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TOP 500 REZENSENTam 21. November 2010
Beim Lesen dieses Buches, an das ich natürlich Erwartungen hatte, bin ich durch Gebiete von Trostlosigkeit, Mutlosigkeit, Monotonie und dem Gefühl des Hingehaltenwerdens, seitens des Autors, gewandert. Wer glaubt, etwas Ähnliches wie in Winter in Maine: Roman" (eines meiner Lieblingsbücher) vorzufinden oder gar erwarten zu dürfen, dürfte hier Schiffbruch erleiden. Denn, zum Einen, ist es weder ein Thriller, noch ist es in einer ähnlichen Art geschrieben. Zudem, ist es der Debutroman des Autors, der 5 Jahre vor "Winter in Maine" geschrieben wurde. Und wer einen guten Unterhaltungsroman oder einen Roman mit guten Unterhaltungswert sucht, sollte besser die Finger von diesem Buch lassen. Das Buch beschäftigt sich mit der Frage, wie weit wir Menschen bereit sind, unser Leben zu retten, selbst wenn wir ev. über Leichen gehen..

Nach gut 200 Seiten beschwerlichen Vorwärtskommens, habe ich die Gedanken zum Buch im Anhang vorab gelesen, was mir letztendlich Mut machte, durchzuhalten. Jeder Leser selbst, muss natürlich entscheiden, ob er das will, denn es gibt ein wenig davon preis, was der Autor mit dem Buch will, und wie es ihm beim Schreiben ergangen ist, und was ihn dabei bewegt hat. Um diesen Buch irgendwie gerecht zu werden, bevor wir uns in irgendwelchen Enttäuschungen oder dem Heruntermachen uns verleiten lassen, habe ich mich entschieden, zuerst den Autor selbst sprechen zu lassen, denn er äussert sich selbst im erwähnten Anhang, zu seinem Debut, um ein wenig vom Hintergrund, des Buches zu erfahren: (Skippen sie diesen Teil, wenn Sie sich das nicht vorwegnehmen wollen)

"Was würden Sie tun, wenn Sie sich entscheiden müssten, entweder ihre Freunde zu verraten oder zu sterben? In der relativen Sicherheit unserer Tage ist die Frage leicht zu beantworten. Nun stellen sie sich aber vor, dass ein Bürgerkrieg tobt, dass Ihnen diese Frage von Soldaten gestellt wird, und zwar mit einem Gewehr im Anschlag. Was würden Sie tun? Falls es bei einem Roman so etwas wie ein zentrales Thema geben kann, dann beschäftigt sich dieser Roman mit der Antwort und ihren Konsequenzen."

Als Gerard Donovan in seiner Blockhütte sitzt, bevor er mit seinem Debut "Ein bitterkalter Nachmittag" beginnt, sieht er an einem kalten Wintermorgen in den Wald hinaus. Er sieht einen Mann auf ein Feld marschieren, gefolgt von einem anderen Mann, vor ihm liegt eine Schaufel im Schnee. Er hat kalt und bibbert vor Kälte. Er trägt Handschuhe ohne Fingerspitzen. Er beginnt zu schreiben im Glauben, eine short-story zu machen. Nach 60 Seiten wird er bemerken, das daraus ein Roman entstehen könnte, er der noch nie einen Roman schrieb. Ohne einen Plan zu haben, folgt er einfach der Geschichte. Die Eckdaten sind klar gesteckt: Es ist Winter, es schneit. 2 Protagonisten, der Bäcker, der Lehrer. Das Feld ist die Bühne und wird nicht verlassen. Zeit und Ort sind eingeschränkt, für einen der beiden Männer läuft die Zeit ab, eine mit Rätsel beginnende Geschichte, wo der Autor selbst das Ende nicht kennt, ein Schriftsteller, der sich selbst ins Chaos stürzt und sich nur vom Schreiben treiben lässt, nicht wissend, wo die Geschichte mit ihm hingehen wird..

Sehr eindringlich ist sie geschrieben, diese Geschichte, die geheimnisvoll und verschleiert daherkommt, sie ist manchmal hart, konfrontierend, Donovan gibt über eine lange Strecke nicht preis, was er erzählen will, als Leser wird man des Hinhaltens bis zur Schmerzgrenze strapaziert. Eine Geschichte, die wenig Orientierung gibt. Wir wissen, das Krieg ist. Doch wir wissen weder welcher Krieg es ist, noch wo er ist. Wir kennen weder das Land, noch den Ort. Das was uns als Leser helfen könnte, oder uns Orientierung gäbe ist nur karg ausgestattet. Der Bäcker wird vom Lehrer beaufsichtigt, in der Nähe stehen bewaffnete Soldaten, immer wieder werden Lastwagen von Menschen gebracht, wo nicht klar ist, was mit ihnen passieren wird. Der Bäcker gräbt ein Loch. Während des Grabens entstehen verschiedene Gespräche, (manchmal philosophisch) über Gott, das Böse, über Geschichte, (wo sie sich bspw. über Dschingis Khan unterhalten) über existenzielle Fragen, reden über Männer und Frauen, S*x, über die Liebe, sie erzählen sich aber auch Märchen, führen gemeinsam Theaterstücke auf, besprechen Drehbücher oder reden über Erfindungen..

Fazit: Eine Wintergeschichte im Krieg, wo ein Erdloch zur Theaterbühne wird. Ein Autor, der den Leser in die gleiche Situation / Stimmung bringen will, als die Protagonisten selber stehen. Ein Werk das unverstanden scheint, dass selbst der Autor sich zu seinem Debut im Anhang dazu äussert. Ein Roman, der um die Frage kreist, zu was wir Menschen imstande sind unser Leben zu retten, angesichts tödlicher Bedrohung. Ein Buch, das sich mit der Frage beschäftigt, ob Eigeninteresse der wesentliche Instinkt des Menschen ist. Oder ist der Instinkt zu lieben stärker? Dem Leser zuzumuten, dass er von Furcht, unbarmherziger Langweile, der Monotonie und dem überwältigenden Verlangen dem Ganzen zu entkommen, ausgeliefert ist, zeugt von Mut seitens des Autors. Ob wir als Leser gewillt sind, uns dem auszusetzen, ist nochmal eine ganz andere Frage.

Dieses Buch ist ganz sicher kein Unterhaltungsroman und richtet sich an anspruchsvolle Leser. Wer aber ein ernstes Werk, mit existenziellen Fragen zu lesen bereit ist, könnte darin ein paar Kostbarkeiten finden, existenziellen Fragen, wo es sich lohnen könnte, sich selber zu stellen, ich möchte diese Leseerfahrung nicht missen. Auch wenn ich zugeben muss, nur die letzten 50 Seiten genossen zu haben. Wer es aushält, einen Roman zu lesen, der mit "Handlungsarmut" ausgestattet ist und es aushält vom Autor moralisch im Stich gelassen zu werden, stellt sich hier einer echten Lese-Herausforderung, die, ich betone, bewusst so angesetzt ist. Erst gegen Ende des Romans, lüftet sich langsam, das Anliegen des Buches. Ist man am Ende, beginnt der eigentliche Prozess, der eigenen Leseerforschung erst, was ich persönlich für eine brilliante schriftstellerische Leistung von Gerard Donovan halte. Es gibt Schriftsteller, denen man die Treue hält, auch wenn man weiss, dass es nicht die grosse Masse ansprechen wird, Gerard Donovan gehört für mich längst dazu..

Gerard Donovan (geb. 1959 in Wexford / Irland) hat Philosophie und Germanistik studiert. Daneben hat er klassische Gitarre studiert. Er hat Romane, Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. Seine erschienenen Romane sind Schopenhauers Teleskope (2003) / Ein bitterkalter Nachmittag, Doctor Salt (2007), Julius Winsome (2006) / Winter in Maine und Sunless (2007). Ausserdem sind von ihm Gedichtsammlungen erschienen, Columbus Rides Again (1992), Kings and Bycycler (1995) und The Lighthouse (2000). Für The Lighthouse stand er auf der shortlist Irish Times Literature Prize, mit Schopenhauers Telescope / Ein Bitterkalter Nachmittag auf der Long List Booker Prize, erhielt dafür 2004 den Kerry Group Fiction Award und war Finalist 2003 bei Irish Novel of the Year. Julius Winsom (Winter in Maine) wurde vom Guardian zum "Book of the Year 2008" ausgezeichnet.

PS.:Dieses Buch kommt mir vor wie eine Bergbesteigung, wüsste man vorher was auf einen zukommt, ginge man nie, hat man es aber gemacht, und wusste vorher nicht was auf einen zukommt, möchte man diese Erfahrung für Nichts auf der Welt wieder hergeben..
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TOP 500 REZENSENTam 1. März 2012
Schauplatz ist ein Feld an einem unbenannten Ort in einem unbenannten Jahr. Es herrscht ein unbenannter Krieg. Es ist ein bitterkalter Nachmittag im November. Es schneit. Handelnde Personen sind ein unbenannter Bäcker und ein unbenannter Geschichtslehrer. Der Bäcker muss eine Grube in dem gefrorenen Boden ausheben, der Lehrer beaufsichtigt ihn dabei. Die Atmosphäre ist angespannt. Beiden ist klar, wofür die Grube dienen soll. Im Laufe des Nachmittags werden immer wieder Gruppen von Menschen mit Lastwagen zu diesem Feld gebracht. Sie werden von Soldaten bewacht. Die Beziehung zwischen dem Bäcker und dem Lehrer ist frostig, dann wieder hat man den Eindruck, sie kommen sich näher durch ihre Gespräche. Sie ergehen sich in philosophischen Betrachtungen, ziehen Philosophen aus allen Epochen heran. Es geht um Kriege, Schlachten, Liebe, Verrat, Gut und Böse, Dschingis Khan, Hitler und noch viele mehr. Lehrer und Bäcker führen eine Schlacht der Worte gegeneinander. Jeder vertritt vehement seine Ansichten über diesen Krieg. Das Wortgefecht gipfelt in einer skurrilen Gerichtsverhandlung, die die beiden spielen. Dabei stellt der Bäcker den Angeklagten und den Richter dar, der Lehrer den Staatsanwalt und die Zeugen. Der Bäcker ist des Verrats angeklagt, er fühlt sich jedoch nicht schuldig. Nach seiner Auffassung blieb ihm keine andere Wahl.

Gerard Donovan hat eine unglaubliche Atmosphäre geschaffen. Beim Lesen spürte ich förmlich die klirrende Kälte auf dem Feld und die Anspannung des Bäckers und des Lehrers. Es war mir nicht möglich, mich loszureißen. Obwohl zuerst nicht viel passiert - der Bäcker gräbt halt ein Loch - ist das Buch sehr spannend. In intensiven Beschreibungen wird die Geschichte rasant voran getrieben. Am Ende ist dem Leser klar, wie Lehrer und Bäcker in ihre jeweilige Lage geraten sind. Es bleibt nun jedem einzelnen überlassen, für sich zu entscheiden, ob er eher wie der Lehrer oder wie der Bäcker handeln will. Wobei die Entscheidung, die wir jetzt treffen würden, unter Druck wieder ganz anders aussehen kann.

"Ein bitterkalter Nachmittag" ist der Debütroman von Gerard Donovan, der bei uns mit seinem Roman "Winter in Maine" bekannt geworden ist. Meines Erachtens zu Recht stand das Buch auf der Longlist des Man Booker Prize.
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VINE-PRODUKTTESTERam 9. Dezember 2010
Irgendein Nachmittag, in einem fiktiven Dorf, irgendwo im winterlichen Europa.

Der Bäcker eines fiktiven Dorfes wird von Soldaten abgeholt. An einem bitterkalten Nachmittag steht er auf einem verschneiten Feld und muss eine Grube ausheben.
Es dauert nicht lange und an der Grube erscheint ein Mann im Ledermantel, es ist der Geschichtslehrer des namentlich nicht genannten Dorfes. Der Bäcker kennt den Lehrer, sein Bruder hat ihm von seinen Unterrichtsmethoden erzählt.
Während der Lehrer und der Bäcker ins Gespräch kommen, fahren im Hintergrund Lastwagen vor. Von der Ladefläche werden Zivilisten an den Waldrand gebracht. Sie stehen dort und warten, warten darauf dass der Bäcker die Grube ausgehoben hat. Der Lehrer indes verwickelt den Bäcker in philosophische Gespräche und ist erstaunt welches Wissen im Bäcker schlummert.
Sie reden über die Gräueltaten die die Menschen bisher angerichtet haben, der Luftangriff auf Dresden und dem Massaker an Big Foots Sioux in Wounded Knee. Und der Bäcker redet von der Kunst des Krieges und wie er durch Shinzus lehren "Die Kunst des Krieges", seinen Laden gegen die dreiste Polizistengattin verteidigte.

Beklemmend wird diese Szenerie, beide belauern einander und taktieren.
Die Geschichte könnte sich in jeder Zeit unserer bisherigen Geschichte abgespielt haben, oder sie wird noch passieren. Der Mensch ist des Menschen schlimmster Feind, so Donovan.
Er wollte kein Buch über den Holocaust schreiben, vielmehr wollte er uns aufzeigen - wozu der Mensch imstande ist, und so stellt sich uns die Frage, wie sich jeder Einzelne verhalten würde, wenn es um das eigene Überleben geht.

Unglaublich wie es Donovan versteht den Leser zu fesseln. Der Roman spielt bis auf ein paar Ausflüge an andere Kriegschauplätze ausschließlich auf diesem Feld. Und dennoch peitscht es uns durch dieses Buch. Und meinen wir den Ausgang der Geschichte längst zu kennen, so belehrt uns Donovan eines besseren. "Ein bitterkalter Nachmittag" ist das Debüt des 1959 in Wexford (Irland) geborenen Schriftstellers, der im letzten Jahr mit "Winter in Maine" schon große Erfolge feierte.
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am 16. Dezember 2015
Ein Nachmittag in einem Dorf irgendwo im winterlichen Europa: Es ist kalt, es schneit, es tobt ein Bürgerkrieg. Ein Mann gräbt auf einem Feld ein großes Loch und wird von einem anderen bewacht. Die beiden kennen sich. Der Mann in der Grube ist der Dorfbäcker und sein Bewacher der Dorflehrer. Die beiden mögen sich nicht, das wird schnell klar. Um sich jedoch die Zeit zu vertreiben und nicht dauernd an die bittere Winterkälte denken zu müssen, sowie daran, aus welchem Grund das Loch gegraben werden soll, beginnen die beiden ein Streitgespräch über das Wesen des Menschen und seinen Hang zur Gewaltbereitschaft. Sie betreiben kleine Spiegelfechtereien, erzählen metaphorische Geschichten, um ihren Standpunkt deutlich zu machen und führen ein Rollenspiel durch, mit dem Lehrer als Ankläger und dem Bäcker als Angeklagten. Nach und nach wird klar, warum die beiden sich in dieser Situation befinden.

Ein blutiges Drama kann der Leser von dieser Geschichte nicht erwarten, das Schlimmste ist bereits geschehen, als die Geschichte beginnt. Das Buch ist eher eine Reflexion über Schuld, Sühne und Gerechtigkeit, über Verrat und den Willen zu Überleben; streckenweise etwas langatmig aber im Großen und Ganzen interessant. Es geht um Fragen, die uns alle betreffen: Was würde ich tun, wenn meine Familie und mein Leben bedroht sind? Wie weit würde ich gehen?
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am 25. Februar 2011
Wesentliches zum Inhalt dieses Buchen haben ja schon meine Vorrezensenten beigetragen, deren klar vorherrschender Meinung ich mich anschließen möchte: Auch ich fand Donovans historische Ausführungen zum Wesen des menschlichen Charatkers, die von der Rahmenhandlung - also dem "Zweikampf" zwischen Bäcker und Lehrer - umfaßt werden, weitestgehend faszinierend, wenn auch etwas zu lang (daher "nur" 4 Sterne). Mit ca. 100 Seiten weniger philosophischen Abhandlungen hätte die Sache konziser dargestellt werden können, ohne daß die Essenz der Aussagen maßgeblich beeinträchtigt worden wäre. Trotzdem: "Langweilig", wie Rezensent Agricola meint (offenbar der einzige "Wertungs-Ausreißer" bisher), ist das Buch keineswegs, wenn man nicht mit einer völlig falschen Erwartung, einen Krimi à la "Winter in Maine" präsentiert zu bekommen, herangegangen ist! Meine Empfehlung: Auf jeden Fall dranbleiben bis zum unerwarteten Ende und die gelegentlich etwas dürren Passagen - ähnlich ging es mir seinerzeit teilweise mit "Der Name der Rose" - querlesen reicht ;-)
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am 13. März 2014
Im Nachwort fragt der Autor zu Recht: Sind Sie der Bäcker oder der Lehrer? Das ist die zentrale Frage des Buches: Verrät man seinen Nächsten, um zu überleben? Der eine überlebt, der andere nicht. Zum Schluss entwickelt sich eine abgeleitete Frage: Ist der Instinkt zu lieben stärker als der Instinkt zu überleben?

Es geht um die Banalität des Bösen:

„Es (das Böse) ist wie ein kleiner Junge, so harmlos, dass man nicht auf der Hut ist, ein kleiner Junge, der alles weiß, aber nichts begreift. Und er richtet denselben Schaden an wie ein Insekt, das ununterbrochen frisst und dadurch unauffällig ein ganzes Feld vernichtet, weil sich das Feld nicht wehrt und dazu da ist, gefressen zu werden. Weil das Insekt von einem einzigen Ziel besessen ist.“ (Seite 267)

Zuweilen hatte ich den Eindruck, die Geschichts- und Philosophiebrocken wären zu langatmig. Im Nachwort erklärt der Autor, warum das so ist und es macht Sinn. Der Mensch kann des Menschen Wolf werden, das ist der leichtere Weg, aber er kann auch des Menschen Mensch sein. Wer bin ich: Bäcker oder Lehrer? Lässt sich das so leicht beantworten? Ein philosophisches Buch, das aufwühlt und zum Nachdenken anregt.
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am 21. März 2014
Einkauf auf dem Grabeltisch, schnell was für's Wochenende. Kladdentext interessant, also ran an die Lektüre.
Nach langatmigem Beginn, mir fehlten viele Angaben drum herum, welche aber für andere Leser gerade den Reiz ausmachen mögen, entfaltet der Roman zum Ende seinen Reiz. Zwar bleiben für mich Fragen offen, aber zum Nachdenken, vor allen Dingen in welcher Rolle man sich selbst "am liebsten" wiederfinden würde, gibt die Zeit nach Beendigung des Buches Möglichkeiten.
M.E. lesenswert, Grund genug in jedem Fall, sich "Winter in Maine" zuzulegen.

1 Stern Abzug wegen dem langatmigen Beginn...

Jedem, der eine bildliche, nachvollziehbare Schilderung der Kälte lesen möchte, kann ich "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" empfehlen (Christoph Ransmayr).
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am 26. September 2014
Eine Geschichte, welche eindringlich und hart beschrieben ist. So als mal nebenbei gelesene Lektüre wohl eher nicht geeignet.
Man fragt sich, wo diese beiden Protagonisten wohl standen, wo war es, als Winter und Krieg war, als das Loch gegraben werden musste. Eigentlich egal, denn dieser Ort und diese Protagonisten hat es immer schon gegeben. Es ist der Faktor Mensch, der überhaupt bis hier hinführen kann, nichts anderes sonst. Es beginnt mit Rätsel und führt sich so fort, irgendwie liegt ein Schleier über dem Ganzen und man muss lange warten bis man erkennt, wohin das Ende führen wird. Irgendwie interessant.
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"Wie so oft, wenn Schnee fällt, war es ein milder Morgen, doch gegen elf frischte der Wind auf, Schnee und Eis trafen zusammen, und die Temperatur sank unter null." So beginnt der Debütroman "Ein bitterkalter Nachmittag" von Gerard Donovan, der einigen Lesern durch sein hochgelobtes Buch Winter in Maine: Roman bekannt sein dürfte. Der 330 Seiten umspannende Roman erzählt aus einem Tag des Bäckers und des Lehrers einer namenlosen Stadt. Es ist Krieg. Auch dieser bleibt namenlos. Wir wissen nur, dass der namenlose Bäcker ein Loch graben soll, bei deren Aushebung der namenlose Lehrer ihn beaufsichtigt. Dies ist die Grundlage für eine Rundreise durch die Philosophie, bei der sich die Frage stellt, wie weit Egoismus und Selbstsucht gehen dürfen.

Der Roman, der aus der Ich-Perspektive des Bäckers erzählt wird, ist in vier Teile gegliedert, die den Tagesverlauf der beiden Protagonisten einrahmen. Der Leser weiß nicht, warum der Bäcker graben muss und warum ihn der Lehrer bewacht. Welchen Sinn hat dieses Loch? Was passiert am Ende dieses kalten, verschneiten Tages? Der Bäcker springt in seinen Schilderungen und Erzählungen in verschiedene Zeitebenen und berichtet aus seinem früherem Leben vor dem Loch. Er ist ein enorm belesener Mensch, der sich im Bereich der Geschichte sehr gut auskennt. Durch dieses Wissen entstehen zwischen dem Lehrer und dem Bäcker Gespräche - insbesondere Gespräche über den Krieg in all seinen Facetten. Der Leser wird mit unterschiedlichen Kriegssituation narrativ konfrontiert, die nur eine Schlussfolgerung zulassen: Gewalt ist eine Triebfeder unserer Gesellschaft.
Aufgrund dieser Passagen gebe ich dem Buch auch "nur" 4 Sterne, denn nach dem dritten oder vierten Kriegsschauplatz fing es an, mich zu langweilen. Da wäre weniger, deutlich mehr gewesen.
Dennoch beinhalten diese ersten 200 Seiten auch ungemein lustige und zynische Sequenzen, z.B. wenn der Bäcker davon erzählt, wie er eine nervtötende Kundin unter Zuhilfenahme des Buches "Die Kunst des Krieges" abgewimmelt bekam.

Nach diesen ersten 200 Seiten beginnt dann der eigentliche "bitterkalte Nachmittag" und auf den letzten 130 Seiten läuft Gerard Donovan zu Hochform auf. In der Schilderung des besagten Nachmittages kommt die von mir gewünschte philosophische Komponente des Buches zum Tragen und es wird stellenweise so wunderbar absurd, dass einem, trotz der traurigen und fürchterlichen Situation nichts anderes bleibt, als zu lachen. An diesen Stellen hat mich das Buch sehr stark an Samuel Becketts "Warten auf Godot" erinnert:

"Komm, wir gehen.
Wir können nicht.
Warum nicht?
Wir warten auf Godot.
Ach ja." (aus Warten auf Godot. Endspiel. Glückliche Tage: Drei Stücke (suhrkamp taschenbuch))

In der gleichen Lage wie Estragon und Wladimir befinden sich auch der Lehrer und der Bäcker, nur dass die beiden am Ende des Romans erfahren, wer ihr "Godot" sein wird.

Besonders spannend ist, dass sich die Empathie für die einzelnen Protagonisten im weiteren Handlungsverlauf stark verändern. In der ersten Hälfte leidet man mit einem der beiden mit, um in der zweiten Hälfte zu merken, was sich hinter der Person verbirgt. Dies ist ein interessanter Schachzug des Schriftstellers, wodurch die gesamte vergangene Geschichte in einem anderen Licht erscheint.

Gerard Donovan ist mit "Ein bitterkalter Nachmittag" ein exzellentes Buch gelungen, das zurecht auf der Longlist des Man Booker Prize 2003 stand, aber dennoch nicht so überzeugend und wuchtig darherkommt wie "Winter in Maine". Aber der Bäcker und der Lehrer wissen ebenso ihre Geschichte von Krieg und Leid zu erzählen. Wie sagte der Bäcker doch so schön: "Das Töten hat meistens nichts besonderes" (S. 84). Klare Leseempfehlung, bei der Sie am Ende entscheiden müssen, ob Sie Lehrer sind - oder Bäcker!
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am 11. Januar 2013
Ein Buch, das man nicht alle Tage liest. Obwohl es ganz ruhig und sehr detailliert erzählt wird, lässt es einen nicht los. Die Beschreibung der Hauptperson ist ausgesprochen gut gelungen und auf eine ganz besondere Weise erfolgt, die sich von anderen Romanen sehr unterscheidet. Bedrückend und faszinierend.
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