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am 13. November 2013
Werner Sauter ist pädagogischer Psychologe, Bankkaufmann, Volkswirt, Berufsschullehrer und Universitätsprofessor. John Erpenbeck ist nicht nur Professor für Kompetenzentwicklung, sondern auch Philosoph, Physiker und Schriftsteller. Diese Kombination so unterschiedlicher Qualifikationen dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum „So werden wir lernen!“ aus der Fülle vergleichbarer Literatur bezüglich Inhalt und Sprache herausragt.
Gleich zu Beginn werden wir mit der für mich wesentlichsten These des Buchs konfrontiert. Selbstverständlich werde die technische Entwicklung entscheidenden Einfluss haben auf zukünftiges Lernen: „Ohne Lernen via Cloud Computing und in semantischen Netzen geht gar nichts!“ (Was damit gemeint ist und was daraus folgt, wird im Weiteren detailliert und nachvollziehbar erklärt.) Dennoch gebühre die Priorität einem anderen Aspekt: „Der Faktor, der das zukünftige Lernen begrenzt, ist der Mensch, nicht die Technik.“ Auch „Fähigkeiten zum selbstorganisierten, kreativen Handeln“ und damit „Gefühle“ seien unverzichtbar, gebe es doch „keine Kompetenzen ohne Emotionen!“
Der Schwerpunkt zukünftiger Pädagogik könne nicht das Wissen an sich sein oder dessen Vermittlung, so die Autoren weiter, „Wissen an sich“ habe „mit Kompetenz zunächst gar nichts zu tun“. Zum einen könne Wissen nicht „übertragen werden“, es entstehe „im Gehirn eines jeden Lernenden neu“ – wofür Pädagogen bestenfalls gute Rahmenbedingungen schaffen können. Zum anderen sei Wissen zwar wichtig, aber gerade in einer globalisierten, digitalisierten, sich „unablässig wandelnden Welt“ sei es von immer kürzerer Haltbarkeit, könne daher „nie die Zukunft sichern.“ Zu größerer Sicherheit verhelfe uns hier nur „das unabhängige und kritische Denken“, das durch unsere Bildungseinrichtungen jedoch viel zu wenig gefördert – wenn nicht gar unterdrückt – werde. Die „Vorstellung der Universität als Ort der ‚Wissensvermittlung‘, an dem Studierende wie leere Gefäße mit Informationen gefüllt werden, ist obsolet“. Das „fremdgesteuerte und fremdorganisierte Lernen, wie es in den herkömmlichen Bildungseinrichtungen Schule und Universität bis heute vorherrscht, wird zunehmend einem selbstgesteuerten, vor allem aber einem selbstorganisierten Lernen weichen.“
Hier bekommt dieses Buch – und das ist aus meiner Sicht keine Kritik, im Gegenteil – utopische Züge. Eine solche Entwicklung wäre im besten Sinne revolutionär. Sie würde diverse verkrustete Hierarchien im Bildungs- und Erziehungswesen – das ja schon in der Familie beginnt – über den Haufen werfen. Ich fürchte nur, die individuellen Widerstände von Eltern, Erziehern, Hochschul- und anderen Lehrern sowie die nach wie vor vorhandenen autoritären Züge unserer Gesellschaft werden diesen ebenso wünschenswerten wie notwendigen Prozess hochgradig be- wenn nicht gar verhindern.
Aber in dem Buch von Erpenbeck und Sauter lässt sich bereits heute nachlesen, wie es aussehen könnte, wenn sich dieser Widerstand letztlich doch überwinden ließe. Ein ganzes Kapitel – an das die Autoren immer wieder anknüpfen – ist einem „Lernszenarium 2025“ gewidmet, in dem nicht nur fühlende Computer, kluge „Wolken“ und „sinnsuchende Netze“ anzutreffen sind, sondern auch Menschen, die andere Prioritäten setzen als Kapitalmaximierung, Prestige und Machtausbau.
Andreas Peglau
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