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5.0 von 5 Sternen Die Geschichte einer zerrissenen Familie, 26. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Maria Clara, genannt Clarinha, deren Vater Luis Filipe im Krankenhaus im Sterben liegt, nimmt dies zum Anlaß, um die Geschichte ihrer Familie Revue passieren zu lassen. Getrieben vom Bedürfnis nach Anerkennung und Liebe, welche sie, die stets im Schatten Ihrer Schwester Ana Maria stand, nie erfahren durfte, rekonstruiert sie in einem inneren Monolog insbesondere das Leben und die Herkunft ihres Vaters, welche innerhalb der Familie stets totgeschwiegen wurde. Clarinha stellt dabei unter anderem die These auf, daß Ihr Vater der Sohn des Dienstmädchens Ihrer Großmutter sein soll und erzählt von den bescheidenen Verhältnissen, aus denen Ihr Vater angeblich stammt. Eindringlich schildert Clarinha auch die Geschäftstätigkeit ihres Vaters als Waffenhändler und seinen Umgang mit "Arabern und Negern", und stellt dieser Sphäre quasi als Kontrast die Lebens- und Anschauungswelt Ihrer Mutter, welche noch ganz in der Vergangenheit kolonialen Herrschaftsdünkels lebt, entgegen. In Ermangelung einer objektiven Kenntnis entwickelt Clarinha dabei verschiedene Wahrheiten, deren Richtigkeit Sie durch offensichtlich fiktive Personen und Anekdoten zu untermauern sucht. Durchbrochen wird diese subjektivierte Erzählweise immer wieder durch Brüche im Erzählfluß, durch welche die anderen Familienmitglieder zu Wort kommen und welche die Erzählung Clarinhas objektivieren. Im letzten Drittel des Buches wird deutlich, daß seit dem Tod Ihres Vaters bereits 10 Jahre vergangen sind und daß die Erzählung Clarinhas de facto ein Tagebuch ist, mit dem sie Ihre Familiengeschichte zu verarbeiten sucht.
Antonio Lobo Antunes hat mit "Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht" einmal mehr einen beeindruckenden, sprachlich funkelnden Roman geschaffen. Antunes greift dabei auf seine gewohnten Stilmittel der mehrstimmigen subjektiven Erzählperspektive, sowie der immer wiederkehrenden Leitmotive zurück, welche dem Buch einen dedizierten Rhythmus verleihen.
Im Gegensatz zu vielen früheren Werken, steht hier jedoch die Vielstimmigkeit verschiedener Personen nicht mehr gleichberechtigt in abgegrenzten Kapiteln nebeneinander. Der ganze Roman wird mehr oder minder durchgängig aus der Sicht von Clarinha erzählt, aber immer wieder durchbrochen mit den - ebenfalls subjektiven - Wahrheiten der anderen Romanpersonen.
Die Lektüre des Buches ist sehr anspruchsvoll, da die Erzählperspektive teilweise mehrfach innerhalb eines Abschnitts wechselt, und der Autor den Leser teilweise bewußt im Unklaren läßt, was an der Erzählung Clarinhas objektive Wahrheit und was Erfindung der gequälten Seele der Erzählerin ist.
Ein großes Buch eines herausragenden Autors.
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Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht: Roman
Geh nicht so schnell in diese dunkle Nacht: Roman von Antonio Lobo Antunes (Gebundene Ausgabe - 27. August 2001)
EUR 25,50
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