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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solange man in Bewegung ist, ist alles gut
»Zwischen den Lebenden und den Toten verläuft eine Grenze.« Diese Grenze wird im Buch optisch sehr auffällig durch eine Linie gezogen, die den oberen Teil, die Beschreibung der Odyssee des Protagonisten durch Osteuropa, und den unteren Teil, Tagebuchfragmente seiner verstorbenen Ehefrau, trennt. Gut ein Drittel der Seiten sind auf dem unteren Teil leer. Gibt es...
Vor 9 Monaten von Mimir veröffentlicht

versus
115 von 125 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gezeiten im eigenen Blut...
Das neue Buch von Terezia Mora ist dermassen unstrukturiert, ausufernd, unübersichtlich, unklar, dass zumindest ich mich wundere, warum dieser Autorin an wirklich keinem Ort Einhalt seitens des Lektorats geboten wurde? Soviel Ausuferung tut schon weh! Obwohl es sehr lesenswerte Passagen gibt, ist es über weite Strecken zäh und schwer zu lesen. Dazu kommt,...
Vor 11 Monaten von A. Zanker veröffentlicht


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115 von 125 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gezeiten im eigenen Blut..., 20. September 2013
Von 
A. Zanker (CH) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das neue Buch von Terezia Mora ist dermassen unstrukturiert, ausufernd, unübersichtlich, unklar, dass zumindest ich mich wundere, warum dieser Autorin an wirklich keinem Ort Einhalt seitens des Lektorats geboten wurde? Soviel Ausuferung tut schon weh! Obwohl es sehr lesenswerte Passagen gibt, ist es über weite Strecken zäh und schwer zu lesen. Dazu kommt, dass wir im Grunde fast zwei Bücher lesen, die aus meiner Sicht auch getrennt gelesen werden müssen, denn in der oberen Hälfte wird uns hier eine Art Roadmovie erzählt, eine Weiterführung des Lebens des Darius Kopp, der im letzten Roman von Mora, "der einzige Mann auf dem Kontinent" war. Kopp arbeitete damals für eine amerikanische Firma im Bereich Netzwerktechnik. Seine Frau Flora als Übersetzerin. Beide fielen der damaligen Wirtschaftskrise zum Opfer. Während im neuen Buch im unteren Teil wie die Vergangenheit von Flora erzählt wird, die sich suizidiert hat, und wohl Darius an Dokumente von ihr kommt, denn er hat es sich zur Aufgabe gemacht, an ihren Heimatort nach Ungarn zu fahren, um dort ihre Asche zu bestatten...Also nochmal: Oben Roadmovie, unten das verborgene Leben seiner Ehefrau, mit der er angeblich 9 Jahre verheiratet war...

Nach geschlagenen 180 Seiten, gebe ich die Leseart auf, oben und unten abwechselnd zu lesen. Liest man ganzseitig, kommt man durcheinander. Ich lese also erst die Geschichte von Flora unten, danach die Strassenreise von Darius nach Ungarn und weiteren Ländern, der dortigen Region. Also unten: Flora leidet an einer bipolaren affektiven Psychose, über weite Strecken liest sich das wie ein Psychiatrie-Kompendium. Die Erkrankung der Psychose, wird hier weitgehend in all seinen möglichen Erscheinungsformen und Symptomen geschildert. Es ist unschwer zu erkennen, dass mit dem Titel "Ungeheuer" schlussendlich die psychische Krankheit gemeint ist, unter der Flora leidet und wie "innere Gezeiten" im eigenen Blut erlebt. Wir haben das nihilistische Element, den Wahn zu töten, die Hoffnung zu flüchten, das Opferbewusstsein, dass einem das Leben geraubt wurde, die Wirkung der Medikamente, Abgründe noch und nöcher, das Element des Suizids, krank und sterben, Todessehnsucht, erlebte Demütigung und Bösartigkeit, der melancholische Dauerton der in der Depression seine Vollendung findet, wir haben Foltervorstellungen, verzweifelte Therapieversuche, eine ganze Materialsammlung wenn man so will, Mora liefert das komplette Programm, eine Innenansicht könnte man sagen, einer psychotischen Erkrankung. Obwohl man merkt, dass sich die Autorin gut darüber informiert und recherchiert hat, ist es umso mehr völlig unrealistisch, sich vorzustellen, wie ein Darius Kopp jahrelang mit einer Frau liiert war, und er offenbar rein gar nichts, von dieser erkrankten Seite seiner Frau Flora, die schon seit einem Jahr tot ist, nie bemerkt hat. Schon hier eigentlich, beginnt die Glaubhaftigkeit, dieser Story zu kippen..

Und Darius Kopp? Ach ja, wir sind ja oben, also der oberen Lesehälfte des Buches angelangt, oder wieder angelangt. Darius ist ein Chaot. Arbeitslos, ohne wirklich eine Richtung seinem Leben gebend, packt er die Asche seiner toten Frau in den Kofferraum ein, und fährt einfach mal los. Im Grund kann er seine Verlusterfahrung gar nicht verarbeiten, seine ziellose Fahrt, ist zwar irgendwie abenteuerreif, liest sich stellenweise amüsant, denn er lernt auf dem Weg dorthin jede Menge Leute kennen, verliebt sich sogar unterwegs, in die Tramperin Oda, die wie ein Lichtblick in der ganzen Lethargie zu sein scheint. Doch wirkt die ganze Fahrt vielmehr als ein hilfloser Verzweiflungsakt, um gegen den schmerzlichen Verlust anzukämpfen, dazu, bekommt er Einblick in eine Vergangenheit, die er nicht kannte. Auf der Fahrt dorthin, scheint ihn seine Vergangenheit wieder einzuholen, das geht soweit, dass er meint, wieder mit Flora zu sprechen, sogar als Leser bekommt man das Gefühl, das er sich ja wieder mit ihr unterhalten kann, obwohl sie ja eigentlich ja tot ist. Mora beginnt einen sensiblen Dialog zwischen Lebenden und Toten, der schon ans Surreale grenzt: "Wie geht es, dass eine Person aufhört zu existieren, ohne tot zu sein."- (..) angereichert mit Entwertung:"..damit ich endlich begreife, dass es mich nicht gibt", (..) oder auch: "Man kann aufhören zu existieren, ohne tot zu sein."

Während der ganzen Lektüre hatte ich den Eindruck sowohl gegen eine unerträgliche Schwere anzulesen, was Flora anbelangt, sowie die Orientierungslosigkeit eines Darius, dessen Leben völlig aus dem Ruder läuft, ein zielloses Unterwegssein, wo selbst das ursprüngliche Motiv zur Nebensache wird, und er auf dem Besten Wege ist, sich selbst zu verlieren, wenn er sich nicht schon verloren hat....Hier wurde wirklich wahllos drauflos geschrieben, ohne Ausrichtung, ohne Ziel, eine wirkliche Richtung, die dem Buch, dem Roman gut tun würde. Im Grunde strengt man sich über 680 Seiten hinweg an, auch wenn es weniger sind (leere Blatthälften), ohne als Leser wirklich dafür belohnt zu werden. Ich verstehe auch nicht, warum denn beide Bücher nicht einfach hintereinander gedruckt worden sind, denn die gleichzeitige Lesbarkeit zweier Geschichten, die nur vage zusammenhängen, erfordern diese Darstellung im Grunde gar nicht, neben dem, dass man hätte Papier sparen können, bleibt die Frage offen, warum wurde das so dargestellt? Denn im Grunde lesen wir einen zweigeteilten Text, der durch die Linie Ober- und Unterwelt voneinander trennen soll. Unterm Strich ("lauert das Ungeheuer"-wie der Spiegel herrlich zitiert) eine zähe und anstrengende Lektüre, die ausufert, ziellos, richtungslos, chaotisch, oft weiss man gar nicht z.B. wer jetzt erzählt, der ganze Roman ist durcheinander, wie der Protagonist eben auch. Mich hat dieser Roman mehr enttäuscht, als dass er mich bereichert hätte. Ungarische Ausdrücke, die immer wieder im Buch vorkommen, versteht niemand und sind sperrig zu lesen, auch wenn es danach ins Deutsche übertragen wird. Selbst mein kleines Langenscheid-Übersetzer-Lexikon das ich extra dafür beschaffte, konnte mir nur bedingt dabei aushelfen. Vielleicht hat ja die Autorin eher ein Buch für sich selbst geschrieben, als für die Leser, könnte ja sein... nur hätte man sich dann vielleicht eine hohe Auflage ersparen können, schade.

Nachtrag vom 7.10.2013

Im Grunde liest hier der Leser zwei Bücher. Das Roadmovie ist verrückt, amüsant und leicht zu lesen, mit all' seiner Komik, seiner Absurdität und schrägen Schilderungen. Und natürlich hat es einen gewissen Gehalt, wenn man, auch wenn erst im Nachhinein, man den Menschen kennenlernen möchte (über seinen Tod hinaus), mit dem man lange partnerschaftlich zusammen war. Doch die Innenansicht einer Depression zu lesen, ist alles andere als einfach und verlangt einfach eine gewisse (Durchhalte-) Kraft vom Leser ab, für die vielleicht nicht jeder bereit ist. Denn die Autorin mutet dem Leser im Grunde die ganze Totalität einer psychotischen Erkrankung zu, die Frage ist nur, ob wir das auch lesen wollen. Diese beiden Bücher gehören also irgendwie zusammen und doch sind sie in sich auch getrennt voneinander. Und über die Lesbarkeit bezüglich der Darstellung, dürfte wohl jeder Leser seine ganz eigene Lesart irgendwann entscheiden dürfen. Inwiefern die Leichtigkeit der "Oberwelt" zu der Schwere der "Unterwelt" passt und gelesen werden kann, muss dann letztendlich doch der Leser entscheiden - Deutscher Buchpreis hin oder her..

Zitat: S533
"Sie sassen auf einer Bank auf dem Platz der Revolution und sahen sich das Nichts an."
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46 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Minus und Minus ergibt... den Deutschen Buchpreis 2013, 18. Oktober 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich mag Bücher, die formal etwas wagen. Die konzeptionelle Idee, die Seiten eines Romans aufzuteilen und oben den männlichen Teil eines Paares, unten den weiblichen sprechen zu lassen, fand ich deshalb erst einmal reizvoll. Auch wenn diese Idee der Mehrsträngigkeit durch Seitenteilung nicht von Mora ersonnen, sondern von anderen Autoren übernommen ist: J.M. Coetzee zB, "Tagebuch eines schlimmen Jahres".

Oben also der etwas schlichte Genussmensch Darius Kopp, unten seine Frau Flora, oben der Lebende, unten die Tote. Denn Flora ist zunehmend in Depressionen versunken und hat sich schließlich im Wald erhängt.

Leider musste ich dann bei der Lektüre feststellen, dass der Strich in der Seitenmitte wirklich seine Berechtigung hat. Die Teile sind nur sehr lose miteinander verbunden. Ich hatte erwartet, dass Situationen auf raffinierte Weise in zwei Perspektiven dargestellt werden, eine doppelte erzählerische Optik sozusagen. Aber nichts dergleichen. Darius Kopp, der bis Seite 83 den Roman allein bestreitet (unten nichts als Leere), beginnt irgendwann, auf Floras Laptop gefundene Aufzeichnungen seiner Frau zu lesen. Etwas dürftig, diese Verknüpfungsidee, finde ich. Und zudem ein ganz alter Hut – wie oft sind in der Literatur schon Aufzeichnungen „gefunden“ worden, die den Hauptfiguren die Augen über ihre Lieben öffnen sollten.

Eine wirkliche Orchestrierung, eine subtile Parallelaktion von oben und unten kann ich nicht erkennen. Es sind einfach zwei Texte, die nicht hintereinander, sondern nebeneinander gestellt werden. Es hat deshalb wenig Sinn, parallel zu lesen, und so habe ich mir erst den Kopp-Roman, dann die Flora-Notate vorgenommen.

Im ersten Fall hat man es mit einer mäßig interessanten, zudem sehr in die Breite gelaufenen Road-Novel zu tun, deren Inhalt ich nicht zusammenfasse, weil es hier u.a. schon in der Rezension von A. Zanker zur Genüge (und zutreffend) geschehen ist. Nur scheint mir gewiss: Mit Kopps Reisebericht allein hätte Mora keine Lorbeeren gewonnen. Die Impressionen aus Ungarn, Albanien, Griechenland, Armenien hätten auch in ein paar Reisefeuilletons gepasst.

Floras Laptop-Notate erweisen sich allerdings als noch unergiebiger. Es gibt nur Ansätze von Erzählhandlung, dafür Lexikoneinträge, endlos zitierte Beipackzettel von Psychopharmaka, Spezifisches zur klinischen Depression, lyrische Versuche… Ich habe das nach einer Weile nur noch überflogen. Man ist mit diesem Teil schnell fertig, er setzt ja erst nach knapp hundert Seiten ein, und zwischenzeitlich sind unten, auf der Flora-Seitenhälfte, auch schon mal 150 Seiten völlig Sendepause. So kommt dieses Buch natürlich leicht zu seinen 680 Seiten.

Psychologisch erscheint mir das Ganze wenig plausibel: Wie stumpf muss dieser Darius sein, dass er in neun Jahren nicht gemerkt hat, dass seine Frau schwer psychisch krank ist? Will man so einem Holz-Kopp, der sich die ganze Zeit in einer „glücklichen Ehe“ wähnte, als Hauptfigur folgen?

Was also soll das Ganze? Zumindest handelt es sich um einen cleveren Schachzug der Autorin. Sie hat aus überwiegend mäßigem Material ein Großwerk zusammengebastelt, jedenfalls in Augen der Buchpreis-Jury. Aus Minus und Minus wurde hier ein fettes Plus – auf dem Honorarkonto der Autorin, denn „Das Ungeheuer“ ist gleich auf Platz 4 der Bestsellerliste gehüpft. Glückwunsch!
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Quälend und langatmig, 16. Oktober 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
T. Mora hat auf einer von mir im September besuchten Lesung aus dem "Ungeheuer" wohl die besten Stellen ausgewählt, denn ich kaufte ihren Roman, las zuerst sogar den Vorläufer (mit mäßigem Vergnügen)und war dann bereit für den Buchpreis-Wälzer 2013. Die Lektüre gestaltete sich schwierig, die Handlung ist ungeheur - ja, dieses Adjektiv paßt - schwerfällig und langweilig. Das soll ein literarisches "Road-Movie" sein? Der Held Darius Kopp ist ein komplett uninteressanter Typ, der sich einfach treiben läßt, der keine spannenden Reflexionen anstellt und durch keinen einzigen profunden Gedanken auffällt. Auf seiner Reise durch Ungarn, Albanien etc. passiert kaum etwas, das mich als Leserin auch nur im entferntesten fasziniert hätte. Der Mann ist plump und platt, der Erzählstil ist alles andere als "elegant" oder "virtuous"; der ständige Wechsel der Erzählperspektive in einem Absatz nervt (permanentes Oszillieren ziwschen "ich" und "er"). Und das zweite Buch, das man mitgeliefert bekommt, der erratische Text der psychisch Kranken Flora, steht unvermittelt da, setzt sich zusammen aus Beipackzetteln von Psychopharmaka, Gedichten, unstrukturierten Memo-Texten, sogar ein Kochrezept ist dabei. Wie kann es sein, daß ein Mann nicht bemerkt, daß seine Ehefrau hochgradig depressiv ist? Heißt der Held Herr Kopp, weil er sich um rein gar nichts einen Kopp macht? Wozu dann aber ein fast 700-Seiten langes Buch über einen solchen Dummkopf? Der Autorin merkt man ihre verkrampfte Bemühtheit an, originell zu sein. Sie hat sich eine innovative Struktur für ihren Roman ausgedacht ("2-in-1"), aber eine derartig vordergründige, rein formale Intertextualität genügt mir nicht, um den Roman zu mögen. Lernen wir etwas über das Leben in Ungarn? Oder über die Schwierigkeit, eine bikulturelle Ehe zu führen? Mitnichten. Darius Kopp, der seine Frau angeblich sehr geliebt hat, stellt fest, daß er fast gar nichts über sie weiß. Auch am Ende seiner Reise durch den "wilden Osten" (Klischees, Klischess...) ist er nicht schlauer - und die Leserin auch nicht.
Der Buchpreis für dieses Werk dokumentiert, daß es en vogue ist, sich mit Pseudo-Interkulturalität und einem clever strukturierten Textungetüm den Anschein von Modernität zu geben. Übrigens glaubt die Kritikerin der "Frankfurter Rundschau", daß man "Das Ungeheur" jeder "Tante unter den Weihnachtsbaum legen könne". Wirklich? Vielleicht bezieht sich Judith von Sternburg in ihrer Rezension aber auch auf das im Roman enthaltene Kochrezept und die vielen Texte zu psychischen Krankheiten. Kann man ja immer gebrauchen, diese Infos. Den Rest des Romans eher nicht.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Deutscher Buchpreis - wofür?, 10. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich war sehr gespannt auf dieses Buch - die einen lieben es, die anderen hassen es. Und ich? Ich fand es schrecklich! Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: die depressive Frau bringt sich um, der ahnungslose Ehemann fällt aus allen Wolken und tiefer, und begibt sich auf einen "Roadtrip", um Antworten und zu sich selbst zu finden.

Das Buch ist in zwei Hälften geteilt, oben die Geschichte vom Ehemann, unten die der Ehefrau. Und hier fängt es an: an sich eine tolle Idee, doch leider laufen beide Stränge unabhängig voneinander her, es gibt irgendwie keine Parallelen, bei denen man innehält. Der Schreibstil beim Teil des Ehemannes hat mich zudem ständig an E. Jelinek erinnert, die ebenfalls Wörter und Sätze aneinaderreiht, die eigentlich keinen Sinn ergeben und sehr anstrengend zu lesen sind; man versteht den Gesamtzusammenhang, aber die meisten der Wörter ist nur füllendes Beiwerk, die dem Leser überhaupt nichts sagen. Die Aufzeichnungen der Ehefrau im unteren Teil sind einfach nur abgeschriebene Texte aus Gesundheitsbüchern oder Beipackzettel, und kryptische Verweise auf Leute, die sie kennenlernt, von denen sie aber immer nur die Anfangsbuchstaben notiert. Also ebenfalls sehr nervig zu lesen und wieder hatte ich den Eindruck, dass hier vor allem aufgefüllt und gepolstert werden sollte.

Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass ich diesen Schreibstil nicht grundsätzlich nicht mag, manchmal ist so ein "sich treiben lassen", bei dem man einfach den Text einsaugt und schlussendlich satt und zufrieden ist, weil man eben nicht jeden Satz hinterfragen muss, ganz angenehm. Aber hier läuft das auf fast 700 Seiten so, und am Schluss hätte man die Kerngeschichte auch auf, sagen wir 150 bis 200 Seiten, knackig wiedergeben können. Den Buchpreis für dieses Buch ist mir auch ein Rätsel - aber ich habe mir vorgenommen, noch was anderes von Mora zu lesen - vielleicht ist "Das Ungeheuer" einfach nur zu viel des Guten.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wozu?, 5. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Formale Experimente in Büchern sind etwas, dem ich sehr offen und interessiert gegenüberstehe. Nur muss die Übung auch einen Zweck haben, und der kann in der Unterhaltung der LeserInnen liegen, in einer vertiefenden Darstellung, oder in einer Gegenüberstellung von Sichtweisen der handelnden Personen, wie sie sich im vorliegenden Buch bei der Teilung der Seiten in oben:er, unten:sie, anbietet. Wenn das oben und das unten aber eigentlich keinen gemeinsamen Nenner haben und auch sonst nicht wirklich zusammengehörig erscheinen, stellt sich schon die Frage nach dem: wozu?

Darius Kopp, der angeblich liebende Ehemann von Flora, erkennt in neun Ehejahren nicht, dass seine Frau unter manisch-depressiven Schüben leidet. Als sie ihn verlässt und schließlich selbst tötet, lässt er sich erst mal gehen um dann eine Reise in den Osten bis nach Armenien anzutreten, um auf der Rückreise in Athen die Eingebung zu haben, wie er die Asche seiner Frau, die er auf seinem road-trip im Kofferraum seines Autos mit sich führt, entsorgen soll.

Die auf dieser Fahrt beschriebenen Erlebnisse Kopps sind nett erzählt, da ist so manches dabei, das dem Klischee entspricht, das man von diesen Ländern hat und ich wusste nicht wirklich, ob mich das nun freuen soll. Kopps Part (oben) ist handwerklich gut erzählt, gefallen hat mir der ständige Wechsel der Erzählsicht, viele Sätze werden in der dritten Person über Kopp begonnen um nach dem Beistrich aus seiner Ich-Perspektive fortgesetzt zu werden. Diese unübliche Erzählweise hat mir Kopp näher gebracht als das vermutlich reine eine oder andere es geschafft hätte.

Floras Part (unten) besteht aus einer Art Tagebuch - selbst verfasste Lyrik und Prosa-Nabelbeschau, Exzerpte aus Pschyrembel und Medikamenten-Beipackzetteln. Das führt ein wenig mehr in die Person Floras ein - aber einen wirklich wichtigen Beitrag zum Thema bringt das ganze nicht und ist so aus meiner Sicht eher überflüssig.

Für mich schon überraschend war, dass sich die Jury des Deutschen Buchpreises 2013 für dieses Buch als Sieger entschieden hat und nicht etwa für das meiner Meinung nach viel stimmigere Die Ordnung der Sterne über Como: Roman
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solange man in Bewegung ist, ist alles gut, 27. November 2013
Von 
Mimir - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
»Zwischen den Lebenden und den Toten verläuft eine Grenze.« Diese Grenze wird im Buch optisch sehr auffällig durch eine Linie gezogen, die den oberen Teil, die Beschreibung der Odyssee des Protagonisten durch Osteuropa, und den unteren Teil, Tagebuchfragmente seiner verstorbenen Ehefrau, trennt. Gut ein Drittel der Seiten sind auf dem unteren Teil leer. Gibt es trotzdem Verbindungen zwischen den beiden Welten, den beiden Wahrheiten?

Dieses Werk ist die Fortsetzung von Der einzige Mann auf dem Kontinent, dem Roman über den übergewichtigen IT-Spezialisten Darius Kopp und seiner deutsch-ungarischen Ehefrau Flóra. Die depressive Flóra hat sich das Leben genommen und der inzwischen arbeitslose Mittvierziger Darius macht sich auf eine Reise, um die Asche seiner toten Frau in ihrer Heimat der Erde wieder zu geben. Darius liest unterwegs Fragmente des von ihm entdeckten Tagebuchs seiner toten Frau und erkennt langsam, wie fremd sie ihm all' die Jahre geblieben ist. Darius lässt sich treiben, fährt mit seinem Auto nach Ungarn und weiter über die Türkei bis in den Kaukasus, streift unterwegs einige Menschen und verliert sich in Gedanken und Träumen; Reflektionen über Flóra und das gemeinsame, auch konfliktreiche Er-Leben.

Die vordergründig sachliche Beschreibung der Reise in den Osten Europas bricht die Autorin immer wieder mit Ironie, manchmal mit Klischees. Doch Mora präsentiert uns Darius' Sprachlosigkeit, seine Einsamkeit, Egozentrik und Ignoranz, sein Unverständnis der erlebten Geschichte, seine Passivität, seine wachsende Melancholie und seine fast kindliche Hoffnung oder Naivität sehr einfühlsam und dabei angemessen distanziert.

'Funktion bestimmt Form', meint Terézia Mora, doch die Kapitelnummerierung des Buches und die Hinweise auf die Lesereihenfolge bedeuten, dass das Buch nicht synchronoptisch gegliedert ist und es somit auch nicht sinnvoll ist, beim Lesen zwischen Oben und Unten zu wechseln. Das Oben ist der fast lakonische Bericht über die Reise, das Unten spiegelt dagegen eindrucksvoll Flóras verborgene und verwirrende Welt tiefster Pein, zeigt die Krallen des Ungeheuers, ihrer unheilbaren Depression. Flóra hatte schließlich den Kampf gegen die quälende Verzweiflung verloren und war freiwillig aus dem Leben geschieden. Die Passagen aus ihrem Tagebuch sind schwierig zu lesen, scheinbar chaotisch, aber absolut nachvollziehbar, aufwühlend und ehrlich, gerade auch in ihrer Widersprüchlichkeit und Variabilität. Mora kontrastiert Darius' Leben in einer technisierten, auf Effizienz und Effektivität getrimmten Welt mit Flóras Flucht in eine ländliche Idylle wie auch mit der andersartigen Erfahrungs- und Lebenswelt Osteuropas. Der extreme Gegensatz der Teile Oben und Unten, Leben und Tod, in Inhalt und Stil und ihre fragilen, merkwürdigen Verbindungen machen den spannenden und verstörenden Reiz dieses Buches aus.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hab mehr erwartet, 18. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nachdem das Buch von der Presse so hoch gelobt wurde, hab ich mich entschieden es zu kaufen. Bis heute bin ich nicht fertig damit, es langweilt mich extrem. Das Layout finde ich hingegen eine großartige, neue Idee, aber das täuscht leider nicht über den langweiligen Inhalt weg
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Zweiteilung in mehreren Dimensionen, 23. Juli 2014
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist selten, dass ich Bewertungen von vernichtend bis begeistert zu ein und demselben Buch irgendwie nachempfinden kann. Auch ich war nicht in der Lage, diesen Roman in einem fort zu lesen und durchgehend gefesselt und fasziniert zu sein. Terézia Moras andere Romane ("Alle Tage“ und "Der einzige Mann auf dem Kontinent“) habe ich ebenfalls gelesen und kann feststellen, dass man, wenn man einen Roman kennt, noch lange nicht die anderen kennt.

Die Hauptfigur und Ich-Erzähler Darius Kopp ist dem erfahrenen Mora-Leser aus dem Roman "Der einzige Mann auf dem Kontinent“ bekannt. Kopp ist ein IT-Spezialist (wie Moras Mann, wenn ich nicht irre), der schleichend arbeitslos wird, als sich der Arbeitgeber, zu dem er in den letzten Wochen keinen Kontakt mehr aufbauen konnte, irgendwie in Luft auflöst. Die Virtualität der IT-Branche wird hier auf die Spitze getrieben. In "Das Ungeheuer“ nun geht es um die Verarbeitung des Todes von Kopps Partnerin, der Ungarin (wie Mora) Flora, Übersetzerin (wie Mora) und Aushilfskraft in allen möglichen Gewerben. Flora litt lange Jahre an einer Depression, die Kopp verborgen blieb und nahm sich das Leben. Darius Kopp traf das unvermittelt, wenn auch klar wird, dass die letzte Zeit alles andere als einfach, schon gar nicht harmonisch war.

Das Besondere an diesem Roman ist eine tatsächliche Zweiteilung. Alle Seiten haben einen oberen Bereich, der der Erzählung Kopps vorbehalten ist. Und einen unteren, etwas kleineren Bereich, der Tagebucheintragungen und wissenschaftliche Kurztexte aus der Hinterlassenschaft Floras umfasst, die Kopp nach deren Tod entdeckte und aus dem Ungarischen übersetzen ließ. Und so macht er sich, Zeit hat er ja, mit diesem Manuskript und später auch mit der Urne und Floras Asche auf den Weg zuerst nach Ungarn in die Heimat Floras, wo sich Gegenwart und Vergangenheit mischen, und dann weiter über Kroatien und Albanien bis nach Georgien, immer auf der Suche nach Erkenntnis. Überall trifft er Menschen, wohnt bei diesen, wird absorbiert und wieder ausgespuckt, bleibt am Ende alleine und einsam. Wie Flora in ihrer Depression.

Der Roman ist sehr schwer zu lesen, wie ich finde. Bewundernswert und möglicherweise auch der Grund für die Auszeichnung für den besten Roman im Rahmen des "Deutschen Buchpreises 2013“ ist die Art und Weise, wie Terézia Mora in den Kopf vor allem von Flora schlüpft und allen Lesern deutlich macht, wie komplex eine solche psychische Erkrankung ist, wie schwer deren Behandlung.

Jede Leserin und jeder Leser wird eine eigene Vorgehensweise finden, um die beiden unabhängig zueinander stehenden Teile zu lesen. Anfangs versuchte ich durch sehr häufiges Wechseln voranzukommen, scheiterte aber. Später las ich dann große Abschnitte, teilweise 50 und mehr Seiten des einen, bevor ich wieder zurückblätterte zum anderen, um dort voranzukommen. Letzteres erwies sich für mich als zielführender. Auch wenn ich lange brauchte, etwa eineinhalb Monate, um den Roman zu Ende zu lesen, habe ich es dennoch nicht bereut. "Lesen als Arbeit“ erscheint mir ein passendes Motto zu sein.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles einsteigen! - Eurasischer Depressions-Zug unter Volldampf, 25. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine interessante und ausgefallene autobiografische Perspektive: die Person "Flora", ausgestattet mit den Lebensdaten der Autorin hat sich erhängt. Ihre kremierten Überbleibsel, in Papp-Urne verpackt, harren der Bestattung. Wozu es bis zum Schluss des Buches aber nicht kommen soll (doch vielleicht im nächsten Teil der Trilogie).

Unbeerdigte Tote rumoren bekanntermaßen immer noch weiter herum. So auch Flora im Hirn ihres hinterbliebenen Ehegatten. Wir kennen ihn bereits als "einzigen Mann auf dem Kontinent". Diesmal ist er also der einsamste Mensch auf dem Kontinent, zumindest empfindet er sich als solcher. - Wieso konnte Flora die Welt (und ihn eingeschlossen) einfach nicht ertragen, fragt sich dieser, wobei ihm Aufzeichnungen die Augen öffnen, die Flora hinterlassen hat. Damit Leser sich ein genaues Bild von der ausweglosen Verzweiflung machen können, sind diese Texte auf der unteren Hälfte der Buchseiten abgedruckt.

Bei so dicken Schwarten würde man sich eigentlich immer gerne Nebensächliches sparen, um schneller durchzukommen. Manche haben sich also dafür entschieden, Floras Notizen zu überschlagen, weil sie u.a. Kochrezepte, Lexikonexzerpte, Beipackzettel, wirres Zeug enthalten. Vielleicht entgeht ihnen dabei aber die Hauptsache, die diesem Buch seine Sonderstellung verleiht. Der bewegende Lebenskampf einer jungen Frau - aufgewachsen in etwas verwahrlosten Verhältnissen (Mutter: Prostituierte?/ verstößt Tochter) - die sich immer wieder aufrappelt, sich zu behaupten versucht unter widrigen Umständen, Selbsterniedrigung, Promiskuität, Auflehnung, alle verfügbaren Mittel einsetzend, schließlich aber zur Stammkundin psychiatrischer Institutionen verfällt und auch dort kein bisschen Halt findet.

Dies alles sehr gut nachfühlbar dargestellt, die Versuche, Normalität ins Leben hineinzuzwingen, Auseinandersetzung mit therapeutischen Ansätzen Arno Grüns und ihrer behandelnden Ärzte, der Verständnislosigkeit ihres Ehemannes, dem es lediglich um trautes Heim und geregelten Beischlaf zu tun ist. Ihr Ende also schier unausweichlich und dennoch aus der Perspektive Aussenstehender ein schockierender Keulenschlag...

Bar aller erstrebten Grundversorgung wie auch beruflicher Perspektive begibt sich Jungwitwer Darius Kopp auf eine kilometerfressende Flucht über den gesamten Kontinent, für den ihm einstmals absurderweise die alleinige Zuständigkeit in seinem Unternehmen oblag. Mit dem Leichenbrand im Kofferraum überwindet er alle Staatsgrenzen und gerät an Bekanntschaften, die im Grunde ihres Wesens ebenfalls vom großen 'Ungeheuer' der grenzenlosen Depression ergriffen sind. Wenn sie auch eine jeweils spezifische Lebenszugewandheit, ja übesprudelnde Fröhlichkeit an den Tag ausstrahlen.
Mag diese Story auch ganz unterhaltsam sein, reiht sich doch bei abflauender Spannung ein Episödchen ans andere, so dass am Ende nur ein unmotiviertes Finale furioso übrigbleibt, damit der Buchumfang seine Zumutbarkeitsschwelle nicht allzusehr überreizt.
Als Leser wartet man indes nicht allzu ungeduldig auf den nächsten Teil des Jahrhundertwerks, für den in Aussicht steht, dass sich der Held der Erzählung mitsamt der Asche seiner Frau in den lodernden Ätna stürzt. Die seit Jahrtausenden unübertroffene Selbstverwirklichung. Empedokles - Hölderlin - Mora
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Furchtbarer Roman, 18. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Ungeheuer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich weis nicht was vor der Buchmesse die Bewertungsjury geraucht oder geschnupft hat, wer kann denn dieser Frau, mein Gott ich will nicht unverschämt werden, ihre Ihre Leistung in allen Ehren,diesen Roman als Roman des Jahres bewerten, das war mein Kriterium Ihn zu kaufen, wer auf schwere depressive Kost steht, bitte, aber es ist wirklich eine Tortur sich durch diesen Brei an Geschreibsel durchzukämpfen. Nichts für Easy going People ... für mich ein Scheissroman... Finger weg
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Das Ungeheuer: Roman
Das Ungeheuer: Roman von Terézia Mora (Gebundene Ausgabe - 2. September 2013)
EUR 22,99
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