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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Nacht in der Uckermark.
Fürstenfelde, ein fiktives und doch nicht so unrealistisches Dorf in der Uckermark, am Abend vor dem wichtigsten Ereignis des Jahres, dem Annenfest. Die Dorfbewohner machen sich bereit für das Fest. Jeder auf seine eigene Art.

Der Autor Sasa Stanisic breitet vor dem Leser das Panorama eines Dorfes aus, indem er kurze Episoden erzählt. Geschichten...
Vor 1 Monat von Gulan veröffentlicht

versus
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schön, aber
Ein Preis gekrönter Roman - verdient, wie ich finde. Aber... Für mich ist das Buch ein typischer 'Ja-aber-Roman'. Man kann ihn gut finden, aber es bleibt ein Vorbehalt.
Bis ungefähr zur Hälfte habe ich ihn mit großem Vergnügen gelesen: besonders Stil und Sprache (an der andere Rezensenten viel auszusetzen haben) sind originell und...
Vor 4 Monaten von maria veröffentlicht


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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großes Fest der Literatur, 4. Juli 2014
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Wie der Soldat das Grammophon repariert“, dieser stark biografisch angehauchte, 1966 erschienene Debütroman, des 1978 im bosnischen Visegrad geborenen und seit 1992 in Deutschland lebenden Autors Sasa Stanisic, wurde ein in 30 Sprachen übersetzter Welterfolg. Jetzt, 6 Jahre später erscheint sein zweiter Roman „Vor dem Fest“, in dem er ein Dorf in der Uckermark zum Schauplatz von Weltliteratur macht. Sein Roman ist zweifellos das Ereignis dieses Frühjahrs 2014, der meist gefeierte Roman der Leipziger Buchmesse, spätestens seit er in der Kategorie Belletristik mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Der Roman zeigt auf beeindruckende Weise wie nah doch die Vergangenheit mit der Gegenwart verzahnt werden kann, nämlich wie die Vergangenheit in irgendeiner Form in der Gegenwart weiter lebt.

Wichtigster Protagonist dieses Romans ist der Ort Fürstenfelde. Am Anfang war das Dorf für den Autor eine reine Fiktion, ein Dorf das in einer Gegend liegen sollte, die dem Banat ähnelt, mit einem Figurenpersonal, mit Fakten und Mythen, mit Glück und Unglück, mit all den Szenarien die den Zusammenbruch eines Gesellschaftssystem erlebt hatten. Das Konzept Dorf war tatsächlich nur ein landschaftlich verortetes, nicht politisch durch Grenzen verortetes. Der Autor, so in einem Interview, hatte sich eine Dorfstreuung in einer flachen Landschaft vorgestellt, ein Dorf was von zwei zärtlich umschließenden Seen, wie eine in der Landschaft liegende Insel daliegen sollte. In unmittelbarere Nähe sollte es einen Wald geben der das Wilde und Natürlich beheimaten konnte, ein Wald aus dem der Fuchs herauskommt. Das Vorbild für dieses Dorf fand er nach einem Tipp seiner Freundin im brandenburgischen Fürstenwerder. Er erfand Fürstenfelde. Das Dorf ist fiktiv, obwohl die Figuren nach umfangreichen Recherchen nach lebenden Vorbildern geschaffen sind. Dabei hat er eigentlich vornehmlich nach solchen Figuren gesucht dessen Leben markante Brüche hatte. Es sind Figuren, die nicht nur in der DDR aufgewachsen sind, sondern solche denen die DDR etwas angetan hat.

„Vor dem Fest“ ist der 20. September 2013, die Nacht vor dem Annenfest, aber die meisten Erzählsträngen spiegeln Geschehnisse aus der Vergangenheit von Fürstenfelde, die in der Gegenwart des 20. Septembers ihre Gewährung finden, in den unermüdlich umherirrenden Protagonisten, den zahlreichen Anspielungen, eingestreuten Querhinweisen und gekonnten Metapherkonstrukten, Eigentlich könnte diese Fürstenfelder Nacht überall dort so ablaufen wo Menschen mit Hoffnungen und Enttäuschungen leben.

Es passieren unzählige Seltsamkeiten, es wird eingebrochen, die Glocken vom Kirchturm werden gestohlen, ein Obdachloser wird verprügelt, ein Zigarettenautomat zerlegt, ein Scheiterhaufen wird entzündet und wenn das Fest schließlich mit Tanz, Auktionen und allerhand Kuriositäten beginnt ist das Buch leider schon zu Ende. Neben dem zahlreichen Personal des Dorfes haben wir als herausragende Protagonisten einen ehemaligen Oberst der Nationalen Volksarmee kennen gelernt, der in endloser Einsamkeit, Suizid gefährdet, mit der neuen Zeit Dann ist da die Flüchtlingsfrau aus dem Banat, die als einsame Malerin mit ihren Bildern zur Chronistin des Dorfes wird. In dieser Nacht sprudeln Geschehnisse aus 600 Jahren mythologischer Dorfgeschichtsvergangenheit in das Erzählkonstrukt. Das ist dem eingebauten Schillerzitat „wer sich über die Wirklichkeit nicht hinaus wagt, der wird die Wahrheit nie erobern“ geschuldet. Dafür hat der Autor in vielen Archiven intensiv recherchiert, wobei er kongenial die Sprache vergangener Jahrhunderte nachzuahmen versuchte.

Aber natürlich stehen in dem Roman insbesondere die Gegenwart, die strukturellen Probleme und die einzelnen Charaktere im Fokus, Persönlichkeiten mit denen der Autor eigentlich sehr schonend umgeht. Tragische und faszinierende Heldin des Buches ist die auf dem Buch Cover abgebildete Füchsin. Sie ist die Stimme der Natur, des Wilden, in dessen Kopf sich der Autor in seiner Einbildungskraft, nach Überwindung aller Gattungsgrenzen, hineinversetzt und die aus einem sehr instinktiven Verhalten schließlich ihre Tragödie erlebt.

Von einem Versagen der deutsch schreibenden Migranten Schriftsteller, wie der kluge Herr Biller in einem polemischen Essay in der Wochenzeitung „Die Zeit“ schreibt, kann bei diesem großartigen Roman nicht die Rede sein. Es ist Weltliteratur aus der Uckermark, Literatur die unser Denken schärft und somit unser Leben durch die treffenden Metaphern und rhetorischen Überraschungen nachhaltig bereichert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierend bekannt und anders, 26. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bei der Übertragung eines Fußballspiels gibt es jedes mal so viele Trainer wie Zuschauer, und bei der Verleihung eines Literatur-Preises offensichtlich ebenso viele Juroren wie Leser. Da muss der Prämierte durch.
Ich halte mich da raus.

Ich finde die Sprache erfrischend anders, ja oft angenehm lyrisch, mag den assoziativen Stil, der Momentaufnahmen aufblitzen lässt, die an Bekanntes anknüpfen und Neues einführen wollen, wenn man sich darauf einlassen mag und kann. Das Dorf, das anfangs umrisshaft auftaucht, dann sein Alltag, wie er Gestalt gewinnt und einige freie Felder unserer Imagination überlässt - etwas, das sich an jeder beliebigen Ecke des Landes abspielen könnte. Die Charaktere mit ihren Marotten, die wir auch schon immer bei unseren Nachbarn vermutet haben.

Besonders gelungen finde ich die Einführung der Füchsin, die das Treiben aus einer anderen Perspektive parallel mitverfolgt und klug kommentiert, um so der geschundenen und ausgenommenen Umwelt eine Stimme zu geben.
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13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen FRIDAY NIGHT IN FÜRSTENFELDE, 16. März 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Da hat ein Literaturpreis doch mal den richtigen Preisträger gefunden! Ein schön verschmitztes Buch ist „Vor dem Fest“, voll lebenskluger Komik, formal interessant durch eine Art kollektives Erzählen, das von fern ein bisschen an Faulkner erinnert: Man vernimmt einen Chor aus lauter schrulligen Individuen, das „Dorf“ selbst ist die Hauptfigur eines skurrilen mythischen Erzählreigens.

Das ist schon eine tolle Geschichte: Dass ein bosnischer Migrant kommen muss, um ein leichthändiges Epos über die tiefste deutsche Provinz hinzulegen, während die autochthonen Kollegen, um ja nicht provinziell zu wirken, sicherheitshalber lieber Berlinromane oder auf jeden Fall Stadtromane verfassen.

Saša Stanišić, 1978 im bosnischen Višegrad geboren und 1992 mit seinen Eltern vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet, hat irgendwann einen Ausflug in ein uckermärkisches Dorf unternommen. Dort besichtigt er ein kleines Heimatmuseum und stößt dort auf eine Chronik, die ein Bewohner des Dorfes nach dem Zweiten Weltkrieg anlegte: Die Schicksale in jedem einzelnen Haus der 800-Seelen-Gemeinde sind dort protokolliert. Was für eine Fundgrube, was für ein Fundus! Der junge Schriftsteller verliebt sich in diesen Ort mit seinen eigenwilligen Charakteren, seinen zwei Seen und seiner unverhältnismäßig massiven Stadtmauer, die vor Jahrhunderten ein Bollwerk gegen Übergriffe aus dem Mecklenburgischen war.

Er sucht das Gespräch mit den Bewohnern, er gräbt Lebensgeschichten aus alten protestantischen Kirchenbüchern, vor allem entdeckt er merkwürdige Übereinstimmungen zwischen uckermärkischen und bosnischen Mythen, Wassermärchen und Glockendiebstahlslegenden. Das Dorf, das im Roman den fiktiven Namen Fürstenfelde trägt, wird zum Ort, an dem sich die Schicksale kreuzen, Glück mit Unglück wetteifert, eine Heimstatt uralter, weiterwirkender Geschichten. Jahrhunderteferne, aber unvergessene Katastrophen (Feuersbrünste, Stürme) spielen ebenso eine Rolle wie die allerneuesten Umbrüche: „Der Fährmann ist tot, es lebe der Bootsverleih!“

Friday night in Fürstenfelde! Das anstehende Fest versetzt alle Dörfler in Aufregung. Eine gewisse Verunsicherung greift um sich. Aber noch gilt: „Worauf du dich nicht verlassen kannst, damit bau keine Redewendungen!“ Und immerhin: „Für die gute Statik des Scheiterhaufens sorgt die Tischlerei.“ Anna soll in dieser Nacht brennen…

Noch mehr als der Leipziger Preis ist übrigens die Tatsache, dass sich der penetrante Wichtigtuer Maxim Biller über diesen Roman geärgert hat, eine wirkliche Leseempfehlung. Mir hat’s großen Spaß gemacht.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Fährmann ist tot, es lebe der Bootsverleih., 8. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman spielt in den 24 Stunden vor und während des Annenfestes in Fürstenfelde, einem fiktiven Ort in der Uckermark. Der Ort erscheint als typischer Schauplatz ostdeutscher Nachwendewirklichkeit: die jungen Menschen verlassen das Dorf, die Alten sterben. So auch der Fährmann, der keinen Nachfolger hat. Der Glöckner bekam einen, doch ihm kommen die Glocken abhanden. Der ehemalige NVA-Mann Wilfried Schramm kann sich nicht zwischen schnellem Selbstmord mittels einer Pistole und dem langsamen durch Nikotin entscheiden. Anna läuft. Frau Kranz malt. Andere trinken und reden. Und dazwischen versucht eine Fähe, für ihren Nachwuchs Hühnern die Eier unbeschädigt zu entwenden.

Ein kollektiver „Wir“-Erzähler, der das Dorf, die Gegend, alle Figuren einschließt, berichtet von den Ereignissen rund um das Fest. Dabei verquickt er Alltagsgeschichten mit alten Erzählungen und Mythen. Stanišić beobachtet seine meist sympathischen Protagonisten empathisch; lässt sie leuchten; »vielleicht für niemanden, vielleicht für jemanden.«

Doch das Leuchten verblasst bald. Leider ermüdet und langweilt seine Erzählweise mit der Zeit. Man freut sich fast, dass endlich der Morgen des Annenfestes graut, auch wenn Stanišić immer wieder humorvoll lokale Gegebenheiten, Befindlichkeiten und Eigenheiten entlarvt und in wunderbar schräge Bilder passt. Die Sprache, in der er Ereignisse aus früheren Jahrhunderten beschreibt, wirkt etwas unpassend. Die Vielschichtigkeit der Personen rotiert in den ausschweifenden Wiederholungen, die unterschiedlichen Perspektiven liefern Bilder, die nicht immer passen. Oder ist das nur die banale Realität?
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19 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Anticlimax, 6. April 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Kindle Edition)
...so nennen die Briten das, was für mich dieses Buch ist, eine schwer enttäuschte Erwartung. Darf man ein Werk bewerten, das man nicht ganz gelesen hat? Ja. Denn was wäre ein besserer Beweis dafür, dass ich es sehr sehr schlecht fand, als dass ich bei der Hälfte nicht mehr bereit war, weiterzulesen?!
Der Soldat mit dem Grammofon war für mich überwältigend gut, ich habe es auf jeder Seite genossen und es steht unter den wenigen Langzeit-Favoriten in meinem Bücherregal. In der Tat habe ich jahrelang gehofft, Stanisic würde ein weiteres Buch schreiben. Als es nun soweit war, habe ich es blind gekauft. Nun ja...
Er hat die gesamte Palette an Stilmitteln und Zeitebenen und ich weiß nicht was echt drauf, aber ich habe es einfach nicht gern gelesen. Sperrrig, künstlich, uninteressant, pseudo. Kurz: Alles andere als einladend. Ich weiß nicht, ob das jetzt unintellektuell ist, aber ich möchte in erster Linie lesen, weil es mir Spaß macht, weil es mich unterhält. Das hat "Vor dem Fest" nicht. Wenn ich Kunst möchte, dann gehe ich in eine Galerie. Sorry, Sasa....
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen meisterlich, 19. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sasa Stanisic setzt aus den vielen Geschichten der heutigen und früheren Bewohner_innen von Fürstenfelde ein Kaleidoskop des Dorflebens mit seinen kleinen und größeren Freuden und Katastrophen zusammen.

Die Tiere - allen voran die Fähe - sind dabei ebenso wichtig wie die Menschen.
Das ist leichtfüßig und tiefgründig erzählt, in oft herrlich lakonischem Tonfall.

Eine meiner Lieblingsepisoden ist die mit dem ehemaligen Oberstleutnant Schramm, der beschlossen hat, sich umzubringen, aber vorher unbedingt noch eine rauchen will. Das führt zu ungeahnten Verwicklungen und der Begegnung mit einer der vielen Annas in diesem Buch. Und letztlich kommt alles anders als erwartet.

Stanisic beherrscht die Kunst der Tragikomödie und hat mich immer mal wieder an den großen Amos Oz erinnert.
Fazit: meisterlich
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ach, kann Tristesse schön sein!, 21. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein kleiner Ort in Brandenburg: Die Menschen, ihr Leben und ihre Aktivitäten einen Tag vor dem jährlich gefeierten Dorffest, 25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung. Temporeich vorgestellt in einem Jargon, der sich gelegentlich in den Vordergrund drängt und vom Inhalt ablenkt. Der Erzähler, ein Dorfbewohner, unbeeindruckt von allem Wandel, nimmt es, wie es kommt.

Allzu viel passiert dort nicht, aber langweilig scheint es nicht zu sein, wenn man dem Autor folgen mag. Ein denkender Fuchs, ein paar Verrückte und zum Schluss statt eines Selbstmörders noch ein Liebespaar. Sentimentale Landlust.

Und dennoch lesenswert wegen seiner originellen Beschreibung von Land und Menschen, die alte und neue deutsche Geschichte miteinander verbindet.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Man kann nicht alles können, 22. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest (Audio CD)
Die wenigsten Schriftsteller sind gute Vorleser und sollten dieses eher Profis überlassen. Ich habe die erste CD nicht zu Ende gehört, da die Modulation des Schriftstellers das schön geschriebene Wort beim Sprechen verunstaltet.
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ungelenk und zerfahren, 2. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Kindle Edition)
Das soll Weltliteratur sein? Das Buch rumpelt sprachlich übers Feld. Keine Eleganz, keine klare Linie und keine Geschichte. Eine Sammlung von Fragmenten - eher hingeworfen als komponiert. Man wird den Eindruck nicht los, das der Autor am eigenen Anspruch gescheitert ist. Er quält sich und den Leser in dem Versuch möglichst schlau und assoziativ daherzuschreiben. Das Ergebnis sind blasse Figuren und eine ärgerliche Klugscheißer-Schreibe. Das Ganze wäre nicht so schlimm wenn der Roman nicht zum literarischen Ereignis hochgejazzt würde.
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9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Festlich, 6. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Es sollte uns sowieso immer um das Tun gehen und nicht um das Warum, und das mit dem Nutzen – wer mag überhaupt beurteilen, was einen hat und was nicht?“

Stanišićs Roman spielt in Fürstenfelde, einem Dorf in der Uckermark, das sich auf das Annenfest vorbereitet. Dabei wandert der Erzähler zwischen den Ich-Perspektiven der Bewohner hin und her, nimmt deren Sprache an. Die verschiedensten Charaktere kommen zu Wort, tragen ihre Geschichte huckepack: Herr Schramm, der doch nur eine rauchen will. Johannes, der die Glöcknerprüfung absolvieren möchte. Frau Kranz, die malt. Eine Fähe auf Nahrungssuche. Die depressive Frau Schwermuth, die die Vergangenheit im Haus der Heimat betreut. Der stumme Suzi. Und einige mehr.

„Meine Mu wiegt doppelt so viel wie mein Pa. Sie wiegt 130 Kilo. Im Frühling kommen 30 Kilo schwere Gedanken dazu. Dann legt sich meine 160-Kilo-Mu in die Narzissen im Garten, weil im Liegen die dunkeln Wolken circa hundertsechzig Zentimeter weiter weg sind.“

Stanišić skizziert seine Charaktere meisterhaft, legt ihnen ein Gewand aus Ironie und Zynismus um und verschwindet hinter der nächsten Ecke um zu beobachten, was geschieht. Souverän schenkt er ihnen Raum und gibt ihnen Licht. Wir kennen jeden dieser Charaktere – irgendwoher. Deshalb finden wir so leicht Zugang, denn des Autors Feder zeichnet Tiefgründigkeit, die von einfachen Menschen formuliert werden und dann verschwinden. Wie so oft im Leben. Doch wir als Leser nehmen sie wahr – wie wir Gedankengänge unserer älteren Zeitgenossen bewundern, die ihnen ihre Lebensgeschichten einhauchen, ohne sich dessen allzu oft bewusst zu werden. Dabei frei von Geltungsdrang – als ginge es um ein Backrezept. Und wir verstummen, schließen diesen oder jenen Satz ein. Alltäglichkeit, die mithilfe der Sprache verzaubert.

„In Wilfried Schramms Haushalt finden sich im Schnitt mehr Gründe gegen das Leben als gegen das Rauchen.“

„Vor dem Fest“ vermittelt eine Leichtigkeit und dennoch wurde ich von einer Traurigkeit übermannt. Stille. Man gelangt in ein Dorf, was wie ausgestorben wirkt, kein Mensch verweilt auf der Straße. Es ist langweilig. Altbacken. Erdrückend. Traurig. Diese Assoziationen überrollten mich während der gesamten Lektüre und ich konnte nicht entkommen, gleich wie schnell ich lief. Erst nach Tagen nähere ich mich wieder einigen Sätzen, bin entzückt von den Formulierungen, Gedanken. Warum war ich also traurig? Vermutlich weil der Fährmann tot war. Gleich zu Beginn. Ich mag es nicht, wenn ich Menschen nicht kennenlernen darf, über die so viel Schönes gesagt wird.

„Der lange eiserne Schlag verstummt. Um die Fähe wird es so still, dass sie die Stille schmeckt. Wenn alles still ist, schmeckt die Stille wie alles auf einmal.“

Frau Kranz’ Bilder erfassen all die Details, es scheint, als sei das Buch ein einziges Gemälde – der Leser darf selbst entscheiden, ob ihm der Pinselstrich gefällt.
Mittelpunkt in der Gemeinde: ein historisches Archiv im Haus der Heimat. Es stellt Verbindungspunkt zwischen Gegenwart und Vergangenheit dar – es wird sogar eingebrochen. In die Vergangenheit. Oder aus ihr heraus?
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Vor dem Fest: Roman
Vor dem Fest: Roman von Sasa Stanisic (Gebundene Ausgabe - 10. März 2014)
EUR 19,99
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