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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachlich grandioses Meisterwerk über den modernen Menschen, der das Leben verlernt hat.
Max Frischs Roman "Homo Faber", der Bericht eines Ingenieurs, zählt mit Recht zu den besten deutschsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts. Der Erzähler Walter Faber, ein UNESCO-Ingenieur, hat sich das rein rationale Weltbild eines puren Technikers zugelegt. Mit Kunst, die ja der Ratio zuwider läuft, kann er nichts anfangen und Gefühle sind für...
Veröffentlicht am 30. Dezember 2006 von A. Wolf

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auch Techniker wissen nicht alles
In diesem Buch wird beschrieben, wie das sehr geordnete und geregelte Leben des technik-gläubigen Menschen Homo Faber nach und nach aus den Fugen gerät. Es fängt damit an, daß er bei dem Besuch seines Jugendfreundes Joachim feststellen muß, daß dieser gestorben ist. Durch die Konfrontation mit dem Schicksal seines Freundes wird er an...
Am 9. Januar 2000 veröffentlicht


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28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachlich grandioses Meisterwerk über den modernen Menschen, der das Leben verlernt hat., 30. Dezember 2006
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Homo faber (Gebundene Ausgabe)
Max Frischs Roman "Homo Faber", der Bericht eines Ingenieurs, zählt mit Recht zu den besten deutschsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts. Der Erzähler Walter Faber, ein UNESCO-Ingenieur, hat sich das rein rationale Weltbild eines puren Technikers zugelegt. Mit Kunst, die ja der Ratio zuwider läuft, kann er nichts anfangen und Gefühle sind für ihn die großen Schwächen des Menschen; folgerichtig sieht er in emotionslosen, aber perfekt funktionierenden Maschinen sein Daseinsideal verkörpert. Doch im Laufe seines Berichts zeigt sich, dass Faber mit diesem Ungenügen sich selbst verleugnet, denn zu zwischenmenschlichen Beziehungen ist er nicht in der Lage.

Erst die Beziehung zur jungen Sabeth reißt ihn wieder hinein ins Leben; er beginnt, Dinge wieder zu erleben, Spontaneität auszuleben und ist auch zur Liebe fähig. Doch diese Liaison birgt ein verhängnisvolles und folgenschweres Geheimnis in sich, das Fabers Versagen zum Ausdruck bringt.

Max Frischs Roman ist keine Geschichte über das Schicksal. Sie zeigt vielmehr in ihrer Verkettung unwahrscheinlichster Ereignisse die Realitätsferne des rein technischen Weltbildes. Faber durchläuft in seinem Bericht eine gewaltige Entwicklung, so dass er am Ende Erzähltes nivellieren muss: "Alle Zeugnisse von mir wie Berichte, Briefe, Ringheftchen, sollen vernichtet werden, es stimmt nichts. Auf der Welt sein: im Licht sein. Irgendwo (wie der Alte neulich in Korinth) Esel treiben, unser Beruf! - aber vor allem: standhalten dem Licht, der Freude (wie unser Kind, als es sang) im Wissen, dass ich erlösche im Licht über Ginster, Asphalt und Meer, standhalten der Zeit, beziehungsweise Ewigkeit im Augenblick. Ewig sein: gewesen sein."

Dies sei nur ein Beispiel für die schlicht-schöne poetische Kraft der Sprache Frischs. Dabei weicht der zu Beginn des Berichts betont sachliche, ellipsenartige Erzählstil mehr und mehr der Verarbeitung von Gefühlen und Emotionen. Tiefen Eindruck hinterlässt vor allem das von Sabeth und Faber ersonnene Spiel, für alles, was sie sehen, Vergleiche zu finden.

Gewiss überzeugt der Roman vor allem durch das Bloßstellen einer bestimmten Lebensweise. Dass der American way of life das Leben nur kosmetisiere, so äußert sich Marcel, ein Bekannter Fabers, ist dabei nur eine von vielen Wahrheiten, die "Homo Faber" über das moderne Menschenbild preisgibt.

Eben jene Kritik am modernen Menschen, die deutlich mythischen Anleihen der Ödipus-Geschichte und das ganze andere schlaue Zeug, das in der Regel Schüler der Oberstufe aus diesem Werk herausziehen sollen, sind nur wenige Aspekte einer absolut modernen Erzählung, die auch in 50 Jahren immer noch als modern gelten wird. Je mehr wir den Menschen als berechenbar dekonstruieren und uns von Hirnforschern den freien Willen rauben lassen, umso aktueller werden Stoffe, die gerade dem entgegen wirken. Die Welt ist nicht berechenbar, sie ist es nie gewesen. Sie lässt sich auch nicht entzaubern, denn Phantasie ist Gott sei Dank eine Eigenschaft des Menschen.

Frischs Sprache, die all dies vermittelt, ist grandios. In ihrer schlichten Bescheidenheit ist sie dennoch enorm poetisch; sie spiegelt auf diese Weise eine tragisch-traurige Liebesgeschichte wider. Wer sich auf dieses Meisterwerk einlässt, wird nicht enttäuscht werden.
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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie ich den Roman mit 18 erlebt habe, 3. Oktober 2007
Von 
Hugo Humpelbein "das Viech" (in Sicherheit) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Homo faber: Ein Bericht (Taschenbuch)
In der 12. Klasse musste ich "Homo Faber" in Deutsch lesen. Es war von Anfang an nicht langweilig, was nach mehreren ungenießbaren Lektüren des Leistungskurses schon erfreulich war. Was ich auch sofort gut fand: ich las nicht nur Literatur, sondern auch eine teilweise zynisch geschriebene Geschichte, bei der gelegentliche kleine, ungefährliche Lachanfälle nicht auszuschließen waren.
Ich las die meisten Seiten laut vor mich hin und versuchte, den Sprachstil passend dabei zu betonen. Dies war besonders leicht, da Max Frisch einen Ich-Erzähler gewählt hat. Es war, als schnüffelte ich im Tagebuch eines Fremden, der seine Erlebnisse nicht trocken genug schildert, um es wieder beiseite zu legen. Emotionen kommen interessanterweise nie richtig zum Vorschein - sie werden vom Erzähler einfach weggelassen. Noch besser hätte mir die Geschichte gefallen, wenn Walter Faber am Ende durch den entscheidenden Lebenseinschnitt (den ich hier nicht vorwegnehmen will) zum bemitleidenswerten Sympathieträger würde. Es kann aber sein, dass der Autor das gerade nicht wollte, um die Einstellung der Homo Fabers auf diesem Planeten zu kritisieren: solche Leute ändern sich eben nie.
Es gibt eine Verfilmung zum Roman, die ich aber weniger hoch einstufe, weil nur im Buch alle Ansichten,Gedanken und Defizite des Protagonisten deutlich werden.
Manche Bücher sind wirklich zum Lesen geschrieben, nicht nur dafür, dass der Schreiber Geld verdient. "Homo Faber" zählt dazu.
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36 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über den entwurzelten Menschen, 4. November 2007
Von 
Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Homo faber: Ein Bericht (Taschenbuch)
Neben vielem anderem ist "Homo Faber" auch eine gelungene Studie über einen Mann, der sich ständig selbst belügt. Schon nach gut zwanzig Seiten erhalten wir einen Blick auf das Ende der Geschichte. Die Notlandung mit dem Flugzeug in der Wüste, die die weiteren Ereignisse auslöst, sei natürlich nicht Schicksal, nicht Fügung, erfahren wir vom Protagonisten. Sondern nur das Ergebnis von Unwahrscheinlichkeit, damit mit Hilfe von Mathematik erklärbar. Dabei haben seine eigenen Instinkte ihn zuvor bei der Zwischenlandung lange genug vom Schritt in das Flugzeug abgehalten. Kurz: Er weiß es besser. Aber er will nicht wahr haben, was nicht wahr sein darf.

Formal haben wir einen Reiseroman aus den 50er Jahren vor uns. Es geht von New York nach Mexiko und Südamerika, dann über den Ozean zurück nach Europa, wir sehen Italien und Griechenland, dann am Ende Kuba. Alle Orte entsprechen den Träumen von der Reise an die Sonne, die im Nachkriegseuropa die Menschen bewegt haben. Aber reist Walter Faber, der Held dieser Geschichte zum Spaß um die Welt? Es hat etwas von einer Flucht. Wir erfahren so wenig von seiner Heimat, dass man als Leser den Eindruck erhält, er habe keine solche. Und so erscheint mir eine der Pointen dieses Buches die zu sein, dass man erst Stück für Stück merkt, dass der so selbstbewusst auftretende Ingenieur schon von Anfang an ein gescheiterter Mensch ist. Er trägt den Krebs schon in seinem Bauch. Die Liebe seines Lebens hat er selbst ruiniert. Seine Tochter ist ohne ihn aufgewachsen. Beziehungen zu seiner Umwelt hat er keine. Andere Menschen mag er auch nicht besonders. Und vor allem: Er weigert sich standhaft, einmal selbst über sich und sein Leben ernsthaft nachzudenken.

Während in der Wirklichkeit solche Menschen meist in Dummheit sterben, gibt es im Roman natürlich eine elegantere Lösung. Der Held unserer Geschichte erlebt die Wirkungen des Schicksals, bis er sich seiner eigenen Existenz nicht mehr erwehren kann. Immer mehr Ereignisse bringen ihn dazu, sich mit seinem Selbst zu konfrontieren. Da ist die Leiche seines Freundes Johannes, die er mitten im Dschungel findet. Da ist die Affäre mit Sabeth, die sich als Tochter seiner großen Liebe herausstellt. Da sind die vielen Verweise auf die Geschichten aus der Antike über Götter, Menschen und Menschen, die sich zu Göttern aufspielen. Hybris bekommt den Sterblichen aber schon damals nicht gut, und so findet auch die Geschichte von Faber kein gutes Ende.

Das ganze wird aus der Perspektive des Helden erzählt. Dem aufmerksamen Leser wird aber schnell klar, dass es mehr hinter der Geschichte gibt, als Faber selbst schildert. Das ist clever geschrieben, denn obwohl Philosophie hier eine große Rolle spielt, ist der Roman alles andere ein Lehrbuch. Es ist einfach eine großartige Geschichte, die den Leser an die Grundlagen der eigenen Existenz führt - soweit er denn bereit ist, diesen Weg mitzugehen.

Wie viele andere habe ich den Roman zuerst in der Schule gelesen, mit dem drohenden Deutschaufsatz im Hintergrund. Das sollte aber nicht davon abhalten, das Buch jetzt, mit mehr Erfahrung, noch einmal genießen zu können. Es lohnt sich.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vielschichtig, überraschend, faszinierend!, 17. April 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Homo faber: Ein Bericht (Taschenbuch)
Der Leser wird mit dem 50-jährigen Walter Faber konfrontiert, dem berechnenden Techniker, dem jegliche Art von Mystik ablehnenden Verstandesmenschen, der die moderne Frau von heute als reines Lustobjekt betrachtet. Auf seinen Reisen trifft er Sabeth, ein blutjunges Mädchen, fasziniert von den Schnönheiten des Lebens, der Kunst, der Romantik. Kurzentschlossen bricht Faber seine Geschäftsreise ab, beschließt Sabeth auf ihrer Tour durch Europa zu begleiten. Trotz seines Unverständnisses gegenüber Sabeths begeisternder Denkweise, kommt Homo Faber dem Mädchen näher. Bis er schließlich eine erschreckende Entdeckung macht, die sein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Fabers rationales Denken, seine Blindheit gegenüber den Menschen, der Natur, und schließlich seinem Schicksal, werden ihm letztendlich zum Verhängnis.
Frischs Roman ist nicht nur eine äußerst spannend erzählte Geschichte. Die Vielschichtigkeit des Buches, die raffiniert ausgearbeiteten Hinweise auf das bevorstehende Schicksal der Hauptpersonen werden oftmals erst nach zweimaligem Lesen entdeckt. Homo Faber ist zugleich fesselnd, lehrreich und gesellschaftskritisch, und damit wahrscheinlich eines der besten Romane unserer Zeit. Unbedingt empfehlenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Homo Faber - Auf der Suche nach dem Ich, 28. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Homo faber (Gebundene Ausgabe)
"Homo Faber" ist wahrscheinlich Max Frischs bekanntestes Buch. Der Erzähler berichtet notizen- und tagebuchartig von beeindruckenden Erlebnissen auf Reisen. Die Geschichte entfächert sich, als er eines Tages als Flugzeugpassagier in der Wüste notlanden muß. Durch Seine Zuneigung und schließlich Liebe zu einer jungen Frau, die seiner ehemaligen Ehefrau unglaublich ähnlich sieht, endet abrupt und unwiderruflich. Im Folgenden begreift er langsam sein eigenes Leben und muß erkennen, daß er fast alles falsch gemacht hat. Für eine Läuterung ist es jedoch längst zu spät. Das Buch erreicht seinen Höhepunkt, falls es überhaupt eine Spannungskurve im klassischen Sinne erträgt, erst auf den letzten Seiten.
"Homo Faber" ist in Zusammenhang mit Frischs Büchern "Stiller" und "Mein Name sei Gantenbein" zu sehen. Die ewige Suche nach der inneren Persönlichkeit, nach dem Menschen ohne Fassade, ohne Täuschung und Selbsttäuschung, steht auch bei "Homo Faber" mit im Vordergrund. Durch schonungslose Offenheit mit sich selbst und dem Leser erreicht Frisch eine Nähe und Unmittelbarkeit, die man sonst selten findet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eins meiner Lieblingsbücher, 30. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Homo faber: Ein Bericht (Kindle Edition)
Der Ingenieur Walter Faber ist ein „echter Kerl“. Er ist am liebsten von Technik umgeben und am glücklichsten, wenn er an etwas herumwerken kann. Den Glauben an Schicksal oder Bestimmung hält er für weibisches Getue. Die Kunst und die Natur sind ihm fremd, letztere betrachtet er am liebsten durch seine Kamera, aber echt erleben möchte er sie nicht. Auch seine Mitmenschen sind für ihn oft anstrengend und unverständlich.
Walter wird nun durch eine Verkettung von Umständen dazu gebracht, sein bisheriges Leben in Frage zu stellen und die Vergangenheit holt ihn ein.
Bei der Notlandung seines Flugzeugs in der Wüste von Mexico lernt er einen Passagier kennen, der sich als der Bruder seines Jugendfreunds Joachim herausstellt. Obwohl er in Venezuela die Montage von Turbinen überwachen soll, handelt Faber aus einer Laune heraus und begleitet Herbert, um Joachim wiederzusehen. Doch als sie auf der entlegenen Tabakplantage ankommen, hat sich Joachim vor ein paar Tagen erhängt. Walter erinnert sich immer mehr an seine und Joachims gemeinsame Freundin Hanna, eine Jüdin, die er insgeheim noch immer liebt. Hanna erwartete ein Kind von ihm und er wollte sie heiraten, damit sie in der Schweiz einer Verfolgung durch die Nazis entkam. Damals wollte er sich seine Gefühle aber nicht eingestehen (und zulassen), so dass er die Heirat nur als Pflicht ansah. Weil er keine Verantwortung übernehmen wollte und das Kind lieber abtreiben lassen wollte, kam es aber nicht zu einer Verbindung mit Hanna. Er musste der Arbeit wegen fort und Hanna heiratete Joachim. Er glaubt, dass sie das Kind seinem Wunsch nach abgetrieben hat.
Zurück in New York bei seiner Freundin, mit der er eigentlich Schluss machen will, bucht er statt eines Flugs eine Schiffspassage nach Europa, denn er hat Termine in Paris. Auf dem Schiff lernt er eine junge Frau kennen, Sabeth, deren Unbekümmertheit und Energie ihn faszinieren. Er verliebt sich in sie, gesteht es sich jedoch nicht ein. Sabeth möchte per Autostop von Paris nach Rom und an vielen Sehenswürdigkeiten unterwegs ebenfalls Halt machen. Walter begleitet sie schließlich und er lernt von Sabeth, die Natur zu genießen und sich an Kunst zu erfreuen. Sabeth findet auch Gefallen an Walter und es kommt zu mindestens einer Nacht, in der sie miteinander schlafen. Als es zu einem tragischen Unfall kommt und er Hanna wiedersieht, erkennt Walter, was er alles zerstört hat und dass nicht nur sein Leben durch die Vorfälle der Vergangenheit verpfuscht ist. Was er im Laufe der Reise insgeheim geahnt hat, stellt sich als wahr heraus: Sabeth ist seine Tochter.
Das ganze Buch, „ein Bericht“, ist eine Rechtfertigung seiner Taten dem Leser gegenüber.
Homo faber ist eine der meistgelesenen und leider ungeliebtesten Schullektüren und auch ich bin in den Genuss gekommen. Erst bei der gemeinsamen Besprechung habe ich gemerkt, wie gut dieses Buch ist und es geliebt.
Nach vielen Jahren habe ich es jetzt noch einmal gelesen und muss sagen, dass es aus der Sicht eines Erwachsenen noch viel besser ist. Dass man sein Leben noch einmal überdenkt und ändern will, dass man sich selbst ändert und sein Handeln in Frage stellt, das interessiert einen als Jugendlichen nicht so sehr.
Der Inzest zwischen ihm und Sabeth wird in Walters Bericht nur angedeutet, ich denke auch, dass das nicht das Hauptthema des Buches ist. Vielmehr geht es um den Wandel Walters von jemandem, der sachlich, fantasielos und abhängig von der Technik ist, die er auch als Rechtfertigung für sein Lebenswerk benutzt, zu jemandem, der die Natur und die Kunst liebt und zu seinen Taten steht. Nach der Begegnung mit Sabeth und nachdem er Frieden mit Hanna geschlossen hat, ist er wieder fähig zu Fantasie und dazu, etwas zu erleben und zu genießen.
Max Frisch behält die ganze Zeit einen kurzen, sachlichen Stil bei, der oft an Stichpunkte erinnert und zu dem Bericht eines Ingenieurs passt, was mir auch sehr gut gefällt. Jeder Satz ist auf den Punkt gebracht. Eines meiner Lieblingsbücher.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Homo sapiens technicus mit unterdrückter Seele, 21. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Homo faber: Ein Bericht (Taschenbuch)
In seinem großen Roman aus dem Jahre 1957 beschreibt Max Frisch (1911 - 1991) die problematische Vielfalt der Wirklichkeitsdeutung des Menschen. Der Titel gebende schweizerdeutsche Ingenieur Walter Faber, den seine frühere intellektuelle Geliebte Hanna "Homo Faber" nannte, ist ein 50jähriger Vertreter einer Spezies der Suche ohne Finden. Sieht ein Homo sapiens technicus die "Dinge, wie sie wirklich sind"? Walter Faber denkt das über sich und bekundet es ohne relativierende Infragestellung.
Der aus der Ich-Sicht Fabers erzählte Roman enthält die Geschichte dieses Menschen, der sich in seine Tochter verliebt, weil er als "voraus zu denken" gewohnter Mensch leider nicht weiß, wo "vorn" ist. Er als rational denkender Mann bemerkt die mehr oder minder latenten Widersprüche in seiner Seinsdeutung nicht. So sagt er entschieden, dass er die Wüste Tamaulipas in Mexico nicht als ein "Totenreich" sehen könne, wie es seine Mitreisenden doch tun, oder dass er das dort notgelandete, vom Monde beschienene Flugzeug nicht als "ausgestorbenen Vogel" sehe und sich nicht entschließen könne, dort "etwas wie die Ewigkeit zu hören", denn außer dem Rieseln des Sandes nach jedem Schritt höre er nichts. Dennoch beschreibt er etwa den Himmel als eine "blaue Säure", in der ein über ihn hinweg fliegendes Flugzeug sich auflöse. Oder die Sonne am dunstigen Himmel scheine "wie hinter Milchglas". Später, auf der Spitze einer Maya-Pyramide im Dschungel stehend und über dessen Wipfel hinwegblickend, beschreibt er dies Bauwerk wie "eine Insel oder ein Schiff, ringsum das Meer". Er, der sich als Techniker und Rationalist deutet, ist also ein Poet, auf dessen Metaphern er sich nur keinen Reim macht. Musik, die er nicht versteht, erklingt ihm "geradezu epileptisch", und seine intellektuelle Hanna nennt er eine "Kunstfee". Schreibt so nicht eher ein Dichter denn ein Techniker?
Er mache sich aber aus Romanen ebenso wenig wie aus Träumen, bekennt er, schreibt jedoch einen, den er dann umdeuterisch einen "Bericht" nennt, der seinen Traum des unverstandenen Lebens erzählt. In einer Lage schreibt er: "Nur die Sonne bewegte sich.", dabei müsste er als naturwissenschaftlich Gebildeter doch genau wissen, dass nur die Sonne still steht, hingegen alles Andere um sie herum in Bewegung ist. Das Recht aber, die Natur oder Teile ihrer subjektiv anders zu sehen, spricht er seinen Mitmenschen ab, obwohl er es seinerseits unbemerkt tut.
Er misstraut Allem, das er nicht berechnen kann. Liebe ist ihm suspekt; schon das Ungewohnte macht ihn nervös. Lieber vertraut er Statistiken und der Wahrscheinlichkeitsrechnung (wenn er auch das Unwahrscheinliche nicht als ein mystisches Vorkommnis, sondern als "Grenzfall des Möglichen" begreift), so als sei das Leben in Zahlen zu fassen und dardurch sicherer. Er rechnet sich die Unwahrscheinlichkeit eines Flugzeugabsturzes aus (obwohl er diese Rechnung eben so darfür verwendet, einer Frau zu suggerieren, wie unsicher das Fliegen sei). Doch genau das Flugzeug, in dem er fliegt, muss in der Wüste notlanden; das Unwahrscheinliche geschieht ihm so, wie jedem Lottospieler, der mit sechs richtigen Zahlen und der Superzahl viele tausend tote Taler gewinnt, dies wider die Wahrscheinlichkeit widerfährt!
Walter Faber verlacht Menschen, die nach hinten blicken, weil er ja voraus blickt und immer plant. Anderseits nimmt er es der Jugend übel, dass sie seine Erfahrungen in alter Zeit nicht achte, sondern für sie nur die Zukunft zähle. Aber blickt er nicht nach hinten, wenn er auf seine wer weiß wann erlebten Erfahrungen zurückblickt? Er ist ein Mensch voller unbemerkter Widersprüche in sich.
Dieser Mensch verliebt sich auf der Schifffahrt von Neu York nach Le Havre in ein zwanzigjähriges Mädchen, das sich später als seine Tochter herausstellt, derer er nichts wusste, weil Hanna ihm einst gesagt hatte, sie wolle das gemeinsame Kind abtreiben lassen. Das Mädchen - Elisabeth, von ihm kurz Sabeth genannt - begegnet ihm in Paris wieder und reist mit ihm nach Italien und Griechenland. Dort wird sie an einem abgelegenen Ufer des Mittelmeeres von einer Viper gebissen und stürzt. Trotz Krankenhaus und Seruminjektion stirbt sie in Athen, weil ein während des Sturzes geschehener Schädelbasisbruch unbemerkt blieb.
Dort wohnt und arbeitet Elisabeths Mutter Hanna. Aus Walters Sicht geschieht Alles nur "zufällig", ohne tieferen Sinn oder Zusammenhang. Ein "Zufall", dass er mit dem Schiff aus den Staaten nach Europa reiste; sonst flog er immer. Ein "Zufall", dass seine Tochter an Bord ist. Ein "Zufall", dass sie von einer Viper gebissen wird. Ein "Zufall", dass sie starb, wo doch nur drei bis zehn Prozent der von einer Schlange Gebissenen sterben. Daran glaubt Walter Faber, darauf baut er seine hoffungslose Hoffnung: auf Statistiken. Aber seine Tochter und Geliebte stirbt. Ein absurder Traum.
Der Homo Faber ist ein Symbol für den heutigen atheistischen, technikgläubigen Menschen, der das Leben als "Kette sinnloser Zufälle" deutet und am Ende sich und seine Kinder ratlos sterben sieht. In unbemerkter Poesie deutet er dem Sein diesen oder jenen Sinn an, der nirgend wohin führt und am Ende vergeht. Noch die aus diesem Vergehen erdeutete Sinnlosigkeit wird als "bittere Wahrheit" erlebt und nicht als nur erdeutet bemerkt. Der Mensch als Seele, eine Transzendenz oder gar Gott bleiben als unberechenbare Größen außen vor. Max Frisch zeigt in allen seinen Werken, dass auch ohne Gott nichts in der Welt besser wird. Der höhere Geist der Liebe wird weder durch Ingenieurskunst noch durch technisch beherrschte Materie erschlossen. Der Sinn des Lebens wohnt nicht in der berechenbaren, seellosen, vergänglichen Welt. Dieser genial konstruierte Roman lebt es uns eindrucksvoll vor.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein wirklich guter, psychologischer und kritischer Roman, 19. November 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Homo faber (Gebundene Ausgabe)
Max Frisch, Homo faber. Ein Bericht (1957)
In diesem Roman gibt Max Frisch eine Zeitspanne aus dem Leben Walter Fabers, eines Technikers der UNESCO, in Form eines scheinbar nüchternen Berichtes wieder. Aus dem Aufbau des Romans ist eine strenge Chronologie ersichtlich, die allerdings von Rückblenden, Vorausdeutungen und Rechtfertigungsversuchen Fabers immer wieder unterbrochen ist. Für Walter Faber gelten nur die Mathematik und die Wissenschaft, die Mystik findet keinen Platz in seinem Denken. Irrationale Empfindungen und Sentimentalität lassen sich nämlich nicht mit Technik und Statistiken ausdrücken.
Faber war 20 Jahre zuvor mit einer Halbjüdin namens Hanna zusammen. Sie trennten sich jedoch auf ihren Wunsch, da sie von Faber enttäuscht war. Sein rationales Denken verunmöglichte in ihren Augen eine echte Beziehung, auch zum ungeborenen Kind. Auf Grund seiner Arbeit ist Faber heute - er ist unterdessen 50 Jahre alt -- viel unterwegs. Auf einer Schiffsreise begegnet er dann der 20-jährigen Sabeth. Aus dieser Begegnung entwickelt sich etwas Sonderbares. Faber begleitet das Mädchen auf ihrer Reise durch Europa zurück zu ihrer Mutter nach Athen. In Athen muss er feststellen, dass Sabeth, die auf der Reise seine Geliebte geworden ist, seine und Hannas Tochter ist. Schon früher gab es Anzeichen dafür, die Faber sich jedoch so zurechtlegte, bis sie zeitlich (Zeitpunkt der Trennung von Hanna und der Geburt Sabeths) unmöglich stimmen konnten. Er ging den Problemen und Konsequenzen aus dem Weg. Doch das Wegschauen brachte ihn nicht weiter, denn die Realität holt ihn in Athen ein, tragische Momente folgen.
Das Buch besteht aus zwei Teilen: dem Bericht über die Ereignisse in Ich-Erzählform und einem Kommentar, später einem Tagebuch. Der Kommentar dient Faber dazu sich vor sich selbst zu rechtfertigen. Erst in Teilen des Tagebuchs setzt er sich ehrlich mit sich auseinander.
Die Sätze sind kurz, präzise und rational. Man kann sagen, dass die Sprache des Buches der Walter Fabers, des Technikers, entspricht.
Der Charakter Fabers lässt sich schon aus dem Buchtitel ableiten: „homo", der Mensch, und „faber" wie Handwerker - der Mensch als Techniker. Walter Faber entspricht etwa diesem Bild eines Menschen. Wenn man nun gewisse Aspekte genauer betrachtet, merkt man jedoch, dass Fabers Gedankengänge, Aussagen und Handlungen irrational sind; er versteckt das nur vor sich selbst hinter einer Sprache, die rational und technisch wirkt.
Seine Angst vor der Zukunft verleitet ihn dazu, alle Ereignisse seines Lebens durch Berechnungen und Statistiken zu erklären. So gibt es für ihn keine Zufälle, denn diese sind statistisch unmöglich. Durch seine Angst vor Bindungen und jeglicher Körperlichkeit sieht er Frauen nur als Sexualobjekte. Die einzige Frau, die er bisher liebte, war Hanna. Sie ist sozusagen sein Gegenbild. Als er auf dem Schiff die 20-jährige Sabeth kennenlernt, erinnert ihn diese an Hanna. Dass sie seine Tochter sein könnte, glaubt er nicht. Nach seiner Berechnung, die er sich zu seinem Wohl zurechtgelegt hat, ist es nämlich unmöglich. Seine Vatergefühle für Sabeth interpretiert er falsch und meint, es sei Liebe.
Sein Leben besteht im Grunde aus Ketten von Zufällen: Infolge einer Notlandung in der Wüste erfährt er vom Tod seines früheren Freundes Joachim, auf der Schiffsreise lernt er Sabeth kennen und in Athen gibt es ein Wiedersehen mit Hanna -- eigentlich statistisch gesehen mehr oder weniger unmögliche Zufälle. Da Faber nicht an Zufälle glaubt, wirkt dies auf mich wie eine gewisse Ironie, die dieses Buch noch spezieller macht.
Ein weitere Punkt scheint mir die sexuelle Begegnung von Walter und Sabeth zu sein. Durch den Tod werden sie beide sozusagen von ihrer Schuld, dem Inzest, erlöst. Faber bezahlt noch mehr mit seinem Leben, denn erst vor seinem Tod sieht er, dass er alles falsch gemacht hat -- aber da ist es schon zu spät.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Dieser Roman verliert nie an Aktualität, da das Problem von Wahrscheinlichkeit und Schicksal immer da sein wird. Auch die gewisse Ironie des Buches hat mir gefallen: Ein blind rational denkender Mensch, der zum ersten Mal richtig mit Gefühlen konfrontiert wird, und als er versucht sich darauf einzulassen, wird er enttäuscht und verletzt. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass er bisher, was die Liebe angeht, nicht sehr erfolgreich war: Seine erste sexuelle Begegnung hatte er mit einer todkranken Lehrergattin in seiner Schülerzeit - diese Erfahrung wird ihn in seinem Frauenbild beeinflusst haben - und die einzige Frau, die er bis auf Sabeth geliebt hat, verliess ihn - dies wird ihn dazu geführt haben Gefühlen gegenüber skeptisch zu sein. Faber versucht Problemen aus dem Weg zu gehen und drängt dafür seine Gefühle in den Hintergrund.
Was mich ebenfalls beeindruckt hat, ist die Art und Weise, wie Max Frisch den Charakter dieses Menschen zur Geltung bringt. Er zeigt, wie Faber denkt, handelt und Entscheidungen trifft. Fabers persönliche Tragik ist, dass stets das Unberechenbare eintritt, das, was er immer ausschloss. Alles in allem ein wirklich guter, psychologischer und kritischer Roman.
Corinne Bonifazi,
Bündner Kantonsschule, Chur
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Ich im Menschen und sein verpasstes Leben - Über ein technizistisches Weltbild und Ereignisse im normalen Leben, 21. Mai 2011
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Walter Faber ist Techniker und hat Aufträge auf der ganzen Welt. Er reist von New York über Guatemala nach Frankreich und noch weiter. Dort trifft er auf ein junges Mädchen, das er fortan Sabeth nennt. Er verliebt sich in sie und will ihr einen Heiratsantrag machen. Walter verlässt seine Lebensgefährtin Ivy und hat es allgemein nicht mit den Frauen, da er vor über zwanzig Jahren seine Hanna verlassen hat. In Sabeth sieht er Hanna personifiziert wieder und mag die verblüffende Ähnlichkeit kaum glauben...

Max Frischs Werk ist weder ein Roman, noch eine Novelle, sondern schlichtweg ein Bericht, der von der Figur Faber niedergeschrieben ist. Faber entführt uns in seinen Flugzeugmaschinen von einem Ort zum nächsten auf der Welt und erzählt dennoch die Geschichte über seinen Beruf, seine beiden Frauen, zu denen er nicht die beste Bindung hat und über das Mädchen Sabeth, das er kurzerhand kennenlernt und liebgewinnt. Der Bericht weist viele Komponenten auf, die Faber in seinem bisherigen Leben vergeblich sucht und andererseits durch andere ersetzt. Da wäre zum Beispiel sein eigenes technizistisches Weltbild, an das er sich festnagt und so erscheinen andere Menschen um ihn herum ihm unverständlich, er versteht nicht warum die Menschen den Mond beispielsweise als Ereignis anerkennen, das schön anzusehen ist, ihn interessieren nur die technischen Daten hierzu. Faber ist also eine isolierte Figur, die sich nicht der Gesellschaft fügen will und kann aufgrund seines intelligenten und fanatischen Wesens, man merkt es auch daran, dass er gerne Schach spielt und das über Stunden hinweg, sich nicht seiner Umwelt anpassen. Frisch erarbeitet mit "Homo Faber" also mehrere Dinge gleichzeitig: Die Gegensätzlichkeit von Zufall und Schicksal, der Mensch als Ich gegenüber seiner sozialen Fügung und Rolle und der Unterschied zwischen Technik und dem realen Leben mit der Natur. Natürlich ein Meilenstein der deutschsprachigen Literatur und ein oft behandelter Stoff in Schulen, der es in sich hat und für Frischs Intentionen durch diesen Bericht zum Ausdruck gebracht, sehr interessant wirken kann.

~Bücher-Liebhaberin~
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Buch braucht Aufmerksamkeit, 20. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Homo faber: Ein Bericht (Taschenbuch)
Walter Faber alias "Homo faber" ist ein rational denkender Mensch, der für alles eine weltliche Erklärung hat und den nichts aus der Ruhe bringt. Ein denkwürdiger Flug mit anschließender Notlandung setzt jedoch eine Ereignis-kette in Gang, für die selbst der kühle Faber keine richtige Erklärung findet. Plötzlich wird er mit einer Vergangenheit konfrontiert, mit der schon lange abgeschlossen hatte. Unglaubliche Zufälle rufen alte bekannte auf den Plan und bringen Fabers Weltbild beträchtlich ins Wanken. Faber scheint sich zu verlieben, doch seine junge Bekanntschaft ist ihm weitaus näher verbunden als Faber und ihr lieb sein kann. Menschliche Tragödien nehmen ihren Lauf während jahrelange Missverständnisse ans Tageslicht kommen.
"Homo faber" ist eines der Hauptwerke des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Der Untertitel des Buchs lautet "Ein Bericht" was die Erzählung in der "Ich-Form" hervorheben soll. Anfangs ist es auch ein Bericht der nüchtern über Ereignisse die Faber widerfahren berichtet. Jedoch wird es mit fortnehmender dauer mehr zu einem Roman, da ich in einem Bericht keine Gefühle erwarte. Gerade in Bezug auf Sabeth (Fabers geliebte) werden mehr und mehr Gefühle in den Bericht gebracht.
Es geht in diesem Werk um das Leben eines eiskalten Rational denkenden Menschen und wie er die Welt um sich herum sieht. Man kann viel über diese Weltanschauung lernen wenn Faber innerlich über Menschen die an Übersinnliches glauben, religiös sind oder Fantasie haben spöttelt. Des Öfteren wird aufgezeigt das Faber sich in seiner Sichtweise der Dinge anderen gegenüber überlegen fühlt. Das so ein Mensch jedoch auch nicht Unerschütterlich sein kann zeigt dieses Buch auch auf. Im Laufe der Geschichte wird Fabers kalte Schale immer weiter abgeschält. Bis er sich hals über Kopf verliebt. Da scheint es dann mit der Rationalität vorbei. Er lässt sich (meist) von ihren Gefühlen leiten und das wird ihm dann am Ende zum Verhängnis. Ob man dem Buch diese enorme Verwandlung abnimmt ist einem selbst überlassen. Mir persönlich wird er dafür am Anfang etwas zu kalt dargestellt.
Zum Schreibstil lässt sich sagen das kaum längere Sätze verwendet werden und sich das Buch recht flüssig lesen lässt. Etwas Gewöhnungsbedürftig sind die unangekündigten und unkommentierten Rückblenden die des Öfteren eingeworfen werden. Manchmal ist mir auch der Hintergrund der Rückblende nicht gänzlich ersichtlich. Gelegentlich sind auch Wörter im Gebrauch die in der heutigen Zeit äußert ungeläufig sind. Ein gutes Beispiel ist die Verwendung des Wortes "obschon" anstatt "obwohl". Oder etwa die Verwendung von "Zopilote", eine veraltete Bezeichnung für eine Geier-Art. Dies ist aber dem Alter des Buches zuzuschreiben und stört den Lesefluss auch kaum. Das Buch hat 202 Seiten im DIN A5 Format. Es ist damit nicht übermäßig lang, jedoch ist es absolut kein Buch was man an einem Stück verschlingen kann. Dafür fehlt es ihm einfach an Spannung und gut erzählten Ereignissen. Schockierende oder Wichtige Geschehnisse kommen meist wie mit der Tür in das Haus gefallen. Besonders geärgert hat mich das bei dem Tod eines Nebenprotagonisten, der vorher noch nicht einmal zu Wort kam und der Grund dessen Dahinscheidens darauffolgend auch gar nicht tiefer behandelt wird. Außerdem sind zwischendurch auch einige längen vorhanden die sich meist in langen Monologen Fabers äußern.
Jedoch ist dieses Buch auch nichts für den gemütlichen Sonntagabend mit einem Glas Wein auf der Couch, sondern eher etwas zum studieren und interpretieren. Und dafür lässt dieses Buch einigen Spielraum. Nicht umsonst hat es Eingang in den allgemeinen Schulkanon gefunden. Man kann herrlich darüber diskutieren.

Alles in allem ist es ein Buch über das man in der heutigen Zeit Wahrscheinlich nur noch auf dem Weg zum Abitur stolpern wird, jedoch kann es auch ohne Bedenken einfach so gelesen werden. Es hat bei mir zu einigen interessanten Gedanken geführt. Wer jedoch ein Buch sucht, welches er auch noch nebenbei während des Sonntagabendfilms lesen kann ist hier nicht auf der richtigen Seite, denn das Buch braucht Aufmerksamkeit.
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Oldenbourg Textnavigator für Schüler: Homo faber
Oldenbourg Textnavigator für Schüler: Homo faber von Dr. Sabine Volmering (Taschenbuch - Mai 2012)
EUR 8,70
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