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Kundenrezensionen

29
3,7 von 5 Sternen
Gleis 4: Roman
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 31. Oktober 2013
Ein Mann bricht am Bahnsteig zusammen uns stirbt. Die Fremde, die bei ihm ist, da der Mann ihr zuletzt noch den Koffer getragen hatte, fühlt sich verpflichtet, die Ermittlungen zu verfolgen und die Witwe des Verstorbenen zu betreuen. Sie kann den Vorfall nicht beiseiteschieben und fühlt sich auf ungewöhnliche Weise mit dem Mann und seinem Schicksal verbunden. Wie sich herausstellt, weiß auch die langjährige Ehefrau nichts über Kindheit und Jugendjahre ihres Mannes und die Frauen beginnen hier nachzuforschen. Auch die Tochter der Fremden wird in dieses Geschehen eingebunden. So entwickeln die drei Frauen eine beinahe kriminalistische Vorgehensweise und legen Schmerzliches bloß, einen Lebensweg, der von Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit geprägt war und die Lebensverhältnisse der Ärmsten in der Schweiz während der vergangenen Jahrzehnte sehr kritisch beleuchtet.

Die Thematik hat mich neugierig gemacht. Was würde da ans Tageslicht kommen, wenn eine Frau dem Leben eines Unbekannten nachspürt? Die Entdeckungen waren auch durchwegs interessant. Doch hat mich die Schreibweise, obwohl ich das Buch gerne gelesen habe, nicht wirklich packen können. Sehr nüchtern ist die Sprache, sehr geradlinig, wenig emotional. Der Text wurde durch zahlreiche Dialoge angereichert, was ich prinzipiell gut finde. Doch sind oft französische oder englische Versatzstücke enthalten, um das Interkulturelle der Gespräche aufzuzeigen. Damit aber der Leser die Texte auch versteht, sofern der die Sprache nicht beherrscht, wird das Gesprochene im Anschluss auch gleich noch einmal übersetzt. Diese Aneinanderreihung von Aussagen bremst den Lesefluss und hat mich persönlich irritiert. Insgesamt wirkte der Roman auf mich sehr konstruiert. Es ist ja Kennzeichen eines spannenden Geschehens, dass Spuren gelegt und Handlungsstränge miteinander verflochten werden, doch darf die Konstruktion etwa in einem guten Krimi nicht sichtbar werden. Sie muss natürlich und beiläufig wirken. Im vorliegenden Roman ist sie sehr durchschaubar und verliert dadurch an Reiz. Es wird auch kein Spannungsbogen aufrechterhalten. Zwar wird immer wieder für einen Moment Spannung erzeugt und es kribbelt beim Lesen im Magen. Doch sofort wird das Problem wieder aufgelöst. So bleibt das Geschehen nett an der Oberfläche, freundlich, der heilen Welt zugehörig. Ich hätte mir gewünscht, dass die Spannung länger anhält, dass ich beim Lesen im Unklaren gelassen werde und stärker mit den Figuren bangen oder hoffen kann. Das Thema ist ja durchaus tiefgründig und gerne wäre ich in diese Abgründe auch emotional eingetaucht. So empfinde ich den Roman insgesamt als leichte, durchaus lesenswerte Lektüre. Doch hält sie wenig Tiefgang, Emotion oder sprachliche Finesse bereit.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Juni 2015
Eigentlich hat die Geschichte ja ganz vielversprechend begonnen: die Schweizerin Isabelle
lässt sich am Bahnhof ihren Koffer von einem hilfsbereiten, älteren Herrn die Treppe hochtragen.
Oben angekommen dauert es nicht lange und derselbe Mann bricht zusammen, schlägt mit dem
Kopf am Bahnsteig auf, wird bewusstlos und stirbt gleich darauf. Der guten Isabelle ist das
natürlich alles nicht geheuer und anstatt dass sie sich von diesem Schock erst mal erholt,
beschließt sie lieber, im Leben des freundlichen Kofferträgers herumzuschnüffeln ...

So weit, so gut. Bis hierhin war ich noch halbwegs angetan von der Story. Leider sind mir die
Protagonisten dann aber nach und nach dermaßen auf den Senkel gegangen. Isabelle meinte
nämlich, sie muss jetzt herausfinden, wer dieser Mann war und was er genau in der Schweiz
zu suchen hatte, weil er ja eigentlich Kanadier ist und irgendwie kam mir die ganze Sache dann
schön langsam wie ein sanfter Krimi vor, denn Isabelle, ihre erwachsene, halbafrikanische
Tochter Sarah und Veronique, die Witwe des Verstorbenen, rennen von einem Amt zum nächsten,
von einer Person zur anderen und versuchen, irgendwas aus dem Leben des Toten herauszufinden.
Und das war erstens langweilig und zweitens sowas von unglaubwürdig. Also nicht das, was
sie herausgefunden haben, sondern eher das ganze Drumherum: wieso hat der Tote mit seiner
Frau nie über seine Vergangenheit gesprochen, wenn es doch angeblich nichts Böses war, was
er getan hat? Weshalb wird hier kaum getrauert? - Ich meine: Veronique hat gerade erst ihren
Mann verloren und dann stürzt sie sich einfach so (mit eigentlich unbekannten Leuten) in irgendwelche
Ermittlungen ...
Isabelle und Sarah, dieses Mutter-Tochter-Gespann habe ich auch überhaupt nicht verstehen
können: warum mischen die sich denn in die Angelegenheiten von wildfremden Menschen ein? -
Das ist mir so vorgekommen, als wenn die beiden einen sechsten Sinn hätten, der ihnen mitteilen
würde, dass der Aufenthalt des Toten mysteriöse Umstände hat!? Und dann fangen sie eben an,
wie Ermittler herumzuschnüffeln ... Also, ich weiß nicht. Meins ist dieses Unauthentische echt nicht.

Hinzu kommt dieser Schreibstil, der meinen Lesefluss ziemlich gestört hat, weil ich ihn erstens
recht holprig fand (Bsp.: "... er hat mir erzählt von Kanada, und wie es ihm gut ergangen war
dort, er ...") und zweitens irgendwie eigenartige Ausdrücke dabei hatte, die ich (als Österreicherin)
noch nie gehört habe und beim Lesen ebenfalls nicht besonders angenehm waren (Bsp.: "Ich hab
ihm telefoniert deswegen, die ...").

Immer wieder findet man zwischendurch auch englische und französische Sätze, die leider nicht
immer gleich danach übersetzt werden (Weil man vielleicht davon ausgeht, dass die paar Brocken
jeder versteht?). Mit dem Englischen hatte ich kein Problem, das Französische hingegen habe ich
nicht immer verstanden, was blöd war, weil ich kein Französischlexikon benutzen wollte. Folgen
konnte ich der Geschichte aber trotzdem ohne Weiteres, allerdings bin ich ein Mensch, den das
immer stört, wenn ich Sätze lese, die ich nicht verstehe.

Alles in allem fand ich die Geschichte einfach nur langweilig. Spannung war für mich überhaupt
nicht vorhanden. Alles nur sehr gemächlich und dahinplätschernd. Der Versuch, aus dem Roman
einen Krimi zu machen, ist in meinen Augen kläglich gescheitert.
Das Verhalten der Protagonisten im Angesicht eines kürzlichen (und so nahen) Todesfalls und
deren Motive, sich als Ermittler zu betätigen, konnte und wollte ich vielleicht auch gar nicht
nachvollziehen.
Es tut mir leid, aber mehr als 2 Sterne kann ich hierfür einfach nicht vergeben.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. April 2014
Ein Buch mit hochinteressantem Plot über Verding-Kinder; wer mal etwas mehr gehört oder gelesen hat über dieses linkische Kapitel der jüngeren schweizerischen Geschichte, der ahnt, wieviel Drama in diesem Kapitel steckt – einem Kapitel, bei dem unter Schweizern ebenso weitgehender Konsens herrscht wie bei allen anderen Völkern, was deren jeweilige dunkle Kapitel betrifft: nämlich fehlende Einsicht, keinerlei Schuldbewußtsein, Ignoranz.

Den Autor Hohler kannte ich nicht; zweimal hatte der in letzter Zeit einen Auftritt im Deutschlandfunk, einmal im Interview, u.a. zum Tod von Urs Widmer, das andere Mal wurde „Gleis 4“ besprochen – nicht direkt als Empfehlung, aber doch so, wie Fachredakteure Literatur besprechen, nämlich auf eine Art, die Buch und Autor ernst nimmt. Da auch der Deutschlandfunk für mich ein ernstzunehmender Sender ist, nahm ich meinen Eindruck als Kaufempfehlung. Nachdem ich nun „Gleis 4“ gelesen habe, bin ich schlauer: das Buch ist keineswegs Literatur, nichtmal schlicht ein gutes, sagen wir unterhaltsames Buch, denn auch was bloß unterhalten soll, muss deshalb nicht meine Intelligenz beleidigen. Und was den Deutschlandfunk betrifft…, man muss sich halt klar machen, dass sich heutzutage ein endloser Strom an Büchern zu dem aufstaut, was man so einfach mal einen Markt nennt, und der will bedient werden, eben auch von Radiosendern. Büchersendungen, egal wer sie macht, sind daher mit Vorsicht zu genießen und als Kriterium, Unbekanntes zu bewerten, z.B. in Hinblick auf einen Kauf, völlig ungeeignet. Diese Erfahrung habe ich nun schon zigmal machen müssen, und es ist nicht ganz einfach, hier aus seinen Erfahrungen zu lernen.

Was macht Hohler aus diesem hochinteressanten Verding-Plot? Eine Emil-und-die-Detektive-Geschichte. Inklusive Hokuspokus mit einer mit Nadeln bestückten Voodoo-Puppe. Drei Frauen machen sich auf, die Identität eines Toten zu entschlüsseln, von dem gegen Ende der Geschichte bekannt wird, dass er ein Verding-Kind war. Bis ganz kurz vor Ende des Buches geht es allein ums detektivische Aufdecken der Identität, die lediglich als „MacGuffin“ (gute Begriffserklärung auf Wikipedia) herhalten muss und damit thematisch von Hohler ebenso läppisch behandelt wird wie das Verding-Kapitel von der Ignoranz seiner Landsleute.

Im DLF war zu erfahren, Hohler sei oder verstehe sich oder habe begonnen (weiß ich nicht mehr so genau) als Kabarettist; keine Ahnung, als was er sich in der Hauptsache versteht, wohl kaum als Schriftsteller – denn dieses Buch liest sich nicht ohne Grund wie nebenbei, eben deshalb, weil es ganz offensichtlich von jemandem geschrieben worden ist, der ansonsten Wichtigeres zu tun hatte. Tatsächlich sprach Hohler im DLF-Interview darüber, dass es schon sehr früh sein Lebensziel gewesen sei, von seinen kreativen Hervorbringungen leben zu können, und dass es ihm darüberhinaus sehr wichtig sei, auch das Publikum dazu zu bringen, die eigene Phantasie zu kultivieren. Hört hört.

Was Hohlers Lebensziel betrifft, nämlich von geistigem Müll leben zu können, ist ein Blick auf seinen sprachlichen Ausdruck, die sprachliche Reflektiertheit, aufschlussreich. Die Dialoge etwa. Die Frauen reden miteinander, als würden sie unter der Trockenhaube beim Friseur sitzen und hätten ständig Zeit zu überbrücken, immer wieder auch mit Einschüben französischer Sätze, zwischendurch mit dem Hinweis, „mein Französisch ist leider nicht so gut“ – „O, we can talk english if you want“. Oder so ähnlich.
Telenovela. Eben genau so, wie Hohler sich Gespräche unter Frauen vorstellt oder wie er das in Vorabendserien beobachtet hat.

Oder einfach mal so eine Wendung wie „scheint unwahrscheinlich“. Generell nichts verkehrt damit, jeder benutzt diese Wendung, was soll man sich groß einen Kopf machen im Alltag. Aber wenn ich als Autor ein Buch schreibe und mir Zeit dafür nehme (ein Buch schreibt sich ja nicht von jetzt auf gleich), kurz, wenn ich eben dies reflektiere und damit schon einen gewissen Anspruch an mich selbst definiere, da könnte mir ja auffallen, dass die Wendung „scheint unwahrscheinlich“ nicht ganz glücklich, nämlich redundant ist, und dass jetzt Gelegenheit wäre, die Alltagssprache für den Moment zu verlassen und mir mal etwas Neues dafür zu überlegen, was ich mit dieser Wendung sagen will. Fehlanzeige bei Hohler. Wie gesagt, ist nur ein Beispiel für den Gesamteindruck einer hingeleierten Sprache Hohlers – allein tauglich, um, husch husch, fertig zu werden und wieder eine neue Einnahmequelle für die eigene Lebenshaltung geschaffen zu haben.

Weiter unten hier auf dieser Kommentar-Seite schreibt jemand Hohlers Geschichte das „Niveau eines Groschenromanes“ zu, ganz treffend, wie ich finde. Groschenmäßig auch die Verwendung eines Showdowns im Krankenzimmer, wo sich dann (Vorabendserie) alle handelnden Figuren einfinden, inklusive der böse Bube der Geschichte – der übrigens so platt gezeichnet ist, dass er immer wieder nur sporadisch auftaucht und nur böse und sonst nichts ist, gar so böse, dass er besagte Voodoo-Puppe benutzt. Und – groschenmäßig konsequent: nachdem dieser Voodoo-Puppe die Nadeln entfernt werden, ruft das mutmaßliche Voodoo-Opfer in derselben Sekunde aus, dass die Kopfschmerzen verschwunden sind! Keinerlei Verwunderung über Voodoo im allgemeinen (oder Schweizer-Voodoo im besonderen), nein: die Kopfschmerzen sind weg, und jeder im Krankenzimmer ist erleichtert! Wer soll denn da, bitteschön, noch Fragen stellen, funktioniert doch alles, kennt man doch von Voodoo: der Puppe werden die Nadeln gezogen und die Kopfschmerzen verschwinden! Absolut plausibel!

Den besagten bösen Buben der Geschichte kann man symbolisch als den ignoranten Eidgenossen schlechthin verstehen, der sich keines schlimmen Vergehens bewusst ist, des Vergehens, früher, in einer Zeit, die nun mal so war wie sie war, Kinder, bloß weil sie etwa unehelich geboren wurden, qua staatlicher Erlaubnis mißhandelt, ausgebeutet, verachtet zu haben. Wenn Hohler mutmaßlich ein guter Kabarettist, also zur Reflexion fähig wäre, dann wäre eben dieser „böse Bube“ nicht die Neben-, sondern die Hauptfigur in seiner Verding-Geschichte gewesen. Aber wie oben erwähnt, Hohler hat ein grundsätzliches Problem, das Wesentliche vom Nebenbei zu unterscheiden, wobei er natürlich auch nicht im Nebenbei, dem sprachlichen Ausdruck nämlich, das Läppische zu identifizieren weiß. Und so einer kommt hier mit einer Detektiv-Geschichte, ausgerechnet.

Was habe ich für dieses Buch bezahlt, 18 Euro nochwas? Mit 18 Euro nochwas also dazu beigetragen, dass sich so eine Autoren-Null wie Franz Hohler sein Leben finanziert? Na ja, herzlichen Glückwunsch, lieber Franz.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Januar 2014
Eigentlich mag ich Hohlers nüchtern schlichte Erzählweise, die trotz vordergründiger Kargheit doch immer wichtige Inhalte aufgreift und in gewiss beabsichtigter Understatement-Form darlegt. Trotzdem hatte ich diesmal Mühe, mich für die Geschichte zu erwärmen, die nicht richtig in Fahrt kommen will und teilweise etwas sehr hölzern daherkommt, obgleich doch fast alle Ingredienzien für eine spannende Lektüre vorhanden sind. Erst gegen Ende wird klar, dass es dem Autor ein Anliegen ist, ein wenig erfreuliches Kapitel in der gar nicht weit zurück liegenden Schweizer Vergangenheit zu thematisieren.
Auch gibt es ein paar Elemente, die ein wenig zu konstruiert wirken. Ich möchte nicht detailliert sagen, was ich damit meine, da dies Informationen zur Handlung preisgeben würde, die zur Aufklärung der Geschichte rund um die Todes- und Lebensumstände von Marcel/Martin beitragen.
Trotz allem habe ich dieses neue Buch von Franz Hohler mit Interesse gelesen, was natürlich darin begründet ist, dass hier von den drei weiblichen Hauptpersonen der Geschichte in fast kriminalistischer Manier Puzzleteile zusammengesetzt werden, die wie zu erwarten zu des Rätsels Lösung führen, das man selbstredend gerne erfahren möchte. Kurzum: aus meiner Sicht nicht das Beste, was dieser Autor bisher geschrieben hat, aber durchaus lesenswert. Und last but not least, Hohler weiss, wie man unschöne menschliche Seiten lakonisch aufzeigt, ohne dabei zu moralisieren. Seine Landsleute werden auch in dieser Geschichte nicht nur mit Wohlwollen bedacht.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
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Manchmal kommt alles anders, als man es sich vorgestellt hatte und aus den banalsten Situationen des Alltags entsteht ein fesselnder Roman voller Überraschungen. Kann es also ein Zufall sein, dass sich Isabelle von einem älteren Herrn helfen lässt,
ihren Koffer in den Zug zu tragen? Dieser verstirbt noch auf dem Bahnsteig, hat keine Papiere bei sich, aber Isabelle entdeckt zwei Handys bei ihm, mit zwei unterschiedlichen Namen: Marcel und Maurice.
Wer von beiden ist er nun und was sollte ihr sein letztes, gehauchtes Wort auf dem Bahnsteig sagen: " Bitte!" ?

Isabelle forscht weiter nach und entdeckt ein albtraumhaftes Leben. Gemeinsam mit ihrer Tochter und der Witwe des Verstorbenen zeichnet sie die deprimierende Lebensgeschichte des alten Herrn nach:
uneheliches Kind, abgeschoben als Knecht, Erziehungsheime und die spätere Flucht nach Kanada, wo sein zweites Leben anfängt. Weder seine Frau, noch seine Tochter Sarah wussten etwas von seinem ersten Leben.
Ein halbes Jahrhundert später decken die drei Frauen diese empörende Geschichte auf und stellen Verwandte und böse Brüder zur Rede. Familiengeheimnisse werden gelüftet, es kommt zu Drohungen
und Voodoo-Verwünschungen. Der Hauptprotagonist des Romans bleibt der Verstorbene bis zum überraschenden Ende des Romans.

Der bekannte Schweizer Autor Franz Hohler konstruiert auf raffinierte Weise und mit seiner gewohnt präzisen, fast pragmatischen Sprache, ein sozialkritisches Drama, das aus einer alltäglichen Situation heraus entsteht.
Familientragödien, Ausbeutung, kleinkariertes Bürgertum, Rassismus und ein interessanter Abschluss, das sind die prinzipiellen Elemente dieses Romans.

Man legt ihn mit einem amüsierten Lächeln wieder weg.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Dezember 2013
Den anderen Rezensionen kann ich durchwegs zustimmen: einerseits ein spannender "Hohler" andererseits etwas flach und fast schon banal. Für Oerlikon-Fans noch ganz nett, weil es praktisch "daheim" spielt.
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am 1. Juni 2014
Ein schöner kleiner Roman, nichts weltbewegendes, aber routiniert gut geschrieben und angenehm zu lesen. Manches hätte vielleicht näher ausgeleuchtet werden können, aber dann hätte der Roman wohl seine - trotz des ernsten Themas - Leichtigkeit verloren. Über das Thema - den schwarzen Fleck in der Geschichte der Schweiz im Umgang mit "Adoptivkindern" - konnte man schon genug ernste und bedrückende Berichte lesen, hier wird es einem nahegebracht, ohne dass man einen Widerwillen entwickelt, schon wieder über diese scheußliche Geschichte zu lesen. Rundum empfehlenswert.
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am 31. März 2015
Das hätte ein wunderbares Buch werden können. Schöne Sprache, ein wirklich guter Plot aber leider zu viele Fäden in einem Buch verknüpft. So wird man keinem gerecht. Die Verdingender hätten deutlich mehr Raum und Tiefgang verdient, der Umstand, "Ursache" eines plötzlichen Todesfalls zu sein wäre ausreichend gewesen um dieses Bändchen zu füllen. Was dann auch noch Voodoozauber in diesem Kontext verloren hat ist schlicht blödsinnig und schadet diesen beiden ernsten Themen sehr. Schade schade. Als Gedankenanstoß dennoch interessant und lesenswert.
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12 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Auf dem Weg in den Italien-Urlaub lässt sich Isabelle an einem Bahnhof von einem Mann helfen. Er trägt ihr den Koffer auf den Bahnsteig – und bricht danach tot zusammen.

Isabelle vergisst ihren Urlaub und setzt fortan alles daran, etwas über die Vergangenheit des Mannes herauszufinden, denn die scheint geheimnisvoll zu sein. Tochter Sarah und die Ehefrau des Toten, Véronique helfen ihr.

Und an dieser Stelle taucht bereits die größte Crux des Buches auf. Bis zum Ende bleibt es nicht nachvollziehbar, warum sich Isabelle überhaupt für das Leben eines ihr wildfremden Mannes interessiert.

Der Roman plätschert flüssig dahin, ohne dass man sich besonders ärgern müsste – aber leider auch weitgehend ohne Spannung. Die Frauen finden diese und jene familiäre Verzwickungen heraus und erfahren etwas über die düstere Jugend des Toten. Auch ein Voodoo-Zauber und ein böser alter Mann, der eine der Frauen in seiner Wohnung bedroht, kommen vor. Doch vieles bleibt an der Oberfläche, manches erscheint banal, und an einigen Stellen wirkt der Text ein wenig altbacken. Muss man nicht unbedingt gelesen haben.

Der 1940 geborene Schweizer Autor Franz Hohler ist auch als Kabarettist und Liedermacher bekannt.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Oktober 2013
Die Zusammenhänge aus der neueren Schweizer Geschichte, dem Umgang mit Adoptivkindern, dem aktuellen Rassismus, der Suche nach Wurzeln etc. könnten ja viel hergeben für eine interessantes Buch. Dies ist m.E. nur teilweise gut umgesetzt, teilweise ist mir die Geschichte aber zu kitschig und auch sprachlich auf eben diesem Niveau, leider!
Das Buch liest sich gut und flüssig, zog mich aber nicht in seinen Bann und zu erwartende Komplikationen lösen sich noch bevor sie entstehen in heile Welt auf.
Als Urlaubslektüre akzeptabel
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