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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bewegende Mischung aus Familienstory und subtiler Gesellschaftskritik
Elisabeths Strouts neuer Roman “Das Leben natürlich” spielt im beschaulich-ländlichen Maine. Doch auch wenn es den Anschein macht, dass das Leben hier etwas betulicher und ruhiger verläuft, ist es es nicht immer idyllisch. In den Mittelpunkt der Story stellt Strout die drei Geschwister Burgess. Während der ältere Bruder Jim eine...
Vor 13 Monaten von Silke Schröder, hallo-buch.de veröffentlicht

versus
4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Leben war verzwickt, Entscheidungen mussten gefällt werden
Elizabeth Strouts DAS LEBEN, NATÜRLICH ist ein Stew mit vielen Zutaten; umso erstaunlicher, worum es dann alles nicht eigentlich geht in diesem Familienroman, dessen Originaltitel THE BURGESS BOYS weniger prätentiös und weiniger irreführend ist als der deutsche.
DAS LEBEN, NATÜRLICH ist kein eigentlicher Roman über die Probleme...
Vor 11 Monaten von Michael Collin veröffentlicht


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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bewegende Mischung aus Familienstory und subtiler Gesellschaftskritik, 17. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Elisabeths Strouts neuer Roman “Das Leben natürlich” spielt im beschaulich-ländlichen Maine. Doch auch wenn es den Anschein macht, dass das Leben hier etwas betulicher und ruhiger verläuft, ist es es nicht immer idyllisch. In den Mittelpunkt der Story stellt Strout die drei Geschwister Burgess. Während der ältere Bruder Jim eine glanzvolle Karriere macht und als Strafverteidiger viel Geld verdient, kämpft sein Bruder Bob noch immer mit seinen Schuldgefühlen, weil er als Vierjähriger den Unfalltot seines Vaters verursachte. Die allein erziehende Susan hingegen hat nicht nur mit ihrer schwierigen Situation und den engen Geldbeutel, sondern auch mit ihrem Sohn Zach zu kämpfen, der ein unmotivierter Einzelgänger ist. Seine Dull-Aktion schlägt landesweite Wellen - und sie lässt alte Zwistigkeiten und Animositäten der Familienmitglieder wieder aufleben. Die Autorin verbindet diese Familiengeschichte mit aktuell-brisanten Themen wie den wachsenden Stadt-Land-Unterschieden und den Problemen, die entwickelte westliche Gesellschaften mit den Flüchtlingen aus den vielen Krisenherden dieser Welt haben - Menschen, die weder die Landessprache sprechen, noch mit den Verhältnissen ihrer völlig neuen Umgebung vertraut gemacht wurden. So präsentiert uns Elisabeth Strout in ihrem wunderbar prosaischen Stil eine sehr einfühlsam erzählte, bewegende Mischung aus Familienstory und subtiler Gesellschaftskritik.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Lektüre mit vielfältigen Charakteren und Themen, 12. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Kindle Edition)
Bob und Jim Burgess sind in einer Kleinstadt in Maine aufgewachsen, aber so bald sie konnten nach New York gezogen. Das Kleinstadtleben wollten sie für immer hinter sich lassen. Ihre Schwester Susan ist geblieben und als ihr Sohn Zach in Schwierigkeiten gerät, machen sich die Burgess Boys auf den Weg in die alte Heimat. Dort angekommen müssen sie feststellen, dass sich Vieles verändert hat, zahlreiche Einwanderer aus Somalia mischen sich unter die ursprüngliche Bevölkerung. Durch deren Kultur und Religion entstehen diverse Konflikte.

Elizabeth Strout hat sich mit diesem Roman viel vorgenommen. Nicht nur schildert sie verschiedenste Familiendramen (ein Kindheitstrauma, Probleme eines Scheidungskindes, Eheprobleme, Rivalität unter Geschwistern…), sie wagt sich auch an das schwierige Thema von Einwanderung und Integration. Auf mich wirkte "Das Leben natürlich" trotzdem an keiner Stelle überladen, die verschiedenen Themen fügen sich gut in die Handlung ein.

Auch die vielen Personen und verschiedenen Sichtweisen haben mir gut gefallen. Elizabeth Strout schreibt nicht nur aus der Perspektive der drei Burgess-Geschwister und ihrer (Ex-)Partner, sondern zum Beispiel auch aus Sicht eines Somali-Einwanderers. Zachs Schwierigkeiten, die den Ausgangspunkt der Handlung lieferten, geraten dadurch zwar hin und wieder in den Hintergrund, aber auch die anderen Geschichten, die in "Das Leben natürlich" erzählt werden, sind durchaus lesenswert.

Auch wenn Vieles schief läuft im Leben von Elizabeth Strouts Protagonisten, hatte ich beim Lesen durchgehend ein sehr positives Gefühl. Die Kleinstadt, in der sich zwar Vieles verändert hat, Anderes aber auch immer so bleiben wird, wie es einmal war, strahlt eine Geborgenheit aus, die einen die Schicksalsschläge der Figuren immer wieder vergessen lässt. Das hektische New York, in das die Handlung immer wieder springt, wirkt als Kontrast und verstärkt den Charme der Kleinstadt in meinen Augen nur noch.

Ein "Wohlfühlbuch" ist "Das Leben natürlich" zwar nicht gerade, ich hatte aber viel Freude mit der Lektüre und bin gespannt auf andere Werke von Elizabeth Strout.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kluge Abhebung von der aktuellen Wohlfühlliteratur, 7. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wer die Autorin kennt, weiß trotz Titel und Bucheinband: kein leichter Frauenroman, sondern ernstzunehmende Literatur!

Elizabeth Strout, in Maine geboren und zu Recht für ihren Vorgängerroman "Mit Blick aufs Meer" 2009 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, schreibt in ihrem neuesten Roman "Das Leben, natürlich" ein weiteres Mal mit viel Herzenswärme und Klugheit über ihre Heimat, Menschen, die sie verlassen und Menschen, die dorthin zurückkehren.

Wie prägt uns Kindheit und Herkunft, wie gehen wir mit Schuld und Scheitern um, was bedeutet uns eigentlich Familie und Heimat, was ist wichtig im Leben?

Die Burgess-Geschwister Jim, Bob und Susan wachsen nach dem tragischen Unfalltod ihres Vaters in ärmlichen Verhältnissen in Shirley Falls, einer Kleinstadt in Maine auf. Beide Brüder zieht es bald nach New York - Jim erfolgreicher Anwalt, verheiratet mit Helen, 3 Kinder und Bob, weniger erfolgreich, immer im Schatten seines Bruders, geschieden von Pam, kinderlos.

Susan heiratet ebenfalls, ihr Mann verlässt sie und sie zieht alleine den gemeinsamen Sohn Zach, einen etwas tragisch verlorenen Einzelgänger, in der Heimatstadt Shirley Falls groß.

Zach ist es auch, der durch eine völlig unsinnige Handlung die folgenden Ereignisse lostritt. Zach lässt während des Ramadan einen tiefgefrorenen Schweinekopf in die örtliche Moschee rollen. Die Stadt ist aufgeschreckt. Der dumme Streich, gedankenloser Blödsinn und gleichzeitig Hilferuf wird in der Öffentlichkeit zum Politikum. Susan weiß sich nicht zu helfen und bittet die Brüder um Rat. Nicht gerade begeistert kehren sie nach Jahren in die Heimatstadt zurück, um ihrer Schwester beizustehen.

In Shirley Falls leben seit einiger Zeit somalische Flüchtlingsfamilien. Kleinstädter und Somali erleben die Fremdartigkeit des Andern zum Teil mit Misstrauen. Der Gewöhnungsprozess erfordert Toleranz auf beiden Seiten. E. Strout gelingt es mit liebevoller Feder Verständnis und Mitgefühl zu wecken: beide Seiten gefangen durch Herkunft, Religion, Gesellschaft und Lebensverständnis, und doch gibt es die Möglichkeit für neue Wege. Abdikarim und Pastorin Estaver in ihrer Menschlichkeit, zwei Charaktere, denen man im wahren Leben begegnen möchte, tragen viel dazu bei.

Durch die Vorgänge in Shirley Falls sind auch die Geschwister gezwungen, sich mit ihrer Familiengeschichte, ihrem eigenen Leben und einer alten Schuld auseinander zu setzen. Dies wiederum setzt einen Prozess in Gang, der die ganze Familie am Ende des Buches verändert zurück lässt - in ihren Lebenseinstellungen und - umständen.

Wie bei den beiden Roman- Vorgängern war ich von der lebensklugen Darstellung der einzelnen Figuren begeistert - ein Buch zum Nachdenken und Mitfühlen und uneingeschränkt zum Weiterempfehlen! Hebt sich wohltuend von der heute so populären Wohlfühlliteratur ab.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Familienleben mit krassen Auswüchsen, 9. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach ihrem wunderbaren Roman „Mit Blick aufs Meer“, in dem sie ein Kleinstadtmilieu beschrieben hat, liegt endlich der neue Roman von Elizabeth Strout vor.

Sie berichtet dieses Mal über eine Familie in Maine. Im Prolog kündigt die Autorin an über die Burgess-Kinder schreiben zu wollen. Diese sind wie sie selbst aus Maine, und die Geschwister umgibt ein Schleier aus Unglück und Versagen. Shirley Falls ist die kleine Stadt, in der sie leben, in der jeder jeden kennt und in der nichts unbeobachtet bleibt.

Bob, Jim und Susan Burgess haben in Maine die Schulbank gedrückt. Die Brüder sind später nach New York gegangen und Anwälte geworden. Jim ist erfolgreich und lebt mit seiner Frau Helen ein äußerlich zufriedenes Leben. Er hat drei wohl geratene Kinder, die alle aus dem Haus sind. Jims Frau versucht ihr gutes Leben vor den Unbilden der beiden anderen Geschwister zu schützen, denn Bob hat es nicht so weit gebracht. Susan, seine Zwillingsschwester, ist wie Bob geschieden und lebt weiterhin in Maine. Ihr einziger Sohn bereitet ihr Kummer und Sorgen.

Elizabeth Strout zeigt ihre gerühmte Kunst, Milieuschilderungen und Einzelschicksale zu verknüpfen. Sie lässt die Geschichte allmählich erst zu einem Ganzen zusammenwachsen, so dass man über weite Strecken nicht sicher weiß, worauf die Geschichte hinausläuft. Rassismus spielt eine hervorstechende Rolle, und Neid und Missgunst säumen den Weg der drei Geschwister unter einander.

Doch schließlich überschlagen sich die Ereignisse, und die Spannung steigt. Familiengeheimnisse werden erkennbar, bei deren Eröffnung der kluge und erfolgreiche Jim an Glanz verliert und der schüchterne und eher gutmütige Bob an Ansehen gewinnt. Als es Jim unerwartet ganz schlecht geht, und er am Leben, an seiner Familie und an seinen eigenen Fehlern zu verzweifeln droht, sagt ihm sein Bruder Bob: "Doch, Du hast eine Familie. Deine Kinder sind wütend auf Dich, Deine Frau hasst Dich, Deine Geschwister machen Dich wahnsinnig und Dein Neffe ist ein Trottel. Das nennt man Familie." Zitat WDR: „Treffender und ironischer kann man die vierhundert Seiten dieses großartigen Buches nicht zusammenfassen.“

Bei allen verzweigten Geschichten und Nebengeschichten sind es doch die Burgess-Kinder, die den Fokus der Geschichte ausmachen. Da ist der deutsche Titel zum Roman nicht ganz verständlich, und die direkte Übernahme aus dem Englischen Titel wäre passender gewesen.

Sprachgewandt und vielseitig mit ihren Sujets, in diesem Fall jedoch fast überfrachtet, gehört Elizabeth Strout nach meinem Dafürhalten dennoch zur Elite amerikanischer Erzähltalente.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die nicht so fabelhaften Burgess Boys, 29. August 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Das Leben, natürlich" ist die Geschichte dreier Geschwister, die sich gegenseitig kaum ertragen können und dennoch aufeinander angewiesen sind. Das glauben sie jedenfalls, und das sind die Familienbande, die auch die Story zusammenhalten.

Bob Burgess, der beinahe unnatürlich Herzensgute, hatte es bereits im Alter von vier Jahren geschafft, einen Unfall zu verursachen, der seine Mutter zur Witwe machte. Dass ihn das sein Leben lang verfolgt, obwohl er sich gar nicht daran erinnern kann, dafür sorgt schon sein älterer, ziemlich charakterloser und gerade deshalb zum Staranwalt gewordener Bruder Jim. Beide hatten nacheinander ihre ländliche Heimat Shirley Falls/Maine in Richtung New York verlassen, als die Mutter gestorben war. Susan, Bobs Zwillingsschwester, blieb als emotional verkümmerte graue Maus zurück, dazu noch verlassen von ihrem Mann, der sich nach Schweden, der Heimat seiner Vorfahren, abgesetzt hatte. Ihr Sohn Zach, dessen Seelenleben die Abwesenheit seines Vaters und Lieblosigkeit seiner Mutter wenig zuträglich war, adolesziert ohne Freunde, Freude oder Perspektive vor sich hin.

Dieses sehr bescheidene Idyll, in dem sich die Familie irgendwie eingerichtet hat, findet ein jähes Ende, als Zach aus Gründen, die bis zum Ende des Romans nicht richtig auszumachen sind, einen tiefgefrorenen Schweinekopf in eine Moschee wirft. Diese Moschee gehört einer großen Community von somalischen Bürgerkriegsflüchtlingen, die sich vor Jahren in Shirley Falls angesiedelt hatte, was bei den ausschließlich weißen Alteingesessenen nicht unbedingt auf Begeisterung gestoßen war. Und es ist nur folgerichtig, dass diese "Schweinerei" unangenehme juristische Konsequenzen hat, begleitet vom landesweiten Interesse der Medien. Dabei liegen echte Überzeugung, das Bemühen um politische Korrektheit und offene Sympathie für Tat und Täter miteinander im Wettstreit. Die Brüder eilen zur Hilfe, mehr oder weniger widerstrebend, aber längst nicht so erfolgreich, wie vor allem Jim das von sich erwartet, und mit überraschenden Folgen für die Zukunft aller Familienmitglieder.

Das Buch hat mich am Ende beeindruckt, aber dennoch etwas ratlos zurückgelassen: Eine gute, in makelloser Prosa erzählte Geschichte, die aber darunter leidet, dass sie zu viel abdecken will. Die Verwerfungen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft, zwischen Land und Stadt, Arm und Reich, Schwarz und Weiß, Christen und Muslimen, die alle miteinander den Hintergrund des Familiendramas bilden, haben den Roman ziemlich überfrachtet. Und auch unter Personalmangel leidet er wahrlich nicht: zur genannten engeren Familie kommen als Akteure frühere, gegenwärtige und künftige Ehefrauen, dazu noch der Wortführer der Somalis, und so gehen im Bestreben, allen Beteiligten Stimme und Gewicht zu verleihen, Linien und Schwerpunkte verloren, an denen man sich als Leser festhalten kann.

Solche Probleme hatte ich mit Elizabeth Strouts Pulitzer-Preis-gekröntem "Mit Blick aufs Meer", das ich im Anschluss gelesen hatte, nicht: Dort fügten sich eher lose aneinander geknüpfte Geschichten und Geschichtchen zu einem sehr geschlossenen Bild der kleinstädtischen Amerikas und seiner Leute zusammen, und so habe ich es im Nachhinein nicht bereut, die Bücher nicht in der Reihenfolge ihres Erscheinens gelesen zu haben.
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4.0 von 5 Sternen Das Leben natürlich, 11. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Kindle Edition)
Wunderbar beschrieben. Ein Familienleben mit dem man sich oft identifiziert. Leider denkt man in der heutigen schnelllebigen Zeit über viele Dinge nicht mehr nach.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Das Leben war verzwickt, Entscheidungen mussten gefällt werden, 27. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Elizabeth Strouts DAS LEBEN, NATÜRLICH ist ein Stew mit vielen Zutaten; umso erstaunlicher, worum es dann alles nicht eigentlich geht in diesem Familienroman, dessen Originaltitel THE BURGESS BOYS weniger prätentiös und weiniger irreführend ist als der deutsche.
DAS LEBEN, NATÜRLICH ist kein eigentlicher Roman über die Probleme somalischer Flüchtlinge in Maine. Ich hatte den Eindruck, als habe die Autorin sich aus Nachrichten und Artikeln ein wenig Wissen über die Somali angeeignet und dieses dann zur Familiengeschichte der Burgess und der Geschichte des Staates Maine hinzugefügt, um den Geschmack des Stews abzurunden. Betroffenheit über das Schicksal der Asylanten kommt beim Lesen leider nicht auf, weil die einzelnen Somali nur äußerst oberflächlich charakterisiert werden und trotz der wohlmeinenden Kundgebung im fiktiven Städtchen Shirley Falls, der Heimat der Burgess-Familie, nur Randfiguren bleiben. Integration im Roman genau wie in Maine gescheitert.
Es ist auch kein Roman über Zach, der einen Schweinekopf in eine Moschee rollt. Wir erfahren sehr wenig über Sues Jungen, dessen Handeln den Roman wie ein Motor in Gang setzt (oder, um im Bild zu bleiben, als Kochplatte die Handlung erhitzt und zum sieden bringt); und wir erfahren überhaupt nichts über Zachs Motiv, warum er diesen fremdenfeindlichen Akt begangen hat.
Und DAS LEBEN, NATÜRLICH ist auch kein Roman über Maine, denn er könnte ohne große Verluste in einem anderen Bundesstaat angesiedelt sein, sofern dieser nur ländlich genug ist.
Alleine diese Unterlassungssünden bringen mich zum ersten Ergebnis, dass DAS LEBEN, NATÜRLICH ein Roman der verschenkten Möglichkeiten ist, denn Zach und die Somali hätten thematisch reichlich Potential gehabt, das aber leider weitgehend ungenutzt verpufft. Und Maine wäre für deutlich mehr Lokalkolorit gut gewesen, als die Autorin herausgeschlagen hat. Wer mag, kann mir in diesem Zusammenhang auch gerne erläutern, welche Funktion die namentlich nicht genannte Erzählerin am Anfang des Romans hat, die die Geschichte der Burgess-Familie erzählt. Wollte Mrs Strout mit einer Rahmenhandlung stilistisch etwas bewirken? Wenn ja, ist mir das entgangen.
Im Zentrum des Romans steht ein fünf Jahrzehnte zurückliegendes unerhörtes Ereignis: Die Burgess Kinder Jim (zum Zeitpunkt des Unfalls ungefähr 8 oder 9 Jahre alt) und die Zwillinge Ben und Sue (beide 4) sitzen im Auto. Eines der Kinder spielt an der Gangschaltung und der Vater, der sich unglücklicherweise hinter dem Auto aufhält, wird überfahren. Für diesen tragischen Unfall wird sich Ben sein Leben lang die Schuld geben und seine Geschwister, vor allem Jim, lassen ihn fürchterlich büßen für den Verlust des Vaters. Im Zuge der Geschehnisse, die Zach 50 Jahre später in Gang setzt, stellt sich schließlich heraus, dass möglicherweise Jim es war, der den Vater überfahren hat. Wie sollte Ben Jim das je verzeihen können? Auch wenn die Autorin diese Frage aufwirft, beantwortet sie sie nicht schlüssig. Nun gut, vielleicht will sie dem Leser zu verstehen geben, dass eine adäquate Reaktion auf solch ein Verhalten gar nicht möglich ist. Man würde sich wünschen, dass Ben, der sein Leben lang unter den Folgen gelitten hat und zu seinem zutiefst verunsicherten Menschen geworden ist, seinen älteren Bruder – der übrigens in mehr als einer Hinsicht ein Ar*** ist, sorry, aber ein milderer Ausdruck kommt hier wirklich nicht in Betracht – einmal kräftig durchschütteln würde. Tut Bob aber nicht, sondern unterstützt Jim im Bemühen, dessen Frau Helen zurück zu gewinnen, die ihn ganz zu recht verlassen hat. Jim ist unsympathisch bis an die Grenze der Unerträglichkeit, und leider kommen auch die anderen Mitglieder der Familie nicht sehr viel besser weg. In diesem Punkt ist die Autorin ein großes Wagnis eingegangen, indem sie dem Leser eine mehr schreckliche als nette Familie präsentiert, und ich hatte während der ersten 100 Seiten mehrfach das Verlangen, das Buch ungelesen wegzulegen. Dieses wurde noch durch die sehr konventionelle Erzählweise befeuert, die gelegentlich mit unglaublichen Sätzen angereichert wird, z.B.: „Der Verkehr strömte zügig dahin, mit einer Einträchtigkeit, als wären alle Autofahrer Teil ein und derselben mobilen Daseinsform." Soll das den Leser über die Zwietracht innerhalb der Familie hinwegtrösten? Ein aufgeblasenes Satzmonster! Oder dieses hier: „Eine Wehmut blühte in ihm auf, so brennend, dass es ans Lustvolle grenzte: ein Verlangen, ein stummes innerliches Aufseufzen wie im Angesicht unaussprechlicher Schönheit..." - und das meint Mrs Strout ernst! Und immer wieder Jim laut, ordinär, gemein; seine Frau Helen oft oberflächlich und naiv; Bob hilflos und traumatisiert und Sue verzweifelt. Die Familienmitglieder sind mehr Abziehbilder, als dass sie lebenden Menschen gleichen. Es braucht schon 100 Seiten, bis es der Autorin erstmals gelingt, den Leser für die Handlung zu interessieren und die vielen Ärgernisse, vor allem die sprachlich und inhaltlich fehlende Balance, zurück zu stellen.
Mit voranschreitender Handlung hatte ich zunehmend das Gefühl, dass es in diesem Buch ganz wesentlich um eine spezifische Befindlichkeit geht, nämlich wie Frauen über 50 damit umgehen, dass die Kinder erwachsen und aus dem Haus sind; wie sie damit umgehen, dass ihr Leben so ist, wie es eben ist, und inwieweit eine Versöhnung mit der Vergangenheit möglich ist. Ein nicht uninteressantes Thema, aber doch recht weichgespült und ohne Ecken und Kanten bei Mrs Strout. Etwas Küchenpsychologie, etwas Frauenschicksal, eine Prise Politik und Weltgeschichte und voila: es ist angerichtet! Wie es zu dem auf dem Umschlag abgedruckten Vergleich mit Philip Roth kommen konnte, ist mir ein Rätsel.
"Das Leben war verzwickt, Entscheidungen mussten gefällt werden..."(349) - das könnte schon das an Beliebigkeit grenzende Motto des Romans sein."
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfühlsam und beherzt., 10. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich bin ergriffen von der Beobachtungsgabe und Gefühlswelt dieser Autorin. Nichts könnte tiefer gehen als ihre präzisen Situationsaufnahmen.
Beinahe hätten wir dort einmal gelebt, aber etwas Unbestimmtes hat uns davon ferngehalten. Jetzt weiß ich es, es ist das europäische Gefühl des Nicht-Verantwortlich-Sein für eine große Generation der ewig Schuldigen, AMERICA.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein neuer Bestseller von Strout, 2. September 2013
Von 
Jouvancourt (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
*

Wie kommen wir aus den alten Gewohnheiten und Fallen unserer Kindheit heraus? Können wir uns je von der Geschichte
unserer Familie lösen? Das sind die Hauptfragen in Elizabeth Strouts neuem Roman "Das Leben, natürlich!"

In einem kleinen Städtchen in Maine wachsen die Burgess Geschwister, Jim, Bob und Susan, auf und jeder geht einen ganz
verschiedenen Lebensweg. Susan heiratet und bleibt in Maine, Jim schlägt sich in New York durch und Bob wird ein
berühmter New Yorker Anwalt. Als ein gefrorener Schweinekopf während des Ramadans durch die Moschee in Shirley Falls
rollt, ruft Susan die Brüder zu Hilfe, da ihr Sohn der infamen Tat beschuldigt wird. Das Wiedersehen der Geschwister in der
kleinen Provinzstadt rührt alte Geschichten auf, führt tief in das Milieu von Immigranten. Vor allem der Somalier Abdikarim
ist ganz hervorragend charakterisiert, so wie auch alle anderen Protagonisten.

Die Geschichte dieser Familie wird von einer Frau aus der selben Stadt erzählt, die Spannung ist überall vorhanden, dieses
Buch macht neugierig und enttäuscht weder unterhaltungsmäßig, noch literarisch! Sicher ein Bestseller!
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen das leben unnatürlich, 21. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Leben, natürlich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sehr umständliches und langatmiges Buch . Die verschiedenen Charaktere werden sehr überzeichnet dargestellt bzw. Unrealistisch. Blick aufs mėer war wesentlich besser. Schade
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Das Leben, natürlich: Roman
Das Leben, natürlich: Roman von Elizabeth Strout (Gebundene Ausgabe - 2. September 2013)
EUR 19,99
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