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5.0 von 5 Sternen Die Stimmen der Opfer
"Vor wie langer Zeit sind wir gestorben?", will jemand wissen. Wie Gespenster in einem Totenreich bewegen sich die Figuren in Antunes‘ „Gutsherren“-Roman. Der tyrannische Großvater ist der Teufel in Person, der Verwalter und sein Gehilfe seine Adjutanten. Ihre Lügen, Bosheiten und Gewaltakte unterdrücken die ganze Familie. Langsam,...
Veröffentlicht am 10. Februar 2013 von Ulrich Müller

versus
10 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht lesbar
Der 1942 geborene portugiesische Schriftsteller António Lobo Antunes macht es seinen Lesern schwer: Sein neuer Roman "Der Archipel der Schlaflosigkeit" besteht aus einem einzigen langen Gedankenstrom eines Ich-Erzählers, der sich an das Leben auf einem portugiesischen Landgut erinnert. Der Punkt als Satzzeichen existiert genauso wenig wie Dialoge, eine...
Veröffentlicht am 27. August 2012 von Andreas Schröter


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Stimmen der Opfer, 10. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Vor wie langer Zeit sind wir gestorben?", will jemand wissen. Wie Gespenster in einem Totenreich bewegen sich die Figuren in Antunes‘ „Gutsherren“-Roman. Der tyrannische Großvater ist der Teufel in Person, der Verwalter und sein Gehilfe seine Adjutanten. Ihre Lügen, Bosheiten und Gewaltakte unterdrücken die ganze Familie. Langsam, starrsinnig und geistesabwesend gehorchen Vater, Mutter, die Kinder und Cousine Hortelinda dem Patriarchen, aber „nicht wie Menschen gehorchen, sondern wie Tiere sich aus Gewohnheit oder aus Angst unterwerfen“, bekennt einer der wechselnden Erzähler, allesamt Opfer.

Das Landgut in der kleinen Stadt Trafaria, ein enger Kosmos aus Angst, Willkür und Vergewaltigung, ist eingezwängt zwischen Gebirge und Lissabon, wo die Welt auf einem Anleger endet, der in den Tejo hineinragt. Hier riecht die Erde „nach Blut und lauwarmem Wasser und Fett und Schweiß, nicht nach Apfelsinen, nicht nach Mais“. In diesem durch Gier und Kälte geprägten Zusammenleben gilt uneingeschränkt Adornos Satz „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. Das Leben hat sich gleichsam von den Personen abgewandt und in die leblosen Dinge verkrochen: in magisch miteinander redende Bäume, überlegende Bleistifte, zuhörende Schubläden oder launische Wassertropfen.
„Warum leben wir auf einer Welt wie dieser, die so gewalttätig ist, so hart“, fragt die Schwester Adelaide. „Wenn ich es wenigstens schaffen würde zu weinen“, klagt ein anderes der Kinder.

Indem Antunes die Stimmen der Unterdrückten musikähnlich kontrapunktiert und zu einer polyphonen Sprach-Sinfonie verdichtet, benennt er das menschliche Unheil in größtmöglicher Sinnlichkeit, anstatt es abstrakt anzuklagen. Ein Stück weit bannt er das Böse gleichsam durch dessen übertriebenes, tabuloses Aufspießen. Beim Eintauchen in seine kunstvoll gebrochene, durch und durch dramatische Prosa ergreift den Leser ein ungeheures Mitleid mit den Figuren und überhaupt mit einer durch Gewalt geprägten Form des Zusammenlebens. Ein eindringlich erzähltes Plädoyer für soziale Vernunft!

Dr. Ulrich Müller (Berlin)
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Niedergang einer portugiesischen Großfamilie, 4. September 2012
Von 
Manfred Orlick (Halle, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
António Lobo Antunes (Jg. 1942) ist neben José Saramago (1922-2010) die wohl wichtigste und bekannteste Stimme der portugiesischen Gegenwartsliteratur. Nun wird der ewige Nobelpreiskandidat siebzig Jahre und der Luchterhand Literaturverlag, wo seine Roman in deutscher Sprache erscheinen, legt pünktlich zu diesem Jubiläum seinen Roman „Der Archipel der Schlaflosigkeit“ vor.

Wie in seinen bisherigen Romanen reflektiert der Autor auch hier die Geschichte und Gesellschaft Portugals im 20. Jahrhundert, dieses Mal eingebettet in eine Familiengeschichte. Antunes entführt den Leser auf ein Landgut in Trafaria, südlich von Lissabon, wo drei Generation einer portugiesischen Familie schon über ein Jahrhundert leben. An ihrem Beispiel erzählt er den Niedergang der alten, autoritären Gesellschaft.

Der Roman beginnt mit der Beerdigung des Großvaters, der als Patriarch das Landgut bis ins hohe Greisenalter geführt hat und das mit rücksichtsloser Härte und gefühlloser Gier, besonders gegen die eigenen Familienmitglieder. In Rückblenden schildert Antunes, wie der überlebensgroße Großvater die Familie regelrecht verachtet und knechtet hat. Mit harter Hand hat sich der gefürchtete Despot genommen, was ihm in den Sinn kam, verging sich an dem Küchenpersonal und beschimpfte den hilflosen Sohn als Idiot und Schwächling.

Trotz der tyrannischen Herrschaft ging die Wirtschaftskraft zurück und das Gut zerfiel langsam. Während der Nelkenrevolution von 1974 wurde es gestürmt und zerstört. Die verarmten Nachkommen vegetieren nur noch in den Trümmern der einstigen Größe. Alle politischen und gesellschaftlichen Veränderungen ihres Landes gehen an ihnen spurlos vorüber. In dem Landgut scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

„Der Archipel der Schlaflosigkeit“ ist ein meisterhafter Roman, der die Vergangenheit so schildert als wäre sie die Gegenwart. Das zeitliche Nacheinander wird aufgehoben durch die Synchronität aller Ereignisse. Wie alle seine Werke zeichnet sich Antunes neuer Roman auch durch immense Sprachgewalt aus, die den Leser in den Bann zieht. Die Lektüre ist allerdings nicht einfach, denn der unkonventionelle Schreibstil, der typische Lobo-Antunes-Stil mit zahllosen Einschüben und Unterbrechungen der Handlungen, ist mitunter schwer zugänglich. Ein komplexer Stil, scheinbar ohne Anfang und Ende, wie in seinen bisherigen Romanen.

Manfred Orlick
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fordernder, aber lohnender Familienroman mit historischem Subtext, 2. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Schatten des portugiesischen Franquismus

Der portugiesische Schriftseller Antònio Lobo Antunes behandelt auch in diesem Roman wieder das große Trauma Portugals, unter dem das Land seit dem Sturz des franquistisch-faschistischen Salazar-Regimes in der "Nelkenrevolution" leidet. Das Landgut erscheint als Mikrokosmos der portugiesischen Gesellschaft, die sich teils willfährig, teils apathisch der Tyrannei eines rücksichtslosen Patriarchen beugte. In seiner Anlage gleicht der Roman dabei einem früheren Werk von Antunes, dem großartigen "Handbuch der Inquisitoren" aus den 1990er Jahren. Auch dort vergällte ein siecher, moralisch verkommener Gutsherr, der an den Autokraten Salazar angelehnt war, seiner Familie das Leben.
"Der Archipel der Schlaflosigkeit" schildert eine ähnliche Geschichte, allerdings noch konsequenter, dunkler und anspielungsreicher: Die Familie als Alptraum, das idyllische Landgut als Gefängnis, der Patriarch als Monster. Wie Antunes hier auf 300 Seiten ein halbes Jahrhundert verdichtet, ist bemerkenswert.

Fiebriger Stil

Dazu muss man sich freilich auf den Stil des großen portugiesischen Autors einlassen, der die Sätze wie fallende Dominosteine nebeneinander drapiert und montiert, mit manchmal mikroskopischem Blick Stimmungen einfängt, dann wieder Gedanken als fiebrigen brainstorm bündelt. Sätze und Satzzusammenhänge werden unterbrochen, geteilt, wieder aufgenommen oder manchmal auch einfach abgewürgt. Einer flüssigen Rezeption entzieht sich "Der Archipel der Schlaflosigkeit" wie sämtliche Bücher von Antunes. Vermutlich hat diese Marotte dem Portugiesen bisher auch größere Leserschaften verwehrt.

Fazit

Wer dem anspruchsvollen, fordernden Stil von António Lobo Antunes etwas abgewinnen kann, der bekommt mit "Der Archipel der Schlaflosigkeit" einen Familienroman serviert, der mit seiner Stimmung, seinem historischer Subtext und seiner Atmosphäre seinesgleichen sucht. Ein großer, wichtiger Roman und eines der literarischen Ereignisse des vergangenen Jahrs.
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10 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Nicht lesbar, 27. August 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der 1942 geborene portugiesische Schriftsteller António Lobo Antunes macht es seinen Lesern schwer: Sein neuer Roman "Der Archipel der Schlaflosigkeit" besteht aus einem einzigen langen Gedankenstrom eines Ich-Erzählers, der sich an das Leben auf einem portugiesischen Landgut erinnert. Der Punkt als Satzzeichen existiert genauso wenig wie Dialoge, eine Handlung oder ein irgendwie gearteter Spannungsbogen. Viele Gedanken beginnen und enden im Nirgendwo - um sogleich von einem anderen Thema abgelöst zu werden, das zu einer ganz anderen Zeit spielt. Und so weiter über 320 Seiten. Das macht es schwer, bei der Stange zu bleiben, geschweige denn überhaupt mitzubekommen, um was es eigentlich geht: Offenbar hat die Familie, die auf besagtem Landgut lebte, jahrzehntelang unter einem hartherzigen Großvater gelitten. Hier muss allerdings zugegeben werden, dass diese Information bereits im Klappentext stand. Andernfalls hätte man wohl noch mehr Schwierigkeiten, sie dem Text zu entlocken. Soldaten kommen vor, die das Landgut niederbrennen und das Vieh schlachten. Aber vielleicht war das auch alles ganz anders. Erzählte Fakten verschwinden im Nebel von Antunes' Sprache.

Das kann man nun experimentell nennen oder avangardistisch oder "ausgetretene sprachliche Pfade verlassend" - man kann es aber auch schlicht als größtenteils unlesbar einstufen. Der Verfasser dieser Rezension neigt zu Letzterem.
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Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman
Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman von António Lobo Antunes (Gebundene Ausgabe - 27. August 2012)
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