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52 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Denkfehler der "modernen Exegeten"
Der Denkfehler, den Berger den "modernen Exegeten" klar nachweist, ist, dass sie die Bibel ausgehend vom Weltbild des 19.Jh. auslegen. Zu dieser Zeit dachte man noch, dass die Welt keinen Anfang hatte, alles periodisch wiederkehre, die Naturwissenschaft exakt kausal sei und Wunder per Defintion unmöglich seinen. All das glaubt heute kein Naturwissenschaftler mehr -...
Vor 18 Monaten von Seisenberger veröffentlicht

versus
13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Abrechnung
Klaus Berger bezeichnet sein Buch als einen "Aufschrei" und "planctus Germaniae" (Klage Germaniens) gegen die Verirrungen der deutschen Exegeten. Er rechnet mit seiner Zunft ab. Von dieser streitbaren und emotionalen Grundintention ist die Darstellungsform zu verstehen. Sie ist weniger systematisch als kompilatorisch angelegt, eignet sich daher zum Nachschlagen einzelner...
Vor 15 Monaten von A. Rieble veröffentlicht


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13 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Bibel - wahr oder an der Wahrheit vorbei ???, 3. Juni 2013
Von 
HEIDIZ "Bücherfreak" (Heyerode) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Die Bibel – das Buch der Bücher !!! Was ist wahr und was möglicherweise nicht? Das hat sich sicher schon der ein oder andere gefragt. Aber wie kann man das beweisen, ob etwas wahr oder falsch ist in diesem Fall?

Ich habe mich das auch schon oft gefragt und auch schon so die eine oder andere literarische Abhandlung gelesen. Nun ist mir ein weiteres Buch aufgefallen, welches ich für mich vom Titel und dem Rückentext als interessant und erhellend gewertet habe. Ich habe mich damit beschäftigt – und siehe da …. Ich fand es gut, was der Autor geschrieben hat, wobei man schon sagen muss, dass es kein Buch ist, welches man mal so zwischendurch liest. Hierauf muss man sich einlassen und auch die ein oder andere zitierte Stelle aus wissenschaftlichen Abhandlungen über sich ergehen lassen, was aber nicht negativ gemeint ist, sondern einfach ein Hinweis sein soll, dass dieses Buch viel Wissen vermittelt, sich komplex und detailliert, aber unbedingt sachlich und wissenschaftlich mit der Thematik auseinander setzt.

In jedem Fall ist es sowohl für Laien (privat interessierte Leser) und unbedingt auch für Theologen usw. interessant und aufschlussreich, wobei man sich gewiss immer auch selbst seine Gedanken machen sollte.

Der Autor wirft Fragen auf, prüft diese und beantwortet sie – soweit dies möglich ist, nachdem er umfassend und komplex recherchiert haben muss, da die Antworten für mich fundiert rüberkommen und nicht einfach so daher gesagt scheinen.

Denkfehler sind es, die Berger untersucht, Fragen stellt er, wie z. B.: War Maria wirklich Jungfrau? usw.
Er hinterfragt, er denkt nach und er recherchiert, er übt Kritik auf hohem Niveau.
Berger sieht Jesus nicht als „Übermenschen“, um dies mal ganz profan zu sagen, sondern als einen lebendigen Gott, mit Fehlern und Schwächen. Und er erklärt dies nachvollziehbar, verständlich und untermauert mit Fakten – provoziert mitunter auch, was mich als Leser bewogen hat, wirklich nachzudenken …

Leseprobe:
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Die Kindheitsberichte als Spielwiese radikaler Bibelkritik

Kindheit und Ostern – Voller Legenden

Die Position der Gegner: Die Kindheits- und Osterberichte sind voller Legenden.
Die Erzählung über die Entstehung Jesu ohne Mitwirken eines Mannes ist nach Ansicht des liberalen Rationalismus eine Legende. Dabei suggeriert der Ausdruck „Legende“, dass es sich jedenfalls nicht um sichere Tatsachen handelt, sondern um „Ausschmückung“ der Bedeutsamkeit einer Person.

Sed contra: Die Kindheitsberichte in Mt und Lk als Legenden zu bezeichnen ist ein Anachronismus, denn Legenden sind erbauliche Tischlesungen in mittelalterlichen Klöstern. Die Zeit Jesu kennt derartige Lesungen nicht, sondern stellt vor die Alternative, etwas entweder für ein eLügengeschichte (ironisch „wahre Geschichte“, so die Lügenmärchen bei Lukian, gest. um 240 n. Chr.) oder für einen (von Zeugen) mehr oder weniger gut bezeugten Erfahrungsbericht zu halten.
Für die Berichte „vom leeren Grab“ hat man auf der Seite der Gegner den Titel „Legende“ deshalb vorgesehen, weil Engel vorkommen (siehe oben) oder weil ein leeres Grab eine historische Tatsache wäre, die als historische Tatsache religiös nicht sein darf oder sein kann. Die Annahme solcher Tatsachen gilt geradezu als obszön, weil der Glaube eben nicht mehr Glaube wäre, verdankte er sich Tatsachen. So wie der Glaube ohne Werke sein muss, also keiner menschlichen Stützung bedürfen darf, so muss er auch unbedingt ohne historische Stütze auskommen. Andersfalls würde er allzu weltliches, bloßes „Wissen“.

Man sieht an Hand dieses Abschnitts, dass das Buch wahrlich keine leichte Lektüre mal eben so zwischendurch ist, aber diesen Anspruch erhebt das Buch auch nicht, denke ich – und so habe ich es auch gesehen. Der Autor erläutert und berichtet tiefgründig und detailliert.

Ich empfehle das Buch Lesern, die sich wirklich für die Thematik interessieren, aber auch Profis auf dem Gebiet, da es sich hier wirklich um eine – so finde ich – wertvolle Abhandlung handelt.

100 von 100 Punkten !!!
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13 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ut si Deus non daretur, 15. Juli 2013
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Das theologische Spektrum umfasst seit jeher Vertreter, die für eine eher allegorisch-philosophische Position stehen, solche deren Ausgangspunkt die lebendige, konkrete Gotteserfahrung und eine christozentrische Exegese ist, sowie gnostisch-mystizistische Strömungen – und natürlich eine Vielfalt zwischen all dem. Seit ihrer Entstehung im frühen 19. Jh. gewinnt jedoch die liberale Theologie mit ihrer eindimensional rationalistischen Textkritik in stetig wachsendem Maße an Einfluss.

Ein Versuch der Versöhnung eines ursprünglich neutestamentlichen Christentumsverständnisses mit dem liberalen, modernistischen Ansatz fand durch eine Kerygmatische Theologie in verschiedenen Ausprägungen – symbolisiert durch Karl Barth und Rudolf Bultmann statt. Beide sind durch Kierkegaard geprägt, bzw. durch ein Verständnis des dänischen Philosophen, wie es sich parallel im Existenzialismus entfaltete. Man hält in der Bibelexegese nach Sinnstrukturen Ausschau, um deren Verkündigung (Kerygma) es den Verfassern des NT gegangen sei. Die Frage nach dem historischen Kern (bspw. einer Wundererzählung) kann dabei außen vor bleiben.

In der Konsequenz läuft das darauf hinaus, dass zwei Theologen die gleichen „Sprachspiele“ verwenden können und doch völlig offen bleibt, ob dem auf Seiten des „Senders“ eine quasi poetologische oder eine konkrete, transzendente Bedeutung beigemessen wird. Deutlich wird dies „bestenfalls“ an der Wirkung auf den Zuhörer. „Exusia“ - Vollmacht und „Dynamis“ - die befreiende und erneuernde Kraft - wird der Verkündigung fehlen, wenn der Verkündiger nicht selbst von Gott ergriffen ist.

Was in den Kirchen durch gelichtete Reihen und schläfrige Augen sichtbar wird, hat zumind. einen wesentlichen Grund in den Hörsälen der Universitäten. Hätten neuerdings immer lauter auftretende neo-atheistische Eiferer, die – sicherlich nicht ganz zu Unrecht - gegen die staatl. Finanzierung der Theologenausbildung wettern, eine tiefere Kenntnis des Lehrbetriebs – sie würden wohl ihre diesbezügliche Meinung schnell ändern. Denn liberal geprägte theologische Mainstream – so der Autor des Buches – trug und trägt sehr effizient zur Zerstörung der Grundsubstanz christlichen Lebens bei. „Der Zustand der Kirchen auf evangelischer wie katholischer Seite ist zu einem nicht unwesentlichen Teil jener schonungslosen Zerstörung zu verdanken, die von den Bibelwissenschaftlern ausging.“

Dabei billigt Berger, selbst viele Jahre einer der herausragendsten Vertreter universitärer Theologie (Uni Heidelberg) und Autor zahlreicher Fachbücher, dem liberalen Standpunkt vom Grundsatz her durchaus Legitimität zu. Was jedoch einst – unter den Bedingungen einer La Placeschen Weltsicht - Ausdruck emanzipierten Denkens war, sei längst zum neuere Entwicklungen in allen Wissenschaftsbereichen ignorierenden Dogmatismus erstarrt. Ein fest im Sattel sitzendes akademisches Establishment biedere sich dem naturalistischen Zeitgeist an und mache zudem anders denkendem Nachwuchs den Zutritt zum Lehrbetrieb schwer. An den Unis bestehe ein „Zitier-, Berufungs- und Vortragseinladungskartell“.

Berger ist nicht grundsätzlich gegen den historisch-kritischen Ansatz. Dieser trägt in vielen Fällen zu einem besseren Verständnis der Bibeltexte bei, indem er den geschichtlichen Kontext erhellt, um Aspekte der Textkomposition (Formkritik) und der sprachlichen Deutungsmöglichkeiten bereichert usw. Der Hang alles ohne Notwendigkeit zu sezieren und anzuzweifeln hat jedoch auch eine unübersehbarer Fülle von Deutungsmöglichkeiten hervorgebracht. Da sich eine ganze Wissenschaft nur einer Schriftensammlung widmet, führt der in allen Sparten vorhandene Druck, mit Neuem aufzuwarten und sich zu profilieren, zudem zu immer fantasievolleren Konstrukten.

„Das Ausscheiden vermeintlich unechter Jesus-Worte hat das Neue Testament zerklüftet […] Das angeblich Unechte ist in Wirklichkeit meist das Ungeliebte“, so Berger. Die Echtheitsentscheidung sei in einem „hohen Grade abhängig von Mode, Geschmack, Konfession und Zeitgeist“.

Dabei war der Umgang mit der Bibel bzw. der Textsammlung, die im Laufe vieler Jahrhunderte zur Bibel heranreifte - von Außenseitergruppen abgesehen - nie unkritisch. Schon der Kanonisierungsprozess ging mit Textkritik einher. Es gibt eine Fülle von Wundererzählungen, Legenden, erbaulichen Schriften im Umkreis der jüdisch-christlichen Basistexte, die nicht als "Wort Gottes" identifiziert wurden. Auch ist ein allegorischer Ansatz alles andere als neu. Bereits die Propheten reden in Metaphern. Jesus selbst bekundete, in der Öffentlichkeit v.a.in Bildern zu reden. Paulus deutet alttestamentliches Geschehen wiederholt als "typologische Vorschattung" zeitgenössischen und endzeitlichen Geschehens. Dies setzt sich bei den Kirchenvätern, in der Scholastik usw. fort.

Grundsätzlich, so der Autor, seien die Texte so glaubwürdig wie nur Weniges in der Altertumswissenschaft. Die Zweifel an der Existenz Jesu, eine Zeit lang ebenfalls en vogue, haben denn auch längst an Überzeugungskraft verloren. „Über keine andere Persönlichkeit der Antike sind nach ihrem Tod so schnell und so zahlreich Biografien entstanden wie über Jesus. Neben den vier Evangelien gibt es 68 weitere Evangelien, die keine Aufnahme ins Neue Testament fanden, aber auch nicht völlig wertlos sind. Diese Vielfalt an Berichten ist in der Antike einmalig!“ Dazu kommen neuere Forschungsergebnisse. Früher meinte man, das Johannes-Evangelium sei Ende des 2. Jh. entstanden. Inzwischen fand man in Ägypten Papyrustexte, die um 120 entstanden sein müssen. Es gibt die Tendenz, die Verfassung der Evangelien vor der Zerstörung Jerusalems 68 anzusiedeln. Wenn dem so ist, lebten Zeitzeugen Jesu also noch und man konnte nicht einfach irgendetwas verbreiten.

Während selbst die wohl elitärste Vereinigung von Top-(Natur-)Wissenschaftlern - die amerikanische NAS - kein Probleme damit hat, in offiziellen Statements zur Kompatibilität von Religion und Wissenschaft die Möglichkeit der Existenz von "supernatural forces or entities" einzuräumen, verrenkt sich die universitäre Theologie bei dem Versuch, bestimmte Bereiche der Transzendenz zu retten, während sie andere in das Reich der Legenden verlagert, da man sie natürlich keinem aufgeklärten Menschen mehr zumuten könne. So seien alle Inhalte der Evangelien, die „Übernatürliches“ beinhalten, „nachösterlich“ entstanden. Berger spricht von einer ständigen Verbreiterung des „Ostergrabens“. Den Schock und die Niedergeschlagenheit über den Tod Jesu hätten die Jünger aus liberaler Sicht mit einer Mystifizierung der Person Jesu zu kompensieren versucht. In den „vorösterliche“ Textpassagen begegne man noch am ehesten dem historischen Jesus, der sich nie als Messias gesehen hätte; seiner Ethik und Theologie, seinem Engagement und Reformgeist. Alles Nachfolgende hingegen sei Verklärung. Besonders gilt das natürlich für die Wundergeschichten. Berger hält dem entgegen: "Das alles […] lässt sich nicht so erforschen und bedenken, 'als gäbe es Gott nicht', so weit reichen unsere Argumente hinsichtlich der neutestamentlichen Autoren. Ihr Maßstab war die unbezweifelte Existenz Gottes. Insofern sind die neutestamentlichen Autoren auch entlastet, weil sie offenkundig nicht schreiben, um zu betrügen, sondern eben weil die Wirklichkeit Gottes sie erreicht und umgekrempelt hat."

Auch die Kindheits- und Passionsgeschichten sind Gegenstand des Fundamentalzweifels. Dabei wird als herausragendes Indiz der Unglaubwürdigkeit kontinuierlich bereits angesehen, dass eine tatsächliche Übereinstimmung mit den alttestamentlichen Aussagen über den kommenden Messias besteht. Das ist natürlich ein recht merkwürdiger Argumentationsgang. Würde man diesem Ansatz generell folgen, müsste die Geschichte an sehr vielen anderen Stellen – allen historischen Befunden zum Trotz – umgeschrieben werden. Bethlehem, Hebron, Aleppo, Jerusalem werden im AT Segen oder jedenfalls Bestand verheißen. Tatsächlich gibt es sie immer noch. Aschkalom (Jeremia 47, 5), Babylon (Jesaja 13, 22), Theben, Memphis (Hesekiel 30, 13), Ninive (Nahum 2), Samaria (Micha 1, 6) wurden Gericht und Untergang zugesprochen. Sie sind heute Ruinenstädte. Nicht etwa weil fromme Archäologen sich das zusammenreimen, sondern weil es wirklich so ist.

Den mächtigen Assyrern und dem glorreichen pharaonisches Ägypten wird der Niedergang voraus gesagt. I.d.T. haben sich diese Reiche, ihre Kultur und Religion für immer aus der Weltgeschichte verabschiedet. Nicht so das kleine Israel mit seiner Kultur und Religion. Auch Israel wird von Zerstörungen und Vertreibungen heimgesucht werden, am Ende aber doch – wie vorhergesagt - einen Neubeginn erfahren (Vgl. bspw. Hesekiel 28, 25-26). Israels allen Verfolgungen und Anfeindungen zum Trotz erfolgte Staatsgründung 1948 ist ebenfalls keine Legende fundamentalistischer Juden, die im Nachhinein alttestamentliche Prophetien rechtfertigen wollen, sondern eine historische und politische Tatsache.

Man mag einwenden, dass Ergebnisse von Ausgrabungen ein völlig anderes Gewicht haben, als die Berichte der Evangelisten. Das angewandte Prinzip wird dadurch nicht überzeugender. - Das AT redet davon, dass der Gesalbte Gottes in Bethlehem zur Welt kommen würde. Folglich, so die liberale Logik, müsse Bethlehem als Geburtsort Jesu wohl erfunden sein. Dazu kommt, dass Jesus als der gilt, der aus Nazareth kommt. Berger wendet hier ein, dass er selbst auch in Hildesheim geboren sei, sich aber stets als aus Goslar stammend bezeichnet hätte – eben weil er dort aufgewachsen ist.

Auch der Kindermord des Herodes gilt als Legende. Berger hält dem entgegen: „Herodes hatte einen schlechten Ruf und war für seine Grausamkeit bekannt. Dass mögliche Nachfolger aus dem Weg geräumt werden, gehört zum Alltagsgeschäft von politischen Tyrannen – und das gilt bis in unsere Zeit. Die Anordnung des Kindermordes aus Angst vor dem Machtverlust ist keine Propaganda des Evangelisten Matthäus, sondern ist sehr plausibel.“

Bei dgl. handelt es sich um im Grunde – für die eigentl. christl. Botschaft - unwesentliche Dinge. Ans Eingemachte geht es jedoch, wenn theologische Kernaussagen von elementarer Bedeutung nicht mehr verstanden werden. Dies ist bspw. der Fall beim Themenkomplex „Gesetz und Gnade“, an dem sich Generationen liberaler Theologen vergeblich abgearbeitet haben. Da man außerstande ist, sich auf die Denkvoraussetzungen der Verfasser der betreffenden Texte wirklich einzulassen, sieht man Widersprüche, wo gar keine sind und versucht diese wiederum über das Postulat unterschiedlicher Autoren (in diesem Fall v.a. die Paulusbriefe betreffend), verschiedener Denkrichtungen („Siegestheologie“ des Lukas, „Kreuzestheologie“ des Paulus) usw. aufzulösen. Dabei sind hier keinerlei intellektuelle Klimmzüge von Nöten – sehr einfache Menschen, insbes. auch solche die aus einem nicht-christlichen Hintergrund heraus dem Evangelium begegnen, verstehen den Zusammenhang oft sofort: Jeder Mensch weiß um den Anspruch, der sich in seinem Gewissen manifestiert. Und er weiß, in welchem Maße er auf dem Weg der Moral daran scheitert. Die Gnade reißt die Mauer der Schuld zwischen Gott und Mensch nieder und ermöglicht so den Eintritt in eine Gottesgemeinschaft die sich zutiefst befreiend auswirkt und den betreffenden Menschen von innen her positiv verändert.

Schwierigkeiten hat man selbstverständlich auch mit anderen zentralen, im NT geschilderten Ereignissen – Jungfrauengeburt, leibliche Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten. Hier wie in Bezug auf viele andere Stellen sucht man auch nach Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit den mythologischen Überlieferungen der miteinander in Kontakt stehenden Stämme und Völker des vorderorientalen bzw. mediteranen Altertums und kommt zu dem Schluss, dass sich die Schreiber der Bibel ausgiebig aus dem ihnen zugänglichen Pool religiöser Motive bedient hätten: Erschaffung von Welt und Mensch etwa seien ähnlich schon bei den Sumerern und Ägyptern beschrieben. Ursprüngliche Paradiesvorstellungen und Sintflutberichte finden sich in zahlreichen Kulturen, einer der letzteren schriftlich aufgezeichnet zuerst im Gilgamesch-Epos. Der Regenbogen gilt auch in anderen Kulturen als Bundeszeichen zwischen himmlischer und irdischer Welt. Der Turmbau von Babel findet bereits bei den Sumerern Erwähnung. Auch die Aussetzung des künftigen Retters (Moses) als Kleinkind im Korb auf einem Fluss sowie seine Auffindung durch die Tochter des Herrschers (Pharao) sei kein singulär israelisches Motiv. Etc. etc.

Für das NT ist der Verweis auf den griechischen Herakles-Mythos sehr populär. Auch dieser Heros sei eine ersehnte Rettergestalt, Sohn der Götter, verfolgt, geprüft und versucht, ein rastloser Helfer, am Ende ein Überwinder, der, nach einem Besuch im Totenreich zu guter Letzt in den Olymp der Götter erhoben wird. Wie in Bezug auf andere Texte gilt jedoch auch hier: Der Bericht über Leben und Wirken des Jesus von Nazareth und der Herakles-Mythos könnten bei genauerer Betrachtung - was die wesentlichen Züge betrifft – verschiedener kaum sein. Vom Intrigenspiel der griechischen Götter im Hintergrund einmal abgesehen - Herakles ist ein Held und Kämpfer der quasi durch sein „Übermenschentum“ bestechen möchte und mit den zwölf ihm als Buße dafür, dass er im Wahn Frau und Kinder erschlagen hatte, auferlegten Arbeiten unglaubliche Herausforderungen besteht.

Das besondere in Jesu Leben ist dagegen seine Integrität, sein aufopferungsvoller Einsatz für Kranke, Schwache, Arme, Besessene, Gefallene, Ausgegrenzte, seine furchtlose und vollmächtige Konfrontation der Selbstgerechten und in sozialen Belangen gewissenlosen, der Reichen und Mächtigen. Er wirkt gerade nicht selbstherrlich aus eigener Kraft, sondern vertraut der Hilfe und Leitung des Vaters im Himmel. Er siegt nicht durch physische oder politische Überwältigung derjenigen, die ihm entgegentreten, sondern indem er sich selbst bzw. seiner Berufung treu bleibt und allen Anfeindungen zum trotz den Weg der Nächstenliebe geht. Dies kostet ihm schließlich das Leben.

Kreuz und Auferstehung haben jedoch auch noch eine weit tiefere Bedeutung: hier stirbt der Sündlose für die Sünder. Gott selbst nimmt die Strafe für die Verfehlungen der Menschheit in seinem Sohn auf sich. Der Heraklessche Besuch im Totenreich, von dem sich nach Meinung mancher Gelehrter, die ersten Jünger hätten inspirieren lassen, hatte das Ziel – im Rahmen der letzten Bußauflage den dreiköpfigen Hund Zeberus „heraufzuholen“. Herkules stirbt schließlich indem er sich – als er im Zuge eines Eifersuchtsdramas vergiftet von unerträglichen Schmerzen gepeinigt wird – selbst das Leben nimmt. Die Götter nehmen ihn zu sich. Die Griechen verehren ihn als Helfer in allen Lebenslagen, die Römer dann als Gott des Handels.

Genauso gut bzw. schlecht ließen sich letztendlich Parallelen zum indischen Ramajana oder zum Kult um die alt-chinesischen Stadtgottheiten ausmachen. Es ist wie mit vielen anderen Dingen, Phänomenen und Prozessen in der materiellen, geistigen und sozialen Sphäre auch: aus großer Distanz betrachtet, erscheint vieles ähnlich; erst aus der Nähe werden die tiefen Unterschiede sichtbar.

Viele weitere exegetische Probleme werden von Berger angesprochen. Wie bspw. Jesu Aussage in Mk. 9, 1 über das nahe Kommen des Gottesreiches einordnen? Berger weist hier auf einen möglichen Bezug zur nachfolgend geschilderten Verklärung Jesu hin. Fast naheliegender erscheint jedoch – in Entsprechung zu Joh. 16, 7 – das Pfingstereignis. – Hat Jesus tatsächlich das Vaterunser gebetet und gelehrt. Nein sagt die gängige Theologie – dies passe nicht zum sich durch viele andere Stellen vermittelnden Bild von der Gegnerschaft Jesu gegen alles Rituelle. Berger stellt hier einen Bezug zu Matth. 6, 7 her – Jesus mahnt, „nicht zu plappern wie die Heiden“. Im folgenden gibt er ein Beispiel für authentisches, wesentliches Gebet. Ein „rituelles“ Vaterunser wurde erst im Laufe der Kirchengeschichte daraus.

Nun ist es natürlich tatsächlich so, dass manche Sequenzen in AT und NT widersprüchlich erscheinen, beliebte Bsp. sind hier die unterschiedlichen Schöpfungsberichte in Genesis, Jesus-Stammbäume in den Evangelien, die unterschiedlichen Darstellungen der Aussage Jesu über die Zeit bis zur Auferstehung (2 oder 3 Tage). Nicht selten bieten sich in solchen Fällen durchaus plausible Erklärungsmöglichkeiten an, doch wie immer dem auch sei: Für die meisten Christen, so darf man sicher festhalten, war dergleichen kaum je geeignet, die Aussagekraft der Bibel in Frage zu stellen. Luther nahm sich durchaus die Freiheit, von einer unterschiedlichen geistlichen bzw. theologischen Tiefe der einzelnen biblischen Bücher zu reden. Dennoch konnte er der katholischen Kirche, die dem Leitfaden der Schrift stets die Tradition zur Seite stellte, sein „Solo Scriptura“ entgegenhalten. N. L. von Zinzendorf, eine herausragende Gestalt des Pietismus, Gründer der Herrnhuter Brüdergemeinde, ein Zusammenschluss von Christen, von deren Authentizität und menschlicher Qualität der Dichterfürst Goethe so tief beeindruckt war, dass er später in seinen Lebenserinnerungen festhielt, dass er sie „herzlich lieb“ gewonnen hatte und „es nur an ihnen gelegen hätte, ihn zu einem der ihren zu machen“, redete bereits zu einer Zeit, als es den historisch-kritischen Ansatz in der universitären Theologie noch nicht gab, ganz offen von „Fehlern und Ungereimtheiten“ und erörterte diese sogar in Gemeindeversammlungen. „Es ist eine unverantwortliche Torheit, die Bibel so auszukünsteln, dass man wider allen Sinn und Verstand glauben soll, dass sie gelehrt, zusammenhängend, nach unserer Art methodisch geschrieben sei; da doch ihr göttlicher Geist und Leben in die Gestalt und Form eines miserablen Hirten-, Fischer- und Visitator-Stil […] eingewickelt ist“, schreibt er 1742 in „Theologische Bedenken“.

Dennoch ist Zinzendorf auch der Mann, der rastlos und mit großer Begeisterung das Evangelium verkündet, und unzähligen Menschen zum Glauben an Jesus Christus und einem befreiten Leben in der Orientierung am lebendigen Wort der Schrift verhilft. Seit mehr als einem Viertel Jahrtausend werden weltweit die auf ihn zurück gehenden Losungsheftchen gelesen.

Die Verfasser der biblischen Schriften selbst behaupten ebenso an keiner Stelle, absolut perfekt und widerspruchsfrei zu sein. „Jede Schrift ist von Gottes Geist eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke ausgerüstet“, heißt es vielmehr in 2. Timotheus 3, 16-17. Verfasserfragen, form- und redaktionsgeschichtliche Hintergründe, zeitliche Zuordnungen, vermeintliche oder tatsächliche Fehler und Widersprüchlichkeiten in im Grunde marginalen Aussagen – dies alles tangiert die hier beschriebene „Funktion“ der Schrift in keiner Weise, denn es geht ihr nicht um historische oder naturkundliche Exaktheit bzw. Wissensvermittlung.

Auch Berger geht es sicherlich nicht darum, sämtliche vermeintl. od. wirkliche Ungereimtheiten der Bibel mit Macht weg zu erklären. Er macht jedoch deutlich, dass sich der Sinn der biblischen Botschaft nur dann erschließt, wenn man sie als Ganzes betrachtet und nicht nach weltanschaulichem Gusto Inhalte selektiert. Gäbe es keine Erlösung, die sich im Hier und Heute des einzelnen Menschen manifestieren kann und keine Gewissheit in der Gotteserfahrung, die den Menschen auf eine völlig neue Existenzebene erhebt, wäre die christl. Botschaft genau das, was viele ihrer Gegner ihr vorwerfen: ein Gedankensystem, das wider alle menschliche Erfahrung Geltung beansprucht, das den Menschen die Krankheit erst einredet, die sie zu heilen vorgibt; ein überforderndes Moralsystem, das Lebendigkeit eher erstickt als freisetzt.

Bergers Buch ist hoch interessant; die Reaktionen darauf sind es ebenso. Die Kritik ist entweder wohlwollen oder betrifft – wo sie eher negativ ausfällt – eine vermeintlich überzogene Kritik Bergers an der kreativen Vielfalt wissenschaftlichen Denkens und Forschens. Nirgends werden jedoch Bergers Standpunkten konkrete Fakten entgegen gesetzt, diese gar als widerlegt oder illegitim dargestellt. Einmal mehr wird deutlich, welche Diskrepanz oft zwischen der selbstgewissen Außendarstellung des „Forschungsstandes“ verschiedener Wissenschaftssparten und dem, was wirklich als Fundus gesicherten Wissens gelten kann, besteht.
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10 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein solches Buch war längst überfällig, 2. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Mit welcher Selbstsicherheit Exegeten ihre Hypothesen als Fakten darstellen, ist mehr als ärgerlich. Ein Grund wird sein, dass man sich im Hinblick auf die Naturwissenschaften keine Blöße geben will. Die Exegese wird als angepasste Wissenschaft betrieben, die letztlich die Theologie verrät. - Naturwissenschaft und Theologie sind heute jedoch keine Gegensätze mehr.
Hierzu ein Zitat von Prof. Harald Lesch, Astrophysiker:
Die größte Erkenntnis der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts ist die, daß wir nichts erklären können
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Fromm und mit Verve geschrieben, 13. September 2013
Von 
Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Professor Klaus Berger hat in diesem Buch wiederum seine Art zu schreiben (und theologisch zu parlieren) aufgezeigt, wieder einmal mehr das herausgearbeitet, was ihm am Herzen liegt: die doch spürbare Sicherheit all dessen, was einem Frommen möglich ist zu denken, zu fühlen.
Das ist, man verstehe mich bitte nicht falsch, keine frivole Unterstellung von mir, das meine ich ernst.
Und dieser Autor und bekannte Theologe ist jetzt in einem Alter, wo er sich die Freiheit nimmt, so zu reden (und zu schreiben) wie er will. Das ist sein Recht und das Alter und die Erfahrung, die er im Leben gemacht haben wird, geben ihm Zunder.
Erst einmal aber glaubt man beim Einlesen, jetzt ginge es um Wahrheit, um Wahrheit im Sinne der Aufklärung, aber es geht zurück zum hohen Mittelalter etwa, zu Nikolaus von Kues zum Beispiel, über den man sich doch einmal als Laie näher informieren sollte. Und es geht - einmal ist man direkt begeistert, dann wieder etwas enttäuscht - mal so, mal so im Buch weiter.
Frage also jetzt: Sollen wir die historische Arbeiten der Exegeten der letzten hundert Jahre etwa zur Seite legen und nur der Mutter Kirche, der katholischen insbesondere, Glauben schenken? Oder soll man beides tun, also kritisch bleiben und trotzdem (gelegentlich schmunzelnd!) gläubig sein, weil es doch so schön ist manchmal, manchmal, bei Weihrauchduft und Orgelgebraus, bei Chorgesang (dem auch ich, ich gesteh`s, mit Stimme und Herz gelegentlich mich zugeselle)?
Wie nun, Herr Professor, historisch sein oder einfach besser nur gläubig? Oder doch lieber beides im Blickfeld haben, aber mit dem Anspruch auf etwas mehr Ehrlichkeit in Zukunft, die dem echten, dem kindhaften, dem ehrlichen Glauben keinen Abbruch tun wird.
Ja, die Kirche ist gefragt heute, und zwar oben, ganz oben in ihrem Lehramt, in ihrer ehrfürchtigen, ihrer historischen Gegebenheit, die sie uns schuldet seit zweitausend Jahren fast.
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28 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kredit, 6. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Ich schließe mich der Aktion und "Rezension" von Heinerich an, um hier bewusst zu den beiden ersten Negativbeiträgen ein weiteres Gegengewicht zu setzen. Dies ist keine Rezension zu Klaus Bergers neuestem Buch.

Klaus Bergers neuestes Buch heißt "Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden". Die Rezensionen von Marion Roediger und Frank Stefani sind keine und verdienen den Titel "Die Rezensionsfälscher: Wie etablierte Fachautoren und Ihre Publikationen vor dem Erscheinungsdatum wissentlich verunglimpft werden".

Dies sind nichts als miese und negative Machenschaften. Hier will man einem anerkannten deutschen Theologen kräftig eins vor den Bug knallen und sich dabei nichts als wichtig tun. Warum? Nur weil man Bergers Standpunkte nicht aushalten kann?

Klaus Bergers neuestes Buch verdient 5 Sterne auch bevor es von mir gelesen wurde. Berger ist in diesem Sinne für mich absolut und in vollem Umfang kreditwürdig. Ich habe viele Bücher von ihm mit Genuss und Faszination gelesen. Alle haben mir viele Einblicke geschenkt und mich viel, viel lernen lassen. Berger ist sicher streitbar, aber man kann und darf seiner Kompetenz vertrauen und deswegen seinen Standpunkt a priori gelten lassen. Personen, die Rezensionen von Büchern vor deren Erscheinungsdatum veröffentlichen - also folglich ohne das Buch gelesen haben zu können - handeln unredlich.

Ich bin mir ganz sicher, dass ich diesem Buch - wenn ich es denn bald gelesen haben werde - hier 5 Sterne geben werde. Schon als Dank für Bergers grandiose Lebensleistung.

Inzwischen warte ich gespannt auf die ersten wahren und echten Rezensionen zu "Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden", von Menschen, die das Buch wirklich gelesen haben und es deswegen bewerten dürfen.
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5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Wenig Substantielles vom Fachmann - der traurige Zustand der Theologie in Deutschland, 1. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe das Buch in froher Erwartung gekauft, da ich davon ausging, dass ein ausgewiesener Fachmann und Konvertit fachmännisch, fundiert und substantiell über die Verirrungen und Verwirrungen der Exegese der letzten zwei Jahrhunderte "vom Leder ziehen" wird. Doch das Buch ist argumentativ derartig durftig und der apologetische Gehalt dermaßen mager, dass es für einen Interessierten wirklich wenig Brauchbares bietet. Vielleicht hat der jahrelange "Bibelmissbrauch" möchte man fast sagen oder das gebildete Nichtssagen, welches man als Exegese bezeichnet dermaßen Tiefe Spuren im Autor hinterlassen, dass er, wenn er auch will, nicht kann? Stilistisch erinnert das Buch an lockere Vortragsnotitzen zu einem Gespräch am Theologenstammtisch. Beim Aufbau vermißt man die Struktur, das Woher und Wohin. Vielleicht gilt diese Inhaltlosigkeit und Formlosigkeit in Exegetenkreisen als normal, aber für Menschen, die aus anderen Fachrichtungen kommen, ist dieser Stil kaum zumutbar. Auf die Fragen, welche sich wohl jeder Leser stellt: Ist die Bibel tatsächlich die Offenbarung Gottes? Wie wörtlich muß man sie nehmen? erhalten wir wieder einmal keine Antwort.

Klaus Berger in Ehren, aber man sieht ihm leider die fehlende katholisch-theologische Bildung an und zwar das Fehlen der philosophischen, darunter der logischen und apologetischen Schulung, denn als Protestant fing er ja gleich mit der Exegese an, Diese Prägung wirkt leider nach, da der Autor leider außer Stande ist Bibelwissen ab ovo zu vermitteln oder mit seinem Insiderwissen zu glänzen. Leser die eine biblische Antwort auf Ratzingers "Einführung in das Christentum" erwartet haben, werden enttäuscht sein. Vom Kauf ist abzuraten und ich bin ein wenig erstaunt, dass der Verlag dem Autor so etwas durchgehen ließ, wennauch das Buch, wahrscheinlich aufgrund seines reisserischen Titels, sich gut verkauft.
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31 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mit Volldampf zurück, 1. August 2013
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Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Berger hat in früheren Publikationen Großes geleistet. Aber die „Bibelfälscher“ habe ich schon nach kurzer Zeit enttäuscht aus der Hand gelegt. Denn in diesem Buch tut der Autor genau das, was er seinen Gegnern vorwirft (Psychologen würden sagen: in unbewusster Projektion): Ausgehend von unhinterfragten dogmatischen Vorurteilen macht er zuerst einmal sich selbst etwas vor, um sodann auch seine geneigten Leser hinters Licht zu führen und sie um die Wahrheit (bescheidener gesagt: die historische Wahrscheinlichkeit) zu betrügen. Wobei sich der Großteil seiner Leser offenbar mit Wonne betrügen lässt, wie die Mehrzahl der Rezensionen zeigt. Denn es ist nun einmal so, wie der Journalist Wolfgang Bok unlängst bemerkt hat: Die meisten Menschen suchen nicht nach der Wahrheit, sondern nach Bestätigungen für ihre gewohnte Sichtweise. Wer sich erst einmal zu etwas bekennt, rückt nur ungern wieder ab von seinem Standpunkt.

Drei Beispiele dürften genügen, um Bergers haarsträubend unwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise in seinem neuen Buch aufzuzeigen.

Beispiel 1:
Im bewussten Gegensatz zu so gut wie allen seriösen Neutestamentlern behauptet Berger, der 1. Petrusbrief – wie das ganze Neue Testament in griechischer Sprache verfasst - sei vom Apostel Petrus geschrieben worden. Bergers Begründung: „Ohne Griechischkenntnisse hätte man im »Galiläa der Heiden« zur Zeit Jesu noch nicht einmal ein Brötchen kaufen können.“
Nun ist ohne Weiteres zuzugeben, dass Petrus, der Fischer vom See Genezareth, vielleicht ein bisschen Umgangsgriechisch gekonnt hat. Aber was beweist das schon? Viele Italien-Urlauber können genug Italienisch, um in Italien Brötchen und andere Lebensmittel zu kaufen. Aber sie wären nie und nimmer in der Lage, einen Brief auf Italienisch zu schreiben oder zu diktieren!

Was Berger verschweigt: Der 1. Petrusbriefes enthält keinen einzigen Hinweis darauf, dass sein Verfasser etwa aus Galiläa stammte, etwas von Fischerei verstünde oder Jesus persönlich gekannt hätte. Stünde „Petrus“ nicht als Absender darüber, käme bestimmt niemand auf die Idee, gerade ihn als Verfasser zu vermuten. Und was er zu sagen hat, setzt offensichtlich eine fortgeschrittene kirchliche Entwicklung voraus. Die Hauptprobleme der frühesten Christenheit interessieren ihn nicht mehr (Verhältnis zum Judentum, Geltung der Mose-Tora usw.).

Beispiel 2:
Markus 9,1 lautet in der Einheitsübersetzung: „Und er [Jesus] sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in (seiner ganzen) Macht gekommen ist.“

Berger behauptet – und auch damit steht er allein auf weiter Flur – , diese Prophezeiung habe sich unmittelbar darauf in der Verklärungsgeschichte erfüllt (Markus 9,2-13). Zitat: „Reich Gottes und Gotteskindschaft Jesu sind in Mk 9 miteinander verschränkt. Das geschieht, indem das Reich Gottes keine Theorie bleibt, sondern sich »in Macht« zeigt, nämlich in der Verklärung…“
Wer Augen im Kopf hat, sieht sofort, dass es sich hier um eine reichlich willkürliche Behauptung handelt. Die „Begründungen“, die Berger dann noch anfügt, überzeugen mich schon gar nicht. Sie wirken gekünstelt und sehr weit hergeholt.

Was Berger verschweigt: In Markus 9,2ff geht es überhaupt nicht um das Reich Gottes, weder begrifflich noch inhaltlich. Denn im ganzen restlichen Markus-Evangelium wird das Thema „Reich Gottes“ nicht mit dem Thema „Sohn Gottes“ und schon gar nicht mit dem Thema „Verklärung“ in Verbindung gebracht. Das Reich Gottes bei Markus hat ganz andere Inhalte, wie sich mit einer Konkordanz leicht nachprüfen lässt. Aber wer von Bergers Lesern wird sich schon diese Mühe machen (falls er überhaupt weiß, was eine Konkordanz ist)?

Beispiel 3:
Berger behauptet, Johannes der Täufer habe sich als Zeuge und Vorläufer Jesu verstanden, genau so, wie es im 1. Kapitel des Johannes-Evangeliums steht. Zitat:
„Es gibt überhaupt keinen einzigen Grund, weshalb man diese Texte aus Joh 1 als fingiert ansehen müsste.“

Was Berger verschweigt: Wenn Johannes der Täufer sich tatsächlich als Wegbereiter Jesu verstanden hätte, dann hätte er sich samt seiner Jüngerschar logischerweise Jesus anschließen müssen. Das hat er aber nicht gemacht, wie Matthäus 11,2f zeigt! Vielmehr herrschte eine Art Konkurrenzverhältnis zwischen den beiden Gruppen, vgl. z.B. Markus 2,18 oder Johannes 3,25. Und bei Josephus, dem bekannten jüdischen Geschichtsschreiber jener Zeit, erscheint der Täufer in einem völlig anderen Licht.

Mein Fazit: Die (Schein-)Plausibilität von Bergers Argumentation beruht weitgehend darauf, dass er die triftigen Argumente der Gegenseite schamhaft verschweigt (oder sollte man eher sagen: schamlos unter den Tisch fallen lässt?). Wem das gefällt bzw. mangels theologischer Bildung nicht auffällt, der mag meinetwegen Bergers reaktionären Rundumschlag gegen die (neo-)liberale Bibelforschung bejubeln und ihm folgen, wenn er mit Volldampf zurücksteuert in die altbekannte Sackgasse biblizistisch-klerikaler Autoritätsgläubigkeit.
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4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Bergers Schwanengesang - ein Rückzugsgefecht, 29. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
!! DIESE REZENSION WURDE HIER AM 16.4.2014 VON MIR EINGEGEBEN UND NICHT, WIE ES IN DER AMAZON-ÜBERSCHRIFT STEHT, AM 29. APRIL 2013 !!
Auffällig ist, daß B. in seinen letzten Publikationen zunehmend röm.-kath. Dogmen (bis hin zu Mariendogmen) in seine Bibelauslegung einfließen läßt, und das nicht nur in den "Meditationen zu den Sonntagsevangelien/ -lesungen", die vor allem für den innerkirchlichen Gebrauch bestimmt sind. Somit betreibt er -hart geurteilt- nicht "Ex"egese, sondern "Eis"egese, stülpt dem biblischen Zeugnis etwas ihm Fremdes über, interpretiert es "hinein". Eine dem entsprechende Beobachtung ist auch B.s zunehmende Verteidigung der Position des (früheren) Papstes in Sachen Bibelauslegung.
(NB: Hängt das vielleicht mit B.s nun auch öffentlich vollzogener "Heimkehr in die alleinseligmachende (röm.-kath.) Kirche" zusammen? - Eine analoge Erscheinung in der "anderen Fraktion" ist die Anfälligkeit einiger alt gewordener evangelischer Exegeten, die einen Trend zu fundamentalismus-ähnlichen Positionen entwickeln; sie widersetzen sich zwar heftig solchen Etikettierungen -wie auch B. das (nicht nur, aber besonders) im vorliegenden Buch tut-, die häufige Betonung der Differenz ihrer Position zum Fundamentalismus ist aber schon auffällig und macht hellhörig.) -
Natürlich erwarte ich von ExegetInnen, daß sie von "ihrer Sache" überzeugt sind. Für jede(n) AuslegerIn aber gilt: "Der Inhalt des christlichen Glaubens: Gottes Handeln an und mit Israel, Gottes Offenbarwerden in Jesus von Nazareth, des Hl. Geistes Ereignung durch die Bibel unterliegen historischer Forschung und können nur durch sie vergewissert werden. Damit sind diese Inhalte alle für uns nur approximativ "erreichbar". Wir können uns diesen Inhalten nur mehr oder weniger nähern. Es gibt (hier) keine absoluten Urteile." (C. H. Ratschow) Die Vielzahl und selbst Gegenläufigkeit der Stimmen der ForscherInnen schadet dem nicht, der glaubt; und sie ruft den, der davon angefochten ist, dazu auf, sich die Verborgenheit des Gottes einzugestehen, der durch menschliches Wort bezeugt wird und sich unter dem Zeugnis offenbart, wo und wann es ihm gefällt.-
Hier hat m. E. Klaus Berger die "lebendige Forschung" an den Nagel gehängt, er zäunt das von ihm (früher?) sehr geschätzte "sola scriptura" in gewisser Weise ein (Eine frühere Rezension des Buchs überschrieb ich: "Der weit geöffnete Giftschrank des Klaus Berger"). Die Bibel, das biblische Zeugnis, hat das nicht nötig.
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7 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Notwendige Klarstellungen!, 10. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das engagiert auf Lücken und Fehler der liberalen Theologie und den dadurch entstandenen Schaden hinweist. Es blieibt zu wünschen, dass die aufgezeigten Fakten Argumente die gebührende Beachtung finden.
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3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hier redet ein Experte endlich Klartext, 30. Juni 2014
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Horst Bogatz "Kostauer" (Meppen, Niedersachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Die vielen und ausführlichen positiven Rezensionen kann ich nur unterstreichen. Es ist wirklich erfrischend, einen scharfen Denker zu erleben, der nicht phrasenreich um den heißen Brei herumredet. Ich empfehle dieses Buch vor allem den kirchenfernen Nörglern. Hier können sie finden, warum sie solche geworden sind.
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Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden
Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden von Klaus Berger (Gebundene Ausgabe - 2. Mai 2013)
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