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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Nacht in der Uckermark.
Fürstenfelde, ein fiktives und doch nicht so unrealistisches Dorf in der Uckermark, am Abend vor dem wichtigsten Ereignis des Jahres, dem Annenfest. Die Dorfbewohner machen sich bereit für das Fest. Jeder auf seine eigene Art.

Der Autor Sasa Stanisic breitet vor dem Leser das Panorama eines Dorfes aus, indem er kurze Episoden erzählt. Geschichten...
Vor 3 Monaten von Gulan veröffentlicht

versus
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schön, aber
Ein Preis gekrönter Roman - verdient, wie ich finde. Aber... Für mich ist das Buch ein typischer 'Ja-aber-Roman'. Man kann ihn gut finden, aber es bleibt ein Vorbehalt.
Bis ungefähr zur Hälfte habe ich ihn mit großem Vergnügen gelesen: besonders Stil und Sprache (an der andere Rezensenten viel auszusetzen haben) sind originell und...
Vor 6 Monaten von maria veröffentlicht


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24 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht einfach, aber lesenswert, wie auch das Leben halt!, 11. März 2014
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch hat etwas, aber so richtig warm geworden bin ich mit ihm nicht!
An den Sätzen des jungen Poeten ist leicht zu merken, dass er sich auskennt, im Leben und auch dem Lebensgefühl der Uckermark. Da ist eine Friedenssehnsucht, auch wenn die Welt im kleinen wie im großen nicht friedvoll ist.
Manchmal denke ich auf den ersten Blick: Ist der Satz wirklich vollständig? Dann fehlt ein Verb, ich lese den Satz und merke, ich weiß dennoch was Sasa Stanisic erzählt.
Was mir nicht so sehr gefallen hat: "Vor dem Fest" ist für mich kein durchgehender Roman, eher 4 - 6 Seiten lange Texte. Sie ergeben zwar ein Gesamtbild, aber alle sechs Seiten wieder neu in die Geschichte einzusteigen ist anstrengend und birgt wohl auch die Gefahr des vorzeitigen Ausstiegs.
Die unwirkliche, vielleicht märchenhafte Handlung ist äußerst symbolträchtig. Ins "Haus der Heimat" wurde eingebrochen und einige Sachen sind entfleucht. Es beginnt eine Story um Finden, Suchen und Hinüberretten in die Gegenwart.
Nicht einfach, aber lesenswert, wie auch das Leben halt!
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Porträt eines Dorfes, 23. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
In dem faszinierenden und witzigen Buch ist das Porträt eines Dorfes in der Uckermark gezeichnet. Stanisic lässt verschiedene Erzähler bzw. Perspektiven zu Wort kommen: Das Dorf selbst, einige Bewohner, die Geschichte der letzten Jahrhunderte und schließlich eine Füchsin. Insgesamt ergibt die eine Nacht, die das Buch umfasst, ein rundes und umfassendes Bild der Menschen im Dorf und der Atmosphäre, die sich dort seit hunderten von Jahren entwickelt hat.
Das größte Plus des Buches ist die Sprache und die Struktur. Stanisic unterstützt die verschiedenen Perspektiven durch entsprechende Sprachstile. Es gibt die barocke Ebene für die Geschichten des Dorfes und die moderne Sprache, die für einige surreale Augenblicke in Reime übergeht. Das macht Herr Stanisic sehr gut, wodurch das Buch sehr speziell und interessant wird. Das Märchen vom Kesselflicker, das Stanisic in zwei Versionen sozusagen in den Mittelpunkt der Buches stellt, habe ich als Idee zur Interpretation des Buches wahrgenommen: Man kann es als einfache, manchmal magisch angehauchte Erzählung über ein Dorf sehen, die keinerlei Wertung oder Moralität hat. Wenn aber der Leser seine eigenen Werte und Assoziationen hnzufügt, wird es ein spannendes Psychogramm einer dörflichen Gemeinschaft in der Gegenwart. Ich finde, diese Doppelbödigkeit zeichnet Literatur gegenüber der bloßen Unterhaltung aus.
Und Assoziationen gibt es viele: Shakespeare-Komödien, die auch häufig mehrere Figurengruppen haben, Hollywoodfilme über abenteuerlustige Engel am Rande des Abgrunds, natürlich die vielen deutschen Schriftsteller, die über die gleiche Ecke berichten, und altertümliche Sagen Deutschlands. Dazwischen erzählt Stanisic einige konkrete Geschichten aus den letzten Jahren, die die Probleme und Belastungen der Nachwendezeit trocken und witzig bebildern und sehr lebendig darstellen, wie die betroffenen Menschen damit umgehen.
Insgesamt ein gut zu lesendes, interessantes Buch, das ich ohne Einschränkung empfehlen kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen doch sehr lesenswert, 19. November 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Kindle Edition)
Man muss sich einlesen, wird dann aber von der anschaulichen Atmosphäre bezaubert. Mensch und Natur werden zur Einheit. Man muss nicht unbedingt die Uckermark kennen um von diesem Buch verzaubert zu werden. Es erzählt liebevoll ein Stück Normalalltag einer kleine Stadt im Osten Deutschlands verwoben mit Historie. Wer das heutige Deutschland und seine Menschen verstehen will, sollte das Buch lesen, denn auch die Leute aus Fürstenwalde sind ein Teil davon
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Von Füchsen und Menschen, 2. September 2014
Von 
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sasa Stanisic wurde 1978 in Visegrad geboren und kam mit 14 Jahren als Kriegsflüchtling nach Deutschland. Wie Alina Bronsky schreibt er in erfrischend originellem, allerdings oft unorthodoxem Deutsch und hat ja für “Vor dem Fest” auch den deutschen Literaturpreis in Leipzig bekommen.
Leider kommt dieser Roman bei weitem nicht an seinen Erstling “Wie der Soldat sein Grammophon reparierte” heran, auch wenn es schon beeindruckt, wie sehr Stanisic sich in seinem uckermärkischen Fürstenfelde einlebt und geradezu liebevoll die verschiedenen skurrilen Bewohner bei ihren Vorbereitungen für das Annenfest am nächsten Tag begleitet.
Er erzählt in der Wir-Form, als kollektive Stimme des Dorfes, wobei Geschichte und Gegenwart ineinander übergehen und dadurch ein Gesamtbild entstehen soll. Als klassisches “Dingsymbol”, wenn der Leseteufel das als gerade noch p. c. sagen darf, dient die Füchsin, die um das Dorf herumstreicht, um schließlich Mord und Totschlag zumindest an den Hühnern begehen zu können: “Die Natur erobert sich zurück, was ihr gehört. Würde man woanders sagen. Wir sagen das nicht. Weil es Unfug ist. Die Natur ist inkonsequent. Auf die Natur ist kein Verlass. Und auf was du dich nicht verlassen kannst, damit bau keine Redewendungen.” (S.11)
Bis etwa zur Mitte des Buches vertieft der Leseteufel sich geduldig in diesen kleinen beispielhaften menschlichen Kosmos, dann lässt das Interesse nach, denn vieles wiederholt sich bis in die Sprachbilder hinein. Und der naive Grundton wirkt nach einer Weile manieriert. Moritz v. Uslars “Deutschboden” mag nicht so emblematisch aufgeladen und artifiziell konstruiert sein, aber bewegt den Leser letztlich wegen seiner Ehrlichkeit doch mehr.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vor dem Fest, 2. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein - wie ich finde - sehr lesenswertes Buch !

Sasa Stanisic, der ja aus einem Land kommt, wo das Geschichtenerzählen sozusagen zu Hause ist, hat eine ganz eigene Sprache gefunden, die ihre Wurzeln in seiner Herkunft hat.

Gefällt mir sehr !!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Des Metzgers ironisches Talent, 6. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
09.04.2014
Gesamt
Sprecher
Geschichte

Gelassen, melancholisch, ein bisschen belustigt – die Stimme des Autors entspricht seiner Intention. Der Hörer begreift, wie Stanisic sein Buch verstanden wissen will. Als eine Phantasie, die aus Lektüre entstanden ist. Stanisic hat seinen Kleist gelesen und seinen Fontane. Sein Menschenbild ist aber doch, vergleicht man es mit dem seiner Vorbilder, um einige Nuancen zu lieb: Ein jeder hat Talente,er muss sie nur entdecken. Und jede Wirklichkeit hat ihre Poesie, man muss sie nur erfinden: Fassaden sind verrußt, "als habe die Nacht ihre Schwärze nicht ganz ablegen können." Mit solchen Sätzen hängt Literatur den Umweltschutz ab. Und warum trägt in diesem Dorf "die Nacht Livreen"? Da hätte man getrost kürzen können, umso dichter wären die guten Sätze zusammengerutscht. Die gibt es ja, und sie kommen ganz lässig daher. "Frauen muss man Fragen stellen" – "Niemand ist Windmühlen gegenüber gleichgültig" – "immer ironisch und Metzger, ein gefährllicher Mix." Mehr davon und im Nachgeschmack hätte nicht das Süße überwogen.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen >>Endlich eine Würdigung der Uckermark und ihrer Menschen<<, 22. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Verleihung des Deutschen Buchpreises an Sasa Stanisics “Vor dem Fest” auf der Buchmesse in Leipzig hat der Uckermark großes Interesse beschert.

Der 1978 im ehemaligen Jugoslawien geborene Autor Sasa Stanisic ist im Alter von 14 Jahren mit seiner Familie nach Deutschland geflohen und hat mit "Wie der Soldat das Grammofon repariert" ein beachtliches Erstlingswerk vorgelegt. Mit „Vor dem Fest“ hat er es schließlich zu nationaler Anerkennung gebracht – das Werk erhielt den Deutschen Buchpreis in Leipzig.

Der Roman schildert das Leben im fiktiven Dorf Fürstenfelde in der Uckermark. Viele Leser meinen in Fürstenfelde den Ort Fürstenwerder zu erkennen, auf den die im Buch beschriebene Geographie nahezu deckungsgleich zutrifft. Der Ort liegt in Nähe von Woldegk (das neben Neubrandenburg einer der oft genannten, realen Orte ist), auf einer Landenge zwischen zwei großen Seen. Diese Seen sind im Buch häufig vorkommende Motive.

Fürstenfelde und seine kauzigen Einwohner stehen mitten in den Vorbereitungen zu „ihrem“ Fest. Das ist die Rahmenhandlung des Buches. Das Fest ist eigentlich nichts Besonderes. Der historischem Ursprung und die Tradition sind irgendwann auf der Strecke geblieben oder in Vergessenheit geraten, aber für die verbliebenen Einwohner eines der letzten, sie verbindenden Events.
Fürstenfelde ist, und das kann man so sagen, ein typisches Verliererdorf der nun schon 25 Jahre andauernden Nach-Wende. Die 7 oder 8 Gaststätten und Kneipen haben alle dichtgemacht – sein Bier nimmt man jetzt ganz offiziell in einer Garage ein. Es gibt den unvermeidlichen (West)Berliner, der das alte Gutshaus aufgekauft hat und damit den wirtschaftlichen Erfolg sucht. Das Haus der Heimat mit seinem Dorfgeschichtsverein stellt die Verbindung zwischen Vergangenwart und Gegenwart her.
Stanisic hat ja im Vorfeld ausgiebig recherchiert; und er hat genau hingesehen. Auch wenn seine Schilderungen in ihrer gepflegten Melancholie manchmal etwas übertrieben erscheinen – die hier erzeugten Stimmungen und Gefühlsbilder dürften jedem Uckermark-Kenner bekannt vorkommen. Wobei, bis auf gewisse Landschaftsschilderungen und die von der Berliner Mundart geprägten wörtlichen Rede muss man die Handlung nicht unbedingt in der Uckermark verorten. Das könnte jeder ländlich geprägte Raum der ehemaligen DDR sein. Auch sind die handelnden Personen durch ihre etwas mundfaule Art dem Uckermärker nachempfunden, könnten sich aber auch in der Prignitz, der Lausitz oder anderswo wiederfinden. Bei vielen Figuren gelingt die Charakterzeichnung. Der ex-NVA Oberstleutnant Herr Schramm, der aus Verdrossenheit auf einen Zigarettenautomaten feuert, der Landwirt und Schweinezüchter, der von einem Urlaub in Alaska träumt, der Garagenbesitzer und Kneipier, der so etwas wie der letzte Leuchtturm des gesellschaftlichen Lebens in Fürstenfelde ist – ihre Biographien sind glaubwürdig und kommen einem auch irgendwie vertraut vor.
Figuren wie der kürzlich verstorbene Fährmann, der Glöckner und die Malerin wirken dagegen wie aus der Zeit gefallen. Sie sind wahrscheinlich so etwas wie Boten oder Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Sozusagen ein Blick weit, weit zurück in die gute, alte Zeit, als alles noch bedächtig und in geordneten Bahnen ablief. Mit diesen Figuren, auch wenn vor allem die Malerin mit ihren 90 Jahren eine erfrischende Lebenseinstellung hat, komme ich nicht so ganz zurecht. Das schließt den Glöcknerazubi Johannes mit ein.

Das Buch lebt von der verspielten Prosa, was auch den Ausschlag für die Verleihung des Deutschen Buchpreises gegeben hat. Es ist interessant zu lesen, zu welchen Ergebnissen es führt, wenn ein nicht-Muttersprachler wie Stanisic die deutsche Sprache und ihre Möglichkeiten erkundet und nutzt. Soviel Begeisterung und Faszination für unsere Sprache bei einem Autor zu sehen, für den sie bis zu seinem 14. Lebensjahr ein Mysterium war – das ist schon beeindruckend. Und man schämt sich auch etwas, wenn man so manche Sprachvergewaltigung unserer heutigen Jugend auf Facebook, Twitter oder andernorts liest und hört. Stanisic breitet einen sprachlichen Gefühlsteppich aus, auf dem nicht immer leicht zu gehen ist. Sein Verständnis der deutschen Sprache ist barocker. Satzstellungen und -konstruktionen ergeben oft erst einen Sinn, wenn man langsam oder zweimal liest. Vieles wirkt altertümlich. Die eingestreuten historischen Berichte scheinen ihm besonders Freude bereitet zu haben. Mal ganz davon abgesehen, dass sie vor Absurditäten nur so triefen. Besonders der ansässige Adel (meistens ein Graf Poppo von Blankenburg) gerät in brenzlige und haarsträubende Situationen. Die Passagen über die Füchsin (die Fähe) überlese ich geflissentlich. Die hätte das Buch nicht benötigt. Das buche ich unter künstlerische Freiheit ab.
Während das Buch von der Prosa lebt, ist die Botschaft abhanden gekommen. Unter der Prosa verschüttet, sozusagen. Da kann sich jeder herauslesen was er möchte, bzw. zu was er interpretativ fähig ist. Stanisic baut hier nichts ein, was die Handlung vorantreibt. Es gibt auch bis auf den Rahmen keine Geschichte, die unbedingt erzählt werden muss. Die Kapitel kann man auch ruhig durcheinander lesen. Zwar wird hier und dort auch einmal auf Ereignisse aus anderen Abschnitten Bezug genommen, aber dies nur äußerst lose und wenn ja, dann so, dass es das erzeugte Stimmungsbild nicht beeinflusst. Hier fügt sich nichts zusammen, was einerseits beabsichtigt sein oder daran liegen kann, dass Stanisic kein Romancier ist.
Wenn man hier einen Krimi oder eine konkret erzählte Handlung erwartet, wird man enttäuscht werden. Wenn man das Ganze als Sammelsurium von Empfindungen, Situationsschilderungen (köstlich: der Brief an den amerikanischen Präsidenten, von zwei jugoslawischen Hilfsarbeitern der Schweinezucht geschrieben) und persönlichen Schicksalen (hier sticht der bereits erwähnte Herr Schramm deutlich hervor) aus einer zurückgezogenen Region liest, wird man begeistert sein.
Der Autor hat einen sehr ironisch daherkommenden Humor in das Buch gebracht. Sehr oft geht dieser Humor unversehens in eine Tragik über, was meiner Meinung nach nicht immer glaubhaft geschieht. Bei den echten Uckermärkern erfolgt so etwas auf viel banalere Art und Weise. Nicht so fein ausziseliert und bedeutungsschwer wie bei Stanisic. Die Beschäftigung mit den Fragen des Alltags (Herr Schramm fragt sich bei den sexy sport clips im deutschen Sportfernsehen, ob die leicht bekleidete Dame überhaupt Ahnung vom Billardspiel hat oder das ganze wirklich nur als Staffage für ein billiges Nackedeifilmchen benutzt wird) und Lebens ist hingegen wieder typisch für den Nordostdeutschen.

Wahrscheinlich gibt es sogar eine spezielle Bezeichnung oder Gattungsbegriff, für das, was Stanisic hier vorgelegt hat – aber wenn, dann kenne ich sie nicht. Das ist auch nicht so wichtig, denn auch wenn es kein Roman in dem Sinne ist, bietet “Vor dem Fest” ausreichend Unterhaltung und Lesevergnügen.

Endlich hat auch die Uckermark eine preisgekrönte Veröffentlichung neueren Datums bekommen. “Vor dem Fest” zeichnet tragikomisch ein kleines Sittengemälde über das Dorf Fürstenfelde, das stellvertretend für viele Orte in Brandenburg, aber auch Mecklenburg-Vorpommern steht. Eine Verlegung der Handlung oder ein Austausch der Charaktere ist ohne Weiteres möglich. Wenn auch die Handlung manchmal den roten Faden verliert, zieht einen die Sprache und der Witz wie zum Ausgleich wieder in den Bann zurück. Stanisic entgeht durch seine bosnische Herkunft dem Vorwurf der Befangenheit und Voreingenommenheit, weshalb er in ironischer aber nicht respektloser Manier die vielen kleinen Schwächen seiner Protagonisten aufs Korn nehmen darf.
Von dieser Literatur darf es ruhig mehr geben. Daumen hoch.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eins von ca. 150 Büchern, dass ich nicht zu Ende gebracht habe, 26. April 2014
Von 
Leserabe (Konstanz Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Kindle Edition)
Gelegentlich lass ich mich ja mal von Prämierungen leiten, und die Rezensionen von "Vor dem Fest" weckten ebenfalls mein Interesse. Kann mich hier allerdings nur den negativeren Rezensionen anschließen. Mir erschließt sich die Begeisterung in keiner Weise. "Sperrig" wäre eventuell noch ein wohlwollendes Attribut. Ich würde es eher als angestrengt und konstruiert bezeichnen. Kein Fluss, keine Spannung, keine Poesie, keine Erkenntnis, kein Verstören, keine Unterhaltung ... bei manchen Figuren meinte ich Wolf Haas oder Wolfgang Herrenberg zu hören.... also nee, hier hat jemand etwas unter äußerster Anstrengung zusammengestückelt und auf Originalität getrimmt.... Schade. Und ich hoffe mal nicht, dass das jetzt die wirkliche Spitze aktueller deutscher Literatur ist.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "So eine Nacht ist das.", 25. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Fremde kommen selten zu uns. Selten bleiben sie.
Selten bleiben uns Fremde, die länger bei uns bleiben, fremd.
Selten freunden wir uns mit den Fremden an, auch wenn sie länger bei uns bleiben.“ (S. 253)
Fürstenfelde, ein Dorf in der Uckermark, in der Nacht vor dem großen Dorffest, dem Annenfest. Ein fiktives Dorf, das aber genau so irgendwo in der Uckermark existieren könnte.
Auf etwa dreihundert Seiten begleitet der Leser einen Wir-Erzähler durch das Dorf und durch die Nacht und lernt dabei einige Charaktere kennen, die irgendwie zu jedem Dorf gehören und hier ganz liebevoll dargestellt werden. Dazu gehört zum Beispiel Frau Schwermuth, die Dorfchronistin, die all die alten Geschichten kennt und die Hüterin des Archivariums und gleichzeitig Vorsitzende des Hauses der Heimat ist. Ihr Sohn Johann passt so gar nicht in das Klischee eines ostdeutschen Jugendlichen, er ist mir beim Lesen ganz besonders ans Herz gewachsen. Dann gibt es noch Herrn Schramm, „ehemaliger Oberstleutnant der NVA, dann Förster, jetzt Rentner, und, weil es nicht reicht, schwarz bei Von Blankenburg Landmaschinen“. Dietmar Dietze, genannt Dietzsche, zu DDR-Zeiten Postbote, nun ein Einzelgänger, dem der Vorwurf des Spitzelns anhaftet. Und noch einige mehr.
Der Wir-Erzähler wirkte auf mich manchmal wie eine Art Dorf-Kollektiv aus allen Zeiten zusammengesetzt. Überhaupt hat mir gefallen, wie das Dorf in den verschiedenen Zeiten dargestellt wurde. Besonders der Rückblick in die DDR ist dabei interessant, da er zeigt, dass die Menschen eigentlich dieselben sind, aber die Zeiten haben sich geändert.
Stanišićs Sprache ist brillant, jedes Wort sitzt gefühlt am richtigen Fleck, oft musste ich schmunzeln und einige Zeilen noch mal lesen, weil sie einfach so schön waren. Auch die Textgestaltung hat mir in „Vor dem Fest“ sehr gut gefallen. Dazu noch ein tolles, edles Cover auf dem schon einer der Hauptcharaktere abgebildet ist.
Insgesamt für mich also ein rundum gelungener Roman, bei dem mir vieles so bekannt und vertraut vorkam, dass ich zum Schluss ein wenig traurig war, dass es schon vorbei ist.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Der Fährmann ist tot, es lebe der Bootsverleih., 8. September 2014
Von 
Mimir - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Vor dem Fest: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman spielt in den 24 Stunden vor und während des Annenfestes in Fürstenfelde, einem fiktiven Ort in der Uckermark. Der Ort erscheint als typischer Schauplatz ostdeutscher Nachwendewirklichkeit: die jungen Menschen verlassen das Dorf, die Alten sterben. So auch der Fährmann, der keinen Nachfolger hat. Der Glöckner bekam einen, doch ihm kommen die Glocken abhanden. Der ehemalige NVA-Mann Wilfried Schramm kann sich nicht zwischen schnellem Selbstmord mittels einer Pistole und dem langsamen durch Nikotin entscheiden. Anna läuft. Frau Kranz malt. Andere trinken und reden. Und dazwischen versucht eine Fähe, für ihren Nachwuchs Hühnern die Eier unbeschädigt zu entwenden.

Ein kollektiver „Wir“-Erzähler, der das Dorf, die Gegend, alle Figuren einschließt, berichtet von den Ereignissen rund um das Fest. Dabei verquickt er Alltagsgeschichten mit alten Erzählungen und Mythen. Stanišić beobachtet seine meist sympathischen Protagonisten empathisch; lässt sie leuchten; »vielleicht für niemanden, vielleicht für jemanden.«

Doch das Leuchten verblasst bald. Leider ermüdet und langweilt seine Erzählweise mit der Zeit. Man freut sich fast, dass endlich der Morgen des Annenfestes graut, auch wenn Stanišić immer wieder humorvoll lokale Gegebenheiten, Befindlichkeiten und Eigenheiten entlarvt und in wunderbar schräge Bilder passt. Die Sprache, in der er Ereignisse aus früheren Jahrhunderten beschreibt, wirkt etwas unpassend. Die Vielschichtigkeit der Personen rotiert in den ausschweifenden Wiederholungen, die unterschiedlichen Perspektiven liefern Bilder, die nicht immer passen. Oder ist das nur die banale Realität?
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Vor dem Fest: Roman
Vor dem Fest: Roman von Sasa Stanisic (Gebundene Ausgabe - 10. März 2014)
EUR 19,99
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