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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man muss vom Leben sprechen, wenn man es verwandeln will., 19. April 2009
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Legenda aurea (Gebundene Ausgabe)
Legende, Vespe, Sage, Fabel oder Mythos - so werden die unterschiedlichen Gattungen der Literatur beschrieben, die eine Botschaft mit Hilfe von Tieren oder Pflanzen den Menschen als Lebensweisheit geben. Oder aber es sind Heldengeschichten, die eine Identifikation beim Leser hervorrufen oder es sind die Geschichten, die auf das Transzendente dieser Welt mit Hilfe von Göttern hinweisen. Allen eigen scheint aber die besondere Botschaft zu sein, sich selbst und sein Denken und Handeln zu reflektieren oder es aber in die "richtigen" Bahnen zu lenken. Richtige Bahnen sind die Fragen der Philosophie, der Religion und der Gesellschaft. Damit gilt die biblische Frage: "Quod est veritas?" des Pontius Pilatus als eine, die ohne Zeitbezug nicht zu beantworten ist. Außerdem ist jeder wie ein Fisch in seinem Glas gefangen in der Welt seiner Werte und Vorstellungen und damit stets getrübt durch das begrenzte Wissen der Epoche. Dieses vorausgeschickt entdeckt man das unsichtbare Gefängnis oder die sanfte Sekte, die jedem Halt und Richtung, Maß und Ziel gibt.

Mit den "Legenda aurea", den goldenen Legenden begibt man sich in das Mittelalter des 13. Jahrhunderts. Jacobus de Voragine (1230-1298) war Dominikanermönch, sechszehnjährig trat er dem Orden bereits bei. Sein berühmtes Werk, welches zu den meistgelesenen des Mittelalters gehörte, verfasste er im Laufe von 10 Jahren, beginnend im Jahre 1263. Sein Anliegen war, Wissen der Zeit, Glauben der Zeit und das Transzendente zu verbinden. Seine Legenden liefern das, was man vermutet: Wahre Geschichten, die mit Phantasie angereichert, erst zur Legende werden. Und so beginnt er sein goldenes Werk im letzten Kapitel: "Bruder Jacobus de Voragine aus dem Orden der Prediger, der achte Erzbischof der Stadt Genua, trat sein Amt im Jahre des Herrn 1292 an und wird am Leben bleiben, solange es Gott gefällt." Die Chronik der Stadt Genua ist die eine Seite; die Viten der großen Heiligen bestimmen sein Werk innerhalb des Kirchenjahres, berichten über Wunder, die der Heilige in seinem Leben oder postum bewirkt hat und enthalten sicher eine Portion Magie. Aber nahezu immer ist der Kampf zwischen Gut und Böse bestimmend, nicht unbedingt nur physisch gemeint, sondern in der Diesseits-Relation zu den dahinterliegenden überirdischen Mächten.

Seine aufgeschriebenen Legenden sind nicht der Zeit nach geordnet, vielmehr ordnet er den Inhalt dem liturgischen Kalender unter, vom Advent bis zur Kirchweihe. Die Unterordnung der Historie unter den Heiligenkalender und des Kirchenjahres stellt damit eine Heilsgeschichte dar, auf ein Jahr bezogen wird damit die kultische Wiederkehr der historisch einmaligen Heiligenlebens (vgl. Eliade, Kosmos und Geschichte) in eine Sphäre des dauernd Gültigen erhoben. Diese communio sanctorum ist damit eine Gesellschaft von Heiligen, die mit uns ist. Da diese Legenda aurea mehr gelesen wurde zu seiner Zeit als die Bibel, zeigt, dass Geschichten, Legenden, Märchen als Lesebuch zum Lesen und Vorlesen greifbarer sich dem Menschen zeigen.

Jacobus' Verdienst ist es also, die zuvor vergangenen 1300 Jahre christlicher Mythologie aufgehoben und allen zugänglich gemacht zu haben. Er kommt damit gleich einem Homer oder eben den Sammlungen von Märchen, wie die Gebrüder Grimm es taten.

Jacobus' Legenden zeigen eine Grenzziehung zwischen dem Übernatürlichen und dem rein Erkennbaren. Sie sind in den Vermutungen metaphysisch, in der Realität bemüht um Tatsachenwissen mit Nachweis wo möglich. Doch ohne - und hier kann man Roland Barthes zu Rate ziehen - eine vorausgehende Idee von Gut und Böse, einer Idee der Zeit und der Gesellschaft kann man diese Literatur nicht beurteilen. Fest steht insofern, dass Legenden wie der Mythos eine Aussage darstellen. In der Art und Weise, wie man das Geschehen vermittelt, erlebt man, dass das Universum unendlich suggestiv sein kann. Mit jeder Benennung und Beschreibung erwächst aus dem Objekt ein Phänomen, das mit Bildern und Emotionen angereichert zum gesellschaftlichen wie religiösen Gebrauch ins Leben tritt. Bis heute.

Und so ist diese erlesene Auswahl wichtiger Heiliger von Jacques Laager (Aposteln, Evangelisten, Märtyrer, ...) ein Einstieg, der neugierig macht auf das, was unsere Historie noch heute in der Jetztzeit ausmacht. Das Andreaskreuz an Bahndämmen hat welche Bedeutungsherkunft? Der Tag der Siebenschläfer wird am 27.Juni erneut auftreten. Welche Bewandtnis hat dieser? Was sagt die Legende und die Sure 18 (siehe da), die dieses Legendenthema wieder aufnimmt? Und nicht nur diese Fragen finden eine Antwort, sondern ebenso die Herkunftsfragen des Blasiussegen, was machte der Heilige Antonius und was bewog den Heiligen Nikolaus seine Töchter zur Prostitution freizugeben und wie wurden sie verschont? Warum biss sich Paulus die Zunge ab? Was ist für Sebastian die neue Art zu sterben?

Was ein Bestseller im 13. Jahrhundert war, erst unter Luther in Verruch geriet, kann heute ein interessanter Wissens-Seller sein, der amüsant und klar die Herkunft mancher Bräuche deutlich macht, aber auch die Interpretation der Kunst der Renaissance anreichert.

Die Ausgabe aus dem Manesse Verlag hält, was Manesse verspricht. Eine sehr bibliophile Ausgabe mit goldenem Lesebändchen und 16 kleinen Miniaturen und Deckfarbengemälden, die das hohe Niveau der Buchmalerei in der Hochblüte des Mittelalters dokumentiert.

Insgesamt eine anregende Gestaltung, aus historischer, religöser wie aus kunsthistorischer Sicht.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Legenden des christlichen Mittelalters, 5. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Legenda aurea (Gebundene Ausgabe)
Viele der Legenden, wie sie der Dominikaner Jacobus von Voragine in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben hat, sind auch heute noch bekannt. Sie bestimmten das Denken der mittelalterlichen Menschen, das in einem sehr viel höheren Mass als heute von kirchlichen Vorstellungen geprägt war.
Die ansprechende Ausgabe des Manesse-Verlages enthält einer Auswahl dieser Legenden auch einen kleinen Anmerkungsapparat sowie 16 Miniaturen aus einer Prachtshandschrift der "Legenda aurea", die 1362 in Strassburg vollendet wurde.
Insgesamt eine wunderschön gemachte Ausgabe einer der wichtigsten Legendensammlungen des späten Mittelalters.
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der christliche Olymp!, 13. Januar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Legenda aurea (Gebundene Ausgabe)
Wollen sie wissen, wie Judas Iskariot lebte, bevor er sich Jesus anschloß? Was hat es mit der Jungfräulichkeit Mariens auf sich? Oder interessiert es sie, was in der Hölle passiert?
Dann lesen sie die Legenda Aurea. Dieser mittelalterliche Bestseller beitet ihnen märchenhafte Erlebnisse, phantastische Aberteuer, ja die Legenda Aurea ist das Urwerk christlicher Legendenbildung! Oder wie Richard Benz sagte: "Der christliche Olymp". Ihr Einfluß auf die Kunst des Mittelalters stellt alle anderen Werke in den Schatten.
Allerdings sollte man sich hüten, dieses Werk vorschnell als "fundamentalistisch" zu bezeichnen:
Bereits Jacobus de Voragine war sich bewußt, dass viele Ort- und Zeitangaben falsch sind. Er wollte Volkslegenden zusammenstellen, kein wissenschaftliches Buch.
Auch die brutalen Folterszenarien in den Märtyrerlegenden dienten z. B.: in erster Linie dazu, die Glaubenstreue der Heiligen aufzuzeigen, die sich durch nichts zum Abfall bewegen ließen.
Richtig verstanden, kann dieses volkstümlich und spannend geschriebene Buch uns durchaus auch heute noch Impulse geben.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schönes kleines Büchlein, aber nicht vollständig, 11. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Legenda aurea (Gebundene Ausgabe)
Jedem, der sich für Heiligengeschichten interessiert ist die Legenda Aurea wärmstens zur Lektüre empfohlen. Das kleine Büchlein ist sehr schöne gemacht, aber es handelt sich hier um keine vollständige Ausgabe der Legenda.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Kunde aus ferner Welt, 19. Juli 2011
Von 
Serenus Zeitblom (Köln, Europa) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Legenda aurea (Gebundene Ausgabe)
Was ich eigentlich wollte: die gesamte ungekürzte Legenda Aurea auf Lateinisch und Deutsch (oder mit Vokabelunterstützung), gleichzeitig mit ein paar nötigen Kommentaren, dazu sehr klein und flach und noch ins Regal passend sowie bezahlbar. Das war natürlich nicht zu kriegen - letztlich habe ich diese Manesse-Ausgabe als Kompromiss genommen, und es war auch gut, viereinhalb Sterne. Es ist sehr platzsparend, schön in der Ausgabe, ein paar bunte Bildchen dabei sogar, die Übersetzung ist nachvollziehbar, und ein Minimalkommentar existiert.

Enthalten sind Geschichten von diversen, mehr oder weniger bibelbelegten Heiligen beiderlei Geschlechts. Dieses, das Geschlecht, wird stets mustergültig abgetötet, Dem Stolze, der Ruhmsucht und dem Reichtum entsagt man und stirbt freudig, meist als Märtyrer, der/die gleich noch Tausende in der letzten Stunde bekehrt. Das ist ein ziemlich krasser Gegenentwurf zur heutigen Zeit. An die erinnert eher das Treiben der heidnischen Römer in Jacobus de Voragines Werk. Hat sich da das "Christentum" etwa verändert?

Die Geschichten sind hier teils gekürzt, aber jeweils mit Ansage hinten im sparsamen Kommentarteil. Sehr sparsam: Die Sünderin hatte, so in der Legende, also einen Lebenswandel wie eine "Wölfin"? Dieser Ausdruck steht im Lateinischen schlicht für die Dirne - der Kommentarteil hätte ihnen das leider jetzt nicht verraten. Doch andere Wortspiele (so Margareta, margarita/Perle) werden schon aufgelöst, i.d.R. mit Hinweisen im Text, wie auch zu Bibelstellen.

Bevor sie also den Sohn Paul oder Christoph nennen, lesen Sie doch noch die Geschichte dazu in einem der zentralen Werke des Mittelalters selbst. Auch Darstellungen religiöser Kunst könnten einfacher zu entziffern sein: welche Heilige setzt dem Teufel den Fuß auf den Nacken, welche schluckt das Schwert?

Wissen, für das unsere Zeit bereits das Blättern in solchen Büchern braucht. Viel Lese-Freude dabei!
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14 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Erbauung für den Geist ! Lesenswert !, 17. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Legenda aurea (Gebundene Ausgabe)
Dieses populärste Volksbuch des Mittelalters ist auch in der heutigen Zeit absolut zu empfehlen. Gerade heutzutage ist die Kirche mehr denn je im Kreuzfeuer der Kritik. Dabei wird allzuoft vergessen, um was es beim christlichen Glauben grundsätzlich geht. Die Geschichten in der goldenen Legende sind vor über 700 Jahren niedergeschrieben worden, einer Zeit, wo man keine Medien kannte ausser den Büchern. Man war für solche Heiligenlegenden viel empfänglicher als heute, weil man die heutige Welt nicht kannte. Vermutlich waren die Menschen jener Zeit näher am Christentum als wir heute vielleicht glauben. Die Geschichten vertiefen einige Erzählungen der Bibel. So erfährt der Leser mehr über das Leben von der Gottesmutter Maria und ihren Eltern oder über Johannes dem Täufer. Abgerundet wird dieses wunderschöne Werk des Jacobus de Voragine durch die kunstvoll-dichterische Sprache.
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Legenda aurea
Legenda aurea von Jacobus de Voragine (Gebundene Ausgabe - 2000)
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