Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor calendarGirl Prime Photos Erste Wahl Learn More designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen153
4,4 von 5 Sternen
Format: Broschiert|Ändern
Preis:9,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

TOP 500 REZENSENTam 24. Januar 2011
Weshalb behandelte mich mein Vater ein Leben lang verächtlich, fast wie eine Sache, in jedem Fall jedoch ohne jegliche Spur von Empathie? Unvergessen einer seiner typischen "Auftritte", als ich mich als Jugendlicher in einer schweren Krise befand, er sich ohne jede Kenntnis oder Nachfrage vor mir aufbaute und mir sein übliches "Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast" mit voller Wucht um die Ohren schlug.
Eine Szene von so vielen. Aber wiederum auch eine, die unvergesslich bleibt, da mich seine Interessen- und Verständnislosigkeit, seine Missachtung, vor allem aber sein nicht einmal marginal vorhandenes Einfühlungsvermögen in jenem Moment besonders vernichtend trafen. Diese Eigenschaften wogen umso schwerer, da sie sich mit einer Egozentrik paarten, die ihresgleichen sucht.

Was hat dies nun mit Sabine Bodes Buch "Kriegsenkel" zu tun? Sehr, sehr viel. Ich bin ein solcher, der 5 Jahrzehnte lang vergeblich nach einem Schlüssel suchte, der sich als nützlich dahingehend erweisen könnte, das schwere, stählerne Portal zu den Ursachen der erlebten Eiseskälte des Vaters zu öffnen, unter der ich noch heute, vier Jahre nach seinem Tod, leide. Bis zur Lektüre dieses faszinierenden Buches suchte und verwarf ich tausende von Versatzstücken zur Erklärung des Unverständlichen, um anschließend den Versuch zu unternehmen, aus den Trümmern neue Erklärungsmuster zusammenzusetzen. Vergeblich. Eins plus eins ergab niemals zwei.

In diesem Buch mit seinen diversen Fallbeispielen fand ich mich in allen mehr oder wenig, in einem aber gar zu 90% wieder. Gleich Schuppen, die von den Augen fallen, lichtete sich der so undurchdringliche Nebel, begriff ich, weshalb mein Vater wurde, wie er war, weshalb er verletzend und in sich gebrochen durchs Leben ging, warum er die Demontage anderer benötigte, um vor sich selber stark zu sein, bestehen zu können.
Entschuldigen kann ihn diese Erkenntnis nicht, doch scheint mir das sich anbahnende Verständnis für das Handeln ein erster Schritt zur Aussöhnung zu sein.

In jedem anderen der von Bode beschriebenen Fälle treten Verhaltensmuster auf, mit denen ich ich in meiner Erziehung ebenfalls konfrontiert wurde und die als bezeichnend für die Weitergabe erlittener Traumata an die "Kriegsenkel" gesehen werden müssen. Grundsätzlich sind natürlich auch individuelle, d.h. von Kriegsschrecken unbefleckte Charaktereigenschaften in die Persönlichkeitsausprägung mit einzubeziehen; der einzige Aspekt, den ich in Sabine Bodes Buch nicht ausreichend gewürdigt vorfinde.
Vergleicht man jedoch den grundlegenden Tenor all ihrer berührend offenen Interviews, so bleibt kein anderes als dieses Fazit: Die eingekerkerten, sorgfältig unter Verschluss gehaltenen Traumata der Generation der Kriegskinder enden eben NICHT mit der Existenz derselben, sondern lebt in ihren Nachkommen fort. Leider verfügen die Kriegsenkel im Gegensatz zu der vorangegangenen Generation nicht über die naheliegende Möglichkeit einer entsprechenden Zuordnung, da dieser Weg in der Regel versperrt bleibt.

Ebendiesen freigelegt, Verständnis für das rätselhaft empathielose Erziehungsverhalten der Eltern initiiert zu haben, ist und wird das große Verdienst der Autorin bleiben. Sie bahnt Erkenntnisse an, die ich dergestalt nie für realisierbar gehalten hätte.
Danke, Frau Bode, für dieses teils befreiende, in jedem Fall jedoch in seinen bisher kaum beleuchteteten Facetten ungemein wichtige Buch, das ich aus tiefstem Herzen einem Jeden meiner Generation weiterempfehlen möchte, der in welcher Form auch immer unter seinen Eltern litt und den Mut aufzubringen imstande ist, sich mit den möglichen Ursachen zu konfrontieren.
1414 Kommentare|239 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. August 2009
Sabine Bode beschäftigt sich mit den Folgen des zweiten Weltkrieges und wie sich diese bis heute in unser aller Leben auswirken - ich habe aber bislang von ihr allerdings nur dieses Buch "Kriegsenkel" gelesen - die übrigen werden nun folgen.

Das Buch schildert an vielen biografischen Beispielen von Kriegsenkeln - das sind Menschen, die ab Mitte der 50er Jahre bis ca. 1970 geboren wurden - die Auswirkungen der Kriegserlebnisse auf die Schicksale Menschen und die ihrer Eltern. Generell scheint zwischen den beiden Generationen eine gewisse Sprach- und Verständnislosigkeit zu herrschen, vielfach waren die Eltern der Kriegsenkel nicht in der Lage, ihren Kindern die Liebe und Aufmerksamkeit zu geben, die sie als Kinder und oft auch noch als Erwachsene benötig hätten.

Kriegskinder sind die Menschen, die kurz vor oder während des Krieges geboren wurden und die Wirren und Eindrücke des Krieges und der Nachkriegszeit erleben mussten, die oft von ihren Eltern ebenfalls nicht die Liebe und Aufmerksamkeit erhielten, weil diese damit ausgelastet waren, das schiere Überleben der Familie zu ermöglichen.

Die Folge davon ist, dass Kriegskinder und -enkel auch mehr als 60 Jahre nach Kriegende die Folgen dieser Zeit in ihrem Leben verspüren, dass sich diese in der individuellen persönlichen und beruflichen Biografie niederschlagen. Vieles, was man sich vielleicht als Kriegsenkel bei den eigenen Eltern und in der eigenen Kindheit nicht erklären konnte, wird nach Lektüre dieses Buches viel klarer und oft erklärbarer.

Mir ist bei der Lektüre auch noch deutlicher geworden, welchen unglaublich starken Einfluss die Biografie der Großeltern und Eltern auf die eigene hat, wie diese das gesamte eigene Leben bestimmt. Das Buch hat mir auch aufgezeigt, wie wichtig es ist, sich als Kriegsenkel mit dieser Zeit und dem Phänomen auseinanderzusetzen, denn das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, mehr eigene Freiheit zu gewinnen.

Danke für dieses Buch.
11 Kommentar|164 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. August 2015
Durch die Bücher von Sabine Bode habe ich mich zum ersten Mal mit der Auswirkung des Krieges auf meine und die folgende Generation auseinandergesetzt und Hinweise gefunden, warum es zu einem massiven Generationenkonflikt gekommen ist, wie es ihn in diesem Ausmaß zuvor noch nie gegeben hat. Ich habe das Thema immer verdrängt - vermutlich auf Grund der erlittenen Schocktraumata und der fehlenden Erinnerung an frühe Kinderjahre. Jetzt bin ich über 70 und setze mich zum 1.Mal mit dieser Problematik auseinander. Nie hätte ich geglaubt, dass unsere "verlorenen Kindheit" noch Auswirkungen auf unsere Kinder haben könnte. Aufgewachsen unter einem autoritären Regime und in einem autoritären Elternhaus, haben die meisten von uns seelisch schwer gelitten und die erfahrenen Erziehungsmuster entweder unreflektiert weitergegeben oder genau das Gegenteil - nämlich Verwöhnung - praktiziert, weshalb unsere Kinder entweder überangepasst oder rebellisch sind. Die Bücher von S. Bode haben mir geholfen, diffuse Schuldgefühle endlich abzulegen( meine Generation hat oft falsch gehandelt, ohne sich dessen bewusst zu sein) und nach vorne zu blicken. Das Buch "Kriegsenkel" werde ich meinen Kindern in die Hand geben in der Hoffnung, dass es zu einem besseren Verständnis zwischen den Generationen beitragen wird.
0Kommentar|21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 31. März 2015
Ich bin selbst eine Kriegsenkelin (Jahrgang 1976), wie sie Sabine Bode in diesem Buch beschreibt und vorstellt.

Mir war immer schon klar, dass mich die Kriegserlebnisse meiner Eltern (Jahrgänge 1940 und 1941) geprägt haben und ich hab (leider) schon als Kind immer wieder mit meinen Eltern darüber gesprochen.

Ich muss gestehen, ich hatte etwas Bedenken, das Buch zu lesen. Ich hatte Angst, dass die Bilder, die ich übernommen und in Alpträumen immer wieder durchlebt habe, wieder hochkommen und es wieder mal mehr Verständnis für meine Eltern gibt als für mich. Ich gehöre zu der Gruppe, die sich über die Maßen mit ihren Eltern solidarisiert hat, auf Kosten der eigenen Persönlichkeit und Identität, die beruflich im Burnout gelandet und kinderlos geblieben ist.

Meine Bedenken haben sich beim Lesen zerstreut. Natürlich bin ich mit Sachverhalten konfrontiert und es sind neue Fragen aufgeworfen worden. Aber ich habe mich auch verstanden, ernst genommen und ermutigt gefühlt.
In den Geschichten und vorgestellten Betroffenen des Buches hab ich mich und meine Eltern immer wieder wiedererkannt und das hatte etwas tröstliches.

Ich werde noch einmal das Gespräch mit meiner Mutter suchen, mein Vater ist leider Weihnachten gestorben. Dadurch hab ich erst jetzt die Briefe lesen können, die sein gefallener Vater ihm von der Front geschickt hat. Ich hoffe, meine Mutter kann mir noch ein paar Fragen beantworten.

Wenn ich die Erziehungsmethoden meiner Schwestern und die Entwicklungen meiner Nichten sehe, muss ich aber leider feststellen, dass sich die vererbten Probleme in der Kriegsenkelgeneration nicht automatisch verlieren sondern auch hier weitergegeben werden, wenn nichts aufgearbeitet wird.

Abschließend kann ich nur jedem, der zur Kriegsenkelgeneration gehört, empfehlen dieses Buch zu lesen. Auch wenn keine Lösungsansätze geliefert werden für die eigenen Probleme, so kann man zumindest Erklärungen finden und vielleicht vieles anders nachvollziehen.
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Die Kölner Journalistin Sabine Bode widmet sich in ihrem Buch Kriegsenkel einem Themenkomplex, mit dem sie sich bereits in früheren Büchern auseinander gesetzt hat. Es geht um den Zusammenhang von Zeitgeschichte und Traumatisierung - unaufgearbeiteter Traumatisierung. Während das Buch "Die vergessene Generation - Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen" noch die unmittelbar durch Kriegserlebnisse Traumatisierten zu Wort kommen ließ, geht es nun um eine Generation, die eigentlich "glücklich" sein müsste, genoss sie doch eine unbeschwerte Jugend in Friedenszeiten. Doch die "Kriegsenkel", die etwa zwischen 1960 und 1975 zur Welt kamen, sind keineswegs "unbelastet", wie Bode feststellt.

Die Autorin hat mit 18 Kriegsenkeln gesprochen und überraschende Parallelen festgestellt. Diffuse Zukunftsängste und die häufig daraus folgende Kinderlosigkeit, ein Mangel an Zuversicht und Halt im Leben - von diesen Emotionen ist das Leben vieler 'Friedenskinder' geprägt. Sie berichten in Gesprächen und selbst verfassten Aufzeichnungen ausführlich von ihrem Leben, das stets beherrscht wurde von der Gemütsverfassung der Eltern, also der Kriegskinder, die sich mit dem im Krieg erfahrenen Leid allerdings nie wirklich auseinandergesetzt haben. Stattdessen bekamen ihre eigenen Kinder zu hören, dass alles nur halb so wild gewesen wäre, andere es viel schlimmer getroffen hätten und man selbst sich eigentlich glücklich schätzen könne. Oder: Was eine Eltern-Kind-Beziehung noch stärker belasten konnte - man traf auf Schweigen. Schweigen über das, was man selbst nicht verarbeiten kann. Vergewaltigungen und Gewalt, Hunger und Bombenangriffe, Väter, die nicht oder völlig traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten. Wenn der Mensch in Kriegszeiten auf das nackte Überleben eingestellt ist, verliert er in Friedenszeiten das Gefühl dafür, was Leben heißt und er bleibt - die Traumaforschung hat es schon längst nachgewiesen - in der Vergangenheit stecken. Werden diese Traumatisierungen nicht aufgearbeitet, sondern verdrängt, vergessen und verleugnet, so verschwinden sie keineswegs, sondern werden an die nachfolgenden Generationen weitergegeben, die als Kinder die geistige Fürsorge für die eigenen Eltern übernehmen.
Trotzdem ist Bodes Buch keine Anklage. Die Elterngeneration der Kriegsenkel wird nicht grundsätzlich verurteilt. Vielmehr versucht die Autorin für ein Thema zu sensibilisieren, das in unserer Gesellschaft immer noch viel zu selten diskutiert wird.

Fazit: Ein wichtiges Buch, das die Augen öffnen kann. Ein Buch, dem man viele Leser wünscht, damit endlich eine Diskussion angeregt wird, die das vor über 60 Jahren erfahrene Leid aufarbeiten hilft. Für Kriegskinder, Kriegsenkel und nachfolgende Generationen eine Lektüre, die auf einfühlsame Art und Weise hilft zu verstehen, was los ist mit "den Deutschen".
Unbedingt lesen!
0Kommentar|85 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. August 2012
In den Interviews mit Kriegsenkeln habe ich in fast jedem Gespräch Teile von mir selbst und meiner Biographie wiedergefunden. Die eigene Lebensgeschichte, Erfahrungen und Charaktereigenschaften einmal unter diesem Aspekt zu betrachten war sehr aufschlußreich, berührend, spannend und befreiend. Ich habe dadurch sehr viel mehr Verständnis für mich selbst und die Generation unserer Eltern und Großeltern mit all ihren unverständlichen Verhaltensweisen bekommen. Und gleichzeitig auch die Bestätigung dafür erhalten daß es in unserer Generation nicht ohne Grund so viele Menschen mit Ängsten, Depressionen etc... gibt die oft unerklärlich scheinen (auch wenn da sicher auch noch andere Faktoren mitspielen mögen).
Sabine Bode führt ganz klar an wann sie ihre eigene Meinung und Interpretation wiedergibt, wann sie sich auf andere Autoren beruft und wann sie die Meinungen und Interpretationen ihrer Interviewpartner beschreibt.

Für alle Angehörigen unserer Generation die sich manchmal fragen warum sie sich obwohl in einer Friedens- und Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen mit dem Leben so schwer tun ein sehr bereicherndes Buch!
0Kommentar|13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. März 2009
Es muss schwer gewesen sein, für das Unfassbare, das Unsichtbare der Schwierigkeiten einer Generation Worte zu finden und für die Worte den angemessenen Tonfall, der nicht anklagt, aber doch schonungslos benennt, was ist. Beides ist gelungen!
Als Angehöriger der Kriegsenkelgeneration bin ich dankbar für diesen Wurf. Und froh, dass es zusätzlich so viele Belege/Zitate in dem Buch gibt, die aus Fachkreisen der Trauma- oder Bindungsforschung kommen oder aber von anderen Autoritäten. Menschen, die über jeden Zweifel erhaben sind, dass sie sich mit ,Luxusproblemen beschäftigen oder spinnen`.
"Was könnte in Friedenszeiten an das Leid von Kriegskindern heranreichen? Das ist das Dilemma, das ist die Tragik vieler Kinder der Kriegskinder", so schreibt Sabine Bode.
Dieses Buch macht Mut, sich mit den Schatten der Vergangenheit zu beschäftigen, um das eigene Leid wahrzunehmen, ernst zu nehmen und um schlussendlich doch noch zu seinem eigenen Leben kommen zu können!
0Kommentar|73 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 2. September 2011
dieses buch von frau bode ist sicherlich für alle eine große bereicherung, aber für die generation der kriegsenkel eine unverzichtbare lektüre. ich gehöre dieser generation an und konnte durch dieses buch einiges aus der schublade des gefühls/der vermutung ins licht des bewussten holen. danke.
0Kommentar|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Dezember 2011
Ich (Jahrgang 69; Vater ausgebombt, Mutter Flächtlingskind) habe das Buch mit hohen Erwartungen gekauft u.a. wegen der teilweise sehr guten Kritiken in der Presse. Eines vorweg: Die Grundthese des Buches ist gut und wichtig. Die Idee, dass die Traumata der Eltern der Geburtsjahrgänge 1930 bis 1945 auch Auswirkungen auf die Generation der sog. Kriegsenkel haben, ist hochinteressant. Die Art der Darstellung in Form von relativ kurzen Fallbeschreibungen finde ich ziemlich oberflächlich. Die Übertragung der erkannten Hemmungen/Unsicherheiten der nunmehr in verantwortungsvollen Positionen wirkenden Kriegsenkel im privaten auf die gesellschaftliche Ebene, nämlich die These, dass der vermeintliche Mangel an politischen Entscheidungen in den letzten 15 Jahren sich mit diese Unsicherheit begründen lässt, halte ich einfach nur für eindimensional und populistisch. Das hätte nun wirklich nicht sein müssen...
Ich hatte den Eindruck, dass sich die Autorin in der wirklich guten Grundidee sonnt, oftmals aber nur an der Oberfläche schürft und am Ende das Bedürfnis hat, noch eine furchtbar wichtiges gesellschaftskritisches Fazit zu ziehen. Schade. Das gute Thema hätte dies nicht nötig gehabt...
Ein paar Informationen über die Autorin wären auch sinnvoll gewesen; sie ist freie Journalistin und Buchautorin. Keine Psychotherapeutin.
33 Kommentare|59 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Mai 2011
Das Buch kann zum Einstieg in ein neues Selbstverständnis der heute 40-50-Jährigen werden, vor allem, wenn sie davon ausgehen können, dass ihre Eltern im 2. Weltkrieg auf die eine oder andere Weise traumatisiert worden sind. 14 Kriegsenkel portraitiert Sabine Bode, jede einzelne Lebensgeschichte ist etwa 20 Seiten lang und kann von daher gut in einem Rutsch gelesen werden. Was dabei zum Vorschein kommt, sind ganz unterschiedliche Erfahrungen, die jedoch immer wieder gemeinsame Grundzüge aufweisen: Loslösungsschwierigkeiten von den Eltern, Unsicherheiten bezüglich der eigenen Identität, "Nebel", Kinderlosigkeit.

Ja, es stimmt: Sabine Bode ist keine Psychologin, sondern Journalistin. Ihr Buch liest sich flüssig, fast angenehm. Auf der anderen Seite hätte ich mir mehr Reflexion gewünscht, mehr Fundierung, weniger Aneinanderreihung von Einzelschicksalen, vielleicht sogar das Aufzeigen der einen oder anderen Möglichkeit, einen Ausweg aus diesen Kriegsenkel-typischen Leidensmustern zu finden. Immerhin bietet die Autorin eine Liste mit thematisch geordneter weiterführender Literatur.

So eignet sich das Buch hervorragend als Einstieg in die Thematik, weil sich viele Kriegsenkel in dem einen oder anderen Erfahrungsbericht wiederfinden dürften. Meinen Dank an die Autorin, dass sie dieses Buch zusammengestellt hat! Sie hat mir die Augen geöffnet für meine eigene Herkunft und für Probleme, die ich noch nie in diesem Licht gesehen hatte. Die weiterführende Arbeit müssen jetzt andere übernehmen, die auf diesen Gebieten besser bewandert sind.
22 Kommentare|11 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden