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am 29. September 2014
Warum gibt es heute zu wenige selbstbewusste und mutige Männer, die heldenhaft ihre biologische Aufgabe erfüllen, das Leben und dessen existentielle Grundlagen erfolgreich zu schützen und zu fördern? Robert Bly hatte über „die Männer“ geschrieben: „Ihre irrwitzige Ausbeutung der Bodenschätze unseres Planeten, ihre Geringschätzung und Erniedrigung der Frauen und ihre zwanghafte Leidenschaft für atavistische Kriegsspiele sind nicht zu leugnen. Ihr genetisches Erbe ist diesen Obsessionen ebenso förderlich wie das kulturelle und gesellschaftliche Umfeld.“ Wieviel Genetik und Physiologie (Biologie), wieviel Umwelteinfluss, wieviel Ideologie und wieviel davon freie eigene selbstbestimmte Leistung stecken in Männern?

Dr. Hans Hopf, Jahrgang 1942, hat ein Werk erstellt, dem man wünscht, ein Bestseller zu werden – wenn man mit den heutigen politischen und pädagogischen Gegebenheiten unzufrieden ist und zweckmäßigen Reformen den Weg bereiten möchte. Hopf war Lehrer an Grund- und Hauptschulen, studierte Medizinische Psychologie, Physiologie und Psychiatrie, lehrt als Dozent an Psychoanalytischen Instituten, leitet das Therapiezentrum „Osterhof", Baiersbronn. Als Gutachter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für ambulante tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen bearbeitet er seit 1999 ständig Anträge anderer Psychotherapeuten, die ihm ihre Erfahrungen und ihr Arbeitsvorgehen mit Heranwachsenden schildern. Seinem Buch liegen ein breiter Überblick über die Gegebenheiten und umfangreiche eigene therapeutische Praxiserfahrungen zugrunde.

Hopf lässt deutlich werden, welchen äußeren Einwirkungen Jungen in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind und wie diese Einwirkungen heute erfolgreiche Männer prägen. Er beschreibt eine Fülle destruktiver Bedingungen, die destruktiven männlichen Handlungstendenzen Vorschub leisten. Seine These lautet: „Die Jungen sind die „Emanzipationsverlierer“, sie wachsen überwiegend „vaterlos“ in einer feminisierten Welt auf.“

Seriöse wissenschaftliche Literatur beschreibt reale Gegebenheiten (Tatsachen) und gesetzmäßige Ursachen-Wirkungs-Zusammenhänge. Sie regt zu lösungsorientiertem Vorgehen an. Deshalb werden in ihr keine Schuldzuschreibungen vorgenommen. Wo Missstände und Schädigungen eingetreten sind, besteht die Aufgabe darin, die Ursachen zu klären und aktiv Maßnahmen einzuleiten, die weitere destruktive Folgen möglichst ausschließen. Solche wissenschaftliche Arbeit erklärt nicht nur Politisches. Wenn ihre Erkenntnisse praktisch berücksichtigt werden, ergeben sich Problemlösungen, die das Leben erleichtern, schützen und befriedigender werden lassen.

Hopf schreibt: „Wenn auf Problembereiche des Jungen eingegangen wird, müssen auch Überlegungen angestellt werden, wie eine erfolgreiche Erziehung aussehen könnte, die negativen Entwicklungen vorbeugt. (S.16) Allen Jungen auf ihrer schwierigen Suche nach ihrer Identität möchte ich dieses Buch widmen. (S. 22) Um den Jungen die Seele zurückzugeben, habe ich vor allem die folgenden Themen in den Mittelpunkt dieses Buches gestellt: an erster Stelle natürlich die Entwicklung von männlicher Identität in Beziehungsdreieck Mutter-Vater-Sohn. Die weiteren Schwerpunkte sind die psychischen Ursachen von Aggression und Affektregulierung, Bewegung und Bewegungsunruhe sowie von Aufmerksamkeit und ihren Störungen. (S.13f.)“

Jungen brauchen körperliche und argumentative Auseinandersetzungen mit ihrem Vater und mit anderen Männern, die in väterlicher Weise verantwortungsvoll den Jungen begegnen und sie auf das vorbereiten, worauf es im Leben ankommt. Der Vater fördert die Erkundung der nichtmütterlichen Welt und unterstützt seine Kinder gegen ein Verharren in der Symbiose mit ihrer Mutter. Eine gelingende Förderung jedes Kindes ist ganz entscheidend abhängig von der Fähigkeit ihrer Mutter, ihre Kinder nicht als ihren alleinigen Besitz zu betrachten. Dazu gibt es juristische Verpflichtungen: Fehlen Eltern diese Fähigkeiten, so verstoßen sie gegen Artikel 2 GG. Wenn sie sich nicht angemessen um ihre Kinder kümmern, verstoßen sie gegen Artikel 6 (2) GG. Wenn politische Instanzen nicht für die dazu erforderlichen Voraussetzungen sorgen, verstoßen diese gegen Artikel 1 GG.

In einer feminisierten familiären und pädagogischem Umwelt werden Jungen in ihrer männlichen Eigenart vielfach nicht hinreichend geachtet und gefördert, insbesondere nicht im Hinblick auf konstruktive Formen innerer und äußerer Konfliktbewältigung und Eigenständigkeit. Wenn Frauen nicht verstehen und achten, was in Jungen vorgeht, unterdrücken sie unbewusst oder bewusst deren gesunde Entwicklung: Wo sich Jungen nicht verstanden, respektiert und ernst genommen fühlen, wo also ihre Menschenwürde angetastet wird (Artikel 1 GG), lässt sich von ihnen keine Bereitschaft und Einsicht erwarten, sich Grenzen setzen zu lassen. Dann sehen sie sich von ihrer inneren Veranlagung her getrieben und berechtigt, weibliche Personen zu wenig ernst zu nehmen, ja geradezu zu verachten. So entstehen Machos, die lustvoll-sadistisch mit Frauen und aus ihrer Sicht „schwachen“ Männern umgehen: rücksichtslose Unterdrücker und Ausbeuter natürlicher Lebensressourcen.

Zu Unterdrückern können sie werden, wenn sie als Jungen immer wieder die Erfahrung machen, dass ihre natürlichen jungenhaften Bedürfnisse von andern Personen – überwiegend Frauen – ignoriert, verurteilt und unterdrückt werden. In unserer „Zivilisation“ oder „Kultur“
sind psychische und geistige Schädigungen so häufig und verbreitet, dass sie kaum auffallen. Sie erscheinen als nahezu „normal“. Deshalb bleiben sie in den meisten Fällen unbehandelt. Unterstützungsmaßnahmen werden vorwiegend von Menschen in Anspruch genommen, die unter ihren Schädigungen leiden oder dadurch in Leistungseinbußen geraten sind, etwa im Fall von Depressionen, Burnout, Prüfungs- und Versagensängsten, Beziehungs- und Suchtproblemen. Zu den verbreitetsten und gefährlichsten Störungen gehört die Rücksichtslosigkeit, zumal diese in etlichen Lebensbereichen mit Erfolgen einhergehen kann, zumeist auf Kosten und zum Schaden anderer.

Psychotherapeutische Unterstützung dient der Behandlung und Heilung derartiger Schädigungen und Erkrankungen. Dazu gehört die Vermittlung von Fähigkeiten zur sozial verträglichen Selbstregulation triebhafter Impulse und aggressiver Tendenzen. Damit tragen Psychotherapeuten zur Korrektur unangemessenen Sozialverhaltens bei. Ihre Arbeit dient der Vorbeugung gegenüber Machtmissbrauch, Gewalttaten und rechtswidrig-kriminellem Handeln. Zwischen Aggressivität bei Kindern und Kriminalität im Jugend- und Erwachsenenalter bestehen logische Zusammenhänge, weshalb rechtzeitige psychotherapeutische Hilfe dringend angezeigt ist.

Weil körperliche Erkrankungen und Schädigungen auffälliger sind, werden sie gemeinhin ernster genommen und für schwerwiegender gehalten. Seelische Erkrankungen sind nicht so leicht erkennbar und in ihren Auswirkungen oft deutlich gravierender, weil sie in der Regel nicht nur die Erkrankten selbst betreffen, sondern zudem ihr gesamtes soziales Umfeld belasten und beinträchtigen können. Vielfach ist ihre Überwindung aufwändiger und langwieriger als bei rein körperlichen Beeinträchtigungen.

Erfolgreiche pädagogische und psychotherapeutische Unterstützung beruht maßgeblich auf der Anerkennung menschlicher Bedürfnisse. Da Kinder ihre Bedürfnisse oft noch nicht eindeutig verständlich artikulieren können, sind diese von anderen empathisch zu erkennen und zu respektieren. Eltern sollten achtsam mit ihren Kindern umgehen, denn was sie tun und unterlassen ist folgenreich: Die Nicht-Berücksichtigung kindlicher Bedürfnisse hat schädigende Auswirkungen für Kinder und Eltern und die Zukunft der Menschheit. Hopf betont: „Ein Kleinreden bis Verleugnen kindlicher Bedürfnisse ist geradezu ein Signum unserer Zeit. (S. 262)“ Infolge dieser Missachtung entstehen vielfältige geistige, seelische und körperliche Schädigungen und Erkrankungen. Die Verbreitung, die Bedeutung und die Wirkungen psychischer Erkrankungen werden generell in unserer Gesellschaft unterschätzt. Sie können „ansteckend“ sein und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Zu ihnen gehört die Geschwisterrivalität (Diagnose: ICD-10 F93.3).

Die Kinderrechtskonventionen und die Menschenrechtsdeklarationen der Vereinten Nationen sind ebenso wie die Grundrechte im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland bewusst formuliert worden, weil die Rechte bzw. die Bedürfnisse von Kindern und auch Erwachsenen weltweit allzu sehr missachtet werden. Diese Rechte werden vielfach fälschlich als ein Luxus betrachtet, an dem zu orientieren man sich nicht leisten könne. Ist es denn wirklich ein Luxus zu fordern, man möge sich vorsichtig und rücksichtsvoll anderen gegenüber verhalten, um Schädigungen zu vermeiden? Diese Forderung wird gemäß § 1 der Straßenverkehrsordnung weltweit nicht nur als berechtigt, sondern auch als unbedingt notwendig anerkannt; Zuwiderhandlungen sind hier strafbar! Denn wenn jeder sich so verhielte, wie es ihm gerade spontan einfällt, ohne sich an Fairnessregeln zu halten und auf die Folgen zu achten, wird jegliches sichere Zusammenleben unmöglich; es kommt dann zu Mord und Totschlag, Plünderungen usw. Dementsprechend bekennt sich gemäß Artikel 1 GG „das Deutsche Volk …zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Dass in Deutschland die Psychotherapiekosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, beruht maßgeblich auf diesem Artikel.

Hopf betont: „Wünsche von Eltern, deren Lebensplanungen und Entscheidungen decken sich nicht immer mit den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Kinder. Es muss – so gut das geht – zur bestmöglichen Kompromissbildung kommen. (S. 263)“. Wenn in unserer Gesellschaft aus der Sicht des Kindes argumentiert wird, so erfolgt dies auf Grund der schon gewonnenen Erkenntnisse über das, was dem Kindeswohl nachgewiesenermaßen wirksam dient.

Hopf schließt sein Werk mit den Worten: „Ich wünsche mir, dass Jungen in der Zukunft ihre phallischen Tendenzen und ihre Bewegungsfreude, vom liebevollen Blick der Mutter begleitet, leben dürfen, auch von den wohlwollenden Augen ihre Erzieherinnen und Lehrerinnen. Dass nicht missverstanden wird, wenn sie oft aktiver, lauter, risikobereiter und aggressiver sind als Mädchen, und dass sie die Umwelt erforschen dürfen. Dass sie gute Beziehungserfahrungen mit der Mutter erwerben und deren Weiblichkeit als etwas Wertvolles in sich schätzen werden. Dass sie – in Anwesenheit eines einander zugewandten Paares – zu ihrer eigenen Identität finden können. Dass sie innerhalb ihrer Erziehung auf eigene und auf öffentliche psychisch präsente Väter treffen, die sie liebevoll und konsequent begrenzen werden und mit denen sie sich identifizieren können, so dass sie sich entsprechend ihren wesensmäßigen Charakterzügen zum reifen Mann entwickeln können. (S. 374)“

Hopf belegt seine Ausführungen mit eindrucksvollen Fallbeispielen und einer Fülle von Untersuchungsbefunden. Dabei werden die herrschenden ökonomischen, bildungsbezogenen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich, an denen im Hinblick auf die Erfüllung dieser Wünsche auf den politischen Ebenen energisch gearbeitet werden müsste. Zu zeigen, was sich hier zweckmäßigerweise tun lässt, geht über die Thematik seines Werkes hinaus.

Als Rezensent vermisse ich eine Differenzierung: Es gibt hochsensible Jungen. Auf deren besondere Eigenarten und Betroffenheit geht Hopf leider nicht ein. Möglicherweise liegen ihm dazu noch zu wenige Befunde vor.

Abschnitte, in denen sich Hopf der psychoanalytischen Fachsprache bedient, dürften für etliche Leser schwer verständlich sein. Seelische und atomphysikalische Prozesse haben etwas gemeinsam: Die dort wirkenden Kräfte und Prozesse sind unsichtbar und zugleich von eminenter Bedeutung. Sie sind das, was das Leben in der Welt in seinem Innersten zusammenhält. Es geht hier um Tatsachen, zu denen Kennzeichnung Worte und Begriffe erforderlich sind, die wissenschaftliche Exaktheit, also Definitionen und gedankliche Disziplinierung sowie Einarbeitung, erfordern. Weil sich bis heute noch zu wenige Menschen mit diesen existenziell-fundamental wichtigen Tatsachen hinreichend gut auskennen, sollten sich alle Menschen in die Thematik des vorgelegten Buches vertiefen. Das kann auch anhand von Literatur geschehen, die nicht psychoanalytisch geprägt ist (siehe unten).

Hans Hopf hat ein Fachbuch erstellt, das reale Gegebenheiten thematisiert und das aufzeigt, was aus seiner Sicht notwendig ist, um auf offensichtliche Missstände mit konstruktiven Maßnahmen zu reagieren. Sein Anliegen ist, Herausforderungen darzustellen und zweckmäßige Lösungen zu unterstützen. Hopf konfrontiert seine Leser mit einigen Tatsachen und Notwendigkeiten, die unbequem sind. Das ist erforderlich, um zu nachhaltig befriedigendem Leben der biologischen Gattung Homo sapiens auf unserem Planeten beizutragen.

Damit befindet sich sein Werk in der geistigen Tradition von Bestsellern wie „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley, „Die einsame Masse“ von David Riesman, „Menschenkenntnis von Alfred Adler, „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“ von Alexander Mitscherlich und „Eltern, Kind und Neurose“ von Horst-Eberhard Richter. Zu den Vorläufern seines Werkes zählen sicher auch zwei Schriften des britischen Psychiaters Ronald D. Laing: „Die Politik der Familie“ und „Die Tatsachen des Lebens.“ Hopfs Fachkollege Hans-Joachim Maaz argumentiert ähnlich in „Der Lilith-Komplex. Die dunklen Seiten der Mütterlichkeit“, ebenso wie Torsten Milsch in „Mutti ist die Bestie. Die heimliche Diktatur vieler Mütter“. Dazu passende Bücher für Väter schrieben: David Deida: „Der Weg des wahren Mannes“ und Richard Rohr: „Vom wilden Mann zum weisen Mann.“ Frauen sei der Roman von Thomas Hettche: „Die Liebe der Väter“ empfohlen.

Aus unterschiedlichen Perspektiven erkennen gewissenhaft arbeitende Experten aus aller Welt immer genauer die unserem Leben zugrunde liegenden Wahrheiten und Aufgabenstellungen.

Der Rezensent, Jahrgang 1950, arbeitet seit 1999 als Psychologischer Psychotherapeut mit KV-Zulassung für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen. Davor war er Hochschullehrer am Psychologischen Institut der Universität Hamburg, Dozent in der Lehreraus- und Fortbildung und Grundschullehrer.
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am 27. Mai 2014
„In den 90er Jahren begannen Jungen zum Problem zu werden“.

Vor allem stehen seitdem immer mehr ADHS Diagnosen im Raum, aber auch ein spürbares Bildungsgefälle zu gleichaltrigen Mädchen und quantitativ zunehmende massive Probleme mit der Affektbeherrschung.
Erscheinungen, so Hopf, die es „schon immer gab“, durch „neue“ Diagnosen und Medikamente aber in ihren Ursachen nicht mehr unbedingt in den Blick gelangte.

Gegen ein solches „Bearbeiten der Symptome alleine“ wendet sich Hopf in diesem Buch (nicht nur in Bezug auf ADHS) nun entschieden.
Er nutzt die Beobachtung der „Auffälligkeiten bei Jungen“, die seit nun doch zwei Jahrzehnten im Fokus der Diskussion stehen, um in großer Breite, sehr fundiert und sehr grundsätzlich der „Seele des Jungen“ auf der Basis der verschiedenen psychoanalytischen Ansätze nachzugehen.

Was ist und wie finden Jungen ihre Identität? Welche Faktoren sind für die erfolgreiche „Suche nach Identität“ förderlich, welche hinderlich?

Strukturiert und gründlich legt Hopf die Kernbeziehungen und Kernfaktoren vor Augen.

„Mutter und Sohn“, „Vater und Sohn“, die „Triebentwicklung des Jungen“, „Latenz heute“, die schwierige Phase der „Adoleszenz“, der Blick auf das „Elternpaar“, „Brüder und Schwestern“, eine sehr ausführliche und sehr verständliche Darlegung zur „Aggression des Jungen“ (jener Ort, an dem am meisten „auffällig“ wird, von außen gesehen), die „Externalisierung“ (mitsamt der „Lust an den äußeren Welten“ (Abenteuer) und der Faszination für „unbelebte Dinge“ (Technikbegeisterung), die „Sehnsucht nach der Weite“ u.a. finden hier ihren Platz) werden Schritt für Schritt angegangen und münden im letzten Kapitel des Buches, „Jungen und Aufmerksamkeit“.

Alle Themen werden sorgfältig und verständlich dem Leser dargeboten. Sowohl, was den aktuellen Stand der psychoanalytischen Ansätze angeht, wie vor allem die sachlichen und zielgerichteten Interpretationen, die Hopf aus diesen Erkenntnissen heraus entfaltet.

Immer wieder taucht im Hintergrund und, in Teilen, stark betont Hopfs Haltung zur „Diagnose ADHS“ auf. 1991 lagen 1500 dieser Diagnosen vor, 2011 waren es bereits 757.0000 Kinder, davon sind 75% Jungen gewesen, Tendenzen steigend.

So überzeugen allein diese Zahlen davon, dass hier ein Krankheitsbild besonders entfaltet worden ist, auch von medizinischer und gesellschaftlicher Seite heraus.

Hopf verweist nachdrücklich auf die moderne „Reibung der Sozialisation eines männlichen Kindes“, welches einerseits immer noch und klassisch eine Idealisierung „männlicher“ Affekte wie Erregung, Wut, Verachtung in sich trägt, andererseits aber in der modernen „zivilisierten“ Welt „von Beginn an unangenehme Emotionen sediert“ werden.

Damit steht im Raum: „alles gerät außer Form, die Körper ebenso, wie die Wünsche“.

Nun ist es nicht diese „Formlosigkeit“ und eine damit einhergehende Desorientierung für Jungen allein, die zum aktuellen Stand der „Problematik des Jungen“ führen, dennoch ist die Beobachtung eine wichtige und entscheidende: „Wir haben offenbar familiäre und gesellschaftliche Bedingungen geschaffen, die Jungen (zumindest in höherer Zahl) immer unruhiger werden lassen“.

„Unsere Gesellschaft produziert unruhige Kinder, aber sie erträgt sie nicht“. Man geht aber auch nicht an die Ursachen der Symptome, sondern „stellt still“.

Bei der Lektüre wird daher deutlich, wie sehr eine Gemengelage zwischen „natürlichem Entwicklungs-Trieb“, familiärer Situation und gesellschaftlicher Sanktion immer für die Wertung von Affekten bestimmend die „Suche nach Identität“ des Jungen stark beeinflussen.

Dies ist im Übrigen bei weitem nicht die einzige Erkenntnis, die der Leser aus diesem hervorragenden Buch zieht.

Eine umfassende, sehr verständliche und sehr fachkundige Darlegung, die zum Verstehen der Entwicklung des Jungen, der vorherrschenden gesellschaftlichen Bewertungen und der Reibungen, die daraus entstehen (wie zu allen Zeiten Reibungen entstanden, aber weniger als „Krankheit“ definiert wurden) in bester Weise verhelfen und je konstruktive Alternativen zu benennen versteht. Gleichermaßen geeignet für Eltern, Erzieher, Lehrer, Psychologen und Mediziner.
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am 13. Februar 2015
Ein phantastisches Buch, das alles sagt! Hans Hopf hat seine jahrzehntelange Erfahrung als Kinderpsychoanalytiker in diesem Buch so zusammengetragen, dass es keine Wünsche offen lässt. Ach doch, vielleicht den Wunsch, dass dieses Buch auch in etwas leichterer Sprache und Form für Jedermann erhältlich ist!
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am 24. November 2014
Ein hervorragendes Fachbuch auch für den Nichtfachmann. Ein wissenschaftlich fundiertes Plädoyer für Jungen in einer zunehmend weiblich orientierten und dominierten Bildungswelt.
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am 22. März 2014
Das Buch sollte jedem Vater, der an einer stabilen und emotional guten Beziehung zu seinem Sohn interessiert ist, geschenkt werden. Ein wundervolles Buch - und es hat den großen Vorteil, dass es nicht nur für Fachleute geschrieben ist, sondern sich auch an Eltern richtet. Endlich ein Autor, der die Ansprüche seiner psychoanalytischen Kollegen erfüllt und gleichzeitig so schreibt, dass auch die Großmutter (so der Autor bez. geeigneter Leseklientel) es mit Genuss lesen kann.
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am 28. März 2014
Alle relevante Forschung auf den Punkt gebracht; verständliches Fachdeutsch, gut für Therapeuten, aber auch für Eltern von Söhnen in allen Altersgruppen.
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am 9. April 2014
ein wunderbares Buch, um Männer und Jungens zu verstehen. Mit Wissen, Einfühlung und Achtung geschrieben. Ein Muss für jeden Kindertherapeuten.
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