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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Verlust der Menschlichkeit
Effizienz ist eines der wichtigsten Wörter der Zeit geworden. Leistungsfähig, dynamisch, immer nachweisen, dass „man es noch bringt“.

In einer Gesellschaft, die auf Wettbewerb ausgerichtet ist, in der „Geiz ist geil“ lange ein geflügeltes Schlagwort war. Ein Wettbewerb, der nicht nur den Kunden die preiswertesten Angebote...
Vor 21 Monaten von M. Lehmann-Pape veröffentlicht

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was ist Wirklichkeit?
Um es vorneweg zu betonen: für mich ist „Der Wahnsinn der Normalität“ eines der wichtigsten und entlarvendsten Bücher, die jemals geschrieben wurden. Umso mehr war ich auf das neue Werk von Arno Gruen gespannt, in dem er aufzuzeigen versucht, dass nur durch die Liebe und die Wiederentdeckung der Empathie die Entmenschlichung, die Entfremdung in...
Vor 3 Monaten von Mimir veröffentlicht


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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Verlust der Menschlichkeit, 25. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
Effizienz ist eines der wichtigsten Wörter der Zeit geworden. Leistungsfähig, dynamisch, immer nachweisen, dass „man es noch bringt“.

In einer Gesellschaft, die auf Wettbewerb ausgerichtet ist, in der „Geiz ist geil“ lange ein geflügeltes Schlagwort war. Ein Wettbewerb, der nicht nur den Kunden die preiswertesten Angebote offerieren will, sondern der auch untereinander in eine „Wettbewerbshaltung“ bringt. Sei es im öffentlichen, beruflichen Leben, sei es im privaten „Hobby“, wo nicht wenige auch ältere Herrschaften mit aller Technik und Hilfsmitteln ausgerüstet verbissen für den nächsten Marathon trainieren. Die Bühne, wo man es „ so richtig zeigen kann“.

Das ist eine nicht unbedingt neue Ausgangslage, schon Erich Fromm hat vor Jahrzehnten zwischen „Haben und Sein“ unterschieden. In ähnlicher Zielrichtung mit einem ernsten Unterton und scharfem Blick wendet Arno Gruen in seinem neuen Buch den Blick auf unsere Lebensweise und Lebenshaltungen, vorrangig im Blick auf den „wirtschaftsorientierten Westen“. Wobei Gruen nicht in einer einfachen „Kritik am System“ verbleibt, sondern den Blick wesentlich tiefer richtet. In der Sorge um die zunehmende „Ersetzung“ des empathischen Denkens allein mit kognitiven Herangehensweisen.

Tiefer auf die Veränderung der „weichen“ Faktoren menschlichen Seins, der inneren Errungenschaften von Humanismus und Aufklärung. Der Fähigkeit, „miteinander“ das Leben zu gestalten, lebendig und empathisch. Und der Folgen auch im Umgang mit sich selbst, die eigene Werteleiter, in der Effizienz, ein erfolgreicher „Schein“, ein „mithalten um jeden Preis“ ganz oben stehen.

Was sich ausdrückt in einem „Leben in einer Scheinwelt ohne Mitgefühl“, wie Gruen formuliert und sehr, sehr überzeugend dem Leser nicht nur vor Augen, sondern auch „in die Emotion“ führt. Eine Beobachtung, eine Erkenntnis, die in diesem Buch fortführt, was Gruen in seinem früheren Werk „Der Verrat des Selbst“ bereits zum Schwerpunkt gesetzt hatte.

Vielfach sieht er die Zeichen am Horizont und benennt diese präzise und klar, wie sich die Lebensweise verändert, dem Menschen das Menschliche beginnt zu nehmen und die existenzielle Frage des „Sein oder Nicht-Seins“ drängend in den Raum tritt.

„Denken wir aber ohne Mitgefühlt (das, was Menschen gerne „realistisch“ nennen), dann leben wir in einer Scheinwelt aus Abstraktionen, die Kampf und Konkurrenz zu den Triebkräften unserer Existenz machen. In dieser Welt...... dominiert die Gewalt“.

Eine Diagnose, die Gruen durch vielfache Bereiche des alltäglichen Lebens nun durchdekliniert. Von den „großen“ Themen des Terrorismus und „Sublimierung und Machttrieb“ bis zu (auch heute noch nicht nur in südlichen Gefilden Europas und Afrikas verbreiteten) alltäglich erscheinenden Haltungen der „männlichen Ehre“.

Wobei Gruen auch bei diesen alltäglichen Themen kein Blatt vor den Mund nimmt.
„Männliche Ehre und andere Ammenmärchen“ zeigt klar auf, wie er all diese Versuche vermeintlicher „Alpha“ Tiere und die Grundhaltung von Konkurrenz und Kampf im Kleinen wie im Großen bewertet. Da, wo „Besitz“ das Selbstbild erzeugt und hierzu auch die eigene Frau, die Kinder, alles Mögliche mit gehören sollen.

Eine deutlich benannte Sorge aufgrund seiner Beobachtungen. In sachlicher, kühler Sprache. Sezierend, nicht lamentierend und daher umso beeindruckender für den Leser.
Natürlich geht und ginge es auch anders, wie Gruen ebenfalls aufzeigt. Bleibt zu hoffen, dass seine Diagnose und seine Wege „zurück zur Empathie“ nicht ungehört bleiben.

„Die Gier muss bekämpft werden“.

Ein kluges, sachliches, nichtsdestotrotz erschreckendes Buch, weil vieles von dem, was Gruen schreibt, für jeden Leser im Alltag beobachtbar und nachvollziehbar ist. Und ein überzeugendes Plädoyer für Mitmenschlichkeit statt Konkurrenz, für Sein statt Schein, für Leben statt „Stylen“ und „Haben müssen“, um das eigene Selbstbild zu stärken.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Arno Gruen hat recht, aber . . ., 27. Mai 2013
Von 
Christian Döring "leseratte" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
Mit Allem was der Autor hier in seinem Buch sagt, hat er recht. Ich unterschreibe jedes Wort von ihm, aber dennoch bin ich auch zugleich ein wenig enttäuscht von ihm. Arno Gruen beobachtet und analysiert sehr genau wie wir Menschen uns mit unserem täglichen Tun und Handeln in eine Sackgasse manövrieren.

Was er jedoch nicht tut, vielleicht ist dies auch gar nicht möglich, er sagt mir nicht, wie ich als Einzelner aus dieser Sackgasse wieder herauskomme oder will er mir mit leeren und theoretischen Sätzen vermitteln, dies ist auch nicht mehr möglich?

Gruen sagt: "Liebe - und nicht Profit, Größe oder Leistung - ist das entscheidende Merkmal unserer Evolution. Unsere Zivilisationsentwicklung beeinträchtigt Liebe und damit Empatie nachhaltig, oft zerstörerisch." Dann fordert der Psychoanalytiker von uns die Anwendung des von ihm favorisierten "erweiterten Bewusstseins". Was dies bedeutet, erklärt er sehr gut zuvor. Aber ich denke, dies ist nicht praktizierbar. Liebe lässt sich nicht verordnen!

Außerdem, wer mit Liebe unserem kälter werdenden Alltag begegnet, hat der eine Chance Nachahmer zu finden? Wird der nicht viel eher ausgelacht und zieht sich wieder zurück in die geschlossene Front?

Wie gesagt, dieses Buch ist wichtig gelesen zu werden, aber praktikable Auswege aus unserer Misere hab ich keine entdeckt!
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Dem Leben entfremdet " von Arno Gruen, 9. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
"Dem Leben entfremdet" ist eines der besten Sachbücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Es beleuchtet auf gut verstehbare Weise die Sachzwänge und Mechanismen unsrer modernen Gesellschaft. Arno Gruen gelingt es sehr gut, verständlich zu machen, wie sich Phänomene der Jetztzeit, z.B. der Fundamentalismus, entwickeln und ausbreiten können. Nachvollziehbar und auf eine neue Weise erklärt er, wie sich und vor allem warum sich Unterdrückte immer wieder mit ihren Unterdrückern solidarisieren.
Ich bin noch nicht durch, aber ich muss gestehen, es liest sich wie ein Krimi und manchmal bleibt einem der Atem weg, wenn man Zusammenhänge begreift. Sehr zu empfehlen!
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein leidenschaftliches Plädoyer, den Weg des Lebens neu zu entdecken, 23. Mai 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
Die Empathie, eine mitfühlende Achtsamkeit dem Leben gegenüber wird in den letzten Jahre in vielen Büchern und Ratgebern immer wieder genannt als eine unverzichtbare Eigenschaft, die Eltern, Erzieherinnen und Lehrer ihren Kindern vermitteln müssten, um sie zu selbstgewissen und selbstbewussten, aufrechten Menschen zu erziehen.

Der bekannte Pädagoge Jesper Juul hat in seinem neuen Buch „Aggression“ gerade beschrieben,
wie es gelingen kann, Aggressionen zu integrieren, benennt die Empathie als das „Gegengift zur Gewalt“ und plädiert für eine Kultur, die auf die Resilienz des Menschen baut.

Der Psychoanalytiker Arno Gruen geht in seiner hier vorliegenden Studie „Dem Leben entfremdet“ viel tiefer. Er denkt radikaler und grundsätzlicher, wenn er nachweist, wie unser Bewusstsein und unsere Wirklichkeit nicht etwa von Empathie o.ä. beherrscht sind, sondern von Krisen, Hass, Exzessen und Gewalt. Das geht bis zur grundsätzlichen Verachtung alles Menschlichen.

Die Wissenschaft, die Technik und vor allem die Informatik formen ein abstraktes Bewusstsein von der Welt und entfremden die Menschen vom Leben. Ihr eigentlich natürliches Mitgefühl für andere Menschen und ihre Wahrnehmung der Welt werden zunehmend abgewertet und sogar ersetzt durch ein „unnatürliches und nicht mehr menschliches Bewusstsein.“

Und so kommt es, so Gruen, dass die Menschen ihr selbstzerstörisches Handeln und Leben nicht mehr als solches wahrnehmen und erst recht nicht mehr die Ursachen dafür benennen können. Ihnen ist das empathische Bewusstsein verloren gegangen, das dafür nötig wäre.

In einer kritischen Fundamentalkritik an unserer gesamten Zivilisation lässt er zunächst wenig Positives erblicken, bevor er am Ende mit den Worten des Dalai Lama so etwas wie eine Perspektive weist:
„Paradoxerweise können wir uns selbst nur helfen, wenn wir den Anderen helfen. Die Voraussetzung für das Überleben unserer Spezies sind Liebe und Mitgefühl, unsere Fähigkeit, anderen beizustehen und ihren Schmerz zu teilen … Leid zu verstehen .. bedeutet wirkliche Empathie zu verstehen… Das Gefühl der Verbundenheit mit allen Lebewesen kann nur erreicht werden, wenn wir erkennen, dass wir alle vereint und voneinander abhängig sind.“

Jeder, so sagt Gruen, kann dazu beitragen und in seinem Leben beginnen: „Wenn wir den Prozess der Selbstentfremdung unterbrechen, uns selbst mit all unseren Schwächen und unserem Selbst annehmen und die Schwächen anderer respektieren, dann können wir uns selbst und andere wieder lieben lernen.“

Ein leidenschaftliches Plädoyer, den Weg des Lebens neu zu entdecken.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein wichtiges Buch, 25. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
Arno Gruen macht in diesem Buch eine radikale Analyse unserer Gesellschaft und traut sich unsere gesamte Kultur, ja die Grundlagen unserer Kultur in Frage zu stellen. Diese Kritik ist für unser Überleben wichtig, denn wenn wir uns nicht umorientieren werden immer mehr Menschen krank und depressiv. Das einzige was ich schade finde, aber von einem Psychoanalytiker vielleicht auch nicht zu erwarten ist, ist ein Hinweis darauf, dass die Abkehr von einem empathischen Empfinden auch die Abkehr oder Verleugnung des Körpers mit sich bringt oder das eine das andere bedingt. Unser Körperempfinden und lauschen auf unser wohl- und unwohl sein, würde Menschen wieder näher zu sich selbst bringen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was ist Wirklichkeit?, 2. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
Um es vorneweg zu betonen: für mich ist „Der Wahnsinn der Normalität“ eines der wichtigsten und entlarvendsten Bücher, die jemals geschrieben wurden. Umso mehr war ich auf das neue Werk von Arno Gruen gespannt, in dem er aufzuzeigen versucht, dass nur durch die Liebe und die Wiederentdeckung der Empathie die Entmenschlichung, die Entfremdung in unserer Gesellschaft überwunden werden kann. Anklänge an „Haben oder Sein - Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft“ von Erich Fromm kamen dabei hoch. Doch ich wurde in meinen Erwartungen größtenteils enttäuscht.

Arno Gruen versucht aufzuzeigen, dass durch die Entstehung der großen Zivilisationen dem Menschen die Fähigkeit, in der Wirklichkeit zu leben, verloren geht, weil die dem Menschen innewohnende empathische Natur unterdrückt wird. Gruen ist Psychoanalytiker Freudscher Prägung und so verwundert es nicht, dass er seine These mit eigenen Einsichten und allgemein frühkindlichen prägenden Erfahrungen, mit Entfremdung, Sublimierung und Projektion begründet. Er kritisiert überzeugend reale gesellschaftliche Verhältnisse, die zunehmende Infantilisierung; ebenso wie Zustände, Ideale und Werte wie Macht, Besitz von Dingen, Egoismus; dazu die zunehmende Identifizierung des Ichs mit Äußerlichkeiten und dem damit verbundenen Verlust von Identität. Er beschreibt eindrücklich die aus Angst und Unsicherheit resultierende Zerstörungswut. Vereinfacht ausgedrückt dominiert für Gruen die Gewalt die Welt der Abstraktion, der Freiheitsbegriff wird in seinen Augen missbraucht, das Bewusstsein der Menschen wird durch simples Feinddenken bestimmt.

Das alles liest sich nachvollziehbar. Doch Gruen geht weiter, baut eine sonderbare Dichotomie von Empathie und Rationalität, von Empathie und Kognition im Sinne der Abstraktion von Erkenntnis bzw. Wahrnehmung auf. Er gerät so in eine wenig einleuchtende Spaltung des menschlichen Seins. Er beschreibt Macht als einziges Mittel, sich heutzutage ein Gefühl von Sicherheit zu erschaffen. Doch was machen die, die nicht nach Macht streben? Gruen zitiert Shakespeare, Goethe, Ortega y Gasset, lässt aber erstaunlicherweise Schopenhauer und Nietzsche im Kontext der Erörterung von Macht unerwähnt. Seine biologischen Erklärungsansätze sind darüber hinaus obskur. Die unklare Trennung oder Gleichsetzung von Gefühl, Empfinden und Empathie verwirrt. Weiterhin stellt sich die Frage, ob extreme Beispiele wie »identitätslose« Selbstmordattentäter so typisch für „unsere Gesellschaft“ sind.

Tomaso Carnetto schreibt in einer Anmerkung: »Gruens Werk folgt der Hoffnung und Forderung zugleich, dass die Geschichte der entmenschlichten Idealisierung sich unter keinen Umständen wiederholen darf.« Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Mitfühlen ist die Basis des menschlichen Zusammenlebens; nicht Erfolg oder Kosten-Nutzen-Analysen wie in unserer modernen, von der Ökonomie dominierten Welt. Empathie als die fundamentale Fähigkeit, zu erkennen, was im anderen vor sich geht, ist die Voraussetzung für jegliche Gemeinschaft. Doch mit der radikalen Forderung nach Rückkehr zur unumschränkten Empathie, verbunden mit der unverständlich rigorosen Ablehnung von Abstraktion und Rationalität, fehlt dem Buch die erforderliche integrative Kraft und Vision, die Gruen in anderem Kontext bereits so überzeugend dargelegt hat.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen »Geist ist eingedrungen in die Natur..., 20. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
... wie das Messer dringt in eines Baumes Mark. Nunmehr freilich kann die toddrohende Schneide nicht aus dem Stamme herausgezogen werden, denn der Baum würde dabei verbluten. Aber niemand darf behaupten, dass ein Schwert im Herzen der Weltesche das Merkmal sei für ihre Gesundheit.« Mit diesem Zitat von Jean-Jacques Rousseau beginnt das Buch von AG. Dieses Zitat steht sinnbildlich für alles, was der Autor in diesemm Buch erneut anprangert: Der Verlust der Empathie. Der Mensch sticht seinen Mitmenschen oder der Umwelt das Messer ins Fleisch, aber er zieht es nicht wieder heraus. Weil die Wunde nicht blutet, kann die Verletzung nicht schwerwiegend sein. Das ist der Selbstbetrug. Unsere Gesellschaft reagiert nur auf blutende Wunden aber nicht auf Verletzungen in der Tiefe. AG gelingt es mit diesem Buch erneut, den Leser aufzurütteln. Er mahnt aber zugleich, dass aufrütteln nicht genügt, man muss auch etwas tun.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine weitere hervorragende Schilderung unseres Sozialdramas, das niemand wissen darf, 20. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Einmal mehr bestätigt mir Arno Gruen mit seinen Werken meine Wahrnehmung bezüglich der Dynamik in Gesellschaften. Er ist wie Alice Miller einer der großen Psychoanalytiker, welche die Auswirkungen traumatischer Erlebnisse durch unsere Erziehung und im sozialen und politischen Umfeld ausweiten. An Beispielen aus Literatur und der Geschichte zeigt er wie unsere Wahrnehmung und unser Handeln durch pathologische Prozesse bestimmt wird. Wie unbewußt wir uns durch sie leiten lassen und abbhängig davon sind unsere durch Gewalt zurück gebliebenen Fähigkeiten mit noch mehr Destruktivität sich selbst oder anderen gegenüber zu kompensieren um ein idealisiertes Bild von uns aufrecht zu erhalten.
Sehr emfehlenswerte Lektüre für alle die Interesse und Grundkenntnis für Psychotraumata und Persönlichkeitspsychologie haben und Zusammenhänge verstehen wollen oder sich selbst finden möchten.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wider das helden- und statuenhafte Erstarren.,, 31. Oktober 2013
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
Der Mensch denkt prinzipiell in den Polen mitfühlend, emphatisch und kognitiv, egozentrisch.

Arno Grün arbeitet diese Unterschiede bzw. die schiefe Ebene dieser Pole und die damit verbundenen Problem heraus.

Man möchte die dem Leben zugrunde liegende Unsicherheit übertrumpfen durch Sicherheiten, durch Macht, Ruhm und Geltung.

Die Verletzung des Todes, die Möglichkeit des Schiffbruchs wird ausgesperrt.

Es entstehen in der Folge äußere Panzer, die irgendwann nach innen wirken und reine Statuen, Sprechblasen und kalte Herzen zementieren.

Neben der Habgier als sicherheitsmäßiger Absicherung ist die Sucht nach Geltung, Macht und Darstellung noch trunkener und verzehrender.

Unsicherheit und Angst, Verletzlichkeit und Hilflosigkeit werden ausgeblendet. Sie sind Schwächen, werden verneint, sie sind weiblich.

Immer tiefer treibt uns die Konkurrenzwirtschaft in diese kalten Panzer.

Arno Grün beschreibt alle Bewussteins-, Trieb- und Handlungsebenen: erschreckend wahrhaftig und brutal realistisch sezierend.

Die Angst, dass man versagt, wächst unbewusst exponentiell je stärker man die Angst negiert und Panzer um sich wickelt.

Das Ur-Eigene wird zum Fremden, zum Feind, den man in der Folge in anderen Menschen angreift und lustvoll zerstört.

Dieser Ursprung aller Hassgefühle ist ein brutales, kaltes Gefängnis.

Die dramatsich wachsende Angst in kapitalistischen Gesellschaften vor Statusverlust, Arbeit und Demütigungen drängen immer mehr Menschen dazu, andere Menschen als Feinde zu finden, um sich vom Selbst-Hass zu befreien.

Besonders Kinder sind dieser Angstspirale ausgeliefert, da die Eltern im brutalen Wettbewerb stehend keine zugrundelegenden Basisgefühle mehr schaffen können, die das Menschsein jenseits von Konkurrenz und Angriff gründen.

Arno Gruen beschreibt die Lösungswege:

Man kann sich selbst nur befreien, indem man dem anderen hilft, sich emphatisch öffnet.

Liebe - und nicht Profit, Größe oder Leistung - ist das entscheidende Merkmal unserer Evolution. (S173)

Es gilt das Primat der Wirtschaft zu durchbrechen und das Sein wieder in den Mittelpunkt zu stellen.

Die Lösung: seine eigenen Schwächen und Schiffbrüche annehmen, die der anderen mitfühlsam mittragen - dies würde es ermöglichen, uns selbst wieder zu lieben und andere ebenso, eine naturgemäße Balance zwischen empathischem und selbstorientiertem Verhalten zu finden.

Die Welt gerät aus den Fugen, in uns und außerhalb, wenn uns diese Balance nicht mehr gelingt.

Dieses Buch liest man atemlos, zustimmend - eine zuschlagende Axt für das gefrorene Meer in uns!
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Zur Gewalt neigende Extremisten lehnen ihre eigene Menschlichkeit ab, weil sie einst (in der Kindheit) zur unmittelbaren Bedrohung wurde. Deshalb suchen sie einen Anderen, der seine Menschlichkeit offen nach außen trägt, ein Feindbild und finden so einen Weg, die eigene abgelegte Menschlichkeit weiter zu bekämpfen. Solche Menschen beschwören .... rückhaltlos den Gehorsam zur Autorität. Zeit ihres Lebens kämpfen sie deswegen gegen einen Feind außerhalb ihrer selbst. Sie befinden sich in einem permanenten Kriegszustand. (S. 145)

Diese Menschen sind ideale Träger einer Profiteurwirtschaft der Reichen, mit Thatcher und Reagan erlebten sie eine Initialzündung, deren weitere Party seit dem Ende des Kommunismus andauert. Charles Moore, ein ehem. Chefredakteur britischer konservativer Zeitungen, schreibt: Fast alle arbeiten heute härter, leben unsicherer, damit wenige im Reichtum schwimmen. Die Demokratie, die den Leuten dienen sollte, füllt die Taschen von Bankern, Zeitungsbaronen und anderen Milliardären. (S. 148)
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein vielsinniges Gefühl für das richtige Handeln, 9. Juli 2013
Von 
Walter "Walter" (Buxtehude, Baden-Württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden (Gebundene Ausgabe)
Gesellschaft gilt als natürliches Gebilde menschlicher Gemeinschaft; um der größeren Vorteile willen. – Sie wächst aus einem Vertrag hervor, den die Mitglieder dieser Gesellschaft miteinander eingehen, um sich gegenseitig zu nützen, zu stützen und nicht zu schädigen. Gesellschaft gibt Hoffnung auf das größere Zivilisiertsein des Einzelnen, bietet ökonomische Vorteile für Individuen, Gruppen und Gemeinschaften (ökonomische Effizienz durch Spezialisierung der Kräfte); ein gedeihliches Streben und Aufblühen von Leistungsbereitschaft, -fähigkeit und sozialem Miteinander.

Offenbar hat sich in unsere moderne Existenz etwas grundsätzlich Anderes und Kennzeichnendes eingeschlichen, so der Tenor des Autors Arno Gruen in seinem Buch „Dem Leben entfremdet“. Denn: Wir entfernen uns offenbar immer mehr von diesem „Anfangszustand“ einer empathisch-kooperierenden Gesellschaft; die gehetzte, abstrakte Lebens- und Arbeitswelt verkehrt die vormaligen Entwicklungen: aus der natürlich-konkurrierenden wird eine machtbesessene, eine der Realität zunehmend entfremdete Wettbewerbsgesellschaft, – eine „Organisation zur Profitmaximierung“, bei der sich die Mitspieler selbst inszenieren, sich selbst (oder andere) drangsalieren und sich selbst dramatisieren. Hörigkeit, Unterdrückung, Eroberung, Machtgewinn, Kalkül und logischer Zweckpragmatismus lassen keinen Raum mehr für das vermeintlich Schwache im Individuum: für Mitleid, Mitgefühl und Empathie.

Dieses sozialisierte, „reduzierte Bewusstsein“ hat weitreichende Folgen. Mangelndes (empathisches) Erkennungsvermögen geht mit verminderter Erkenntnis für die tatsächlichen Kräfte des Lebens einher (kognitive, statt sinnlicher Wahrnehmung); macht sehend für die Scheinwelt, aber blind für die Alltagswelt. Lebensunsicherheit sowie die Unfähigkeit, mit Schmerz umzugehen oder ihn ausleben zu dürfen, bleiben nicht ohne Auswirkung. Die Lebendigkeit im Inneren fehlt. Die Leere herrscht, wo nichts mehr ist; so wird versucht, mangelnden Selbstwert mit übersteigertem Außenwert (Macht, Besitz, Einfluss) zu kompensieren. Schön hierbei noch, wenn der eigene freie Wille über jenen des anderen herrschen darf (Hegel). Doch die Gärungen im Inneren sind nicht so leicht zu eliminieren: Wut, Terror und Hass auf das eigene mitfühlende Ich, die eigene Schwäche – oder auf den unterlegenen verzagten Mitmenschen. Damit sind die eigenen Unsicherheiten und Lebenszweifel gut zu überspielen. Gefühle stören nur, – sind mit Angst vor Verletzlichkeit verbunden, mit Leidensdruck und Schmerz. Letztlich zählt sowieso nur die objektiv gesicherte Realität; der logische Verstand ist mir Heimathafen, vertraute Stärke, Sicherheit und Selbstgewissheit. Diese Mitleid erregenden „Schiffbrüchigen ihres Gefühls“ haben es halt nicht geschafft, waren nicht intelligent genug. Opfer gibt es ohnehin keine mehr; nur Verlierer und Gewinner.
Doch dieser selbst oder von außen auferlegte Gehorsamsmechanismus erstickt das innere Streben nach Lebenssinn und Selbstentwicklung, unterdrückt das eigene Werden und Entfalten; die Wut und der Hass köcheln weiter und suchen sich fortan ein Ventil, sich lebendig zu fühlen.

Eine solche Spirale der Unterdrückung und Aggression ist nicht ohne weiteres zu durchbrechen (und schon gar nicht gesund). Das ihnen Leben (und Gefühl) gebende ist das Überhöhte, das Brutale, das Messianische, das Unbarmherzige. Die höhere Bedeutung von Dingen und Sachen wächst an zu einer Hingabe an einen höheren Zweck, – ideologisiert, wirklichkeitsfern. Eine geistige Auseinandersetzung mit diesen „Gefühlsamputierten“ ist leider nicht mehr möglich, ihr fanatischer Zustand versetzte sie bereits in einen ungeistigen Zustand, – eine verinnerlichte Wahrnehmung und Gefühlsblockade, die nur ihrer Eigenlogik hörig ist. (Die Konfrontation mit den eigenen Gefühlen wäre auch das Heftigste.)
Doch die Moral ist nicht in der Ratio, sondern vornehmlich im Gefühl verortet. Nur im Mitfühlen können Urteile moralischer Willensentscheidungen getroffen werden. Nur im Empfinden und Mitleiden setzt das Gefühl dem Trieb der Selbstsucht die Grenze. Nur im Miteinander werden Bindungen zu Bündnissen und Gemeinschaften zu Gesellschaften. Alles andere ist zum Nachteil der Demokratie und des Gemeinwohls.
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Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden
Dem Leben entfremdet: Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden von Arno Gruen (Gebundene Ausgabe - 17. Oktober 2014)
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