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5.0 von 5 Sternen Zum Ausgangspunkt der modernen Sexualität, 27. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Lust und Freiheit: Die Geschichte der ersten sexuellen Revolution (Gebundene Ausgabe)
Die sexuelle Revolution, der Weg zur „Freiheit der Lust“ und „freie Liebe“, nach landläufiger Meinung ging und geht dies einher mit der allgemeinen Aufbruchstimmung Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, einhergehend mit der Entwicklung der „Pille“ als sicheres und einfaches Verhütungsmittel.

Doch weit gefehlt, folgt man diesen glänzend formulierten Ausführungen im neuen Buch von Dabhoiwala. Am Dreh- und Angelpunkt der öffentlichen Haltung zur Prostitution, zu Prostituierten und, feiner formuliert, zu den Kurtisanen des ausgehenden Mittelalters führt Dabhoiwala den Leser hinein in die, so betrachtet, echte und wahre sexuelle Revolution im Zeitalter der Aufklärung.

Zu Zeiten, als das eigene Denken an Stellenwert gewann, Zweifel an, vor allem religiösen, Traditionen und moralischen Geboten breit laut wurden, in dem eine allgemeine Aufbruchstimmung hin zur Rationalität, zur Individualität, zur kritischen Hinterfragung jedweder Bevormundung sich Bahn gebrochen hat.

In Begleitung der Reformation, der sich an bahnenden Revolutionen und des Humanismus findet sich ein vielfaches an kleinen und größeren Hinterlassenschaften des Denkens und der Kunst, die bereits zur damaligen Zeit eine sich öffnende Haltung zur Erotik und Lust dokumentierten und damit eine Entwicklung angestoßen haben, die bis in die Gegenwart die Haltung zur Sexualität nachhaltig beeinflusst hat.

Konkrete „Rückfälle“ in „prüde Haltungen“ erläutert Dabhiowala dabei ebenso, wie er vor allem den roten Faden des Themas konsequent vor Augen hält. Wobei immer deutlich bleibt, wie eng religiöse Vorstellungen und, vor allem, religiöse Macht in direktem Sinne mit der Entwicklung und Entfaltung der Sexualität einher geht. In einfacher Formel ausgedrückt legt Dabhoiwala offen: Je mehr Religion, desto strenger die sexuellen normen, je größer die religiöse Toleranz, desto höher entsprechend die sexuelle Toleranz.

Eine Formel, die im Übrigen auch in der Gegenwart genauso vorzufinden ist. Vom amerikanischen „Bible belt“ zu strikt Scharia orientierten Gegenden der Welt.

Sehr konkret und plastisch geht Dabhoiwala seinem Thema bei seiner Darstellung nach, sehr informativ zeigt sich die Lektüre. Von der „Lockerung der Sitten“ bis hin zum sich rapide und massiv wandelnden (nicht nur sexuellen) Bild von Frauen und Männern im Lauf der Zeiten, angestoßen durch Säkularisierung und Toleranz zeigt sich eine verständliche und folgerichtige Entwicklung der öffentlichen Haltung zum Körperlichen und zur Sexualität. Mitsamt der jeweiligen Reaktion auf diese „neuen“ Einstellungen.

Einschränkungen, literarische Verarbeitung, die Erfindung „Casanovas“, die Verhüllung der „anständigen Frau“, die Stellung von Mätressen und Geliebten an den Höfen, an vielen Beispielen zeigt Dabhoiwala die Folgen der „neuen Freiheit“, die allerdings nicht zu einer breiten „frühen Emanzipation“ führten, sondern entsprechend mannigfaltige Gegenreaktionen hervorbrachten, die Sexualität weiterhin oder gar noch mehr auch wieder ins „Nicht-Öffentliche“ verorteten.

Dennoch, bis zum heutigen Tag bricht sich die individuelle Freiheit auch im Bereich des Sexuellen Bahn und das von einem viel früheren Zeitpunkt an bereits, als landläufig gedacht.

Ein hervorragend zu lesendes, sehr informatives, sehr breites Buch, das den „Haltungen der körperlichen Lust“ in der Geschichte seit der Aufklärung differenziert und kundig nachgeht und dabei die enge Verbindung zwischen individueller Freiheit, gesellschaftlicher Vielfalt und sexueller Toleranz unmissverständlich aufzeigt.
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Lust und Freiheit: Die Geschichte der ersten sexuellen Revolution
Lust und Freiheit: Die Geschichte der ersten sexuellen Revolution von Faramerz Dabhoiwala (Gebundene Ausgabe - 26. April 2014)
EUR 29,95
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