holidaypacklist Hier klicken Sport & Outdoor BildBestseller Cloud Drive Photos Learn More madamet Samsung AddWash Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip NYNY

Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen17
4,4 von 5 Sternen
Format: Gebundene Ausgabe|Ändern
Preis:24,95 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 20. August 2010
Im Nachlass Tolkiens entdeckt und von Sohn Christopher veröffentlicht, ist dieses Buch für den Literaturmarkt ohne Frage eine kleine Sensation.
Aber eine Warnung vorweg: Wer einen neuen 'Hobbit', oder gar den nächsten 'Herr der Ringe' erwartet, der wird zwangsläufig von 'Die Legende von Sigurd und Gudrún' enttäuscht sein, es sei denn, er mochte zum Beispiel die Gesänge in "Der Herr der Ringe", also die Textpassagen in Strophenform. Wenn das auf Euch zutrifft, dürftet ihr dieses Buch lieben, denn die Geschichte wird komplett in genau dieser Form erzählt.
Tolkien war fasziniert von der Edda, von den alten Geschichten der nordischen Welt und er hat mit "Die Legende von Sigurd und Gudrun" seine Version dieser Geschichte erzählt. Es handelt sich also ausdrücklich nicht um eine Übersetzung der alten Sagen, sondern um eine Neuerzählung! Um seine Neuerzählung.
Wie soll man nun diese Geschichte in wenigen Worten zusammenfassen? Das wird tatsächlich nicht ohne weiteres möglich sein, darum schneide ich das Thema auch nur kurz an:
Es sind Götter- und Heldensagen, es ist aber kein durchgängig erzähltes Epos. Ein großer Teil der Geschichte wird beispielsweise in Form von Dialogen erzählt . Es geht in verschiedenen Varianten immer wieder um Tod, Rache, Mord, Hass und Liebe. Dabei war ich doch überrascht, wie viele Parallelen es zu Tolkien's anderen Werken gibt. Der Drache Fafnir beispielsweise bewacht einen Schatz. Ein Teil dieses Schatzes ist ein verfluchter Ring. Das ist nur eines von vielen Beispielen. Es ist also davon auszugehen, das sich Tolkien Inspiration geholt hat, bei diesen altnordischen Geschichten, die ihn schon als Kind so sehr fasziniert haben.
Mit der Übersetzung einer Geschichte steht oder fällt bekanntlich auch immer ein wenig die Qualität eines Buches und in diesem Fall ist eine gelungene Übertragung in die deutsche Sprache sicherlich besonders schwierig und wichtig gewesen. Hans Möhring hat hier meiner Meinung nach ganz hervorragende Arbeit geleistet. Der Text befindet sich im Buch jeweils im englischen Original auf der einen, und in der Übersetzung auf der anderen Seite. Ihr habt also die Möglichkeit, direkt zu vergleichen und Euch selber von der Kraft und Eleganz der deutschen Übersetzung zu überzeugen.

Für wen ist dieses Buch also nun geeignet? Auf jeden Fall sicherlich schon mal für all die Leute, die Tolkien's Werke sammeln (ganz klar), darüber hinaus für Anhänger der nordischen Götter- und Heldensagen und für Freunde sprachgewaltiger Literatur.
Trotzdem empfehle ich unbedingt, zunächst einen Blick ins Buch zu werfen. Das empfehle ich im Allgemeinen sowieso immer, in diesem speziellen Fall aber ganz besonders, um eventuellen Enttäuschungen vorzubeugen. Die Gründe habe ich weiter oben ja bereits genannt.
44 Kommentare|125 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 25. September 2010
===Meine Meinung===
Durch 'Herr der Ringe' und weitere Werke wurde der Autor J.R.R.Tolkien zu einem der erfolgreichsten Autoren des letzten Jahrhunderts. Zwar habe ich bis dato sehr wenig von diesem Autoren gelesen, aber da ich mich für die Nibelungen interessiere, war ich sehr erfreut, als ich dieses Werk rezensieren durfte. Vorweg muss ich gleich sagen, dass kein weiterer Hobbit oder Herr der Ringe erwartet werden darf. Wer ein solches Erzählwerk erwartet, wird das Buch enttäuscht weglegen. Das war am Anfang der Grund warum ich am Überlegen war, ob ich das Buch auch wirklich lesen möchte. Es ist definitiv keine leichte Kost.
Diese Version der Nibelungen ist seine eigene Version und somit eine komplette Neuerzählung. Seine Faszination den alten Geschichten gegenüber wird in dieser Neuauflage deutlich.
Das Besondere an diesem Wer ist der Stil. Der Autor erzählt hauptsächlich in Dialogen und streckenweise kam ich mir vor, als würde ich MacBeth lesen. Der Grund dafür ist, dass sich auf der linken Seite stets der Text im Original, also Englisch befindet. Auf der rechten Seite gibt es dann die wirklich geniale Übersetzung in die deutsche Sprache. So kann der Leser selber entscheiden, ob er das Original lesen möchte oder sich lieber die elegante Übersetzung ansehen möchte. Ich persönlich habe mich beim ersten Lesen durch den deutschen Text gearbeitet. Im zweiten Durchgang habe ich mich dann langsam durch die englische Version gelesen. Die Übersetzung ist gelungen und hinkt dem Originaltext nicht hinterher. Wer also Probleme mit der englischen Sprache hat, kann ohne Bedenken auch die deutsche Version lesen. Beide Texte werden durch Anmerkungen und Quellenangaben komplettiert.
Wer von Anfang an weiß, was ihn erwartet, wird an diesem Werk seine volle Freude haben. Wer sich jedoch nicht informiert, kann an einen Punkt gelangen, wo er das Buch frustriert weglegt. Die Sprache selbst ist sehr gewöhnungsbedürftig, da sie sehr altmodisch und der damaligen Zeit angepasst ist. Trotzdem wirkt es nicht veraltet sondern ist auf ihre Art und Weise modern zu lesen. Die Reimform schafft eine düstere und packende Stimmung, die im gesamten Werk zu spüren ist. Tod, Angst, Mord, Rache und Liebe sind die Hauptansätze in den Erzählungen. Der Autor vermittelt in seiner Version alle Emotionen so bildhaft, dass ich die Geschichte ganz neu erlebt habe. Kein Vergleich zu den Filmen oder Operetten, die ich vorher kannte.

Gelesen habe ich an dem Buch zwei Wochen. Für den komplexen und altmodischen Text wollte ich mir einfach diese Zeit nehmen. Die vielen Seiten und die beiden Sprachen erfordern volle Konzentration. Es ist eins der anspruchsvollsten Werke aus der Feder von Tolkien.

Ich kann es daher nicht jedem Fan von Tolkien oder nordischen Göttern empfehlen. Ich kann es aber Lesern beider Gruppen empfehlen, die klassische Texte mögen. Der Leserkreis ist damit sehr eingeschränkt.

===Bewertung===
Von mir bekommt das Buch fünf Sterne, da ich noch nie eine so gelungene Umsetzung dieses Themas gelesen habe. Anspruchsvoll, altmodisch, aber trotzdem modern, zweisprachig und eine interessante Umsetzungsform.
0Kommentar|23 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Dezember 2010
Dieses Buch ist im Wesentlichen eine Neudichtung der Nibelungensage in Form von "Liedern" bzw. Gedichten.

Die Einführung durch den Herausgeber diskutiert den Zusammenhang zwischen den germanischen bzw. nordischen Göttersagen ("Edda") und der damaligen höfischen Dichtung. Dazu wird eine sehr informative Vorlesung Tolkiens zur "Älteren Edda" abgedruckt. Die nordischen Fassungen der Nibelungensage beschäftigen sich mit dem von den Göttern abstammenden Königsgeschlecht der Völsungen und mit der burgundischen Prinzessin Gudrun; leider sind die einzelnen Stücke in sich widersprüchlich und weichen auch von einander ab. Ein großes Stück ging sogar verloren. Tolkien setzte sich deshalb die Aufgabe, beide Lieder neu zu dichten.

Der Hauptteil des Buches besteht aus dem "Neuen Völsungen-Lied" und dem "Neuen Gudrunslied", welche beide mit reichlichen Anmerkungen versehen sind. Diese beschäftigen sich einerseits mit der Quellenlage und andererseits mit den Bezügen zu Tolkiens Werken. So erfährt man z. B., dass "gand-" auf Deutsch "Zauber-" bedeutet.

Eine in diesem Sinne wichtige Strophe, welche auch die Art des Liedes demonstriert, ist beispielsweise:

There wrought Regin
by the red embers
rune-written iron,
rare, enchanted;
of gold things gleaming,
of grey silver,
there Fafnir lay
by the fire dreaming.

Dort schmiedete Regin
über rötlicher Glut
mit Runen geritztes
berückendes Eisen.
Glänzend von Goldwerk,
von grauem Silber
lag dort Fafnir
am Feuer und träumte.

Man findet in den beiden Liedern viele Motive, die man in Tolkiens Werken bewundern kann:

1. Das Silmarillion: Götter (nordisch Odin =Tolkiens Manwe; Loki = Morgoth), Flüche, verbotene Liebe, der Helm des Schreckens, Drachen (der Herausgeber verweist auch auf Turin Turambar), Weissagung, Elbenheim, Wohnsitz der Götter auf dem Berg

2. Der Hobbit: schmiedende Zwerge in Höhlen, Schätze, Drachen

3. Der Herr der Ringe: der Eine Ring, Sigurd ist wie Aragorn ein Prinz ohne Land mit einem neu zu schmiedenden zerbrochenen Schwert, Schlangenzunge

Der Anhang zeigt u. a. den (möglichen) historischen Kern der Sagen. Tolkien ging davon aus, dass verschiedene Berichte / Legenden / Sagen zusammen gefasst wurden. So weiß die alt-englische Dichtung nichts von Sigurd und schreibt dessen Taten seinem Vater Sigmund zu. Im deutschen Nibelungenlied ist Hagen im Gegensatz zum nordischen Högni böse; Sigurd heißt hier Siegfried. Es ist auch nicht ganz klar, wer denn eigentlich die Nibelungen sind (Schatzhüter? Zwerge? Die Burgunderkönige? Eine Landschaft?). Auch Brynhild / Brunhilde ist sehr rätselhaft. Gegen Attila werden die Burgunder wohl nicht gekämpft haben; eine Niederlage gegen die hunnischen Kämpfer des römischen Heermeisters Aetius ist dagegen verbürgt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Darstellung entspricht zwar nicht dem deutschen Nibelungenlied, aber dafür ist sie näher an der nordischen Fassung dieser Sagen und besser formuliert.

Zu den Beziehungen zwischen Nibelungen und Völsungen noch ein Tipp: Besucht doch mal das großartige Nibelungen-Museum in Worms!
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. November 2010
Hervor kam Fáfnir
Feuer schnaubend,
den Berg hinunter
blies er giftigen Dunst.

Kurzinhalt:
Die mittelhochdeutsche Nibelungensage ist sicher bekannt: Siegfried, der Drachentöter, möchte die Königstochter von Worms, Kriemhild, heiraten. Dafür soll er jedoch zunächst die Hand Brünhilds für Kriemhilds Bruder Gunther gewinnen. Die wehrhafte Brünhild verliebt sich jedoch in Siegfried und muss erst von diesem besiegt werden, um ihm widerwillig nach Worms zu folgen.

All diese Figuren finden sich der von Tolkien aufgegriffenen nordischen Variante wieder: der Drache Fafnir, der titelgebende Sigurd (der aus der Nibelungensage bekannte Siegfried), Gudrun (Kriemhild) und Brynhild (Brünhild) sowie Högni ((Hagen von Tronje).
Aber auch andere Figuren erhalten zusätzliches Gewicht, wie etwa die die Mutter Gudruns.

Vorangestellt sind der Geschichte Elemente der nordischen Völsunga Sage, in der es um die Vorgeschichte Sigurds geht, seinen Vater und seine Schwester.

Tolkien hat die Stoffe zusammengefügt, leicht modernisiert und ergänzt - Abenteuer, Verrat, Stolz, Gewalt und Mord bleiben jedoch im Mittelpunkt.

Meine Meinung:
Bei dem Buch handelt es sich um eine Veröffentlichung von Dokumenten, die Tolkiens Sohn Christopher nach dessen Tod in seinem Nachlass fand. Nicht jeder weiß vielleicht, dass Tolkien nicht nur der Vater von Mittelerde, sondern vor allem auch Professor für alte Sprachen war und sich in diesem Zusammenhang mit Sagen aus der frühen Überlieferungszeit der Menschheit beschäftigt hat.

Viele Motive der alten Zeit finden sich in seinen eigenen Werken später wieder.

Sofort nach dem Aufschlagen dieses Buches wird klar, dass es sich hierbei jedoch nicht einfach um einen weiteren Tolkien" handelt. Hier trifft die nordische Heldensage einen Professor für alte Sprachen mit großer Fabulierkunst.

Der Leser findet also keine abgeschlossene Welt vor, sondern einen fragmentarisch überlieferten Stoff, den Tolkien nicht nur neu übersetzt hat (in dem Fall findet sich auf der linken Seite des Buches die englische Variante), sondern auch bemüht war, die vorhandenen Lücken der Geschichte mit der ihn auszeichnenden Phantasie zu schließen und der damaligen Sprache anzupassen.

Es ist als Verdienst des deutschen Übersetzers Hans-Ulrich Möhring anzusehen, dass auch die rechte Seite des Buches voller Sprachgewalt und Bilder steckt. Sensibel ist er mit dem Englisch Tolkiens umgegangen. Anspruchsvoll, wenn man bedenkt, dass ein Großteil des Buches in den für die damalige Zeit üblichen Versen gehalten ist, wie man es etwa aus dem Original-Nibelungenlied kennt.

Es bleibt dem Leser überlassen, welche Sprache er bevorzugt. Tatsächlich kann man sich in beiden Sprachvarianten, die so voller Poesie sind, verlieren.

Auch wenn es zum Teil wirklich anstrengend ist, sich längere Zeit auf dieses Werk einzulassen, wenn man neben der Fabulierkunst auch die aufwendig gestaltete sprachliche Form nicht aus den Augen verlieren will.

Ein Werk, für das man sich viel Zeit nehmen sollte, um die darin enthaltene Melodie zu hören.

Abgerundet wird es durch ausführliche Erläuterungen zum Ursprung und der Veränderung der Sage im Laufe der Zeit sowie zum literarischen Beitrag Tolkiens in diesem Kontext, welcher einen zusätzlichen Einblick in den Umgang mit den alten Texten gewähren und damit in die Arbeit des Mediävisten. Zudem wird deutlich, welche Faszination die alten Stoffe auf Tolkien ausübten, aus denen er letztlich die Inspiration für seine eigenen Werke zog.

Es steht jedoch zur Debatte, ob diese weitläufigen Erklärungen, die einen großen Raum in dem Buch einnehmen, wirklich für jeden Leser so geeignet und interessant sind.

Fazit:
Ein anderer Tolkien, aber deswegen nicht weniger lohnenswert. Für Interessierte an nordischen Heldensagen, die sich auch für den historischen Hintergrund der Stoffe interessieren, eine absolute Leseempfehlung.
Für alle anderen durchaus eine Herausforderung, jedoch ein lohnenswerter Ausflug in die Mediävistik.
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 24. November 2010
Aus den Notizen und Vorlesungsvorbereitungen seines Vaters hat Christopher Tolkien das vorliegende Buch erstellt: Tolkiens Versuch, die Geschichte von Sigurd und Gudrun neu zu erzählen.
Allein die Anmerkungen und wissenschaftlichen Texte von Sohn Christopher hätten schon gereicht, dem Buch 5 Sterne zu geben.
Es wird deutlich, wie der geniale Linguist und Historiker Tolkien gearbeitet hat: Nach dem Studium aller zu Verfügung stehender Quellen (möglichst im Original) und der klassischen literaturwissenschaftlichen Bearbeitung ließ Tolkien sich ganz und gar auf die Sprachgewalt des Textes ein.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen anderen als Tolkien gegeben hätte, der dieses gewagte Experiment, ein neues Lied der alten Sagen in der Sprachgewalt der Skalden zu schreiben so erfolgreich ausgeführt hätte.
Eingeführt von Christophers Erläuterungen kann man sich in die Metren fallen und die Stabreime wirken lassen.
Immer wieder habe ich mich ertappt, wie ich laut gelesen habe, innerlich die Silben zählend.
Immer wieder ging der Blick auf die gegenüberliegende Seite mit dem englischen Originaltext: Klingt seine Melodie anders, ist sein Rhythmus derselbe?
Zum ersten Mal habe ich alte nordische Literatur (hoffentlich) wirklich verstanden: Es ist eine extrem knappe Sprache, die auf den Hörer (nicht Leser!) fast einschlägt. Im Takt duckt man sich unter der Schwere des Themas - und so soll es auch sein.
Immer wieder musste ich innehalten und aus dieser fremden Welt zurückkehren ins heute und jetzt.
Erst viele Wochen nach dem Lesen der Lektüre konnte ich diesen Drang unterdrücken, ständig in Stabreimen und abgezählten Abschnitten zu sprechen.

Ein Tolkien, wie er im Buche steht!
0Kommentar|3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. November 2010
Wie fängt man so eine Rezension an?
Also ich bin seit ca. 33 Jahren Tolkien-Fan. Ich habe nahezu alles, was jemals zu Mittelerde an Primär- und etliches was an Sekundärliteratur erschienen ist. Und das in diversen deutschen, englischen und us-amerikanischen Ausgaben. Vom Taschenbuch bis zur bibliophilen, limitierten Ausgabe in Leder. Es war daher - wieder einmal - keine Frage, ein Werk aus J.R.R. TolkienŽs Feder, über dessen wahrscheinliche Existenz ich selber irgendwo in den Briefen oder einer der Biographien gelesen habe, sofort zu kaufen. Darüber hinaus interessiere ich mich für geschichtliche und vorgeschichtliche europäische Mythen und Mythologien sowie Ethnologie und Geschichte . Die Sigurd-Saga (Siegfried auf deutsch) kennt man daher recht gut, die Edda natürlich auch.

Das Buch ist insofern gut brauchbar und wahrscheinlich sogar von einigem wissenschaftlichen Wert, wenn man sich für nordgermanische Stabreime und Metren interessiert. Daher u.a. Hut ab auch vor der dichterischen Qualität von Mr. Tolkien sen. und auch dem deutschen Übersetzer.

Was mich an der ganzen Sache stört, ist Folgendes: es ist bekannt, dass Tolkien von einer unerschöpflichen, auf Perfektion zielenden, leider aber auch schwer chaotischen Kreativität geprägt war, die sich in nicht enden wollenden Korrekturen seiner bis dahin erstellten Schriften äußerte. Was mich jedoch immer wieder wundert ist, dass auch 37 Jahre nach seinem Tod, sein Sohn und literarischer Nachlassverwalter Christopher offenbar immer noch "neue" Sachen in einem offenbar riesigen Wust an Unterlagen findet. Schon die Veröffentlichung der "Kinder HurinŽs" fand ich eine reine Beutelschneiderei. Dieses Buch über den Drachentöter und das ganze Drumherum jetzt herauszubringen, scheint beinahe so, als folge man einem Zeitplan, wonach alle paar Jahre etwas vom Altmeister neu aufgelegt oder "gefunden" werden muss. Auf deutsch: Abzocke!

Unlauter von Klett-Cotta finde ich es, in allen verfügbaren Medien statt einer "echten" Leseprobe nur etwas aus dem Vorwort abzudrucken. So werden die Fans auf eine falsche Fährte gelockt.

Also: für Sprachwissenschaftler, Germanistik- und Anglistikstudenten sowie Hardcore-Saga-Fans sicher eine Bereicherung. Dem normalen Tolkien-Fanatiker kann die Lektüre nicht unbedingt empfohlen werden.
11 Kommentar|32 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Oktober 2010
Der Professor für Sprachen (Altenglisch und Altnorwegisch) hatte schon früh ein Faible für alte Sagen, Überlieferungen, Texte. Überlieferungen, in denen sich grundmenschliche Erfahrungen von Gut und Böse, vom Kampf des Lebens gegen Feinde und unwirtliche Umstände, niederschlugen. Eine besondere Affinität hatte Tolkien zur Edda, der altnordischen Sage, die als Grundmuster und Blaupause in Kernelementen auch in das deutsche Nibelungenlied mit eingeflossen ist.

Nun wäre es eine Täuschung (und später Enttäuschung), in diesem nun, aus dem Nachlass Tolkiens durch seinen Sohn bearbeiteten, Buch eine in sich abgeschlossene Abenteuergeschichte wie den kleinen Hobbit oder den Herrn der Ringe vorzufinden. Die Welterfolge Tolkiens waren nicht Druckerzeugnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit und persönlichen Faszination, sondern beruhten auf diesen als ausformulierte Geschichten mit ihrem fundierten und mit tief wissendem Hintergrund in der alten Sagen- und Mythenwelt verankert.

Aus dem Nachlass des großen Meisters entnimmt sein Sohn eine Neu-Übersetzung der altnordischen Saga, die Tolkien durchmischt mit anderen Völkermythen wie dem Nibelungenlied. Wobei, und das ist das spannende an diesen Notizen und machen sie zu einem echten Tolkien, es sich um interpretierende, teils freie Übersetzungen und Zusammenstellungen durch den Professor handelt. Diese gießt er wiederum in Verse, so dass der Kern des Buches aus eben jenem Versepos aus der Hand Tolkiens besteht, ergänzt und erläutert durch Kommentare und Hilfen zum Verständnis durch seinen Sohn.

Inhaltlich versucht Tolkien vor allem, Lücken der alten Überlieferungen zu schließen. So begleitet Tolkien Siegfried (Sigurd) in der Zeit nach der Tötung des Drachen bis hin zum Racheschwur Brunhildes. Ebenso widmet er sich Kriemhild (Gudrun) nach dem Tode Siegfrieds. Beides Momente, die in den verschiedenen Kulturen in späteren Zeiten ebenfalls ergänzt und hinzugedichtet wurden, die allerdings in den zugrunde liegenden Mythen keine Erwähnung finden. Und anders als die bekannten Geschichten setzt Tolkien seine Akzente. Die Mutter Kriemhilds speilt eine wesentlich entscheidendere Rolle, der später Mann Krimhields, Atilla (Atli) erfährt ein anderes Schicksal.

Gerade die Form macht eine Bewertung des Buches schwer. Sprachlich versiert und mit fundiertem Wissen bietet Tolkien in wunderbaren Versen seine Version der altbekannten Geschichten dar. Letztlich aber stellt die Legende von Sigurd und Gudrun kein Buch im gewohnten Tolkien Sinne dar. Eher finden sich hier in Stil und Ausdruck zwei Versepen, die im kleinen Hobbit und im Herrn der Ringe ihren Platz als Lieder gefunden hatten.

Wer sich darauf einzulassen vermag, wird von Tolkien tatsächlich dann aber, prachlich meisterhaft und inhaltlich mit neuen Schwerpunkten, in den Bann gezogen und auf eine Lesereise der ganz anderen Art geschickt werden. Zudem werden auf dieser Lesereise Elemente in den Raum treten, die später von Tolkien aufgenommen wurden. Nicht nur altnordische Sagen also, sondern auch Wurzeln und Anregungen für Tolkiens Welterfolge liegen in seiner Arbeit an der Edda und dem Nibelungenlied vor Augen.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 13. September 2010
Ich gebe zu, dass die Reimform ein ungewohntes Leseerlebnis darstellt. Aber beim Lesen der Verse bildet sich bei mir im Kopf das Bild eines älteren Mannes in Tweedjacke mit Lederflicken am Ellenbogen, der vor einem knisternden Kaminfeuer sitzt und wenn ich den Text in der englischen Version lese, höre ich förmlich eine sonore Stimme in bestem Oxford-English die Verse vortragen. Sehr schön.
0Kommentar|10 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 28. Mai 2013
Nachdem ich diese Rezension ([...]) gelesen hatte, dachte ich mir als Tolkien-Fan, dass ich mir dieses Buch nicht entgehen lassen darf. Auch wenn die Gedichte nicht unbedingt einfache Kost sind hatte ich sehr viel Spaß daran sie zu lesen und auch, wenn ich einige Seiten öfter lesen musste, war es ein gelungenes Lese erlebnis. Trotzdem ist es empfehlenswert mal auf der Seite des Tolkien Estate nach den Prosafassungen zu suchen, diese sind eine gute Ergänzung.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 5. Dezember 2010
Zum Buchinhalt wurde ja schon viel geschrieben, dem ist nichts hinzuzufügen.

Was mich sehr geärgert hat:

Ich erwarte ein mit Fadenheftung gebundenes Buch zu diesem Preis, kein aufgepepptes Taschenbuch mit geklebten Seiten!

Dies sollte auch in der Buchbeschreibung deutlich gemacht werden.

Punktabzug nur wegen der Buchbindung.
0Kommentar|6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

14,95 €
16,95 €
19,95 €