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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ge-stell !, 12. Juni 2006
Von 
Michael Baumann "Michael Baumann" (Uedem, Niederrhein) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Diese Kurzgeschichte ist bemerkenswert: Sie führt mitten ins Herz der Aporien, die entstehen, wenn der vom Menschen gemachte Fort-schritt im wahrsten Sinn des Wortes fort-schreitet und ihm die selbsternannten Götter nicht mehr zu folgen vermögen: Der "Held" (ist er das ?!) der Geschichte, Richard, ist von der alten Schule und Rittmeister. Das will meinen, dass er zu Pferd in den Krieg gezogen ist und eine strenge millitärische Ausbildung "alten Stils": Disziplin, Disziplin, Disziplin genossen hat. Seine ganzen Erinnerungen "leben" in der alten Zeit. Panzer sind ganz neue "Krieger": in den Augen Richards Nachfolger von Leuten seines Schlags. Steril und hochtechnisiert. Doch der Abstand, den Richard zur Gegenwart einnimmt, ist sehr viel größer, als er (und der Leser) vorerst vermuten; dies erfährt er schmerzlichst, als er sich bei einem Fabrikanten von "Lilliput-Robotern" (starke Analogien zur heute erst erblühenden Nano-Technik !), winzige Maschinen, die z.B. die Pollen aus der Luft fressen, vorstellt. Dies wird für Richard zu einer Reise in seine Vergangenheit, zur Erkenntnis, daß seine Maßstäbe vom Leben in und mit der Natur hoffnungslos verloren sind, kurz: daß er ein Fossil ist. Im Garten nämlich jenes Fabrikanten haben gläserne Bienen den Dienst der natürlichen Vorfahren übernommen und saugen weit effektiver als ihre natürlichen Vorfahren den Nektar aus den Blüten und führen sie einer Maschinerie zur Honigerzeugung zu. Das ganze Buch lebt von den geschickt ausgespielten Gegensätzen von alt-hypermodern: was könnte als älteres "Handwerk" als das der Bienen gelten ? Und der Technikfabrikant wohnt in einem alten Kloster, ist ein alter Mann usw.. Es wird einem hie und da beim Lesen recht mulmig da einem schwant, daß das alles (heute) viel wahrer und bedrohlich näher ist, als zum Zeitpunkt, als das Buch verfasst wurde. Die Grenze zwischen "Naturwesen" und mechanischen Surrogaten (effektiv wohl aber eben auch steril, non-kommunikativ usw.) ist teilweise so fliessed dagestellt, dass man ins Zweifeln gerät, ob Richard sich nicht bei einer perfekten technischen Marionette vorstellt. Es ist etwa wie in E.T.A. Hoffmanns "Sandmann": Nataniel verliebt sich ja auch unsterblich in ein wunderhübsches Mädchen mit wunderschönen Augen und was stellt sich heraus: eine mechanische Puppe ! Und verhält es sich nicht so mit dem in den Exzess gesteigerten Technik-Wahn: wird die Wahrheit, wie etwa Richard sie definieren würde, nicht irgendwann eine leere Phrase, eine Puppe, in der Wellen und Zahnräder rotieren, ersetzt durch Automaten, die diese Frage überflüssig machen ? Ich erinnere, wohl wissend des Ameisenhaufens, in den ich mich damit bei manch einem setzte, an die Technik-Vorlesung Martin Heideggers, der das Wesen der Technik dort das Ge-stell nannte und der als Gegenmittel, als Medizin zur Gesundung der Wahrheit und ihrer Wächter das Fragen und das Denken empfahl: "Fragen ist Frömmigkeit des Denkens." Man lese "Gläserne Bienen" und frage, in welcher Welt man leben will.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zapparoni Park, 1. Juni 2009
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
"Wir sind schon ein merkwürdiges Volk, wenn wir mit Freude Maschinen bedienen,
aber jedes Lächeln gefriert, wenn es sich um die Bedienung von Menschen handelt."
(Roman Herzog, ehem. Bundespräsident)

"Die Seelen da, welchen das Schicksal / Andere Leiber bestimmt, umziehen die lethäischen Fluten, / Unmuttilgenden Trank und lange Vergessenheit schlürfend" so wird in Vergils Aeneis im 6. Buch beschrieben, was einige Zeilen zuvor sich so zeigt: "Gleich wie auf grünender Au', wenn Bienen im heiteren Sommer / Weit sich auf farbige Blumen gesenkt, [...] ringst tönte vom Gesummse der Anger, / Schaudernd der plötzlichen Schau steht dort, und den Grund der Erscheinung / Forsch unkundig ... " und hier kann man Vergils Ausführung getrost mit "Rittmeister Richard" ergänzen, der Protagonist dieser essayistischen Erzählung des Ernst Jünger (1895-1998), die weniger die Handlung, als die Reflexion des Rittmeisters ist. Eine Reflexion eines unzeitgemäß Konservativen und erklärter Anhänger einer "verlorenen Generation", der in die Welt einer modellhaft neuen Generation eintritt, in der die Natur von der Technik, der Künstlichkeit prophetisch übertroffen wird.

Rückwärts betrachtet, sind Bienen eine die Natur fördernde Gattung, sie leben in hierarchischen Stämmen, unterteilt in Königinnen, Drohnen und Arbeiter. Ihre Symbolkraft ist überdauernd in den letzen Jahrtausenden, vom göttlichen Honig bis zur stattlichen Wehrkraft reicht ihr Bild. Dass Bernhard von Clairvaux ihr Schutzpatron ist, ist nur eine Voraussetzung für Jünger, das Geschehen in ein altes Zisterzienser Kloster zu verlegen, in ein Sumpfgebiet, was ebenso bevorzugte Gegend für die Klosterbauten war.
Rittmeister Richard, dem Vergangenen emotional zugewandt doch rational erkennend, weiß nun, dass auch seine verbleibende Zeit in der Zukunft liegen muss. Vom "Pferd in den Panzer" umzusteigen ist dem Kriegserfahrenen keine wirkliche Notwendigkeit mehr, vielmehr muss er sich gedanklich öffnen. Und in diesem Öffnen in eine neue Kultur begegnet er, um Anstellung bittend, Giacomo Zapparoni, der die Technisierung der Natur, wenn nicht gar die Künstlichkeit der Natur vorantreibt. "Wenn man den Ehrgeiz hat, Materie zum Denken zu bringen, kommt man nicht ohne originelle Köpfe aus". Dieses sich selbst vorausgesetzt, erfährt er bei seinem Vorstellungsgespräch die wahrhaft schon erreichte Lage einer technisierten Natur, oder noch besser: die Kopie der Natur in die Technik. Fleißige Bienenarbeiter, die gerade natürlich vier sommerliche Wochen leben, sind nicht so gründlich wie diejenigen technischen, die die Blüten vollständig von ihrem Nektar befreien. Ungeachtet der Tatsache, dass vollständiges Aussaugen das Folge-Blühen verhindert, werden die "gläsernen Bienen" wie kleine Nano-Roboter auf die Suche geschickt und beuten vollständig die Blütenkelche aus. Zapparoni hat die kleinen Roboter als Modell in seinem Garten zur Erprobung. Summend, saugend und Nektar schlürfend, besetzen sie die Kelche, wie es die Vergilschen Seelen, Vergessenheit schlürfend, an der Lethe taten, als wenn beseelte Technik Natur vergessen zu machen habe.

Auffallend ist, dass in diesem Garten vermisste Bienen nirgends aufzufinden sind. Natürliche Bienen krümmen sich im Tode und werden nahezu unscheinbar. Auch dieses Ende scheint bravourös nachempfunden, wie auch die weitere Produktion von Minirobotern für "spezielle Arbeitsaufträge" im Zapparoni Park es vermuten lässt. Der Leser vermag Vermutungen anstellen, was alles denkbar erscheint unter dem Motto dieser speziellen Aufträge. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Jünger hier in der technischen Dominanz des Zapparonis einen Herrschaftsfrieden exempliziert, wie es das Staatengebilde der Bienen vormacht.

Jüngers Kritik in dieser Erzählung wird offensichtlich. Natur und Technik sind aufeinander abzustimmen und nicht Natur durch Kunst und Technik zu eliminieren. Weiterhin bedarf der Mensch einer klaren Position, die nicht in die Hörigkeit der Technik abdriftet, sondern in einer Sorge um sich. "Soll Wissen Macht sein", schreibt er, "so muss man zunächst wissen, was Wissen ist". Für ihn geht es um das Ganze, um die Einweihung in eine Welt, die im Weltgeist alles umfasst. Ihm geht es nicht wie den "Schlaufüchsen um Besserwissen", nicht um Diskussionen, die in der Enge zum "argumentum ad hominem" übergehen. Es offenbart sich in Zapparonis Aufruf: "Augen zu!" im Angesichte der Gefahr nach dem gewaltsamen Erschlagen einer gläsernen Biene und auch in Richards vorfinden von "unzähligen menschlichen Ohren" im Sumpf, dass Auge und Ohr nicht geeignet sind, um tiefe Einsicht zu gewinnen. Wenn die Zeit schneller verläuft im Fortschritt, so ist größere Wachsamkeit geboten. Bedrohungen sind heute anonymer, wie er schreibt, eher atmosphärisch. Aber sie werden gefühlt. So kann das Spiel mit der Technik, wie Jünger es nennt, zur Schillerschen Facon des Homo Ludens werden, mit dem sich die Begriffe des Schönen wie des Ästhetischen eng verbinden. Und auch Platon (Phaidros) sah das Spiel um des Ernstes willen und dieses Ernste ist eine Ökologie des Geistes, die im Spiel die Gesetze der Kommunikation, der Regeln, der Symbole erkennt, um der Götter und der Bildung willen.

Jünger hat in hellseherischer Weise bereits 1957 erkannt, was über 50 Jahre später Wirklichkeit wurde und doch überschreitet er in seinem Denken auch die heutige Wirklichkeit. Illusion und Virtualität prägen das Bild in dieser Zeit. Jünger postuliert in seiner Ambivalenz in diesem reflektierten Essay über Natur und Technik auch die "aufdrängende Nächstenpflicht", weil es von der Unterordnung des Menschen unter die Technik "zur Unmenschlichkeit" nur ein kleiner Schritt ist. Um diesen Schritt zu vermeiden, mit dem Wissen, dass Aug und Ohr nicht die Einsicht gewähren, bleibt nur der erneute Anfang zum Bau der Persönlichkeit, wie Hesse vorschlug. Spiel ist Herzensbildung. Wissen wir nicht längst, dass man nur mit dem Herzen gut sieht? Das Wesentliche bleibt für das Auge unsichtbar, offenbarte der Kleine Prinz.

Jüngers Erzählung ist somit eine Empfehlung. Die Erzählung zeigt, dass "die Menschheit einem Mann gleicht, den ein unheimlicher Wandertrieb vorwärts führt, für den es keine Rückkehr gibt und kein Erreichen" (Musil). Er wird wie der Angelus Novus im Bilde von Paul Klee vom paradiesischen Sturm unaufhaltsam in die Zukunft getrieben, der er den Rücken kehrt. Wiewohl er in Verbundenheit zur Natur weiterhin seinen Garten bestellen wird.

Pfingsten 2009
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Titan Technik: erschreckend faszinierend!, 7. Juni 2003
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Gehandelt wird die Erzählung "Gläserne Bienen" zumeist als utopischer Roman, doch scheint mir diese Klassifizierung nicht richtig. Die "Handlung" (denn es gibt kaum eine) ist zwar in einer entzeitlichten Landschaft angesiedelt, die sowohl Züge der atavistischen Vergangenheit als auch der technisierten Zukunft trägt, doch dominiert eindeutig die Gedankenführung gegenüber dem Fortlauf der Geschichte, so daß eher die Rede von einem erzähl-gewandeten Essay als von einem Roman im klassichen Sinne sein muß, der in seiner Aussage eine zeitlose Gültigkeit besitzt: Faszination durch technischen Fortschritt, Interesse an den Mechnaismen, Erschrecken über die barbarischen Begleitumstände und Konsequenzen. Wie der Protagonist Richard zu zweifeln beginnt und endlich eine kritische Anti-Haltung gewinnt, so sollte es dem Leser gehen, gesetzt, er sei vorher ein anderer gewesen.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Diesmal kein harter Stahl, sondern zerbrechliches Glas, 30. November 2003
Von 
junior-soprano - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Ernst Jünger war Soldat, in beiden Weltkriegen. Im Großen Krieg erhielt er den wichtigsten deutschen Orden, den Pour le Merite. Sein Buch In Stahlgewittern" irritiert den heutigen Leser durch seine völlig unkritische Verherrlichung des Krieges. Jünger ist 102 Jahre alt geworden. Sein Hauptwerk waren seine Tagebücher (sehr empfehlenswert: Siebzig verweht"). Und dann hat er noch 1939 Auf den Marmorklippen", eine drastische Kritik am Hitler-Staat, veröffentlicht. Trotz seiner Abkehr vom Nationalsozialismus konnte Jünger zeitlebens seinen Ruf als umstrittener deutscher Soldat und Schriftsteller loswerden.
Wer einen anderen Ernst Jünger als in In Stahlgewittern" kennenlernen will, dem sei Gläserne Bienen" empfohlen. Es ist ein Science-Fiction Roman aus den 1950er Jahren. Manches aus dem Buch ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Besonders bemerkenswert ist die klare, wunderschöne Sprache des Autors. Die Hauptfigur erlebt, genau wie Deutschland und das deutsche Militär drastische Einschnitte. Eine neue Zeit ist gekommen. Die Natur wird von der Technik verdrängt. Wer sich der neuen Zeit nicht anpaßt, bleibt auf der Strecke. Jünger benutzt dafür folgende Metapher.
Ein abgesessener Reiter, ein Mann, der nie die Waffe erhoben hatte als gegen Bewaffnete, machte demgegenüber eine anrüchige Figur. Das mußte aufhören. Man mußte auch geistig in den Panzer umsteigen."
Am Ende des Buches trifft die Hauptfigur eine Entscheidung. Will er sein Leben weiterhin in Würde und in Einklang mit der Natur führen oder will er sich den materiellen Verlockungen der neuen maschinellen Welt anpassen? Es lohnt sich diese kleine, stille Geschichte zu lesen.
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5.0 von 5 Sternen Gute preußische Tugenden schrieben einen quasi prophetischen Roman., 28. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Ernst Jünger und seine gläsernen Bienen sind die Beschreibung einer höchst techokratisierten Gesellschaft die von macht bessesen Großkonzerne und deren willfährigen Apparatschiks bedient wird. 1957 schreibt Jünger eine Dystopie die heute mehr als nur aktuell ist. Es gibt wenige wahrlich auserwählte Menschen die man dann im generellen versucht für das System zu instrumentalisieren.
Jünger aber wusste dass er authentisch bleiben muss um weiterhin in den Spiegel schauen zu können. Dass Rittmeister Richard "Jünger" mit dem an ihm vorgenommenen Persönlichkeitstest auch schon das heutige Thema der Assesmentcenter und Personalabteilungen thematisierte ist neben den weiteren tiefen gedanklichen Ansätzen phänomenal. Ernst Jüngers Geist besaß eine sehr starke Verstandbasierte Geistestiefe die es ihm erlaubte ahnlich wie Jules Verne gesellschaftliche und technische Entwicklungen nicht zu erahnen sondern kommen zu sehen. Bedenken wir heute die Mikro und Nanotechnologie so sind seine gläsernen Bienen ein Buch das Entwicklungen vorweg nimmt. Inwieweit sich Mutter Erde aber gläserne Bienen und andere die Menschheit vernichtende "Spielchen" in holistischer Sichtweise noch gefallen lassen wird, dass findet in Jüngers Buch keine Berücksichtigung mehr. Wenn ich die Bandbreite dieses Mannes betrachte dann sind dies genau jene Tugenden die man am 21.02.1947 gezielt und mutwillig zu Grabe getragen hat. Es sind preußische Tugenden die in seinen Texten immer wieder wahrlich unbewusst durchschimmern.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hellsichtige Vision, 16. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Hellsichtige Vision
Diesem Kurzroman Jüngers eignet eine Sonderstellung, da er persönliche Erfahrungen und irreal anmutende Fiktion in oft rätselhafter Weise zusammenführt: Bezeichnende Kindheitserlebnisse und die „Karriere“ des Rittmeisters Richard prägen auch sein Leben als Zivilist; seine Wertvorstellungen wirken weiter, können sich aber nicht in einer neuen Zeit behaupten, die nichts mit der Vergangenheit zu schaffen hat bis auf die persönliche Unfähigkeit des 'Skrupulanten' für Führungsaufgaben.
Ferner entspricht der ausgedehnte Eignungstest Zapparonis den Prüfungen, die hinter Schliff und militärischer Disziplinierung standen, jedesmal geht es um den „Geist“, die „Kampfmoral“, ob er extremen Belastungen gewachsen sei. Freilich war Monteron im Herzen Humanist, die Härte, die er (sich und) seinen Untergebenen abforderte, verbesserte im Ernstfall ihre Überlebenschance.
Anders der äußerlich joviale, fast verbindlich sich gebende Konzernchef, der Menschen nur nach ihrer Tauglichkeit für seine undurchsichtigen Zwecke sichtet, die darüber mitunter den Verstand verlieren.
Was anfangs als intellektuelle Aufgabe erscheint, entlarvt sich als ein menschenverachtendes Katz- und Maus-Spiel, das besonders die Empfindungen und Emotionen Richards, also den ganzen Menschen abprüft. Er scheitert schließlich, erhält dann aber eine Anstellung, die zeigt, in welchem Maß Zapparoni Menschen zu instrumentalisieren weiß. Indem er das Angebot annimmt, versagt Richard nun vor sich selbst, kompromittiert sich wegen seiner materiellen Zwangslage und gibt dafür seine Würde preis.
Daraus wird freilich keine Lebensstellung, allerdings dürfte der Rittmeister selbst als untergeordneter Seminarleiter weiter Zapparoni dienen, womöglich unwissentlich.
Eine sehr bedrohliche inhumane Welt wird hier entworfen, in der der Industrielle als eine säkularisierte Teufelsgestalt die Fäden zieht. Als Versucher, als 'Meister der Masken' schafft er sich ein Image, lange bevor dieser Begriff populär wurde; eine zentrale Strategie führt über die Herzen zumal der Kinder, aber auch der Erwachsenen mittels Spielzeug und Massenmedien samt einer Vorahnung der IT-Technik. Was der Konzern alles herstellt, bleibt ungewiß, man kennt vor allem den Schwerpunkt der Miniroboter, die sich auch zur Überwachung eignen. Wegen des Interesses Zapparonis an Militärs darf man mit neuartiger Waffentechnik rechnen, also insgesamt mit Machtmitteln, die viele Lebensbereiche kontrollieren. Manipulation, Kontrolle, Abhängigkeit und schließlich totalitäre Herrschaft sind die Zielvorgaben dieses Emporkömmlings, die (zumindest vorerst) nicht Armeen, sondern Kapital ins Werk setzen: Plutokratie und Technokratie. Jünger erweist sich als geradezu hellsichtig. Dennoch liegt keine SF vor, schließlich vollzieht sich alles in den 50-er-Jahren; die Minirobotik verhält sich so zu Panzern, wie diese zur Kavallerie, vom Menschen ferngelenkt, tendiert sie zwangsläufig zur Verselbständigung.
Die gläsernen Bienen meinen also imaginäre Exponenten einer seelenlosen, inhumanen Technik zumal mit Blick auf die ABC-Waffen der Zeit und ihrer Trägersysteme.
Der Epilog beginnt Jahre später, und je weniger sein fingierter Verfasser sie spürt, umso ernster wird die Bedrohung: Jünger ist ein Meister der Aussparung und des Ungesagten.
Schlußkapitel und Epilog sprechen von Resignation und tiefer Skepsis gegenüber Mensch und Geschichte.
Die Sprache des Romans hält sich zwar (noch) auf gewohnter Höhe, wirkt aber themengemäß spröder, denn Kultur begegnet nur verdinglicht in Zapparonis Ambiente. Wie die anderen poetischen Werke zeigt es symbolische (Lorenz verkörpert das Leitmotiv des 'Umsonst') und allegorische Züge und entzieht sich erschöpfender Exegese.
Übrigens: Skandalös, daß Jüngers Hauptwerke nicht als Taschenbuch zugänglich sind.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Glaserne Bienen - Wir haben viel Spass dabei., 13. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Glaserne Bienen ist ein Roman von Ernst Junger, ein deutscher Soldat, der im ersten und zweiten Weltkriegs kampfte. Der Hauptfigur dieses Romans ist ein ausgedienter Soldat der "Captain Richard" heist und der viele unruhige Erinnerungen hat. Ich habe dieses Buch mit mein Vater gelesen und habe ihn sehr frohlich dabei gemacht. Jeden Satz haben wir, zuerst auf English, und dann auf Deutsch gelesen.

We are Americans. My dad studied German in college over forty years ago, and we have had fun reading the book together in this way.

Peter Lindquist
Evanston, Illinois, USA
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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Science fiction aus den 50er Jahren..., 6. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Die Gläsernen Bienen, erschienen 1957, zeichnen das Bild einer hochtechnisierten, automatisierten und von Machtmenschen und ihren Kartellen kontrollierten Welt; teilweise Science fiction, teilweise nach 42 Jahren auch zutreffend und auf jeden Fall sehr spannend.
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3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Science fiction aus den 50er Jahren..., 1. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Gläserne Bienen (Gebundene Ausgabe)
Die Gläsernen Bienen, erschienen 1957, zeichnen das Bild einer hochtechnisierten, automatisierten und von Machtmenschen und ihren Kartellen kontrollierten Welt; teilweise Science fiction, teilweise nach 42 Jahren auch zutreffend und auf jeden Fall sehr spannend.
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Gläserne Bienen
Gläserne Bienen von Ernst Jünger (Gebundene Ausgabe - 1990)
Gebraucht & neu ab: EUR 14,95
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