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5.0 von 5 Sternen Helen tanzt
Was bleibt von einem Leben, wenn das Gedächtnis uns verlässt, wenn Sprache nicht mehr genutzt werden kann? Schließlich sind es die Erinnerungen, die unser Leben ausmachen. Und nur Worte machen es möglich, andere wenigstens ein bisschen teilhaben zu lassen am eigenen Erleben, Fühlen und Denken.

Helen Nestas Leben lässt sich nur...
Veröffentlicht am 27. August 2012 von Amazon reviewer

versus
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3.0 von 5 Sternen Wo das Glück wohnt...
... findet man zuweilen erst sehr spät im Leben heraus, doch solange man lebt, besteht die Hoffnung, dass man es schafft. Und zuweilen gelingt es auf die ein oder andere Art und Weise - dies die Botschaft des Schweizer Autors Urs Augstburger in seinem Roman "Als der Regen kam".

Mauro besucht nach mehr als zwei Jahren seine Mutter. Inzwischen hat sich...
Veröffentlicht am 24. August 2012 von Kalamaria


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Helen tanzt, 27. August 2012
Von 
Amazon reviewer (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Was bleibt von einem Leben, wenn das Gedächtnis uns verlässt, wenn Sprache nicht mehr genutzt werden kann? Schließlich sind es die Erinnerungen, die unser Leben ausmachen. Und nur Worte machen es möglich, andere wenigstens ein bisschen teilhaben zu lassen am eigenen Erleben, Fühlen und Denken.

Helen Nestas Leben lässt sich nur noch bruchstückhaft rekonstruieren. Urs Augstburger entwirft eine Situation, wie sie jedem geschehen kann: Mauro Nesta wird darüber informiert, dass seine Mutter an Alzheimer erkrankt ist. Allein leben kann sie fortan nicht mehr. In einem Pflegeheim ist sie schnell untergebracht, aber ihre Wohnung muss aufgelöst, die persönlichen Dinge geregelt werden.

Pflichtbewusst kehrt Halb-Italiener Mauro nach Hause in die Schweiz zurück, unruhig, unsicher, wie er mit der neuen Situation umgehen soll. Die Begegnung mit seiner Mutter gestaltet sich schwierig. Unangenehm ist für ihn auch die Konfrontation mit seiner eigenen Vergangenheit in dem kleinen Örtchen. Zu lebendig sind die Erinnerungen an das Gefühl des Ausgegrenztseins, die ihn vertrieben haben aus dem Ort, aus dem Land, in dem er sich nie richtig heimisch gefühlt hat.

Als er eintrifft, sind die Vorbereitungen für das alljährliche Jugendfest bereits in vollem Gang. Seit 400 Jahren ist es fester Bestandteil der einheimischen Kultur, auch wenn sich seine Bedeutung inzwischen gewandelt hat. Mauro nimmt seine Mutter schließlich mit zu diesem Fest. Und in der bis dahin so teilnahmslos agierenden Frau wird etwas angestoßen, etwas Unvergessliches, eine Erinnerung, die sich eingebrannt hat. So tief, dass nicht einmal die schwere Krankheit sie auslöschen konnte: Helen beginnt zu tanzen. Sie befindet sich ganz offensichtlich an einem Ort, zu dem niemand sonst Zugang hat.

Mauro begreift, wie wenig er eigentlich über das Leben seiner Mutter weiß, und er begibt sich auf Spurensuche. Ihm steht eine Begegnung bevor, eine Konfrontation mit der Vergangenheit, die auch sein Leben verändern wird.

Urs Augstburger webt gekonnt mehrere Zeitebenen und das Erleben verschiedener Charaktere zu einem Lebensmuster zusammen, dem man sich bis zur letzten Seite nicht entziehen kann. Es ist ein spannender Rückblick in die Schweiz der Nachkriegszeit, in gesellschaftliche Probleme, Konventionen, Vorurteile und Intrigen. Dabei schildert der Autor das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei Helens kursiv gesetzte Gedanken in der Ich-Form besonders betroffen machen und berühren.

Mauros Charakterisierung ist durchweg gelungen. Wer selbst schon einmal in einer ähnlichen Situation war, wird sich besonders in seinen Gefühlen der Unsicherheit im Umgang mit der Mutter wiederfinden.
Romantisch-verklärend, aber auch tröstlich, bleibt nach der Lektüre der Gedanke, dass vielleicht auch bei schwerster Demenz nicht alles vergessen wird...

Sprachlich schön zu lesen ist es ein ruhiger, tiefgründiger Roman, der berührt und lange nachwirkt. Genauso sollte Literatur sein.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Geschichte über Liebe, Freundschaft und Verrat, 24. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
In einem kleinen schweizerischen Städtchen findet seit ewigen Zeiten alljährlich das Jugendfest statt. Hier werden zaghafte Liebesbande geknüpft . So verlieben sich hier auch in den fünfziger Jahren eine junge Frau und ein junger Mann. Aber es ist eine Liebe, die nicht sein darf, eine Liebe, die keine Zukunft hat.

Helen lebt heute als alte Frau immer noch in diesem Städtchen . Aber sie ist dement und wird in einem Plegeheim liebevoll betreut. Sie erkennt niemanden mehr wieder, ist teilnahmslos in ihren eigenen, wirren Gedanken versunken. Mauro, ihr Sohn, lebt in Italien und hat sie lange nicht mehr gesehen. Umso erschrockener und hilfloser ist er, als er bei einem längst überfälligen Besuch erkennen muss, wie es wirklich um sie bestellt ist. Trotz seiner Unsicherheit begleitet er seine Mutter zu dem Jugendfest, das gerade wie jedes Jahr zur gleichen Zeit stattfindet.

Und ausgerechnet hier scheint seine Mutter für einen kurzen Moment aus ihrer Apathie zu erwachen. Ganz offensichtlich hat sie schöne Erinnerungen an vergangene Zeiten, an eine frühere Schwärmerei oder gar Liebe. Neugierig geworden, um wen es sich dabei gehandelt haben könnte, begibt Mauro sich auf Spurensuche und entdeckt eine ebenso schöne , wie auch traurige Geschichte.

Aber nicht nur Mauro und auf ihre Weise auch seine Mutter setzen sich mit der Vergangenheit auseinander, sondern auch bei den schon älteren Herren Pius Kobelt und Jakob Matter erweckt das heutige Jugendfest nicht nur schöne Erinnerungen zum Leben. Und alle haben irgendwie mit Helen zu tun .

Diese stille Geschichte mit ruhigen Tönen und einer stimmungsvollen, von leiser Melancholie geprägten Atmosphäre ist zunächst nicht ganz einfach zu lesen. Häufige Wechsel der Erzählperspektive ( alle vier Hauptprotagonisten kommen zu Wort ), sowie der teilweise nahtlose Übergang zwischen heutiger Realität und vergangenen Erinnerungen und ganz besonders die vollkommen wirren Gedankengänge der kranken Helen ( diese sind im Buch kursiv gedruckt ) erfordern ein großes Maß an Aufmerksamkeit beim Lesen. Zunächst ist auch nicht ganz ersichtlich, in welcher Beziehung die Protagonisten zueinander stehen. Erst nach und nach, ganz allmählich setzt sich das Geschehene wie ein Puzzle zusammen. Sehr einfühlsam werden die Bruchstücke der Geschichte und die Emotionen der Beteiligten damals wie heute ans Tageslicht befördert.

Neben dem Thema " Demenz " werden in dieser berührenden Liebesgeschichte aber auch noch weitere nachdenkenswerte Aspekte gestreift, wie z.B. die seinerzeit herrschenden Standesdünkel oder auch- wie man es heute ausdrücken würde- das Thema " Mobbing " .

Auch wenn das Buch streckenweise etwas anstrengend zu lesen ist und es sich meiner Ansicht nach auf keinen Fall als leichte Lektüre für zwischendurch eignet, lohnt es sich durchzuhalten, denn besonders das Ende hat mich sehr bewegt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Reise in die Vergangenheit, 25. August 2012
Von 
Xirxe (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mauro kehrt nach zwei Jahren Abwesenheit zurück in seine Schweizer Heimat, just als das Jugendfest beginnt. Seine Mutter Helen leidet an Demenz und ihre Lage hat sich in den letzten Monaten derart verschlechtert, dass sie in ein Pflegeheim übersiedeln musste. Eine Rückkehr nach Hause steht außer Frage und so ist Mauro in der Pflicht, sich um die Auflösung ihrer Wohnung zu kümmern. Dabei entdeckt er, dass es vor seinem Vater einen anderen Mann in Helens Leben gegeben haben muss, was sich auch durch ihr seltsames Verhalten während ihrer gemeinsamen Spaziergänge durch das Städtchen bestätigt. Und es hat mit dem Jugendfest zu tun, ein Fest, an das Mauro nicht unbedingt schöne Erinnerungen hat. Er beginnt Nachforschungen anzustellen, die nicht nur eine Reise in Helens Vergangenheit, sondern auch in seine wird...
Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven Mauros, zweier Jugendfreunde Helens und Helens eigener Sicht, die infolge ihrer Krankheit die Dinge nur noch als Bestandteil der Vergangenheit wahrnimmt. Nach und nach beginnt man zu ahnen, wohin das Ganze führt, was die Spannung aber nicht mindert. Es ist eine gefühlvolle Familien- und Liebesgeschichte, die einem zudem zeigt, welch spießbürgerliche, intolerante und unterwürfige Atmosphäre in der Zeit der Fünfziger aber auch noch der Siebziger herrschte.
Weniger schön fand ich gegen Ende einzelne Geschehnisse. Dass man beispielsweise einen völlig Unbekannten einfach so erkennt - nein, nicht an der Haltung, dem Klang der Stimme, einem Wort oder Satz, nein, einfach nur so. Das wirkte aufgesetzt und gekünstelt ebenso wie die späte Einsicht eines Übeltäters. Schade, denn so blieb bei einem eigentlich schön zu lesenden Buch ein weniger schöner Nachklang.
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4.0 von 5 Sternen Emotionsreich, gefühlsstark und gedankenverloren, 30. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie ein Puzzlespiel fügen sich die unterschiedlichen Geschichten der Charaktere Mauro, seiner kranken Mutter Helen, dem Rückkehrer Jakob und dessen alten Freund Pius ineinander und werden nach und nach aufgelöst. Die anfänglichen Verwirrungen, die Augstburger durch das gekonnte Einführen der Charaktere erzeugt, lösen bereits beim Lesen erste Vermutungen aus, sodass der Leser nicht ganz verloren geht. Genau diese Verbindungen ziehen sich durch den ganzen Roman und zeigen, was eine fantastische Geschichte ausmacht.

Besonders tragisch werden die Gründe für Jakob Matters Verschwinden dargestellt. Hier tun sich schlagartig Abgründe der damaligen Gesellschaft in der Schweiz auf, die den noch jungen Mann um seine große Liebe Helen brachten. Kontrastierende Überzeugungen prallen aufeinander; von einem Verliebten, der den großen Staatsmännern des Landes nicht folgen will und einem Vater, der für das vermeintliche Wohl seiner Tochter zu kämpfen glaubt. Dass solch eine Erfahrung nach wie vor Spuren in Jakobs Leben hinterlassen hat, wird des öfteren aufgegriffen und erhöht somit den dramatischen Wert des Romans.

Die kleine Alina, Tochter eines deutschen Ehepaars und Jakobs Nachbarin, frischt jegliche zu traurige oder sentimentale Situation mit ihrer kindlichen, naiven, aber auch ehrlichen Art auf. Sie wirkt wie eine Art Puffer und schafft es immer wieder den Leser zum Lächeln zu bewegen. Solch ein offener und lebenslustiger Charakter durfte in diesem Buch nicht fehlen. Noch dazu verleiht er ihm noch einen größeren Effekt von Lebensnähe.

Neben realen, und aus diesem Grund auch nachvollziehbaren Gründen, wie der Demenz Helens, Mauros stets unerfülltem Liebesleben oder Jakobs schlimmen Erfahrungen, erzählt "Als der Regen kam" eine Geschichte, die durchaus aus dem Leben gegriffen sein könnte. Jedoch werden auch zauberhafte und fantastische Elemente aufgenommen: Mauros Begegnungen mit der weißen Frau, die sich später plötzlich doch als existent und sogar als alte Bekannte entpuppt, Helens Erinnerungen, die beim Lesen zwischen den Zeilen auf interessante Weise einen verborgenen Sinn ergeben und die vertraute Mystik des Jugendfestes, welches seit jeher ein Zauber bedeckt, der romantische Gefühle weckt.

Ein Buch voller Liebe, Sehnsucht, Lüge, Schmerz und Erinnerungen - durch und durch gelungen.
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4.0 von 5 Sternen Als der Regen kam, 28. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mauro fährt in die Schweiz, in das Dorf, in dem er aufgewachsen ist. Seine Mutter ist an Demenz erkrankt und lebt in einem Pflegeheim. Dort wird sie liebevoll von der sehr freundlichen Lindita gepflegt. Aber ihr Zustand ist erschreckend und Mauro findet erst mal keinen Zugang zu seiner Mutter. Nachdem er seine anfänglichen Ängste und Hemmungen überwunden hat, versucht er Zugang zu seiner Mutter zu finden. Da plötzlich beginnt Helen in der für das Jugendfest geschmückten Umgebung zu tanzen.
Neben Helen und Mauro spielen in der Geschichte noch Pius Kobel und Jakob Matter eine wichtige Rolle. Sie sind der Schlüssel zu Helens Vergangenheit. Der Vergangenheit, von der Mauro bislang nichts ahnte. Stück für Stück lichten sich die Schleier um eine traurige Liebesgeschichte.
Ein wichtiger Nebenschauplatz sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Auch Mauro reist in seine eigene Vergangenheit. Als Sohn eines Italieners und einer Schweizerin ist er in seiner Kindheit immer wieder fremdenfeindlichen Äußerungen und Streichen seiner Mitschüler ausgesetzt. Dieser Teil seiner Vergangenheit holt ihn im Rahmen des Jugenfestes wieder ein.
Urs Augstburger legt hier seinen ersten Roman dieser Art vor. Bislang waren Bergdramen und Bergthriller sein Metier. Er hat eine einfühlsame Geschichte geschrieben und sich an ein Thema herangewagt, das erstmal nicht so einfach ist. Es ist ihm gelungen mit den kleinen Abschnitten von Helens wirren Gedanken ein Bild des dementen Menschen zu zeigen. Zudem verbindet er die Demenz mit einer Liebesgeschichte, die schon lange zurückliegt und somit nun in Helens dementen Kopf wieder ganz präsent ist.
Der Roman ist sehr einfühlsam und angenehm geschrieben und lässt sich gut lesen. Allerdings gibt es ein paar Abschnitte, in denen es ein wenig langatmig wird.
Das Cover der Buches hat mit ausgesprochen gut gefallen. Die schöne Prägung des Titels und die zurückhaltenden Farben zeigen, dass es sich um ein etwas anspruchsvolleres Buch handelt. Sehr schön!
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5.0 von 5 Sternen Was bleibt ist die Erinnerung, 28. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Helen leidet an Alzheimer. Erst als die Krankheit schon weit fortgeschritten ist, traut sich ihr Sohn Mauro, zurück in seine Heimat zu kommen und seine Mutter zu besuchen. Doch Helen reagiert bereits auf niemanden mehr. Das Jugendfest steht an und Mauro macht mit Helen einen Spaziergang. Da scheinen Erinnerungen in Helen aufzukeimen und sie beginnt mit einem unsichtbaren Mann zu tanzen. Mauro ist gerührt und macht sich auf die irritierende Suche nach der einstigen Liebe der Mutter.

Die Geschichte spielt während der Woche des Jugendfestes und wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, die zum Teil so schnell switchen und ineinander übergehen, dass ich bei kurzer Unaufmerksamkeit schon mal gezwungen war, eine Seite zurückzublättern.

Zum einen lernen wir Mauro kennen, ein rastloser Mann, mit einer Schweizer Mutter und einem italienischen Vater, der sich in Mauros Kindheit aus dem Staub gemacht hat. Jahrelang versucht er dessen Weg zu ergründen. Wir erfahren viel über Mauros Jugend, wie schwer er es hatte mit seiner italienischen Abstammung und wir erfahren etwas über eine gescheiterte Liebe, die ihn für sein restliches Leben prägt.

Dann haben wir Johann und Pius, zwei alte Männer, eigentlich die besten Freunde, aber auch Johann plagt das Schicksal einer tragischen Liebe und Pius scheint nicht der zu sein für den er sich ausgibt.

Zuletzt bleibt noch Helen. Bei ihr tauchen wir immer wieder in ihre Gedankenwelt ab, die vor allem zu Beginn wahnsinnig anstrengend zu lesen ist, weil sehr verworren. Doch das gibt sich und der Leser bekommt einen tiefen Einblick in Helens Krankheit und das damit einhergehende Vergessen und gleichzeitig die unzusammenhängenden Erinnerungen an ihre Jugend.

Diese vier Handlungsstränge laufen nebeneinander, man wird immer tiefer in die Geschichte gezogen und in die Gefühlswelt eines jeden Einzelnen, bis sich dann alle langsam nach und nach verweben und ein Gesamtbild ergeben.

Der Stil ist durchgehend sehr melancholisch und irgendwie auch blass, so wie Helens Erinnerungen, die langsam in Asche versinken. Ein bunter Farbtupfer ist Alina, Wahl-Enkelin von Johann, die mit ihrer Direktheit und Lebenslust besticht und Johann immer wieder aus seiner tristen Gedankenwelt rettet. Auch bei Rahel, der Frau mit den schneeweißen Haaren keimt wieder so etwas wie Hoffnung auf, man spürt in der Geschichte endlich mal so etwas wie Glück.

Sehr, sehr schön finde ich auch die Videos auf als-der-regen-kam.de. Zu einigen Kapiteln gibt es da kurze Sequenzen, die sich wunderbar in das Buch integrieren und einem die Geschichte noch einmal etwas näher bringen.

Das Buch ist nichts für Nebenher", sondern doch eher schwere Kost, bei der man ab und an doch die grauen Zellen anregen muss. Sehr gefühlvoll und metaphorisch, phasenweise mit feuchten Augen, sehr ruhig und angenehm. Ich habe es wirklich genossen, das Buch zu lesen.

Kurzum:
Eine Geschichte über eine tiefgehende Liebe, die alles überdauert, sogar das Vergessen; über (unerfüllte) Hoffnungen, ein Leben auf der Suche; über Intrigen und Verrat und über eine Sehnsucht, die schier unendlich ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte über das Vergessen, 28. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:

Helen Nesta ist schwer demenzerkrankt und kann deshalb nicht mehr allein zu Hause leben. Sie hat einen Sohn, Mauro Nesta, der von der Stationsleitung des Pflegeheimes, Lindita Bardhecay, benachrichtigt und um Auflösung der Wohnung von Helen gebeten wird. Bei Ankunft in der Heimat wird Mauro bereits bewusst, dass er sehr wenig vom Leben seiner Mutter weiß. In der Wohnung von der demenzkranken Helen hinterlassene Symbole und Spuren kann er zunächst nicht deuten, aus Handlungen seiner Mutter wird er nicht schlau und beschließt somit, Ermittlungen über die Vergangenheit der Mutter anzustellen. Er ahnt dabei nicht, dass ein Freund der Mutter aus der Vergangenheit ihm bereits auf den Fersen ist und seinerseits auch eine Begegnung plant. Im Rahmen des alljährlich stattfindenden Jugendfestes lichtet sich allmählich der Vorhang und Mauro kommt der Wahrheit endlich auf die Spur.

Beurteilung:

Der Hintergrund des Romans ist vor allem die Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen im Jahr 1956, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen. Zudem sind die Nachwehen des 2. Weltkriegs durch politische Unruhen immer noch zu spüren. Vetternwirtschaften im Bürgeradel gehören zur Tagesordnung. Der Autor baut auf diesem Fundament die Handlung seines Romans auf, der zum Großteil in der Gegenwart, im Jahr 2012, in einem kleinen Schweizer Ort mit schöner Altstadt spielt. Die Vergangenheit spielt allerdings eine große Rolle. Urs Augstburger gestaltet den Ablauf sehr spannend, vor allem aufgrund wechselnder Erzählperspektiven. Grundsätzlich lässt er verschiedene Charaktere die Handlung aus der 3. Person schildern. Eine Ausnahme macht er, indem er die Gedanken von Helen aus der Perspektive einer Ich-Erzählerin schildern lässt. Diese Gedanken sind zudem noch visuell durch kursiven Druck vom übrigen Text abgegrenzt. Der Leser erfährt über die verschiedenen Erzähler stets bruchstückhaft neue Informationen und Wendungen in der Handlung. Somit steigt beim Leser die Spannung auf den nächsten Abschnitt und damit auch die Spannung auf die Erzählperson, die folgen wird.

Der Aufbau des Romans ist schlüssig, vor allem dadurch, dass der Autor stets zum richtigen Zeitpunkt die für den Leser notwendigen Informationen bereitstellt, die zum Verstehen benötigt werden. In der Gegenwart ist der Roman zeitlich und auch inhaltlich chronologisch aufgebaut. Allerdings werden auch Zeiten aus der Vergangenheit geschildert, woraus zeitlich und auch inhaltlich Sprünge resultieren. Der Großteil des Romans findet während des Jugendfestes in der Altstadt des Schweizer Städtchens statt.

Die wichtigsten Personen des Romans sind Helen Nesta und ihr Sohn Mauro. Von besonderer Brisanz sind auch die Figuren Pius Kobelt, der Helen stets im Pflegeheim besucht, und Jakob Matter, der nach 50 Jahren in das Städtchen zurück gekehrt ist. Die Hintergründe und auch Zusammenhänge zwischen diesen Personen, werden dem Leser im Laufe der Handlung erläutert, natürlich zum Spannungsaufbau nur nach und nach.

Die Dialoge sind für den Leser gut nachvollziehbar und stets mit viel Inhalt versehen. Sie arten nicht aus und sind nie zu langatmig. Der Autor drückt sich während des gesamten Romans sehr gewählt aus. Es mutet fast einer lyrischen Sprache an. Er verwendet zur leichteren Verständlichkeit normale Satzlängen" und verzichtet auf Verschachtelungen. Der Großteil ist somit leicht verständlich. Einzig die Gedanken von Helen Nesta stellen für den Leser eine Schwierigkeit in Bezug auf das Verständnis dar.

Der Roman ist flüssig und leicht zu lesen. Die Spannung wird beim Leser von Beginn an aufrecht erhalten, da auch dieser gemeinsam mit Mauro stets neue Informationen über das Leben von Helen Nesta aufdecken möchte. Der Leser sympathisiert sehr schnell mit Mauro und würde ihm am liebsten behilflich sein bei seiner detektivischen Arbeit. Die verschiedenen Handlungsstränge, hervorgerufen durch die verschiedenen Erzählperspektiven, finden im Laufe der Handlung zueinander, bis sie am Ende des Romans komplett zu einem Strang verschmolzen sind. Überraschende Wendungen gibt es in dem Roman nicht viele, allerdings erfährt der Leser einige Überraschungen, die durch Mauro aufgedeckt werden. Größtenteils ist der Ablauf aber vorhersehbar, was nicht schlimm ist.

Das Ende des Romans ist für den Leser gut verträglich, obwohl es eher offen gehalten ist und es sich um kein Happy-End handelt. Trotzdem löst sich beim Leser die Anspannung, die sich auf den letzten Seiten entwickelt hat und er kann das Buch zufrieden zur Seite legen. Auf das Ende wurde von Seiten des Autors im letzten Teil des Romans sukzessive hingearbeitet.

Der Roman ist kein wirklicher Liebesroman, sonder eher in die Kategorie der anspruchsvollen Literatur einzuordnen. Er regt den Leser stark zum Nachdenken an. Es handelt sich nicht um die typische Urlaubslektüre".

Das Cover des Romans ist sichtlich gut ausgewählt worden und wunderschöne gestaltet. Die Bedeutung erschließt sich dem Leser allerdings erst im Laufe des Buches. Zu Beginn ist zudem ein Interview mit dem Autor abgedruckt, das auf den folgenden Roman einstimmt. Das Buch ist im Hardcover erschienen. Meiner Meinung nach ist die äußere Gestaltung rundum gelungen.

Fazit:

Ich würde diesen Roman uneingeschränkt weiterempfehlen - somit absolute Leseempfehlung!!!

Diese herzergreifende Geschichte über Mutter und Sohn, wobei der Sohn so viel Neues über das Leben der Mutter erfährt, ist ein absolutes Muss für jeden Bücherfan. Zudem ist dieser Roman überhaupt nicht kitschig, geht aber trotzdem ans Herz!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was passierte, als der Regen kam?, 24. August 2012
Von 
Nabura - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mauro Nesta kehrt aus Genua in ein Städchen in der Schweiz zurück, um seine Mutter Helen zu besuchen, welche an Demenz erkrankt ist. Außergerechnet am Tag vor dem Jugendfest, einer jahrhunderte alten Tradition im Städchen, trifft er dort ein. Bei einem Spaziergang scheint sich Helen plötzlich an ein längst vergessenes Jugendfest zu erinnern – sie schwebt mit einem unsichtbaren Mann über den Tanzboden. In ihrer alten Wohnung findet Mauro weitere Hinweise darauf, dass ihre Mutter ein jahrzehntealtes Geheimnis hütet. Am Tag des Jugendfestes begibt sich Mauro auf die Suche…

Der Autor beschreibt die Ereignisse mit großem Fingerspitzengefühl, was es dem Leser ermöglicht, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt der einzelnen Charaktere einzufühlen. Mit einem ruhigen und auf Details ausgerichteten Schreibstil zieht er den Leser in den Bann des Jugendfestes. Dabei fließen Vergangenheit und Gegenwart oft ebenso ineinander wie verschiedene Perspektiven auf Ereignisse. Gelegentlich fiel es mir daher schwer, der Handlung zu folgen und selbst zwischen Vergangenheit und Gegenwart trennen zu können. Auch die Beschreibung von Helens demenzbeeinflusster Gedankenwelt spiegelt ihren Zustand recht gut wieder, ist für den Leser aber oftmals wenig aufschlussreich.

Die Charaktere sind facettenreich gestaltet und ihre Handlungen für den Leser gut nachvollziehbar. Jeder verfügt über starke und schwache Charakterzüge, die es interessant machen, ihre Handlungen und Entscheidungen zu verfolgen. Ebenso verfolgt jeder – direkt oder indirekt – ein Ziel, dem er sich im Verlaufe des Buches langsam annähert. Schrittweise werden die Beziehungen zwischen den Charakteren deutlich, immer mehr verknüpft sich ihr Schicksal miteinander. So steuert das Buch allmählich nicht nur auf den Höhepunkt des Jugendfestes zu, sondern gleichzeitig auch auf die Offenbarung all der Geheimnisse, welche die Charaktere umgeben.

„Als der Regen kam“ ist ein gefühlvolles Buch, das den Leser in die magische Welt des Jugendfestes entführt. Facettenreiche Charaktere und ein detailreicher Schreibstil sorgen für ein kurzweiliges Lesevergnügen. Gerne vergebe ich vier Sterne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wo das Glück wohnt..., 24. August 2012
Von 
Kalamaria - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
... findet man zuweilen erst sehr spät im Leben heraus, doch solange man lebt, besteht die Hoffnung, dass man es schafft. Und zuweilen gelingt es auf die ein oder andere Art und Weise - dies die Botschaft des Schweizer Autors Urs Augstburger in seinem Roman "Als der Regen kam".

Mauro besucht nach mehr als zwei Jahren seine Mutter. Inzwischen hat sich vieles verändert - ihre Alzheimererkrankung, beim letzten Besuch noch in ihren Anfängen und von Mauro nicht als solche erkannt, ist weit, weit fortgeschritten. Nun lebt sie in einem Heim und erkennt ihren eigenen Sohn nicht mehr. Geheimnisvoll wird die Story zunächst durch die regelmäßigen Besuche von Pius, der zögert, sich Mauro zu zeigen.

Zudem erfolgt die Einführung eines zweiten Erzählstrangs mit den Protagonisten Alina - einem kleinen Mädchen - und Jakob, einem alten Mann. Wie hängen die beiden Geschichten zusammen? Durch die schrittweise, sehr langsame Annäherung an die Auflösung wird die Spannung des Lesers sehr gesteigert und löst sich auf teilweise unerwartete Art und Weise. Das große Thema des Romans sind die Einsamkeit und die Erinnerungen, in die jeder der Protagonisten auf seine Art gefangen ist. Die Wendungen des Lebens zeigen, dass tatsächlich der Schlimmste aller Schrecken der Mensch in seinem Wahn ist.

Das schmerzhafte, in unserer Gesellschaft immer präsenter werdende Thema Alzheimer und Demenz, mit dem hier sehr behutsam umgegangen wird, macht dieses Buch gleichfalls lesenswert und rundet die in sich überaus stimmige und abgeschlossene Geschichte ab.

Ein wenig geschmälert jedoch wird das Lesevergnügen durch den Stil des Autors, der aus meiner Sicht nicht unbedingt von großartigem erzählerischen Können und Geschick zeugt. Augstburgers "Als der Regen kam" gemahnt von der inhaltlichen Ausrichtung, den vermittelten Werten her an den großartigen Roman "Léon und Louise" seines Landsmannes Alex Capus, auch wenn er diesem - der Autor möge mir verzeihen - bei weitem nicht das Wasser reichen kann. Doch neben Diamanten muss es auch Halbedelsteine geben und so empfehle ich dieses Buch dennoch allen, die einen stimmungsvollen Schicksalsroman auf gehobenem Niveau zu schätzen wissen.
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4.0 von 5 Sternen Aus der Vergangenheit formen sich Gegenwart und Zukunft, 28. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Als der Regen kam: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schon seit Jahrhunderten gibt es im Schweizer Brugg das Jugendfest. An seinem Ablauf orientiert sich diese Geschichte. Es ist für Kinder und Erwachsene ein Höhepunkt im Jahresablauf. Für die einen, weil sie sich von der Stimmung, den Reigen und Tänzen das erste Mal vereinnahmen lassen, für die anderen, weil Erinnerungen an frühere Zeiten zum Greifen nahe kommen.

Auch Mauro Nester, der wegen seiner an Alzheimer erkrankten Mutter in das Städtchen zurückkommt, erliegt eigenen Erinnerungen. Als Kind eines italienischen Vaters war er ein Außenseiter, weshalb er seiner Heimat auch den Rücken gekehrt hat. Seine Mutter kam aus einer angesehenen Familie, hat den Ort nie verlassen und doch gegen die Engstirnigkeit der Menschen rebelliert. Als Kind war ihm das nie bewusst, doch nun als Erwachsener entdeckt er nach und nach Mutters Geheimnisse, die sie ihm wegen ihrer Krankheit aber nicht mehr erläutern kann. Mühsam nähert er sich an, versucht herauszufinden, was aus Mutters großer Liebe geworden ist.

Das Buch beginnt ruhig, führt den Leser gemächlich in die Thematik ein. Im Mittelteil – während des Festes – nimmt es allmählich Fahrt auf, um zum Schluss in einem wahren Feuerwerk zu enden.

Mir gefällt, wie die Alzheimerkrankheit „behandelt“ wird. Auch wenn sie den gesamten Roman prägt, steht sie nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Da spielen schon eher Charaktereigenschaften von Menschen die Hauptrolle. Der Leser erfährt, was unerfüllte Liebe für Abgründe haben kann und dass Treue nichts mit Enthaltsamkeit zu tun haben muss.

Empfehlen möchte ich den Link: [...]. Hier ist die Stimmung des Jugendfestes in musikunterlegten Bildern festgehalten.
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Als der Regen kam: Roman
Als der Regen kam: Roman von Urs Augstburger (Gebundene Ausgabe - 10. November 2012)
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