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4.0 von 5 Sternen Über die beschäftigte Leere
Terézia Moras Erstling "Alle Tage" war ein Überraschungserfolg, den die aus Ungarn stammende Autorin, die zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus ihrer Muttersprache ins Deutsch zählt, erzielte. Sie ist für ihre Erzählungen, Übersetzungen und auch ihren ersten Roman vielfach preisgekrönt. Fünf Jahre später...
Veröffentlicht am 3. September 2010 von Th. Leibfried

versus
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr zwiegespalten....
...hat mich dieses Buch zurückgelassen.

Ich bin ehrlich: Es gab Momente, in denen ich die Lektüre aufgeben wollte. Denn mithin ist die Handlung (wenn man das überhaupt so nennen darf) so dermaßen belanglos und das Dahinplätschern der Geschichte so ohne Ziel und Plan, dass man sich denkt: Warum das Ganze?

Dann wird man jedoch...
Veröffentlicht am 19. September 2011 von B. Preuschoff


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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über die beschäftigte Leere, 3. September 2010
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Terézia Moras Erstling "Alle Tage" war ein Überraschungserfolg, den die aus Ungarn stammende Autorin, die zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus ihrer Muttersprache ins Deutsch zählt, erzielte. Sie ist für ihre Erzählungen, Übersetzungen und auch ihren ersten Roman vielfach preisgekrönt. Fünf Jahre später veröffentlichte sie ihren zweiten Roman "Der einzige Mann auf dem Kontinent". Und damit platzierte sie sich immerhin auf der Long List zum Deutschen Buchpreis im vergangenen Jahr.

Darius Kopp, Anfang vierzig, ist der einzige Mann auf dem Kontinent eines amerikanischen Unternehmens für drahtlose Netzwerke in den DACH-Ländern (Deutschland - Österreich - Schweiz). Er hat ein Büro in einem Bürokomplex, in dem er sich aufhält, tagsüber und auch schon mal nachts, in dem er aber auch unter Beweis stellt, dass er die Arbeit nicht erfunden hat. Er tut nichts Nennenswertes und es gibt im Großen und Ganzen auch nichts zu tun. Dass man trotz Tatenlosigkeit gestresst sein kann, stellt der Protagonist eindrucksvoll unter Beweis. So füllt er seinen Tag mit Essen und Trinken, im Internet surfen und jeder Menge Belanglosigkeiten. Zu den wenigen Dingen, die er erledigen sollte, lässt er sich nicht kommen. Sein Job ist sinnfrei, von Verwirklichung keine Spur. Wichtig genug kommt sich Darius Kopp allerdings vor. Terézia Mora hält einer ganzen Branche einen Spiegel vor. Und das nicht ganz ohne Hintergrund, denn ihr Ehemann ist in der IT-Branche genauso tätig, wie viele gemeinsame Bekannte, wie die Autorin bei einer Lesung erzählte.

Neben seinem Job und dem Essen und Trinken (Kopp wiegt einhundertsechs Kilogramm) gehört die Ehefrau Flora zu den drei wichtigsten Dingen in Kopps Leben. Allerdings hat er auch kein glückliches Händchen im Führen einer Beziehung. Und so darf man sich fragen, in was genau ist Kopp denn gut? "In gar nichts!" bleibt als einzige Antwort. Doch, korrigiere ich mich, im Zeittotschlagen. Sein Leben, beispielhaft geschildert in einer Woche, zerrinnt einfach so.

Mora hält nicht nur der IT- und TK-Branche einen Spiegel vor, sondern einer ganzen Generation. Verglichen mit "Alle Tage" ist "Der einzige Mann auf dem Kontinent" leicht zu lesen, zumindest mir ging das so. Ist "Alle Tage" ein wirklich erstaunlicher und außergewöhnlicher, philosophischer Roman, so ist "Der einzige Mann auf dem Kontinent" gute bis sehr gute zeitgenössische Literatur mit einem doppelten Boden, über den nachzudenken lohnt, und viel Humor. Vielleicht schaut einem aus dem Spiegel, den Mora hält, ja das eigene Gesicht an.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr zwiegespalten...., 19. September 2011
...hat mich dieses Buch zurückgelassen.

Ich bin ehrlich: Es gab Momente, in denen ich die Lektüre aufgeben wollte. Denn mithin ist die Handlung (wenn man das überhaupt so nennen darf) so dermaßen belanglos und das Dahinplätschern der Geschichte so ohne Ziel und Plan, dass man sich denkt: Warum das Ganze?

Dann wird man jedoch wieder zu einem Lächeln verführt, denn manche Beschreibung der IT/TK-Welt und eines Managers, der darin lebt, sind so wunderbar getroffen, daß man laut lachen muss und sich denkt, oh ja, das kenne ich nur zu gut. Von den Gesprächen mit Unbekannten beim Cappuccino in der Büro-Küche bis hin zu Feiern mit sogenannten Kollegen oder auch den Automatismen bei der Internet-Nutzung - zum Brüllen wahr.

Wenn es also das Ziel war, einer Branche den Spiegel vorzuhalten, dann ist das gelungen. Wenn es hingegen die Absicht war, eine gute Geschichte zu schreiben, dann ist das nicht gelungen.
Ich brauche für mich immer beides und habe mich nach dem Lesen der letzten Seite gefragt, was ich denn nun von diesem Buch mitnehme - ich habe noch keine Antwort gefunden.
Manchem Leser und manchem wichtigem Literaten ist diese Frage ja egal. Mir nicht.

Einfach beachten vor dem Kauf.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Roman der kleinen Tragödien, 20. November 2009
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die in Ungarn deutschsprachig aufgewachsene Autorin ist, nachdem sie den Ingeborg Bachmann Preis gewonnen hat, eine nicht mehr ganz unbekannte Autorin. Mit "Alle Tage" hat sie ein wunderbares Buch über die Liebe und die Liebe zur Sprache geschrieben. Sie legt jetzt einen Roman vor, mit dem sehr schönen Titel "Der einzige Mann auf dem Kontinent", der eine Woche aus dem Leben des Darius Kopp erzählt.

Darius Kopp kann man durchaus als Verwandten so berühmter Verlierer wie Tschechows "Onkel Wanja", Musils "Mann ohne Eigenschaften" oder Gontscharows "Oblomow" betrachten. Er ist Anfang vierzig, verheiratet, mit 106 Kilo bei 178 Körpergröße recht übergewichtig, ebenso überheblich wie liebenswürdig. Als Fachmann für drahtlose Internetzwerke verbringt der Anzugträger als einziger Vertreter einer US- amerikanischen Firma für drahtlose Datenkommunikation die Tage mit ziellosem Surfen im Internet. Als Diplom-Informatiker und echter Internet Performer kommuniziert er permanent auf allen Kanälen, ist immer online in der virtuellen Welt. Eigentlich ist er ein Opfe, da er einer Struktur gegenüber steht, die er nicht begreift und auf die er keinen Einfluss nehmen kann. Darius Kopp hat auch das Problem, dass es die ganze Zeit so aussehen muss, als würde er wahnsinnig viel für die Firma tun, obwohl es gar nichts mehr für ihn zu tun gibt. Dadurch entstehen zwar noch tausende von Handgriffe am Tag, am Abend ist man geschafft, aber man hat nichts von Wert hergestellt. Dieser Effiziensdruck nagt an ihm, auch wenn er es nicht zugeben würde. Es gibr viele Absurditäten in dieser angeblich golbalen Welt und die kommen Slapstick artig über viele Seiten verteilt. Es wäre für Darius möglich ein Global Player zu sein, wenn seine Chefs das wollten. Die wollen es aber nicht." Der einzige Mann auf dem Kontinent" kommt durchaus als realistischer Roman daher, aber er betont diese übespizte Situation, jemand versucht in seine eigene Firma hinein zu kommen und es gelingt ihm nicht.

In der realen Welt lebt er ein ganz anderes Leben, denn da ist er ein Mensch der immer darauf achtet, dass es ihm gut geht, der immer Hunger hat und sein Hungergefühl befriedigen muss. Er ist ein Mann von Morgen, was seinen Beruf betrifft und ein Mann von Gestern was seine Ehe betrifft. Und dann hat er am Ende dieser Woche seinen Job und seine Ehefrau Flora verloren. Er, der stark transpirierende Faulenzer, der seine Zufriedenheit und seine Bequemlichkeit zu seinem Heiligsten gemacht hat, sieht sich zwar als Gewinner der neuen Zeit und so ist er zwar einigermaßen zuversichtlich, dass er sehr bald einen neuen Job finden wird und möglicherweise wird er sich auch wieder mit seiner Frau zusammen tun, wenn auch die Autorin, entgegen aller dramaturgischen Erwartungen, in ihm grenzenlose Einsamkeit im digitalen Zeitalter spiegelt.

Dieser "Held unserer Zeit", der Prototyp der heutigen Zeit, ist zum Glück nur eine literarische Figur, ein unreifes, larmoyantes, nerviges Kerlchen, dessen Kosmos sich zwischen Essen, Trinken, Sex und Arbeit bewegt und der sich für keine anderen Menschen interessiert und zu seiner Frau gerade mal so nett ist, wie er sein muss, damit sie seine sexuellen Wünsche auf Abruf befriedigt.
Diese Flora, die selber eine etwas prekäre Berufsgeschichte hat, ist als Speigelfigur zur Hauptfigur gedacht. Als Schichtarbeiter begegnen sich kaum,Žder Rückzug ins Privatleben kann für die im Berufsleben ausgehöhlte Figur auch nicht die Lösung sein.

Eine literarische Figur sollte ein Geheimnis haben und das hat dieser Darius nicht. Die Geschichte nimmt auch gar nicht richtig Fahrt auf. Eines Tages kommt ein säumiger Kunde, lässt in der Firma einen Pappkarton mit viel Geld liegen. Jetzt denkt man die Geschichte wird Fahrt aufnehmen, aber nein, in der Folge braucht dieser Darius 100 Seiten, um zu überlegen was er mit dem Geld anfangen soll, versucht vergeblich seine Chefs in London oder Los Angeles zu erreichen. Man hat das Gefühl, dass die Firma gar nicht existent ist. Mit realen Dingen kann er nichts anfangen, darum ist das Geld für ihn eine richtige Herausforderung.

Möglicherweise ist das eine von Terezia Mora gezielt gesetzte Metapher in dem Roman, die davon Zeugnis ablegen soll, wie unsere Arbeitswelt immer virtueller wird und kaum mehr zu greifen ist worin eigentlich die wahre Wertschöpfung besteht. Darius ist mit den anderen nur online oder per Telefon in Verbindung und er kann mit den realen Dingen gar nichts mehr anfangen.Er hat einen großen Kontrollverlust, denn er kommt aus diesem Intenet nicht mehr heraus. Ein Mann der nur online existiert und sein offline gar nicht mehr erträgt. Am Ende ist das Geld weg und wir erfahren eigentlich bis zum Schluss nicht was damit passiert ist.

Dieser Roman über die Kommunikationslosigkeit im Internetzeitalter ist kein Roman der großen tragischen Ereignisse, sondern der kleinen, alltäglichen Banalitäten und die angedeutete Katastrophe kommt dann eigentlich nicht wirklich, dabei hat diese Autorin eine Technik entwickelt, nämlich einen permanenten Wechsel von objektiver Betrachtungsweise und subjektiver Innensicht. Von Montag bis Freitag wird ein Witz an den anderen gehängt, aber es passiert eigentllich nichts. Und so bleibt es im Topos leider ein Buch voll mäandernder Redundanzen. Und da wir Leser eine biologische Verfallzeit haben ist die Lektüre aus dieser Sicht verschwendete Lebenszeit, wenn eventuell auch Menschen, die alltäglich in Partnerschaft mit der Schwäche, Trägheit und Feigheit gegenüber einem als nicht richtig erkannten Tun leben, in Darius ihre eigenen Schwächlichkeiten und Verdrucktheiten wieder erkennen und bei dieser Lektüre mit Sicherheit viel lernen können.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Puh, das war knapp: von der Schwierigkeit, eine Reisekostenabrechnung zu erstellen, 7. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein umfänglicher Roman ohne nennenswerte Handlung, der auch nicht durch gedankliche Höhenflüge glänzt. Das Fehlen der üblichen Hauptbestandteile irritiert zwar (sagen wir ein- bis zweihundert Seiten lang), muss aber irgendwann doch in Bewunderung umschlagen.

Denn die beachtliche Leistung der Autorin besteht darin, den auf wenige Tage begrenzten Ausschnitt aus dem stinknormalen Leben eines uninteressanten Protagonisten in Form literarischer Haute Cuisine aufzubereiten. Dabei spielt zwar Essen und Trinken eine quantitativ überragende Rolle, beschränkt sich indes vollständig auf die gierige Einnahme von Fertigkost.

Was macht also den Lesespaß aus. - Das Buch ist ein Wortfilm, wir bekommen die Brille des "Darius Kopp" aufgesetzt und erleben hautnah (in Echtzeit?) seine Eindrücke, Gefühle, Überlegungen. Wir fressen Hühnerschenkel und gefüllte Croissants, bekleckern uns ständig, schwitzen und stinken, die Füsse schmerzen beim Gehen ... der Verdauungsapparat spielt nicht immer mit, manches Ekelhafte ist dabei, Ersatzbefriedigung für Unangenehmes ständig verfügbar (schnelleres Laptop, neues Hemd, neue Schuhe, noch mehr Fressen und Saufen ...).
Was er beim Telefonieren denkt und statt dessen sagt, was er beim Eintreten in einen Raum erwartet und dann wirklich sieht, wie sein schlechtes Gewissen ihn peinigt und zu irrationalen Handlungen verleitet: alles spielt sich so unvermittelt auch im Kopf des Lesers ab. Kleine überraschende Wendungen, witzige (auch Slapstick-hafte) Reaktionen, ein laufender Wechsel von Innen- und Außensicht, ein ständiges Versagen mit eingebildeten Erfolgserlebnissen - wie zum Hohn wird alles chronologisch sauber in Reihe erzählt. Und das Ende ist (wider Erwarten) weder happy noch finales Scheitern, sondern: irgendwie weiter so - halt wie im richtigen Leben.

Personen wie Darius Kopp stellen offenbar eine literarische Herausforderung dar. Auch D.Kehlmann hat sich in seinem Erzählungsband "Ruhm" auf ähnlich humorvolle Weise einer Figur angenommen, die in der Erlebniswelt der Computerbranche aufgeht und dem "wahren Leben" nicht gewachsen ist. Damit geraten Lebensentwürfe in den Blickpunkt, deren Sozialisation (sorgenfrei aufgewachsene Muttersöhnchen?) mit der dazu passenden bindungslosen beruflichen Existenz (Globalisierung, Verantwortungslosigkeit) Einiges über den Zustand unserer Gesellschaft aussagen. Obwohl (oder gerade weil) jeder Bezug zum politisch-weltanschaulichen deutlich ausgeklammert bleibt. Sogar das Zwischenmenschliche dient rein der Bedürfnisbefriedigung bzw. Stressminimierung.

Moras Konstruktion des Alltags und der auftretenden Charaktere erscheint in allen Details stimmig und erfrischt durch ihre moderne und kaum aufgesetzt wirkende Erzählweise. Kein Buch für die einsame Insel aber eine hochwertige Alternative zum liebgewordenen Fernsehabend.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grossartiges Buch, 17. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es gibt in der deutschen Gegenwartsliteratur nur wenige Romane, die sich so scharfsichtig und realistisch mit unserer Gegenwart und der Arbeitswelt auseinandersetzen, wie Terézia Mora dies hier tut. Aufgrund der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist der Roman höchst aktuell, ohne dabei zeitgeistig zu sein. Ich konnte das Buch kaum weglegen, weil es mich so gut unterhalten hat. Obwohl die stilistischen Mittel ähnlich sind wie bei "Alle Tage" (dialogisch, schnelle Schnitte, ein sich häufig einmischender Erzähler) ist der Ton ein ganz anderer, denn mit ihrem "Einzigen Mann auf dem Kontinent" hat Mora den Humor für sich entdeckt und zeigt, dass sie nicht nur eine scharfe Beobachtungsgabe, sondern auch Witz hat. Darius Kopp ist eine Sancho Panza- Figur - fett, nicht allzu intelligent, vollständig hedonistisch, d.h. allerlei fleischlichen Genüssen ergeben. Einer der sich selbst in der neoliberalen Arbeitswelt irgendwie durchwurschtelt und seine Faulheit durch genuine Menschenfreundlichkeit wettzumachen sucht. Kopp macht einen mit seinem Verschleppen aller wichtigen Dinge als Leser fast wahnsinnig und gerade durch seine Planlosigkeit entlarvt Mora die Bilder vom rund um die Uhr arbeitenden IT worker, die in der New Economy der 90er kolportiert und von Neoliberalen zum Ideal stilisiert wurden. Ganz anders als "Alle Tage", aber ebenso empfehlenswert!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen als Lektüre deprimierend, 28. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der übergewichtige Darius Kopp ist als letzter Mitarbeiter einer internationalen Firma, für mich nicht näher zu identifizierende Artikel in der IT Branche vertreibt.er ist offensichtlich Internet süchtig, verzettelt sich seitenlang beim surfen mit seinem schon leicht defekten Laptop. sein Tageslauf ist eher chaotisch, er scheint eher ein Nachtarbeiter zu sein, aber auch dann ist er offensichtlich nicht in der Lage, sein Arbeitspensum ( welches eigentlich?) zu erledigen. Das Chaos in seinem Büro wird detailliert geschildert, es stapeln sich Unmengen von Kartons an den Wänden. In einem davon befinden sich 40 000 €, die von einem Klienten, der seiner Firma aber eine viel größere Summe schuldet, in seiner Abwesenheit abgegeben wurden.
Der weitere Inhalt des Buches besteht zum größten Teil aus meist vergeblichen Versuchen, seinen Chef in London oder den in New York zu erreichen , alleine oder mit seinen freunden essen zu gehen ( er ist allzeit hungrig) sich die Kleidung zu beflecken und mit seiner zänkischen Mutter oder Schwester zu telefonieren. Das Geld im Karton erweist sich als schwer unterzubringen oder zu verbuchen, allerdings sind seine Versuche auch sehr halbherzig. Einen Schein behält er gleich und gibt ihn mit schlechtem Gewissen allmählich aus. Ebenso chaotisch verläuft seine Ehe, von der er sich vormacht, sie sei glücklich. Das kann nicht gut enden, die Lektüre war für mich quälend, der Inhalt banal.
Die Poesie hat sich mir nicht erschlossen. Dennoch gibt es viel schlechtere Bücher.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Parabel für die "Post-Wirtschaftswunder-Generation", 5. Januar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit dem "einzigen Mann auf dem Kontinent" hat Therezia Moras einen wunderschönen, hochaktuellen Roman vorgelegt, der das Berufs- und Privatleben einer immer virtueller werdenen Welt thematisiert.

Darius Kopp, ein klassischer Antiheld, der aus der ehemaligen DDR stammt, ist der einzige Protagonist, der am Glauben an eine planbare, erfolgreichere Zukunft festhalten will, ohne sich der zweifelhaften Krücke des Zynismus zu bedienen.

Ist Darius Kopp fleissig? Nein, aber er möchte sich einbilden, dass er es ist.
Ist er erfolgreich? Nein, aber er bildet sich ein, dass seine "Bemühungen" und seine Loyalität letztendlich belohnt werden.
Ist er effizient und zielstrebig? Nein, er ist chaotisch und verliert sich als eingefleischter Netztwerktechniker (welche Ironie...) in einer zunehmend unpersönlichen, virtuellen Welt.
Setzt er seine Prioritäten richtig und ist er ein gebender Mensch? Nein, er verwechselt "die Bühne des Wirtschaftsleben" mit der Realität, betrachtet seine Beziehung zu seiner Frau Flora als gegeben an und sieht seine Familie als lästiges Relikt seiner Vergangenheit an. Sieht er die Zeichen der Zeit? Nein, erst ein körperlicher und geistiger Zusammenbruch bringt ihn dazu sein Leben neu zu überdenken.

"Der einzige Mann am Kontinent" ist ein Buch über das zwanghafte Festhalten an vergangenen Selbstverständlichkeiten und die Notwenigkeiten neue und wahre Werte in einer immer schneller werdenden Zeit zu suchen. Auch versteht es Mora meisterhaft die Sprachlosigkeit in unserer "Kommunikationsgesellschaft" darzustellen. Internet-Netzwerke, die lediglich der eigenen Profilierung dienen, auswenig gelernte Phrasen, die eine gestellte Lockerheit in Businessgespräche bringen sollen und doch augenblicklich als solche entlarvt werden, Freundschaften, die sich auf stereotype Floskeln und Oberflächlichkeiten beschränken,..

Zugegebenermaßen könnte man den Inhalt des Buches "straffen" doch würde dadurch die nachhaltige Wirkung verloren gehen. Als Entwicklungsroman konzipiert führt er den Leser behutsam in die "Realität", die Träume und die Illusionen eines durchschnittlichen Menschen ein, an dessen Ende ein wohl schmerzhaftes, aber heilvolles "Erkenne Dich selbst" steht. Klare Leseempfehlung.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dennoch lässt der Roman Langeweile zurück, Orientierungslosigkeit, Tristesse, 7. Februar 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ihr 2004 erschienener Roman "Alle Tage" zeigte die deutschsprachige, aus Ungarn 1900 nach Deutschland gekommene Autorin Terezia Mora als eine sprachgewaltige Schriftstellerin, der es gelang, die Kritik im Sturm zu erobern. Doch schon damals hatte ihre aus dem Jugoslawien-Krieg nach Berlin geflüchtete Hauptfigur Abel Nema Züge, die auch den Protagonisten des neuen Romans auszeichnen. Nema beherrscht zehn Sprachen, kann aber mit niemandem sprechen, außer im Sprachlabor. Alle Frauen begehren ihn, aber er kann keine lieben. Die Ereignisse in seinem Leben überschlagen sich und alles bleibt seltsam skurril und hoffnungslos.

Vollkommen hoffnungslos und ohne Perspektive ist auch das Leben von Darius Kopp. 43 Jahre alt ist der "einzige Mann auf dem Kontinent", wie er seine Aufgabe als Beauftragter der amerikanischen IT-Firma Fidelis für DACH (Deutschland, Österreich und Schweiz) und Osteuropa selbst bezeichnet. In der DDR geboren und aufgewachsen, ist Darius Kopp nach der Wende in den Westen gekommen, hat in der IT-Branche reüssiert und seine eigentliche Karriere schon hinter sich. Ob es seine Firma überhaupt noch gibt, bleibt unklar. Er soll Techniken verkaufen, die Schwierigkeiten mit der Kommunikation im Netz beheben sollen, ausgerechnet er, der doch über die vollen 380 Seiten des Romans vergeblich versucht irgendeine gelungene Form von Kommunikation herzustellen.

Sein schnelles Auto darf er nach einer Trunkenheit am Steuer nicht benutzen und so verliert er sich nicht nur andauernd wie ein PC-Junkie im Internet, das ihm regelrecht zur Sucht und zur Ablenkung von seinen wirklichen Problemen wird, sondern auch seine Beziehung zu seiner schönen ungarisch-stämmigen Freundin geht ihm zusehends verloren.

Darius Kopp sitzt in seinem Büro in Berlin, kommuniziert mit Kollegen nur über das Netz, wenn überhaupt. Sein Schreibtisch ist völlig zugemüllt, immer und immer wieder schreibt er Listen mit seinen Prioritäten, doch er kommt zu nichts. Schon 100 kg schwer und immer mehr aufdunsend, isst er Tag und Nacht. Er befasst sich nur mit sich selbst und mit der Frage, was er mit einer Kiste tun soll, die im Büro abgegeben worden ist. In dieser Kiste befinden sich 40 000 Euro, eine Abschlagszahlung von dubiosen armenischen Kunden von ihm. Am liebsten würde der klamme und perspektivlose Darius das Geld behalten, doch er hat Skrupel. Aber es gelingt ihm nicht , irgendeinen seiner Vorgesetzten in den USA oder London zu sprechen. Sieben Tage, über die gesamte Handlungsdauer des Romans, versucht er es ohne große Energie, immer wieder abgelenkt von Essen, Internet oder einer seiner To-Do-Listen.
Dazwischen besucht er seine Freundin, die in einer Strandbar bis nachts bedient, und auch seine kranke Mutter, die eine panische Angst vor dem Verlust ihre Beine hat, besucht er und zerstreitet sich mit ihr.

Alles ist seltsam neblig und unstrukturiert. Die Firma scheint sich in Luft aufgelöst zu haben, man weiß nichts Genaues. So wie in der aktuellen Krise, die Mora mit ihrem Roman durchaus reflektiert. Doch sie zieht die Handlung unnötig in die Länge. Das macht die Lektüre irgendwann genauso langweilig wie das Leben der Hauptfigur Darius Kopp.

Dabei leuchten zwischendurch immer wieder die Sprachkraft und die Leidenschaft Terezia Moras durch, wenn sie etwa kontinuierlich die Außen- und die Innenperspektive wechselt und eine erstaunliche innere Dialogführung zeigt. Dennoch lässt der Roman Langeweile zurück, Orientierungslosigkeit, Tristesse. Man hätte ihn auch nach der Hälfte schon aus der Hand legen können, und hätte doch nicht weniger erfahren.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Widerständig und herausragend, 2. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sollte man sich Terézia Moras „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ mit der Erwartungshaltung nähern auf eine spannende Geschichte zu stoßen, dann wird man zweifelsohne enttäuscht. Der 2009 erschienene Roman bildet insgesamt eine Woche, von Freitag bis Freitag, aus dem Leben des Darius Kopp, „einziger Mann auf dem Kontinent“ seines Unternehmens, ab. Es entstehen Miniaturaufnahmen eines zerrütteten Bewusstseins, das sich zwischen den Polen der Ehe (mit Flora), einer verquasten Aufgabe im Unternehmen und der Ursprungsfamilie (Krankheit der Mutter) bewegt. In erster Linie aber leidet Darius an existenzieller Müdigkeit, an der berühmten Neurasthenie des ausgehenden 19. Jahrhunderts oder dem nicht minder populären „Burn-out-Syndrom“ des beginnenden 21. Jahrhunderts.
Mora verfolgt den Strom dieses Bewusstseins, indem sie grundsätzlich aus der personalen Perspektive erzählt, manchmal ihren Protagonisten aber auch (ohne dass dies als direkte Rede markiert sein würde) als Ich sprechen lässt. Doch nicht immer liegt der Fokus auf Darius Kopp und seiner Erlebensperspektive, mitunter entsteht der Eindruck knapper auktorialer Kommentare, so etwa mit „Neben all dem anderen ist das hier nicht zuletzt eine Liebesgeschichte“ (S. 10) oder „Das war vielleicht etwas zu viel gesagt. Insofern, dass an den folgenden Ereignissen nichts Traumhaftes sein wird“ (S. 302). So ergibt sich insgesamt ein patchworkartiger Erzählteppich, der mit Kopps Erleben perfekt konform geht und Mora als besondere Stimme in der aktuellen Literaturlandschaft zu etablieren scheint.
In Deutschland mag diese Art des Erzählens neu sein, nicht jedoch in Frankreich. Mora erinnert intensivst an renommierte Vertreter des „nouveau nouveau roman“, so etwa Christian Gailly und Jean-Philippe Toussaint. Vielleicht hätte sie sich in puncto Länge ein Beispiel an den beiden nehmen können. Etwas kürzer hätte ihr Roman sein dürfen. Hinzuzufügen ist, dass Kopps existenzielle Müdigkeit nicht nur in dem oben erwähnten realen Kontext zu sehen ist, sondern sich in literarische Traditionen einordnet. Zu erwähnen sind etwa Alberto Moravias „La noia“ und insbesondere Jean-Paul Sartres „La nausée“. Ähnlich wie Roquentin die Existenz in ihrer ontologischen Grundqualität erlebt (Wurzel eines Baumes), so gelangt der Asthmatiker Kopp während eines Anfalls an seine Grenzen („Rolling on the floor laughing“, S. 362), bevor alles wieder von vorne beginnt.
Ans Herz zu legen ist der Roman all denen, die auf sprachlich hohem Niveau Momentaufnahmen gegenwärtiger Lebensformen suchen und nicht davor zurückschrecken auch dann weiterzulesen, wenn die Energie für eine aktive Rezeption zu versiegen scheint. Das gehört alles zum Spiel.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zum Lesen geschrieben, 20. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sehr gut nachvollziehbarer und gut zu lesender Perspektivwechsel der Erzählerstimmen, mehrmals innerhalb von Absätzen - das vollzieht aber meiner Meinung nach sehr gut unser Denken nach und ist nicht verwirrend. Die Story atmet Realität: IT-Vertriebs-Fachmann bleibt "als einziger Mann auf dem Kontinent" für seine Firma in Europa übrig. Darius Kopp ist ein Meister im Aufschieben, Verdrängen, Sich-Selbst-Belügen. Sein Büro: Vollgeräumt, schmutzig, dysfunktional (ein ebensolches Zimmer hat er zuhause, eines vor dem sich seine Frau fürchtet).Seine Karriere: Im Abwärtstrend, den freien Fall hält er nicht auf. Seine Partnerschaft: Vernachlässigte, seelisch-labile Frau, die eigentlich übersetzen will, aber in einer Strandbar bedient. Der Glaube, dass sein Verhalten oder Nicht-Verhalten keine Konsequenzen hat, erweist sich dieses Mal als trügerisch.

Dieses Buch steht voll im Zeitgeschehen, lässt sich einfach sehr gut weglesen und macht Lust auf den nächsten Roman: Das Ungeheuer.
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Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman
Der einzige Mann auf dem Kontinent: Roman von Terézia Mora (Gebundene Ausgabe - 17. August 2009)
EUR 21,95
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