist, Redmond Barry, ein völlig verarmter Spross niederen Adels, muss seine Heimat Irland aufgrund eines tödlich verlaufenen Duells verlassen und sucht auf dem Festland nach Betätigungsfeldern. Es ist die Zeit des Siebenjährigen Krieges und so wird er in Soldatenknechtschaft gepresst, mal auf dieser, mal auf jener Seite. Er laviert sich durch den Kriegsdienst, aber von Dauer sind seine Erfolge nicht. Erst die Begegnung mit seinem Onkel in Berlin wendet das Blatt. Der Onkel "verdient" sich seinen Unterhalt durch Kartenspiel und tingelt von einem Fürstenhof zum nächsten, bis die jeweiligen Herrscher die Geduld mit ihm verlieren. Es wird Barrys Lehr- und Wanderzeit, die ihm den Zugang zu den höchsten Kreisen öffnet und in einer finanziell sehr vorteilhaften Heirat mündet. Doch letztlich scheitert Barry auf dem Höhepunkt seiner Karriere und er fällt so tief, wie er nie gefallen ist. In dieser Lage, man ahnt seinen bevorstehenden Tod, verfasst er seine Memoiren.

Die Figur des Barry Lyndon, der die Menschen manipuliert, betrügt, erpresst, um seine Ziele zu verfolgen, ist zutiefst ambivalent. Auf der einen Seite ist er moralisch vollkommen verrottet, auf der anderen Seite gelingt es Thackeray, ihn dem Leser niemals völlig unsympathisch werden zu lassen. Barry, dessen Hochstapelei von seiner adeligen Umgebung eher belustigt aufgenommen wird, verfügt über ein geradezu gigantisches Ego, ein krasses Missverhältnis zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. Der Leser hat fast so etwas wie Mitleid, denn die führende Gesellschaft in dieser Zeit verhält sich nicht einen Deut moralischer als Barry. Dieser möchte aufsteigen und bedient sich letztlich genau der Mittel, die die herrschende Klasse, zumindest inoffiziell, als ihrem Stand legitim erachtet. Barry, der kleine, mittellose Landadelige, dessen Manieren zu wünschen übriglassen, der sein Geld mit Kartenspiel ergaunert, dieser Barry überwindet die Klassenschranken seiner Zeit, setzt sich gegen Dünkel und Intrigen durch. Seine Opfer sind niemals ganz unschuldig, und das macht ihn trotz aller Verfehlungen zur Sympathiefigur.

Thackeray erschafft eine Kulisse des Absolutismus, vor der seine Geschichte spielt, so detailliert und einfallsreich, dass er auf fünf Seiten so viel Handlung unterbringt, wie andere Autoren in einem ganzen Roman. Vom ersten Kapitel an fesselt er sein Publikum und legt ein atemberaubendes Tempo vor, das für die Leser seiner Zeit sicherlich gewöhnungsbedürftig war. Es passt viel mehr in unsere Gegenwart, so prall und aktionsgeladen ist die Handlung. Thackeray hat sich an dem Stoff abgemüht, wie man weiß, aber das ist auch kein Wunder, denn er hält dieses Tempo bis zur letzten Seite durch. Es muss seine Phantasie bis zum Äußersten erschöpft haben, denn neben dem Tempo hält er auch das Niveau - vielleicht bis auf das Kapitel der Prinzessin von Württemberg, das ein wenig als Fremdkörper wirkt (obwohl es nicht uninteressant ist).

Gisbert Haefs Übersetzung fängt die Eleganz des Erzählstils genauso ein, wie sie behutsam die Sprache der Gegenwart adaptiert. Nie wirkt der Text angestaubt, niemals "vergreift er sich im Ton". Authentisch, lebendig und dabei flüssig und leicht lesbar. Die umfangreiche und sorgfältig recherchierte Kommentierung im Anhang vertieft das Bild von Barry Lyndon in seiner Zeit.

"Barry Lyndon" ist ein Schmöker mit Niveau. Prall voller Geschichten, vielschichtig und mit einer klaren Botschaft gegen Unfreiheit und Klassenschranken. Zu Zeiten Thackerays gewagt obrigkeitskritisch, für uns heute ein fesselndes Stück Literatur, das man gar nicht mehr aus der Hand legen will.
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, 4. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Im Rahmen der geschichtlichen Hintergründe SUPER unterhaltsam - Leider sehr teuer!
Würde mir wünschen solche Werke auch für unter 10€ zu bekommen - tja Schade
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Die Memoiren des Barry Lyndon: Roman
Die Memoiren des Barry Lyndon: Roman von William Makepeace Thackeray (Gebundene Ausgabe - 8. Oktober 2013)
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