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33 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Stahl- und Wortgewittern, 18. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist eine kleine Sensation. Seit Jahrzehnten ist mit Blick auf Ernst Jüngers so folgenreiches Debüt "In Stahlgewittern" von 1920 spekuliert worden, wie sehr sich wohl die literarisch aufbereiteten, von Auflage zu Auflage gründlich umgearbeiteten Erinnerungen aus dem Ersten Weltkrieg von jenen Tagebüchern unterscheiden, die Jünger mit quasi eiserner Disziplin zwischen 1914 und 1918 im Feld führte. Der Autor, der 1998 im biblischen Alter von 102 Jahren in Wilflingen starb, wollte seine Weltkriegsdiarien nicht veröffentlicht wissen. Dass diese jetzt in einer hervorragend kommentierten im Druck vorliegen, ist richtig und dem Germanisten Helmuth Kiesel zu verdanken, der 2007 auch eine Biografie Jüngers publizierte.

Als 19-jähriger zog Jünger, das Notabitur in der Tasche, freiwillig in den Krieg. Er begriff ihn zunächst als ein großes Abenteuer. Kaum verwunderlich also, dass die ersten Notizen des jungen Mannes erkennbar pennälerhaft wirken. Am 4. Januar 1915 heißt es etwa: "Leider sehen wir keinen Franzmann, sonst könnten wir auch mal knallen." Dazu sollte noch reichlich Gelegenheit sein. Denn Jünger hat den "Großen Krieg", wie er in Frankreich genannt wird, vom ersten bis zum letzten Tag mitgemacht. Seine juvenile Abenteuerlust wich aber bald einer nüchternen Sicht auf das große Sterben. Ein Hinweis wie "Dieses schreibe ich in einem weit vorgeschobenen Erdloch" vom 4. Januar 1915 hat keinerlei romantischen Anstrich mehr. Dafür verordnete sich der Soldat Jünger, der es bis zum Leutnant und Träger des nur selten vergebenen Ordens "Pour le Mérite" bringen sollte, jenen kalten und in "In Stahlgewittern" kultivierten Blick auf das Grauen, der ihm über Jahrzehnte als Zynismus ausgelegt worden, wohl aber notwendig gewesen ist, um an dem, was er an der an der Westfront erlebte, physisch und psychisch nicht zu zerbrechen. Im Diarium ist diesbezüglich am 4. Januar 1915 zu lesen: "Der Anblick der von Granaten Zerrissenen hat mich vollkommen kalt gelassen." Und so beschreibt er das Aussehen der Getöteten mit geradezu pathologischer Genauigkeit.

So vollkommen kalt ließ das extreme Geschehen Jünger indes nicht. Eine kurzzeitige Flucht vor dem Grauen bot der Alkohol. Immer wieder finden sich Eintragungen wie "kolossale Sauferei" (4. Juli 1915) und "Den Magen 3 Zoll unter Alkohol scheint mir hier das Beste" (30. August 1916). Und die Feier zur Verleihung des Eisernen Kreuzes an Jünger war so fidel, dass "dieser Fidelität fast die ganze Einrichtung des Kasinos zum Opfer fiel" (20. Juni 1916).

Trotz zahlloser Verwundungen möchte man es als Wirken der Vorsehung bezeichnen, dass er die vier Kriegsjahre überlebte. Nahe genug ist Jünger dem Tod wiederholt gekommen. Am 6. Juli 1916 treffen Schüsse die Latrine, auf der Jünger gerade saß. Später erhielt er einen glatten Durchschuss durch seinen Stahlhelm. Die wurden 1916 erstmals ausgegeben: "Der Stahlhelm verleiht dem Soldaten ein wüstes Aussehen", heißt es dazu am 24. August im Tagebuch. "In Stahlgewittern" hingegen schrieb Jünger poetisierend, dass der erste deutsche Soldat, den er mit Helm sah, "mir sogleich als der Bewohner einer fremden und härteren Welt" erschien.

Auch im Stellungskrieg ging Jünger seiner Passion nach: das Sammeln von Käfern. Und so ist auch ein Käferbuch überliefert, in dem er seine Sammelerfolge aufzeichnete. Die Kollektion, zu der er im Ersten Weltkrieg den Grundstock legte, umfasste bei Jüngers Tod rund 40.000 Exemplare. Literarischer Reflex auf die Leidenschaft war 1967 das Buch "Subtile Jagden".

So stilisiert "In Stahlgewittern" daherkommt, so authentisch ist jeder einzelne Eintrag im Kriegstagebuch. Ernüchternde Äußerungen wie "Am Abend kam die Feldküche angewackelt und brachte einen Scheißfraß" (5. Januar 1915) oder "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende? Was hätte man in dieser Zeit nicht alles sehen und genießen können" (24. Mai 1917) wird man in den 46 Auflagen von "In Stahlgewittern" vergeblich suchen. Ernst Jüngers Tagebuch ist ein bedeutendes Ego-Dokument aus dem Ersten Weltkrieg und gleichzeitig ein Zeugnis der Geburt des modernen, industrialisierten Krieges aus dem Geist des technischen Fortschritts.
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45 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unverfälscht und authentisch, editorisch wertvoll., 19. Oktober 2010
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
"Wenn ich über die grüne Wiese vor mir auf das zerschossene la Baraque sehe, dann muß auch ich, einst so kriegslustiger mir die Frage vorlegen: Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?"

- Ernst Jünger, Kriegstagebücher, S. 258.

Der Germanist Helmuth Kiesel hat mit der Publikation Jüngers Kriegstagebücher eine editorische Lücke geschlossen, die seit Jahrzehnten im Werke Jüngers klaffte. Zwar verarbeitete Jünger seine Kriegserlebnisse in seinen literarischen Tagebüchern, aus denen die "Stahlgewitter" und das "Wäldchen 125" wohl der Allgemeinheit am bekanntesten sein dürften; allerdings darf nie vergessen werden, dass Jünger als Autor hier ganz bewusst eine Auslese seiner Tagebucheinträge vornahm und diese literarisch verarbeitete. Es handelt sich somit bei den "Stahlgewittern" etc. um Literatur im eigentlichen Sinne, nicht zwangsläufig um historische Quellen.

Nun hat Ernst Jünger als Frontkämpfer aber auch tatsächlich während des Kriegs unmittelbar - zwar unregelmäßig, aber doch oft genug, um die Edition auf mehrere hundert Seiten anwachsen zu lassen - Tagebuch geführt, und es ist der Arbeit Kiesels zu verdanken, dass diese Aufzeichnungen den Weg aus den Archiven in eine Publikation gefunden haben, die für interessierte Historiker wie Germanisten gleichermaßen interessant ist. Interessant deshalb, weil dem Historiker hier eine wertvolle Quelle aus individualgeschichtlicher Perspektive vorgelegt wird; interessant aber auch deshalb für den Germanisten, weil sich hier im Abgleich mit der literarischen Verarbeitung des Themas der Werdegang des Jungautoren Jünger verfolgen bzw. vergleichen lässt.

Über den Inhalt sei nur soviel gesagt: Natürlich geht es um Jüngers Fronterlebnisse im 1. Weltkrieg, aber auch oftmals um banale, manchmal plumpe Gedanken, die ein junger Mensch in diesem Alter nun einmal hegt. Banales und Interessantes, historische und persönliche Erlebnisse wechseln sich hier ab. Es ist und bleibt ein sehr persönliches Tagebuch, das einen Einblick in die Welt eines national gesinnten jungen Frontkämpfers gibt. Auch hatte Jünger wohl nicht den Anspruch, diese Tagebuchaufzeichnungen später in der nun vorliegenden Form veröffentlicht zu sehen (gleichwohl er sehr wohl daran dachte, diese zu konservieren).

Dankenswerter Weise ist den Aufzeichnungen in der Publikation auch ein anhängender, ausführlicher Kommentar Kiesels beigefügt, der sich kritisch mit dem Material auseinandersetzt. Die Publikation wird also auch gehobenen Ansprüchen gerecht und sollte in keiner literarisch-historischen Sammlung zum 1. Weltkriege fehlen. Dem inhaltlichen Werte wird auch eine ansprechende Präsentation bzw. Verpackung der Erstauflage entgegengesetzt: Ein Hardcover-Umband im Stile des frühen 20. Jahrhunderts, versehen mit einem anspruchsvoll gestalteten Pappschuber. Der Band macht sich also auch im Bücherregal ganz hervorragend neben den früheren Jüngerpublikationen.

Selten sind inzwischen solche Publikationen geworden: Innovativ, inhaltlich wie äußerlich sauber gestaltet, mit einem kritischen Kommentar versehen. Wer sich auch nur im Entferntesten für das Thema interessiert, sollte hier zugreifen.
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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Jugend im Krieg, 23. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
In dem bei Klett-Cotta erschienenen Kriegstagebuch aus dem Ersten Weltkrieg werfen wir einen ungeschönten Blick auf das Gefühlsleben eines Menschen, seiner Motive und naiven Hoffnungen im tobenden Sturm der Jahre 1914 ' 1918. Jünger ist hier der große Diarist seines eigenen Lebens, schildert frei von ideologischem Pathos oder verbrämten Leitbildern den unvorstellbaren Alltag in den Schützengräben eines Zermürbungskrieges.

Seine erste Flucht vor dem gestrengen Vater führte ihn in den Dienst der französischen Fremdenlegion. Schnell platzten die Wunschträume von Abenteuer und Reisen um die Welt im brutalen Einsatz der Legionäre in Afrika. Nur seinem Vater (welche Ironie) konnte es gelingen, seinen Sohn unbescholten aus der Legion herauszuholen. Nur um dann sofort mitzuerleben, wie sich dieser junge Mann dann erneut an die Front des vor der Haustür tobenden Krieges wirft ' wieder freiwillig und wieder getrieben von Fluchtgedanken und Abenteuerlust.

Sachlich und protokollartig beschreibt Jünger seine Tage in den Schützengräben. Soldatenjargon und die Banalitäten des Kriegslebens von der Ernährung bis zum Ungeziefer bilden hier den Rahmen der Darstellungen. Auch das Töten selbst ist hier eine Banalität. Sein schneller Aufstieg zum Offizier ist den hohen Verlustraten des Gefechts geschuldet. Und Jünger schreibt und schreibt und schreibt. Seine Sichtweise auf den allgegenwärtigen Tod, auf Verlust und Angst lassen klar werden, was die jahrelange Zermürbung aus einem jungen Menschen macht kann. Abstumpfung und Verlust von Ethik und Gefühl können klare Folgen des Kampfes sein ' eines Kampfes der um des Kampfes willen gefochten wird.

Und doch finden wir hier erstaunlicherweise nichts anderes als den Rohstoff für Jüngers spätere Werke.

Den Extrakt der Erlebnisse, komprimiert in Tagebuchform und Jahre danach mit allen Bestrebungen aufgegossen, dem Sterben und den unzähligen Toten doch noch einen Sinn zu geben. Ein verlorener Krieg war unerträglich genug ' verlorene Schicksale und ein verlorenes Leben wollte und konnte Jünger nicht riskieren. 'In Stahlgewittern' kann man dies nachlesen, aufspüren und fühlen. Jüngers Blick zurück war mit den frischen Erlebnissen aus seinen Lebensprotokollen unglaublich geschärft und für Außenstehende mehr als greifbar.

Jüngers Kriegstagebuch ist genau das geworden, was er beim Verfassen der Zeilen sicher nicht beabsichtigte: ein großes Werk gegen den Krieg, dessen Sinnlosigkeit und Menschenverachtung. Die Lektüre dieser mit ausführlichen Anhängen ergänzten Ausgabe zeigt ein völlig neues Bild des bis zu seinem Tod im Jahre 1998 eher abgeklärt wirkenden Autors. Er war selbst hitziges und kaltblütiges Opfer des Krieges.

Die Botschaften tragen bis in die heutige Zeit.

Große Autoren, wie auch Erich Maria Remarque, haben sich Gehör verschafft. Sie haben einerseits verarbeitet und andererseits sind ihre Bilderfluten zu wortgewaltigen literarischen Wogen geworden, die ohne eigene Erlebnisse niemals so entstanden wären. Der klare und ungeschminkte Blick auf die Realität und das menschliche Sein wäre niemals in dieser Ausprägung entstanden.

Dabei ist Krieg nicht nur Teil der Vergangenheit oder abstrakter Gegenstand der Literatur, die wir im Laufe des Jahres lesen. Er ist auch in diesem Jahrhundert Bestandteil unserer modernen Gesellschaft. Das Wort beginnt wieder 'salonfähig' zu werden. Politiker verlieren zunehmend die Scheu und Fassungslosigkeit, das beim Namen zu nennen, was keinen anderen Namen verdient. Und damit stehen sie den Betroffenen und Angehörigen näher als die bequemen Weichspüler, die lediglich an die Sicherheit ihrer Ämter denken!

Unsere Sprache greift zurück auf das unfassbar Fassbare ' auf Worte, die keinerlei Interpretation mehr bedürfen und trotzdem nicht leicht über die Lippen kommen. Keinesfalls.

Wir finden keinen Gefallen am 'Gefallen' ' aber das Wort ist wieder da!

Auch heute kehren junge Menschen aus Kriegen zurück. Auch heute versuchen sie sich wieder Gehör zu verschaffen oder schreibend von Erlebtem zu befreien und vielleicht sind auch unter ihnen die zukünftigen Literaten zu finden, deren klarer Blick sich in ihren noch zu schreibenden Werken wiederfindet.

Wir sollten ihnen zuhören, so wie man Ernst Jünger zugehört hat, so wie man Erich Maria Remarque zugehört hat ' anfangs um zu lesen, wie es jungen Männern und Frauen im Krieg erging und dann schließlich um zu lesen, welch große Worte dort entstanden, wo tiefste Sprachlosigkeit herrschte. Nichts wird beschönigt, nichts dramatisiert und niemand schreibt, um sein Ego auszuleben. Und einen Krieg verherrlicht schon lange niemand mehr!

Es sind Nachrichten aus der Ferne an diejenigen, die sich ' in sicherer Distanz zum Geschehen ' vor dem Fernseher mal kurz zurücklehnen und für den Bruchteil einer Sekunde zwischen dem dramatischen Schicksal eines Unfallopfers bei 'Wetten dass' ' und der nächsten Sportsendung daran denken, dass 'DA' ja auch noch was war' 'DA' ja auch was passiert und 'DA' gottlob ganz schön weit weg ist. Nicht jedoch für diejenigen, die sich dort befinden.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ernst ohne Grenzen, 12. September 2012
Von 
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Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Diese Rezension bezieht sich auf Kriegstagebuch 1914-1918

Selten habe ich ein derart wertiges Buch in die Hand bekommen und studieren dürfen. Das beginnt schon vor dem Aufschlagen. Eine Art marmorierter Einband, dem Layout der originalen und später von Jünger gebundenen Tagebücher nachempfunden, umfaßt 654 großformatige (23 x 15 cm) Seiten in bester Papierqualität:
+ Das eigentliche Tagebuch (30.12.1914 bis 10.08.1918, 428 Seiten)
+ Das "Käferbuch" (Jünger hat auch während des Krieges intensive Insektenstudien betrieben, 24 Seiten)
+ Anmerkungsteil (höchst kompetent, detailliert und aufwendig recherchiert, 126 Seiten)
+ Aufsatz des Herausgebers und Jünger-Biographen Helmuth Kiesel: "Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg" (sehr tiefgehend und lesenswert, 52 Seiten)
+ Literaturverzeichnis, 7 Seiten
o Kein Register. Das ist schade, hätte den Aufwand und Umfang der Edition aber wohl unverhältnismäßig erhöht.

Faksimile und Kommentarapparat
Im strengen Sinne ist diese Ausgabe kein Faksimile, wie es im Amazon-Untertitel heißt, denn dann hätten die originalen Tagebuchblätter reproduziert werden müssen. Aber der Herausgeber hat alle nur irgendwie relevanten Details festgehalten (z.B. Aussehen und Zustand der jeweiligen Tagebuchkladde), Textstreichungen minutiös protokolliert und etwaige Abbildungen (zumeist Zeichnungen von Jünger und Todesanzeigen) in den Text eingebunden. Der Beginn einer jeden neuen Kladdenseite wird durch einen senkrechten Strich und am Rand mit der zugehörigen Seitennummer kenntlich gemacht. Und konsequent werden auch durchweg alle sprachlichen Eigenheiten, Syntax- und Orthographiefehler beibehalten. Deren gibt es übrigens überraschend viele!
Als etwas zeitraubend und lästig empfinde ich das Auffinden etwaiger Anmerkungen bzw. Erläuterungen zum Originaltext. Denn pro Einzel-Tagebuch (Jünger hat 14 Kladden vollgeschrieben) werden sie im Anhang jeweils unter der Seitennummer des Originals aufgeführt. Man blättert also ständig hin und her zwischen Text- und Kommentarteil, um zu schauen, ob sich eventuell Erläuterungen finden. Angenehmer wäre hier die übliche Technik hochgestellter Zahlen gewesen, aber offensichtlich sollte das originale Layout des Werkes nicht entstellt werden. Das ist nachvollziehbar und akzeptabel.

Urtext der Stahlgewitter
Ernst Jüngers Bestseller "In Stahlgewittern" erschien erstmals 1920 und wurde bis 1978 in sechs jeweils revidierten Versionen neu veröffentlicht. Insgesamt erarbeitete Jünger sogar 12 Textfassungen! Dazu gibt es mittlerweile diverse Forschungsergebnisse und Interpretationsversuche. Die Grundlage des Werkes jedoch, nämlich das vorliegende Originaltagebuch, erblickte erst vor zwei Jahren das Licht der Öffentlichkeit. Jünger hatte es zu Lebzeiten nie herausgerückt. Beschäftigt man sich mit der Person des Autors und seines sehr umfangreichen Lebenswerkes, so wird man sehr wohl auch jetzt wieder vergleichen können: Was steht wo im Tagebuch, was findet sich dem entsprechend in welcher Stahlgewitter-Auflage? Aber das ist alles andere als zwingend erforderlich, wenn man diese Ausgabe studieren will und als das nimmt, was sie eigentlich ist: Aufzeichnungen der Erlebnisse, Eindrücke und Gedanken eines 20 bis 24 jährigen deutschen Kriegsfreiwilligen an der Westfront. Alle späteren Bearbeitungen und Ergänzungen sind aus persönlichen, politischen oder anfangs wohl auch ökonomischen Gründen entstanden und verquicken die alten Notizen mit ungeschriebenen Erinnerungen, neuen Erkenntnissen und zeitgebundenen politischen Strömungen.

Blick auf Victor Klemperers Tagebücher
Das vorliegende Dokument verleitet zum prinzipiellen Vergleich mit den Klemperer-Tagebüchern. Klemperer (Jahrgang 1881) hat die meisten seiner frühen Aufzeichnungen (also auch die zum Weltkrieg) nach deren literarischer Nutzung (im Band "Curriculum Vitae", Ende der 30er Jahre) vor allem wegen der Nazibedrohung eigenhändig vernichtet. Aber manch pubertäres Geschreibsel erschien ihm später als peinlich und unausgegoren, so daß er sich dessen womöglich auch mit einer gewissen Erleichterung entledigte.
Ernst Jünger hat nicht kontinuierlich Tagebuch geführt (wie Klemperer es ab 1897 zeitlebens tat), sondern nur während der Lebensabschnitte, die von besonderen äußeren und viel später auch inneren Umständen begleitet wurden, also vor allem in den beiden Weltkriegen. Bezeichnend ist - und das überrascht zunächst -, daß Jünger während seiner Heimaturlaube und Lazarettaufenthalte zwischen 1915 und 1918 so gut wie keine Aufzeichnungen vornahm! Was dachte und tat er in den Phasen, wo er nicht an der Front seiner vermeintlichen Berufung als Frontkämpfer nachging? Das erschien ihm offenbar als zu unheroisch, zu durchschnittlich, zu entlarvend und deswegen als nicht wert, schriftlich festgehalten zu werden.
Typisch für Jünger ist, daß er offenbar nie erwägte, seine originalen Aufzeichnungen zu vernichten, obwohl er sie doch hinreichend literarisch ausgewertet hatte. Denn deren Lektüre offenbart des Bild einer bisweilen gespaltenen, gnadenlosen und zugleich höchst egoistischen Persönlichkeit.

Unverfälschte Tagebücher
So liegen sie uns jetzt endlich vor, die ungefilterten und zumeist in vollständigen Sätzen festgehaltenen Notizen aus dieser Eskalationsepoche menschlicher Abgründe. Ernst Jünger zog als Kriegsfreiwilliger ins Feld. Da war er knapp 20 Jahre alt. Ihn trieben weder Vaterlandsliebe oder Kaisertreue, noch nationale Begeisterung an die Front, sondern schlicht privater Abenteuerhunger und Ausstiegsgelüste. Ein Jahr zuvor war er bereits das erste Mal der lästigen Schule entronnen, indem er sich für fünf Jahre zur Fremdenlegion verpflichtete. Das ging ziemlich daneben: er vergaloppierte sich zwischen Erwartung und Realität und mußte zurück auf die Penne. Der alsbald kommende Krieg versprach ein tolles Abenteuer zu werden. Und darin wollte er sich endlich mal nach Herzenslust austoben!
Die Themen "Liebe" und "Sexualität" reduzieren sich auf Andeutungen über Besuche bei Prostituierten und Angst vor Geschlechtskrankheiten. Begriffe wie "Kameradschaft" und "Freundschaft" werden zwar häufig hochgehalten, kumulieren dann aber oft und augenzwinkernd in Hinweisen auf hemmungslose Sauf- und Freßgelage.
Aus heutiger Sicht mag ich Jüngers scheinbar selbstlosen Fronteinsatz nicht rühmen zu wollen.

Jünger in seinem Element
Ernst Jünger sah seinerzeit den Weltkrieg offensichtlich als seine persönliche Herausforderung an. Hier konnte er wieder und wieder seinen Mut beweisen und die ihm innewohnende Abenteuerlust grenzenlos befriedigen. Die einzige Grenze war für ihn der eigene Tod, dem er nicht selten gleichgültig gegenüberstand. Freiwillig und unfreiwillig ist Jünger ihm sehr oft ganz nahe gekommen. Menschliches und erst recht tierisches und pflanzliches Leben spielte keine Rolle und mußte sich der großen Schlacht in Gänze und kompromißlos unterordnen. Auch materielle oder kulturelle Werte waren anscheinend nur dazu da, gnadenlos vernichtet zu werden. Der Krieg war und ist ein Spektakel ohne irgendwelche Barrieren. Jünger hat diesen kollektiven Wahnsinn so gut wie unversehrt überstanden - körperlich und seelisch, obwohl er fast durchgängig an vorderster Front agierte und damit in erster Linie seinen persönlichen Neigungen nachging. Diese deckten sich in den wesentlichen Punkten mit den Wunschvorstellungen des militärischen Führungspersonals.
Sehr, sehr viele andere junge Männer hatten weniger Glück, auch wenn sie genauso verwegen agierten wie Jünger. Und recht häufig hatte Jünger es dem puren Zufall zu verdanken, nicht tödlich verwundet zu werden. Er wurde x-mal verletzt, trug aber keine bleibenden Schäden davon. Vor dem Tod hatte er keine Angst - vor der Syphillis hingegen panischen Respekt. Dahinter steckte zweifellos die Angst vor der persönlichen Schmach. Im gesamten Tagebuch finden sich nur sehr wenige und unbeholfende Andeutungen von höheren Zielen für Kaiser, Volk oder Vaterland. Überraschenderweise hat dies Jünger auch nicht beschönigt, als er die "Stahlgewitter" aus seinen Aufzeichnungen herausdestillierte.

Resümee
Jüngers Kriegstagebuch gehört ganz ohne Zweifel zu den herausragenden Veröffentlichungen zum Ersten Weltkrieg. In der vorliegenden, kommentierten Form bleiben für den Leser keine Wünsche offen.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbare Aufmachung - exzellente Kommentierung, 15. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Das "Kriegstagebuch" von Ernst Jünger in der von Helmuth Kiesel herausgegebenen Fassung besticht durch seine liebevoll gestaltete, klar strukturierte Aufmachung und einen hochkarätigen Kommentarteil, der alleine 125 von insgesamt 655 Seiten umfaßt. Hier ist anschauliches Kartenmaterial beigegeben, die zeit- und militärspezifischen Fachbegriffe werden ausführlich und für den militärischen Laien verständlich und informativ erläutert (beispielsweise die Herkunft der Begriffe Schrapnell, Füsilier oder Kommißbrot). Hilfreich ist auch eine "Dienstrangliste der deutschen Infanterie" sowie eine Übersicht und Dokumentation "Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg".

Der hervorragenden Güte der Aufmachung entspricht die Qualität des Inhalts. Jünger schildert seine Fronterfahrungen packend und überaus lebendig. Ein absolut kurzweiliger Lesegenuß!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Bedeutund angemessene Ausgabe, 13. Januar 2011
Von 
Dr. Hans Wilhelm Wieczorrek "Hans" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Wenn man Ernst Jüngers Kriegstagebücher zum erstenmal in der Hand hat, besticht zuerst die liebevoll gestaltete Aufmachung. Der Historiker Kiesel hat zur Verbesserung der Verständlichkeit einen überaus gelungenen umfangreichen Kommentarteil hinzugefügt. Jünger hat als Kriegsfreiwilliger den 1. Weltkrieg vom ersten bis zum letzten Tag durchgestanden. Seine patriotische Einstellung hat sich während seiner gesamten Dienstzeit nicht verändert. Allerdings schlägt seine anfangs jugendliche Begeisterung für das "Abenteuer" Krieg allmählich in Ernüchterung um.
Diese Ernüchterung führt zwar zu einem gewissen Fatalismus, aber niemals zu einer Verminderung seiner soldatischen "Tugenden". Das Grauen des Krieges nimmt er lakonisch zur Kenntnis. Nach meiner Ansicht ist er der geborene Krieger. Die Gegner beurteilt er nach ihrer Kampfkraft. Die Amerikaner sind eben nur passable Gegner.
Eine politische Bewertung führt Jünger nicht durch. Das kann man von einem 20-21-Jährigen wohl auch nicht erwarten.
Es ist eben Krieg und den und seine unfassbare Umbarmherzigkeit schildert er so, wie er ihn empfindet. Der Tod wird fast zur Banalität. Und diese Banalität erlebt Jünger Tag auf Tag unzählige Mal. Ein packender, weil authentischer Bericht.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kriegsalltag ohne Verklärung geschildert, 26. September 2010
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Mit seinem autobiografischen Werk "In Stahlgewittern" über seine Erlebnisse im 1. Weltkrieg wurde Ernst Jünger weltberühmt. Nunmehr werden erstmals die Kriegstagebücher von 1914 - 1918 veröffentlicht, welche dem damaligen Buch als Grundlage dienten.

Was unterscheidet beide Schriften voneinander? Das Buch "In Stahlgewittern" ist eher ideologisch aufpoliertes Abenteurertum - der Krieg wird als mystische Reinigung und elitäres Handwerk geschildert. Die nun erschienenen Tagebücher sind dagegen frei von jeder Verklärung des Krieges, frei von höherer Ideologie überhaupt. Stattdessen wird über Tod und Sterben an der Front meist in einer schmucklosen, fast schon lakonischen Sprache berichtet.

Der banale Kriegsalltag, etwas das tagelange Tragen durchnässter Kleidung oder die Angst vor Rheumatismus wechselt mit wirklich drastischen Bildern über das Sterben an der Front. Und obwohl selbst dies meist in einer nüchternen Sprache erzählt wird, kann sich auch Jünger stellenweise einer gewissen Betroffenheit im Angesicht von schlimm entstellten Toden nicht entziehen. Zitat: " ... der Gedanke, dass in diesen Köpfen auch Gedanken, Wünsche und Hoffnungen lebendig gewesen waren, erweckte in mir diesselbe Rührung, die man beim Anblick alter Burgruinen empfindet".

Fazit: Es ist diese Mischung aus Banalen, Drastischen und Rührenden, die dem Leser so unmittelbar den Alltag und die Schrecken des Krieges vor Augen führt. Insofern kann man die Tagebücher durchaus als Antikriegsbuch bezeichnen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kriegstagebuch 1914-1918, 17. Februar 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Ein wirklich wertvolles und mit äußerster Präzision zusammengestelltes Zeitdokument, Jüngers Tagebücher werden authentisch wiedergegeben, mit Rechtschreibfehlern, Streichungen u.s.w.. Die Anmerkungen des Hrsg. Helmut Kiesel sind sehr nützlich, besonders für den Leser der mit dem Thema erster Weltkrieg wenig Leseerfahrung hat. Ernst Jüngers Sichtweise und Motivation über seine Teilnahme am ersten Weltkrieg werden deutlich und sind aus heutiger Sicht teilweise kaum nachvollziehbar, aber gerade diese Tatsache macht das Buch sehr lesenswert.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ein Buch !, 9. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Jeder der sich mit Ernst Jünger aber auch dem 1. Weltkrieg beschäftigt, sollte, muss !, dieses Buch lesen.
Jünger gibt in einer deutlichen Sprache wieder, was damals die Menschen ertragen mußten. Er gibt aber auch einen Einblick, das die Soldaten in dieser Zeit trotzdem "gelebt" haben. EInfach überragend. Auch die Ausstattung macht das Buch so wertvoll. Das Buch ist so gut gemacht, das es auch einfach nur zum anschauen taugt ! Absolut lesenswert, deshalb 5 Punkte. Und ich würde noch einen Extra-Punkt vergeben für Helmuth Kiesel, wie in der Ernst Jünger - Biografie, hat er sich in den Anhängen sehr um Jünger verdient gemacht.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartige historische Dokumentation, 9. Februar 2011
Von 
HEIDIZ "Bücherfreak" (Heyerode) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Kriegstagebuch 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist Geschichte pur - hautnah - live und zu Herzen gehend, interessiert man sich zum einen für Biografien und zum anderen für Geschichte - besonders Kriegsgeschichte und persönliche Schicksale, dann sollte man diesen - man kann schon sagen Klassiker, gelesen haben.

Es ist ein Tagebuch, welches über die Jahre 1914 bis 1918 geht, also den 1. Weltkrieg komplett aus Sicht eines Menschen nachvollzieht, der ihn hautnah erlebt hat.
Das Buch beginnt am 30. 12. 1914.

Inhalt und Gliederung:
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Wie schon oben erwähnt, handelt es sich um die Tagebuchaufzeichnungen von Ernst Jünger. Das Buch ist herausgegeben von Helmuth Kiesel.

Kriegstagebuch 1914 - 1918
Käferbuch
Editorische Notiz
Dienstrangliste der deutschen INfanterie
Kommentag
Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg Übersich und Dokumentation
Verwendete Literatur
Dank

Das Kriegstagebuch nimmt den größten Platz im Buch ein. Es geht bis zur Seite 420 und ist in 14 Teile untergliedert. Es endet im September 1918.

Danach folgt das Käferbuch. Es gibt tabellarisch die gesammelten Käfer wider. und gibt anschließend Anmerkungen dazu. Es ist verwunderlich, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Jüngers Vater war Apotheker, daher bekam Ernst einstmals einen Käferfangkasten, eine komplette Ausrüstung plus Bestimmungsbuch geschenkt und daher kommt seine Liebe zu den Käfern nicht von ungefähr.

Weiter geht es im Buch mit den Editorischen Notzigen. Wie wurden also seine Aufzeichnungen überliefert, wie konnte der Herausgeber des vorliegenden Buches diese aus den Archiven zu dem Buch zusammenfügen.... Hier werden alle Hefte und Transkriptionen erklärt und erläutert. Dies zeigt, wie umfassend und komplex die Arbeit war, um dieses Werk so zusammenzustellen und zu recherchieren, wie s dem Leser vorliegt. Sehr interessant vielleicht nicht für jeden Leser, aber unbedingt der Vollständigkeit halber wichtig, die Dienstrangliste der deutschen Infanterie mit hinzugefügten Kommentaren. Hier findet man auch Detailkartenmaterial. Es folgt das auch sehr interessante und abrundende Kapitel zu Ernst Jünger im Ersten Weltkrieg - der Übersicht und Dokumentation.
Hier werden Jüngers Aufzeichnungen sozusagen noch einmal vom Herausgeber auseinander genommen und aus heutiger Sicht beleuchtet.

Illustrationsmaterial:
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Im Buch findet man immer wieder Illustrationen - z. B. Aufzeichnungen und Skizzen des Ernst Jünger, die er während der Tagebuchaufzeichnungszeit getätigt hatte.

ANMERKUNG:

Es ist keine lückenlose Beschreibung, die täglich getätigt wurde, logisch, nicht jeden Tag konnte Jünger seine Aufzeichungen während des Krieges tätigen, aber es ist ein Zeitzeugnis, welches vom Herausgeber zusammengestellt wurde und dem Leser und der Nachwelt glücklicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

Ernst Jünger hat mehrere Publikationen herausgebracht, in denen er seine Kriegserlebnisse schildert und aufarbeitet, bekannt sind.

Biografie von Ernst Jünger an dieser Stelle:
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1895
29. März: Ernst Jünger wird in Heidelberg als ältestes von sieben Kindern geboren.
1911
Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich Georg Jünger (1898-1977) wird er Mitglied der Wandervogelbewegung .
1913
Als Gymnasiast geht er zur französischen Fremdenlegion, wird aber auf Intervention seines Vaters nach sechs Wochen entlassen. Seine Erlebnisse schreibt er später in "Afrikanische Spiele" nieder.
1914
Notabitur aufgrund des Beginns des Ersten Weltkriegs.
1914-1918
Während des Kriegs dient Jünger als Kriegsfreiwilliger und wird mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse, sowie mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet.
1918
Nach der Niederlage Deutschlands bleibt Jünger in der Armee.
1920
Die Tagebuchskizze "In Stahlgewittern", in der er seine Kriegserlebnisse ästhetisiert, erscheint mit großem Erfolg im Selbstverlag.
ab 1923
Nach seinem Ausscheiden aus der Reichswehr studiert Jünger Zoologie und Philosophie in Leipzig und Neapel, schließt das Studium aber nicht ab.
1923
Sein Artikel "Revolution und Idee" erscheint im " Völkischen Beobachter ".
1925
Heirat mit Gretha von Jeinsen. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.
ab 1926
Tätigkeit als freier Schriftsteller in Berlin.
1927
Als konservativer Revolutionärer beteiligt er sich an verschiedenen national-revolutionären Zirkeln. Obwohl Jünger mit der Weimarer Politik zunehmend unzufrieden ist und sich in Richtung eines nationalen Sozialismus orientiert, lehnt er ein zukünftiges Reichstagsmandat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) ab.
Kontakte zu Otto Strasser, Joseph Goebbels und Carl Schmitt.
1929
Die Essay-Sammlung "Das abenteuerliche Herz" erscheint.
1931
Goebbels versucht vergeblich, Jünger für die nationalsozialistische Politik einzuspannen.
1932
Die Abhandlung "Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt" erscheint.
1933
Ablehnung eines Reichstagsmandats der NSDAP.
Ausschluß aus der "Dichterakademie".
Hausdurchsuchung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo), woraufhin Jünger sich nach Goslar zurückzieht.
1936
Übersiedlung nach Überlingen (Bodensee).
1939
Übersiedlung nach Kirchhorst bei Hannover.
Der symbolisch verschlüsselte Roman "Auf den Marmorklippen" wird als literarischer Angriff auf das nationalsozialistische Regime gedeutet.
1940
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs ist Jünger als Offizier in Paris, ab 1941 im Stab des deutschen Militärbefehlshabers in Frankreich.
1942/43
Der Militärbefehlshaber in Frankreich Carl-Heinrich von Stülpnagel schickt Jünger in den Kaukasus, um die Truppenmoral vor einem eventuellen Attentat auf Adolf Hitler zu untersuchen.
1944
Februar: Jünger fühlt sich für die Verhaftung seines Sohns Ernstel, dem Verbreitung von antinationalsozialistischer Propaganda vorgeworfen wird, verantwortlich. Er erreicht die Entsendung seines Sohns an die italienische Front.
Nach dem Attentat vom 20. Juli wird er als "wehrunwürdig" aus der Wehrmacht entlassen.
1945
Jünger weigert sich, den "Fragebogen" der Alliierten auszufüllen.
1945-1949
Publikationsverbot.
1949
Der Roman "Heliopolis" erscheint.
1950
Übersiedlung nach Wilflingen (Oberschwaben).
Die Schrift "Über die Linie" wird veröffentlicht.
1955
Literaturpreis der Stadt Bremen.
1957
Die Erzählung "Gläserne Bienen" wird publiziert.
1959
Jünger erhält das Große Bundesverdienstkreuz.
1959-1971
Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift "Antaios".
1962
Heirat mit Liselotte Lohrer.
1970
Die Schrift "Annäherungen. Drogen und Rausch" erscheint.
1977
Der Roman "Eumeswil" wird veröffentlicht.
Auszeichnung mit dem Goldadler bei dem "Festival du Livre" in Nizza.
1978
Friedensmedaille der Stadt Verdun.
1979
Die Tagebuchaufzeichnungen "Strahlungen I/II" werden herausgegeben.
1982
20. Mai: Nach Kontroversen um seine Person Verleihung des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt/Main.
1984
An der Seite von Helmut Kohl und François Mitterand (1916-1996) nimmt Jünger in Verdun an der Ehrung der Opfer des Ersten Weltkriegs teil.
1987
Die Tagebücher einer Forschungsreise nach Südostasien "Zwei Mal Halley" erscheinen.
1988
Zur 25-Jahr-Feier des deutsch-französischen (Freundschafts-)Vertrages reist Jünger mit Kohl nach Paris.
1993
Jünger erhält den Großen Preis der Jury der Kunstbiennale in Venedig.
1998
17. Februar: Ernst Jünger stirbt in Riedlingen.

Quelle: [...]

Helmuth Kiesel:
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Helmuth Kiesel (* 1947 auf dem Spatzenhof, Gemeinde Bühlerzell) ist ein deutscher Professor für Neuere Deutsche Literatur in Heidelberg.

Er studierte 1969-1974 Germanistik und Geschichtswissenschaft in Tübingen. Dort wurde er 1976/77 aufgrund einer Arbeit über literarische Hofkritik von Sebastian Brant bis Friedrich Schiller promoviert. 1984 habilitierte er sich mit einer Arbeit über Alfred Döblins Exil- und Spätwerk. Nach Lehrstuhlvertretungen bzw. Professuren in Bochum, Tübingen und an der Universität Bamberg kommt er 1990 an die Universität Heidelberg auf den genannten Lehrstuhl.

Er hat unter anderem die Werke von Gotthold Ephraim Lessing und Martin Walser als Herausgeber betreut [Heidelberger Jahrbücher (Springer, Heidelberg), Konzepte (Niemeyer, Tübingen), Schriften zur Literaturwissenschaft (Duncker u. Humblot, Berlin).

Quelle: wikipedia

kurze Leseprobe:
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1:30 Besetzte ich mit meinem Zuge den rechten flügel unserer Stellung links bei Guillemont. Im Graben lag ein Verwundeter, auf den die Leute traten. Ein bayrischer Feldwebel übergab mir / den Abschnitt. Rechts ist unbesetzt, weil immer schweres Feuer. Der Graben oder viel mehr der ehemalige Hohlweg war nur mehr eine Kette von riesigen Trichtern, mit Uniformstücken, Waffen und toten gefüllt. Das Gelände von schwersten Granaten durchpflügt. Kein Centimeter war da, der nicht viele Mal umgepflügt war. ...

meine zusammenfassende Meinung:
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Ich finde, dass es aller Ehren wert ist, dem Herausgeber einen Dank auszusprechen, diese Tagebuchaufzeichnungen zusammengestellt zu haben. Sie geben einen wichtigen Zeitabschnitt der Geschichte wider und zeigen auch auf, wie sich ein Mensch während der Kriegswirren entwickelt hat, wie man diese schrecklichen Geschehnisse seelisch, moralisch und körperlich verkraften konnte.

Es werden sehr viele kriegerische Handlungen geschildert, aber auch einfach das Denken und die Gefühle des jungen Menschen Jünger, der diese Ereignisse praktisch noch einmal reflektiert. Wir Leser können nun - nach so vielen Jahren - nachvollziehen, wie ein Soldat sich fühlte.

Sehr genau und detailliert werden die einzelnen Tage geschildert und man spürt sehr gut, wie der Soldat Jünger funktionieren musste. Auch wird die Herkunft und Bedeutung militärischer Begriffe erstklassig auch für Laien verständlich erklärt, sodass das Buch auch für Interessierte lesenswert ist, die sich nicht im Vorfeld mit militärischer Geschichte auseinander gesetzt haben.

Ich finde, dass das Buch qualitiativ und historisch gesehen sehr hochwertig ist, sehr komplex und umfassend und bestens verständlich und nachvollziehbar. Auch wenn es nicht tägliche Reflexionen enthält, so ist es doch ein perfekter Abriß und zeigt deutlich den Krieg von 1914 bis 1918 im kompletter Auflistung.

Sehr spannend sind die Erzählungen, die rund um die Kriegswirren und -ereignisse zu lesen sind. Die Erzählungen und Einträge nehmen, wie erwähnt den größten Raum im Buch ein, aber auch die vom Herausgeber hinzugefügten Kommentare usw. sind sehr wichtig und - so finde ich - sind das I-Tüpfelchen auf dem Buch und deren herausragender Qualität.

Inhaltich sehr dicht wird die Handlung des Krieges aus Sicht von Ernst Jünger betrachtet, aber auch im Zusammenhang gesehen. Sehr bildhafte Darstellungen, sodass man sich mehr als gut auf die Ereignisse einstellen und in sie hinein versetzen kann.

Sehr gut kommen seine Einschätzung und in den Kommentaren und Betrachtungen des Herausgebers dann die Zusammehänge rüber, die man geschichtlich im Nachhinein bilden kann.

Umfassend - beginnend mit seiner Fahrt an die Front bis hin zum Lazaret mit seiner Verwundung im Sommer 1918 bildet dieses Buch einen umfassenden und starken, faszinierenden, bildhaften Einblick, der kontinuierlich, wenn auch nicht täglich durch diesen "Schweißkrieg" (so nannte ihn Ernst Jünger!) führt. Es sind einmal kurze Notizen oder auch längere Passagen, in denen er die Ereignisse aus seiner Sicht festgehalten hat. Sehr authentisch kann man hier also genau mitverfolgen, wie sich die Zeit von Ende 1914 bis Mitte 1918 entwickelt hat. Auch seine seelische - gefühlsmäßige - Verarbeitung kommt bestens zum Tragen.

Ein tolles und einzigartiges Zeitdokument !!!

Abschließend kurz zur Aufmachung und dem Design:

Ich finde die Aufmachung des Buches ansich sehr gelungen und die Aufbewahung im Schuber mit einem Kriegsfoto von Ernst Jünger sehr ansprechend.

Ganz sicher auch in Schulen im Geschichtsunterricht perfekt einsetzbar.
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Kriegstagebuch 1914-1918
Kriegstagebuch 1914-1918 von Ernst Jünger (Gebundene Ausgabe - 21. März 2013)
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