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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Grauen - ohne Vampire, Zombies oder Zauberei
Mit "Hemmermoor" von Stefan Kiesbye halte ich einen kurzen Roman in meinen Händen, den ich selber in die "Geheimtip"-Kategorie einordnen würde. Mir war der Autor gänzlich unbekannt, und auch beim Stöbern in den Buchläden ist mir dieses Buch nie begegnet. Schade, denn so fiel dieses Schmuckstück erst jetzt in meine Hände.

Der...
Veröffentlicht am 29. März 2011 von Patrick Gelhausen

versus
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3.0 von 5 Sternen Hemmersmoor
Christian hat es als einziger von seinen Freunden geschafft aus Hemmersmoor vorzugehen, dem grausamen und eigenartigen Ort seiner Kindheit. Doch auch ihn zieht es nach dem Tod seiner Frau wieder zurück zu diesem Ort der Gewalttätigkeit und des Aberglaubens. Denn die Vergangenheit scheint zwar hinter ihnen zu liegen, doch durchbrechen deren Folgen noch immer die...
Veröffentlicht am 27. Februar 2011 von Jana Lenz


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Grauen - ohne Vampire, Zombies oder Zauberei, 29. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit "Hemmermoor" von Stefan Kiesbye halte ich einen kurzen Roman in meinen Händen, den ich selber in die "Geheimtip"-Kategorie einordnen würde. Mir war der Autor gänzlich unbekannt, und auch beim Stöbern in den Buchläden ist mir dieses Buch nie begegnet. Schade, denn so fiel dieses Schmuckstück erst jetzt in meine Hände.

Der Reihe nach: Nach dem Tod ihrer alten Schul- und Spielkameradin Anke kehrt Christian zur Beerdigung in das Dorf seiner Kindheit zurück: Das abgelegene Hemmersmoor in Norddeutschland. Dort trifft er seine alten Freunde Linde, Martin und Alex wieder. Und man erinnert sich an so einiges...

5 Charaktere (einschließlich Anke), 4 Sichtweisen (Alex erleben wir nicht als Erzähler). Dies prägt das Buch in einen episodenhaften Erzählstil, dessen Abschnitte lose zueinander in Bezug stehen und als Mosaiksteinchen zusammen das Bild einer unglücksseligen Kindheit zeichnen. Die Charaktere tragen ihre Geschichten dabei als "Ich"-Erzähler vor - mitten im Geschehen, aber doch mit einer merkwürdigen Distanziertheit, vielleicht auch, weil man sich nicht wiedererkennen will. Denn das im bezeichnender Weise "Teufelsmoor" gelegene Hemmersmoor ist alles andere als ein freundlicher Ort. Die Handlung spielt kurz nach dem zweiten Weltkrieg und Verrat, Gewalt, Inzest, Mord sowie allerlei andere seelische und körperliche Grausamkeiten bestimmen den Alltag in einer Gemeinde, die von Xenophobie (Wer fremd ist, bleibt fremd...) und Aberglaube zerfressen ist.
Trotzdem hält man in Hemmersmoor zusammen und kehrt das Geschehene immer wieder unter den Teppich. Wer soll auch aufbegehren? Schließlich hat jeder seine eigenen Leichen im Keller. Und da ist da noch etwas anderes, abgelegen hinter der alten Brümmers Fabrik...

Mehr über die Story zu verraten, wäre ein Frevel, denn auf knapp 200 Seiten gibt es ordentlich viel zu ergründen. Das macht Kiesbye gut: Stück für Stück erarbeitet man sich die Beziehung der im Prolog eingeführten Personen untereinander und zu ihren Familien. Dabei weiß man oft nicht, was der Wahrheit entspricht und was der kindlich-naiven Wahrnehmung der Erzähler geschuldet ist. Streifen die Geister, die die kleinen Kinder erblicken, wirklich durch Hemmersmoor? Oder gibt es dafür eine weltliche Erklärung? Der Teufel, Hexen, Irrlichter und Flüche - real oder der Erklärungsversuch eines abergläubischen Geistes der es nicht besser weiß? Das alles spielt keine Rolle, denn im Mittelpunkt stehen die nur all zu realen Handlungen der Menschen.
Fest steht: Die Geschehnisse in Hemmersmoor, obgleich (oder vielleicht gerade deshalb) beunruhigend gleichgültig vorgetragen, können einem den Atem rauben und das ganz ohne feine Darstellungen oder obszöne Umschreibungen. Zartbesaitete Leser könnten daran sicherlich Anstoß erregen. Für den "durchschnittlichen" Leser ist Hemmersmoor aber sowieso nichts: Es gibt keine Detektivarbeit zur Suche des Mörders, es gibt keinen Spannungsbogen, keinen wirklichen Klimax, es gibt nicht einmal einen Protagonisten, der eine Idendifikation erlauben würde. Es gibt nur das Grauen, mal nur angedeutet, mal sehr direkt. Viel überlässt Kiesbye dem Leser und dessen Phantasie - die ja sinnigerweise irgendwo der Meister aller Grausamkeit ist.

Dabei braucht "Hemmersmoor" keinen übernatürlichen Bösewicht, keinen maskierten Buhmann oder andere typische "Erschrecker" - das beschriebene "Grauen" findet Kiesbye mitten zwischen ganz normalen Menschen. Wenn man so will ist Hemmersmoor (dunkle) Phantasie aber nicht Fantasy, Fiktion aber keine "fiction", nicht übernatürlich, aber sicher auch nicht natürlich. Sicherlich mutet das Beschriebene irgendwo unwirklich, übertrieben und "erfunden" an. Aber - und das deutet das Ende des Buches in einer für mich persönlich überwältigenden Moral an - ist das alles tatsächlich unmöglich?

Unter dem Strich haben wir hier kein gewöhnliches Buch, sondern harten Tobak. Das Buch wird einen auch dann noch verfolgen, wenn man die letzte Seite schon lange durch hat. Wir haben keinen gewönlichen Erzählstil, keine Belletristik in den üblichen Mustern. Deswegen werden Leser, die einen fertigen Horrorroman oder einen "Who did it?"-Krimi erwarten, vermutlich eher enttäuscht sein. Leider ist das Buch mit etwa 200 Seiten auch recht kurz gehalten.
Positiv steht für mich allerdings zu Buche, dass das Werk vermutlich auch erfahrene Leser emotional berühren kann, dass es ein interessantes Setting hat (für den deutschen Leser) und eine Moral aufweist, die man so nicht wirklich kommen sieht - und einen schlucken lässt. Jedenfalls ging es mir so.

Warum also "nur" 4/5 Sterne? Am Ende sind lose aneinander gereite Episoden mit schauerlichen Geschichten dann doch kein Meisterwerk - dafür fehlt in meinen Augen einfach der Feinschliff. Etwas, dass den Leser mehr an sich bindet und in die Welt von Hemmersmoor entführt. Dennoch: "Hemmersmoor" ist ein sehr gutes Buch, dem man mit robusten Nerven und einem Faible für den "Horror der Realität" durchaus mal eine Chance geben kann und sollte.

Am Ende noch ein Tipp: Obwohl es im Allgemeinen nie gut ist, vorab zu viel über die Geschichte eines Buches zu wissen, würde ich empfehlen, hier besonders darauf zu achten, nicht zu viele Einzelheiten vorab zu erfahren. Denn wenn man sich auf diese Dinge einstellt und sie erwartet, dann dämpft das den Wirkung am Ende doch leider etwas ab.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schaurige Satire, 3. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Als ich die Leseprobe zu dem Buch las, war ich mir ganz und gar nicht sicher um welche Art Buch es sich dabei handelt. Irgendwie kamen mir die Szenen so grotesk und zugleich albern vor, dass ich den Roman zunächst einmal für ein ziemlich witziges und nicht ernst zu nehmendes Buch hielt. Nun, nachdem ich es zu Ende gelesen habe, kann ich sagen, dass es sich dabei wohl um eine ziemlich schaurige Satire handelt.

Christian und seine Freunde wachsen in einem norddeutschen Dorf auf, das scheinbar ziemlich isoliert und fernab jeder Stadt liegt. Dort erleben Sie Dinge, die Kinder nicht erleben sollten. Es wird gemordert, misshandelt und vergewaltigt. Es gibt Fälle von Inzest und Grausamkeiten die man kaum beschreiben kann. Mal werden Überreste von Neugeborenen entdeckt, mal werden Kinder von ihren Väter missbraucht, dann im Eifer des Gefechts Neuzugezogene ermordet.

In jedem Kapitel kommt die dunkelste Seite des Menschen ans Tageslicht um gleich wieder tief vergraben zu werden, denn egal wie grausam etwas auch sein mag, alles wird wieder unter den Teppich gekehrt. Nichts wird in die Welt hinausgetragen, denn dieses Dorf hält zusammen was auch immer kommen mag.

Der Roman wird mit den Werken von E.T.A. Hoffmann verglichen und das zurecht! Auch ich habe beim Lesen an Hoffmann denken müssen, denn anders als typische Horror Autoren wie zum Beispiel Stephen King, geht es Kiesbye nicht drum dem Leser Angst einzujagen, er berichtet fast schon sachlich über all die schrecklichen Vorfälle in dem Dorf und man wird als Leser sich und seiner Fantasie überlassen...

Auch wenn der Roman zu Beginn an eine Ansammlung schrecklicher Kurzgeschichten erinnert und man erst langsam einen Zusammenhang erkennt, kommt gegen Ende doch eine recht überraschende Wende, die die schrecklich netten Bewohner noch einmal in ein ganz anderes Licht stellt.

Als ich fertig war, habe ich erneut den Prolog gelesen und beim zweiten Durchgang noch mehr Details erfahren, so dass ich jedem raten würde dasselbe zu tun.

Fazit: Eine intelligente Satire mit fast grotesk wirkenden "Schauerelementen". Prädikat lesenswert!!!

Handlung 4/5
Charaktere 5/5
Lesespaß 5/5
Sprache 5/5
Preis/Leistung 5/5
Ergibt: 4,8 von 5 Punkten

Absolut empfehlenswert!!!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Böse lebt, 21. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der fahrende Schausteller Rico, der im Dorf Station macht und hinter dem sehr viel mehr steckt, als man vermutet, (zu sehen wenn er seinen Schuh auszieht), bringt es auf den Punkt. Sein Schaustellerzelt trägt die Überschrift 'Ricos Reise durch die Hölle'. Ein Motto, das einem jungen Mädchen nicht gut bekommen wird.

Ansonsten aber braucht das Dorf den düsteren Mann nicht, um eine Schnittstelle zur Welt des abgrundtief Bösen darzustellen. Das Böse, dass hier nicht mit Pauken und Trompeten daherkommt oder sich im Dunklen hinter knarrenden Schranktüren versteckt, sondern dass so natürlich, so nebenbei in den Bewohnern des Dorfes vorhanden ist. Keine innere Grenze scheint selbst den Nachwuchs des Dorfes darin aufzuhalten, jedes auch mythisch-magische Mittel in Anspruch zu nehmen, um die eigenen Ziele zu verfolgen.

Sei es spontan, wie im Spiel der Jungen auf dem zugefrorenen Tümpel, aus dem bald unglaublich lapidar geschildert Ernst wird, sei es bei einem ebenso spontanen Ausbruch im Rahmen einer solch harmlosen Begebenheit wie einem kleinen Wettkochen, sei es in der heiligen Nacht, geplant und vorbereitet gegenüber dem eigenen Vater.

Das Buch beginnt bereits mit einem Blick auf das innerlich grenzenlose Verhalten. Glaubt man für einen Augenblick dass sich in der Gegenwart einige alte Kinderfreunde als gereifte Menschen zur Trauerfeier für eine Bekannte aus dem Dorf versammeln, wird man umgehend eines besseren belehrt, wenn der einzige, weibliche Gast bei der Beerdigung den Rock hebt und auf das Grab uriniert. Wohlgemerkt aber stet dem Autor auch in dieser Szene nicht der Sinn nach ordinären Handlungen, sondern als kleine Momentaufnahme gönnt er dem Leser hier bereits einen ahnenden Blick auf das Innenleben seiner Protagonisten. Ein Blick, der umgehend für Aufmerksamkeit sorgt und neugierig auf den Verlauf der Geschichte macht.

In der Form lässt Stefan Kiesbye nun Kapitel für Kapitel jeweils einen der alten Kinderfreunde in jeweiligen Rückblicken auf ihre damalige Zeit im Dorf zu Wort kommen. Jede der Erinnerungen beginnt eigentlich harmlos, alltäglich, doch schon nach den ersten beiden Erinnerungen weiß man, dass in diesen den ganz harmlosen Anfängen und Begebenheiten sich Wendungen ergeben werden, die zu unerhörten Folgen führen werden. Folgen für den eigenen Vater, die eigene Mutter, die Geschwister, gar für unschuldige Neugeborene durch die Hand der eigenen Mutter.

Kein Tabu kennt Stefan Kiesbye in seiner abgrundtief bösen Geschichte, in seinem Blick auf das Böse, dass hinter allem lauert, ohne dabei jemals einfach ordinär oder blutrünstig zu wirken. Gerade die Beiläufigkeit, die Stringenz der Handelnden, in denen nur selten und nur kurz geringe Zweifel zu spüren sind und die sich nicht abhalten lassen, als wäre es das Natürlichste von der Welt, zu töten, macht den Reiz in Stil und Geschichte aus.

Nicht unbedingt im Sprachstil, wohl aber in dieser konsequenten Komposition des inneren Bösen erinnert Kiesbye durchaus an Stephen King, dessen Credo es war und ist, jede leicht verschämte Decke vom Bösen hinweg zu ziehen und den Leser unverstellt einen Blick darauf werfen zu lassen. Nicht einfacher Aberglaube ist es dabei, der die Handlungen im abgeschiedenen Dorf im Norden Deutschlands motiviert, Kiesbye gönnt dem Leser tatsächlich einen Blick auf das abgrundtief Böse, was im Menschen schlummert, und ausbricht, wenn keine inneren Grenzen gesetzt sind.
Er tut dies in der Form eines klassischen Schauerromans und erschreckt in tiefer Weise durch die völlige Alltäglichkeit und Beiläufigkeit der Handlungen. Vergebens wartet man auf das erlösende Gute in dieser auf den Dorfwelt am Rande des Moores. Ein Ort, an dem die 'Reise zur Hölle' vermutlich endet, weil diese hier zu finden ist. Im Innern des Menschen.
Kommentar
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heimatroman, ultimativ grausig, 18. Juli 2011
Von 
Heino Bosselmann "Heino Bosselmann" (Rützenfelde, Mecklenburg-Vorpommern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Capriccios vom Lande, Gespensterreigen aus der tiefen Provinz, aus einem Dorf in der namenlosen Plattgegend bei Bremen. Schwaden überm Moor. Huh! Aber richtig gut. Man kennt ja Kafkas "'Landarzt"'. Er will nur das Normale, also nächtens zu einem Patienten fahren, und schon brandet das Grauen an, so wie es sich immer aufwirft, urplötzlich, unerbittlich und etwas nonkausal. Stimmt ja mit Kant: Das Böse ist vernünftigerweise nicht zu denken. Ein kluger, literaturgeschichtlich schon erprobter Kunstgriff erleichtert dem Autor das Geschäft. Im durchlaufenden Wechsel berichten Heranwachsende aus ihren jeweiligen Perspektiven von den Grausamkeiten, deren Horror vor allem darin besteht, daß sie vom Dorf hingenommen und gewissermaßen so verdaut werden, daß der Fehlwuchs der Ereignisse die Gemeinschaft geradezu verkrüppeln läßt. Abnorm vor allem die Gefühlskälte, die das zuläßt, die jeder aber als Grundmuster menschlichen Handelns kennt, nur eben nicht im hier gezeigtem filmreifen Extrem. Noch das Schrecklichste erscheint glaubwürdig. Wenigstens belletristisch. Es spricht sich in den Dorfmythen ebenso aus wie es sich im verdrängt-vergessenen ehemaligen KZ am Ende der letzten Gleisanlage des Dorfes vergegenständlicht findet. Vom fortdauernden, teilweise surrealistisch und phantastisch anmutenden Alptraum ist die Gegenwart nicht befreit. Dörflicher Frohsinn beliebt nur grinsende Fassade, grelle Schminke über Perversion und Verfluchtheit. Die Gröbsten und Brutalsten machen den Schnitt, die Empfindsamen sind die Opfer. Auch das Cholorit stimmt. Man denke an den freilich eine andere Zeit zeigenden Film "Das weiße Band'". So ähnlich! ES wird berichtet. Letztendlich ist nicht alles ganz klar, aber alles läuft so lose wie stimmig zusammen, der graue Himmel ist von Menetekeln bekritzelt; und weil es schließlich um das Böse an sich geht, stört es einen nicht, wenn es zu keiner echten Auflösung kommt, die es ja ebensowenig im Leben selbst je gibt. Prosa vom Feinsten! Die Feuilletonisten, die gleich wieder beckmesserten: Was soll das? Wo bleibt die letztgültige Schlüssigkeit? Wieder nichts begriffen! Lesen! Unbedingt! Der Mann kann's. Virtuos wird die Ästhetik des Häßlichen beherrscht. Ich las Szenen scheußlichster Brutalität, die davon noch fürchterlicher wurden, daß sie, nun ja, einfühlsam beschrieben sind.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dorf der Gewalt, 20. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Hemmersmoor" las sich in der Leseprobe mittelmäßig. Der Prolog wirkte sehr melancholisch, ohne dass man als Leser Zugang dazu fand. Aber am Ende stellte sich heraus, dass man den Prolog nach dem eigentlichen Roman noch ein Zweites mal lesen sollte. Dann entfaltet er eine Wirkung, die unter die Haut geht. Aber alles der Reihe nach...

Story: Hemmersmoor ist ein kleiner Ort im Norden. Im Moor gelegen, bietet das Dorf nicht wirklich viel. Kurz nach dem Krieg leben hier Familien, zwischen denen es immer wieder zu Streit, Misstrauen und Morden kommt. Aberglauben und menschliche Dramen tragen das ihre dazu bei.

Protagonisten: Die handelnden Personen sind durchaus Facettenreich gestaltet. Anke, Linde, Christian und Martin sind es, aus deren Sicht erzählt wird. Man erlebt ihre Kindheit mit, liest, wie sich ihr Charakter über die Jahre entwickelt. Das ist sehr interessant, wenn auch manchmal ein bisschen seltsam. Angesichts der vielen schockierenden Erlebnisse scheinen manche Personen etwas zu kühl. Natürlich sind Menschen zuweilen grausam, aber nicht derart. Auch wenn man den Norddeutschen eine gewisse Kälte nachsagt... Als einer von ihnen weiß ich, dass es nicht so ist.

Stil: "Hemmersmoor" ist unheimlich. Wenn auch nicht durch die Schaueratmosphäre, sondern vielmehr durch die Bewohner des Dorfes. Übersinnliches kommt nur am Rand vor und könnte, wenn man denn wollte, auch locker durch Zufall erklärt werden. Ist eh nur nebensächlich. Ein Mittel zum Zweck, um die Menschen in eine Position zu verfrachten, aus der heraus sie unheil anrichten können. Denn im Vordergrund steht eindeutig die Bestie Mensch. Da wird schonmal eine Frau samt Mann und Fünf Kindern nieder gemetzelt, weil man sie verdächtigt Menschenfleisch gekocht zu haben. Und das nur, weil sie "Neu" ist. Abglauben an allen Ecken und Enden. Das ist übertrieben, macht aber nichts. Die Wirkung verfehlt das Buch nicht. Roh und eiskalt. Wie der Nordwind. Erzählt wird das Ganze in mehreren Episoden, lose verknüpft von einer Rahmenhandlung. Im Grunde sind es Kurzgeschichten, die man aber hintereinander lesen muss, um sie zu verstehen. Halt die Chronik eines düsteren Dörfchens, in dem ich keinen Urlaub buchen würde. Ich habe echt das Gefühl, dass man in Hemmersmoor bloß zwinkern muss, um der Hexerei verdächtigt zu werden.

Fazit: Sehr schöner Mysteryroman, der irgendwo zwischen "Neues aus Büttenwarder" und Jack Ketchum anzusiedeln ist. Brutal, düster und verstörend. Dass an manchen Stellen übetrieben wird, stört mich kaum. Es liest sich locker weg. Und bleibt im Gedächtnis.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich mal was Neues, 25. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Stefan Kiesbyes Buch schleicht sich ganz langsam an und zieht einen dann in den Abgrund. Ein Knaller!
Ich habe keine Ahnung, wie der Autor es geschafft hat, die Geschichte so zusammen zu puzzlen.
Nach einem etwas lahmen Prolog (den man nochmal lesen sollte, wenn man das Buch zu Ende gelesen hat) erzählen die Bewohner eines Dorfes Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend. Schon die erste Geschichte wirft die Frage auf: Legende, Wahnsinn oder Dorf"idylle"?
Ein Buch, wie ich es so noch nie gelesen habe. Endlich mal was ganz anderes! Sollte man es doch beschreiben wollen, würde ich sagen: Fontane trifft E.T.A. Hoffmann trifft Edward St.Aubyn.
Das perfekte Buch für einen gruseligen Abend!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was für Abgründe in Hemmersmoor herrschen!, 25. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich tue mich immer etwas schwer, mit dem Cover, da ich Bücher nicht nach dem Cover kaufe, würde ich das Cover nicht überbewerten. Das Cover passt hier aber super zum Buch! Sehr düster, dunkel, unheimlich!

Anlässlich der Beerdigung von Anke treffen sich Christian und seine Jugendfreunde in Hemmersmoor, wo sie zusammen aufgewachsen sind, wieder. Linde pisst auf das Grab ihrer ehemaligen Jugendfreundin Anke.

Der Autor lässt in jedem Kapitel eine Person ihre Erlebnisse in der ich-Form schildern. Dabei sind die Kapitel dann sozusagen Kurzgeschichten. Man ist dadurch mitten im Geschehen. Der Erzählstil des Autors gefällt mir sehr gut, er ist sehr nüchtern, sehr spannend, voller Andeutungen. Durch die Andeutungen möchte man wissen, wie es weitergeht.

Das Buch ist von Anfang an sehr, sehr spannend, düster, unheimlich, grausam. Sämtliche Grausamkeiten der Menschen findet man in Hemmersmoor wieder, Schuld, Aberglaube, Inzest, Verrat, Untreue, Mord, Neid, alles ist vorhanden. Hemmersmoor ist wohl das Tor zur Hölle. Hier sind die ganzen Abgründe der Menschheit eben auf einen Ort zusammen gefasst worden!

Dass diese Dinge passieren, kann man täglich in der Zeitung lesen, sie passieren nebenan, im stillen Kämmerlein, die Nachbarn ahnen etwas, mischen sich aber nicht ein und zur Not hält die Gemeinschaft eben zusammen ..

Das Buch hat mich etwas an Steven King erinnert.

Ich werde mir das 1. Buch des Autors auf jeden Fall mal besorgen und ihn weiter beobachen.

Das Buch kann ich guten Gewissens weiterempfehlen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen O schaurig ist's, übers Moor zu gehn..., 27. Februar 2011
Von 
T. Jannusch "rumble-bee" (Velbert) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schon seit dieses Buch vor Kurzem hier ankam, lag es irgendwie lockend in der Ecke - so als werfe es seine Fangnetze nach mir aus. Immer wieder streifte der Blick zum düsteren Cover, bis ich es nicht mehr aushielt, und halb widerwillig, halb fasziniert mit der Lektüre begann. Von da ab gab es kein Entrinnen mehr. Genau wie die Protagonisten in diesem Buch, sollte und wollte ich Hemmersmoor nicht mehr entkommen. Einen ganzen Tag lang litt, rätselte und verschlang ich, bis ich nach den gut 200 Seiten erschöpft wieder ans Tageslicht taumelte.

Doch eines will mir nach wie vor nicht gelingen: dieses Buch in eine auch nur irgendwie geartete Schublade zu stecken. Schauerroman? Nur bedingt. Schaurig sind die Geschehnisse zwar, doch ist die Handlung, insofern man überhaupt von einer solchen sprechen kann, viel zu schlaglichtartig. Man erhält als Leser ein Porträt einer Dorfgemeinde, das ja, und man versteht auch ansatzweise die seelischen Verstrickungen der vier Erzähler Martin, Christian, Linde und Anke. Aber um es wirklich als "Roman" zu bezeichnen, nun ja, da fehlt einfach das vereinende Moment. Sicher, alle vier haben in diesem Dorf gelebt und gelitten, aber letztlich hat jeder sein eigenes grausames Schicksal und Geheimnis durchlebt.

Auch die Bezeichnungen "Thriller" oder "Gruselgeschichte" wollen nicht so recht greifen. Zwar gibt es Geschehnisse, die nach außen hin totgeschwiegen werden - aber innerhalb des Dorfes ist eigentlich alles mehr oder weniger bekannt, der "Thrill" spielt sich also nur im Kopf des Lesers ab. Gruselgeschichte - nun ja, diese Bezeichnung lasse ich noch am ehesten gelten. Wobei die Bezeichnung "Geschichte" mit Vorsicht zu genießen ist. Es wird hier ein Motivteppich gewoben, und der Autor scheut sich dabei nicht, auch auf Eindrücke von berühmten Kollegen zurückzugreifen. Ich würde nicht sagen, dass es ganz bewusste Anspielungen sind - aber es gibt immer wieder Anklänge, Farben, Reminiszenzen, die sich fast unmerklich in diesen Teppich weben. Der Autor sammelt dabei von Autoren wie Stephen King, Shirley Jackson ("The Lottery"), Wilkie Collins, E. T. A. Hoffmann, Ottfried Preußler ("Krabat") und Lewis Carroll ("Alice im Wunderland"); ja, sogar filmische Anklänge gibt es ("Pans Labyrinth"). Doch all dies Material wird von Stefan Kiesbye zu einem völlig eigenständigen Werk verarbeitet, und dafür gebührt ihm Hochachtung!

Ein wenig flapsig könnte man dieses Buch als "Ring der Niederungen" bezeichnen. Denn das Buch schließt einen erzählerischen Kreis: Es beginnt mit einem Prolog, in dem sich Martin, Alex, Christian und Linde auf der Beerdigung von Anke treffen. Danach streift es abwechselnd durch die Kindheiten der Beteiligten, wobei merkwürdigerweise nur Alex als Erzähler nicht auftritt. Wir begleiten diese fünf verdammten Charaktere von ihrer Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter, und landen am Ende in einem Epilog, der wieder in der Gegenwart spielt. Christian ist hierbei derjenige, der die Fäden in der Hand zu halten scheint - mit ihm beginnt und endet das Buch.Ich würde jedem Leser dringend dazu raten, nach Beendigung des Buches zumindest den Prolog noch einmal zu lesen - denn dann erschließt sich einem erst so manche Anspielung!

Seine besondere Bedeutung erhält das Buch durch eine Entdeckung, die Christian (es war doch Christian...?) im letzten Drittel der Geschichte macht. Denn die alten Bahngleise führten eben nicht nur bis zu Brümmers Fabrik, nein, dahinter lag noch etwas anderes, etwas, was erklärt, warum diese Dorfgemeinschaft immer zusammenhielt, und lieber von sich ablenkte, als zu viel Aufhebens zu machen... Das möchte ich nicht näher erläutern, weil es wirklich für mich DER absolute Knalleffekt des Buches war. Ich sage nur, dass es unmittelbar mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun hatte, kurz nach dessen Ende die Handlung ja auch beginnt...

Auf einzelne Erzählstränge oder Motive möchte ich gar nicht näher eingehen, weil ich das voyeuristisch fände, und weil man dem Buch damit auch nicht gerecht wird. Man stelle sich in etwa vor, die Schlagzeilen der "Bild"-Zeitung über einen längeren Zeitraum zu sammeln, dann hat man in etwa alles, was sich in diesem Buch so abspielt - fast jede Grausamkeit, die man sich rund um Kinder und Familien so vorstellen mag. Dennoch wirkt es nicht übertrieben, weil es der Autor eben versteht, alles kunstvoll in der Schwebe zu halten. Dazu noch das, was hinter Brümmers Fabrik lag, und fertig ist der perfekt gestaltete, düstere Mikrokosmos.

Aber wem würde ich dieses Buch empfehlen? Sicherlich nicht einem zart besaiteten Leser. Auch keinem Thriller-Fan, weil es dafür zu gemächlich daher kommt. Sicherlich aber einem literarisch interessierten Leser, der Freude daran hat, die Originalität dieses Werkes auszukosten, und der den vielen Anklängen nachspüren mag. Ich persönlich kann mich nur bei Verlag und vorablesen für dieses herausragende Lese-Erlebnis bedanken!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein teuflisches Dorf im Moor, 3. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein teuflisches Dorf im Moor
Christian betritt seit Langen wieder den Boden von Hemmersmoor. Seit Kurzem lebt ihr wieder im Dorf und wohnt einer Beerdigung bei, mit anderen Kindern Hemmersmoors, Freunde, Feinde, Menschen, die in einer Dorfgesellschaft leben, die von weitaus mehr bestimmt wird als nur Landromantik.

Stefan Kiesbye hat einen Schauerroman geschaffen, der mehr als nur ein paar Schauer beim Leser auslöst. Seine Geschichte rund um ein norddeutsches Dorf zeigt die wahren Monster: die Menschen. In einer Gemeinde in der Töchter von ihren Vätern geschwängert, Frauen und Mädchen vergewaltigt, Außenstehende angeklagt und schier hingerichtet, der Spott und Hohn Zwiespalt gesäht werden. Eine Welt, die eigenständig zu seien scheint, die den Weltethos nicht besitzt, sondern in Aberglauben verstrickt, an moralische Vorstellungen gebunden ist, die an Rückständigkeit klammert. Menschen werden schnell zum Gespräch, zum Gespött und ihr Ruf wird in kürzester Zeit zerstört, wenn sie nicht selbst zerstört werden, psychisch oder physisch.
Dargestellt und repräsentiert wird diese von Doppelmoral geprägte Dorfgemeinde, in der jegliches Grauen unter dem Teppich gekehrt wird, von den Kinder Hemmersmoors. Sie sind die Ich-Perspektiven, die fast schon ohne jegliche Emotion und distanziert über die Geschehnisse im Dorf sprechen und sich gegenseitig ergänzen. Der Autor hat dabei zeitweise eine Art altertümliche Sprache verwendet, die an die Schauergeschichten des 18. Jahrhunderts erinnert. Erst zuletzt gibt sich aus den Perspektivfragmenten ein gesamtes erschreckendes Bild, welches schon in seinen teuflischen Details den Leser anwidert und in seiner Gesamtheit noch weitaus schwerer zu schlucken ist. Speziell die Ich-Perspektive und die doch distanzierte Art des Roman, führt uns direkt ins Dorf, fast schon als Einwohner, obwohl man unbeteiligter und stiller Außenstehender und Beobachter der Szenarien ist.
Dabei erstreckt sich die Entwicklung - und damit die eigentliche Handlung - des Dorfes über mehrere Jahre und so verändern sich auch die Kinder, werden finsterer, unmoralischer, sind von ihren aufkommenden Gefühlen geprägt und gehen seltsam abgestumpft an ihre aufkommende Sexualität heran. Ungebremst und unverhemmt, weil sie selbst ihr Kindsein aufgrund der ärmlichen und drastischen Umgebung abgelegt haben, die selbst nur mit Härte zu ertragen ist.
Die grotesken Episoden voller Gewalt, Vergewaltigungen und obskuren Vorstellungen und Gedankengänge, lassen einen den Kopf schütteln und man möchte etwas dagegen tun, die Leute wachrütteln, aus ihrer Trance erwecken, damit sie nicht einfach wegsehen. Man möchte sie dazu animieren etwas zu tun, offener zu sein, gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen und sie nicht einfach zu akzeptieren und hinzunehmen. Die Grauen, die sie umgibt, nicht zu verfolgen und selbst zu bestimmen, um schlussendlich aufzugeben. Aufgeben, weil fast Jeder in Hemmersmoor schuldig ist, auf seine Art und Weise. Sei es der Neid, der sie dazu treibt, sei es die Angst oder einfach das pure Verlangen und Streben nach dem, was sie wollen oder, was noch weitaus schlimmer ist, ihr (Aber)Glaube an das Richtige. Und das Schlimmste: Sie bleiben ungesühnt, all ihre Schandtaten werden nie angeklagt, denn die Dorfgemeinde tut so, als wäre nie etwas gewesen.
Die tragende Rolle spielt dabei das Verdrängen, das Verdrängen über das, was nebenan passiert, das Verdrängen, was war und das Verdrängen, was man selbst getan hat. Und hier sitzt der Schauer, der aus dem Roman fließt. Der Schauer über die grauenhaften Taten und der Schauer darüber, dass es alltäglich ist. Das Böse in der Welt wird missachtet und verdrängt, obwohl die Erkenntnis, das eigene Einschreiten und nicht wegsehen, weitaus mehr ändern ändern könnte. Denn das Böse ist alltäglich, auch wenn wir es nicht wahr haben wollen und die Augen davor verschließen.

Fazit
'Hemmersmoor' ist ein Schauerroman wie er im Buche. Dunkel, finster, überspitzt und grotesk. Eine Kritik an die Welt und dem größten Opfer und Täter: der Mensch, der verdrängt, wegsieht und auch die Taten begeht. Unheimlich und ungewöhnlich. Lesenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Im Hemmersmoor, 18. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Hemmersmoor: Roman (Gebundene Ausgabe)
Hemmersmoor ist ein Roman über ein kleines Dorf, weit abgelegen von der Zivilisation mitten im Moor.

Es behandelt kapitelweise aus abwechselnder Sicht die Kindheit und Jugend einiger Bewohner des Dorfes. Es ist ab der ersten Seite fesselnd und zieht den Leser in seinen Bann. Das Buch hat gerade mal 206 Seiten, aber eine doch sehr dichte Handlung.

Es werden viele Themen angerissen wie Inzest, Gewalt, Vergewaltigung, Mord, Selbstjustiz, Eifersucht und der Wunsch mehr aus seinen Leben zu machen, was nicht unbedingt mit Erfolg gekrönt ist. Ein wenig wirkt es wie ein Experiment unter dem Titel. 'Was passiert, wenn ich eine kleine überschaubare Gruppe von Menschen, weitestgehend abgeschieden von anderen, zusammenbringe und beobachte, was dabei herauskommt'. Und das Ergebnis ist wirklich erschütternd. Es ist ein wenig so, wie bei einem schlimmen Unfall, irgendwie muss jeder doch hinschauen und genau beobachten, was passiert. Der Schreibstil ist flüssig und, der Autor benutzt gut gegliederte Sätze und die Sprache dahinter wirkt ansprechend und nicht zu einfach, natürlich benutzten aber die Bewohner des Dorfes dabei meist eine einfache Sprache, da sie meistes von geringerer Bildung sind. Die Charaktere wirken ziemlich authentisch und nicht aufgesetzt oder unglaubwürdig.

Schade finde ich, dass das Buch nicht noch etwas länger war. Das Ende bzw. der Epilog wirkte dann noch etwas aus der Geschichte herausgerissen und schließt sich dann dem Prolog wieder an. Ich denke das Buch ist nicht unbedingt für jeden etwas, zeitweise gibt es unheimliche Szenen und das Buch lebt auch durch den Aberglaube der Menschen. Dieser wird aber nicht zu Nichte gemacht wird, sondern in dem Buch oft so dargestellt wird, als wäre wirklich alles genauso geschehen, auch wenn es unrealistisch wäre. Oft wird der Leser daher alleine gelassen mit der Frage, ob es wohl wirklich so abgelaufen ist oder noch einen anderen, dem Leser nicht erschließbaren Grund, für die Geschehnisse gibt. Ich denke dies macht mit den besonderen Charme des Buches aus.

Ich fand das Buch wirklich gut und kann es nur empfehlen, wenn man auf diese Art Bücher steht. Ich denke auch, dass der Buchumschlag gut zu dem Buch passt und den unheimlichen Unterton sehr gut trifft.
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Hemmersmoor: Roman
Hemmersmoor: Roman von Stefan Kiesbye (Gebundene Ausgabe - 21. Februar 2011)
EUR 17,95
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