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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen hinterlässt bleibenden Eindruck, 27. Mai 2014
Von 
Bernd Hild "FritzX" (Ludwigshafen, Rheinland Pfalz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern: Mit einem Nachwort von Helmuth Kiesel (Gebundene Ausgabe)
Die Meinungen über dieses Buch gehen zum Großteil in zwei Richtungen. Zunächst gibt es da die Leute, welche es für eines der besten Anti-Kriegs Bücher halten, die sie je gelesen haben und dann die Fraktion derer, die es für schlecht geschriebene Kriegsnostalgie halten.
Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, was mir nun da ich es selbst gelesen habe klar ist.
Sicher wissen die meisten Menschen, auch jene die es nicht gelesen haben, dass "In Stahlgewittern" kein klassischer Roman ist und auf Leser die einen Spannungsbogen oder tiefe Charakterzeichnungen erwarten eher enttäuschend wirken könnte.
Nein, hier handelt es sich um eine Zusammenfassung der Kriegstagebücher eines Frontkämpfers, der von 1915 bis zur Deutschen Frühjahrsoffensive 1918, an der Westfront geblutet hat (gut ein dutzend mal wurde er verwundet) und andere bluten lies.
Genau dieser nüchternen Sichtweise begegnet man auf allen Seiten der Lektüre. Die Ereignisse werden mit stoischer bis fatalistischer Routine geschildert, moralische Bewertungen der Geschehnisse findet man ebenso wenig wie ausschweifende Propaganda oder patriotische Anwandlungen.
Der Krieg wird nicht gegeißelt aber auch nicht bejubelt, keine stereotypen Plattitüden werden wiedergekäut, kurzum es wirkt, bis auf wenige Ausnahmen, wie die Schilderung eines Unbeteiligten.
Gerade das ist meiner Meinung nach das interessante und hervorstechende an diesem Buch. Während viele Autoren, die über den 1. Weltkrieg schreiben, von Begebenheiten berichten die sie selbst überhaupt nicht erlebt haben und diese dann auch noch oft genug mit unsachlichen, dem Zeitgeist unterworfenen Moralpredigten verschnörkeln, beschreibt dieser Autor nur authentische Erlebnisse und zwar auf eine nüchterne Art und Weise, die sich nicht darauf versteigt, dem Leser die Moraltinktur, einer vorgefassten Meinung tröpfchenweise mit jeder Zeile einzutrichtern.
Für mich ist dieses Buch also weder das eine noch das andere. Kriegsverherrlichung sieht ganz gewiss anders aus. Weder erhöht der Autor sich selbst durch ein heroisches Ausschmücken seiner Heldentaten noch schwelgt er im besingen großer Siege und was er schon gar nicht tut, ist den Feind gering zu schätzen. Ganz im Gegenteil finden sich immer wieder Passagen in denen er seinen Respekt vor den gegnerischen Soldaten bekräftigt, vor allem gegenüber den britischen und die Freundlichkeit von französischen und belgischen Zivilisten, bei denen er einquartiert war, hervorhebt. Auch über die indischen Kolonialtruppen der Briten, denen er im Gefecht gegenüberstand, äußert er sich keineswegs herablassend, wie man es vielleicht erwartet hätte. Vielmehr bemerkt er, in einer der wenigen gefühlsmäßigen Bemerkungen, dass sie nicht gerade darum zu beneiden seien, so weit weg von ihrer Heimat in einem Krieg kämpfen und sterben zu müssen, der nur den Interessen der Kolonialherren diene.
Was nun die literarische Qualität des Textes betrifft so ist er natürlich nicht nobelpreisverdächtig, was mich aber keineswegs gestört hat. Das ist nunmal kein Frühlingsgedicht und auch kein Shakespearsches Drama, sondern das Fronttagebuch eines Stoßtruppführers. Doch genau das, die unverblümte, schmucklose Berichterstattung, ist es was dem ganzen eine Authentizität verleiht, welche ich noch in keinem anderen Werk zu diesem Thema finden konnte. Jegliches herumjonglieren mit Worten um mehr sprachliche Eloquenz zu fabrizieren hätte diese nur geschmälert.
Trotz oder gerade wegen des Fehlens ausschmückender Phrasen a lá "oh, es war alles so schrecklich" oder "wir haben so gelitten" und der Beschränkung auf die detaillierte Schilderung des Kriegsgeschehens machen "In Stahlgewittern" derart beklemmend und verstörend, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.
Dieses Buch vermittelt einem einen völlig neuen Eindruck des Krieges, von dem man ja im Grunde nur ein Bild vor Augen hat; zum Sturm antretende Soldaten, Trommelfeuer und das Tackern von Maschienengewehren.
Durch die Schilderungen des Autors wurde mir allerdings sehr schnell klar das es auch in den Zeiten zwischen den großen Schlachten, während man Wache hielt und kurze Vorstöße ins Niemandsland unternahm, alles andere als sicher war. Auch in den Zeiten, in denen man nur im Graben saß und nie auch nur einen einzigen feindlichen Soldaten zu Gesicht bekam waren die Verluste durch Scharfschützen und ständigen Artilleriebeschuss gewaltig. Was mich immer wieder aufmerken lies ist das der Autor nicht einfach nur von den Gefallenen berichtet sondern sie stets beim Namen nennt und oft genug ein zwei Zeilen dazu verwendet etwas zu ihrer Person oder Familie zu berichten was mir oft ein bedrückendes Gefühl vermittelte.
Ja, ich konnte wahrlich die Trostlosigkeit der schlammverkrusteten Männer welche die Gräben der Westfront bemannten nachvollziehen, soweit das einem Mitglied unserer Generation überhaupt gegeben ist. Teilweise spürte ich das unangenehme Gefühl in der Magengrube, dass mir von den Besuchen der Schlachtfelder von Verdun und Gallipoli bekannt war, welche heute noch deutliche Narben eines Krieges tragen, der in Punkto Grausamkeit und Intensität wohl einzigartig in der Menschheitsgeschichte ist.
Nicht zuletzt weil dieser Konflikt, von allen Parteien mit Taktiken und der Mentalität des 19. Jahrhunderts, der Waffentechnik der 20. Jahrhunderts und eisernem Siegeswillen bis zum äußersten geführt wurde. Besonders auf den ehemaligen Schlachtfeldern der Westfront kann man noch heute deutliche Eindrücke davon erhalten welche Feuerkraft hier auf kleinstem Raum konzentriert wurde. Um Durchbrüche zu erzwingen wurden Millionen von Granaten und Mienen auf wenige Quadratkilometer Fläche abgefeuert, so das nicht ein Quadratzentimeter davon verschont blieb, ganze Wälder bis zum letzten Baumstupf verschwanden, Hügel eingeebnet wurden und die Leichen der Gefallenen immer wieder in der Luft zerfetzt und dann wieder tief ins aufgewühlte Erdreich zurückgestampft wurden, so das ihre Gebeine nie mehr zu finden waren.
Was die Männer, die unter einem solchen Vernichtungsfeuer lagen zu erdulden hatten und wie überhaupt einige solche Feuerwalzen überleben und danach noch kämpfen konnten kann sich ein Mensch des 21. Jahrhunderts kaum vorstellen. Dieses Buch kann allerdings einen recht guten Eindruck davon vermitteln, wenn man es unvoreingenommen liest ohne irgendwelche politische Aussagen hineinzuinterpretieren.

Jedem der sich dazu berufen fühlt den Zeigefinger zu erheben und Anklagend auf Leute wie Ernst Jünger zu zeigen und deren Aussagen zum Krieg zu kritisieren sollte dabei nie vergessen das kein Mensch von einem Erlebnis wie diesem unversehrt bleibt, weder körperlich noch geistig. Das soll nicht heißen das alle Grabenkämpfer des Großen Krieges verrückt oder schwachsinnig daraus zurückkehrten, obwohl das für manchen durchaus zutreffend war. Gerade diejenigen, die sich ihre geistige Gesundheit erhalten konnten schafften dies wohl gerade eben nur auf die Weise in der die Texte dieses Buches gehalten wurden.
Eine stoische und fast emotionslose, auf nackte Sachlichkeit beschränkte Sichtweise der Dinge ohne Emotionen und Selbstzweifel, die früher oder später zu Verzweiflung, Resignation und damit zum sicheren Untergang geführt hätten, waren für die Soldaten wahrscheinlich der beste Schutzschild. Darüber hinaus ist da noch die Tatsache das Jünger sehr früh in die Offiziersränge vorrückte und sich als tapfere und fähige Führungspersönlichkeit erwies. Mit diesem Aufstieg war allerdings auch die Verantwortung für seine Männer verbunden was eine zusätzliche Belastung darstellen musste.
So hatte der gerade mal zwanzig Jahre alte Offizier nicht nur für sich selbst stark zu sein sondern auch für die Männer unter seinem Kommando. Das Männer im Kampf geführt werden wollen und einen starken Charakter brauchen, der sie anführt und motiviert ist kein Geheimnis. Wenige sind diesem Druck gewachsen, die meisten versagen. Ernst Jünger gehörte zu den Wenigen, die diese unglaubliche Belastung ertragen und sich dabei ausgezeichnet haben. Es ist nur allzu verständlich, dass jemand der solch eine Hölle durchschritten hat sich nicht davor scheute seine Meinung stets unverblümt zum Besten zu geben und kaum etwas auf die Befindlichkeiten politisch korrekter Nörgler gab.
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5.0 von 5 Sternen Traumatisch!, 7. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: In Stahlgewittern: Mit einem Nachwort von Helmuth Kiesel (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch stellt in der Tat alles bisherige in den Schatten, was ich an Büchern über Kriegserlebnisse gelesen habe.
Es sollte zur Pflichtlektüre in Schulen werden, damit jeder erkennt, wie sinnlos und brutal Kriege gegenüber jedermann sind.
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In Stahlgewittern: Mit einem Nachwort von Helmuth Kiesel
In Stahlgewittern: Mit einem Nachwort von Helmuth Kiesel von Ernst Jünger (Gebundene Ausgabe - 3. Februar 2014)
EUR 24,95
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