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29 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. November 2006
Also, ich muss gleich vorweg zugeben: Ich bin ein richtiger HdR-Freak. Ich habe das Buch in Englisch, Spanisch, deutscher Altübersetzung und Neuübersetzung. Und ich muss sagen, dass mir die Neuübersetzung (dieses hellgrüne sowie das rote Buch) überhaupt nicht gefallen hat. Wörter wie geil haben in der heilen Hobbitwelt einfach nix zu suchen, und davon abgesehen wurden einige Sätze so blöd übersetzt, dass der ganze Sinn verloren geht (ich erinnere mich noch mich Schaudern an die Szene "Ugluk schrie, und eine Horde wütender Orks rannte vorbei"). Ich kann wirklich jedem nur empfehlen, ein paar Euro mehr auszugeben und sich die Altübersetzung (=dunkleres Grün, in festem Schuber) zu kaufen, oder noch besser, das englische Original.
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78 von 85 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Dezember 2001
Oftmals ist die erste Reaktion die richtige. Meine erste Reaktion war: "wozu eine neue Übersetzung?"
Wegen der schönen Ausstattung (dafür gibt's den einen Stern) und weil meine drei Taschenbücher schon etwas lädiert waren, habe ich dieses Buch gekauft (wofür ich mich bei Herrn Tolkien und Frau Carroux entschuldigen möchte). Im Nachwort wurde mir dann auch von Wolfgang Krege selbst erklärt, warum er sich die ganze Arbeit gemacht hat: Weil die Übersetzung von Margaret Carroux nicht gut ist. Ich Trottel! Dreimal habe ich sie gelesen und einmal vorgelesen - und nichts habe ich gemerkt! Da habe ich ja noch einmal richtig Glück gehabt, daß ich so viel Geld in das rote Buch investiert habe. Niemals sonst hätte ich erfahren, daß der gute alte Sam Gamdschie seinen Herrn Frodo in Wirklichkeit mit "Chef" angeredet hat. Es ist auch unverzeihlich, daß Margaret Carroux uns jahrzehntelang arglistig verschwiegen hat, daß Gimli in Lothlórien um ein Haar einen Schmerzensgeldprozeß vom Zaun gebrochen hätte (was in Mittelerde seinerzeit offenbar eine recht häufige Form des Rechtsstreits gewesen sein muß)!
Frage an den Verlag: Warum liest bei Euch keiner die Texte, bevor Ihr sie veröffentlicht?
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97 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Mai 2006
Was für einen Teufel mag wohl den Verlag geritten haben, die wortgetreue und brillante Übersetzung von Carroux so zu verhuntzen? Was ist aus dem wunderschönen Sprachgebrauch der alten Übersetzung geworden? Frodo als "Herr" wird zu einem "Chef". Statt 2te Person plural "Ihr" zu gebrauchen, werden die Könige und Herren gesietzt. Und obendrein finden Worte wie "futsch" Eingang in dieses Werk. Ätzend, kann ich da nur sagen.

Die Geschichte selbst ist hervorragend, und würde 5 Sterne verdienen, die Neufassung ist aber unter aller Kritik
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144 von 158 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. November 2001
Seit meiner Jugend begeleitet mich der Mythos um Frodo und Sam. Alle 2 bis 3 Jahre zur Herbstzeit, fühle ich mich bei einem Waldspaziergang daran errinnert, daß man möglicherweise von Hobbits beobachtet wird und es ist wiedermal an der Zeit "Herr der Ringe" zu lesen. Mittlerweile fällt meine alte grüne Paperback-Ausgabe auseinander und ich wollte mir eine neue zulegen. Beim Durchblättern dieser Übersetzung hatte ich jedoch das Gefühl man will mich veralbern und zielt auf eine Lesergemeinde von 6 bis 12 Jahren ab. Nichts gegen einen guten Comic oder einen Werner-Film. Als ich jedoch gelesen habe, wie Sam nach einer Rast und einem verdientem Bier zu Frodo sagt "Ach Chef, jetzt geht's wieder" hatte ich eher das Gefühl einen Asterix Comic zu lesen. Mag sein, daß ich zu empfindlich reagiere. Die Enttäuschung ist jedoch groß. Umso schlimmer, daß bis auf die 3 bändige Orginal-Übersetzung (gebunden a 49,- DM) derzeit nur die jetzigen Ausgaben zu haben sind.
Also werde ich ein wenig sparen und meine jetzigen Bücher mit Tesafilm reparieren.
Hauptsache der Film ist nicht im gleichen Stil verhackstückt worden.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. März 2000
Als ich, praktisch per Zufall,auf die Sendepremiere des Hörspiels im WDR aufmerksam wurde, war mir nach wenigen Minuten klar, daß ich das mitschneiden muß. Seither habe ich, ein "Mehrmals-Verschlinger" der Romanvorlage, dieses Hörspiel, welches die Vorlage um Längen besser wiedergibt/umsetzt als alles andere, was nicht der Roman selbst ist (sprich Filme wie der von Bakshy o.ä.), mehrmals gehört, und mir wurde nie langweilig. Vieleicht auch deshalb, weil es in der Natur des Hörspiels liegt,immernoch Freiräume für die eigene Phantasie zu lassen, und diese wird ja bei Tolkien geradezu gefördert und angeregt, es ist eben zu recht DER Phantasy-Klassiker, der hier in einer seiner Natur als Hörspiel entsprechenden kongenialen Fassung vorliegt.
Nach kurzer Gewöhnung, an die Tatsache das Personen, die sonst nur in meiner Phantasie, beim Lesen des Buches, eine bestimmte Stimme/Tonfall hatten, machte und macht mir dieses Werk eigentlich nur Spaß, wenngleich es, natürlich, viel zu kurz ist. Soll heißen: es trifft das Buch so gut, daß ich mir eigentlich, auch in dieser Art, mehr davon wünsche!
Allen voran möchte ich die Besetzung/Stimme Gandalfs als gelungen und eindrücklich herrausstellen.
Meiner Meinung nach natürlich kein "Muß", wie vieles eigentlich nicht wirklich ein "Muß" ist, aber eine wirkliche Bereicherung auch für absolute Fans der Romanvorlage (seiner Werktreue wegen), und für Freunde guter Hörspiele
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133 von 146 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Januar 2001
Das erste mal las ich Herr der Ringe (neue Übersetzung) vor einem halben Jahr, da ich von den Dreharbeiten gehört hatte. Gefesselt von der Geschichte habe ich Tag und Nacht gelesen. Ich habe nur aufgehört, wenn es denn unbedingt sein musste. Ich habe sogar blau gemacht, um das Buch fertig zu lesen, so fasziniert war ich von der Welt, die Tolkien erschaffen hat. Als ich von immer mehr Leuten mitbekam, dass die Neuübersetzung nicht das Wahre sein sollte, habe ich mir aus der Bibliothek ein älteres Exemplar ausgeliehen. Schon nach wenigen Seiten bemerkte ich einen gravierenden Unterschied. Das Lesen des alten Buches ist anders. Ich kann es vielleicht folgendermaßen umschreiben: Es liest sich, wie ein altes Buch aus vergangenen Tagen, dem noch ein Hauch von Magie anhaftet. Die Sprache der Charaktere wirkt viel altertümlicher als in der Neuübersetzung (vor allem durch die Anrede von "Ihr/Euch" anstatt "Sie/Du") und die Dialoge wirken in der mittelalterlichen Fantasiewelt realer - oder angemessener - als die in der neuen Fassung. Je weiter ich im Buch vorankam, desto deutlicher wurde der Unterschied. Und jetzt, da ich fast am Schluß des Ringkrieges angelagt bin fühle ich mich vom Verlag betrogen. Ich habe eine Menge Geld (für andere mögen der Preis Peanuts sein, aber für mich als Schüler ist das eine ganze Menge) für eine "Comic" Version Ausgegeben. Zugegeben, sie hat mich auch fasziniert, aber verglichen mit der richtigen Übersetzung (ich denke mal, dass mir niemand böse ist, wenn ich die alte Übersetzung als die richtige bezeichne) ist es eben nur eine "Comic" Version. Ich möchte aber niemandem sagen, dass er die Finger von dieser Fassung lassen soll, weil ich denke, dass sich jeder selbst seine Meinung bilden sollte. Der Grund für die Punktevergabe ist folgender: Ich fühle mich vom Verlag Klett-Cotta betrogen. Ich bin davon ausgegangen, den Herrn der Ringe zu kaufen, so wie ihn viele andere kennen. Bekommen habe aber ich eine Neuschreibung - nicht zu verwechseln mit der vom Verlag verwendeten Bezeichnung "Neuübersetzung"
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202 von 222 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. November 2001
Hallo,
das Original von J.R.R. Tolkien ist eins der genialsten Werke, die je verfaßt wurden. Da müßte man glatt fünf Sterne geben.
Aber was Wolfgang Krege (der vor dieser Übersetzung bei mir als "Tolkien-Experte" galt) daraus gemacht hat, tut weh! "Hypermoderne" Ausdrücke wie "Dalli-dalli" und "Chef" (als Anrede für Frodo) haben im Herr der Ringe nichts zu suchen und entsprechen auch nicht dem Original (wie ich selbst mich vergewissert habe). Diese Übersetzung ist ein glatter Zonk! Klett-Cotta täte gut daran, eine weitere Übersetzung anfertigen zu lassen (ruhig auch von Wolfgang Krege, der kann im Prinzip nämlich übersetzen) mit der klaren Leitlinie "Keine Modernismen!".
Fazit: kauft euch entweder das Original oder die Übersetzung von Margaret Carroux.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Januar 2001
Ich kann mich den vorhergehenden Rezensionen nur anschliessen: Die Uebersetzung ins Neudeutsche(?) zerstoert die Atmosphaere des Herrn der Ringe! Zwar war auch die erste deutsche Uebersetzung in manchen Passagen schlecht, weshalb ich das englische Buch immer vorzog, jedoch nicht so verfaelschend wie diese Uebersetzung. Finger davon lassen und die alte Ausgabe besorgen oder noch besser mit dem "Lord of the Rings" englisch lernen.
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110 von 121 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Februar 2002
Denjenigen, die den "Streit" um die Neuübersetzung lächerlich finden, sei einmal gesagt, daß es hier keinen Streit gibt, sondern einfach nur Leser hier ihre Meinungen hinterlassen.
Zum Buch: Ich habe das englische Original gelesen. Es ist etwas schwerer zu lesen als modernes Englisch (Wörter wie whither, thither, thou, thee, thy und ere sind einfach nicht oder nicht mehr gebräuchlich), so muß ein Leser, der des Englischen nur durchschnittlich mächtig ist, vielleicht etwas nachdenken oder nachschlagen, bevor er weiß, daß "thou hast" "you have" heißt. Gerade diese altertümliche Sprache macht aber einen großen Teil des Flairs dieser Geschichte, die nach Tolkien in einem vergangenen Zeitalter angesiedelt ist, aus. Wer meint, daß die Wortwahl der Atmosphäre keinen Abbruch tut, weil es ja um die Geschichte geht - nun, unbegabte Schauspieler, miserables Bild und schlechter Ton können auch die Atmosphäre eines Filmes zerstören, obwohl die Geschichte gut ist.
Ich habe die neue Fassung in der Buchhandlung an mehreren Stellen gelesen, und kann nur sagen, daß Wolfgang Krege anscheinend sein Handwerk nicht wirklich versteht. Allein die Behauptung, Übersetzungen würden altern (Originale auch? Sollte man die auch neu fassen?) ist lächerlich. Und selbst, wenn das so wäre, hat Herr Krege sein Ziel verfehlt.
Wie soll der Leser in eine altertümliche, mystische Welt, in der geheimnisvolle Mächte und alte Legenden und Sagen eine wichtige Rolle spielen, eintauchen können, wenn er ständig über neumodische Ausdrücke wie "Dalli-dalli" oder "Na klar" (peinlich aus dem Munde der Elbenkönigin Galadriel) stolpert. "Kusch, Saurons Köter"...vieles wirkt einfach nur lächerlich in Kreges Versuch, den Herrn der Ringe "moderner" zu machen. Ich bezweifle, daß in irgendeinem Wörterbuch "master" mit "Chef" übersetzt wird. Sicherlich trägt einiges (aber auch längst nicht alles, da vieles, was für Krege anscheinend "moderner" ist, eigentlich auch überflüssig war - es mag zwar egal sein, ob es nun die "Rückkehr" oder die "Wiederkehr" des Königs ist, aber man fragt sich doch, wozu diese Änderung dienen soll), was Krege schreibt, dazu bei, daß das Buch leichter zu lesen ist. Das wäre es allerdings auch, wenn man die störenden Landschaftsbeschreibungen und die langatmigen Charakterisierungen weg ließe. Und vielleicht auch die letzten 150 Seiten, damit man ganz im Hollywood-Stil einen fulminanten Abschluß hat und die Geschichte dann aus ist. Ganz so, wie das Massenpublikum es liebt.
Diese Übersetzung ist vielleicht für die Gruppe der heute 12-13jährigen geeignet, die schon Schwierigkeiten mit Sätzen haben, die aus mehr als drei Wörtern bestehen. Aber "Der Herr der Ringe" ist kein Kinderbuch. Für Erwachsene, die sich in die alten und mystischen Welten Mittelerdes entführen lassen wollen, läßt sie für dieses Unterfangen zu wenig Atmosphäre übrig.
Es ist in Deutschland ein in letzter Zeit stark zunehmendes Phänomen (siehe auch "Denglisch"), daß viele Menschen hier sich geradezu zwanghaft bemühen, so modern wie möglich zu wirken und dabei unfreiwillig den Spott anderer Nationen auf sich ziehen. Was wohl Harper-Collins von dem Vorschlag halten würde, "The Lord of the Rings" in einer neuen, modernen Fassung herauszubringen, da das Original ja schon so veraltet ist.
In diesem Sinne: Leider nur ein Punkt für diese katastrophale Ausgabe eines eigentlich wunderbaren Buches.
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wenn ein Autor eine Welt erschafft, dann tut er das nur selten aus Spaß allein. Denn meistens ist die erschaffene, fiktionale Welt doch nur ein Abbild der Realität, und vieles aus unserer Wirklichkeit findet sich wieder, manchmal mehr, manchmal weniger verfremdet. Tolkien, der Autor dieses Mammutwerkes hat vielleicht die komplexeste und umfangreichste aller literarischen Welten erfunden. Nicht nur bilden "Der kleine Hobbit", das "Simarilion", "Der Herr der Ringe" und viele weitere Geschichten aus Mittelerde einen zusammenhängenden Zyklus. Tolkien hat zu den Texten auch gleich noch eine Sprache erfunden, dazu eine Geologie, eine Architektur und eine eigene Dichtung. Ein Schöpfungsmythos mit eigenen magischen Wesen und Göttern ergänzt das alles. Das schöne ist, dass jedes dieser Elemente nicht für sich steht, sondern mit den Geschichten in den Büchern verbunden ist, einen Einfluss auf die Geschicke der Hauptfiguren hat. Wenn man beginnt, sich mit "Der Herrn der Ringe" zu beschäftigen, wird man daher schnell zu einer Art Forscher, zu einem Archäologen, der nach immer neuen Schichten sucht, um die Hintergründe der erzählten Geschichten zu verstehen.

Dabei ist der erste Eindruck, den ein Leser von "Der Herr der Ringe" gewinnt, oft der eines Reiseromans. Eine Gruppe von Gefährten, beinahe Freunden, manchmal aber auch Feinden, zieht durch wechselnde Landschaften. Man kann den Weg von Nord nach Süd gut auf der dem Buch beigefügten Karte verfolgen. Die Geschichte ist eigentlich sogar recht einfach. Man reist manchmal zusammen, einige Male verliert man sich und wird getrennt. Aber immer geht es dem Bösen und auch dem Höhepunkt des Buches entgegen. Die Landschaften sind außerordentlich schön beschrieben. Und wie in jedem, guten Reisebericht gibt es auch viel zu erzählen über die Menschen und Völker am Rande der Reiseroute. Die Figuren und Gesellschaften, denen die Reisenden begegnen, entspringen vor allem der europäischen Sagenwelt. Wir lesen von Zwergen und Zauberern, von Elfen, die Elben heißen, von bösen Drachen, Trollen und Gnomen. So ist einer der Hauptvorwürfe, mit denen sich der Autor herumschlagen musste, der des Eskapismus, der Vorwurf, dass die Geschichte dieser zugegebenermaßen liebenswerten Freaks schön zu lesen wäre, aber mit der Wirklichkeit wenig zu tun hätte.

Aber auch ein nur durchschnittlich gebildeter Leser vermutet bald mehr hinter den Ereignissen. Hat das große, langsam verfallene Gondor nicht wirklich etwas von Byzanz? Ist das versunkene Numenor, Quelle der westlichen Zivilisation nicht doch Atlantis unter einem anderen Namen? Und schildert die merkwürdige Verwandlung von Gandalf nach dem Kampf mit dem Balrog nicht einen Tod mit folgender Auferstehung, also den Gründungsmythos der christlichen Religion? Germanische Reiter bzw. Ritter finden sich im Buch, von Invasoren aus dem Osten wird erzählt. Aber die vielleicht schönste Abbildung einer realen Gesellschaft findet sich im Auenland und seinen Bewohnern. Hier wird natürlich das einfache, über hunderte von Jahren kaum veränderte Landleben in den grünen Hügeln von Mittelengland erzählt. Dessen zwar spießige, aber immer liebenswerte Menschen werden in den Hobbits hervorragend abgebildet. Der enge Horizont des Weltbildes, die Freude am Feiern, die landschaftliche Schönheit, die historischen Monumente, die niemand mehr versteht oder auch nur verstehen will - alles findet sich hier und alles ist wie ein Paradies beschrieben.

So ist das, was wir hier lesen, mehr als nur Phantasie. Es ist eine Zusammenfassung der historischen Umbrüche in Europa von der Spätantike bis ins 19. Jahrhundert, die letztendlich die Wurzel der europäischen Kultur geworden sind. Und wir ahnen auch, dass Tolkien diese Kultur als eine besondere ansieht, weil sie besondere Menschen hervorbringt, die besonderes leisten. Und so stehen in vielen der Geschichten abstrakte, ihm und uns wichtige Wertvorstellungen im Vordergrund. Es wird Toleranz gezeigt, insbesondere in der Form der Zusammenarbeit verschiedener, aber bewusst individueller Völker. Es wird Freundschaft gezeigt, die bis hin zur Selbstaufopferung und Hingabe für einen anderen funktioniert. Es wird die Sehnsucht nach Reisen und Entdeckungen gezeigt. Es geht um Mitgefühl, um Liebe (wenn auch meist um platonische), um Mut, Heldentum und Kultur. Und um die Tatsache, dass man für all dies kämpfen muss, wenn man es sich bewahren will. Auch gegen die Folgen von Industrialisierung und Technologie, deren Missbrauch ein durchgehendes Thema im Buch ist.

Der vielleicht wichtigste Punkt im Herrn der Ringe ist jedoch noch ein anderer. Es geht um die Frage, wie es Menschen unter Druck gelingt, Mensch zu bleiben. Boromir scheitert an dieser Aufgabe, und er ist nicht der einzige. Gandalf nimmt die Herausforderung, Ringträger zu sein, nicht an, denn er weiß, dass es seine Menschlichkeit zerstören würde. Nur Frodo und Sam scheinen die große Aufgabe zu meistern, trotz ständiger Gefahr, trotz der Versuchung, aus Gründen der Selbsterhaltung grausam zu handeln, bleiben beide sie selbst. Beinahe niemals verlieren sie das menschliche Maß der Dinge aus den Augen, und selbst mit einem Gollum haben die beiden Erbarmen. Es ist dieses Gegenbild gegen die stolzen, pathetischen Helden, was den Herrn der Ringe zu einem besonderen Stück Literatur macht. Die Rettung kommt aus dem kleinen Volk, von kleinen, scheinbar schwachen Menschen. Eine Absage an die großen, stolzen Helden, die sonst in der phantastischen Literatur und in den Sehnsüchten rechter Politiker die Welt retten müssen. Was auch immer passiert, vergesse Deine Wurzeln nicht, und verliere nie die Lust am Leben, das scheint mir die Botschaft zu sein.

Es heißt, die Bibel wäre deshalb so ein wichtiges Buch, weil sie aus dieser, unserer Welt eine bessere macht. Ich glaube, dass das Buch von Tolkien das auch ein bisschen leisten kann.
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