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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Das Ende des " American Dream ",
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Buell in Pennsylvania war ehemals eine Hochburg der Stahlindustrie. Doch diese Ära ist endgültig vorbei. Die Stahlwerke haben ihre Tore geschlossen und die Arbeitsplätze gehen verloren. Aus dem einst wohlhabenden Städtchen ist ein trostloser, trauriger Ort geworden. Die Massenarbeitslosigkeit erzeugt Armut und den sozialen Abstieg. Die ehemaligen, stolzen Werksbauten kommen herrunter, verroten und verrosten , sie werden teilweise abgerissen und die Natur erobert das Land zurück.In dieser hoffnungslosen Umgebung wachsen Isaac English und sein Freund Billy Poe auf, zwei grundverschiedene Charaktere. Beide hängen hier irgendwie fest, schaffen den Absprung nicht. Der nachdenkliche Isaac ist ziemlich intelligent und könnte studieren, aber er will seinen kranken, im Rollstuhl sitzenden Vater nicht alleine zurücklassen. Seine Mutter hat vor geraumer Zeit Selbstmord begangen und seine Schwester Lee hat die " Flucht " ins Studium und in die Ehe mit einem gutsituierten Mann geschafft. Auch der leicht reizbare Billy Poe könnte durch seine hervorragenden sportlichen Leistungen im Football an eine Universität gehen. Aber auch er kann sich nicht dazu durchringen. Doch eine Tages hat Isaac von allem die Nase endgültig voll und will sich auf den Weg nach Kalifornien machen. Billy begleitet ihn ein Stück. Ein Unwetter zwingt sie jedoch recht bald dazu, in einem der verrottenden Bauten Unterschlupf zu suchen. Dort begegnen ihnen ein paar Obdachlose und das Unglück nimmt seinen Lauf. Isaac tötet einen von ihnen, um seinen Freund aus einer Notlage zu helfen. Aufgewühlt kehren sie um und gehen zurück nach Hause. Anderntags wollen sie noch die Spuren beseitigen. Doch es ist zu spät, die Leiche wurde bereits entdeckt. Isaac wagt einen erneuten Versuch, sich davon zu machen, er bricht abermals auf , um seine Träume vielleicht doch noch zu verwirklichen. Doch die Schuldgefühle lasten schwer auf ihm. Währenddessen wird Billy, der bereits schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, verhaftet und kommt ins Gefängnis. Er ist hin- und hergerisssen zwischen dem Wunsch sich selbst oder seinen Freund zu retten . Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der verschiedenen Hauptprotagonisten erzählt . Das sind natürlich Isaac und Billy, sowie Isaacs Vater und die Schwester Lee , Billy's Mutter Grace und der Polizist Bud Harris. Die Schilderung dieser Einzelschicksale erzeugt ein erschütterndes Gesamtbild dieser verfallenen, absolut trostlosen amerikanischen Gesellschaft. In dieser traurigen und düsteren Erzählung geht es aber auch um Freundschaft und Loyalität. Wie weit kann man gehen , um sein Kind oder seinen Freund zu schützen bzw. zu helfen? Was würde man dafür in Kauf nehmen ? Allein diese familiären und freundschaftlichen Bindungen hinterlassen beim Leser einen winzig kleinen Funken Hoffnung in diesen ansonsten desillusionierten Geschehnissen. Der Schreibstil selbst ist eher etwas gewöhnungsbedürftig ; die Sätze sind häufig sehr kurz und abgehackt. Außerdem kann man den Gedankengängen der Personen, insbesondere denen von Isaac, häufig nur schwer folgen. Dennoch ist die Sprache recht emmotional und ruft Beklemmung, aber auch Mitgefühl hervor. Mich hat das Buch beeindruckt und es hat mir gut gefallen. Es ist aber definitiv keine ganz leichte Lektüre und eignet sich nicht als Unterhaltung für zwischendurch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Niedergang eines Landstriches,
Von
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Pennsylvania stand lange Jahre, Jahrzehnte für die solide untere Mittelschicht des amerikanischen Traumes. Stahl war unabdingbar nötig für die wirtschaftliche Expansion der USA und mit dem Stahl kamen die Arbeiter, die Gewerkschaften, die ausreichenden Löhne und das nicht überschwengliche, dennoch aber gute Leben.Vorbei. Pennsylvania steht nunmehr für "White Trash", die entlassenen, hoffnungslosen, in die Sozialhilfe oder darunter abgeglittenen ehemaligen Arbeiter der Stahlindustrie und ihrer zugehörigen Zulieferfirmen. Verlierer in Massen produzierte die anhaltende Wirtschaftskrise und Isaac und Billy, Jugendliche und beste Freunde, gehören mit in diesen Pool verarmender und Haltung verlierender Familien. Issacs Mutter beging Suizid, sein Vater ist Invalide und Billy haust in einem Trailer am Rande der Zivilisation. Beide hätten zwar die Möglichkeit, wie in Amerika üblich, durch ihre je herausragend sportlichen Begabungen Stipendien an Elite Universitäten zu erhalten, Isaac verzichtet zugunsten seiner Schwester, Billy wendet sich trotzig aus gegen die sich eröffnenden Chancen. Doch Isaac will seine Träume nicht in Alkohol und Klagen begraben, er überredet Billy, mit ihm diesen Ort tiefen Niedergangs zu verlassen und in Kalifornien, im "gelobten Land" einen Neuanfang zu wagen. Beide kommen nicht weit, am Stadtrand kommt es zu einer konfliktreichen Begegnung mit weitreichenden Folgen, in deren Verlauf Isaac in Notwehr einen Menschen tötet. Der ermittelnde Polizist findet allerdings Billys Jacke am Tatort und, hier nimmt das Buch psychologisch interessante Wendungen, Billy nimmt tatsächlich die Schuld auf sich, Vielleicht aus Trotz? Vielleicht, um seinem Freund Isaac eine Zukunft zu ermöglichen, die er für sich selber nicht sieht? So beginnt nun, die Geschichte, in düsteren Farben verbleibend, auf drei Ebenen ihren Fortgang zu nehmen. Der Leser begleitet Isaac auf seiner Odyssee durch Amerika, bei der täglich ein Stück mehr seiner Hoffnung und Sehnsucht verloren geht, begleitet Billy auf seinem Weg ins Gefängnis und begleitet den ermittelnden Sheriff, dessen Welt innerlich und äußerlich noch in Ordnung ist, der sich aber nun mit dem Umfeld und der Welt von Issac und Billy auseinander zu setzen hat. Eine Auseinandersetzung, die der Sherriff stellvertretend für den Leser vollzieht und die in eine zutiefst und gerechtfertigte gesellschaftskritische Richtung sich entwickeln wird. Philip Meyer versteht es, in seinem Erstlingswerk den Finge rauf die offene Wunder des Niedergangs einer Gesellschaft westlichen Zuschnitts zu legen. Das Beispiel des Amerikas, das ihm aus dem Fingern in Buchstaben hinein fließt, ist ja ein weltweites Phänomen des äußeren, aber auch inneren Niederganges, bedingt durch fehlende Perspektiven für die Massen und eine stark um sich greifende Gier bei jener Minderheit, die noch Zugang zu den Fleischtöpfen hat. Am Schlimmsten aber ist das Erleben, letztlich allein gelassen zu werden mit all den unlösbaren Problemen, die unverschuldet über die Arbeiterschaft, das ehemals stabile Rückgrat funktionierender Wirtschaften weltweit. Unlösbare Probleme, die sich eben wie Rost durch ehemals gesunden Stahl der Gesellschaft fressen. Ein düsteres Buch in ausgefeilter und emotional einfühlsamer Sprache, das die Härten des Lebens in den Vordergrund setzt und nur in familiärer oder freundschaftlicher Bindung kleine Hoffnungsschimmer hinterlässt. Mit leichten Schwächen in der Ausdifferenzierung der Charaktere, dennoch aber eine minutiöse und treffende Romanbeschreibung des Niedergangs ehemals stabiler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Systeme. Empfehlenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen
American Rust vs American Dream,
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die beiden Freunde Isaac English und Billy Poe leben in einem kleinen Ort, in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania, im Nordosten der USA. Nach dem Zusammenbruch der Kohle- und Stahlindustrie träumen sie von einem besseren Leben in Kalifornien, am anderen Ende der Vereinigten Staaten. Doch Isaac bringt "aus Versehen" einen Menschen um und sie müssen ihr Vorhaben zunächst aufgeben und umkehren.Das Thema von Philipp Meyers "Rost" finde ich sehr aktuell und interessant, denn diese -fiktive- Geschichte könnte genauso gut bei uns im Ruhrgebiet spielen. Auch könnte sie gut als Vorgeschichte zu "Strahlend schöner Morgen" von James Frey dienen. Denn auch dort geht es um sympathische Loser, die hoffen, dass sich ihre Träume in Los Angeles, weit weg von ihrer Heimat, erfüllen. Im Gegensatz zu Freys Roman, der optimistisch und positiv daher kommt, ist Meyers Rost -meiner Meinung nach- eher pessimistisch und negativ. Auch ein bisschen unglaubwürdig: Die "Beziehung" von Isaacs Schwester Lee und Poe, das Verhalten von Chief Harris. Insbesondere der Schluss hat mich enttäuscht, nicht menschlich, aber eben dieser "Rückschritt". Alle haben irgendwie resigniert... Ich denke, das ist bezeichnend für das gesamte Werk: düster, depressiv und desillusioniert. Schade, ich hätte mir ein wenig mehr Hoffnung gewünscht, wenigstens als Ausblick. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
In den Trümmern der Hoffnungen,
Von Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER)
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Eine Region kollabiert. Einstellung der Stahlproduktion, Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit. Pittsburg, Pennsylvania erlebt eine der größten Wirtschaftskrisen, und die Bevölkerung steht vor einem ökonomischen Scherbenhaufen. Sie stehen vor den Trümmern ihrer Hoffnungen. Dass dies fatale Auswirkungen bis in den privatesten Bereich der Menschen hat, bleibt nicht aus. Ein Szenario, wie es heute weltweit und iun vielen Regionen immer wieder abspielt. Pittsburg, Pennsylvania kann im Zeichen der Globalisierung und ihrer Folgen überall sein - weltweit, so die "Botschaft" des Buches.Das also ist die Kulisse für den erschreckend aktuellen und dramatischen Roman von Philipp Meyer. Die Protagonisten Isaac English und sein Freund Billy Poe gehören zu den Verlierern. Außerdem bewegen sich im Bannkreis des wirtschaftlichen Niedergangs Menschen, die hilflos und verzweifelt nach dem letzten Strohhalm greifen, um zu über- leben. Und es gibt die Menschen mit teilweise sehr viel krimineller Energie, die mit allen Mitteln - vom Betrug bis zum Mord - versuchen, aus der Not anderer Kapital in welcher Weise auch immer zu schlagen. Das ist die reale und literarische Konstellation, in die Philipp Meyer Isaac und Billy gestellt sehen. Während Isaac der ruhige, überlegte Typ mit intellektuellem Anspruch ist, ist Billy, schon mal vorbestraft, eher der schlichte, einfache Typ, der lieber abhängt, Dosenbier trinkt und sich für Football begeistert. So unterschiedlich wie die Freunde sind auch die Familien - vertreten durch Grace, Billys Mutter - und Isaacs Schwester Lee. Eines aber ist allen gemein: Sie alle wollen aus der Trost- und Hoffnungslosigkeit entkommen - jeder auf seine Weise. Das gilt auch für den Ortssheriff, der sich zumindest um Billy bemüht und ihn aus kritischen Situationen "rettet". Bald sollte er besonderen Anlass dazu haben. Vor den Trümmern ihrer Hoffnungen stehen also auch die Freunde Isaac und Billy und machen sich schon mal auf den Weg. On the road - Richtung Kalifornien, ins vielleicht Gelobte Land. Noch sind sie in Reichweite ihrer Stadt, als sie Schutz vor einem Unwetter suchen mussen. Sie landen in einer Höhle, auf die plötzlich drei heruntergekommene Typen Anspruch erheben. Es kommt zu einr Rangelei, ein Messer wird gezückt und Billy an den Hals gesetzt. Um ihm zu helfen, greift Isaac zu einer Kugel und tötet einen der Männer. Nicht absichtlich, in Notwehr. Am Tatort bleibt Billys Football-Jacke zurück. So erreicht der Arm des Gesetzes in der Person des Ortssheriffs ziemlich schnell den vermeintlichen Täter: Billy. Die Beweislage scheint klar zu sein. Und Billy bekennt sich zu der Tat, schützt so seinen Freund Isaac und geht für ihn in den Knast. Isaac macht sich allein auf den Weg nach Kalifornien - die Schuld im Gepäck. Es wird ein schwerer, ein steiniger Weg. Mit sehr viel psychologischem Feingefühl schildert Meyer die Freundschaft der beiden, die in der Schuld des einen und im "Bekenntnis" des anderen ihre besondere Bewährungsprobe zu bestehen hat. Den Leser überzeugt aber vor allem die sensible Charakteristik dieserHauptfiguren. Ebenso überzeugend aber ist auch die Schilderung der Atmosphäre in der Kleinstadt und des Geschehens um die Wirtschaftskrise, die Beschreibung der seelischen und materiellen Probleme der kleinen Leute, die mal wieder die großen Verlierer sind. Der gesellschafts- und sozialkritische Ansatz Meyers ist nicht zu überlesen. Philipp Meyer ist ein beeindruckendes Buch gelungen, er hat einen wahrhaft großen amerikanischer Roman geschrieben, wie wir ihn von Dos Passos, McCarthy und anderen kennen. Meyer hat sich so in die vordere Reihe geschrieben. Ein Roman - sprachlich souverän, meisterhaft konzipiert und mit einem fesselnden Plot. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Wo und wann fängt Schuld an?,
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Taschenbuch)
Eine Kleinstadt in Pennsylvania.Trostlos die Gegend, die einstigen Fabriken der Stahlindustrie sind geschlossen, Geschäfte und Häuser stehen leer. Die Menschen haben keine Arbeit und wenn dann müssen sie sich mit Minijobs und Mindestlöhnen zufrieden geben. Keine guten Voraussetzungen für eine stabile Gesellschaft und es ist erstaunlich wie von vielen jungen Menschen die nicht vorhandenen Aussichten akzeptiert werden. Dazu gehört auch Billy. Während sich Billy, der ein bekannter Footballspieler hätte werden können und aus Bequemlichkeitsgründen das Stipendium nicht angenommen hat, sich all dem fügt ist Isaac, sein bester Freund, nicht zufrieden. Er möchte weg an die Universität - nach Berkeley in Kalifornien. Mit 4.000 Dollar in der Tasche die er seinem im Rollstuhl sitzenden Vater geklaut hat, macht er sich auf den Weg in ein wie er hofft besseres Leben und überredet Billy mitzukommen. Was Isaac an Intellekt zu bieten hat wiegt Billy an Körpermasse auf. Äußerlich sehr unterschiedlich zeichen sich beide durch fehlende soziale Kompetenz aus. Nun sind die beiden unterwegs nach Kalifornien müssen sich aber als starker Regen einsetzt in einer stillgelegten Maschinenhalle unterstellen. Beide wissen nicht dass sie eine Obdachlosenunterkunft betreten. Es kommt zum Streit. Isaac ist beherrscht genung einfach davon zu gehen. Billy nicht, das läßt er sich nicht bieten. Die Lage spitzt sich zu, einer der Obdachlosen setzt Billy ein Messer an die Kehle, ein zweiter läuft bedrohlich auf ihn zu. Isaac beobachtet das aus seinem Versteck heraus und weiß dass er seinem Freund helfen muss. Er wirft eine Eisenkugel und tötet einen der Männer. Die Situation ist so einfach wie verfahren...Mord? Notwehr? Ab sofort zählen alte Wahrheiten: Billy wohnt mit seiner Mutter im trailerpark, der Vater ist abgehauen. Er hatte schon öfter Schwierigkeiten mit dem Gesetz - Isaac ist ein kleiner, schmächtiger sehr intelligenter Bursche. Die Schwester studiert, der Vater sitzt im Rollstuhl, die Mutter nahm sich das Leben. Auffällig war er nie. Es dauert nicht lange bis der ortsansässige Polizist Billy festnimmt. Seine Jacke lag noch blutverschmiert am Tatort...und Isaac haut erneut ab mit Ziel Berkeley, Kalifornien. Fazit: Ein sehr eindringlicher Roman der mich auch nachdem ich das Buch ausgelesen hatte sehr beschäftigt. Wir sollten erst dann einen Menschen beurteilen wenn wir die ganze Geschichte kennen und nicht weil irgendwelche äußeren Umstände doch so eindeutig sind. Eine ganz große Leseempfehlung! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die Kehrseite des 'Amerikanischen Traums',
Von
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Keine zwei Wochen umfasst der Zeitrahmen dieses Buches - doch es reicht um das Leben aller Beteiligten grundlegend zu ändern.Ein trostloser, heruntergekommener Flecken in den Weiten von Pennsylvania: Isaac, ein zarter junger Mann um die 20, intelligent und wißbegierig, will weg wie seine Schwester, auf nach Kalifornien zum Studieren. Er bricht auf, ohne das Wissen des Vaters doch mit dessen Geld und hofft, dass ihn sein bester Freund Poe begleitet, der im Trailer seiner Mutter ohne Zukunftsaussichten in den Tag hineinlebt. Doch diesem fehlt die Energie für einen solchen Aufbruch, will Isaac jedoch noch ein Stück begleiten. Als sie in einem leerstehenden Gebäude vor dem aufkommenden Regen Schutz suchen, begegnen sie dort drei merkwürdigen Gestalten. Isaacs schlechte Vorahnungen trügen ihn nicht: Während er nach draußen verschwindet, versuchen die Männer Poe zu vergewaltigen. Isaac rettet seinen Freund indem er einen der drei tötet. Kurz darauf verschwindet er erneut ohne jedoch zu erfahren dass Poe wegen Mordes verhaftet wird. Alle Figuren des Buches mühen sich ab mit der Frage nach dem Sinn des Lebens angesichts der allgegenwärtigen Trostlosigkeit und Düsternis rings um sie herum. Der einzige Lichtblick in diesem freudlosen Dasein ist die beständige Schönheit der sie umgebenden Natur. Während Isaac weiter auf dem Weg nach Westen ist, sich mühsam auf der Straße durchschlägt und beständig mit den Schuldgefühlen kämpft, die ihn seit dem Selbstmord seiner Mutter umtreiben, lernt Poe die harte Realität des Gefängnisalltags kennen. Den Sinn seines Lebens sieht er nun darin, seinem Freund all dies zu ersparen, er will die Schuld auf sich nehmen. Parallel zur Geschichte von Isaac und Poe beschreibt Meyer den Niedergang der Stahlindustrie dieser Gegend in zwei Dimensionen: Die riesigen nun verlassenen Werke rosten vor sich hin und die Natur holt sich nach und nach wieder was man ihr mühsam abgetrotzt hatte. Im gleichen Maße kehrt auch die Gesellschaft wieder zu ihren Ursprüngen zurück: Nachdem 10.000e entlassen wurden, wird die zivilisatorische Schicht stetig dünner. Immer öfter gilt das Recht des Stärkeren, Gewalt und Diebstähle nehmen zu, das Rechtsbewußtsein im gleichen Maße ab. Isaac bekommt dies auf seiner Reise zu spüren: Als scheinbarer Penner identifiziert, wird er von Jugendlichen ohne Grund (Penner sein reicht) zusammengeschlagen. Meyer zerpflückt den ,Amerikanischen Traum', dass es jede/r durch eigene Kraft nach oben schaffen kann. Er beschreibt wie durch Profitgier ganze Familien zerstört wurden, stolze Facharbeiter mit Stundenlöhnen zu 30 $ zu Verkäufern mit 4,50 $ pro Stunde degradiert wurden, Häuser massenweise geräumt und versteigert und völlig Verzweifelte auch vor dem Letzten nicht zurückschreckten. Es ist das Porträt einer Gesellschaft die ihre beste Zeit hinter sich zu haben scheint und nur wenig Auserwählten die Möglichkeit bietet, am Leben teilzunehmen, denn: ,Dass der Durchschnittsbürger keinen Job mehr hat, in dem er gut sein kann, da liegt doch das Problem'. Meyers Erzählweise ist ungewöhnlich: Durch einen kleinen Kunstgriff gelingt es ihm, die Geschichte sowohl von außen mit Blick auf eine Person zu schildern aber auch deren Gedanken und Emotionen direkt miteinfließen zu lassen. Dies mag zu Beginn etwas verwirren, doch das Prinzip ist schnell zu durchschauen und bringt dem/der Lesenden die Protagonisten überaus nahe. Obwohl jedes Kapitel des Buches einer Person gewidmet ist und damit ständig die Sichtweise wechselt, fällt es nicht schwer dem Fortgang der Geschichte zu folgen. Wer einen intensiveren Blick auf die heutige Gesellschaft (nicht nur der USA) sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. Als leichte Unterhaltungslektüre ist es denkbar ungeeignet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1.0 von 5 Sternen
Dead Ends,
Von MissVega (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Taschenbuch)
Der Debütroman des Amerikaners Philipp Meyer hat überwiegend sehr positive bis nahezu euphorische Kritiken eingeheimst. Begeistert ist man von Story, Stil und Talent des noch recht jungen (39) Autors und seinem Blick auf die hier trostlose Welt des fiktiven Städtchens Buell in Pennsylvania. Der schleichende Tod des American Dream wird hier am Niedergang der Stahlindustrie in einer kleinen Stadt geschildert, die wirtschaftlich gesehen schon im Koma liegt und wohl bald gänzlich daniederliegen wird. Im Vordergrund des Romans steht aber die Freundschaft zweier ortsansässiger Twens, die durch ein schreckliches Ereignis auf die Probe gestellt wird. Bedauerlicherweise ist es mir weder gelungen, in „Rost“ das vielzitierte Talent des Autors ausfindig zu machen noch, die Geschichte auch nur im Ansatz interessant finden zu können.Geschmäcker sind nun mal verschieden, und auch, wenn es sehr viele Menschen gibt, die dieses Buch grandios finden, kann ich mich dem leider trotzdem nicht anschließen. Für mich ist „Rost“ ein ungeheuer schwerfälliger, emotionsloser, langweiliger und künstlicher Abgesang auf eine wirtschaftlich brachliegende Region und die Menschen, die sie hervorbringt. Meyer stopft seine Geschichte voll mit Belanglosigkeiten, die sich auf nahezu jeder Buchseite finden und entwirft Charaktere, die zwar schmerzhaft realistisch sind, für die man aber kaum Interesse oder Sympathie aufzubringen vermag. Dazu kommt Meyers abgehackter, teilweise wirrer Schreibstil, der es mir nahezu unmöglich gemacht hat, jemals wirklich in die Geschichte eintauchen zu können. Ungelenk, unpersönlich, fade ist „Rost“ in meinen Augen geschrieben, ein wirklich enervierendes Buch mit zwar klarem Blick auf den Niedergang einer Region und die damit einhergehenden Probleme, aber nahezu vollständigem Unvermögen, diese schicksalhafte Geschichte für den Leser auch nur im Ansatz interessant oder nachvollziehbar zu machen. Isaac English, 21 und mit einem IQ von 167 gesegnet und sein 20jähriger Kumpel Billy Poe leben in Buell, Pennsylvania. Einst war das Städtchen prosperierender Wirtschaftsstandort der Stahlindustrie, die dem Großteil der Bevölkerung Arbeit garantierte. Globalisierung und Wirtschaftskrise jedoch haben aus Buell einen Ort der Tristesse gemacht, in dem hohe Arbeitslosigkeit herrscht und dem große Teile der Einwohnerschaft frustriert und endgültig den Rücken kehrt. Auch Isaac will weg. Fünf Jahre nach dem Selbstmord der Mutter und zwei Jahren Pflege des dahinsiechenden Vaters ist es für Isaac Zeit, nach Kalifornien zu gehen, um Astrophysik zu studieren. Seine Schwester Lee hat ihn schon vor drei Jahren mit dem Vater allein gelassen und schaut nur selten auf einen Besuch vorbei. Isaacs Träume stehen im krassen Gegensatz zu Poes sturer Lethargie. Der ehemalige Footballstar der Highschool hat mehrere Stipendien ausgeschlagen und ist in Buell hängen geblieben. Seine sichere Sportkarriere hat er - scheinbar grundlos - diversen Gelegenheitsjobs und einem Leben im Trailer mit seiner Mutter Grace geopfert. Ganz weg aus Buell will er immer noch nicht, aber Isaac kann ihn überreden, ihn wenigstens ein Stück weit auf seiner Flucht zu begleiten. Doch schon kurz nach ihrem Aufbruch geschieht ein schrecklicher Unfall, der alles verändert. Von ein paar Obdachlosen bedrängt und bedroht, greift Isaac in Notwehr zu einer Eisenkugel, durch die einer der Angreifer zu Tode kommt. Verstört kehren die Jungs vorerst nach Buell zurück. Doch nur wenige Tage später bricht Isaac erneut auf, Poe hingegen bleibt und sieht sich schon bald mit einer Mordanklage konfrontiert. Er schweigt, erläutert die wahren Tatumstände nicht, nimmt Isaacs Schuld auf sich, geht für ihn ins Gefängnis. Dann aber kommen ihm Zweifel, ob dies wirklich der richtige Weg ist. Und auch Isaac, der gar nicht weiß, was Poe passiert ist, kommen mit jedem Kilometer, den er sich von Buell entfernt Zweifel, ob er sich tatsächlich richtig entschieden hat, die Schuld, einem Menschen, wenn auch unabsichtlich, das Leben genommen zu haben, lastet schwer auf ihm. Wird Poe und Isaacs Freundschaft dieses Ereignis weiter zusammenschweißen oder auseinander reißen? Und wie weit darf man für einen Freund gehen? Neben dem zentralen Schuld-und-Sühne-Motiv ist der Niedergang einer Stadt, die einst von der florierenden Stahlproduktion gelebt hat, ein weiterer Aspekt der Handlung von „Rost“. Es mag vorrangig um Isaac und Poe gehen, doch ihr Werdegang und auch ihre Gemütsverfassung resultieren aus dem mehr und mehr auseinander brechenden sozialen Gefüge in Buell, einer Stadt, die langsam vor sich hinstirbt. Wenn die Menschen nicht weggehen, um woanders Arbeit und soziales Leben vorzufinden, bleiben sie desillusioniert in Buell hängen und versuchen, ihrem Leben in der todgesagten Stadt noch einen Sinn zu geben. Philipp Meyer schildert seine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln. Abwechselnd kommen neben Isaac und Poe auch Isaacs Schwester Lee, Poes Mutter Grace, Sheriff Harris und Isaacs Vater zu Wort. Dies führt zumindest dazu, dass man einen etwas genaueren Einblick in die Gedankenwelten der Protagonisten bekommt. Die Schuldgefühle der Schwester werden deutlich, das vertane Leben von Grace, die trotz aller Hoffnungslosigkeit versucht, ihren Sohn doch noch zu retten und die halblegalen Wege, die Sheriff Harris beschreitet, um Poe vor dem Schlimmsten zu bewahren. Leider strotzen diese Gedankenwelten vorrangig vor banalen Ergüssen ohne jede Bedeutung oder endlosen Schilderungen von unfasslichen Nebensächlichkeiten. Durch die kurzen, abgehackten Sätze, die oft nur aus zwei bis vier Wörtern bestehen, stellte sich bei mir zu keinem Zeitpunkt Lesefluss ein, geschweige denn, dass ich den Charakteren auch nur im Ansatz emotional näher gekommen wäre. Schlichtweg ist das, was diese Menschen hier umtreibt, für mich von keinerlei Interesse. Beschreibungen von Wegen, Situationen, Landschaften, Zufallsbekanntschaften und Gemütsverfassungen werden endlos ausgewalzt und mit banalen, irrelevanten und sinnfreien Dialogen garniert. „Rost“ war für mich die reinste gedankliche Ödnis, ein Meer von Langeweile und so distanziert und rhetorisch unzulänglich geschrieben, dass ich immer wieder querlesen musste, um nicht das Gefühl zu haben, permanent auf der Stelle zu treten. Das Buch birgt minimale Spannung, die sich einzig von der Frage nährt, wie „diese Sache“ zwischen Isaac und Poe nun ausgeht. Wandert Poe in den Knast und wird für etwas angeklagt, was er gar nicht getan hat, für das er sich aber dennoch die Schuld gibt und genau deswegen schweigt und Isaac nicht verrät? Oder wird Isaac von seinen Schuldgefühlen oder seinem Ehrgefühl übermannt und bricht seine Flucht ab, um die Dinge richtig zu stellen? Da diese Frage erst ganz am Ende beantwortet wird und sich die hunderte Seiten vorher nur durch endloses Geschwafel und deprimierende Gedankengänge und Situationsbeschreibungen auszeichnen, ist „Rost“ eine echte Geduldsprobe. Ich kann mit Meyers Stil überhaupt nichts anfangen und finde die Geschichte, zumindest so, wie er sie umgesetzt hat, weder spannend noch rhetorisch gelungen noch sonst was. „Rost“ war für mich pure Zeitverschwendung und nur mit großem Durchhaltevermögen überhaupt zu bewältigen. Absolut nichts für mich, was generell Interessierte jedoch nicht abhalten sollte. Denn wie gesagt, Geschmäcker sind nun mal verschieden… Für mich leider null von fünf rostigen Stellen, die man getrost links liegen lassen kann. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4.0 von 5 Sternen
American (Alp)Dream,
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Issac und Poe, zwei Freunde aus der Nähe von Pittsburgh, brechen aus dem amerikanischen Kleinstadtleben heraus, um in das große Kalifornien zu flüchen und der herrschenden Wirtschaftskriese im Dorf den Rücken zu kehren. Doch deren Vorhaben erweist sich schwieriger als gedacht.Ehrlich gesagt finde ich die Thematik hervorragend ausgewählt, da sie den Zeitgeist der heutigen amerikanischen Jugendkultur widergibt und überall in Amerika spielen könnte. Während des Lesens habe ich bemerkt, dass mich eine sehr konfuse und ausschweifende Sprache erwartet. Natürlich ist es dem Autor selbst überlassen, diesen Schreibstil gewählt zu haben, jedoch habe ich mir gerade bei solch einem Thema, wie Depression und Melancholie von zwei jungen Heranwachsenden, die die Amerikanische Wirtschaftskriese am eigenen Leibe erfahren, gewünscht, wenn es für den Leser einfacher gewesen wäre, sich an nicht mit nachvollziehbaren Gedankenausschweifungen entlang zu hangeln. Nichtsdestotrotz hat es Meyer geschafft, die herrschende Melancholie und Tristesse durch kalte Brutalität und möglichem Scheitern des Vorhabens der beiden Jungen hervorzuheben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4.0 von 5 Sternen
Niedergang einer Stahlregion,
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Es ist ein interessantes, sehr atmosphärisches Buch. Die Beschreibung der ehemaligen Stahlarbeiterstadt, dessen Einwohner nur langsam ihre Leben ohne Stahlwerke annehmen, ist sehr gut gelungen. Philipp Meyer schafft es sowohl die depressive Stimmung der Stadt voller Arbeitslosen und die dennoch vorhandene Hoffnung mit den Schicksalen seiner Charaktere zu verbinden. Da gerät die eigentliche Handlung fast in den Hintergrund.Isaac ist wohl der intelligenteste Junge in seiner Kleinstadt, dennoch hat er es 2 Jahre nach der Schule nicht aus der Stadt heraus geschafft; wegen seines kranken Vaters, der Isaac jedoch nichts als Missachtung entgegenbringt. Poe, Isaacs bester und einziger Freund, hat seine Chance ebenfalls vertan. Als ehemaliger Star der örtlichen Footballmannschaft hätte er die Chance gehabt ein Stipendium zu bekommen, doch zog er es vor in seiner geliebten Heimatstadt zu bleiben und weiter bei seiner Mutter zu wohnen. Als Isaac versucht mit dem Geld seines Vaters von zu Haus auszureißen, um an der Universität von Berkeley zu studieren, kommt es zu einem Mord (aus Nothilfe?). Auch der minimale, Gedanken nachahmende Stil Meyers gefällt mir ausgesprochen gut. Es braucht zwar ein paar Seiten sich hineinzulesen, aber dann gelingt es ihm sehr gut die Gedankenwelt seiner Charaktere zu spiegeln, ohne seine Geschichte völlig aus den Augen zu verlieren. Neben ein paar Dingen, die mir persönlich missfielen wie der Verharmlosung rechter Gesinnung als reinen Ausdruck von Unzufriedenheit, ist es vor allem das Ende, das dem Buch den fünften Stern nimmt. Denn auch wenn ich offene Enden mag, bleibt mir hier doch zu viel im Ungewissen. Nicht einmal der Hauptplot kommt zu einem wirklichen Ende, und das weitere Schicksal seiner Charaktere bleibt vollkommen offen. Fazit: Ein Buch über Freundschaft und Schuld, aber auch über das Schicksal einer Stadt, der die Lebensgrundlage genommen wurde. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4.0 von 5 Sternen
beeindruckend,
Von
Rezension bezieht sich auf: Rost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die Art, wie Meyer sein Werk geschrieben hat, beeindruckt mich nachhaltig. Dieses Buch ist anders. Wir erfahren so viel über Freundschaft und die Trostlosigkeit zweier Menschen, die einen Traum verwirklichen wollen. Meyer schreibt und beschreibt die einzelnen Szenen sehr real, so dass es für den Leser ein Leichtes ist, sich in die Situationen hineinzuversetzen. Man lebt mit, denkt mit und bildet einen Teil dieser besonderen Freundschaft.Die Aufteilungen der einzelnen Kapitel fand ich sehr gelungen. Die verschiedenen Sichtweisen wurden dadurch deutlich hervorgehoben und man hatte nicht das Gefühl, dass nur eine Seite und eine Meinung beleuchtet wurde. Alles in allem fand ich dieses Buch sehr intelligent angelegt und allein vom Schreibstil her schon sehr lehrreich. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Rost: Roman von Philipp Meyer (Gebundene Ausgabe - 20. September 2010)
EUR 22,95
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