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5.0 von 5 Sternen Das Buch geht der Frage nach, warum wir in unserer Gesellschaft so unsozial miteinander umgehen, und benennt Auswege
Wenn wir so weiter machen wie bisher, geht unsere Gesellschaf vor die Hunde. Mit diesem Satz kann man die Diagnose zusammenfassen, die der mit dem Wächterpreis für investigativen Journalismus ausgezeichnete Autor Jörg Schindler in seinem neuen Buch „Die Rüpel-Republik“ erstellt. Er geht der Frage nach, warum wir in unserer Gesellschaft so...
Vor 19 Monaten von Winfried Stanzick veröffentlicht

versus
63 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schindler und die Abwesenheit von Erziehung
Als Berufsschullehrer erlebe ich die von Schindler beschriebenen Rüpel jeden Tag. Seine Bestandsaufnahme ist gelungen, die ersten 30 Seiten entsprechen noch den Erwartungen, die der Klappentext schürt, aber was dann folgt, geht, wie die DeutschkollegInnen formulieren würden, am Thema vorbei. Liegen die Ursachen für die angeprangerten Rüpeleien...
Vor 18 Monaten von Manfred Küper veröffentlicht


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63 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schindler und die Abwesenheit von Erziehung, 3. Oktober 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
Als Berufsschullehrer erlebe ich die von Schindler beschriebenen Rüpel jeden Tag. Seine Bestandsaufnahme ist gelungen, die ersten 30 Seiten entsprechen noch den Erwartungen, die der Klappentext schürt, aber was dann folgt, geht, wie die DeutschkollegInnen formulieren würden, am Thema vorbei. Liegen die Ursachen für die angeprangerten Rüpeleien tatsächlich in unserem am Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem oder in falschen politischen Vorbildern wie Christian Wulff? Sind soziale Projekte oder Dorfgemeinschaften Auswege aus dem Dilemma? Oder würden unsere Rüpel nicht auch dort die Solidargemeinschaften aufmischen?

Schindler verliert kein Wort über Erziehung. Nichts über die Elternhäuser unserer Republik, nichts über überforderte alleinerziehende Mütter oder Väter, nichts über die von Politikern immer wieder aus Geltungssucht aufgemischten Schullandschaften und überforderte Kolleginnen und Kollegen, nichts über Verantwortung und Gemeinschaftsgefühl, nicht über die zu vermittelnden Werte und Normen.

Etwas mehr Nähe, ein wenig mehr Zeit füreinander, das ein oder andere Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist sicherlich wirksamer als der Ruf nach politischen Lösungen. Vater sein und Mutter sein bedeutet, verantwortlich zu sein. Dem dürfen wir uns nicht entziehen.
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64 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eher oberflächlich - ohne klare Argumentation, 26. August 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
Leider hat mich das Buch nicht ganz überzeugt, sowohl was den theoretischen, als auch den praktischen Teil betrifft.

Teil 1 handelt von Beispielen alltäglicher Rüpeleien. Diesen Part kann man getrost überspringen, denn dergleichen kennt man aus eigener Erfahrung. Die Beispiele sind teilweise krass und ich habe mich schon gefragt, ob dergleichen, wie der Autor insinuiert, typisch für unser Mit- bzw. Gegeneinander ist, oder ob hier auch ein wenig "selektive Wahrnehmung" im Spiel ist.

Der zweite Teil ist der eigentlich interessante, geht es hier doch um die Ursachen. Hier aber fasert die Argumentation des Buches ziemlich aus. Der Autor bringt eine Fülle von möglichen Ursachen, jede in einem eigenen Kapitel, und vermag dabei nicht, so etwas wie einen roten Faden aufzuzeigen.

Als Gründe werden genannt: Wir vereinzeln. Wir werden - ganz entgegen unserer Natur - zu Egoisten. Wir schauen zuviel Fernsehen. Wir verbringen zuviel Zeit mit Facebook und Co. Im INternet, unter dem Schutz von Pseudonymen, lassen wir alle Hemmngen fallen. Arm und Reich driften auseinander. Unser Gesundheitssystem geht langsam vor die Hunde. Die Reichen verachten die Armen. Wir suchen ständig Sündenböcke für alles, was irgendwie nicht läuft. Die da oben (Wulff und Co.) bereichern sich schamlos, was ein schlechtes Vorbild ist. Die Lobbyisten haben zuviel Macht. usw...

So, wie Jörg Schindler es präsentiert, passt da Vieles nicht zusammen. Einmal zitiert der Autor Joachim Bauers "Schmerzgrenze", wonach Ausgrenzung zu Aggression führt. Ein paar Seiten weiter zitiert er dann eine Untersuchung, wonach es nicht die Verlierer, sondern die Gewinner sind, die sich besonders aggressiv verhalten (die Loser werden eher depressiv). Ja, was denn nun? Ganz am Anfang stellt der Autor fest, das "Rüpelei" kein Straftatbestand sei, weswegen es dazu keine Statistiken gebe. Das stimmt. Aber Gewalttaten sind statistisch erfasst, und die gehen in allen westlichen Ländern seit den Achtzigern tendenziell zurück, obwohl seitdem die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Das verlangt nach einer Erklärung, die der Autor aber nicht bieten kann. Stattdessen rührt er alles, was intuitiv in unserer Gesellschaft nicht OK ist, in einen großen Topf, so dass sich jeder seine Lieblingserklärung rauspicken kann. Eine stringente Argumentation, die klare Verursachungslinien aufzeigt, sucht man in dem Buch vergebens.

Teil 3 bietet dann Lösungsansätze an. Sie haben alle gemeinsam, dass Menschen, die gemeinsam an überschaubaren Projekten arbeiten (Grünflächen in der Stadt bearbeiten; einen Dorfladen bewirtschaften...) sich kooperativ und wenig rüpelhaft benehmen. Das ist sicherlich richtig. Aber unser Problem ist ja eben, dass die Rüpeleien unter Bedingungen der Anonymität grassieren, gegenüber Fremden. Hier helfen die vom Autor vorgeschlagenen Mikro-Initiativen, so sympatisch sie sind, wenig.

Mein Eindruck zu dem Thema: Vielleicht ist es tatsächlich so, dass "Gesellschaft freier, sich selbst verwirklichender Individuen" und "Rüpel-Republik" nur zwei Seiten einer Medaille sind. Wir bekommen das Eine nur zusammen mit dem Anderen. In Japan etwa gehen die Menschen auch im öffentlichen Raum viel höflicher und rücksichtsvoller miteinander um. Dafür herrscht dort auch ein Konformismus, wie er für die Meisten von uns hier im Westen unerträglich wäre. Ein Sprichwort dort lautet übersetzt "Vorstehende Nägel werden eingeschlagen", und genau das lernen die Kinder von klein an: Ordne dich ein, ordne dich unter. Schau rechts und links, was die Anderen denken und tun. - Wir dagegen geben unserem Nachwuchs implizit und explizit mit auf den Weg: Sei du selbst! Mach dein Ding! Du bist gut! - Das Ergebnis ist dann im Alltag leider "Kante statt Kant"
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch geht der Frage nach, warum wir in unserer Gesellschaft so unsozial miteinander umgehen, und benennt Auswege, 4. September 2012
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
Wenn wir so weiter machen wie bisher, geht unsere Gesellschaf vor die Hunde. Mit diesem Satz kann man die Diagnose zusammenfassen, die der mit dem Wächterpreis für investigativen Journalismus ausgezeichnete Autor Jörg Schindler in seinem neuen Buch „Die Rüpel-Republik“ erstellt. Er geht der Frage nach, warum wir in unserer Gesellschaft so unsozial miteinander umgehen. Warum sind wir so geworden?

Da ist zum einen die immer zunehmende Ich-Bezogenheit, di, von der Werbung in den Medien unterstützt, den Menschen das Mitgefühl und die Solidarität abhanden kommen ließ. Im Internet, wo sich die meisten anonym verstecken, können solche Ich-Bezogene dann so richtig vom Leder ziehen und jede Hemmschwelle fallen lassen, Aber auch in der realen Welt fallen die Werte wie Achtung vor dem Nächsten, Respekt und Nächstenliebe einem immer größeren Egoismus zum Opfer.

Das Dramatische an diesem Verhalten ist, dass es nicht nur ungeeignet ist, wirkliche Beziehungen aufzubauen, nein, es ist im höchsten Grade zerstörend für bestehende Beziehungen und das ihnen zugrundeliegende Vertrauen.

Kontakte zu Nachbarn werden zur Seltenheit, Nachbarschaftshilfe zu etwas Exotischem in einer Gesellschaft, die das Fernsehen zu einer Guckgesellschaft gemacht hat. Die Menschen werden nicht nur immer materialistischer sondern auch ihre Aggressivität steigt.

Doch Schindler bleibt nicht nur bei seiner Kritik. Im dritten Teil seines aufrüttelnden Buches ruft er zu neuem Engagement auf, etwa mit folgenden Überschriften:

• Über dem Pflaster liegt der Strand- Wieso der Wandel der Städte mit Unkraujäten beginnt
• Die Anfänger- Wie aus vielen kleinen Regungen allmählich eine Bewegung wird
• Von wegen Tragik- Warum es gemeinsam eben doch oft besser funktioniert
• Zurück auf Los- Warum wir alle gute (Sozial) -kapitalisten werden sollten

In den Kindergruppen vor dreißig Jahren sangen wir mit den Kindern: „Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten werden das Gesicht der Welt verändern.“

Das ist nach wie vor richtig.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Vielleicht ist es kein Zufall, dass Rüpeleien und Ruppigkeiten vor allem dort zunehmen, wo Menschen auf ihnen fremde Menschen,, 24. August 2012
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
treffen. Wer sich die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt, weiß womöglich gar nicht mehr, wie er sich gegenüber anderen verhalten soll." (Zitat. S.79)

Jörg Schindler, der Autor dieses hervorragenden Buches wurde 2009 gemeinsam mit seinem Kollegen Matthias Thieme mit dem Wächterpreis für investigativen Journalismus ausgezeichnet. Schindler legt in "Die Rüpel-Republik" den Finger auf nicht jedem bekannte Missstände. Dabei möchte er verdeutlichen, dass wir offensichtlich mehr gegen- als miteinander leben. Es geht ihm um die Fragen: Was hat uns so unsozial hat werden lassen? Und wie möchten wir in Zukunft miteinander auskommen?

Jeder kennt diese leidigen Nachbarschaftsstreitigen, die dann entstehen, wenn jemand die Grenzen nicht respektiert. Davon ist u.a. im ersten Teil des Buches die Rede, aber auch, weshalb im Internet so gut wie keine Hemmschwellen mehr existieren. Die Kommunikationswissenschaftlerin Ruth Festl hebt hervor, dass Mobbing ein Phänomen ist, den man Aufmerksamkeit schenken sollte. Sie leitet seit Beginn des Jahres eine Langzeitstudie zum Thema Cyber-Mobbing an der Universität Hohenheim. Hier zeigen Vorstudien bereits, dass Cyber-Mobbing an Schulen schon längst zur Regel geworden sind. Nicht selten geht es darum, soziale Beziehungen zu zerstören. Die Wissenschaftlerin hebt hervor, dass Cyber-Mobbing kein individuelles Problem sei und man mit Täter-Opfer-Profilen allein nicht weiterkomme, (vgl.: S.63).

Der Autor thematisiert eine Untersuchung, wonach die generelle spontane Hilfsbereitschaft sinkt, wenn man Belohnungen ins Spiel bringt und zeigt auf, dass Gesellschaften mit einem hohen Vertrauenspotential schneller wachsen. Personen, die ihren Mitmenschen vertrauen, „melden sich häufiger freiwillig, spenden mehr für gute Zwecke, engagieren sich stärker in der Politik und Gesellschaft, sitzen bereitwilliger in Jurys, spenden regelmäßiger Blut, kommen umfassender ihren Steuerverpflichtungen nach, sind toleranter gegenüber Minderheitsmeinungen und offenbaren viele andere zivile Tugenden, (vgl.: S. 76).

Schindler hält fest, dass wir uns von unseren Freunden und Nachbarn immer mehr entfernen. Im Jahre 2010 fand sich nur eine unter den 15 wichtigsten Freizeitaktivitäten der Bundesbürger, die zwingend einen leibhaftigen Kontakt von Mensch zu Mensch notwendig macht, (Näheres hierzu Seite 79).

Aus einer Tu- hat das Fernsehen eine Guckgesellschaft gemacht. Ein exzessiver Konsum von Unterhaltungsfernsehen macht Menschen nicht nur materialistischer, sondern auch aggressiver. Auf der Strecke bleiben Mitgefühl und Empörung.

Der Autor hinterfragt, wie sozial Netzwerke eigentlich sind und kommt nicht gerade zu erfreulichen Ergebnissen. Er zitiert einen vor lauter Netzwerkerei erschöpften Studenten: "Es muss schön gewesen sein, als man Menschen einfach nur kennenlernen könnte, indem man mit ihnen sprach." (Zitat. S.98).

Schindler verdeutlicht so viele Momente, die dazu führen, dass wir uns immer seelenloser und damit auch unsozialer verhalten und macht klar, wieso bei allem die Zufriedenheit nicht wächst. Der Autor übt aber nicht nur Kritik, sondern zeigt konstruktiv zum Schluss Lösungsansätze auf, wie wir es schaffen können, unsere rücksichtslos gewordene Gesellschaft positiv zu verändern. Dass es Zeit wird, dass sich etwas ändert, werden nur eingefleischte Rüpel bestreiten. Neue Wege zu gehen lohnt sich. Warum nicht diese, die Schindler hier anbietet?

Ein Buch, das ich gerne empfehle, weil es aufrüttelt und zum Nachdenken anregt.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aufzählung von gesellschaftl. Mißständen ohne ernsthafte Ursachenanalyse, 5. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
"Die Rüpelrepublik" ist in 3 Teile gegliedert. Teil 1 listet eine Reihe gesellschaftlicher Bereiche auf (Nachbarschaftsverhältnisse, Schule, Fußball, Straßenverkehr, Internet) in denen der Autor eine Zunahme an Respektlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und Unhöflichkeit festgestellt hat. In Teil 2 werden einige Ergebnisse von Verhaltensstudien zu Empathie, Motivation, Zusammenarbeit diskutiert, angebliche Ursachen für die beklagten Mißstände ausgemacht (Fernsehen, Internet) sowie weitere problematische Entwicklungen in Teilbereichen der Gesellschaft beschrieben (zunehmende Ungleichheit, Verarmung, Gesundheitssystem, ADHS bei Kindern, Korruption in der Wirtschaft). Teil 3 verweist dann auf gesellschaftliche Positivbeispiele (Bhutan) und Gemeinschafts-fördernde Vorschläge des Autors mit denen die beklagten Mißstände beseitigt werden sollen (Gemeinschaftsgärten, Freie-Software-Bewegung, Carsharing, offene Werkstätten, regionale Wirtschaftsgenossenschaften, Mehrgenerationenhäuser).

Etwas das man leider im gesamten Buch nicht findet ist der Versuch zu den eigentlichen Ursachen der beschriebenen Mißstände vorzudringen. Ist es denn wirklich so erstaunlich, daß Menschen die in einem Wirtschaftssystem in Konkurrenz zueinander gesetzt werden, die um wirtschaftlich überleben zu können sich mit allen Mitteln als Feinde bekämpfen müssen, sich im zwischenmenschlichen Umgang nicht besonders wohlgesonnen sind? Ist es nicht eher zu erwarten, daß Menschen die sich innerhalb einer Betrügerwirtschaft zurechtfinden müssen ein ausgeprägtes Mißtrauen gegenüber ihren Mitmenschen entwickeln? Die gesellschaftlichen Bedingungen unter denen die Bevölkerung hierzulande lebt sind ja mitnichten von dieser selbst gewählt worden (wie Schindler auf S. 72 behauptet). Deren Änderung bedürfte die politische Organisation großer Teile der Bevölkerung, was vom Autor aber nirgends auch nur suggeriert wird. Das Haupt-Manko des Buches liegt dann auch darin, daß der Autor grundsätzlich nicht bereit ist Fragen dieser Art zu diskutieren. Ausnahmslos alle seine Lösungsvorschläge eine Änderung der Verhältnisse herbeizuführen zielen auf Bereiche ab in denen Konflikte vollständig vermieden werden können. Eine Gemeinschaft deren Mitglieder einen respektvollen Umgang gegenseitiger Achtung untereinander pflegen, läßt sich aber nunmal nicht dadurch herstellen, daß man Mitglied beim Carsharing oder im Gemeinschaftsgarten wird.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu Vieles ist ausgeklammert, 19. November 2012
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
Der Umgangston ist schärfer geworden, das Verhalten der Menschen untereinander rüpelhafter. Stimmt. Die im ersten Teil des Buches geschilderten Situationen im Straßenverkehr, in der Nachbarschaft, in der Schule, auf Sportplätzen und im Internet kennen wir alle so oder so ähnlich. Im Buch wird sogar eine Frau beschrieben, die sich aus dieser Entwicklung einen Beruf geschnitzt hat und nun erfolgreich als Umgangstrainerin arbeitet.
Im zweiten Teil des Buches geht es im Schnelldurchgang um einige mögliche Ursachen, warum das Sozialkapital schwächer wird, und um die immer stärker werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Fast schon putzig fand ich den Verarmungswahn der Superreichen.
Im dritten Teil werden Initiativen vorgestellt, die ausdrücklich, oder auch ohne es zu wissen, versuchen, die Idee der Allmende wieder einzuführen und so zu einem besseren Miteinander zu kommen. Neben Carsharing gibt es auch gemeinsames Reparieren, Tauschbörsen für Gebrauchtes und Guerilla Gardening.
Das Buch ist populärwissenschaftlich geschrieben, es liest sich sehr leicht und, trotz der ernsten Thematik, unterhaltsam. Richtig überzeugt hat es mich allerdings nicht.
Ich fand die beschriebenen Initiativen am Ende des Buches zwar sehr interessant und sicherlich auch sinnvoll, mir fehlten jedoch konkrete Ideen, wie man den rüpelhaften Umgang miteinander sofort und in der jeweiligen, im ersten Teil des Buches beschriebenen, Situation angehen kann. Zum Beispiel den Umgangston in der Schule.
Vor allem aber war mir die Analyse der Ursachen nicht fundiert genug. Zu viele Aspekte, die das tägliche Zusammenleben und somit auch den Umgang miteinander prägen, wurden außer Acht gelassen.
Völlig ausgeklammert hat der Autor die Erziehung in den Elternhäusern und die Probleme des Bildungssystems. Wo sollen die Kinder denn das respektvolle Miteinander lernen, wenn nicht an den Orten, an denen sie aufwachsen, nämlich in der Familie, im Kindergarten und in der Schule?
Weder die Belastungen durch die ständigen Reformen im Bildungssystem, noch die veränderten Rahmenbedingungen, die den Druck auf alle Beteiligten verstärken, werden angesprochen.
Und leider gibt es auch keine politischen Forderungen. So sinnvoll Carsharing und Guerilla Gardening auch sind, an den Rahmenbedingungen, die für den immer rauer werdenden Umgang miteinander verantwortlich sind, werden sie leider nichts ändern.
Für einen Einstieg in das Thema ist das Buch ganz nett, aber mehr auch nicht.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irgendwie fühle ich mich nach der Lektüre besser, 16. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
Wer die Überschrift sieht, wird vermutlich sich wundern. Aber die Erklärung folgt: In den letzten Jahren habe ich immer mehr das Gefühl gehabt, völlig daneben zu sein. Die Verhaltensweisen vieler Menschen erschreckten mich, ich war entsetzt über das was ich erlebte. Gleichzeitig erlebte ich andere Menschen, die diese Verhaltensweisen tolerierten, ignorierten und einfach nicht mehr wahrnahmen, in Abrede stellten, dass es solche Dinge überhaupt gibt.

Irgendwann kam der Punkt für mich, wo ich mich gefragt habe, bilde ich mir das alles nur ein?

Dieser Tage erlebte ich, wie eine Frau mich zuparkte, es war so eng, dass ich - auch auf Grund eines Rückenleidens - nicht mehr einsteigen konnte. Da sie am Auto war, bat ich sie, das Auto etwas mehr mit Abstand einzuparken. Sie lehnte ab und ging einkaufen. Da müsse ich halt warten. Im Laden bat ich nochmal darum, mein Auto zugänglich zu machen. Sie ignorierte mich einfach. Einige Passanten äußerten ihr Unverständnis über meine Verärgerung. Später bei der Polizei wollte ich diese Sache anzeigen, es wäre auch möglich gewesen. Doch das Bußgeld wäre EUR 10 gewesen. Damit wird wohl kein Erziehungseffekt ausgelöst. Der Beamte meinte nur, kein Einzelfall. Kommt immer wieder vor und machen kann man kaum etwas. Nötigung, Freiheitsberaubung sind die Tatbestände. Die Frau hatte ein kleines Kind dabei... ich mag mir nicht vorstellen, was dieses Kind für das Leben bei ihrer Mutter lernt. Gnade uns Gott, wenn diese Kinder noch schlimmer werden als ihre Eltern.

Daher danke ich dem Autor des Buches für seine Schilderungen von Situationen. Er hat mir ein Stück Glauben an mich selbst und meine Empfindungen wiedergegeben. Was er mir nicht geben konnte ist die Hoffnung, dass sich unsere Gesellschaft ändern wird und diese Verhaltensweisen, die Rüpel wieder weniger werden.

Armes Land, dass solche Menschen hervorbringt.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Beispielbezogenes Aufzeigen eines Problems ohne allzu viel mehr, 10. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
Zweimal begann ich vor Jahren ein Buch zu schreiben, dessen Thema dem Jörg Schindlers in "Die Rüpel-Republik" sehr ähnelt. Zweimal brach ich irgend wann ab, emotional aufgewühlt, unzufrieden über die Fakten für Überzeugungsversuche und irgend wie hoffend. Schindler schwieg nicht und fing wie in einem Kaleidoskop die Situation mittels vieler kleiner Beispiele ein. Jeder Aufmerksame, der nicht teilnahmslos seinen Geschäften nachgeht, wird ähnliche Geschichten wie die im ersten Drittel dieses Buches anführen können. Aber er benennt hier bereits ein Problem, das bald danach das seine wird: Schuld sind immer die anderen. So werden, beispielsweise, die Beschriebenen gerade dieses Buch nicht lesen.

Nach dem ersten Teil mit seinen individualistischen Fallbeispielen folgt eine kritische Schau der gesellschaftlichen Institutionen, ohne dass sich wesentlich etwas ändert. Es bleibt leicht zu lesen und ist lesenswert. Der zweite Teil ist selbst gedrittelt, so dass noch ein Exkurs über Theorien und aus den Wissenschaften folgt. Von einigen Politikern als Negativbeispiel erzählt das Ende dieses zweiten Abschnitts, um dann übergangslos in allgemeine Politik über zu gehen. Zunehmend wird hierbei eine politische Gesinnung des Autors deutlich, was seinem Anliegen wohl eher schadet.

Aber das eigentliche Problem rührt daher, dass er dadurch den eigenen Blick auf den potenziellen Leser verliert. So sieht er in Konsumwahn, sozialer Zersplitterung beziehungsweise Vereinsamung durch Individualisierung sowie einem permanenten Konkurrenzstress die Ursachen für die Exzesse der Rüpelbürger. Obwohl dies naheliegend und auch begründbar ist, Schindler kann keinen ausreichenden Beleg dafür erbringen, dass dies die Ursache ist, allein oder zumindest überwiegend. Als Leser rückt man ein Stück fort, auch weil danach eben jene politische Positionierung zu aufdringlich wird.

Nun ist dies nicht schlimm für den Untertitel des Buches, denn der ist eine Frage: Warum sind wir so unsozial? Er verspricht keine Antwort beginnend mit Darum. Schlimm ist es jedoch für eine nicht im Buch gestellte Frage von weitaus größerer Bedeutung: Warum sind wir so geworden? Und damit sind keine Ursachen für das Unsoziale gemeint, sondern warum nichts gegen die Entwicklung unternommen wurde. Oder warum nur wenige es sahen und beklagten.

Leider übersieht Schindler hier einmal mehr das Problem des Schreibens eines solchen Buches. An wen will er sich wenden? Ursachen für die Entwicklung kann man erahnen, aber entscheidender ist, dass diese Entwicklung mehrheitlich hingenommen wurde. Damit muss die Frage des Untertitels gerade durch andere Qualitäten beantwortet werden, als die von Schindler angeführten. Es muss - in einem abstrahierten Sinne - lukrativer erschienen sein, so unsozial zu werden.

Die zweite Hälfte des dritten Teils widmet sich mehr oder weniger ad hoc entstandenen Projekten, die das Gemeinschaftliche und eine Lebensform ohne Betonung auf Konsum, Wachstum und Geld wieder neu entstehen lassen wollen. Ein Kritiker mag sagen, sie wären klein und eher kurios. Doch genau hier greift das Problem der nicht gestellten Frage und bringt das Buch zu einem fatalen Abschluss. Es sind seltsam anmutende Alternativen, Außenseiterträume von Menschen ähnlicher Natur wie der Autor. Auch wenn man sie als Vorbilder anführt, werden sie es nicht automatisch für eine Mehrheit. Noch schlimmer, in diesen Gedankengang mag nur der einstimmen, der ohnehin ähnlich wie der Autor denkt und fühlt. Er propagiert hier den Ausstieg der Aussteiger. Eine Veränderung durch Anpflanzen von städtischen Gärten ist schlicht unwahrscheinlich, solange außerhalb die selben, nicht analysierten Ursachen die Gesellschaft weitaus dramatischer beeinflussen. Oder, um es mit Hinweisen von Schindler zu sagen: Die Mehrheit ist trotz allem zufrieden mit unserer politischen Führung, Bhutan bleibt fern und die UN-Resolution "Glück" unverbindlich.

Damit muss man die Bewertung auch dreiteilen. Der erste Abschnitt ist lesenswert. Der zweite ist zu polemisch, um überzeugen zu können - ganz besonders jene nicht, die zu allererst zu überzeugen wären. Der dritte übersieht die eigenen Vorurteile und Setzungen des zweiten und bietet daher unbrauchbare Lösungen an. Letztlich werden so nur solche Leser gewonnen, die schon zuvor auf seiner Seite waren. Der Rest wird das Buch ignorieren oder zur Schaulust missbrauchen. Nur ein kleiner Teil wird so neutral sein, dass er zumindest kritisch über die Zustände, aber auch über das Angebot durch dieses Buch nachdenkt.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Provokant und nachdenkenswert, 13. Januar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? (Broschiert)
Der Autor stellt recht provokant und zugespitzt die Wandlungen in unserer bundesdeutschen Gesellschaft vor. Zielgenau hat er das Verhalten der Zeitgenossen beobachtet und schriftlich festgehalten. Das Buch gibt sich wiederholt wissenschaftlch, ist es so aber letztlich nicht. Es trägt jedoch wesentlich zur Meinungsbildung und als Argumentationshilfe bei.
Der Leser wird mehr oder weniger erschrecken, wenn er feststellt, dass er ähnliche Erfahrungen macht oder sich da und dort auch mal verhält, wie der Autor es beschreibt. Lesenswert!
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5.0 von 5 Sternen leider, 11. April 2014
Von 
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
wahr, was inhaltlich geschreiben wird; was ist aus uns und aus DE geworden, für mich fast eine Kapitulation in Richtung
Selbstzerstörung in allen Lebensbereichen und seitens des unfähigen Staates.
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Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial?
Die Rüpel-Republik: Warum sind wir so unsozial? von Jörg Schindler (Broschiert - 17. August 2012)
EUR 14,99
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