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106 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Jahrhundertwerk
Wenn ich meine zehn Lieblingsbücher aufzählen sollte, wäre ich ratlos -- mindestens 500 sollten es schon sein, die auf die berühmte einsame Insel mitkommen dürften. Aber man könnte mich fragen, ob "Der Meister und Margarita" von Bulgakow mit von der Partie wäre, und darauf würde ich ohne Zögern mit "ja" antworten.
In...
Veröffentlicht am 18. Januar 2006 von weiser111

versus
13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Den Meister Unverfaelscht: Erscheinungsdatum Beachten!
Jede Ausgabe dieses Buches von vor 1973 (d.h. die Kultur und Fortschritt Verlagsausgaben) ist zwangslaeufig die der von den Behoerden in der UdSSR zensierte Version -- auch in der Uebersetzung. Das ist bei der 1968 erschienenen Ausgabe zu beachten. Wer die alte Reschke Uebersetzung in Gaenze will, nicht die neue Nitzbergsche, sollte deswegen zu einer spaeteren Ausgabe...
Vor 21 Monaten von J. F. Laurson veröffentlicht


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106 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Jahrhundertwerk, 18. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita: Roman (Taschenbuch)
Wenn ich meine zehn Lieblingsbücher aufzählen sollte, wäre ich ratlos -- mindestens 500 sollten es schon sein, die auf die berühmte einsame Insel mitkommen dürften. Aber man könnte mich fragen, ob "Der Meister und Margarita" von Bulgakow mit von der Partie wäre, und darauf würde ich ohne Zögern mit "ja" antworten.
In diesem Roman kommt unendlich vieles zusammen, und man kann ihn auf unendlich viele Arten lesen: Als bitterböse Satire auf Stalins Staat und als philosophische Abhandlung, als phantastische Abenteuer- oder Spukgeschichte, als die ultimative Liebesgeschichte schlechthin... und natürlich ist diese Aufzählung längst nicht vollständig.

Moskau, Ende der 1920er Jahre. Karwoche. Auftritt der Teufel persönlich, der in der Freitagnacht seinen alljährlichen Hexenball geben will. Bis es dazu kommt, ist in Moskau buchstäblich der Teufel los, und Funktionäre (insbesondere die regimekonformen Literaten), Denunzianten, Mitläufer und sozialistisch übertünchte Spießer bekommen gründlich ihr Fett weg; Schadenfreude darf sich hier auf höchstem Niveau ausleben. Bereits der Romananfang an den friedlichen Moskauer Patriachen-Teichen ist ein satirisches Meisterwerk, das auf allen denkbaren Ebenen zuschlägt. Bulgakov scheint hier die alte Regisseurs-Weisheit in die Literatur zu übertragen, der zufolge man die Handlung mit einem Erdbeben zu beginnen und dann allmählich zu steigern habe. Aber der satirische Rundumschlag ist nur einer der vielen Aspekte dieses Jahrhundert-Romans.
Eigentlich geht es nämlich um die Geschichte von Margarita und um ihre Liebe zum Meister. Die beiden sind die Lichtgestalten im Roman; die einzigen, denen der Teufel nicht übel mitspielt, sondern denen er hilft. Margarita sucht verzweifelt ihren Geliebten, den Meister, der einen Nervenzusammenbruch erlitten hat, nachdem Literaturfunktionäre sein Werk als kontrarevolutionär gebrandmarkt haben (in Stalins Staat schon fast ein Todesurteil). Sein Manuskript hat er verbrannt -- ein philosophisch angelegter Pilatus-Roman, der um die zentralen Themen Macht, Wahrheit und Wahrhaftigkeit kreist, -- und nun befindet er sich in einer Nervenheilanstalt. Um den Meister wiederzufinden, willigt Margarita ein, auf dem grandiosen Hexenball als Gastgeberin aufzutreten. Der ultimative Hexensabbath ist angesagt mit allen Schikanen und allem Zubehör... und die Suche nach dem Meister geht weiter.

Den verschiedenen Handlungs- und Stilebenen in "Meister und Margarita" entspricht der Aufbau des Romans; meist wechselt von Kapitel zu Kapitel der Schauplatz: Von Stalins Moskau in das Jerusalem um 33 n.Chr., vom teuflischen Generalangriff auf realsozialistische Verlogenheit hin zur Wahrhaftigkeit Margaritas und zum philosophischen Disput zwischen Pontius Pilatus und Jeschua ha-Nasri (d.i. Jesus von Nazareth) als Roman im Roman. Trotz der deutlichen Schnitte ist die Handlung nicht zusammenhanglos; ein dichtes Geflecht aus Motiven, parallel gestalteter und einander reflektierender Figuren und Handlungen verbindet die Handlungsstränge zu einem in sich ruhenden Ganzen.
Da diese Vielschichtigkeit (und vieles andere ebenfalls) auch in der deutschen Fassung hervorragend zutage tritt, muss man unbedingt auch den Übersetzer, Thomas Reschke, für diese Leistung loben.
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31 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man folgt ihm gern, 12. August 2010
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita (Taschenbuch)
Man muss ein wenig über die historische und persönliche Situation Bulgakows wissen, um diesen Roman mit Gewinn zu lesen - sonst kann er einen leicht verwirren. Bulgakow war einer der wenigen Dissidenten in der Stalinzeit, er war zwar bereits als Schriftsteller erfolgreich, erhielt aber später Publikationsverbot und versuchte in den 12 Jahren, in denen er bis zu seinem Tod 1940 diesen Roman schrieb, sich schadlos zu halten für eine Wirklichkeit, in der seiner Meinung nach alles falsch lief.
Die politische Kaste war zu mehr oder weniger korrupten Funktionären und Apparatschiks verkommen, die auf Machterhalt und diesseitigen Materialismus eingeschworen war. So fängt der Roman damit an, dass zwei typische Repräsentanten jener Zeit vom Teufel, Voland, eines Besseren belehrt werden. Entgegen dem skeptischen Rationalismus des einen, eines Lyrikers namens Besdomny, sagt Voland den unmittelbar bevorstehenden Unfalltod von dessen Begleiter Berlioz voraus und führt ihm und Berlioz den römischen Statthalter Pontius Pilatus in natura vor, wie der den gefangenen Jesus gegen sein Gefühl und Gewissen der cäsarischen Staatsräson opfert. Damit demonstriert der Teufel den beiden Ungläubigen persönlich die historische Existenz von Jesus Christus.

Klar, dass solche übernatürlichen Umtriebe im platten, stumpfsinnigen, bürokratischen Betrieb nur Verwirrung stiften und den vorhersehbaren, aber hilflosen Versuch der zuständigen Behörden provozieren, solchem Unwesen Einhalt zu gebieten nach dem Muster: Was nicht sein kann, darf nicht sein. Besonders weil der Teufel und seine Gefolgschaft nun erst so richtig ihr Unwesen zu treiben beginnen: Voland tritt in einer groß angekündigten Magier-Show auf, dort beglückt er die Menschen mit Geld, das vom Himmel regnet, und die Frauen mit herrlichen Kleidern und Accessoires.
Im zweiten Teil des Buches erreicht das teuflische Treiben dann den eigentlichen Höhepunkt. Im Mittelpunkt dieses Teils steht die schöne Margarita, die einen glücklosen Schriftsteller namens Meister liebt und ihm treu zur Seite steht. In diesem Schriftsteller hat Bulgakow sein Selbstporträt geschaffen. Meister hat auch den vom Teufel verwendeten Pilatus-Roman geschrieben, aber nur Hass und Spott dafür geerntet. Margarita als begeisterte Hexe wird nun die Ballkönigin des teuflischen Frühjahrsballes, auf dem all die großen Schurken und Verbrecher der Vergangenheit auftreten - hier wird man an Dantes "Göttliche Komödie" erinnert wie gleichzeitig das ganze Buch eine Variante des Goetheschen "Faust" ist: Meister als Faust, der schließlich mit seiner geliebten Margarita dem Teufel folgt und in andere, überzeitliche Dimensionen entschwindet.

Der Hauptteil des Romans besteht also aus dem teuflischem Schabernack, der die Offiziellen zur Verzweiflung treibt - ständig herrliche Gelegenheiten zur grotesken Satire à la Gogol - einmal sitzt beispielsweise nur ein Anzug am Schreibpult und führt die Schreibarbeiten aus. Diese teuflische Gegenwelt ist abenteuerlich, anarchisch, lustbetont, sie bringt das triste, regulierte Leben ins Wanken. Bulgakow lebte, man merkt es, 12 Jahre lang in dieser viel spannenderen fiktiven Gegenwelt. Und in den Pilatus-Szenen bringt er sich selbst ins Spiel: So wie Christus ein guter Mensch ist, der sich von Hass und Ungerechtigkeit nicht beirren lässt und standhaft bis zu seinem Tod dem Repräsentanten der Macht seine Wahrheit sagt, so mag er sich selbst gesehen haben, als einzelner ohnmächtig dem Establishment gegenüber. Diese Pilatus-Szenen sind mit tiefem Ernst geschrieben, während bei den satirischen Teufelsszenen eine robuste kindliche Fabulierlust ihre fröhlichen Urständ feiert: "Leser, mir nach!" heißt es wiederholt und man folgt ihm gern. Vielleicht konnte nur ein solcher Schriftsteller am Ende dem Teufel diese Wahrheit in den Mund legen: "Alles wird richtig werden, darauf beruht die Welt." (485).
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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Teuflisch gut!, 28. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita: Roman (Taschenbuch)
"Der Meister und Margarita" begleiten mich schon seit bald 30 Jahren über sämtliche Orts- und Wohnungswechsel und werden mich wohl noch solange begleiten "bis dass der Tod uns scheidet". Dieses Buch würde ich auf die Insel mitnehmen, auch wenn ich nur 10 Bücher mitnehmen dürfte und das, obwohl ich es schon fünfmal gelesen habe (oder vielleicht grade deswegen). Und aus genau diesem Grunde sehe ich mich förmlich gezwungen, hierzu endlich auch eine Rezension zu schreiben :-)

Zum einen schildert der Roman in einer überaus ironisch/satirischenWeise das Leben im Moskau der 30er Jahre im vorigen Jahrhundert. Das zweite Thema des Romans ist mit menschlichen Werten wie Gut und Böse, Gott und Teufel, Leben und Tod verbunden. Fragen des ewigen Wechselspiels zwischen Gute und Böse spielen eine besonders wichtige Rolle. Hierzu schlägt Bulgakow einen Bogen weit zurück zu zwei Protagonisten, die gewissermassen für das Gute oder Schlechte an sich stehen: Jesus und Pontius Pilatus.

Nicht zu vergessen natürlich das Thema der menschlichen Liebe, hier die Liebe zwischen den Titelgebern, dem "Meister", einem wahren Künstler, und seiner Margarita - eine berührende Liebesgeschichte, die nach langer Zeit des Leidens über unglaublich phantastische, skurrile und abgedrehte Umwege ihre Erfüllung findet.

Wunderbar wie Bulgakow sein Figurenkabinett einem Höhepunkt entgegenführt, all die verschiedenen Handlungsstränge verknüpft bis am Schluss alle Erlösung finden - Pontius Pilatus genauso wie all die anderen Mitbeteiligten in diesem einzigarten Werk (fast alle, muss ich sagen, einer nicht, aber da ist er selber schuld :-).

Der "Meister" ist ein absolutes Kultbuch, das voller absurder Ideen steckt: Auf der einen Seite immer phantastischer, auf der anderen Seite hart an einem realen Leben in der sowjetischen Alltagsbürokratie, diese Mischung lässt einen immer weiter und weiter in die Welt des Michail Bulgakow eintauchen.

Skurril, fantastisch, satirisch, schräg verflechtet Bulgakov Liebesgeschiche, Horrorelemente, Fantasy, Satire zu einem unglaublichen Abenteuer!!!!

Übrigens: Bulgakovs Satan ist ein teuflisch sympathischer Quälgeist!!!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein literarisches Vexierbild der Meisterklasse, ein Matrioschka die ungeahntes versteckt, 14. Mai 2013
Von 
Heli An - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita: Roman (Taschenbuch)
Dieses Buch ist einfach umwerfend. Es ist vielschichtig und unterhaltsam zugleich, hinter jeder Ecke und Wendung versteckt sich unerwartetes. Humor, Weisheit, Melancholie und Glück wechseln sich ab. Drei Geschichten sind es, die sich ineinander verweben und verknüpfen.

In der ersten und zunächst dominantesten Geschichte kommt der Teufel nach Moskau und treibt dort mit seinem dämonischen Gefolge sein Unwesen. Die "braven" Moskauer Bürger sehen sich Eulenspiegeleien, makaberen Scherze und schlichtweg Bösem ausgesetzt, es trifft insbesondere die Bürger, die sich im stalinistischen Bürokratieapparat bestens zurechtfinden, denen es dank Beziehungen, kleinem Denunziantentum oder blindem Gehorsam gut geht. Denen, die sich an Paragrafen und Gesetze klammern und dabei über Leichen gehen.

Recht schnell folgt die zweite Geschichte, das "Buch im Buch". Wunderbar zu lesen, künstlerisch kaum zu übertreffen, die Verurteilung und Kreuzigung Jesu aus der Sicht eines leidenden, gequälten, zutiefst unglücklichen Pontius Pilatus. Ein Pontius Pilatus, der sich noch bis in die Ewigkeit über diese 24 Stunden quält. Aber - als Buch im Buch - ein Werk, das im stalinistischen Russland keine Daseinsberechtigung hat. Im verordneten Atheismus muss das ein Werk des Teufels sein, und Bulgakov lässt gekonnt die Grenzen verschwimmen. Lesen wir das Manuskript eines Buches im Buches, oder lauschen wir dem traurigen und bewegenden Zeitzeugenbericht des Teufels?

Und schließlich die Geschickte des Meisters, verfolgt für eben jenes Buch, das er als Manuskript verbrannt hat und Margaritas, die den Meister so sehr liebt, dass sie für seine Befreiung gerne einen Pakt mit einem plötzlich sehr ruhigen, angenehmen, sinierenden und weisen Teufel eingeht. Ein Gretchen, das nicht bereut und verdammt wird sondern das dieser echten Welt jederzeit den Rücken kehrt, um mit dem Meister in eine dunkle, ruhige Welt der Wahrheit und ohne Zensur einzutreten.

Ich kann nur sagen: ein Meisterwerk der Literatur, ich lese es seit 20 Jahren immer wieder und jedes Mal unterhält es mich und jedes Mal entdecke ich neue Nuancen. Sekundärliteratur muss nicht sein, man kann das Buch einfach als Buch genießen, aber wer gerne verstehen will wie brilliant Bulgakov den stalinistischen Kontext verwoben hat, dem empfehle ich beigefügte Website für viel und hervorragend aufbereitete Sekundärinformationen: [...]
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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbar heiter-melancholisches Buch, 28. Juli 1999
Von Ein Kunde
"Der Meister und Margarita" gehört zu meinen erklärten Lieblingsbüchern. In Bulgakows Roman existieren mehrere Handlungsebenen. Mit Sarkasmus, schwarzem Humor und surrealem Witz hält Bulgakow der Habgier und dem Duckmäusertum der Bürger, der Bürokratie, sowie der selbstzufriedenen Diktatur des offiziellen Literaturbetriebs im Moskau der dreißiger Jahre den Spiegel vor. Dies geschieht auf so drastisch-komische Weise, daß einem manchmal das Lachen im Halse steckenbleibt. Niemand anderes als der Teufel persönlich führt Regie in diesem wahnwitzigen Treiben. Daneben wird eine etwas eigenwillige Version der Kreuzigungsgeschichte Jesu präsentiert, erzählt aus der Sichtweise des Pontius Pilatus. Dieser Pilatus wird hier einmal nicht als kalter Machtmensch beschrieben, sondern als gepeinigter Mensch, der zwischen Machtgefühlen und Zwängen einerseits und seiner Sympathie für Jesus andererseits hin- und hergerissen ist. Schließlich findet sich im Roman die Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita. Der Meister, ein Schriftsteller, wird Opfer des herrschenden Literaturbetriebs. Seine Freundin Margarita versucht verzweifelt, ihm aus seiner Situation herauszuhelfen und nimmt dafür einiges auf sich. In einem sehr melancholischen Finale laufen die Handlungsstränge schließlich zusammen. Nach der Lektüre dieser "Welt in einem Buch" fühlt man sich glücklich, erheitert und ein wenig traurig - eine wunderbare Mischung! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein zeitloses Gleichnis, 9. Mai 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita (Gebundene Ausgabe)
Ende der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts macht sich der Teufel daran, Moskau in ein Chaos zu stürzen. Auf drei unterschiedlichen Handlungsebenen werden parallele Geschichten erzählt, die sich in Schnittpunkten immer wieder begegnen und in unterschiedlichen Situationen kulminieren. Im Crescendo kommt die Geschichte der dekadenten Gesellschaftsschicht Moskaus, gierig und neidisch wie eh und je und überall, daher und findet ihren fantastischen Höhepunkt in einer Theatervorstellung, in welcher der Satan bzw. dessen Gehilfen ein Varietépublikum aufmischen (der vermenschlichte Kater Behemoth, riesig "wie ein Eber", stellt unzweifelhaft eine der genialsten Figuren dar, die mir bisher in der Literatur untergekommen sind). In gleichförmig nüchternem Takt wird daneben die Geschichte von Pontius Pilatus erzählt, dessen Existenz sich im Entsetzen über die Hinrichtung des Wanderpropheten in grundlegender Weise ändert. In zarten und melodischen Klängen wird schließlich die Geschichte vom Meister und von Margarita, deren Liebe alle Höhe und Tiefen, den Satan ebenso wie die allzu gütige Zufriedenheit zu überdauern scheint, dargetan.

"Der Meister und Margaritha" ist für mich ein phänomenales Meisterwerk von epischer Breite - gewürzt mit ein wenig Pilatuserei. Gewachsen auf dem Nährboden der kommunistischen Ideale und durchsetzt von Sozialkritik wird in weiter Ferne das erstrebsame Ziel einer auf noch zu definierenden idealen Prinzipien aufgebauten Weltzivilgesellschaft anvisiert. Ein zeitloses Gleichnis in der fantastischen Tradition von E. T. A. Hoffmann und im sozialen Sog von Dostojewski.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach Fabelhaft, 30. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita: Roman (Taschenbuch)
Der Teufel hält Hof im Moskau der dreißiger Jahre. Mit Leichtigkeit nützt er die Schwächen der Menschen aus und treibt sie ins Verderben. Kommunisten wie Bürgerliche, keiner kann es mit ihm aufnehmen. Nur Margarita, die seltsamen Dichters, der sich Der Meister nennt, und der im Irrenhaus sitzt, hält ihm stand.

Das Buch, obwohl in den Dreißigerjahren geschrieben, weist keine Spur von Anachronismen auf. Es könnte genausogut vor drei Monaten geschrieben worden sein. Vor meinem Inneren Auge kam ein untergegangenes Moskau zum Vorschein, mit Menschen, deren Schwächen genauso zu Tage treten wie heute.

Dazu kommen immer wieder Passagen aus dem Buch des Meisters über Pontius Pilatus und am Ende verbindet sich alles zu einem grandiosen Finale ohne Kitsch oder übertriebenem Zynismus.

Ich habe nur gestaunt, welche Schöpferkraft da im unterdrückten Russland am Werk war. Eines der Top 10 Bücher die ich gelesen habe.

Der Autor war ein Genie.

Einziges Manko: In der deutschen ÜBersetzung werden die Moskauer Bewohner mit "Bürger" angeredet.

"Genosse" hat der Autor vermutlich gemeint.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meister-Werk - das Hörbuch, 10. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita (Audio CD)
Im Mittelpunkt dieser Rezension steht das Hörbuch - das Werk selbst wurde hinreichend rezensiert und nichts ist den überwiegend begeisterten Rezensionen dieses Meisterwerks hinzuzufügen.

Wenn der Hörverlag auch rigoros an Verpackung und Information (man hätte das Werk wahrlich umfassender beschreiben können) gespart hat, so kann man ihm dies nicht übel nehmen, weil er dieses Geld offenbar gemeinsam mit dem MDR im Jahre 1998 stattdessen in die Produktion des Hörspiels selbst investiert hat. An die 50 Sprecher, darunter besonders hervorzuheben der grandiose Jürgen Hentsch als Erzähler, waren an diesem Hörbuch beteiligt - ein einzigartiger und höchst seltener Aufwand.

Der Regisseurin Petra Meyenburg ist höchstes Lob auszusprechen für die Hörspielbearbeitung dieses Romans, den Michail Bulgakow 1928 begann und erst 1940, kurz vor seinem Tode beendete. Auf 10 CD und knapp 700 Minuten gelangt der Hörer so in den Genuss eines der wichtigsten russischen Romane des 20. Jahrhunderts - meines Erachtens in ungekürzter Form.

Für die markante Musik, die jedes neue Kapitel einleitet, zeichnet Uwe Hilprecht verantwortlich.

Fazit: Für mich eines der besten literarischen Hörbuchrealisierungen überhaupt.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Buch der Bücher!!, 10. April 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita (Taschenbuch)
Suchen Sie a: Einen Erstklassigen Fantasyroman? b: Eine einzigartige Liebesgesschichte? c: Ein unglaubliches Horrorszenario? e: ein nicht im geringsten theoriebeladennes Beispiel der Auseinandersätzung mit der Daseinsfrage? Suchen Sie also fünf Geschichten in einer?
Dann, ihm nach ! Leser. Lucifer selbst ist es, der Moskau heimsucht, um den Bewohnenern dieser Stadt unerbittlich vorzuführen, wem ihre Seele eigentlich gehört. Er lässt es zum Beispiel Dollarscheine regnen, um die die Menschen sich prügeln. Sobald sie damit pralen wollen, halten sie Zeitungspapier in der Hand und driften in den Irrsin ab. Eine Parabel Bulgakows, auf die gesellschaftlichen Zustände seiner Zeit. Doch im Antlitz des "Wahren Guten", ist kein Böse existent. Margarita liebt ihren "Meister", das ist für sie ihr Geliebter, der den Glauben an seine Fähigkeiten als Schriftsteller verloren hat. Um seine Seele zu erreten, wird Margarita zur Ballkönigin Lucifers........
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bulgakows größter Streich, 27. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Meister und Margarita: Roman (Taschenbuch)
Wie umschreibt man ein Werk, das so herausragend und sonderbar ist, daß es in der gesamten Weltliteratur nicht seinesgleichen hat, und vermutlich niemals haben wird?

Zunächst einmal die obligatorischen Superlativen: Meister und Margarita, Bulgakows letzter Roman und zugleich Vermächtnis an die Nachwelt ist eines dieser Werke, von dem man sich zunächst keine genaue Vorstellung machen kann, ehe man es nicht selbst gelesen hat. Während der Lektüre gerät man von der ersten Seite an in einen Zustand des Erstaunenes, der bis zum fulminanten Ende hin anhält. Hinterher dann wird man noch lange brauchen, um alles Gelesene, alles "Erlebte" zu verarbeiten und einzuordnen, nicht zuletzt ist eine erneute Lektüre fast schon unablässlich - fest steht jedoch: die Geschichte vom Meister und seiner Liebe zu Margarita, Voland und seinem Gefolge, dem jungen Literaten Iwan und nicht zuletzt Pontius Pilatus und Jesus wird einen nie wieder loslassen.

Was es so einzigartig macht, ist schwer zu erklären, und so abgedroschen es auch klingen mag: man muss es selbst gelesen haben um all die euphorischen, aber keineswegs übertriebenen Rezensionen nachvollziehen zu können. Ich möchte es trotzdem versuchen und auf die wesentlichen Aspekte eingehen.

Eine an und für sich simple Grundidee (der Teufel zu Besuch in Moskau) genügt Bulgakow, um einen Sturm phantastischer Ideen zu entfesseln. Ähnlich wie in seinen Kurzgeschichten und Erzählungen gelingt es ihm, aus nur einem kuriosem Umstand heraus eine mitreißende und irrwitzige Geschichte zu entwickeln. Voland und sein Gefolge mischen Moskau, seine Bürger und das unüberschaubare Wirrwarr aus Bürokratie und Staat auf. Bei vielen dieser Szenen habe ich mitunter Tränen gelacht, so grandios sind die Satire und Situationskomik, ganz im Stile Gogols. Hier läuft der Autor zur Höchstform auf, und ebenso wie Voland entlarvt er die bizarren Zustände im Russland der damaligen Zeit.

Der Roman im Roman ist keine völlig neue Erscheinung, hier aber verkommt sie nicht zum reinen Selbstzweck, hier ist sie ein wesentlicher Bestandteil, beide Geschichten treiben einander voran und erleichtern das Verständnis. Vor allem die Art und Weise, wie die beiden zunächst völlig unterschiedlichen Handlungen miteinander verwoben werden, ist genial gelungen. Hiermit gibt sich der Autor jedoch noch nicht zufrieden, Personen und Schauplätze wechseln ständig, der Roman ist polyphon aufgebaut, die Erzählweise modern, das Tempo hoch - dem Leser wird kaum eine Verschnaufpause gegönnt, aber er wird vom Autor auch nicht im Stich gelassen. Konsequent führt er nach und nach alle Handlungsstränge zusammen und löst das anfangs verwirrende Geflecht überzeugend auf.

Hinter dem scheinbar satirischen Roman verbirgt sich viel philosophisches Gedankengut, ganz in der Tradition von Dostojewski geht es auch um die ewigen Fragen, die die Menschheit bis heute beschäftigen: um die Rolle von Gut und Böse in der Welt, um Erlösung und Auferstehung, um Liebe und Unsterblichkeit.

Nicht zuletzt die Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita, die einzigen Menschen in ganz Moskau, die sich nicht korrumpieren und verführen lassen, denen der Teufel nichts anzuhaben vermag. Immer rührend, niemals kitschig, erzählt Bulgakow von einer wahrlich unsterblichen Liebe, die alles zu überwinden vermag.

Auch heute noch, viele Jahre nach der Erstlektüre und hunderter gelesener Bücher später steht "Meister und Margarita" unerschütterlich an der Spitze meiner Lieblingsromane. Ein spannender Abenteuerroman, eine urkomische Satire, eine bissige Kritik an den damaligen Zuständen und einige prophetische Aussagen, die sich heute allesamt bewahrheitet haben; eine zeitlose philosophische Abhandlung über Gut und Böse, eine bewegende Liebesgeschichte, all dies und mehr vereint in einem einzigen Roman. Bulgakow ist gelungen, wonach viele Autoren vergeblich streben - ein großer Streich.
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Der Meister und Margarita: Roman
Der Meister und Margarita: Roman von Michail Bulgakow (Taschenbuch - 18. April 2006)
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