MSS_ss16 Hier klicken Sport & Outdoor createspace Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More Amazon Weinblog HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle Sparpaket Autorip GC FS16

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 8. September 2011
Es ist ein dickes Taschenbuch geworden mit 349 Seiten. Roth ist Professor für Verhaltensphysiologie und Entwicklungsneurobiologie, Zoologe und auch Philosoph. Er weiß wovon er schreibt und kann nackte Fakten verbinden mit möglichen philosophischen Interpretationen, was das heutige Menschenbild betrifft. Seinen Ausführungen liegt die Überzeugung zugrunde, das der biologische Imperativ gilt, denn er schreibt (S. 53): "Dies alles hat erst einmal den individuellen Zweck, dass wir am Leben bleiben, und den überindividuellen Zweck, dass wir in die Lage versetzt werden, uns fortzupflanzen, damit Menschen geboren werden, die dann dasselbe tun. Welche fantastischen Dinge die Menschen auch tun, sie sind alle direkt oder indirekt in diesen Kreislauf eingebunden."

In sechszehn Kapitel spannt er einen weiten Bogen von Details des menschlichen Gehirns bis hin zur Willensfreiheit. Eingeschoben hat er drei Exkurse über Methoden der Hirnforschung, Verstand und Gefühl, Veränderbarkeit des Menschen. Für die Kapitel 2 (Ein Blick in das menschliche Gehirn) und 3 (Ich, Bewusstsein und das Unbewusste) wäre es hilfreich, wenn man aus dem Biologieunterricht noch ein paar Fakten präsent hätte. Andernfalls muss man hier sehr konzentriert lesen und den einen oder anderen Abschnitt auch wiederholen. Außerdem ist es empfehlenswert sich die Abbildungen mit dem Gehirnaufbau herauszukopieren, neben das Buch zu legen und immer wieder nachzuschauen wo z.B. Nucleus accumbens, Hypophyse, Thalamus, Hippocampus, Amygdala oder Orbitofrontaler Cortex liegen und wie sie zusammen funktionieren.

Wer sich nicht besonders für Details der Elektroenzephalographie (EEG), Magnetenzephalographie (MEG) oder funktionelle Kernspintomographie (fNMR/fMRT/fMRI) interessiert, kann vorerst Exkurs 1 überschlagen und vielleicht später nachlesen.

In Kapitel 4 geht es um die Verankerung der Persönlichkeit im Gehirn. Es wird aufgezeigt, wie die vier Einflusskräfte die Persönlichkeit formen: Genetik, Hirnentwicklung, vorgeburtliche Erlebnisse und Sozialisation. Weil diese Entwicklungen bei keinem Menschen gleich verlaufen, ergibt sich daraus seine Einmaligkeit (S. 105): "Wir sind genetisch, entwicklungsmäßig, in unserer frühkindlichen Prägung und unserer Sozialisierung einmalig." Wenn Thilo Sarrazin diese Abschnitte gekannt hätte, dann hätte er sich in seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" vielleicht nicht so sehr auf die genetische Abhängigkeit der Intelligenz versteift. Generell gibt es für Roth keinen qualitativen Unterschiede zwischen Mensch und Tier, sondern nur quantitative.

Recht aufschlussreich sind Roths Standpunkte zur Psychologie der Entscheidungsprozesse. Er kommt, wie auch andere Autoren, zu dem Schluss, dass die Rational-Choice-Methode (also die Theorie vom rational wählenden und handelnden Menschen, dem Homo oeconomicus) nicht der Wirklichkeit entsprechen kann. Er begründet dies ausführlich. Menschliche Entscheidungen werden von unbewussten Motiven geprägt. Was ins Bewusstsein dringt, ist nur ein kleiner Teil dessen, was zu einer Entscheidung geführt hat. Unbewusstes und Vorbewusstes spielen eine bedeutsame Rolle. Roth nennt einige Heuristiken (Daumenregeln), beschreibt ihre Vorteile, aber auch deren Grenzen. Komplexe Entscheidungen können nicht durch einfache Entscheidungsmethoden (also Heuristiken) getroffen werden. Man müsse auch unterscheiden zwischen rationalem Abwägen und Entscheiden. Entscheidungen fallen nach Roth immer aufgrund offener oder verdeckter Emotionen. Es werden die Vor- und Nachteile von Bauchentscheidungen, rationalen Entscheidungen und intuitiven Entscheidungen besprochen. Roth steht hinter dem Begriff "somatische Marker", der von Antonio Damasio geprägt worden ist.

In den letzten Kapiteln beschäftigt er sich mit dem Begriff ICH und der Willensfreiheit. Dieses Thema ist natürlich schon von vielen Theologen, Philosophen, Psychologen und heutzutage auch Neurologen ausführlicher behandelt worden. Letztlich lässt er, so jedenfalls der Eindruck, hier einen klaren Standpunkt in der Schwebe. Bewusstsein und ICH sind für Roth nur besondere Verarbeitungszustände des Gehirns. Keinesfalls ist das ICH eine eigene Wesenheit, die unabhängig vom Gehirn existiert. Bei der Willensfreiheit beschränkt sich Roth auf zwei Kriterien einer gefühlten Willensfreiheit: Autorenschaft und Alternativismus, also das Gefühl, Verursacher des Willens zu sein und dass man auch anders hätte entscheiden zu kommen. Er macht deutlich, dass der Mensch zwar ein komplexes (biologisches) System sei, bei dem Vorhersagen nicht möglich wären. Dies würde aber nicht bedeuten, dass es (also das System Mensch) nicht doch determiniert sein könnte.

Schließlich werden auch verschiedene Hindernisse und Bewältigungsstrategien beschrieben, was die Veränderung von Menschen betrifft. Dabei fallen die Kapitel über Vorgesetzte und dessen Funktion eher etwas schwach aus. Wenn gefordert wird, dass der Vorgesetzte die Persönlichkeits- und Belohnungsstruktur seiner Mitarbeiter kennen müsse, dann ist dies in der betrieblichen Praxis schlichtweg eine Überforderung. Der Chef müsst dann Psychologe und Psychotherapeut sein - was er nicht ist und auch nicht sein kann. Hier geht Roth sehr wahrscheinlich von Mitarbeitern in Universitäten aus, in einem überschaubaren Institut, mit Chefs seines Wissens und Kalibers.

Einer seiner letzten Sätze lautet (S. 328): "Wo Moralvorstellungen nicht in personalen Motiven verankert sind, können sie auch nicht unser Handeln bestimmen." Dies müsste er all den Moralisten auf die Stirn brennen, die meinen zu wissen, was Moral zu sein hat und wie sich Menschen verhalten müssten. Menschen, so könnte man aus allen Ausführungen Roths folgern, sind nun einmal Nutzen-Optimierer, die dem biologischen Imperativ folgen. Wobei dieser Nutzen natürlich auch in einer immateriellen persönlichen Befriedigung liegen kann. Geld ist nicht alles. Dauerhafte Veränderungen gehen nur, wenn das neue Verhalten emotional verinnerlicht, verankert worden ist.

Alles in allem ein stückweise nicht immer einfach zu lesendes aber sehr empfehlenswertes Buch.
0Kommentar|41 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 27. Oktober 2015
nicht einfach zu lesen aber ganz hervorragender Inhalt. Das ist eirkliche detailierte Information.
Vielleicht auch nicht ganz einfach zu verdauen wenn einem diese Zusammenhänge bewusst werden.
Unbedingte Kaufempfehlung für alle die sich für dieses Thema interessieren.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. April 2014
Ich gebe gleich vorweg zu, dass ich manches zwei mal lesen musste, um es halbwegs zu verstehen. Das betraf vor allem der Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns, wo viele Bereiche miteinander in Verbindung stehen. Für mich als Laie waren aber letztendlich die Erklärungen verschiedener Verhaltensweisen und die Entstehung unseres Ichs und unserer Persönlichkeit am interessantesten. Ich wüsste nicht, ob man diese komplexen Zusammenhänge noch einfacher darstellen könnte, ohne wiederum an Tiefe einzubüßen. Für mich also insgesamt ein wirklich gelungenes Werk.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Dezember 2014
Über das E-Book - Eine Torte in einem schmutzigen Karton ist etwas anderes ala eine auf einem schönen Teller.
Amazom legt offenbar keinen Wert auf Qualitätskontrolle: hier fehlt - wieder einmal das Inhaltsverzeichnis und das Buch ist in Blocksatz gesetzt. Blocksatz schafft große Lücken bri großen Schriften - so kann ich als Sehbehinderter den Text nur mit großer Mühe lesen. Das sehe ich als fahrlässige Diskriminierung. Bei anderen Anbietern gibt es diese Probleme nicht. Wo werde ich dann kaufen?
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. November 2012
Bin durch eine Fachtagung aufmerksam geworden, das buch hielt alle Versprechen.
Gut zu lesen und interessante Hintergründe - auch für Laien gut verständlich
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. Mai 2013
Dieses Buch von Herrn Roth ist, wie fast alle von ihm, klasse, weil es eine gute Zusammenfassung darstellt und er immer wieder Schleifen zieht, die es auch einem Nicht-Neurologen möglich macht, die Thematik zu begreifen und seine Gedankengänge nachzuvollziehen.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 15. Dezember 2012
Das Buch bekommt von mir volle Punktzahl. Die Inhalte sind sinnvoll zusammen gefügt und gut verständlich erklärt.
Ein sehr gutes Buch!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. November 2013
Auch für psychologische Laien ein gut verständliches Buch. Wer mehr über sich, andere und die Funktionsweise der Gehirns wissen möchte, findet hier viel Information. Kann ich sehr empfehlen.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. August 2014
Eigentlich schade, daß bei der Leseprobe für dieses nicht ganz billige eBook nicht einmal ein vollständiges Inhaltsverzeichnis enthalten ist. Das ist einfach lieblos, nachlässig und unprofessionell.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 26. Dezember 2011
Dieses Buch enthält "von jedem Dorf einen Hund". Es ist eine Zusammenstellung von mehr oder weniger wissenschaftlichen und wissenschaftlich aktuellen Erkenntnissen anderer und zum Teil noch ohne eigene Bewertung. Eine fleißige Arbeit, vermittelt keine Zusammenhänge. Inzwischen ist die Forschung ein ganzes Stück weiter!
11 Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden