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am 18. März 2002
Die eigenwillige Stil- und Schreibform des Autors verlangt eine gewisse Phase des Einlesens, um in die Welt der Romanfiguren eintauchen zu können. Jeweils eine von ihnen wird in einem Kapitel betrachtender Mittelpunkt. Der Text präsentiert sich dabei als ein Labyrinth, angefüllt mit Schilderungen augenblicklicher Abläufe, Erinnerungsfetzen, Phantasien...
Im Verlauf gelingt es dem aufmerksamen Leser, die Zusammenhänge, die Schicksale der miteinander verwobenen Personen herzustellen, wobei Antonio Lobo Antunes mit einem großartigen Facettenreichtum der Sprache fasziniert. Dennoch weist - meines Erachtens - das Buch Überlängen auf, wohl nicht zuletzt daraus resultierend, daß dem Leser nicht auch nur die geringste Verschnaufpause, der kleinste Lichtblick vergönnt ist in einem Konglomerat aus Miseren, die ununterbrochen über ihn herabstürzen und deren Schattierungen zwischen grauer Tristesse und schwarzer Verzweiflung schwanken. So drängt sich dem Leser zunehmend das Gefühl einer gewissen Unglaubwürdigkeit auf, bleibt doch die Existenz aller handelnden Personen ohne jegliche positive Aussage.
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am 8. Oktober 2000
"Der Tod des Carlos Gardel" ist ein konstruktivistisches Puzzlespiel, bei dem die Aktivität des Lesers gefordert ist. Lässt man sich auf dieses Puzzle ein, eröffnen sich nach und nach immer mehr Teile eines großen Panorama-Bildes über Menschen, die eines gemeinsam zu haben scheinen: dass sie nie wirklich Liebe kennen gelernt haben. Das Beziehungsgeflecht erstreckt sich über mehrere Generationen einer Familie, über scheinbare Liebesbeziehungen, über Wohngemeinschaften und berufliche Beziehungen sowie über die verschiedenen Stadtteile von Lissabon. Was hat Carlos Gardel mit alledem zu tun? Auch das muss jeder Leser, jede Leserin für sich entdecken.
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am 2. April 2000
Im November 1999 erzählte António Lobo Antunes anlässlich einer Lesung zu den Anweisungen an die Krokodile, dass er zu der Trilogie "Handbuch der Inquisitoren", "Portuglas Strahlende Größe" und eben den "Anweisungen an die Krokodile" derzeit an einem vierten Roman schreibe, der eine Art Epilog zu diesem als Trilogie angelegten Zyklus um Macht und Gewalt bilden sollte. Auf diesen Epilog warte ich seither voller Spannung.
Die "Neuankündigung" des Tod des Carlos Gardel hat mich skeptisch gemacht, weil das Thema nun nicht gerade zu dem von mir erwarteten Epilog zu passen schien. Meine Frage an eine Fachkraft in einer großen Buchhandlung in Freiburg, ob das denn Antunes' neuester Roman sei, wurde voller Überzeugung bejaht. Präzises Nachfragen, ob es wirklich das zuletzt geschiebene oder nur das zuletzt übersetzte Buch sei, rief dann schon Unsicherheit hervor. Ein Blick ins Impressum verschaffte Klarheit: Originalausgabe von 1994.
WARUM wird die Kundschaft nicht darauf aufmerksam gemacht, dass der Verlag nun damit beginnt, die älteren Werke Antunes' auf den Markt zu werfen, nachdem er mit seiner letzten Trilogie zu großem Ruhm gekommen ist?
Der Punktabzug ist lediglich durch diese völlig inakzeptable Vorgehensweise des Verlags und der Buchhandlungen begründet, wobei ich mich frage, ob Antunes diese Praxis forciert, oder ob er vom Verlag dazu gezwungen wird.
Ähnlicher Etikettenschwindel wird derzeit übrigens mit Antonio Tabucchi (Das Umkehrspiel) und Javier Marías (Während die Frauen schlafen - angeblich von 1999 / Fußball-Stücke - angeblich von 2000) getrieben :-((
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