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am 2. August 2001
"Der Herr der Ringe" ist sicherlich eines der faszinierensten Bücher der Welt, ohne Zweifel. Und man geht sicherlich nicht zu weit, wenn man sagt, daß ein jeder es zumindest einmal gelesen haben sollte. Die Komplexität, mit der Tolkien seine Figuren ausgearbeitet hat, die unglaublich stimmige Beschreibung der einzelnen Schauplätze und die Mythen und geschichtlichen Fakten, die er rund um die eigentliche Handlung herum geschaffen hat (gerade die vielen Lieder/Gedichte), sorgen für eine unglaublich dichte Atmosphäre, die einen sofort in ihren Bann zieht und nie wieder los lässt.
Doch nun kommt das große Aber: Ein jeder, der vorhat, den HdR zu lesen, sollte sich nach einer alten Ausgabe (Übersetzung von M. Carroux) umsehen und die Neuauflage tunlichst meiden. Denn Wolfgang Krege, der für die neue Übersetzung des HdR verantwortlich zeichnet, hat den (absolut angemessenen) etwas altertümlichen Stil der alten Übersetzung aufgegeben zugunsten einer peppigen, modernisierten Sprache und hat somit, und das kann man so drastisch sagen, die Stimmigkeit von Tolkiens Werk vollkommen zerstört. Nicht nur dass man beim Lesen seiner Übersetzung immer wieder über das völlige Fehlen von jeglichem sprachlichem Einfühlungsvermögen stolpert, nein, des Öfteren findet man grobe Schnitzer, die eigentlich absolut unverzeihlich sind, z.B. werden "große Gestalten in grauen Gewändern" (Carroux) zu "langen Kerlen in grauen Hemden", was mir persönlich ziemliche Schmerzen bereitet hat. Krege schreibt in einer Rechtfertigung seiner Übersetzung, er habe die differenzierten Sprachebenen des englischen Originals endlich auch im Deutschen berücksichtigt. Nun, unterschiedliche Sprachebenen gibt es nun auf einmal im HdR, das ist wahr. Diese sind jedoch vollkommen unsinnig eingesetzt (und bestimmt nicht im Sinne Tolkiens...). Die Hobbits reden jetzt nämlich mal unglaublich salopp ("Chefchen"), mal übetrieben altmodisch("Feurio"), je nach Lust und Laune des Herrn Krege. Dem Modernisierungswahn ist übrigens auch der Majestätsplural zum Opfer gefallen, so daß man sich nun in Mittelerde siezt, was unglaublich dazu beiträgt, dem Leser eine dem sagenumwobene Phantasiewelt näherzubringen. Krege hat ferner auch einige Namen neu übersetzt, doch, oh Grauen, wie nur: "Bob und Nob" statt "Hinz und Kunz" (Klar, klingt ja auch viel "cooler"), "Stolzfüßer" statt "Stolzfüße", etc. SPIEGEL-Online liefert weitere Beispiele der Geschicklichkeit von Kreges Übersetzung: Z.B. werden "ever moving leaves" zu "unermüdlich wedeldem Laubwerk", etc. Gewiß, die alte Übersetzung weist auch viele Fehler auf, hält sich aber weitgehend an Tolkiens Stil und versucht niemals, besonders modern zu wirken oder Tolkiens Sprache "glattzubügeln". Aber natürlich erfüllt sie insofern ihren Zweck, als daß sie Verkaufszahlen des HdR wieder ankurbelt, der Verlag Geld einstreichen kann. Und mit dem Film wird sich dieser Effekt weiter verstärken. Der Kommerz hält weiter Einzug in Mittelerde, auch wenn Tolkiens Original darunter leiden muss; die "Kids" lesen halt dann doch eher einen flotten, durchgestylten Herrn der Ringe anstatt sich auch sprachlich auf die Sagenwelt Mittelerde einzulassen. Bezeichnend auch die Reaktion der zuständigen Lektorin bei Klett-Cotta auf Kritik: "Die Fans [...] reagieren [...] mit dem Bauch" und "Manchmal habe ich das Gefühl, daß die Fans nicht so viel literarische Erfahrung haben". Genug Erfahrung jedenfalls, um den neuen "Herr der Ringe" beim Buchhändler im Regal stehen zu lassen...
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am 15. Oktober 2015
Hi,

ich schreib nicht oft, aber wer den Herrn der Ringe lesen will und sich überlegt, welche Übersetzung er kauft (wenn er denn die ca. 1000 Seiten nicht in englisch lesen will), der sollte sich vielleicht erst besser über die Unterschiede der Übersetzungen informieren.

Die "schlimme" Krege-Übersetzung wurde vor ein paar Jahren revidiert und alle "wirklich schlimmen" Textstellen, wie z.B. Galdariels kichern, geändert.

Die Übersetzung von Carroux hat (immer noch) ihre Fehler und zwar nicht wenige. Perfekt ist die Carroux-Übersetzung wirklich nicht!

Die überarbeitete Krege-Übersetzung ist sehr gut, auch im Vergleich mit der Carroux-Übersetzung. Das merkt man besonders dann, wenn man nicht nur einzelne Sätze (manchmal werden sogar nur Teilsätze verglichen) vergleicht, sondern auch mal einen längeren Text liest.

Wer einen Eindruck davon bekommen möchte, der kann sich ja mal die Vergleiche unter folgendem link ansehen:

[...]

Wer also den Herrn der Ringe lesen möchte, bitte die Textvergleiche lesen. Manche Leute haben vielleicht noch nicht mitbekommen, dass die Krege-Übersetzung überarbeitet wurde, bei anderen ist es vielleicht ein bischen religiöser Eifer, andere finden die Carroux-Übersetzung tatsächlich besser - im letzten Fall ist es wirklich eine Geschmackssache.

Und man sollte die Sache vielleicht auch nicht soooo überbewerten, schließlich ist das hier ein Fantasyroman und nicht die Bibel...
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am 1. Januar 2004
oder: Wie Krege zum G-Wort kam

Es war einmal ein Übersetzer namens Wolli, der hatte sein Leben lang ehrliche und rechtschaffene Arbeit geleistet. Am liebsten übersetzte er die Werke des Meisters aus Oxford. Doch leider gab es eine Quelle des Verdrusses, die wie ein Schatten über Wollis Leben hing: Das dreibändige Hauptwerk des Barden von Oxford war nämlich schon einmal übersetzt worden. Vor vielen, vielen Jahren, da der Meister höchstselbst noch am Leben war, hatte eine dumme kleine Göre, die kaum dreihundert Worte englisch konnte, durch einen lächerlichen Zufall den Auftrag erhalten, eine deutsche Übersetzung anzufertigen. Heiße Wut entbrannte in Wollis Seele und Tränen verschleierten seinen Blick, wann immer er sich die Übersetzung der Göre ansah - was nicht sehr oft war. Er überflog die Zeilen und stellte sich vor, was er an ihrer Stelle alles besser gemacht hätte. Aber die Göre hatte ihre Übersetzung mit viel Sorgfalt und Liebe und in der gleichen altertümlichen Sprache wie das Original angefertigt, so daß sie die Leser in ihren Bann zog und sie tief in die Welt des Meisters aus Oxford versinken ließ. Es war - trotz mancher Fehler, die darin enthalten waren - ein Werk aus einem Guß. Und so liebten die Leser diese Übersetzung.

Die Jahre vergingen. Ein neues Jahrhundert nahte heran. Und da ergab es sich, daß in einem fernen Lande ein Filmemacher sprach: "Let's film The Lord of the Rings!" Diese Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt. Selbst in die gut abgeschotteten Hallen des ehrwürdigen Kotz-Cletta-Verlags drang die Kunde. (Das war der Verlag, der damals die kleine Göre mit der Übersetzung betraut hatte und der noch immer die deutschen Rechte an dem Werk besaß.) Und die Leute in diesem Kotzverlag sprachen "Ah!" und "Oh!" und vergaßen die Sache wieder und gingen zur Tagesordnung über. Doch einer unter ihnen, der weiter sah und tiefer dachte als die übrigen - er ist heute zum doppelten Gehalt bei einem renommierteren Verlag angestellt - dem kam eines Tages auf dem Pissoir eine glorreiche Idee: "Werft einen Blick in unsere Kassen, meine Brüder und Schwestern! Wir haben Ebbe, wir haben Flaute, wir sitzen auf dem Trockenen! Aber die Kinos werden in zwei Jahren den großen Reibach machen. Laßt uns die Segel setzen und von der zu erwartenden Hype profitieren! Laßt uns eine neue, modernere HdR-Übersetzung auf den Markt werfen, um auch die letzten hirnlosen Rapper und Hip-Hopper da draußen als Kunden zu gewinnen!" Und der Aufsichtsrat sagte Ja und Amen, gewährte dem Mitarbeiter eine kleine (genaugenommen eine winzige) Gehaltserhöhung, bestellte den alten Übersetzer ins Haus und vertraute ihm die Neuübersetzung an. Der gute Wolli war vor Freude wie von Sinnen, als sich endlich, endlich, sein Lebenstraum doch noch erfüllte. Und so nahm er ohne langes Zögern die Bedingung des Verlages an. Diese Bedingung war folgende: Wolli mußte akzeptieren, daß ihm ein Dämon zur Seite gestellt wurde, ein Modernisierungsdämon. Immer wenn Wolli im Zweifel war über ein Wort, über eine Wendung, über ein Stilmittel, über eine Sprachebene, dann hatte der Dämon das letzte Wort. Und so setzte der Kotzverlag dem Wolli den Modernisierungsdämon auf die rechte Schulter und Wolli ging von dannen.

Die Arbeit war nicht leicht. Sie machte bei weitem nicht so viel Spaß wie er sich vorgestellt hatte. Jedesmal, wenn er erkannte, daß die Göre schon vor ihm das richtige Wort gefunden hatte, da stieß er einen kleinen, keuchenden Seufzer aus, weil ihn diese Erkenntnis tief im Inneren so sehr schmerzte. Und er versuchte, anders zu übersetzen als die Göre. Aber Wolli fühlte sich unbehaglich mit dem Dämon auf seiner Schulter und anfangs verschloß er seine Ohren vor dessen Einflüsterungen.

So kam er an die Stelle im ersten Kapitel, als die Hobbitkinder die G-Rune auf Gandalfs Gepäckstücken lesen.

TOLKIEN: Hence the excitement of the hobbit-children. 'G for Grand!' they shouted, and the old man smiled.

CARROUX: Daher die Aufregung der Hobbitkinder. "G heißt Großartig!" riefen sie, und der alte Mann schmunzelte.

Wolli zermarterte sich den Kopf, doch es wollte ihm einfach kein modernes Wort für "großartig" einfallen, das mit G begann. Was sagten denn die kiddies auf dem Schulhof heutzutage? "Krass konkret"? Oder vielleicht "fett"? Er starrte auf den blinkenden Cursor, bis ihm die Augen wehtaten, dann ging er im Zimmer auf und ab. Auch das nützte nichts. Er merkte wohl, daß der kleine Dämon wisperte und flüsterte, aber er weigerte sich noch immer, hinzuhören.

Schließlich nahm Wolli seinen alten Regenmantel vom Haken, band sich einen Schal um, griff sich seinen Stock und verließ sein Haus, um rast- und ruhelos durch die nächtlichen Straßen zu hinken. Normalerweise half ihm das beim Nachdenken, doch heute versagte das Mittel; er entfernte sich immer weiter von zuhause und STREUNTE durch Stadtteile, die er nie zuvor betreten hatte. Zuletzt kam er durch das Vergnügungsviertel und blieb vor einer IMBISSSTUBE stehen, wo ihn der Geruch von BACKFISCH UND FRITTEN umwehte. Ein FLÜGELTIER prangte als LOGO über dem Eingang. Wolli steckte den Kopf zur Tür herein und in einer kurzen Stille, die gerade in der allgemeinen Geräuschkulisse eingetreten war, hörte er einen jugendlichen PENNER am nächstgelegenen Tisch sagen: "Ey, GEIL, Alder, isch schwör!"

Wolli fühlte sich wie von einem göttlichen Blitz durchzuckt. Es war wie eine Offenbarung. Das war es, was er gesucht hatte! Genau das war es. Später konnte er sich kaum mehr an den Heimweg erinnern, nur die Einflüsterungen des Dämons waren ihm dabei immer süßlicher und verlockender vorgekommen. Das nächste, was er wußte, war, daß er vor dem Bildschirm saß und schrieb. Eine letzte Scheu, die er nicht ganz überwinden konnte, veranlaßte ihn, das Wort nicht auszuschreiben.

KREGE: "G wie g...!" riefen sie, und der Alte grinste.

Da seufzte der Dämon tief auf und stöhnte: "Na endlich hast du's kapiert." Dann grinste er ebenfalls, weil das "Grinsen" Gandalf so erscheinen ließ wie einen alten Wüstling und lehnte sich zufrieden gegen Wollis Ohr. Er wußte: von nun an würde es ihm immer offenstehen. Und die Auslassungszeichen würden nicht mehr vorkommen. Von nun an würde er dafür sorgen, daß Wolli alles ausschrieb. Hmm - so gut wie alles.

Und die Moral von der Geschicht:
Leser, glaub dem Krege nicht!
Wenn er schreibt von CHEF und PENNERN,
ANGESCHWOLLNEN schwarzen Männern,
vom FISCHTEICH bei den Wasserfällen,
Gandalf mit den WUTANFÄLLEN
von FIRMENLOGOS, FISCH UND FRITTEN,
fühlst du wirklich dich inmitten
einer fernen, alten Welt?

Wo Hobbits AUF DEM FLUSS RUMMACHEN,
des FLÜGELTIERES Fürze krachen, ["machte einen übel riechenden Wind"]
wo Wandrern IMBISSSTUBEN winken
und Pferdeschwänze bei Nacht BLINKEN,
wo Gala LEISE KICHERND spricht ["Na klar!" sagte die hohe Frau leise kichernd.]
- ist das noch elbenhaft und schlicht?
Der Leser sich darob erbricht.

[ Auf einer Lesung in Bietigheim hat Wolfgang Krege dem Publikum ausdrücklich bestätigt, daß mit "G wie g..." tatsächlich "G wie geil" gemeint war.

Und dabei wäre es so einfach gewesen, einen aktuellen, jugendsprachlichen Ausdruck mit G zu finden. Warum, oh Wolli, sag uns, warum hast du nicht einfach "G wie genial" geschrieben? ]
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am 31. Dezember 2001
Zum Buch selbst ist schon an anderer Stelle vieles geschrieben worden. Zur neuen Übersetzung muß jedoch gesagt werden: sie ist einfach scheußlich.
Natürlich ist es undankbar, an die Leistung einer so exzellenten Vorgängerin wie Margaret Carroux anzuknüpfen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wozu das alles? Eine neue Übersetzung ist meiner Meinung nach absolut überflüssig, denn der Stil Carroux' kommt dem Tolkienschen erstaunlich nahe. (Ich habe sowohl beide Übersetzungen als auch das englische Original gelesen.)
Desweiteren schaue man sich die "modernisierte" Version doch einmal an: auf solche Veränderungen hätte man gut verzichten können. Da betitelt Sam Frodo nicht mehr als "Herrn", sondern als "Chef." Ebenso unpassend sind Wendungen wie: "...der Chef der Wölfe..." in einer beschreibenden (!) Passage. Dabei fällt ja kaum noch auf, daß sich die Personen sogar siezen! (Sehr sarkastisch, ich weiß, aber ein "Sie" ist in einem mythologisch-fantastischen Epos föllig fehl am Platz.) Andere Änderungen sind dann wieder geringfügiger, aber dafür auch überflüssig. Da wird aus "Die Rückkehr des Königs" (Titel des 3. Buchs) die "Wiederkehr" desselben.
Alles in allem - gar nicht gut.
Bei der Stern-Vergabe habe ich mich schwer getan: entweder 5 Sterne für das Buch, oder (k)einen Stern für die Übersetzung.
Letztendlich: Wer die Bücher noch nicht kennt, wird wahrscheinlich dennoch vom Herrn der Ringe begeistert sein (will sagen: trotz seltsamer Sprache), denn Tolkiens Stil kriegt auch ein Wolfgang Krege nicht tot. Wer die alte Version kennt, wird bittere Tränen weinen. Die Übersetzung Margaret Carroux' ist auf jeden Fall vorzuziehen!
Bitte glauben Sie nicht, daß Tolkien so einen Stil führt.
Elena T. aus Witten
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am 14. März 2001
Ich habe zuerst die neue Übersetzung gelesen. Ich dachte: Was ist dabei? Ist doch ein tolles Buch. Dann hab ich mir im Antiquariat die alte Übersetzung geholt, und sofort wurde mir klar, was bei der neuen nicht stimmt: fast alles! Muss DAS sein? Das ist eine der größten Zumutungen der Fantasy-Literatur. Aus Hinz und Kunz werden Nob und Bob. Aus Herr Frodo wird Chef. Aus "Ihr" und "Euch" wird "Sie". Aus Gerstenmann Butterblume wird Butterblüm. Gandalf sagt in Eregion statt "Weiche Saurons Hund" "Kusch Saurons Köter". Meine lieben Leute, der HDR spielt in einer mittelalterlichen Welt. Neudeutsch passt da nicht hin! Nein! NIEMALS! Bei "Der kleine Hobbit" ist die neue Übersetzung gelungen, da es als "Kinderbuch" eine einfache Sprache verdient. Der einzige gute Punkt in dem "neuen" HDR ist das Marschlied der Ents; est ist lustiger. Aber traurig sind Redewendungen wie "Penner" oder "Blödmann" und das oben genannte. Holt euch die alte Übersetzung oder notfalls das englische Original.
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am 15. Mai 2006
Als überzeugter DHDR-Fan habe ich meine nach x-fachem Lesen arg zerfledderte Ausgabe von 1985 durch ein schönes neues Exemplar ersetzt. Voller Vorfreude schlug ich das Buch auf und... SCHOCK! Die neue Übersetzung von Wolfgang Krege zerstört mit einem Schlag alle Vorstellungen und Träume, die man mit Mittelerde und diesem ebenso gewaltigen wie tragischen Epos verbindet.

Warum maßt sich ein Übersetzer an, eine "freie Interpretation" des Originals abzuliefern? Die Argumentation, Tolkiens selbst hätte sein Buch heute so geschrieben, ist einfach lachhaft. Denn bereits das Original war seinerzeit keineswegs zeitgemäß, sondern ganz bewußt sprachlich dem Zeitalter der Handlung angepasst geschrieben worden. Hoffentlich macht das Beispiel von Herrn Krege nicht Schule, denn sonst wird eines Tages auch Hamlett nicht mehr über "Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!" grübeln, sondern eher etwas wie "Voll Krass, check das nicht, ich schwör, ey!" von sich geben.

Lieber Verlag, erspart uns jede weitere Auflage dieses Machwerks, lieber Leser, achtet beim Kauf darauf, die Originalübersetzung in Händen zu halten.
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am 14. Februar 2001
Ich möchte alle Neuleser warnen:Diese Neuübersetzung des englischen Originalwerkes von J.R.R. Tolkien ist in einigen Passagen nicht dasselbe Buch wie die alte Übersetzung von Margarethe Carroux.Die alte Übersetzung hat den "Herrn der Ringe" mit einem durchgängig epischen Sprachstil im gehobenen Deutsch zu einem Riesenerfolg in Deutschland gemacht, und die wohlwollenden Kommentare der Vergangenheit beziehen sich auf diese. Die Neuübersetzung von Wolfgang Krege jedoch wurde modernisiert-oder was der Autor dafür halten mag.Es stimmt zwar das die Neuübersetzung von Krege, die ich nun kürzlich doch noch trotz schlechter bis vernichtender Urteile der meisten anderen Tolkien-Fans und der deutschen Tolkiengesellschaft gelesen habe, etwas schneller und durchgehender zu lesen ist.Doch dieser Vorteil an "Flüssigkeit" wurde mit einem niedrigerem Niveau der Gesamtsprache und Erzählweise, sowie einem starken Stimmungsverlust erkauft!Viele "moderne" Wörter, die aber eher komisch wirkende Modewörter wie "Dalli-Dalli" mit baldigem Verfallsdatum sind, stören die archaische Stimmung die das Buch in der stilvollen Carroux Übersetzung, dem englischen Original getreu, durchzogen hat.Auch Wörter wie "Imbißbude", "Chef" statt "Herr" und "Clubzimmer" statt "Gaststube" wollen nicht so recht hineinpassen. Der Autor mag sich etwas dabei gedacht haben, vermutlich wollte er die verschiedenen Redeweisen der Völker im HDR dem englischen Original getreu deutlichmachen.Das hätte auch ein Pluspunkt sein können, wennn er beispielsweise die bäuerlich-derbe bis schlichte Sprache der koboldartigen "Hobbits" im Buch nur angemessen wiedergegeben hätte.Aber hier wurde "verschlimmbessert" (siehe Oben). Kleine Pluspunkte wie eine genauere (aber stimmungsmäßig verfremdende) Übersetzung der Anreden aus dem englischen können das nicht wieder ausgleichen. Deshalb mein Rat:Wenn sie die phantastischen Abenteuer von Frodo und vielen anderen in der legendenerfüllten Welt Mittelerde richtig genießen wollen-und in ihr versinken!- dann wählen sie die alte Übersetzung von Margarethe Carroux.Die hat nämlich mit Tolkien zusammengearbeitet und schneidet insgesamt deutlich besser im Vergleich zu Krege ab.Und das grösste und bedeutendste (sowie erste) Werk der "High-Fantasy" ist es auf jeden Fall Wert gelesen zu werden!Denn es kann mit seiner Beschreibung des Kampfes zwischen Gut und Böse nach wie vor verzaubern!
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am 2. August 2001
Was hat die deutsche Leserschaft verbrochen, das Herr Krege uns diese Übersetzung zumutet.
Ich besitze nunmehr seit 6 Jahren den gebundenen Band "Das rote Buch" von 1996 in der alten Übersetzung. Die Taschenbuchausgaben des "Hobbit" und des "Herrn der Ringe" von 1977 nenne ich ebenfalls mein Eigen.
Wenn man sich im Vergleich die Neuübersetzung vor Augen hält, fällt es nicht leicht, ein gerechtes Urteil abzugeben ohne allzuviel Emotionen.
Für die neugewonnene Leserschaft - also jenen jungen oder älteren Lesern, die dieses Epos womöglich erst jetzt im Vorfeld des zu erwartenden Films lesen - mag diese Neuübersetzung vielleicht als recht nette Abenteuergeschichte zu gefallen, doch diejenigen, die wie ich mit Tolkien's Büchern in den Siebzigern aufgewachsen sind, werden durch dieses "Werk" sicherlich verschreckt. ...
Dieses Buch und alles was darin beschrieben wird, ist absolut zeitlos und hätte meiner Meinung nach nie geändert werden dürfen.
Schon werden die älteren Einband-Luxusausgaben zum Teil zu horrenden Preisen in Antiquariaten gehandelt - zu Recht - denn diese Übersetzung ist die Einzig Wahre und somit Zeitlose. Allen Inhabern empfehle ich daher, die alten Bände wie einen Schatz zu hüten.
Daher mein Tip an alle potentiellen Leser - stöbert in den Bibliotheken eurer Eltern oder eurer Onkel und Tanten nach diesem alten Buch.
Von einem Kauf der Krege-Übersetzung kann und muss ich aufs Schärfste abraten. Das war das Schlimmste, was man je mit Tolkiens Werk machen konnte.
Die englische Originalausgabe ist übrigens immer noch zu haben und sollte gekauft werden, sollte der geneigte Leser die geschliffenen Dialoge in Englisch nachvollziehen können.
Tolkiens Werk - ein Muss. Diese neue Übersetzung jedoch - fehlgeschlagen. Zeitlose Geschichten lassen sich halt nicht auf die Spass-, Generation-X-, oder sonstige Generation übertragen ...
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am 24. Januar 2001
Ich kann mich den vorhergehenden Rezensionen nur anschliessen: Die Uebersetzung ins Neudeutsche(?) zerstoert die Atmosphaere des Herrn der Ringe! Zwar war auch die erste deutsche Uebersetzung in manchen Passagen schlecht, weshalb ich das englische Buch immer vorzog, jedoch nicht so verfaelschend wie diese Uebersetzung. Finger davon lassen und die alte Ausgabe besorgen oder noch besser mit dem "Lord of the Rings" englisch lernen.
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Wenn ein Autor eine Welt erschafft, dann tut er das nur selten aus Spaß allein. Denn meistens ist die erschaffene, fiktionale Welt doch nur ein Abbild der Realität, und vieles aus unserer Wirklichkeit findet sich wieder, manchmal mehr, manchmal weniger verfremdet. Tolkien, der Autor dieses Mammutwerkes hat vielleicht die komplexeste und umfangreichste aller literarischen Welten erfunden. Nicht nur bilden "Der kleine Hobbit", das "Simarilion", "Der Herr der Ringe" und viele weitere Geschichten aus Mittelerde einen zusammenhängenden Zyklus. Tolkien hat zu den Texten auch gleich noch eine Sprache erfunden, dazu eine Geologie, eine Architektur und eine eigene Dichtung. Ein Schöpfungsmythos mit eigenen magischen Wesen und Göttern ergänzt das alles. Das schöne ist, dass jedes dieser Elemente nicht für sich steht, sondern mit den Geschichten in den Büchern verbunden ist, einen Einfluss auf die Geschicke der Hauptfiguren hat. Wenn man beginnt, sich mit "Der Herrn der Ringe" zu beschäftigen, wird man daher schnell zu einer Art Forscher, zu einem Archäologen, der nach immer neuen Schichten sucht, um die Hintergründe der erzählten Geschichten zu verstehen.

Dabei ist der erste Eindruck, den ein Leser von "Der Herr der Ringe" gewinnt, oft der eines Reiseromans. Eine Gruppe von Gefährten, beinahe Freunden, manchmal aber auch Feinden, zieht durch wechselnde Landschaften. Man kann den Weg von Nord nach Süd gut auf der dem Buch beigefügten Karte verfolgen. Die Geschichte ist eigentlich sogar recht einfach. Man reist manchmal zusammen, einige Male verliert man sich und wird getrennt. Aber immer geht es dem Bösen und auch dem Höhepunkt des Buches entgegen. Die Landschaften sind außerordentlich schön beschrieben. Und wie in jedem, guten Reisebericht gibt es auch viel zu erzählen über die Menschen und Völker am Rande der Reiseroute. Die Figuren und Gesellschaften, denen die Reisenden begegnen, entspringen vor allem der europäischen Sagenwelt. Wir lesen von Zwergen und Zauberern, von Elfen, die Elben heißen, von bösen Drachen, Trollen und Gnomen. So ist einer der Hauptvorwürfe, mit denen sich der Autor herumschlagen musste, der des Eskapismus, der Vorwurf, dass die Geschichte dieser zugegebenermaßen liebenswerten Freaks schön zu lesen wäre, aber mit der Wirklichkeit wenig zu tun hätte.

Aber auch ein nur durchschnittlich gebildeter Leser vermutet bald mehr hinter den Ereignissen. Hat das große, langsam verfallene Gondor nicht wirklich etwas von Byzanz? Ist das versunkene Numenor, Quelle der westlichen Zivilisation nicht doch Atlantis unter einem anderen Namen? Und schildert die merkwürdige Verwandlung von Gandalf nach dem Kampf mit dem Balrog nicht einen Tod mit folgender Auferstehung, also den Gründungsmythos der christlichen Religion? Germanische Reiter bzw. Ritter finden sich im Buch, von Invasoren aus dem Osten wird erzählt. Aber die vielleicht schönste Abbildung einer realen Gesellschaft findet sich im Auenland und seinen Bewohnern. Hier wird natürlich das einfache, über hunderte von Jahren kaum veränderte Landleben in den grünen Hügeln von Mittelengland erzählt. Dessen zwar spießige, aber immer liebenswerte Menschen werden in den Hobbits hervorragend abgebildet. Der enge Horizont des Weltbildes, die Freude am Feiern, die landschaftliche Schönheit, die historischen Monumente, die niemand mehr versteht oder auch nur verstehen will - alles findet sich hier und alles ist wie ein Paradies beschrieben.

So ist das, was wir hier lesen, mehr als nur Phantasie. Es ist eine Zusammenfassung der historischen Umbrüche in Europa von der Spätantike bis ins 19. Jahrhundert, die letztendlich die Wurzel der europäischen Kultur geworden sind. Und wir ahnen auch, dass Tolkien diese Kultur als eine besondere ansieht, weil sie besondere Menschen hervorbringt, die besonderes leisten. Und so stehen in vielen der Geschichten abstrakte, ihm und uns wichtige Wertvorstellungen im Vordergrund. Es wird Toleranz gezeigt, insbesondere in der Form der Zusammenarbeit verschiedener, aber bewusst individueller Völker. Es wird Freundschaft gezeigt, die bis hin zur Selbstaufopferung und Hingabe für einen anderen funktioniert. Es wird die Sehnsucht nach Reisen und Entdeckungen gezeigt. Es geht um Mitgefühl, um Liebe (wenn auch meist um platonische), um Mut, Heldentum und Kultur. Und um die Tatsache, dass man für all dies kämpfen muss, wenn man es sich bewahren will. Auch gegen die Folgen von Industrialisierung und Technologie, deren Missbrauch ein durchgehendes Thema im Buch ist.

Der vielleicht wichtigste Punkt im Herrn der Ringe ist jedoch noch ein anderer. Es geht um die Frage, wie es Menschen unter Druck gelingt, Mensch zu bleiben. Boromir scheitert an dieser Aufgabe, und er ist nicht der einzige. Gandalf nimmt die Herausforderung, Ringträger zu sein, nicht an, denn er weiß, dass es seine Menschlichkeit zerstören würde. Nur Frodo und Sam scheinen die große Aufgabe zu meistern, trotz ständiger Gefahr, trotz der Versuchung, aus Gründen der Selbsterhaltung grausam zu handeln, bleiben beide sie selbst. Beinahe niemals verlieren sie das menschliche Maß der Dinge aus den Augen, und selbst mit einem Gollum haben die beiden Erbarmen. Es ist dieses Gegenbild gegen die stolzen, pathetischen Helden, was den Herrn der Ringe zu einem besonderen Stück Literatur macht. Die Rettung kommt aus dem kleinen Volk, von kleinen, scheinbar schwachen Menschen. Eine Absage an die großen, stolzen Helden, die sonst in der phantastischen Literatur und in den Sehnsüchten rechter Politiker die Welt retten müssen. Was auch immer passiert, vergesse Deine Wurzeln nicht, und verliere nie die Lust am Leben, das scheint mir die Botschaft zu sein.

Es heißt, die Bibel wäre deshalb so ein wichtiges Buch, weil sie aus dieser, unserer Welt eine bessere macht. Ich glaube, dass das Buch von Tolkien das auch ein bisschen leisten kann.
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