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87 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ultimative Jesusbuch als Weihnachtsgeschenk?
Wär das nichts für Sie? Ich hoffe wohl doch. Als Vorgeschichte: Jetzt bin ich seit 10 Jahren Pfarrer und habe noch nie einen Tipp für Weihnachten abgegeben. Ich dachte immer, es gibt genügend Ratgeber in den diversen Medien, die Ihnen irgendwelche Empfehlungen nahe legen. Jeder wird seinen persönliche Vorlieben in diese Ratschlag einfließen...
Veröffentlicht am 13. Oktober 2004 von Beate und Markus Maiwald

versus
35 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein starkes Ja- Aber
Zunächst einmal: Ich bin evangelischer Theologe und komme von der von Berger so gescholtenen "historisch-kritischen Forschung" her. Insofern bin ich also befangen.

Und ich muss auch gestehen, dass ich die historisch-kritische Forschung vor über 30 Jahren, als ich anfing Theologie zu studieren, als eine große Befreiuung empfand. Man musste nicht...
Veröffentlicht am 5. August 2006 von Bernd Giehl


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87 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das ultimative Jesusbuch als Weihnachtsgeschenk?, 13. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Wär das nichts für Sie? Ich hoffe wohl doch. Als Vorgeschichte: Jetzt bin ich seit 10 Jahren Pfarrer und habe noch nie einen Tipp für Weihnachten abgegeben. Ich dachte immer, es gibt genügend Ratgeber in den diversen Medien, die Ihnen irgendwelche Empfehlungen nahe legen. Jeder wird seinen persönliche Vorlieben in diese Ratschlag einfließen lassen, ich natürlich auch. Aber heute kann ich nicht anders, da ich selber so begeistert und aufgewühlt bin. Ich muß es einfach tun: Ich möchte Ihnen - um Sie gleich vorweg zu warnen, damit Sie wissen, auf was Sie sich einlassen - 704 Seiten empfehlen. Das für mich ultimative Jesusbuch ist erschienen vom einzigen Katholiken, der auf dem neutestamentlichen Lehrstuhl einer Evangelischen Fakultät, nämlich in Heidelberg, sitzt. Es hat den Titel schlicht und einfach "Jesus". Der Autor möchte uns Menschen heute sagen, was wir von Jesus haben können. "Ich möchte Menschen antworten, die zu Recht fragen, ob Jesus noch irgendeine Bedeutung für sie hat." In seinem Buch stellt er sich unter anderem folgende Fragen stellen: Wie kann ich bei Jesus beten lernen? Wie werde ich mit Jesus glücklich? Wie wörtlich kann und darf ich Jesus nehmen? Wie kann ich mit Jesus leben und sterben? Inwiefern ist Jesus "die Wahrheit"?Antworten, teilweise sehr überraschende, gibt da nicht etwa KLaus Berger, sondern das neue Testament. Jesu Lebensphilosophie kann jedenfalls auch für uns etwas werden.
Ich verspreche es Ihnen: Sie werden sich an diesem Buch reiben. Es wird keine einfache Lektüre werden, aber Sie werden etwas davon haben. Ich, jedenfalls kann Ihnen dieses Buch wärmstens ans Herz legen. Es wäre schön, wenn Sie damit "heilvolle" Erfahrungen machen.
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74 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was Sie von Jesus haben?, 1. Januar 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Kein Untertitel, der die Sache einschränkte. Einfach "Jesus". Klaus Berger hat eine Summa vorgelegt. Auch wenn in den nächsten Tagen weitere Arbeiten von ihm erscheinen sollten, so ist ein solches Jesus-Buch für den Neutestamentler nicht mehr zu überbieten.
Die Summe seiner Arbeit an der Schrift auf 700 Seiten?
Ja und nein. Tatsächlich geht in dieses Werk all das ein, was Berger und viele andere erforscht haben. Aber nein: Es ist kein Thelogenausbildungswälzer daraus geworden, sondern ein sehr persönliches und engagiertes Buch, das sich ausrücklich an Laien richtet. Wenn es denn mal zu theologisch wird, erklärt der Autor immer, was gemeint ist. Der Leser spürt, dass hier jemand schreibt, der von Jesus bewegt wird und der als Wissenschaftler und Mensch immer auf dem Weg zu diesem Jesus war und ist. Etwas von dieser Begeisterung überträgt sich durchs gedruckte Wort, zumal oft durchscheint, dass es kein Buchwissen ist, das ausgebreitet wird, sondern Erfahrenes, durch mancherlei Stürme des Lebens Geprüftes.
Das Buch ist dennoch sperrig wie sein Gegenstand, widerständig wie sein Autor, der keinem Streit aus dem Weg geht.
Berger nutzt die Gunst der Stunde. Ein "postmodernes Jesusbuch" habe er geschrieben, bekennt er, und man meint ihn schmunzeln zu sehen. Aus dem Zustand der Nachmoderne leitet er mit entwaffnender Chuzpe für sich die Erlaubnis ab, zweihundert Jahre "vernünftige Theologie" zu bestreiten und noch einmal, ein paar Minuten vor Lessing, anzufangen.
So kann er sich Faszinierendes leisten: Eine Absage an christliche Beliebigkeitsprophetie. Eine Abrechnung mit der "Entmythologisierung": Wer sagt denn, dass unser venünftelndes Weltbild das letzte Wort haben muss? Im Zuge solch inkorrekter Denkweise setzt Berger mit großem Ernst den Wunderglauben wieder in sein angestammtes Recht, rehabilitiert die Volksfrömmigkeit und die Hierarchie der Männer in der katholischen Kirche und holt das Christentum aus der Kuschelecke. Er führt den Leser so nah an den Katholizismus heran, dass er einem bekennenden Protestanten sympathisch wird - selbst wenn er provokativ die Versuche des ökumenischen Abendmahls als "verfrüht" bestreitet.
Berger wäre gerne Priester geworden und erzählt freimütig von seiner katholischen Sozialisation, die nichts anderes denkbar werden ließ. Und oft wird sichtbar, dass er das Mönchtum für die eigentliche Lebensweise hält - verheiratet wie er ist. Seine Dissertation gefiel den Kirchenoberen nicht, so dass an ein Priesteramt nicht zu denken war. Als Wissenschaftler pflügt er nun den Acker der Schrift, um ihren Schatz zu heben. Und er hebt, ohne Scheu und ohne Scheuklappen.
Was die Gemüter erregen könnte: Er nimmt die Dämonen, selbst den Oberdämon Teufel ernst, weil er an die Kraft der Bilder glaubt, die hier spürbar ist. Psychologisierungen bekämpft er heftig. Lieber ist ihm ein demütiger Blick auch auf die dunklen Seiten Gottes, als dass er ihn verniedlicht oder ins warme Innere verlegt. Sola scriptura!
Überdies: Für Berger geht es immer "um Leben oder Tod". Glauben ist existenziell, der Erlösung steht die Verdammnis immer noch gegenüber. Erlösung in der Annahme von Gottes Liebe, Verdammnis in ihrer bewussten Verweigerung. Wobei die Hölle gesehen wird als Spiegel, in dem der Täter gezeigt bekommt, was er anderen antut - damit er von seinem Tun ablasse.
Ach ja: Ablasse - Bergers Kirche ist die römisch-katholische. Und sie ist in seinen Augen die allein seligmachende - auch wenn er das so nicht sagt. Er möchte mit dem selbstbewussten Beharren auf seinem Glauben den Dialog mit den konkurrierenden Religionen aufnehmen. Er fürchtet, dass ein schwammiges Gefühls-Christentum dem Ansturum des Islam nicht gewachsen ist, weil dessen gelebte Frömmigkeit bis jetzt einfach stärker sei. (Ein Gegenmittel gewünscht? Das Stundengebet wieder entdecken!)
"Schöne" Themen sind auch Jesu Stellung zum Geld und zur Anlage von Vermögen. Oder sein Umgang mit Frauen. Oder: Was taugt Jesus als Lehrer der Lebenskunst?
Neben solchen "modernen" Themen stehen klare Aussagen zur Leid-Thematik oder zum Tod und seiner Überwindung. Ein Stichwortregister erschließt das Ganze, aber ich habe das Buch von vorn bis hinten begeistert durchgelesen, wie ein verständliches Lebenswerk eben. Dabei stört (selten) die ein oder andere Wiederholung von offenbaren Lieblingsthemen des Heidelberger Professors.
Nein, hier wird kein Fundamentalismus gepredigt. Mit Berger kann man keine Kreuzzüge beginnen. Aber man kann sich bei ihm besinnen auf Gott.
Der Buchfink meint: Unbedingt lesen!
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65 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Muss man sich für 28 Euro so provozieren lassen?, 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Das Buch mit dem einfachen Titel "Jesus" hat 704 Seiten und kostet 28 Euro. Schon beim kurzen Blättern in der Buchhandlung war es ein Schatz, der geborgen werden musste. Es bietet dem Leser Antworten über Jesus an, die von Berger fundiert begründet werden, jedoch jederzeit Raum für eigene Gedanken lassen. Hier erzählt uns ein Autor, der sich Zeit seines Lebens mit Jesus befasste, seine Geschichte(n) von und über Jesus, als Theologieprofessor, als Seelsorger und als Mensch. Dabei hebt sich das Buch eklatant von sonstigen, mir bekannten Jesusbüchern ab: durch enorme Objektivität und Zeitlosigkeit. Objektivität, da ein unablässiger, ständiger und wortgetreuer Bezug zum Alten und Neuen Testament zitiert wird. Zeitlos, da sich Berger bewusst vom aktuell modernen Jesus trennt. Er bringt-gleich einem unerbitterlichen Chirurgen- dem Leser die Radikalität, Unberechenbarkeit und Größe Gottes nah. Dies provoziert und fordert heraus, macht aber auch deutlich: Berger redet keinem nach dem Mund und verficht nachhaltig seine Positionen, auch wenn sie für den Leser oft unbequem sind. Jesus ist Gottes Sohn und als solchen können wir ihn nicht nach unserem Holz zurecht schnitzen. Gott und Jesus sind im Gegenteil geheimnisvoll und oft genug nicht berechenbar. Wir können sie nicht "fassen". So kann man nicht einfach Passagen aus dem NT streichen, weil sie uns nicht ins Konzept, ins Leben passen. Heute streichen wir diese Passagen, weil sie gewiss nur nachträglich von christlichen Gemeinschaften dazugetextet wurden, und in 10 Jahren überlegen wir uns das ganze wieder anders herum. So kann man Jesus Auftrag verwässern und wird ihm in keinster Weise gerecht.
Das Buch ist übersichtlich in verschiedene Kapitel gegliedert, die gut zum Querlesen und wiederholten Lesen geeignet sind. Dieses Werk ist ein bedeutender Meilenstein der theologischen Literatur und muss meines Erachtens immer wieder hervorgeholt und studiert werden. Ich würde mir wünschen, jeder Katholik oder Protestant (Berger ist evang. Theologieprofessor) würde sich an Bergers Thesen reiben. Ein großes Buch! Vielleicht auch für Christen, die mal was anderes als Papst Benedikt lesen möchten?
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31 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch gegen den Mainstream, 20. Dezember 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Das neue Buch "Jesus" von Klaus Berger ist eines der ganz wenigen Bücher aus der Hand eines Theologen, das sich lohnt zu lesen. Berger stellt sich gegen die "theological correctness", nach der es heute nicht mehr erlaubt ist zu sagen. Jesus sei der Christus, der Sohn Gottes, das fleischgewordene Wort Gottes, der für unsere Sünden gestorben ist und von den Toten auferstand. Klaus Berger legt in einer aktuellen, dem modernen Menschen zugänglichen und sehr gut lesbaren Weise das dar, was die Kirche seit den Anfängen bei den Aposteln stets gelehrt hat. Gerade deshalb wird ihm von den ach so klugen Neutheologen vorgeworfen, er sei "unwissenschaftlich", "antiökomenisch" und "konstruktivistisch". Wer dieses Buch ernsthaft liest wird eines besseren belehrt und wird die Freude am Glauben, die ihm evt. von Hubert Halbfas und anderen Kritikern Bergers systematisch seit der Schulzeit ausgetrieben wurde, wiederentdecken. Ein mutiges Buch, dem man viel Erfolg wünschen kann. Besten Dank, Herr Berger.
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48 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jesus - populär, spannend, informativ, 14. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Klaus Berger ist nicht nur ein ausgewiesener Fachexeget, sondern Verfasser einer ganzen Reihe Bücher, die sich an die "interessierte Öffentlichkeit" wenden und wissenschaftliche Erkenntnisse populär machen wollen. Mit "Jesus" gelingt ihm das erneut.
"Jesus" ist kein wissenschaftliches Werk - Berger verzichtet auf allen wissenschaftlichen Apparat; aber schon allein die Vielzahl exegetischer Einsichten und Querverbindungen zeigt, daß dieser Autor seine Bibel kennt und sein Fach beherrscht. Berger versteht es, Alltagsprache zu sprechen, und wird manchem vielleicht sogar etwas zu flapsig.
Kritisch steht er dem modischen Kirchenbetrieb gegenüber, der um sich selber kreist und die Christenschafe vor den Zumutungen Jesu schützt. Er wehrt sich gegen jeden Versuch, die Gestalt Jesu auf den Erwartungshorizont des 21. Jahrhunderts zuzuschneiden - und plädiert dafür, sich von Jesus (und dem, was von ihm überliefert ist in Bibel und gelebter kirchlicher Tradition) überraschen zu lassen.
Immer neue Züge lässt er uns entdecken, teils in warmen, lyrischen Passagen, die das eigene Fasziniertsein nicht verbergen - bis er nach fast 700 Seiten die Frage "Jesus lieben?" beantwortet. Aber das mag jede/r selbst nachlesen.
Die Lektüre lohnt unbedingt - für Christen jeder Couleur und Konfession und für alle anderen, die eine wissenschaftlich fundierte, gut lesbare Hinführung zum Mann aus Nazareth suchen - und dabei auch noch Lesevergnügen haben wollen!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wohltuend erfrischende Abhandlung, 10. Mai 2011
Von 
Patrick Zäuner (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Wer hinter diesem schlichten Titel ein Buch über den immer friedlichen, kumpelhaften doch im Grunde eher harmlosen und uninteressanten Hippie erwartet, der gemeinsam mit einer Reihe an nichtssagenden Phrasen a la 'Jesus lebt' oder 'Jesus liebt dich' an Werbewänden und T-Shirts prangert, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Das Buch ist spektakulär; spektakulär wie der Gott, der vor zwei Jahrtausenden seine Kirche gegründet und die Menschheit vor die Wahl gestellt hat: Umkehr und Buße oder ewige Verdammnis.

Der Exeget Klaus Berger versucht einen unverstellten Zugang zu den Texten der Heiligen Schrift vorzustellen, insbesondere zum Neuen Testament. Dabei räumt er gründlich auf mit all den sophistischen Winkelzügen moderner Bibelforschung, die teils aus Bequemlichkeit, aus einem unreflektiert angenehm klingenden Bild der Tradition oder gar säkularem Unglauben heraus einzig auf weltanschaulich Passendes zurückgreift und anderes bestenfalls psychologisch, oder im Sinne der historischen Kritik als Metapher, abtut. So hält er 'die ideologieabhängige Verwendung historisch-kritischer Argumente ['] für ein besonders interessantes Kapitel der Forschungsgeschichte.' (S. 390) Zur Verdeutlichung, worum es bei der Lektüre des Evangeliums wirklich geht, heisst es in diesem Sinne: 'Über Jesus wird viel geredet, aber niemand weint um ihn. Man analysiert seine Worte, macht ihn zum Gegenstand der Christologie, des Bekenntnisses. Das ist alles Recht. Aber der Schlüssel ist die Klage. Bei Maria von Magdala wie bei Petrus.'

Der offene Blick auf die Evangelien legt dabei erstaunliche Erkenntnisse frei. Jesus bewegt sich nicht nur unter Sündern, er nimmt auch seine Gleichnisse und Lehren aus kriminellem Umfeld, beispielsweise wenn er das Verhalten eines betrügerischen Verwalters lobt. (Lk 16 1-7) Dabei entpuppt sich die christliche Botschaft auch nicht wie oft angenommen als altruistisch, sondern in realistischer Einschätzung des Menschen, der sich selbst verwirklichen will, als zielgerichtet auf das eigene Heil hin, wenn auch über den 'Umweg' liebender Selbstaufgabe: '' intelligente (Wirtschafts-)Kriminalität ist etwas, das Jesus rein formal (!) bewundert, weil es von Fantasie und Engagement zeugt. Und die wünscht sich Jesus für die Frage, wie das Leben angesichts Gottes aussehen könnte.' (S. 355)

Berger nimmt den Text der Bibel ernst. Das heisst, dass er auch jenseits unseres modernen naturwissenschaftlichen Horizontes mit der Möglichkeit göttlichen Eingreifens rechnet und entsprechende Texte nicht umzudeuten bereit ist. Nicht nur die zahlreichen von Christus durchgeführten Exorzismen erstaunen hier, sondern vor allem die Erkenntnis, dass im Grunde jeder, der ein Gebet in der Erwartung erhört zu werden ausspricht, in Konsequenz an Wunder glaubt. Zur Ernsthaftigkeit gehört auch ein konsequentes Bekenntnis, wie am Beispiel des Torwächters (Mk 13, 33.37) zu sehen ist. Von Christen wird Wachsamkeit gefordert, nicht 'ein wenig Bach (oder Sacropop), ein bischen Lebenshilfe' (S. 368), oder dergleichen. Es geht nicht darum, 'die Seele baumeln zu lassen', oder den östlichen Religionen entsprechend innerlich leer zu werden ' Wachsamkeit führt zu einer intensiven Wahrnehmung der Welt, zum geschickten und klugen Einsatz aller vorhandenen Talente.

Die Bibel beim Wort zu nehmen stellt in diesem Kontext kein Denkverbot dar nach der Art: 'Es steht so geschrieben, und darum muss man es glauben', vielmehr wird gefragt, was den Evangelist zu seinem Text bewogen hat. So stellt sich anhand der Auferweckung des Lazarus die Frage, wenn man sie entweder als völlig unhistorisch wegdiskutiert hat oder in ihr maximal eine Aufforderung sein Leben umzustellen sieht, 'wozu es dazu einer so ärgerlichen und umständlichen Geschichte bedarf, zu der man obendrein noch Exegeten braucht, die einem den Sinn eröffnen'. (S. 92) 'Der Exeget', so Berger, 'sollte die Sperrigkeit des sperrigen Textes verteidigen und dem "Hinbiegen" einen Riegel vorschieben.' (S. 38)

Mit einem verkitschten Jeusbild, wie es seit dem 19. Jhdt. in Mode gekommen ist, kann der Autor nichts anfangen. Durch die Beschränkung auf den liebenden Gott wird in der Verkündigung gern auf Texte verzichtet, in denen von Konsequenzen unseres Tuns die Rede ist, von der Gefahr des Scheiterns und der strengen Gerechtigkeit Gottes, ja sogar der Ungerechtigkeit, wenn er beispielsweise das Herz des Pharao verhärtet (vgl. S. 410ff). Künstlich wird ein Gegensatz zwischen dem Gott des Alten und Neuen Testaments geschaffen, der sich durch die Hl. Schrift nicht aufrecht erhalten lässt. Gott, so zeigt Berger, ist in erster Linie nicht lieb sondern heilig. Diese Heiligkeit ist allein durch die Kluft zwischen Schöpfer und Geschöpf beängstigend, jedoch nicht in lähmender sondern in anspornender Weise; Fremdheit schafft Respekt, erweckt aber auch Interesse. (vgl. S. 429ff)
Dazu verweist der Autor in einer kleinen Meditation auf Hiob (vgl. S. 370ff), bittet dabei aber nicht um Vergebung oder Sühne, sondern um ein Wegschauen ' um ein Lösen aus der Verantwortung, begründet auf die eigene Prozessunfähigkeit: Was könnte mehr Respekt vor dem Herrn oder gar größere Scham vor den Sünden ausdrücken?

Vorstellungen wie die von Menschenrechten oder gar eines Weltethos, lassen sich laut Berger nicht aus dem Neuen Testament ableiten. Er sieht die Heilige Schrift eher als ein Bekenntnis zur Liebe Gottes, in all seiner Exklusivität. Liebe und Geborgenheit verschenkt man nicht wahllos und gleichmäßig, sie hat eine Qualität der Wahrheit und so schreibt er: 'In der Liebesgeschichte sagt man: diese Frau oder keine. Und so geht es in der Bibel um diesen Gott oder keinen. Um diesen Jesus oder keinen.'

'Jesus' ist keine Christusbiographie, sondern setzt Leben und Wort Jesu in engen Bezug zu unserer heutigen Gesellschaft, wodurch es zu weitaus mehr als reiner neutestametlichen Exegese wird: Es ist eine Art Katechismus, der Fragen zu den Sakramenten behandelt, sich über biblische Aussagen zum regelmäßigen Kirchgang äußert, von der Eurcharistie und Beichte spricht, den Hintergrund von Votivtafeln erleutert, sich über das Verhältnis Christi zu Ehe und Familie auslässt, insbesondere im Hinblick auf Kinder, das Buch schneidet aktuelle Themen wie die Frauenordination, den Zölibat, Heilsgewissheit und Sünde an. Selbst zur deutschen Kritik an modernen Institutionen der Kirche wird Stellung genommen, wobei jedoch nicht die Amtsträger, sondern vor allem 'sehr etablierte Laien oder Berufschristen' (S. 453) im Fokus stehen. Bei all dem wirkt das Buch weder düster drohend, noch allzu leichtfertig, sondern macht Mut und weckt Interesse, sich mit Jesus als einer schillernden Persönlichkeit voller Witz und Weisheit, wie ihn die Evangelien schildern, auseinanderzusetzen.

Teilweise löst sich hierbei der enge Bezug zum schriftlich bezeugten Bild Christi, hin zu philosophisch-theologischen Überlegungen, vor allem bei modernen Themen wie der Theodizee, der Möglichkeiten Gottes in die Welt einzugreifen, oder der Frage nach Engeln und Dämonen. Wendet Berger im Anschluß seiner theoretischen Betrachtung den Blick wieder auf die Bibel, kommt er zu teils sehr überaschenden und für Christen ungewohnten Erkenntnissen. So schreibt er zum Rausschmiss der Händler aus dem Tempel: 'Jesus, sonst gegen Gewalt, übertritt hier die Moral wegen der Heiligkeit des Hauses Gottes. Er ist wütend und enttäuscht, weil die Größe Gottes verraten wird. Sein Ausbruch war nicht abgesprochen, nicht zu rechtfertigen, nicht moralisch. Und doch war er ein unvergessliches Zeichen. Rein moralisch hatten die Händler Recht. Gott ist aber mehr und weiter als unsere Moral. Sein Anspruch prallt oft genug mit dem zusammen, was wir uns als anständig zurechtgelegt haben. ['] Wir sollten nur nicht zu sicher sein, dass Gott selbstverständlich auf unserer, der politisch korrekten Seite steht. Das, was man Correctness nennt, ist längst an die Stelle der Zehn Gebote getreten.'

Bergers lebendige Sprache macht neugierig, sowohl auf die Heilige Schrift, als auch auf die immer wieder in Argumenten durchscheinende Kirchengeschichte. Wer dem Christentum gegenüber verschlossen ist, wird sich durch die Lektüre kaum bekehren lassen, doch für kirchlich Gebundene, die immer wieder Schwierigkeiten haben den äußeren Anfeindungen biblisch fundiert zu begegnen, oder für jene, die sich Laufe der Zeit immer weiter vom Glauben entfernt haben ohne ihn ganz verlieren zu wollen, ist das Buch genauso zu empfehlen, wie für Außenstehende mit redlichem Interesse an einer überzeugenden Darstellung des Christentums.

Als kleinen Nachtrag möchte ich zum Schluß auch ein wenig Kritik äußern, vor allem für jene, die meine bisherige Darstellung als allzu euphorisch empfinden:

Bei allem Anspruch auf eine klare und unverstellte Texteinsicht, geht Berger meines Erachtens an einigen Stellen zu weit. So empfiehlt er (natürlich) die eigene Schriftübersetzung (Berger/Nord), die sich in ihrem Versuch zeitgemäßer Interpretation geradezu im Gegenteil zur sonstigen Intention derartige Freiheiten erlaubt, dass sie den Originaltext oft nur Sinngemäß wiedergibt. (Textbeispiele finden sich im Kapitel Hermeneutik der Fremdheit)

Nicht jedermanns Sache ist zudem der Einbezug apokrypher Schriften, die den kanonisierten gleichwertig beigestellt werden.

Letztlich zeichnet Berger, der in einem eigenen Kapitel eine interessante und treffende Verhältnisbestimmung von Juden- und Christentum vornimmt, ein aus meiner Sicht zu idealistisches Bild des Islams.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch wie ein Samuraischwert!, 14. Dezember 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Ein provokativ-begeisterndes Buch über d a s zentrale Thema. Dem international anerkannten Wissenschaftler Klaus Berger gelingt etwas, was den meisten Gelehrten seiner Zunft unmöglich ist und bleiben wird: in glasklarem Deutsch, gewissermaßen 'face to face', dem Leser ein differenziertes
Jesus-Bild, fernab vom Geschwafele der Medien zu vermitteln. Er setzt sich dabei mit den von ihnen propagierten kursierenden Bildern und Verzerrungen Jesu auseinander - sachlich, aber
mit glühender Begeisterung für Jesus und seine Lehre.
Man vergleiche die Ehrlichkeit und Unprätentiösität dieses
Buches mit den theologischen Eitelkeiten Drewermanns oder Küngs!
Das hier ist - im Gegensatz zu Drewermanns Schrifttum - in erster Linie ein Buch über Jesus, dann erst - unter anderem - über den Verfasser; Berger hält allerdings nie mit ganz persönlichen Erfahrungen zurück, wo es ihm angemessen erscheint.
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32 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großartig, lesenswert, interessant, 20. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Ach und aber ach - da muß man sich dann jetzt wohl wirklich von seinem liebgewordenen Vorurteil trennen, das besagte: Theologie-Professoren sind gottlose Finstermänner, die durch die historisch-kritische Methode aus jungen Gläubigen verkappte Atheisten machen!
Das kann ja wohl so nicht stimmen. Denn dieser Autor ist ja schließlich auch ein Theologie-Professor. Und man man spürt in jeder Zeile, daß er Jesus nicht nur aus der Bibel kennt, sondern tatsächlich auch aus persönlicher Erfahrung. Er hat wirklich eine lebendige Beziehung zum Gegenstand seiner Forschung.
Das war die erste Überraschung. Die zweite war: Er läßt sich nicht einschüchtern durch pseudo-wissenschaftliche Dogmen, die beispielsweise besagen, Dämonen gäbe es nicht, und wenn die Bibel über Dämonen spräche, dann nur deshalb, weil man damals nichts über Geisteskrankheiten wußte. Klaus Berger nimmt und glaubt die Bibel so, wie sie ist. Ohne sich anzumaßen, er müsse sie korrigieren. Das ist einfach großartig.
Das einzige, was mir an seinem Buch nicht gefallen hat, ist Bergers These, Gott, der Vater Jesu Christi, sei identisch mit dem muslimischen Allah. Wer den Koran gelesen hat, der weiß: Allah hat keinen Sohn. Aber ansonsten: Ein wirklich großartiges Buch.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Jesusbuch vor dem Jesusbuch des Papstes, 23. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Klaus Berger, der wohl meistgelesenste Bibelexeget und Bibelvermittler im deutschen Sprachraum, Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Heidelberg und zusammen mit seiner Frau Christiane Nord vielbeachteter Übersetzer (Neues Testamentes und frühchristliche Schriften", 1. Aufl. Insel Verlag 1999), hat als lesbare Summa" seines wissenschaftlich-publizistischen Wirkens das 700-Seiten-Werk Jesus" vorgelegt. Die Bibel als Primärquelle für die Wahrnehmung Jesu soll fortan wieder fremd erscheinen", Salz" und Licht" für die Welt sein, obwohl kein anderes Buch so heftig von den Leuten zertreten" und verdunkelt wurde. Das, was andere einen Paradigmenwechsel" nennen wird bei Bergers unorthodoxer und dennoch wissenschaftlich abgesicherten Sicht der Bibelauslegung Wirklichkeit. Manche vermuten, schon vom Titel her, einen Anti-Bultmann, aber durch den Ansatz bei der Postmoderne" lässt der Autor solche einfachen polemischen Antithesen weit hinter sich. Im Gegenteil: ein Satz aus Rudolf Bultmanns noch vor der Entmythologisierungsdebatte verfassten gleichnamigem Buch Jesus" (1926), könnte heute auch von Klaus Berger stammen: Jesus ist weder dämonisch noch faszinierend. Es ist auch nicht von dem ewigen Wert in seiner Botschaft, den zeitlosen Tiefen der Menschenseele oder dergleichen die Rede." Was für den dialektischen Theologen Bultmann die Jesusbilder der liberalen protestantischen Theologie waren, die er in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zusammen mit Karl Barth und Erik Peterson auszuhebeln berufen war - leider bei ihm unter Absehen der historischen Verankerung des Offenbarungsgeschehens - , das ist heute für Berger der Jesuanismus der (angeblich!) historisch-kritischen" mainstream-Exegese des theologischen Establishment, das sich dann populär sowohl bei Rudolf Augstein, als auch (während Protestanten meist ein höheres Niveau der Bibelauslegung behalten) bei dissidenten Katholiken artikuliert. Berger hält sich an keine theological correctness", die zur spirituellen Langeweile und zur Entleerung von Kirchen und Fakultäten führte. Weihrauch gehört nach einem Berger-Diktum in die Liturgie, Durchzug und Entrümpelung dagegen in die Seminarien der Wissenschaft. In der Realität herrscht leider das Umgekehrte, was ja schon den Indienmissionar Franz Xaver zu seinen bekannten Aussprüchen über die Wissenseitelkeit europäischer Akademien brachte.

Bergers mit streitbarem Temperament, biographischen Verschränkungen" und zugleich liebevollem Einfühlungsvermögen verfasstes neues Buch, das sich jeder Fachgelehrsamkeit und dem üblichen Anmerkungsgepränge enthält, ist ein solcher Durchzug" im gängigen Theologie- und Bibel-Betrieb. Hier wird mit Karl Rahners Wort vom Christen als Mystiker" ernst gemacht, hier werden endlich mystische Fakten", die appellative Apokalyptik und die jesuanischen Zeichen und Wunder so wahrgenommen, wie sie immer gemeint sind, hier bleibt aber auch die Autorität der Sprache und des Textes bestehen vor aller relativierenden Hermeneutik. Dabei ist Bergers vielfach belegte exegetische Kompetenz und sprachliche Souveränität frei von Fundamentalismusverdacht. Wer solches argwöhnt, wird wahrscheinlich das Buch kaum gelesen, geschweige denn verstanden haben. Wie über aktuelle Fragestellungen wie Jesu Göttlichkeit, sein Verhältnis zum menschlichen Glück, zu den Frauen und zum menschlichen Leid geschrieben wird ist einfach glaubhaft, überzeugend und von Geist und Kraft". Auch politische Fragen, das Verhältnis zum Judentum, zur Kirche und zur Ökumene werden unter das Licht und Gericht des Nazareners gestellt. Viele geistliche Einsichten auch für die konkrete Lebensgestaltung kann die äußerst anregende Lektüre vermitteln. Sprühende Vergleiche und überraschende Schlussfolgerungen in einer überzeugenden Sprachform bieten sich in einer unerschöpflichen Fülle dar. Am Schluss finden sich faszinierende Kapitel über Jesus als Begleiter in Sterben und Tod, ein Dialog über irdisches und ewiges Leben" und die Liebe zu Jesus: Gegen große Vorzüge eines Andern gibt es kein Rettungsmittel als Liebe" (Goethe). Berger, der sein der Äbtissin Maria Assumpta Schenkl OCist in Helfta bei Eisleben gewidmetes Buch nur aus einer tiefen Betrachtung seines Gegenstandes schreiben konnte, rettet" sich als Zisterzienserspirituale am Ende in einen liturgischen Lobpreis: O rex gloriae Christe, veni nobis cum pace! - Christus, herrlicher König, komm und bring uns Frieden!". Sein Jesus" ist schon vielen ein Lieblingstitel", in jedem Fall ein Buchereignis, das bereits mehrere Auflagen erreichte und im Feuilleton großer Zeitungen kontroverse Aufmerksamkeit fand. Evangelische und katholische wissenschaftliche Theologie und Exegese sind nach ihm nicht mehr dasselbe, was sie vorher in ihrem beruhigten mainstream" waren. Auch darin besteht Bergers Parallele zu Bultmann. Möge der entstandene Durchzug" nicht nur Staub aufwirbeln, sondern vielen Jungen und Nachkommenden Mut machen, ihre Segel zu spannen!
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35 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein starkes Ja- Aber, 5. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Jesus (Gebundene Ausgabe)
Zunächst einmal: Ich bin evangelischer Theologe und komme von der von Berger so gescholtenen "historisch-kritischen Forschung" her. Insofern bin ich also befangen.

Und ich muss auch gestehen, dass ich die historisch-kritische Forschung vor über 30 Jahren, als ich anfing Theologie zu studieren, als eine große Befreiuung empfand. Man musste nicht mehr glauben, dass Jesus von einer Jungfrau geboren worden war, zwei Naturen besaß, Tote auferwecken und übers Wasser gehen konnte. Für all das gab es plötzlich Erklärungen. Das hat mir damals sehr viel weiter geholfen.

Ein paar Jahre später und ein paar Grade schlauer, habe ich aber festgestellt, dass die "Historisch Kritischen" einen an einem bestimmten Punkt ohne Antwort lassen. Wenn man alles abzieht, was sie als "Legende" oder "unhistorisch bezeichnen, dann mag man vielleicht den "historischen Jesus" haben, aber irgendwann wird man die Stimme des Kindes hören, die sagt: "Der Kaiser ist nackt." Irgendwann fragt man sich: Was soll ich mit diesem Jesus anfangen?

Dies alles hat schließlich dazu geführt, dass ich mich bei dem einen oder anderen Theologen aus der katholischen Richtung umgesehen habe. Ob es nun Zufall ist oder nicht, in den letzten Jahren haben mir Theologen, die am Rand der Katholischen Kirche standen, am meisten gegeben. Eugen Drewermann mit seiner psychoanalytischen Auslegung des Neuen Testaments, Hubertus Halbfas mit seiner Religionspädagogik, die die Symbolik der Bibel neu erschließt und jetzt auch der (halb)katholische Klaus Berger (falls es so etwas gibt.) Sein Buch jedenfalls ist stark katholisch geprägt, obwohl er doch evangelischer Professor für Neues Testament war.

Was mir an Bergers "Jesus" Buch gefällt ist, dass es vieles in Frage stellt, was bis jetzt in der evangelischen Theologie mehr oder weniger Dogma ist. Es sind zumindest intelligente Fragen, die der Autor stellt. Die Frage ist ja tatsächlich, was wir mit einem von allem Anstößigen gereinigten Jesus noch anfangen sollen. Und der Autor scheut sich auch nicht, seine eigene Betroffenheit einzugestehen. Das ist - zumindest für einen deutschen Geisteswissenschaftler -schon ziemlich ungewöhnlich. Er will ein Buch über den Glauben schreiben. Allerdings fallen viele Antworten dann doch wieder so aus, wie man sie aus konservativen christlichen Kreisen kennt. Mag ja sein, dass Gott größer ist als unsere Wirklichkeit, aber wenn man nicht einfach autoritär dekretieren will, dass der Mensch zu glauben habe, muss es ihm erlaubt sein, religiöse Phänomene zu hinterfragen. Und dann reicht der Hinweis, Jesus sei eben Gottes Sohn, für die Erklärung des Gangs über das Wasser, nicht aus. Da waren die, die von einer Geschichte gegen die Angst sprachen, schon einmal deutlich weiter.

Fazit: Berger hat stark angefangen, aber der große Wurf ist es dann doch nicht geworden.
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Jesus
Jesus von Klaus Berger (Gebundene Ausgabe - 21. Februar 2007)
EUR 18,00
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