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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lyrik am Abgrunde, 4. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Schockierte der studierte Arzt Gottfried Benn (1886-1956) mit seinen rücksichtslosen ersten Revoluzzer-Gedichten (1912) die Leser noch, wurde er später mit ruhigeren Formen eher zum stillen Sänger der Verlorenheit des Einzelnen in einem ihn überwältigenden Kosmos.
Fragte der junge Dichter noch aufrührerisch ("Der Arzt"):

"Ihr sprecht der Seele? Was ist eure Seele? Verkackt die Greisin Nacht für Nacht ihr Bett"
Und in "Fleisch": "Das Hirn verwest genau so wie der Arsch"

Und bekannte in "Drohungen": "Ich lebe Tiertage. (...) Ich bin Affen-Adam"
Oder in "Untergrundbahn": "Ich armer Hirnhund. Schwer mit Gott behangen.
Ich bin der Stirn so satt",
denn ("Alaska"): "Man hat uns belogen und betrogen
mit Gotteskindschaft, Sinn und Zweck"
("Nachtcafé I"): "Ein Spalt voll Schreie unser Mund."

Später wird er besinnlicher und empfindet immer wieder mit Nietzsche und dessen Schicksal mit ("Sils-Maria"): "In den Abend rannen die Stunden,
er lauschte im Abhangslicht
ihrer Strophe: alle verwunden,
die letzte bricht..."

Oder in "Turin": ""Ich laufe auf zerrissenen Sohlen"
schrieb dieses große Weltgenie
in seinem letzten Brief - dann holen
Sie ihn nach Jena -; Psychiatrie."

Der Gipfel der Fraglichkeit des Seins liest sich in "Verlorenes Ich" (1943):

"Die Tage geh'n dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen -
die Welt als Flucht.

(...)

Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
und was die Menschheit wob und wog,
Funktion nur von Unendlichkeiten -
die Mythe log.

Woher, wohin -, nicht Nacht, nicht Morgen,
kein Evoe, kein Requiem,
du möchtest dir ein Stichwort borgen -
allein bei wem?"

Was ist der Mensch in der Welt? Die körperlich-weltlich gedeutete "Schöpfung" der profanisierten Kirchen durchschaut Benn als Lüge, sodass die unsterbliche Seele zwischen verwesendem "Hirn und Arsch" ungefunden bleibt. Jedoch das körperlose Sein als SCHÖPFUNG der spirituellen Menschen erschließt er nicht, sodass kein Hirte die Seele zu der Heimat jenseits des verlorenen Iches geleitet.
Benn Werks ist menschlich schöne Lyrik am Abgrunde des Seins ohne gefundenen Sinn.
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37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Leben in Gedichten, 6. November 2001
Von 
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Vielen sind aus der Schule die Gedichte des Zyklus' "Morgue" von Gottfried Benn bekannt. Auch heute noch haben sie eine entscheidene Wirkung auf die Leser: einige sind überrascht und angezogen von dem seltsamen Charme der Gedichte und andere finden sie so abstossend, dass sie Gottfried Benn am liebsten nie wieder lesen wollen. Das wäre jedoch ein Fehler, denn während in den Morgue-Gedichten Benns Erfahrungen als Arzt verarbeitet wurden, findet man auf den folgenden Seiten so verschiedene Gedichte wie das Leben Seiten hat. Dazu gehört die Liebe genauso wie die Widerspiegelung der Politik, der Rückblick nach einem vielseitigen Leben und verschiedenes mehr. Also nicht nach den ersten (eventuell) erschreckenden Seiten aufhören!
Die Ausgabe an sich, ist von einer eher klassischen Schönheit: rot mit blauem Namensschriftzug - macht sich also auch gut als Hingucker im Regal. Die Gedichte lassen sich nach den Titeln und ersten Zeilen oder nach dem Erscheinungsjahr im Anhang finden - was natürlich praktisch ist. Die Einteilung im Buch folgt den folgenden Überschriften: 1. Gesammelte Gedichte 1956 (aus einer früheren Veröffentlichung), 2. Gedichte, die zu Lebzeiten veröffentlicht wurden, jedoch nicht in der Sammlung von 1956 zu finden sind, 3. Gedichte aus dem Nachlass und 4. Poetische Fragmente.
Was mir fehlt, ist wenigstens eine Kurzbiographie von Gottfried Benn, denn vor dem Hintergrund seines Lebens, lassen sich die meisten seiner Gedichte viel besser verstehen.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen die Krone der Schöpfung ..., 6. Februar 2006
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
nun kann man Benns Gedicht folgen und nur 'das Schwein, der Mensch' folgen lassen, oder aber - und das ist mir lieber - die Benn'sche Sprachgewalt in seinen Gedichten herausholen. Morgue ist bekannt und braucht einiges nachdenkliches Schlucken aber bis hin zu den schönen Gedichten ist Sprache in ihrer feinsten Art verwendet. Abschied, eine Pracht (du füllst mich an wie Blut die frische Wunde - alles ist gesagt) oder "An Dich, mein Jochen" (so oft sich unsere Wege trennen....) oder wen auch immer.
Man findet eine wunderbare Vielfalt bei Benn, eine Klarheit in der Sprache, die gleichzeitig Phantasie gebiert.
Wer Gedichte und Sprache mag, ist auch ein (zukünftiger) Liebhaber Benn'scher Lyrik.
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19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der kunstvolle Ausdruck von Leid in der banalen Welt, 5. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
"Einsamer nie als im August" ist eines seiner bekanntesten Gedichte. Eines über das ich Gottfried Benn kennen und
bewundern lernte. Gefangen in seinen klaren volksliedartigen
Rhytmen, die man immer wieder in Gedanken rezitieren kann.
Wer seine frühen "Morgue-Gedichte" liest wird vielleicht erst
schockiert sein, aber seine späteren Gedichte sind von einer
Kraft und Klarheit in Form von lyrischer Perfektion wie man sie
kaum in der moderneren deutschen Lyrik findet. Aber auch die frühen Gedichte sind in einer wunderbaren Form gehalten, die
man, wenn man sich nur bemüht, durchaus erkennen kann. Lyrik
für die Ewigkeit, ohne zu hoch zu greifen, liegen hier vor. Gedichte die noch in Träumen wiederkehren, von solcher Stärke sind sie."Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere, was alles erblühte, verblich. Es gibt nur zwei Dinge, die Leere und das gezeichnete Ich."
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5.0 von 5 Sternen Kein Poesie-Album, doch höchste Poesie!, 3. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Er ist immer noch, nehmt sie alle gegen diesen einen, der ein Deutsch schrieb, das in Klang und Rhythmus nichts seinesgleichen findet. Eine Sprache, so zart und doch so hart,so deutlich wie heute PR geredet und geschrieben wird...und doch so meilenweit da drüber...Kurzum mich wundert sehr, dass dieser Gottfried Benn im gegenwärtigen Literatur-Betrieb eine eher nur versteckte Rolle spielt. Schade drum. Es gilt ihn wieder zu entdecken. Kleiner Tipp: Seine "Gedichte" kaufen und sich selbst laut vorlesen! Kein schöner Klang in dieser oft so poesielosen Zeit. Und wer merken kann, wird merken, dass Poesie eben nicht nur wie "Poesie-Album" klingen muss.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erfrischend unbequem!, 24. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Schwere Kost, kein Raum für Oberflächlichkeiten. Verständlich nur mit Hang zur Philosophie und unverblümter Nacktheit menschlicher Abgründe. Immerwieder unterhaltsam und immerwieder eindrucksvoll laden die Zeilen zum Nachdenken und reflektieren ein. Empfehlung für alle, die es auch mal unbequem mögen !
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14 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen bibliophiles Stück, 8. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Sämtliche Gedichte (Gebundene Ausgabe)
Leben lang Leben gesucht, das wahre
wo möcht ich verweilen
anfangs derbe geklagt
Alkohol, Rauch und Pyramidon
mit mäßigem Rausch etwas Ruhe gehabt
nebst drei Frauen und mehr
kurz vor Schluß noch Sofas verschwitzt
auch Ponychen war Gretchen nicht
ein Buch, zwei Deckel, Fragmente sogar
nicht groß, nicht schwer, angenehm
edel, mehr ist nicht zu haben.
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Sämtliche Gedichte
Sämtliche Gedichte von Gottfried Benn (Gebundene Ausgabe - 13. Februar 2014)
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